Hinter dieser Frage lauert ein Denkfehler:

Sind gläubige Menschen weniger grausam?

Stalin wurde angehimmelt, als wäre er selbst ein Gott. Leipzig, 1950
Stalin wurde angehimmelt, als wäre er selbst ein Gott. Leipzig, 1950

Immer wieder wird die Frage diskutiert, ob Gläubige die "besseren Menschen" seien als Ungläubige, also Skeptiker oder Atheisten. Für viele ist der Glaube der Hüter von Moral und Ethik. Ohne Religion wäre die Menschheit verrucht, die Erde ein Ort des Grauens, sind Fromme überzeugt.

Skeptiker halten dagegen, dass das Christentum trotz der Zehn Gebote eine Blutspur durch die Geschichte der Menschheit gezogen habe und dass auch heute noch ein beträchtlicher Teil der kriegerischen Auseinandersetzungen einen religiösen Hintergrund oder zumindest eine religiöse Implikation hätten. Wie oft wurden schon heilige Kriege im Namen Gottes geführt. Islamisten tun es heute noch.

Gläubige wiederum erklären, dass Atheisten in der Geschichte mehr Opfer produziert hätten als alle Glaubenskriege zusammen. Sie verweisen auf Mao, Stalin und andere Atheisten. Viele führen auch Hitler an, um zu zeigen, wie gefährlich und gewalttätig der Atheismus sei.

Der Denkfehler

Hinter dieser Arithmetik des Grauens steckt ein grundsätzlicher Denkfehler: Glaubenskriege werden aus religiöser Gesinnung heraus geführt, Atheisten wie Stalin haben aber nie aus einer atheistischen Motivation heraus gemordet oder morden lassen.

Atheistische Diktatoren begingen ihre Gräueltaten immer aus politischen Gründen. Stalin handelte stets im Namen des Marxismus. Da er weder an religiöse Heilskonzepte noch an einen Gott glaubte, wäre es auch absurd gewesen, seine Verbrechen übersinnlich zu legitimieren.

Für Stalin war der Atheismus eine Geisteshaltung, die Legitimation für seine Verbrechen bezog er aber aus seiner ideologischen politischen Verblendung. Politische Motive trieben ihn an, keine weltanschaulichen.

Stalin, Mao und die anderen atheistischen Despoten begingen ihre Pogrome, weil sie krankhaft narzisstische Machtmenschen waren, Allmachtsphanthasien hatten, sich zu Massenmördern entwickelten und sich in der Rolle als Diktatoren gefielen. Es war ihr abgrundböses Wesen, das sie zu menschlichen Monstern machte.

Doch was war Hitler?

Außerdem müssen wir bei dieser wenig sinnvollen Aufrechnung der Toten Hitler ausklammern. Wir wissen bis heute nicht, ob er ein gläubiger Christ war oder nicht.

Sicher ist, dass er oft über den Glauben und das Christentum gesprochen hat. Vor seiner Machtergreifung gab er sich als frommer Christ, als Diktator äußerte er sich später oft abfällig über die christlichen Kirchen und ihre Würdenträger. Hitler wurde katholisch erzogen und hat sich nie von der katholischen Kirche losgesagt.

In "Mein Kampf" stellt Hitler die Judenverfolgung als den Willen Gottes dar. Wörtlich schrieb er: "Indem ich mich des Juden erwehre, kämpfe ich für das Werk des Herrn."

Hitler hat sich in seinen öffentlichen Reden nicht explizit gegen die Kirche als Institution gestellt, sondern stets ein gutes Einvernehmen gesucht. Entsprechend schwer tat sich die katholische Kirche, die Ermordung der Juden anzuprangern und ihre unrühmliche Rolle im Dritten Reich aufzuarbeiten.

