Kommentar zur Reformationstagsrede von Angela Merkel

Religiöse Marmelade

Marmelade

Der Reformationstag 2017 ist vorbei – und mit ihm der Höhepunkt der Luther-Dekade. Endlich haben die unhistorischen medialen Luther-Verniedlichungen und das Preisen der Reformation als scheinbar wichtigstes Event der Menschheitsgeschichte ein Ende. Eigentlich wollte ich das alles einfach nur möglichst schnell verdrängen, keinesfalls – Luther bewahre! – wollte ich dazu auch noch etwas schreiben. Doch die Bundeskanzlerin machte mir einen Strich durch die Rechnung. Ihre gestrige Rede zum Reformationsjubiläum offenbarte so Hanebüchenes, dass dazu etwas gesagt werden muss. Und so sitze ich nun hier und kommentiere – ich kann nicht anders …

An sich ist Merkels Rede ein Meisterstück – in jeder Hinsicht der Tochter eines evangelischen Theologen würdig. Da werden in guter alter theologischer Tradition Begriffsfelder grob umkreist und Äpfel und Birnen zusammengeworfen, um im Ergebnis zu gewollt falschen Schlüssen zu kommen und eine wohlschmeckende religiöse Marmelade zu erhalten.

Zum Beispiel was den Begriff des modernen freien und mündigen Individuums betrifft, welches wir ja letztlich nur Luther und der Reformation zu verdanken haben – findet Frau Merkel. Dabei hat Luther den Menschen keineswegs befreit, indem er die Herrschaft der katholischen Kirchenoberen und die Praxis des Ablasshandels anzweifelte. Ein Knecht bleibt der Mensch in seiner Vorstellung nach wie vor, nur ist sein Herr jetzt eine Etage höher angesiedelt: Es ist Gott höchstpersönlich. Ein Gott, der nicht berechenbar ist, dessen Willkür und Gnade man ausgeliefert ist. Das Einzige, was einem diese Gnade eventuell verschaffen kann, ist die permanente Selbstgeißelung, der unentwegte Druck, stets das Beste im Sinne des Glaubens getan zu haben. Und jeder Zweifel an diesem Glauben bringt – man muss es kaum erwähnen – einige Minuspunkte auf Big Sugar Daddys Gnaden-Thermometer. Von unserem heutigen Begriff eines freien Menschen, der selbstverantwortlich Entscheidungen trifft, ist Luthers Vorstellung meilenweit entfernt. Was Frau Merkel nicht davon abhält, ihn immer wieder zum großen Ermöglicher moderner Freiheiten zu erklären.

Doch lassen wir die philosophischen Haarspaltereien und konzentrieren uns auf jene Aussagen in Merkels Halloween-Rede, die jedem aufrechten Nicht-Gläubigen das Blut in den Adern gefrieren lassen muss.

"Neben den Kirchen, Ländern, Kommunen und unzähligen zivilgesellschaftlichen Akteuren hat auch die Bundesregierung verschiedenste Kultur- und Bildungsprojekte unterstützt. Die Beteiligung an der Vorbereitung und Durchführung des Reformationsjubiläums war und ist Ausdruck unseres Bestrebens, über dieses Jubiläum hinaus auch allgemein ein reiches und lebendiges religiöses Leben in Deutschland zu ermöglichen. Dabei gilt der verfassungsrechtliche Schutz der Glaubens- und Bekenntnisfreiheit sowie der ungestörten Religionsausübung für alle Gläubigen und jede Religionsgemeinschaft."

