England: Gericht verweigert Beschneidung

Beschneidung ist eine Entscheidung des Kindes

Gurke mit Messer
Sandwich mit Gurkenscheiben - eine typisch englische Spezialität

BERLIN. (hpd) Laut britischen Medienberichten hat ein muslimischer Mann vor einem Familiengericht in Exeter (Devon) darauf geklagt, seine beiden sechs und vier Jahre alten Söhne beschneiden lassen zu dürfen. Das Gericht hat die Beschneidung nun untersagt.

Der Kläger, ein gebürtiger Algerier und überzeugter Muslim, lebt von der aus Devon stammenden Mutter der Kinder getrennt. Da die Mutter gegen die Beschneidung ist, klagte der Mann. Er brachte vor, dass die Beschneidung seinen muslimischen Gebräuchen und religiösen Glaubensvorstellungen entspräche und im Interesse der Jungen sei.  

Richterin Roberts wies seine Klage ab und untersagte die Beschneidung. Die Richterin vertrat die Auffassung, dass es besser sei, die Entscheidung hinsichtlich einer Beschneidung so lange zu verschieben, bis die Jungen in der Lage seien, eigene Entscheidungen treffen zu können. Sie folgte damit der Argumentation der Kindesmutter, die angekündigt hatte, sich der Beschneidung zu widersetzen, bis die Kinder ein Alter erreicht hätten, in dem sie in der Lage seien, ihre Einwilligung zu einem solchen Eingriff zu geben.

Die Richterin fügte hinzu, dass die Beschneidung ein unumkehrbarer Akt sei und dass es keine Garantie dafür gäbe, dass die Jungen irgendwann den muslimischen Glauben mit derselben Hingabe fortsetzen wollten, wie ihr Vater sie an den Tag lege - obwohl dies durchaus einmal ihre Entscheidung sein könne. Da sie noch sehr jung seien, gäbe es keine Möglichkeit vorherzusagen, wie die unterschiedlichen elterlichen Haushalte ihre Entwicklung in den kommenden Jahren beeinflussen würden.

Kommentare (9)

Bernd Kammermeier (nicht überprüft)

Do. 21 Apr 2016 - 12:50

Mehr Engländerinnen wünschte ich mir in den deutschen Bundestag.

Aber ich habe es schon immer gewusst: Deutschland wird in einigen Jahrzehnten das letzte demokratische Land sein, in dem auch jüdische und muslimische Jugendliche selbst darüber entscheiden dürfen, ob sie sich ein Stück ihres Genitals - aufgeklärt über alle Folgen - abschneiden lassen wollen.

M.E.B. (nicht überprüft)

Do. 21 Apr 2016 - 16:35

Für die Autorin war das Bild vielleicht witzig. Ich finde es überhaupt nicht lustig. Stellen Sie sich vor, es ginge um Beschneidung der weiblichen Geschlechtsorgane, würden Sie dann ebenfalls den Querschnitt einer Feige zusammen mit einem Messer zeigen? Oder bei Brust-OPs: Würden Sie dann zwei Brötchen fotografieren, in denen zwei Messer stecken?
Was für eine Geschmacklosigkeit! Würde es sich hierbei nicht um das männliche Geschlecht handeln, wäre ein ähnliches Foto nie genommen worden. Schämen Sie sich!

"Für die Autorin war das Bild vielleicht witzig."

Ganz gewiss nicht. Genauso wenig, wie Beschneidung für die männlichen Opfer witzig ist. Was wäre denn passender gewesen? Echtes Blut, ein echter Schnitt durch die sensible Penishaut eines Kleinkindes?

Nein, natürlich nicht. Ein Bild von Devon, oder dem dortigen Familiengericht wäre passend gewesen. Zugegeben: "Witzig" sollte es bestimmt nicht sein, aber ich finde es äußerst geschmacklos.

Ich finde das Bild perfekt. Es verursacht ein unwillkürliches Schmunzeln, was beim zweiten Gedanken abrupt abgeschnitten wird. Und schon ist man mittendrin im Denkvorgang! Zu viele Menschen benötigen hierzuzlande offenbar einen deutlichen Denkanstoß um zu bemerken, dass das Abschneiden eines Stück Penis nicht so eine Lappalie ist wie das Abschneiden einer Gurkenscheibe. Wie kann der Aha-Effekt besser initiiert werden, als mit Gurke und Taschenmesser? "Geschmacklosigkeit" kann ich nicht erkennen.

angelika richter (nicht überprüft)

Fr. 22 Apr 2016 - 18:20

Bravo Frau Roberts!
Solche mutigen Leute brauchen wir hier dringend.

birgit haisch (nicht überprüft)

Fr. 29 Apr 2016 - 22:06

Bravo England. Bei Euch gelten die Menschenrechte etwas, im Gegensatz zu Deutschland. Hier missbrauchen die Religionsgemeinschaften ( damit meine ich alle, auch Christen und Juden) die Glaubensfreiheit und haben mächtige Parallelwelten errichtet, in der Menschen von Geburt an indoktriniert und tausendfach misshandelt werden! Säkularer Staat Deutschland? Ein Witz!

Daniela Wakonigg

Die Autorin ist studierte Philosophin, Theologin und Germanistin. Sie lebt in Münster (Westf.) und arbeitet als freie Autorin und Journalistin für Hörfunk- und Print-Medien. Sie ist u. a. Redakteurin der Zeitschrift MIZ und war von 2016 bis Anfang 2024 stellvertretende Chefredakteurin des hpd.

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