Während des Zweiten Weltkriegs hat sich dann Hitler abfällig über den christlichen Glauben geäußert. Gleichzeitig war er überzeugt, dass Jesus kein Jude war, sondern ein Arier. Hitler hat zwar nicht aus religiösen Motiven die Juden ermorden lassen und den Zweiten Weltkrieg angezettelt, er hielt aber die christliche Moral und Ethik hoch. Denn er hat Jesus stets als sehr glaubwürdig empfunden.

Die Gewalt in der Bibel

Und noch etwas: Die Bibel eignet sich schlecht als Regelwerk für Moral und Ethik. Das Alte Testament enthält mehrere Hundert Gewaltszenen und Anweisungen zur Gewalt. Das Neue Testament ist zwar moderater, enthält aber immer noch ein gerütteltes Maß an Aggression.

Selbst die Zehn Gebote müssen hinterfragt werden. Du sollst nicht töten, klingt zwar gut. Gemeint ist aber primär, es dürfen keine Juden getötet werden. Ketzer aber schon, denn diese galten zu biblischen Zeiten nicht als gleichwertig oder schutzwürdig.

Erst die Menschenrechtscharta, die der Vatikan noch immer nicht unterzeichnet hat, verlieh allen Menschen Würde.

(Leicht veränderte) Übernahme mit freundlicher Genehmigung des Autors von watson.ch.

Kommentare (21)

Wolfgang Schaefer (nicht überprüft)

Mo. 11 Jun 2018 - 12:07

Wenn mit ein Mensch sagt, er hätte noch nie im Leben gelogen oder behauptet,
es gäbe ein Leben nach dem Tode, dem traue ich nicht. Jeder kann Gutes oder Schlechtes tun ohne Religion, aber um Schlechtes zu tun, bedarf es einer Religion.

Markus Schiele (nicht überprüft)

Mo. 11 Jun 2018 - 13:24

"Du sollst nicht töten, klingt zwar gut. Gemeint ist aber primär, es dürfen keine Juden getötet werden."

Dem wäre noch hinzuzufügen, dass auch Juden getötet werden durften, sofern es einen Grund dafür gab, z.B. wenn sich einer erdreistet hatte am Sabbat Reisig zu sammeln. Die biblische Liste todeswürdiger Vergehen ist lang ...

Gabriele Röwer (nicht überprüft)

Mo. 11 Jun 2018 - 16:11

"Hat eigentlich die Skepsis auf die Schlachtfelder geführt oder der Glaube?" fragt Karlheinz Deschner, zuletzt zitiert in seinem posthum erschienenen 4. Aphorismenband "Auf hohlen Köpfen ist gut trommeln", Lenos 2017, S. 101. Vgl. seine epochale Schrift von 1965 "Mit Gott und den Faschisten" (Mussolini, Hitler, Franco, Pavelić), mehrfach erweitert zum gleichsam 11. Band seiner "Kriminalgeschichte des Christentums" 1982/1983, 1991 und 2013 als erster von inzwischen fünf Bänden der Deschner-Edition im Verlag Alibri ("Die Politik der Päpste. Vom Niedergang kurialer Macht im 19. Jahrhundert bis zu ihrem Wiedererstarken im Zeitalter der Weltkriege"). Seine aphoristisch pointierte Quintessenz lautet: "Das Christentum, glaubt Karl Kraus, war zu schwach, um den Weltkrieg zu verhindern. In Wirklichkeit hat es ihn mit heraufgeführt. Und auf allen Seiten unterstützt. Und den Zweiten Weltkrieg wieder." (Lenos 2017, ebd.)

Wolfgang Graff (nicht überprüft)

Mo. 11 Jun 2018 - 17:24

Ist jemand darüber informiert, ob Hitler exkommuniziert wurde?

Ja und nein.

Ja, ich bin informiert und nein, er wurde nie exkommuniziert.

Ich weiß es nicht.

