Brian am Karfreitag - 300 Euro Strafe

Screenshot YouTube-Video "Always Look On The Bright Side Of Life" aus dem Film "Das Leben des Brian"
Screenshot YouTube-Video "Always Look On The Bright Side Of Life" aus dem Film "Das Leben des Brian"

BOCHUM. (hpd/RiR) Die Initiative "Religionsfrei im Revier" hat vor etlichen Wochen einen Bußgeldbescheid der Stadt Bochum in Höhe von 300 Euro erhalten, weil sie am Karfreitag letzten Jahres zum zweiten Mal an diesem Feiertag den Film "Das Leben des Brian" gezeigt hat.

Das Feiertagsgesetz NRW verbietet das Vorführen des Filmes. Hier zwingt ein Landesgesetz alle Menschen, sich einen Tag lang depressiv zu verhalten und nichts Fröhliches gemeinsam zu unternehmen, weil vor knapp 2000 Jahren der Religionsstifter der Mehrheitskonfessionen der Überlieferung nach an ein Kreuz genagelt wurde.

Die Initiative "Religionsfrei im Revier" ist der Ansicht, dass eine Strafandrohung gegen Menschen, die sich nicht an dieses Gesetz halten, gegen zentrale Grundrechte der Verfassung verstößt. Sie wird den Film in diesem Jahr erneut am Karfreitag zeigen.

RiR

Die Verantwortlichen der Initiative haben abgewartet, ob die Stadt ihren Bußgeldbescheid zurück zieht, weil RepräsentantInnen der Stadt sich angesichts internationaler Ereignisse sehr vehement für Religionsfreiheit ausgesprochen haben und es verurteilten, wenn Menschen gezwungen werden, sich staatlich verordneter religiöser Normen zu unterwerfen. Es gab einen breiten gesellschaftlichen Konsens, dass es eine zivilisatorische Errungenschaft ist, dass eine Mehrheit ihre religiösen Vorstellungen einer Minderheit nicht aufzwingen darf.

Der Transfer dieser Erkenntnisse auf die lokale Situation wurde von den EntscheidungsträgerInnen aber nicht geschafft. Der Bußgeldbescheid wurde nicht zurückgezogen. Die Initiative hat deshalb gegen den Bescheid einen Widerspruch eingelegt.

Für die Initiative "Religionsfrei im Revier" ist allerdings nicht die Stadt Bochum, sondern der Landesgesetzgeber der Adressat der Kritik. Sie ist enttäuscht, dass die Stadt im Gegensatz zum Vorjahr ihren Entscheidungsspielraum nicht genutzt hat, um von einem Bußgeld abzusehen und eine vorbildliche Tradition in Bochum zu begründen. Dies wäre leicht möglich, weil – wie aus der Bußgeldakte der Stadt ersichtlich – Bedienstete der Stadt die Veranstaltung besucht haben und berichteten, das niemand gestört wurde.

Auf der anderen Seite ist die Initiative nicht sonderlich traurig. Sie sieht nun die Chance, den Weg zum Bundesverfassungsgericht zu gehen, um das Feiertagsgesetz abzuschaffen.

 


Pressemitteilung der GBS-Regionalgruppe “Religionsfrei im Revier” vom 20. März 2015

 

Kommentare (23)

Stefan (nicht überprüft)

Mo. 23 Mär 2015 - 11:40

Ich frage mich jetzt ganz ehrlich, ob das Bußgeld nicht ganz bewusst nicht zurück gezogen wurde, um den Klageweg zu eröffnen.

....

Walter Klein (nicht überprüft)

Mo. 23 Mär 2015 - 14:49

Herzlichen Glückwunsch zur Religionsfreiheit, nicht mal religionsfrei darf man am Karfreitag sehen. Es besteht über Ostern Tanzverbot- von mir aus OK - aber Kinoverbot besteht auch, aber dann muss ja auch Fernseh- und Radioverbot bestehen...die Mitarbeiter bekommen dann über Ostern eben frei....

Alexander W. (nicht überprüft)

Mo. 23 Mär 2015 - 15:22

Ich glaube, dass sogar Jesus über diesen Film lachen würde. Es ist göttlich schön, diesen Film zu sehen. Was gibt es denn schöneres als das Lachen?