Angela Merkel wirft hier zwei in Politikerkreisen besonders beliebte Äpfel und Birnen durcheinander. Selbstverständlich gilt in Deutschland der verfassungsrechtliche Schutz der Glaubens- und Bekenntnisfreiheit. Und das muss und soll auch weiterhin so sein. Doch aus dem Schutz der Glaubens- und Bekenntnisfreiheit abzuleiten, dass Aufgabe der Bundesregierung das Bestreben sei "ein reiches und religiöses Leben in Deutschland" durch finanzielle und sonstige Mithilfen bei der Ausrichtung religiöser, ja nicht selten sogar offensiv missionarischer Veranstaltungen zu ermöglichen, das ist ein atemberaubender intellektueller Kurzschluss, der wohl nur in theologisch verdrahteten Hirnen nicht zum Funkenschlag führt. Das finanzielle Entgegenkommen des Staates hinsichtlich der Luther-Dekade drückte sich bislang übrigens durch Zahlung von mehr als einer Viertel Milliarde Euro öffentlicher Gelder aus.

Doch damit hat sich der Blutgefrier-Anteil in Merkels Rede noch nicht erschöpft:

"So wie Glaubensfreiheit stets vor religiösem Fanatismus geschützt werden muss, so erfordert Glaubensfreiheit umgekehrt zugleich, Religionen vor Geringschätzung zu schützen."

Nein, nein, nein und nochmals nein, Frau Merkel! Der Staat hat Menschen vor Geringschätzung zu schützen, die eine bestimmte Religion ausüben – und das völlig zu Recht – nicht jedoch die Religionen selbst. Ich empfehle hierzu einen Blick ins Grundgesetz, Frau Bundeskanzlerin. Ziel der Gesetzgebung in Deutschland ist nicht der Schutz von Religionen als solchen vor Kritik oder Geringschätzung. Im Zentrum der Gesetzgebung steht immer das friedliche Miteinander in der Gesellschaft, das es nur geben kann, wenn Menschen mit Menschen, die andere Auffassungen vertreten, menschlich umgehen. Selbst der sogenannte Gotteslästerungsparagraf §166 StGB kommt nur zur Anwendung, wenn durch das Beschimpfen eines Bekenntnisses die Eignung zur Störung des öffentlichen Friedens besteht.

"Ich halte den Einsatz für Religionsfreiheit – hierzulande wie auch weltweit – für eine gemeinsame Aufgabe von Politik und Kirchen. Das widerspricht keineswegs der nach unserem Staatsverständnis notwendigen Trennung von Politik und Kirchen; im Gegenteil. Denn auch wenn unser Staat ohne jeden Zweifel der religiösen oder weltanschaulichen Neutralität verpflichtet ist, so kann und darf sich Politik von ihrer Verantwortung nicht freimachen, ein gemeinsames Wertefundament zu schützen und zu bewahren, das unerlässlich für ein gedeihliches und friedliches Miteinander ist – innerhalb eines Landes genauso wie zwischen Nationen. Unser Staat ist dem universellen Auftrag verpflichtet, die Würde des Menschen zu achten und zu schützen. Daraus leitet sich neben anderen Freiheitsrechten unseres Grundgesetzes auch der Auftrag ab, Religionsfreiheit zu achten und zu schützen."

Und? Gemerkt, wie Angela Merkel hier durch die Hintertür die Aussage hineinschummelt, dass Kirchen und Religionen wichtig für das Wertefundament des Staates sind? Das alles eingekleidet in ein Plädoyer für die Religionsfreiheit, deren Notwendigkeit in Deutschland wohl kein ernstzunehmender Akteur bestreiten würde. Und natürlich bleibt es nicht beim einmaligen Hineinschmuggeln des Werte-Arguments.

"Die Politik hat selbstverständlich eine große Verantwortung für ein gemeinsames Bewusstsein unserer grundlegenden Werte und Normen. Zugleich ist die Rolle der Kirchen hierfür von überragender Bedeutung. Mit ihrer hoffnungsfrohen, dem Menschen zugewandten Botschaft können sie den Blick für das Verbindende schärfen – gerade auch über Religionsgrenzen hinweg."