Gleichzeitig bin ich mir sicher, dass die katholische Kirche heute damit hausieren gehen würde.
Eine Exkommunikation in der heutigen Zeit können sie sich PR-strategisch nicht leisten, denn dadurch würden viele Menschen erstmal erfahren, was keiner wissen soll: dass Hitler Katholik und überhaupt ümfänglich das Produkt katholischer Erziehung war.
So gilt es also, die Sache weiterhin flachzumerkeln.

Gegen den weitverbreiteten Glauben, Hitler und Stalin wären Atheisten gewesen, der ja auf der ständigen Wiederholung dieser Falschbehauptung basiert, hilft nur die ständige Wiederholung der Tatsache, dass beide Katholiken waren und beide nie exkommuniziert wurden. Dazu hätten sie schon in Afrika Präservative verteilen müssen.

Auch Stalin bezeichnete sich übrigens 1931 selbst als Gläubiger. Als gläubiger Marxist. Und gibt seine Zeit im jesuitischen Priesterseminar als prägend für seine politische Laufbahn und die Motivation, sie einzuschlagen, an.

https://lupocattivoblog.com/2011/11/04/josef-stalin-wurde-an-der-katholischen-von-kapuzinern-gefuhrten-schule-in-gori-ausgebildet/

Der einzige Nazi, der jemals exkomuniziert wurde, war Goebbels - und zwar wegen der Ehe mit einer protestantischen Frau!!!
https://de.wikipedia.org/wiki/Magda_Goebbels

Natürlich nicht! Genausowenig wie Pinochet, Videla, Botha und -zig andere Massenmörder, mit den die Kirchenoberen nur zu gerne Gelage gefeiert haben.

Dafür gerieren sie sich dann im Nachhinein gern als Opfer dieser Leute - siehe z.B. der Wikepedia-Artikel über das Reichskonkordat.

Ockham (nicht überprüft)

Di. 12 Jun 2018 - 08:02

Einerseits berief sich Hitler als Legitimation pausenlos auf Gott, den Schöpfer und Allmächtigen (Quelle 1, https://www.iirf.eu/site/assets/files/92173/iirf_bulletin_2013_10.pdf, vgl. S. 21). Ebenso sah er sich als Erfüller der Vorsehung und als Vollender des Werks Jesu Christi im gemeinsamen Kampf gegen "den jüdischen Feind" (Quelle 2, Religionsethik, Dagmar Fenner, 2016, vgl. S. 132). In "Mein Kampf" schreibt er auf S. 70: "So glaube ich heute im Sinne des allmächtigen Schöpfers zu handeln: Indem ich mich des Juden erwehre, kämpfe ich für das Werk des Herrn." Ebenso ließ er Beamte sowie SS- und Wehrmachtsangehörige Ihren Eid "bei Gott" schwören (Quelle 2, vgl. S. 132).
Dieses Vorgehen lässt sich als ausgefeilte Strategie entlarven! Die Berufung der Nazigrößen auf Gott war von Anfang an scheinheilig. Sie bezeugt aber eines: Es ging ihnen darum, ein verbindliches Glaubenssystem für alle Bürger zu konstituieren (Quelle 3, Ludwig Feuerbach und die Welt des Glaubens, Jens Grandt, 2006, vgl. S. 207). Es gelang Hitler, an einen nichtchristlichen Gott zu glauben, ohne den christlichen Gott je offiziell zu verwerfen (Quelle 1, vgl. S. 18).
Doch wie genau konnte es so weit kommen? Die Niederlage im ersten Weltkrieg und das entwürdigende Friedensdiktat von Versaille, die durch den Verrat der Sozialdemokratie an der Revolution von 1918 hervorgegangenen Weimarer Republik mit ihrer desperaten Politik, die Wirtschaftskrise hatten eine offene Wunde hinterlassen. Daher sehnten sich die Menschen nach einer gefestigten Gemeinschaft. Diese Sehnsucht stilisierten die Ideologen des Nationalsozialismus zu einem "Erlösungsantisemitismus" (Saul Friedländer) (Quelle 3, vgl. S. 209).

