Demokratie-Monitoring:
Ein Fünftel der Deutschen hat rechtspopulistisches Weltbild
Foto: Alexa auf Pixabay Pixabay License
Ein Viertel der Deutschen glaubt, dass Politik in Deutschland von "geheimen Mächten" gesteuert werde. Ein Fünftel ist davon überzeugt, Massenmedien würden die Bevölkerung "systematisch belügen". Das zeigt eine Studie der Universität Hohenheim in Stuttgart. Das Team um den Kommunikationswissenschaftler Prof. Dr. Frank Brettschneider analysiert in einer repräsentativen Umfrage Rechtspopulismus, Verschwörungserzählungen, Demokratiezufriedenheit und Vertrauen in politische Institutionen. Dafür hat forsa im Auftrag der Forschenden im Juli 2023 4.024 Bundesbürger:innen befragt.
"Rechtspopulist:innen verwenden immer wieder die gleichen Erzähl-Elemente", beobachtet Prof. Dr. Frank Brettschneider und zählt auf: "1. Es gibt einen einheitlichen 'Volkswillen'. 2. Dieser wird von inneren und äußeren Mächten unterdrückt. 3. Zu den inneren Mächten zählen die politischen Eliten und die Massenmedien. 4. Zu den äußeren Mächten zählen die EU, die Globalisierung und der Islam. Oft werden auch Verschwörungserzählungen eingebaut."
Um das Ausmaß zu bestimmen, mit dem ein rechtspopulistisches Weltbild in der Bevölkerung verbreitet ist, wurden den Befragten 22 Aussagen vorgelegt. Einige davon enthielten Verschwörungserzählungen. Die Befragten sollten angeben, wie stark sie diesen Aussagen zustimmen oder wie stark sie sie ablehnen.
Demnach hat knapp ein Fünftel der Befragten ein geschlossenes rechtspopulistisches Weltbild, konstatiert Prof. Dr. Frank Brettschneider: "Bei 7 Prozent der Deutschen findet sich ein sehr starker Grad an Rechtspopulismus, bei 11 Prozent ein starker Grad." Im Osten Deutschlands sei der Anteil etwas höher (23 %) als im Westen (17 %). Je höher die formale Bildung der Befragten, desto geringer sei der Anteil derjenigen, die über ein rechtspopulistisches Weltbild verfügen. Am höchsten sei der Anteil bei den 45- bis 59-Jährigen (21 %), am niedrigsten bei den 18- bis 29-Jährigen (11 %).
"Der größte Unterschied besteht zwischen den Anhänger:innen der Grünen und der Anhängerschaft der AfD: 79 Prozent der AfD-Anhängerschaft haben ein rechtspopulistisches Weltbild. Bei der Anhängerschaft der Grünen ist es nur ein Prozent", so Prof. Dr. Frank Brettschneider. Im Durchschnitt stimmen AfD-Anhänger:innen 17 der 22 vorgelegten Aussagen zu. Bei den Grünen-Anhänger:innen sind es im Schnitt nur 2,3 Aussagen.
"Geheime Mächte", "Lügen" und "Betrug"
Gut ein Viertel der Befragten glaubt, dass Politik in Deutschland von "geheimen Mächten" gesteuert werde. Sie stimmen der folgenden Aussage zu: "Es gibt geheime Organisationen, die großen Einfluss auf politische Entscheidungen haben." Und 25 Prozent stimmen der Aussage zu: "Politiker und andere Führungspersönlichkeiten sind nur Marionetten dahinterstehender Mächte". 16 Prozent meinen sogar: "Unser Land gleicht inzwischen mehr einer Diktatur als einer Demokratie."
Ebenfalls ein Viertel meint, die Regierenden "betrügen das Volk". Von den AfD-Anhänger:innen stimmen sogar 81 Prozent dieser Aussage zu. 27 Prozent der Deutschen meinen: "Die Regierung verschweigt der Bevölkerung die Wahrheit." Und mehr als die Hälfte der Deutschen sehen Politiker generell als abgehoben an.