Joe (nicht überprüft)

Mo. 23 Mär 2015 - 16:55

Ich bin nicht für die Abschaffung des Feiertagsgesetzes, weil auf diese Weise religiösen Menschen vorgeschrieben wird, das sie zu arbeiten hätten an eben jenen Tagen. Das kann nicht Sinn der Freiheit sein. Gekippt werden müssen die Verbote, die anderen Menschen auferlegen, sich konform zu verhalten. Das sind Teile des Feiertagsgesetzes, die es abzuschaffen gilt, nicht das Ganze.

Unechter Pole (nicht überprüft)

Di. 24 Mär 2015 - 19:18

Antwort auf von Joe (nicht überprüft)

Bedenken Sie bitte, dass es sehr vielen Menschen Gesetze und Arbeitsverträge die Freiheit einschränken, an verschiedenen Tagen zu Hause bleiben zu dürfen. Ich möchte z.B. gerne am Mittwoch frei haben, weil meine innere esoterische Stimme mir so sagt und ich darf dennoch nicht. Wieso soll das Recht eines Religiösen, an einigen Tagen nicht arbeiten zu wollen (und zwar aufgrund der Entscheidung einer Autorität, eines Dritten) über das Recht des Nichtreligiösen stehen, seine freie Tage entsprechend der inneren Überzeugung und kraft eigener Entscheidung, gemäß der freien Entfaltung seiner Persönlichkeit, zu gestalten?

Martin (nicht überprüft)

Mo. 23 Mär 2015 - 18:08

Wie kann man die Aktion unterstützen?

Unechter Pole (nicht überprüft)

Mo. 23 Mär 2015 - 20:19

Die Haltung des Bundesverfassungsgerichts in solchen Fällen darf bekannt sein. Dieses ist bei Bedarf dazu fähig, aus der untastbaren Würde des Menschen die unbefleckte Empfängnis abzuleiten, in Verbindung mit dem Artikel 140 natürlich.

Reinhard Muth (nicht überprüft)

Di. 24 Mär 2015 - 08:39

Dann sollte die Initiative doch konsequent die Abschaffung aller religiösen Feiertage und der Sonntagsruhe fordern. Denn all diese Tage der Ruhe sind ja nur wegen des Drucks einer religiösen Mehrheit zu gesetzlichen Feiertagen erhoben worden. Feiern und konsumieren ist das Recht eines jeden Bürger zu jeder Tages- und Nachtzeit. Jedes Gesetz, das diese Rechte aus religiösen Gründen einschränkt ist Grundgesetz widrig.

vader2 (nicht überprüft)

Mi. 25 Mär 2015 - 19:57

Antwort auf von Reinhard Muth (nicht überprüft)

Knapp vorbei ist auch daneben.
Es geht nicht um Abschaffung irgendwelcher Feiertage, sondern um die Vorschrift irgendener KIRCHE , die dann in Bussgeldbescheiden endet!

Jeder, auch anders- oder Nichtgläubige, wird damit unter Regeln EINER Religion gezwungen !

Stefan Herrmanns (nicht überprüft)

Di. 24 Mär 2015 - 14:37

denen geht es doch gar nicht darum, es geht einzig und allein darum, dass Filmvorführungen am Karfreitag verboten sind. egal was der Inhalt ist. Normen und Gesetze gehören nun mal zu einem Staatswesen. Das ein dummer sesselpupsender Behördenarsch, seine Enscheidungsfreiheit nicht nutzt, ist auch nicht neu. Das gibt es in viel kleineren Angelegenheiten. Aber es ist richtig, das Feiertagsgesetz ist Schwachsinn.

Steven (nicht überprüft)

Di. 24 Mär 2015 - 16:02

Weiß jemand wo die den Film gezeigt haben. Auf der großen Leinwand mitten auf dem Markplatz, oder wie?

Rafa (nicht überprüft)

Di. 24 Mär 2015 - 21:56

Jeder der ein Problem mit dem Feiertagsgesetz hat und sich nicht von unserer Religion angesprochen fühlt, soll doch bitte auch an Weihnachten, Ostern und allen anderen religiösen Feiertagen arbeiten gehen, die Feste nicht feiern und auf sein 13. Gehalt/ Weihnachtsgeld verzichten. :)

Nice try. Die Feiertage gab es schon vor dem Christentum und wurden auf Grund der Popularität adaptiert. Zweitens sind das gesetzliche Feiertage. Aber gerne gebe ich diese auf und nehme dann 5-6 Tage plus auf mein Urlaubskonto. Sehe da kein Problem :)

Dann kann ich der Religion des Spaghettimonsters oder einem der anderen tausenden der Geschichte huldigen wann ich es möchte :)

Rafa, ich würde das ja gerne - ich werde seit 2001 nach Arbeitstagen bezahlt. Da fühle ich mich im aktuellen Zustand quasi religiös ausgesperrt ;)

Das würden wir ja gerne tun. Aber genau das wird uns ja verboten. Selbst verkaufsoffene Sonntage werden ja durch die Kirchen nieder gemacht. Obwohl die ja überhaupt nichts damit zu tun haben.