Zitat aus dem Text: „Stalin handelte stets im Namen des Marxismus.“
Das sehe ich anders. Eher noch würde ich sagen, dass Stalin den Marxismus pervertierte. Es gibt nichts bei Marx, das als endgültiger Text angesehen werden könnte. Er hatte auch nicht die Absicht, letzte Weisheiten von sich zu geben und hätte ein derartiges Ansinnen sarkastisch von sich gewiesen (Quelle 3, S. 215). Marx war auf der Suche wie selten einer. Die Unrast, das beständige Gefühl, eine Sache noch nicht im Ganzen erfaßt zu haben, war der Hauptgrund dafür, weshalb er selten mit seinen Arbeiten zum vorgesehenen Thema fertig geworden ist (Quelle 3, S. 216). Marx´Ausspruch: "Alles, was ich weiß, ist, dass ich nicht Marxist bin" brachte seine Distanz gegenüber dogmatischen Interpretationen seiner Lehre im Kampf gegen die sog. Possibilisten (nach Verwirklichung des Möglichen strebende französische Arbeiterpartei) zum Ausdruck (Quelle 3, vgl. S. 351).
Lenin nutzt das Chaos der Oktoberrevolution 1917, putschte mit List die Bolschewiki an die Macht und rief eine Diktatur des Proletariats aus. Der Sozialismus sowjetischer Prägung wurde zum Dogma. Aus der Diktatur des Proletariats wurde bald eine Diktatur über das Proletariat und alle anderen. Lenins Nachfolger Stalin trieb die Diktatur der Unterdrückung auf die Spitze. Der Massenmord wurde mit der Theorie von Marx begründet. Für diesen Missbrauch ist Marx allerdings nicht verantwortlich zu machen (Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=FhOrIIyjPqk.)!

Ilse Ermen (nicht überprüft)

Di. 12 Jun 2018 - 09:23

Da fehlt noch einiges in der Argumentation gegen die absolut unhaltbare Hypothese von Religion als moralischer Bremse. Zur Unterstützung sei die Lektüre von Steven Pinker "Gewalt" und der darin aufgeführten Statistiken empfohlen. Gewalt nimmt weltweit ab - kaum zu glauben, aber wahr. Man muss in Prozenten rechnen, nicht in absoluten Zahlen. Der Dreissigjährige Krieg, bekanntlich ein Glaubenskrieg, hat im Verhältnis mehr Menschenleben gekostet als die Weltkriege des 20. Jh. Für Pinker ist der Rückgang von religiösen, aber auch politischen Ideologien ein Grund für den Rückgang von kriegerischer Gewalt (aber auch ziviler, z.B. Gewalt im Namen der "Ehre"). Ausserstaatliche Gewalt wird derzeit hauptsächlich im Namen einer Religion verübt, wie man wohl unschwer erkennen kann, des Islam. Das das nicht nur "gefühlt" ist, beweisen wiederum die Statistiken (in Wikipedia unter "terroristische Attentate"), um die 50 000 Opfer allein in diesem Jahrhundert. Es gibt leider keinen Vergleich zwischen islamistischen und kommunistischen so wie faschistischen Attentaten, es ist aber abzuschätzen, dass die Islamisten führend sind bzw. die Kollegen um ein Hundertfaches übertreffen, d.h. im ausserstaatlichen Bereich ein ungeahntes Mass erreichen.
Auch in Sachen Todesstrafe ist der Islam führend: die Islamische Republik Iran steht mit 1000 Exekutionen, bei 80 mio Einwohnern einsam an der Spitze (nicht die VR China mit ca 3000 bei 1,3 Milliarden Einwohnern), gefolgt wird sie Saudi-Arabien und Pakistan. Kein islamisches Land - und die meisten führen "islamisch", nicht islamistisch, im Titel - hat die Todesstrafe abgeschafft. Anders als in den USA oder Japan gilt die Todesstrafe in rund 10 islamischen Republiken nicht nur für Mord: ausser Ehebruch und Homosexualität für Apostasie, Beleidigung des Propheten und Blasphemie – na, wenn das nicht religiös ist! Es herrscht in der islamischen Welt im Zivil- und Strafrecht Scharia - religiöse Gesetzgebung des Mittelalters - in unterschiedlichen Auslegungen; in einigen Interpretationen identisch mit dem Islamismus. Von gesetzlich legitimierter Gewalt im Namen Gottes gegen Frauen und Minderheiten wollen wir hier mal gar nicht reden (auch katholische und orthodoxe Länder versuchen wieder aufzurüsten, Polen, Bulgarien…).
Man spricht immer nur von staatlicher Gewalt: selten diskutiert werden die Glaubensbekenntnisse verurteilter Mörder und Gewaltverbrecher (ich bin dankbar für Hinweise auf Studien und Statistiken zum Thema!!!). Einige der wenigen Erhebungen (Institut Montaigne zum Islam in Frankreich) brachte zu Tage, dass 60% aller französischen Gefängnisinsassen Muslime sind, bei einem Bevölkerungsanteil von ca 5%. Wie viele Gewaltverbrechen werden jährlich von Atheisten, Christen, Muslimen oder Buddhisten begangen? In Deutschland werden jährlich rund 20 Ehrenmorde begangen, hauptsächlich von Muslimen, aber auch von anderen geschlossenen, patriarchalischen Gruppen (Roma und Jesiden, prozentualer Anteil bei diesen wahrscheinlich höher). Wie viele "normale", wie viele religiös motivierte, wieviel religiös-traditionelle Morde? Hat je das Bekenntnis zu einem Glauben (ausser im Einzelfall) irgendwen von Mord oder Gewalt abgehalten?