"Rechtspopulist:innen machen nicht nur Parteien und Politiker:innen verächtlich, sie diffamieren auch die Massenmedien", sagt Prof. Dr. Frank Brettschneider. Ein Fünftel bis ein Viertel der Bundesbürger:innen unterstellt den Massenmedien Manipulation. Und 21 Prozent meinen: "Die Bevölkerung in Deutschland wird von den Medien systematisch belogen." Von der AfD-Anhängerschaft stimmen 85 Prozent dieser Aussage zu.
24 Prozent der Bundesbürger:innen glauben: "Die Medien und die Politik arbeiten Hand in Hand, um die Meinung der Bevölkerung zu manipulieren." Und 23 Prozent geben an: "Die Medien bringen nur, was die Herrschenden vorgeben." Das tiefe Misstrauen gegenüber den klassischen Massenmedien sei in Ostdeutschland deutlich stärker ausgeprägt als in Westdeutschland, stellt Prof. Dr. Frank Brettschneider fest.
Unzufriedenheit mit dem Funktionieren der Demokratie, sinkendes Vertrauen in die Bundesregierung
Ein Viertel der Befragten ist mit dem Funktionieren der Demokratie auf Bundesebene unzufrieden. Auf Landes- und auf kommunaler Ebene sind es weniger. Je ausgeprägter das rechtspopulistische Weltbild der Befragten ist, desto größer ist die Unzufriedenheit mit dem Funktionieren der Demokratie. Aus der Gruppe mit dem stärksten rechtspopulistischen Weltbild sind 85 Prozent mit dem Funktionieren der Demokratie auf Bundesebene unzufrieden.
"Zwischen 2022 und 2023 ist die Zufriedenheit mit dem Funktionieren der Demokratie um zehn Prozentpunkte gesunken", hält Prof. Dr. Frank Brettschneider fest. Dies reflektiere die Unzufriedenheit von Teilen der Bevölkerung mit dem Handeln der Bundesregierung. Das Vertrauen in die Bundesregierung sei zwischen 2022 und 2023 so deutlich gesunken wie bei keiner anderen Institution.
Am meisten Vertrauen bringen die Deutschen der Wissenschaft, der Polizei und den Gerichten entgegen. Am wenigsten vertrauen sie der Bundesregierung, dem Europäischen Parlament und den politischen Parteien. "Nur 13 beziehungsweise 14 Prozent der Bundesbürger:innen misstrauen der Wissenschaft oder der Polizei, aber um die 50 Prozent den Parteien oder der Bundesregierung", so Prof. Dr. Frank Brettschneider.
Je rechtspopulistischer das Weltbild einer Person ist, desto größer ist auch ihr Misstrauen gegenüber diesen Institutionen: Aus der Gruppe mit dem stärksten rechtspopulistischen Weltbild misstrauen 48 Prozent der Wissenschaft, 89 Prozent dem Fernsehen, 93 Prozent den politischen Parteien und 96 Prozent der Bundesregierung.
Hintergrund: Demokratie-Monitoring der Universität Hohenheim
Seit 2021 führt forsa im Auftrag des Fachgebiets Kommunikationstheorie unter Leitung von Prof. Dr. Frank Brettschneider jährlich eine repräsentative Umfrage zum Demokratie-Verständnis der Bevölkerung durch. Die Ergebnisse sind auf Bundes- und auf Landesebene (Baden-Württemberg) repräsentativ. Bei einem Teil der Fragen setzt die Studie jedes Jahr einen anderen Schwerpunkt.
Die Meldung erschien zuerst auf der Website der Universität Hohenheim. Ausführlichere Informationen zum Demokratie-Monitoring 2023 finden Sie hier.

Kommentare (15)
Netiquette für Kommentare
Verschwörungen waren in der
Verschwörungen waren in der Politik schon immer vorhanden. Z.B. hatten sich verschiedene Sentoren verschworen, Julius Cäsar zu ermorden.
Zu glauben, es gäbe keine Verschwörungen in der heutigen Politik ist meiner Meinung nach naiv. Eher ist die Frge zu stellen, welche der vermuteten Verschwörungen sind echt, welche falsch.