Formal liegen die Verantwortung der Politik für das Bewusstsein der Werte und Normen und die Rolle der Kirchen für selbige hier logisch unverknüpft nebeneinander. Die beabsichtige Redewirkung der Nähe beider Aussagen ist jedoch, dass der Staat die Kirchen zur Schaffung des Bewusstseins für Werte und Normen benötigt. Dass Kirchen über Religionsgrenzen hinweg verbinden, ist hierbei ein Mantra, das von den Kirchen vorgegeben und in der Politik regelmäßig nachgebetet wird. Belege gibt es für diese Aussage keine, zumal Religionen aller Couleur (auch die christlichen) jahrhundertelang und auch heute noch weltweit eher Konflikte anheizen als sie zu entschärfen. Natürlich weiß das auch Frau Merkel. Gerade in Bezug auf die Folgen der Reformation, die bekanntlich nicht ganz unschuldig war am Dreißigjährigen Krieg, wählt sie deshalb die Flucht nach vorn:

" Wir haben ja nicht vergessen, dass die Reformation nicht der Auftakt zu einer identitätsstiftenden Friedens- und Freiheitsgeschichte war, sondern dass ihr zunächst eine lange Konfliktgeschichte folgte, in der die Konfessionskriege furchtbares Leid über Europa brachten. Gleichwohl zwangen diese Auseinandersetzungen schließlich auch dazu, nach tragfähigen, also nach menschlichen Lösungen und Regulierungsansätzen für das Zusammenleben der verschiedenen Konfessionen zu suchen. Die Reformation hat also mittelbar dazu geführt, Glaubensfragen in einer säkularen Ordnung als staatlich garantierte Rechtsverhältnisse zu fassen."

Ich fasse zusammen: Religionen sorgen dafür, dass sich Menschen die Köppe einschlagen. Weil das so ist, suchten Menschen nach einer Möglichkeit zusammenzuleben, ohne sich die Köppe einzuschlagen. Diese fanden sie in einer säkularen Staatsordnung. Also verdanken wir die säkulare Staatsordnung letztlich den Religionen im Allgemeinen und der Reformation im Besonderen. Ah ja …

Doch Angela Merkels Rede lässt kaum Möglichkeit zum Luftschnappen, reiht sich doch eine atemberaubende Äußerung an die nächste. Weil nämlich die Religionen einen so verbindenden Charakter haben, dass säkulare Staaten geschaffen werden mussten, in denen sich die Anhänger dieser Religionen nicht mehr gegenseitig die Köpfe einschlugen, deshalb sind Religionen nicht nur wichtig als Wertefundament, sondern die religiöse Bildung ist auch eine gesellschaftliche Gemeinschaftsaufgabe:

"Religiöse Bildung – sei es in der Familie, im Religionsunterricht oder im Theologiestudium – ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Sie stellt sich Kirchen und Religionsgemeinschaften, Regierungen und Bildungseinrichtungen sowie Medien und der Zivilgesellschaft."

Wer als nicht-religiöser Mensch noch immer nicht von Merkels Rede schockiert ist, dem mögen die abschließenden Worte unserer Bundeskanzlerin hierbei behilflich sein. Worte, die in ihrer christlichen Kraft und Zuversicht getrost ganz durch sich selbst wirken mögen:

"Dabei vergessen wir nicht, dass bei allem Tun und Lassen der Mensch immer unvollkommen bleibt. Wir machen Fehler. Aber ich finde es sehr befreiend zu wissen, dass wir an unserer Unvollkommenheit nicht zerbrechen müssen, weil Gott uns seine Gnade und Liebe schenkt. Er schenkt uns seine Gnade und Liebe im täglichen und fortwährenden Bemühen um das, was uns zusammenhält und trägt. Rechtsstaatlichkeit, Glaubensfreiheit, Meinungsfreiheit – das sind hohe Güter, die uns tragen. Sie müssen Tag für Tag mit Leben gefüllt werden. Sie können Tag für Tag mit Leben gefüllt werden. Die reformatorische Haltung ermutigt uns dabei: Die Zukunft ist offen – nehmt Eure Verantwortung ernst. Veränderung zum Guten ist möglich.

