Always Look on the Bright Side of Life

Volles Haus beim Karfreitags-Brian in Bochum 2019.

In den vergangenen Jahren ist es in der säkularen Community Deutschlands zu einem Ritual geworden, gemeinsam den Monty Python-Film "Das Leben des Brian" anzuschauen, um auf die Abschaffung der christlich gefärbten Feiertagsgesetzgebung hinzuwirken. Die strengen Regeln zum Schutz vor der Corona-Pandemie machen das in diesem Jahr jedoch unmöglich. Doch das ist kein Grund, die Brian-Tradition nicht im Privaten coronakompatibel fortzuführen. 

Der Freitag vor dem ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond eines jeden Jahres hat für Christen besondere Bedeutung. Sie nennen den Tag "Karfreitag" und gedenken an ihm der Ermordung ihres Religionsstifters. Weil dieser Tag für Christen ein Tag der Trauer ist und die Menschen mehrheitlich christlich waren, als der Gesetzeskatalog der Bundesrepublik Deutschland entstand, wurden der Karfreitag und einige andere hohe christliche Feiertage per Gesetzgebung der Länder zu sogenannten "stillen Feiertagen" erklärt. Die öffentliche Vorführung von Filmen ohne Freigabe für diese Tage ist ebenso verboten wie Tanz- und Sportveranstaltungen sowie schlicht alles, was Ausdruck von Lebensfreude sein könnte.

Heutzutage sind Menschen, die am Karfreitag tatsächlich um den Religionsstifter des Christentums trauern, deutlich in der Minderheit. Aus diesem und anderen Gründen ist die Anordnung religiöser Staatstrauer am Karfreitag nicht mehr zeitgemäß. Darauf weisen seit einigen Jahren säkulare Aktivisten hin, indem sie mit verbotenen Veranstaltungen bewusst gegen die Feiertagsgesetzgebung verstoßen. Ein besonderes Highlight war dabei in den letzten Jahren stets die öffentliche Vorführung des Monty Python-Klassikers "Das Leben des Brian", die am Karfreitag verboten ist. Ja, man könnte fast sagen, dass der Karfreitags-Brian für viele säkulare Aktivisten zu einer liebgewonnenen Tradition geworden ist.

In diesem Jahr muss der Karfreitags-Brian aufgrund der Corona-Schutzmaßnahmen jedoch ausfallen. Ja, fast scheint es so, als hätten die Christen gewonnen, denn der Karfreitag dürfte in diesem Jahr tatsächlich ein äußerst stiller Feiertag werden. Grund zur Freude habe sie trotzdem nicht, denn Gottesdienste gelten ebenfalls als Versammlungen, die derzeit aus Seuchenschutzgründen verboten sind. Wenn man so will, haben deshalb eigentlich eher die Säkularen gewonnen, obwohl sie diesmal nicht feiern dürfen. Denn endlich räumt der Staat den Religiösen keine Sonderrechte ein und behandelt alle Menschen gleich – basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Natürlich ist das makaber. Und natürlich wäre es schöner, wenn alle das tun könnten, was sie heute tun wollen, egal ob es nun beten ist oder tanzen, gotteslästerliche Filme schauen oder ein Schachturnier besuchen. Aber in Zeiten von Corona muss man sich eben auch über die kleinen Dinge freuen.

Wer nun als Säkularer am Karfreitag seine lokale Brian-Party vermisst, sollte deshalb nicht den Kopf hängenlassen, sondern die Tradition in coronakompatiblem Rahmen fortsetzen. Warum nicht "Das Leben des Brian" per improvisierter Watchparty über Skype oder Zoom zusammen mit Freunden anschauen – der Film ist in gängigen Streamingportalen wie Amazon Prime oder Netflix verfügbar (jeder nur einen Zugang, versteht sich!). Der eine oder die andere hat vielleicht sogar eine Brian-DVD in der atheistischen Hausapotheke auf Vorrat. Und auch, wer es klassischer mag, muss in diesem Jahr nicht auf seine alljährliche Brian-Dosis verzichten. RTL Zwei sendet den Film am Karsamstag um 20:15 Uhr. 