Im Gebiet des gesamten sogenannten Ostblocks hat die plötzliche Zerstörung der Gruppenidentitäten und Gewissheiten ihr trauriges Nachspiel, und die patriarchalen Großsekten greifen sabbernd und schmatzend zu.
Dass das auf dem Rücken der Frauen geschieht, stört sie dabei nicht, ganz im Gegenteil: Zu diesem Zweck haben sie sich ja institutionalisiert. Wen wundert's also, wenn das sexistische Ausbeutungsschema gerade auf dem volksdebilisierenden Sockel von Christentum und Islam wiedererrichtet wird.
Paradebeispiel Russland; von dort wird sowas ja am liebsten berichtet:

https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/weltbilder/Russland-Rolle-rueckwaerts-fuer-Frauen,weltbilder6534.html

Berufsverbot für Frauen in mehreren hundert Berufen - aber auch dafür hat der geneigte Putinversteher sicher eine weinerliche Erklärung, laut der der böse Westen an allem schuld ist bzw. ist das wohl gar nicht so schlimm, weil die Frauen ja immer noch Sekretärin, Kindergärtnerin oder Zahnarztgattin werden können.

Bei den Ehrenmorden wäre ich vorsichtiger mit der Statistik. Die heißen, wenn der biodeutsche Mann mordet, ja nicht Ehrenmord sondern Familiendrama.
(einfach mal das eigene Gedächtnis checken, wie oft einem der Schleierbegriff "Familiendrama" in den letzten zwei, drei Jahren zu Ohren gekommen ist...)

Soweit ich das mitbekommen habe, basiert Pinkers Behauptung, es gäbe relativ so wenig Gewalt wie noch nie unter den Menschen (kann überhaupt niemand wissen!) auf reiner Leichenzählerei.

All die andere Gewalt - von der, die nur knapp ohne Todesfolge bleibt bis zu der, die an der Interpretationsgrenze entlangschleift (stellen Sie sich doch nicht so an...) - ist überhaupt nicht seriös in Statistiken erfasst/erfassbar, aber sie vergällt uns in riesigem Ausmaß das Leben und bedeutet so oft größeres Leid als der Tod.

