Breites Bündnis macht sich für mehr Geld in der Bildung stark

"Gute Bildung für alle Menschen!"

Mit Blick auf die jetzt beginnenden Koalitionsverhandlungen appelliert ein großes Bündnis zivilgesellschaftlicher Organisationen und Gewerkschaften an CDU/CSU, FDP und Grüne, mehr Geld für die Bildung bereit zu stellen. "Deutschland braucht mehr und bessere Bildung für alle Menschen. So soll das Menschenrecht auf Bildung mit Leben gefüllt werden. Der Bund muss künftig zusätzliche Mittel in die Bildung investieren. Er soll Bildungsprojekte der Länder und Kommunen dauerhaft unterstützen. Dafür muss das Kooperationsverbot in der Bildung endlich komplett gestrichen werden", betonen die 30 Bündnispartner am Donnerstag in Berlin. "Geld ist genug da: Die öffentlichen Ausgaben für Bildung verharren bei 4,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Der OECD-Schnitt liegt bei 5,2 Prozent. Würde die Bundesrepublik so viel Geld für Bildung ausgeben wie die Staaten im OECD-Durchschnitt, stünden jährlich gut 26 Milliarden Euro mehr zur Verfügung."

Offensive für den Ausbau des Bildungswesens

"Deutschland braucht in dieser Legislaturperiode eine Offensive für den qualitativen und quantitativen Ausbau des Bildungswesens – von der Kita über alle Schulen und Hochschulen bis zur Weiterbildung – im Sinne einer Bildung für nachhaltige Entwicklung. Nur so ist gesellschaftlicher Fortschritt möglich", unterstreichen die Organisationen. Dabei müsse die künftige Regierung auch international ihrer Verantwortung gerecht werden, indem sie den deutschen Beitrag zur Förderung von guter Bildung weltweit steigert und mehr für die globale Bildung tut.

Als dringende Aufgaben in Deutschland benennen die Bündnispartner den qualitativen und quantitativen Ausbau der Ganztagsangebote, ein Sanierungs- und Neubauprogramm für Schulen und Hochschulen – auch mit Blick auf Bildung in einer digitalisierten Welt –, ein Kita-Qualitätsgesetz sowie die Entwicklung eines inklusiven Bildungswesens. Für das Lernen aller Menschen Barrieren abzubauen und deren gesellschaftliche Teilhabe aktiv zu fördern, ist laut UN-Kinderrechts- und Behindertenkonvention Auftrag der politisch Verantwortlichen. Zudem sei die Weiterbildung, insbesondere in der Grundbildung und der digitalen Medienkompetenz, deutlich auszubauen. Außerschulische Bildungs- und Lernorte müssten stärker gefördert und mehr mit Schule verzahnt werden. Die Unterstützungsangebote für geflüchtete und asylsuchende Kinder, Jugendliche und Erwachsene seien zu erweitern und zu verbessern. "Gute Angebote und gute Arbeitsbedingungen der Beschäftigten sind dabei zwei Seiten einer Medaille", sagen die Bündnispartner. "Bildung und Lernen brauchen mehr Zeit und Raum."

Gute Bildung ist ein Eckpfeiler der Demokratie

"Gute Bildung darf nicht vom Geldbeutel der Menschen oder dem Wohnort abhängig sein. Für ein hochwertiges, flächendeckendes und soziales Bildungsangebot müssen Bund, Länder und Kommunen an einem Strang ziehen. Das Grundgesetz verlange bundesweit eine gleichwertige Ausstattung der Bildungseinrichtungen. Gute Bildung ist ein Eckpfeiler der Demokratie. Sie ist Voraussetzung für eine plurale, freiheitliche Gesellschaft, die gerade jetzt gestärkt werden muss", heben die Organisationen hervor. Bildung ermögliche den Menschen Teilhabe an der Gesellschaft, sie eröffne berufliche und persönliche Perspektiven.

Die Bündnispartner werten den wachsenden Personalmangel im Bildungsbereich als "gesamtgesellschaftliches Alarmsignal". Er beeinträchtige zunehmend Quantität und Qualität der Angebote. Deshalb müssten die Attraktivität pädagogischer Berufe verbessert und die Ausbildungskapazitäten erhöht werden. Zudem seien die selbstständigen Lehrkräfte sowohl in der Weiterbildung als auch an der Hochschule sozial besser abzusichern sowie das Befristungsunwesen an Unis und Fachhochschulen einzudämmen. "In Bildung und Wissenschaft müssen Dauerstellen für Daueraufgaben geschaffen werden. Außerdem benötigen zusätzliche Aufgaben zusätzliches Personal. Denn: Alles beginnt mit guter Bildung!", sagen die Organisationen.


Diese Forderungen werde von folgenden zivilgesellschaftlichen Organisationen und Gewerkschaften unterstützt:

Alevitische Gemeinde Deutschland e.V.
Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik
Attac Deutschland
Bund demokratischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (BdWi)
Bundesschülerkonferenz
Bundesverband der Träger Beruflicher Bildung (Bildungsverband) e.V. (BBB)
Bundesverband deutscher Schullandheime e.V.
Bündnis DaF/DaZ-Lehrkräfte
Der Paritätische Gesamtverband
Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB)
Deutscher Kinderschutzbund Bundesverband e.V.
Deutscher Volkshochschul-Verband e.V.
Deutsches Kinderhilfswerk e.V.
DIDF – Föderation Demokratischer Arbeitervereine e.V.
Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG)
freier zusammenschluss von studentInnenschaften (fzs) e.V.
Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW)
Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG)
Grundschulverband e.V. (GSV)
Internationaler Bund (IB)
Mach meinen Kumpel nicht an!
NaturFreunde Deutschlands e.V.
OWUS Dachverband e.V.
Oxfam Deutschland e.V.
Pestalozzi-Fröbel-Verband e.V.
SoVD Sozialverband Deutschland
Sozialverband VdK Deutschland e.V.
Verband alleinerziehender Mütter und Väter, Bundesverband e.V. (VAMV)
WUS World University Service
Zukunftsforum Familie e.V.