So bin ich auch dankbar für die großartige Chance, die uns das Reformationsjubiläum bietet, unsere christlichen Wurzeln im gesellschaftlichen Bewusstsein zu stärken. Diese Aufgabe wird auch nach dem Reformationsjahr und dem heutigen Jubiläum bleiben, vielleicht noch stärker als in der Vergangenheit. Daran sollten wir spätestens wieder denken, wenn wir in der kommenden Weihnachtszeit "Vom Himmel hoch, da komm ich her", Luthers Lied mit seinen 15 Strophen, singen."


Die gesamte Rede von Bundeskanzlerin Merkel im Rahmen des 500. Jahrestages der Reformation am 31. Oktober 2017 in der Lutherstadt Wittenberg ist hier nachzulesen.


Nachsatz der Redaktion (01.11.2017): In der ersten Fassung enthielt der Text einen sinnentstellenden Fehler (falsche Angabe der Kosten). Wir bitten das zu entschuldigen und danken allen Lesern, die uns darauf hingewiesen haben.

Kommentare (23)

Hans Trutnau (nicht überprüft)

Mi. 1 Nov 2017 - 15:48

"Religiöse Marmelade" kann sich ja noch gut anhören.
Nicht jedoch die gequirlte Sch****, die ich alsbald wegzappte.

Klaus Bernd (nicht überprüft)

Mi. 1 Nov 2017 - 16:53

Schön, dass Sie sich aufraffen konnten, auf diese Rede aufmerksam zu machen, Fr. Wakonigg, enthält sie doch in der Tat einige Ungeheuerlichkeiten, die den Verfassungsauftrag zur Trennung von Kirche und Staat konterkarieren. Zunächst jedoch ein Kompliment für die treffliche Charakterisierung, der Formulierungskünste der Theo-Logen. Das trägt Ihnen garantiert Minuspunkte auf Big Sugar Daddys Gnaden-Thermometer ein. Ein schönes Beispiel dieser Kunst ist auch der ebenso salbungsvolle wie sinnfreie Spruch „sichtbare Einheit in versöhnter Verschiedenheit“, den Bedford-Strom bei jeder Gelegenheit von sich gibt. Soll wohl heißen, dass man gegenwärtig nicht daran denkt, sich wegen der fundamentalen Unterschiede in den Glaubensaussagen zu bekriegen; es sei nur mal an "Der Glaube der Kirche in den Urkunden der Lehrverkündigung“ der r.k.K. erinnert, wo es heißt: „369 Außerhalb der Kirche kann niemand gerettet werden. ... So verwerfen und verabscheuen Wir die gottlose Lehre von der Gleichwertigkeit aller Religionen (KB: siehe auch unter „Geringschätzung“ ) ... und an „430 - Dem römischen Papst sich zu unterwerfen, ist für alle Menschen unbedingt zum Heile notwendig. Das erklären, behaupten, bestimmen und verkünden Wir.“ (KB: Schlag nach bei Luther unter „Papstsau“).
Ernsthaft ungeheuerlich ist aber auch nach meiner Meinung die Aussage, dass Religionen vor Geringschätzung zu schützen seien. Nicht nur ist die Geringschätzung eine fundamentale Form der Meinungsfreiheit, Schutz vor Geringschätzung dürfte außerdem ohne massive Eingriffe in die Psyche des Menschen, also psychischen Terror, nicht möglich sein. Ganz abgesehen davon steht das offensichtlich im Gegensatz zu der Lehre Martin Luthers; und es ist Geringschätzung so gut wie allen Religionen – fast notwendigerweise – gegenüber anderen Religionen und insbesondere den Religionslosen unverzichtbar; behaupten doch alle mehr oder weniger unverblümt, im Besitz absoluter Wahrheiten zu sein, die mit denen anderer Religionen unvereinbar und ihnen überlegen sind. Die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters könnte sich dieses Zitat aber zunutze machen, wenn ihrer Religion bei der nächsten gerichtlichen Auseinandersetzung von Seiten des Gerichts mit Geringschätzung begegnet wird.
Schon in der Anrede stolpere über das Wort Exzellenzen. Wer bitte schön sind denn in einem Staat, der Freiheit, Gleichheit und meinetwegen auch der Geschwisterlichkeit verpflichtet ist, Exzellenzen ? Wenn schon Bedford-Strohm den Papst duzt, dann kann Frau Bundeskanzler doch wohl auch andere kirchliche Würden-Träger unter der Anrede „Damen und Herren“ zusammenfassen.
Empörend für mich auch diese Lobhudelei über den 30-jährigen Krieg. Da kann man ja nur hoffen, dass die Auseinandersetzungen zwischen Israelis und Palästinensern irgendwann mal zu menschlichen Lösungen und Regulierungsansätzen führt. Ein recht fatalistischer Ansatz, oder ?
Mit ihrem Schlusssatz mutiert Mutti Merkel dann zur Omi Merkel:
„Daran sollten wir spätestens wieder denken, wenn wir in der kommenden Weihnachtszeit "Vom Himmel hoch, da komm ich her", Luthers Lied mit seinen 15 Strophen, singen."
Als Kostprobe daraus nach Wikipedia die Strophen 7 und 13:

7. Merk auf, mein Herz, und sieh dorthin!
Was liegt dort in dem Krippelein?
Wes ist das schöne Kindelein?
Es ist das liebe Jesulein.

13. Ach, mein herzliebes Jesulein,
Mach dir ein rein, sanft Bettelein,
Zu ruhen in meins Herzens Schrein,
Daß ich nimmer vergesse dein.

Das ist wohl das geistesgeschichtliche, kulturelle und religiöse Erbe, das es wach zu halten gilt.

Eine Frage noch an Carsten Frerk: Sind die 250.000.- öffentliche Gelder für die Luther-Verherrlichung nicht deutlich zu wenig ?

Immerhin hat mich ein FAZ-Artikel von OLIVER MARIA SCHMITT ein wenig optimistisch gestimmt, dass nicht ganz Deutschland von den Lutheranern unterworfen wurde. Daraus ein paar Ausszüge:
"„Die Heiligenlegenden entlarvte Luther als Märchen“, hatte der Kirchenkritiker und Spielverderber Karlheinz Deschner einst geschrieben. „An den Bibellegenden hielt er fest; am Teufelsglauben auch; am Hexenwahn auch; an der Ketzervertilgung auch; am Antisemitismus auch – am Kriegsdienst, an der Leibeigenschaft, den Fürsten. Man nennt es: Reformation.“ "
Diese Reformation hat also mittelbar dazu geführt, Glaubensfragen in einer säkularen Ordnung als staatlich garantierte Rechtsverhältnisse zu fassen. Wie schön dass auch im giftigsten Sumpf schöne Blumen wachsen.
"Man munkelt schon jetzt von Geheimplänen innerhalb der 230 reformierten Kirchensekten von den Neu- und Wiedertäufern über Anglikaner, Presbyterianer und Heilige der Letzten Tage bis hin zu den Zeugen Jehovas, Methodisten, Quäkern und Klingonen, dass es vielleicht doch besser sei, wenn alle zusammen gemeinsam miteinander und „im Zeichen der Versöhnung“ (Käßmann) am gemeinschaftlichen Seelenheil herumbastelten;"
Also auch wenn Heinrich jetzt dem Jorge Mario die Hand reicht zu einem kleinen Trippelschritt in Richtung Einheit, es sind nur 2 der vielen christlichen Sekten, die sich einander annähern wollen; natürlich in der gebotenen Langsamkeit, schließlich denkt man in unermesslich grossen zeitlichen Dimensionen.
"Oder – wie der große Reformator höchstpersönlich einst sagte: „Es ist keine Lehre so närrisch oder schändlich, die nicht auch Schüler und Zuhörer finde.“"
Bleibt noch hinzuzufügen, dass sie auch genügend Minnesänger findet.
Ich denke jetzt ernsthaft daran, die FAZ mal zu abonnieren.