Auch der Glaube, die Regierung würde dem Volk immer die Wahrheit und nichts als die Wahrheit erzählen, ist naiv.
Gleiches gilt für die Vorstellung, Politiker seien edel und selbstlos und es gäbe keine Vorteilsnahme unter ihnen. Diverse Corona-Masken-Affären beweisen das Gegenteil.
Will uns die Uni Hohenheim einreden, jeder sei ein Rechtspopulist, der unserer Regierung nicht vollumfänglich alles glaubt???
Sorry. Demokraten müssen wachsam sein, sonst wird ihnen die Demokratie unterm Hintern weggeklaut.
Nachtrag:
Nachtrag:
Ist Politik nicht gerade die hohe Kunst der Verschwörung zur Erlangung von Macht?
wer nicht Grün wählt oder
wer nicht Grün wählt oder eine andere Meinung hat ist ein Nazi und Gesellschaftlich unmöglich und von den sozialen menschen kommt haß und gewalt
und Frauengewalt gibt es nicht, schon gar keine sexuelle gewalt von frauen und sozial sind frauen ja auch so super
von jemanden der im Matriachat arbeitet. man muss frauen aus der opferrolle rausholen muss damit sie sozialverhalten lernen, nicht alle aber viele im vergleich zu männern.
Eine Bankrotterklärung
Eine Bankrotterklärung unseres Bildungssystems und der Bildungspolitik.
All diesen
All diesen Verschwörungstheoretikern und AfD Wählern kann ich nur empfehlen, sich das Buch von Bastian Schlange, mit dem Titel: DAS EINZIG WAHRE FAKTEN CHECKBUCH zu
kaufen oder aus zu leihen, vielleicht geht ihnen dann mal ein Licht der Wahrheit und
Weisheit auf.
Aha. Die ultimativen
Aha. Die ultimativen unparteischen Faktenchecker von correctiv. Kann mir ein Grinsen nicht verkneifen.
Arbeiten erfolgreich die bescheuertsten Wahnbildern von Paranoikern ab, aber wenns ans ernsthaft Politische geht geraten sie selbst ins Schwurbeln.
Der Titel des Buchs ist doch in seiner Anmassung schon ein Witz.
Ausgerechnet Correktiv. Genau
Ausgerechnet Correktiv. Genau mein Humor.
Schau an was für kluge Leute
Schau an was für kluge Leute sich da plötzlich im hpd finden.
Willkommen!
Willkommen!
Na ja, wenn nicht mal die
Na ja, wenn nicht mal die richtige Schreibweise hängen blieb, können Sie sich nicht groß damit beschäftigt haben.
Anhand der Fragestellung und
Anhand der Fragestellung und der Interpretation kann man seine Zweifel haben, ob hier tatsächlich die gebotenen wissenschaftlichen Standards zum Einsatz kamen. Ich kann auch nicht erkennen, in wie weit die Fragen etwas mit "rechts" zu tun haben. Schräge Wahrnehmungen kann man genau so "links" finden, wenn man es denn will und die entsprechenden Fragen stellt. Genau so wie man Überschneidungen beider Gruppen finden kann.
Was ich aus der "Studie" als Meta-Erkenntnis vielmehr herauslese und wo ich der Studienleitung zustimmen würde: Viele Menschen erkennen unbewusst ein Problem sowohl in unseren Medien als auch in unserer politischen Kultur. Dass ist mMn die relevante Erkenntnis und für sich zunächst auch nicht notwendigerweise "rechts" oder "verschwörerisch". Dass sich dies dann in wirren Wahrnehmungen äußert, ist mMn lediglich zweitrangiges Symptom. Das Problem ist die Ursache.