Die Daten der öffentlichen Ausgaben für Bildung in Deutschland sind der aktuellen OECD-Studie "Bildung auf einen Blick 2017" entnommen.

Kommentare (8)

Rene Goeckel (nicht überprüft)

Do. 19 Okt 2017 - 18:22

Wie wärs denn wenn man die rund 4 Mrd. Euro, die jährlich für Ausbildung und Gehälter der Religionslehrer verpulvert werden, künftig nicht mehr in die Verdummung sondern in die Bildung der Kinder steckt? Oder die 250 Mio. Euro, die für die Lutherdekade verjubelt werden? Geld ist genug da, man muss sich nur entscheiden, ob es investiert oder unserem Parasiten in den Rachen geworfen wird.

Mirko (nicht überprüft)

Do. 19 Okt 2017 - 19:36

Hey hpd-Redaktion!

Könntet ihr den Artikel noch ergänzen durch Quellen (wo wurde der Text veröffentlicht, aus dem Ihr zitiert oder liegt der euch gerade vor)?
Gibt es eine Möglichkeit, mitzuzeichnen (als Privatperson oder eben auch als gbs)?

Liebe Grüße und danke für diese Meldung!

Kay Krause (nicht überprüft)

Fr. 20 Okt 2017 - 06:29

Und damit sind wir wieder beim "Glauben" angelangt: ich z.B. glaube (ich kann es nicht beweisen), dass eine bessere ALLGEMEIN-Bildung von höchsten (entscheidenden, gesetzgebenden) Stellen nicht gewollt ist. Es wird eine Elite herangezogen, in diese wird investiert. An der Bildungspolitik für das Fußvolk ändert sich nichts, bis auf hier und da kleine Alibi-Verbesserungen. Ein relativ ungebildetes Volk hat man halt wesentlich leichter im Griff als 80 Millionen intelligente Leute, die sich nichts vordenken lassen wollen.

Resnikschek Karin (nicht überprüft)

Mo. 23 Okt 2017 - 10:57

Ethisch-humanistische Charakterbidung sollte vermehrt stattfinden.
Der Religionsunterricht (RU) hat das z.T. übernommen. Ihn bezahlen Atheisten mit, bekommen selbst solche Segnungen nicht (gilt für 40% konfessionsfreie Bürger). Besonders im Osten der Republik wäre eine solide Werteerziehung vordringlich. Dort kam nach dem Faschismus der Unrechtsstaat DDR. Nach der Wende kam Zerschlagung der Wirtschaft und wertemäßig nur Video und Marlboro. Alles Gründe für AfD und Pegida.
Eine humanistische Ethik mit professionellem Studiengang (Humanistik) steht aus. Ethik wird unattraktiv gehalten und ist bei den Philosophen (z.T. Kirchenmitglieder) nur halb gut aufgehoben. Läßt der Staat durch mangelnde ethische Erziehung 40% Menschen ohne Werteorientierung (übrige Schulfächer haben dafür keine Zeit) - darf er sich über rechtsradikale Tendenzen nicht wundern. Gehen Politiker und Kirchen auf die Straße, ist die Erziehung längst den Bach hinunter. Auch bei den Segnungen, die die KI und Dig.4.0 bringen sollen wäre eine ethische Begleitung, die nicht den Profit, sondern die humane Nutzung in den Vordergrund stellt, von entscheidender Wichtigkeit. Wäre unser Staat vernünftig und nicht kirchenverblendet, hätten wir das längst. Eine Schande ist das. Also Ethik ab Kl. 1 bis in die Universitäten,
alternativ zu Religion oder als gemeinsames säkulares Wertefach, das Kinder integriert nicht nach Konfessionen trennt - das ist das Gebot der Stunde. Die BRD hat nicht die Zeit, darauf 200 Jahre zu warten (bisher gab's in 35 Jahren nur 1 Klasse mehr Ethik, d.h. 200 Jahre bis zu Ethik ab Kl.1 da) - auch wenn die Kirchen all ihre Macht gegen Ethik einsetzen.
Haben wir einen gerechten, weltanschaulich neutralen Staat oder eine Kirchenrepublik mit Diskriminierung Konfessionsfreier? Das müssen sich Staat und Parteien und die Ministerialbürokratie schon fragen lassen...Hum. Grüße Karin Resnikschek

Norbert Schönecker (nicht überprüft)

Mo. 23 Okt 2017 - 21:12

Antwort auf von Resnikschek Karin (nicht überprüft)

S.g. Frau Resnitschek!
Gegen ein Fach Ethik alterniv zu Religionsunterricht, wie Sie es als Möglichkeit sehen, habe ich als Religionslehrer überhaupt nichts einzuwenden. Ganz im Gegenteil: Mir ist Ethikunterricht als Alternative (oder auch belebende Konkurrenz) lieber als eine Freistunde.
Ob ein weltanschaulich neutraler Staat überhaupt Religionsunterricht anbieten soll, ist eine gar nicht so einfache Frage. Einerseits: Warum sollte er? Andererseits hat der Staat sicher ein Interesse daran, auf diese Art Einblick und auch etwas Kontrolle bzgl. der religiösen Lehre zu erhalten und so den Religionsfrieden zu wahren.

Andrea Diederich (nicht überprüft)

Mo. 6 Nov 2017 - 04:53

Wäre an der Zeit mehr in Geistigkeit statt in Geistlichkeit zu investieren.

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