Konrad Schiemert (nicht überprüft)

Do. 2 Nov 2017 - 21:39

Antwort auf von Klaus Bernd (nicht überprüft)

250 Tausend oder 250 Millionen? Mit 250 Tausend wäre für die Kirche eine grobe Beleidigung.

Wolfgang (nicht überprüft)

Do. 2 Nov 2017 - 07:53

Die Frage muss erlaubt sein: Hat Frau Merkel vor ihrer Rede mit Gott gesprochen und hat er die Rede für gut gehalten? "Vom Himmel hoch, da komm ich her und erzähl euch eine gute Mär!" Mehr Merkel geht nicht.

Wolfgang (nicht überprüft)

Fr. 3 Nov 2017 - 13:01

Antwort auf von Kay Krause (nicht überprüft)

Ufff! Man lernt nicht aus! Das ich auf dieses Wunder nicht gekommen bin, ich wundere mich.

Tobias Stel. (nicht überprüft)

Do. 2 Nov 2017 - 08:39

Nun, was soll man wieder sagen?
Wir sind uns hier in Regel ohnehin einig, jedesmal bekomme ich dennoch immer wieder innerliche Wutausbrüche, bei solch wahnsinnigen Zuständen.
Manchmal denke ich, glaube doch auch all das dumme Zeugs, schalte Dein Gehirn aus, dann musst Du Dich nicht wenigstens seit Jahren unentwegt nur mit diesen Wahnvorstellungen und Fehlschlüssen in der Politik etc. rumärgern. Doch es geht nicht.
So bin ich hier, und kann nicht anders...
Unser Kampf um die Aufklärung muss weitergehen!

Lothar Irrgang (nicht überprüft)

Do. 2 Nov 2017 - 12:24

Eigentlich sollte eine so verfassungsfeindliche Rede Frau Merkel zum sofortigen Rücktritt zwingen.
So wen interessiert die schon? Und wer wird diese Kritik daran lesen? Nur eine Welt der Informationsblasen hallt einem nur noch die eigene Stimme entgegen.

annen anne Nerede (nicht überprüft)

Do. 2 Nov 2017 - 12:32

Können Sie sicherstellen, dass dieser Artikel die Parteien,die Fraktionen und die Frau Bundeskanzlerin und das Bundeskanzleramt erreichen? Können Sie nicht mal so richtig mit großem Aufwand auf die religiotische Kacke hauen? Wann gibt es endlich eine konzertierte Aktion??

Siegbert (nicht überprüft)

Do. 2 Nov 2017 - 13:02

Zitat: "So wie Glaubensfreiheit stets vor religiösem Fanatismus geschützt werden muss, so erfordert Glaubensfreiheit umgekehrt zugleich, Religionen vor Geringschätzung zu schützen."

Was ich mich da frage: Was ist mit der Religionsfreiheit von Fundamentalisten? Wenn der religiöse Glaube von Fundamentalisten vor Geringschätzung geschützt wird, dann widerspricht das doch dem Schutz der Glaubensfreiheit vor religiösem Fundamentalismus. Anscheinend steckt in dem Zitat von Merkels Rede die Annahme, dass Religion und Fundamentalismus verschiedene Dinge sind. Es gibt demnach eine gemäßigte "richtige" Religion und die falschen Vorstellungen der Fundamentalisten, dies jeweils für jede der großen (und vielleicht auch kleinen) Religionen. Fundamentalismus fällt demnach nicht unter den Schutz der Religionsfreiheit. Um das weiterzuspinnen: Vielleicht gehört auch ein "fundamentalistisch" vertretener Atheismus nicht dazu.