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Kommentare (9)

Åse (nicht überprüft)

Fr. 10 Apr 2020 - 18:31

Zwei Dinge finde ich bemerkenswert:
Erstens: Wenn RTL 2 das Leben das Brian am Osterwochenende bringt, ist Religionskritik in der Mitte der Gesellschaft angekommen, oder?
Und zweitens: Wenn es um theologische Feinheiten geht ... frag besser Atheisten. Im Gegensatz zu 3sat weiß die Autorin nämlich, dass der Tag vor Ostersonntag Karsamstag genannt wird und der Ostersamstag erst in 8 Tagen folgt.

Hans Trutnau (nicht überprüft)

Fr. 10 Apr 2020 - 22:25

Grotesk erscheint mir seit Jahrzehnten immer wieder, wie entsprechend Abergläubische an dem einen Tag todtraurig der "Ermordung ihres Religionsstifters" gedenken, 1-3 tagsdrauf aber frohlocken, dass er wieder auferstanden sei...
Tja - die Rätsel des Glaubens.

Bernd Kammermeier (nicht überprüft)

Di. 14 Apr 2020 - 11:40

Antwort auf von Hans Trutnau (nicht überprüft)

Jetzt aber, Hans! Sie können doch wohl am Karfreitag kaum bereits wissen, dass er drei Tage wieder aufersteht. Wer ahnt denn sowas...? :-)

Hans, das war Satire.

Aber wenn Gläubige schon so ausgeprägt ihrem Geisterglaube frönen, dann können sie bestimmt auch imaginieren, dass der lieber Herr Jesus nun wirklich tot sei und völlig überrascht tun, wenn er plötzlich wieder lebte und als Holzpuppe am Kreuz hängt, oder im Himmel, oder... Himmel, Arsch und Zwirn, irgendwo halt - Hauptsache lebendig...

Wobei es ja garnicht drei Tage sind, sondern nur eineinhalb von Freitag-Nachmittag bis Sonntag-Morgen. Kommenden Freitag stirbt er übrigens nochmal, dann für die Orthodoxen. Man stelle sich vor, ein Orthodoxer sagt zu einem Römisch-Katholischen nächsten Freitag: "Jesus ist gestorben" ...

Roland Fakler (nicht überprüft)

Sa. 11 Apr 2020 - 00:33

Dieser Karfreitag, der in doppelter Hinsicht ein „stiller Tag“ war, wegen dem kirchlichen Feiertag und den Corona Maßnahmen, hat mir gezeigt, wie wohltuend ein staatlich verordneter, stiller Tag wäre, nicht unbedingt für das jenseitige Seelenheil, sondern vor allem für das diesseitige. Und das schönste war, dass selbst die Glocken geschwiegen haben!

A.W. (nicht überprüft)

Sa. 11 Apr 2020 - 01:45

Ich würde mal ins Fernsehprogramm schauen.
Wir sind nicht allein.

Hans Trutnau (nicht überprüft)

Sa. 11 Apr 2020 - 12:55

"... ist die Anordnung religiöser Staatstrauer am Karfreitag nicht mehr zeitgemäß" - nicht mehr? Ich meine, dass die Anordnung noch nie zeitgemäß war, sondern (zumindest bei uns in der BRD) schon immer das Indiz einer dominanten, aber verfassungswidrigen Staatskirche.
Apropos Indiz - war nicht der letzte Vollmond (d.h. der erste Frühlingsvollmond) mit seiner exorbitanten Supervollmondgröße irgendwie ein Zeichen, ein coronales, göttliches gar? \S

Daniela Wakonigg

Die Autorin ist studierte Philosophin, Theologin und Germanistin. Sie lebt in Münster (Westf.) und arbeitet als freie Autorin und Journalistin für Hörfunk- und Print-Medien. Sie ist u. a. Redakteurin der Zeitschrift MIZ und war von 2016 bis Anfang 2024 stellvertretende Chefredakteurin des hpd.

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