"March for Science" in Berlin
Wissenschaft statt "alternativer Fakten"
Beim "March for Science" sind weltweit Hunderttausende Menschen auf die Straßen gegangen. Darunter auch in vielen deutschen Städten. Allein in Berlin konnten die Veranstalter 11.000 Teilnehmer zählen.
Es ist vor allem die Sorge – nicht nur von Wissenschaftlern – vor einer zunehmenden Einschränkung der Wissenschaft, die die Menschen dazu antrieb, zum "March for Science" auf die Straße zu gehen.
Man muss nicht allein in die USA schauen, aus der die ursprüngliche Idee für diesen Marsch stammt. Joseph Kuhn zum Beispiel wies darauf hin, dass "nicht nur die Trumps, Orbáns und Erdogans die Wissenschaft gerne nach ihrem Bilde formen würden, sondern dass das natürlich auch in demokratischen Normalbetriebsländern geschieht." Dazu erinnert er daran, dass medizinische Forschung vor allem in den Händen der Pharmakonzerne liegt. Deshalb war auch eine der Forderungen vor der Humboldt-Universität zu Berlin, dass die Bundesländer die Gelder für Grundlagenforschung nicht weiter kürzen dürfen. "Denn auch, wenn sie nicht immer zu Ergebnissen führt ist die Grundlagenforschung das Fundament jeder Wissenschaft."
Selbst die Veranstalter des "March for Science" wurden in Berlin positiv überrascht. Wie die Redaktion erfuhr, wurde eine Veranstaltung mit rund 1.000 Teilnehmern angemeldet: Gekommen sind rund 10.000 mehr. Als die Spitze des Demonstrationszuges das Brandenburger Tor erreichte, machten sich die letzten Demonstranten auf, den Platz vor der Humboldt-Universität zu verlassen. Die Straße "Unter den Linden" war ein einziger Demonstrationszug.
An der Spitze des Zuges gingen der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller sowie der bekannte Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar, die beide bei der Abschlusskundgebung auf dem Pariser Platz sprachen. Yogeshwar kritisierte unter anderem, "dass Wissenschaft inzwischen teilweise schon regelrecht abgelehnt werde, wie etwa an der Debatte in den USA um den angeblich nicht vorhandenen Klimawandel abzulesen sei." Berlins Regierender, Michael Müller, der auch Senator für Wissenschaft und Forschung ist, forderte die Freiheit für die Wissenschaften. "Wir werden all denen entschlossen entgegen treten, die diese Freiheit gefährden wollen" versprach er vor dem Brandenburger Tor – in Sicht- und Hörweite der US-amerikanischen Botschaft.
Fotos des Marsches aus vielen deutschen Städten gibt es im extra eingerichteten Fotostream des Science March auf Flickr sowie hier.
Kommentare (3)
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Leider sind viele Menschen
Leider sind viele Menschen dumm und sie wollen es auch bleiben. Das Bierchen und das Salzgebäck vor dem Fernseher reicht ihnen für ihr Leben. Wissenschaft ist ihnen zu anstrengend und sie verbieten es sich auch. Dumm bleiben ist schön. Die denkenden Menschen, die auf die Strasse gehen, sind für sie nicht tragbar. Wenn ein Trump, ein Erdogan usw. den dummen Menschen etwas vorlügt, jubeln sie ihren Verkündern zu.
"Der ist doch wie ein Vater zu mir!" Darum muss man auf die Strasse gehen und für die
Wahrheit kämpfen, ob es ihnen passt oder nicht. Es ist ein Kreuz mit der Dummheit.
Es ist begrüßenswert, wenn
Es ist begrüßenswert, wenn Menschen sich dafür einsetzen, dass Wissenschaftlichkeit stärker als je zuvor Einfluss haben sollte auf unsere Entscheidungen und Debatten. Allerdings reicht es nicht, hierbei als Zentrum der Unwissenschaftlichkeit Trump und die seinen anzugreifen (auch wenn der natürlich äußerst viel Angriffsfläche bietet). Das linksliberale Spektrum muss sich auch an die eigene Nase fassen, denn in seinem Umfeld gedeihen Homöopathie, Esoterik, Impfgegnerschaft und Verteufelung von Gentechnik - auch dies ist Wissenschaftsfeindlichkeit in Reinform.
Das sehe ich ähnlich, wobei
Das sehe ich ähnlich, wobei ich Gentechnik ausnehmen würde, weil es um eine Anwendung geht, also um eine ethische Frage und nicht primär um Wissenschaft. (Wobei die Krux ist, dass Forschung sich der Technik bedient, die schon ethische Fragen aufwirft.) Selbstverständlich kann man gewisse Forschung verbieten (wie es das Embryonenschutzgesetz tut), wenn sie unethisch ist, so die Optimierung von Atombomben - um es mal an einem extremen Beispiel deutlich zu machen. Ich sehe hier eine gewisse Dialektik, dass Wissenschaft auch ethischen Grundsätzen verpflichtet sein muss. Denn die Alternative ist ja in der Praxis meist, dass sie dem Geld verpflichtet ist. Wissenschaft verkauft sich, indem Konzerne (und auch NGOs auf der anderen Seite) immer Studien vorweisen können, dass ihr Vorhaben unbedenklich ist, Wissenschaft kommt in den Verruf, wenn sie vor jedem Karren etwas Willfähriges sagt. Wissenschaft ist eben nicht alles, sondern nur ein Teil des Lebens. Wissenschaft muss Glaubwürdigkeit gewinnen, indem sie nicht mehr übergriffig ist. Beispiel: Hirnbiologen können keine Antwort geben auf die Frage nach der Freiheit des Menschen. Schon gar nicht kann man mit ihr Ethik begründen. Auch sollte man sie nicht dazu benutzen, die Welt vollständig zu erklären. Beispiel: Wahrscheinlichkeiten über extraterristisches Leben sind wissenschaftlich Unsinn, weil es keine Statistik gibt, wie schnell auf einem Planeten Leben entsteht (wir kennen nur einen einzigen Planeten, was keine Grundlage für eine Statistik ist) und wir immer noch nicht ganz verstehen, wie Leben überhaupt entstanden sein kann. Hier machen Wissenschaftler bei der Öffentlichkeit grobe Schnitzer, weil sie dadurch mehr Fördergelder erhoffen. Solche Vorgehensweisen lassen keine genaue Abgrenzung zu Esoterik zu. Die Stärke jeder Wissenschaft ist die methodische Beschränkung, eine Wissenschaft sollte also nicht als umfassender ganzheitlicher Welterklärer auftreten. Das sollte man tunlichst den Scharlatanen überlassen.