Thomas Göring (nicht überprüft)

Mo. 6 Nov 2017 - 21:59

Antwort auf von Siegbert (nicht überprüft)

Was meinen Sie denn konkret mit Ihrem "weiterspinnendem" letzten Satz? Könnten Sie bitte mal ein Beispiel dafür nennen? Und warum überhaupt setzen Sie "fundamentalistisch" hierbei in Anführungszeichen? Habe ich das so zu verstehen, dass ein "fundamentalistisch" vertretender Atheismus eben doch nicht als fundamentalistisch vertretener Atheismus zu verstehen ist - eben weil er "nicht dazu" gehört? Wozu nicht? Zum Fundamentalismus? -
Wenn Sie diesen von Ihnen genannten Atheismus aber doch als fundamentalistisch (ohne Anführungszeichen) ansehen (Frage in solchem Fall: aufgrund welcher Tatsachen?) und ihn daher vom "Schutz der Religionsfreiheit" ausgeschlossen sehen möchten: Wie sollte dieser Entzug des Schutzes denn Ihrer Ansicht nach praktisch aussehen?

Andres Zaugg (nicht überprüft)

Do. 2 Nov 2017 - 13:44

Die soeben erhaltenen Infos verdeutlichen unsere Mühe, aus der Geschichte zu lernen:
Die Initiative Religionsfrei im Revier hat zum Abschluss der Luther-Dekade eine Broschüre mit zahlreichen Zitaten des Reformators veröffentlicht. Mit dem Heft soll darüber aufgeklärt werden, dass Luther alle Merkmale erfüllt, mit denen heute Hassprediger charakterisiert werden. Eine Tatsache, die jedoch die öffentliche Hand nicht davon abhielt, die Luther-Dekade mit mehr als einer Viertel-Milliarde Euro aus allgemeinen Steuergeldern zu finanzieren.
Bei uns in der Schweiz explodieren die Gesundheitskosten, dennoch werden in unseren Haftanstalten zu Lasten der Allgemeinheit Inhaftierte mit «falschem» Glauben endlos scheintherapiert. Meine Geschichte (als St. Ursen-Brandstifter) ist nur eine von vielen.
Andres Zaugg, CH-4600 Olten

Kay Krause (nicht überprüft)

Do. 2 Nov 2017 - 15:14

Vorzüglich, Daniela!
Wollen wir der heiligen Angela zugutehalten, dass diese Rede nicht auf ihrem eigenen Misthaufen gewachsen, sondern von Gott eingegeben wurde!
Und weiter geht's mit diesem von undefinierbaren Werten irregeleiteten Angelo, nochmal 4 Jahre zurück in's Mittelalter. Wie trostlos! Hiiiiiiiiiiilfe!

Werner Haas (nicht überprüft)

Do. 2 Nov 2017 - 20:24

So sehr mich Merkels Rede schockiert, so sehr bin ich begeistert von diesem Artikel - in Inhalt und Stil. Zu schade, um nur in kleinen Zirkeln gelesen zu werden.

agender (nicht überprüft)

Sa. 4 Nov 2017 - 20:26

Antwort auf von Werner Haas (nicht überprüft)

Volle Zustimmung!
Mich hat dieser seltsame und hier im Norden unübliche Feiertag kalt erwischt - hoffentlich hilft mir die Freude über Ihre eleganten Formulierungen, Frau Wakonigg, den Schock zu verdauen!

Thorsten (nicht überprüft)

Sa. 4 Nov 2017 - 07:48

Daniela Wakonigg fasst zusammen: "... Also verdanken wir die säkulare Staatsordnung letztlich den Religionen im Allgemeinen und der Reformation im Besonderen."
Aufklärer gucken sich Fakten an, basteln daraus eine Geschichte.
Fanatiker (Religiös, Ideologisch): Basteln sich eine Geschichte, passen die Fakten an (frei zitiert nach Nico Semsrott).

Sich zu wünschen, wie im Kommentar von annen anne Nerede, Angela Merkel möge diesen hervorragenden Artikel von Daniela Wakonigg lesen, ist unnötig. Frau Merkel, unterstellte ich, weiß, was sie dort für einen Unsinn von sich gab. Das ist Kalkül. Kirche und Staat suchten schon immer den machterhaltenden Schulterschluss. Das Wort als Schwert. Darum auch Religionsunterricht und nicht Aufklärung. Dann lieber auch dem "Gegner" dies zugestehen als selbst darauf zu verzichten.