Mal wieder ein schönes Beispiel für die Grenzen der Darstellbarkeit des Lebens in Zahlen und die Bedeutung der Einordnung von Informationen.

Sehr lebhafte Zustimmung (vom ersten mißratenen Satz abgesehen ;-)). Wenn Religiotie nicht der Grund ist, Leid und Tod zu verbreiten, dann verhindert sie es zumindest nicht zuverlässig. Das ist auch keine Überraschung, denn wer sich damit zufrieden gibt, einer beliebigen Auswahl religiöser Normatismen zu folgen, braucht sich über Ethik keine Gedanken mehr zu machen.

Gabriele Wruck (nicht überprüft)

Di. 12 Jun 2018 - 13:32

Wer fragt, ob gläubige Menschen "weniger grausam" sind, impliziert, dass Atheisten grausam wären.

Das ist Verleumdung.
Üble Nachrede.

agender (nicht überprüft)

Di. 12 Jun 2018 - 16:45

Frage ist ein leicht dysfunktionales Konzept - die korrekten Gegensätze sind Pflichtethiken und konsequentialistische (altmodisch auch: utilitaristische) Ethiken.
Während alle Religionen Pflichtethiken sind, gibt es von der Sorte noch einiges mehr: Konfutsianismus/Mengtzianismus, Kantianismus, Öko..., und leider driftet fast jeder Philosoph irgendwann teilweise oder ganz in die Sucht, anderen was vorschreiben zu wollen (das ist meine Definition von Pflichtetiken).
Wie es den Unterworfenen (Menschen, andere Tierarten, Umwelt...) mit diesen "Werten" ergeht, ist dabei ohne Belang (systematische Eigenschaft von Pflichtethiken).
Konsequentialistische Ethiken versuchen diese Ergebnisse zu berücksichtigen, verzweifeln aber an den Problemen mit der Voraussagbarkeit (oft: gute statistische Werte, fast nie welche für Einzelfall), und/oder den Komplikationen der Regelkreise.

Resnikschek Karin (nicht überprüft)

Mi. 13 Jun 2018 - 08:07

Ideologien wie Religionen sind anfällig für Dogmatismus und Selbstherrlichkeit. Beides verführt zu Zwang und Gewalt gegenüber Andersdenkenden. Wann bekommen wir ideologiefreien Humanisten einen weltanschaulich neutralen Staat? Derzeit werden wir aus genannten Gründen diskriminiert. Und zwar erheblich. Freiheit von Religion ist ein Menschenrecht, das auch unser Staat mit Füßen tritt, solange er die Religion(en) überprivilegiert. Karin Resnikschek Tübingen

Thomas B. Reichert (nicht überprüft)

Mi. 13 Jun 2018 - 17:25

Zitat "Für viele ist der Glaube der Hüter von Moral und Ethik." Wie bitte? In Religionen geht es doch nicht um Moral oder ethische Werte - ganz im Gegenteil. In Religinen geht es um den Aufbau und Erhalt von Sozialstrukturen, wobei der gutgläubige Mensch geistig getötet wird - er ist das Opferlamm. Das Opferlamm darf in einem kollektiven Wahn leben und sich auf ein Leben nach dem Tod freuen und alles dass tun was der Machthaber möchte. Der Theologe verdummt gutgläubige Menschen, fälscht Geschichte, und Dokumente, zensiert Wissen, spaltet Menschen in Gruppen und hetzt diese gegeneinander auf .... und erschafft eine Angst vor der Aufklärung ...

Hugo Stamm

Der Autor befasst sich seit den Siebzigerjahren mit neureligiösen Bewegungen, Sekten, Esoterik, Okkultismus und Scharlatanerie. Er hält Vorträge, schreibt Bücher und berät Betroffene. Er schreibt zudem für watson.ch.

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