Habe mir die Fragen und
Habe mir die Fragen und Antworten dieser Studie auf der Homepage vom Kollegen Brettschneider angesehen. Ich bin nicht sehr erstaunt über die Ergebnisse der Umfrage. Nun ist es doch so, dass im Ursache-Wirkungsgefüge solch ein Ergebnis sich auch begründen ließe, wobei es sich um eine vorläufige Begründung handelt. Wie schon angedeutet wurde, kann man bei einer schlechten Schulbildung keine differenzierte Meinung in Großteilen der Bevölkerung erwarten. Selbst die Medien sind häufig kein Vorbild, denn sie halten sich selbst nicht an ihre Richtlinien, heißt: sauber zu recherchieren, Quellen zu nennen, Fakten von Meinungen strikt zu trennen. Zwei aktuelle Beispiele: Beim Hubert Aiwanger Skandal gibt es mehrere auf der Hand liegende Fragen, die die SZ bisher nicht beantwortete, z.B. woher wusste man nach mehr als 30 Jahren, was sich im Schulranzen von Herrn Aiwanger befand? Wie sah denn die vermeintliche Disziplinierung durch die Schule aus? Noch deutlicher ein Beispiel unsauberen Journalismus zeigte sich im Fall von Linnemann (Rammstein Musiker), wo die Staatsanwaltschaft ihm keinerlei strafbares Verhalten nachweisen konnte. Wehe, man hätte vor diesem Ergebnis die vermeintlichen Aussagen der unbekannten Frauen in Zweifel gezogen…
Ich frage mich natürlich, ob hinter dem Zulassen des Verfalls des Schulsystems, der Vernachlässigung von Kindern (mickrige 2 Mrd € für die Kindergrundsicherung), aber 10 Mrd für das milliardenschwere Unternehmen Intel für die Produktion total überflüssiger Chips, nicht eine bestimmte Absicht steckt. Fünfzig Jahre lang funktionierte zum Beispiel das Schulsystem, die handwerkliche Ausbildung und Verwaltung doch ganz gut, zum mindesten befanden sich diese Strukturen nicht in diesem gegenwärtigen beklagenswerten Zustand. Was die Digitalisierung angeht, wollte man sie voranbringen, reichte es doch, die Arbeitnehmer gut für die Bedienung der komplizierten Programme auszubilden. Einen weiteren Widerspruch in unserer Gesellschaft verstehe ich noch nicht: Trotz des Gejammers der Wirtschaft befindet sich der DAX auf sehr hohem Niveau, wie kommt das. Also mein unbegrenztes Vertrauen in unser Gemeinwesen wird durch das Verhalten der Politik und der Medien immer wieder enttäuscht, zumindest fühle ich mich immer verunsichert. So geht es wahrscheinlich auch dem Fünftel der Bevölkerung. Eigentlich ein gutes Zeichen, lassen sie sich nicht hinter das Licht führen. Ob dieses Fünftel identisch mit dem Fünftel Rechtspopulisten ist, bezweifle ich.
Der DAX bildet ja nicht die
Der DAX bildet ja nicht die Realwirtschaft ab. Der reale Wert der Firmen ist ja viel geringer als der Wert der Aktien, die gehandelt werden.
Dass der DAX sich auf hohem Niveau bewegt, zeigt zunächst nur, dass reichlich Geld vorhanden ist und dass die Leute sich trauen, damit zu spekulieren. Letztlich folgt man einfach dem Herdentrieb. Der DAX ist eine Spielwiese, die als Stimmungsbarometer der Anleger angesehen werden kann. Er bildet eine Erwartungshaltung ab.
Sehr geehrter Herr Fischer,
Sehr geehrter Herr Fischer,
Ja, was genau der Zusammenhang zwischen DAX und Wirtschaft ist mir zumindest nicht klar. Nur beobachtet man immer, wenn der Dax Punkte verliert, gibt es ein großes Geschrei, wenn er stark steigt ebenso, auf jeden Fall gibt es keine plausible Korrelation zwischen Börsennachrichten und Wirtschaftskraft. Börsenwerte und Berichte im Wirtschaftsteil, zu mindesten im Berliner Tagesspiegel, klaffen inhaltlich meistens stark auseinander. Die Firmenbosse klagen immer, sie beherrschen die Kunst des Klagens ohne zu leiden geradezu exzellent, während von den Arbeitnehmern die umgekehrte Kunst erwartet wird, des Leidens ohne zu klagen!
Man muss erst einmal unter
Man muss erst einmal unter dem eigenen Dach kehren, dann kann man zu der übrigen Welt zurückkehren.