Ein vorschreiben des Verhaltens an einem bestimmten Tag ist etwas völlig anderes als die vollständige Abschaffung eines Feiertages. Ein vorgeschriebenes Verhalten zwingt mich dazu etwas bestimmtes zu tun/nicht zu tun, während mir ein Feiertag die Freiheit gibt selbst zu entscheiden wie ich den Tag gestalte ohne den Zwang arbeiten zu müssen. Und wenn man die Religiösen Feiertage abschaffen will sollte dies entweder für alle gelten oder in drei bewegliche Urlaubstage umgewandelt werden

Was heißt hier bitte unsere Religion. Wir sollten bedenken, dass die Feiertage z.B. Weihnachten mittlerweile mehr konjunkturelle Bedeutung haben als religiöse, zumal sie in unserer Gesellschaft ein Fest für familiäres Beisammensein geworden sind. Wir und damit meine ich auch mich, feiern am 24.12 nicht die Geburt eines Jesus, welcher so wie in der Bibel überliefert NIE existiert hat, sondern freuen uns an der Tatsache, dass es einen Tag im Jahr gibt, an welchem man nicht zur Arbeit muss und mit den Lieben zusammen sein kann.

Ps: Ich entschuldige mich für etwaige Verstöße gegen die gängige Orthographie denn ich bin gezwungen dies auf einem sehr kleinen Handy zu tippen.

Salomon (nicht überprüft)

Mi. 25 Mär 2015 - 08:42

Ich verstehe nicht, dass es ein solches Landesgesetz gibt und das wirklich von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich ist. Steht nicht über einem Landesgesetz das Gesetz des Bundes und darüber das Grundgesetz/die Verfassung? Da gibt es doch den Artikel 4. Die sogenannte Religionsfreiheit?! Wenn man als Nichtchrist z.B. zur gleichen Zeit einen Feiertag hat, der fröhlich ist, darf man dann auch nicht lachen, tanzen, musizieren, feiern? Zu Karfreitag fällt sehr oft das jüdische Pessach Fest. Es ist der Auszug aus Ägypten und das Ende der Sklaverei. Also ein fröhliches Fest. Man wünscht sich sogar " Chag Sameach" Ein fröhliches Fest. Ausserdem stellt sich die Frage, auf welcher Grundlage das Gesetzt beruht? Auf die Aussage "Die Mehrheit der Menschen im Land sind Christlich"? (So eine Aussage war mal in einem anderen Fall der Grund für eine Abgabe, die jeder Zahlen muss.) Egal ob das in Paris geschehen ist oder nicht, dieses Gesetz ist alles andere als Zeitgemäß und passend.

Die Aussage "Die Mehrheit der Menschen im Land sind Christlich" wird auch mancherorts schon bald nicht mehr stimmen, es sei denn die Landespolitik schafft Abhilfe, sei es durch Erhöhung des Bearbeitungsgebühren für Kirchenaustritt auf das zehnfache der im Schnitt zu zahlenden Kirchensteuer, sei es durch schleichende Umwandlung öffentlicher Einrichtungen in solche mit kirchlicher Trägerschaft usw.

Michael B. (nicht überprüft)

Mi. 25 Mär 2015 - 15:30

Der Film ist Kult und ich finde es wird im Moment schon genug getrauert wieso also am Kafreitag nicht einen lustigen Film ansehen ist doch o.k.

GP (nicht überprüft)

Fr. 27 Mär 2015 - 00:07

Anscheinend verstehen diese "Christen" die Bedeutung ihres eigenen Feiertags nicht. Ich denke, der Heiland ist zur Erlösung aller von ihren Sünden gestorben - das ist doch etwas Gutes für die Nachfolgenden, oder? Deshalb winkt ihnen doch das ewige Leben, wenn man das jetzt nicht komplett missversteht. Und deswegen muss man also an Karfreitag miesepetrig drauf sein?

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