Paraguay

Katholischer Geistlicher missbraucht Minderjährigen und erhält milde Strafe

Auch in der katholischen Kirche in Paraguay gibt es mindestens einen Fall von Missbrauch eines Minderjährigen. Ein Geistlicher wurde des Missbrauchs eines minderjährigen Jungen überführt und erhielt ein mildes Urteil. Mit Erstaunen und Entsetzen reagierten die Menschen auf die Gerichtsentscheidung, nach der der Pfarrer für sein Verbrechen nur zwei Jahre Haft erhielt, die er mit einer Zahlung von fünf Millionen Guaraníes (etwa 750 Euro) an ein Krankenhaus und einigen Auflagen sogar umgehen kann.

Dem Beispiel anderer Bischofskonferenzen folgend, wie z. B. der chilenischen, sprach die Bischofskonferenz Paraguays ihre Empörung über den Fall aus. So sei die Entscheidung über die Strafe für den Missbrauch durch Pfarrer Félix Gamarra weltlich gefallen. Man selber toleriere Missbrauch und Verstöße gegen die Moral nicht und bestrafe nach kirchlichem Recht, wobei eine Entlassung aus dem Dienst nicht ausgeschlossen sei.

Wohl eingedenk der Kritik am Umgang der chilenischen Bischofskonferenz, die sich recht zögerlich zur Aufarbeitung der Missbrauchsfälle und Kooperation mit der Staatsanwaltschaft und weiteren Behörden entschloss, erklärt die paraguayische Bischofskonferenz ihre Maßnahmen.

Jeder Fall solle korrekt dokumentiert und nach kirchlichem Recht bearbeitet werden.

Betroffene von Missbrauch sollten sich vertrauensvoll an die Kirche wenden können. Immerhin sei man immer bereit, Überlebende von Missbrauch aufzunehmen, sie anzuhören und zu helfen. Auch verspräche man, bei der Aufarbeitung zu kooperieren, um Gerechtigkeit walten zu lassen und den moralischen Schaden zu reparieren, sowie den Heilungsprozess anzustoßen.

Wie bereits in Chile, bleibt verwunderlich, dass die katholische Kirche sich nicht der Justiz des Landes unterworfen sieht, sondern an ihren eigenen Gesetzen und Strafen festhält und eine Kooperation mit staatlichen Behörden schon als besonderes Zugeständnis betrachtet.

Kommentare (7)

Gerhard Baierlein (nicht überprüft)

Mi. 12 Sep 2018 - 12:16

Nur wieder einer der Fälle mehr, bei dem sich die Kirche über die Rechtssprechung stellt und die Perversitäten der Priester deckt. Was muss noch alles geschehen bis man diese
Heuchelei endlich beendet. Es ist unglaublich, dass under dem Deckmantel des katholischen Glaubens viele "Geisteskranke" nahezu straffrei ihr perverses Unwesen treiben können.

Karl-Heinz Büchner (nicht überprüft)

Mi. 12 Sep 2018 - 16:01

Antwort auf von Gerhard Baierlein (nicht überprüft)

Naja, nicht ganz.
Es müsste eher heißen: Wieder einen der Fälle, bei denen sich die Justiz zum Büttel der Kirchen macht und die Kirche über die Rechtssprechung stellt. Das Gericht hätte auch anders entscheiden können - wenn es gewollt hätte.

Wolfgang Schaefer (nicht überprüft)

Do. 13 Sep 2018 - 11:17

Die Schweine werden ausgetauscht aber der Saustall bleibt der gleiche. Kurt Tucholsky

Erika Brand (nicht überprüft)

Fr. 14 Sep 2018 - 00:01

Antwort auf von Wolfgang Schaefer (nicht überprüft)

Ich bin wütend über diese " frommen" Schweine.. Sie sollten öffentlich verurteilt und ihnen ihr Amt entzogen werden.
Scheinheilige KIRCHE!

Der Kirche ist nur der Schein heilig! Es ist noch ein weiter Weg der Aufklärung zu begehen, ein steiniger Weg, voller Nägel und vernagelter Theologen und Politiker. Und über allem der
Heiligenschein, brenzlich.

Kay Krause (nicht überprüft)

Do. 13 Sep 2018 - 14:57

So, wie es einem Mörder nicht möglich ist, sein endgültiges Verbrechen jemals wieder gut zu machen, so ist es auch der Institution (in diesem Fall die Kirche), den in ihrem Namen und unter ihrem Gewalt-Monopol angerichteten Schaden an einem durch die Vertrauensperson "Pfarrer" vergewltigten Kind, nicht möglich, den hier angerichteten Schaden auch nur im Ansatz wieder gut zu machen! Das kann - wenn überhaupt - nur durch eine dafür ausgebildete, neutrale Person geschehen!

A.S. (nicht überprüft)

So. 16 Sep 2018 - 10:59

Unabhängig davon, wie man zur Kirche steht wäre gesellschaftlich viel gewonnen, wenn die Kirchen aufhören würden, um des heiligen Scheins willen Verbrechen in und aus ihren Reihen zu decken.

Zum Verhältnis Staat-Kirche: Soweit ich das überblicke, sehen allle religiösen Führer sich als Vertreter ihres jeweiligen Gottes auf Erden als über dem Staat stehend an und betrachten selbigen als zur Durchführung des göttlichen Auftrags verpflichtet an. Zu deutsch: Der Staat ist immer nur der Handlanger der göttlichen Vertreter. So werden auch die Menschen erzogen. Und soweit die Religionsgesellschaften "die Strippen zu ziehen vermögen", verhelfen sie entsprechend indoktriniertem Personal in politische und juristische Spitzenpositionen.
Das scheint mir rund um den Globus ein gängiges Muster zu sein. Deutschland, Polen, Türkei, USA, ..., Paraguay eingeschlossen.

Hella Camargo

Jahrgang 1980, hat Germanistik und romanische Philologie studiert. Da sie in eine römisch-katholische Familie hineingeboren wurde und dreieinhalb Jahre auf einer katholischen Grundschule verbracht hat, war der Grundstein zum Atheismus früh gelegt. Heute baut sie lieber auf ihren Gerechtigkeitssinn als auf kirchliche Gebote.

Weitere Artikel der Autorin
Unterstützen Sie uns auf Steady!

Mehr lesen über:

Verwandte Artikel