Dass Fraktionen diesen hpd Artikel lesen mögen wünsche ich mir auch. Viel mehr jedoch, dass die allgemeine Presse (überhaupt Medien allgemein) sich mehr und kritisch mit dieser Rede und dem Thema Verflechtung von Kirche und Staat kritisch auseinander setzten und nicht hauptsächlich die Fachpresse dies tut.

Mutiert Luther für eine christliche Strömung noch zum Propheten? Denn es sei ja "keine Lehre so närrisch oder schändlich, die nicht auch Schüler und Zuhörer finde ...", auch wenn Luther dies vermutlich (doch wer weiß das schon?) nicht auf sich selbst bezog. So ließe sich am Ende noch dichten, Gott selbst hätte durch Luther gesprochen. Doch spräche Gott, so es ihn gäbe, nicht durch uns alle? Nein, da gibt es ja noch den rhetorischen Trick mit dem Teufel... Allmächtiger, bewahre.

angelika richter (nicht überprüft)

Sa. 4 Nov 2017 - 20:14

"So wie Glaubensfreiheit stets vor religiösem Fanatismus geschützt werden muss, so erfordert Glaubensfreiheit umgekehrt zugleich, Religionen vor Geringschätzung zu schützen."
Was die Bürger "(gering)schätzen", ist allein ihre Sache.
Und in respektvoller Umgangsweise geäußerte "Geringschätzung" ist immer von der Meinungsfreiheit gedeckt, die es übrigens ja auch noch gibt, Frau Merkel!

Roland Fakler (nicht überprüft)

Di. 7 Nov 2017 - 10:36

Glänzender Artikel. Dazu passen echte Lutherzitate:
Der Gefeierte bedankt sich für den Applaus und fasst seine Thesen nochmal zusammen:
Vernunft:… ist die Hure des Teufels.
Philosophie: „Ich wenigstens glaube, Gott diesen Gehorsam zu schulden, gegen die Philosophie wüten zu müssen“…
Wissenschaft: Über Kopernikus: „Der Narr will mir die ganze Kunst Astronomia umkehren!“
Zum Aufstand der Bauern: „Solch wunderliche Zeiten sind jetzt, dass ein Fürst den Himmel mit Blutvergießen verdienen kann, besser als andere mit Beten.“ „Man soll sie zerschmeißen, würgen, stechen, heimlich und öffentlich, wer da kann, wie man einen tollen Hund erschlagen muss“.
Ketzer und Papst: „Mit Ketzern braucht man kein langes Federlesen zu machen, man kann sie ungehört verdammen. Und während sie auf dem Scheiterhaufen zugrunde gehen, sollte der Gläubige das Übel an der Wurzel ausrotten und seine Hände in dem Blute der Bischöfe und des Papstes baden, der der Teufel in Verkleidung ist“.
Frauen: „Ob die Frauen sich … müde und zuletzt tot tragen, das schadet nichts. Lass sie nur tot tragen, sie sind darum da.”
Hexen: „Der Volksmund nennt sie die Weisen Frauen. Sie sollen getötet werden.“
Teufel: „Die Kinder soll man die Teufelsgefahren in frühem Alter fürchten lehren“,…
„Ein Christ soll das wissen, dass er mitten unter den Teufeln sitze…“
Juden: „Die Juden sind ein solch verzweifeltes, durchböstes, durchgiftetes Ding, dass sie 1400 Jahre unsere Plage, Pestilenz und alles Unglück gewesen sind und noch sind“. Man sollte ihre Synagogen und Schulen mit Feuer anstecken, ihre Häuser zerstören…

Bravo Martin! Schöner hätte es niemand sagen können!

Daniela Wakonigg

Die Autorin ist studierte Philosophin, Theologin und Germanistin. Sie lebt in Münster (Westf.) und arbeitet als freie Autorin und Journalistin für Hörfunk- und Print-Medien. Sie ist u. a. Redakteurin der Zeitschrift MIZ und war von 2016 bis Anfang 2024 stellvertretende Chefredakteurin des hpd.

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