Islam unter Faschismusverdacht
Hamed Abdel-Samad bei Sternstunde Religion
Für den Politikwissenschaftler Hamed Abdel-Samad trägt der Islam faschistische Züge. Der Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide bestreitet dies vehement. Ein Streitgespräch, moderiert von Norbert Bischofberger.
Der Islam schliesse Andersdenkende aus, setzte seinen Wahrheitsanspruch mit Gewalt durch und strebe die Weltherrschaft an. Darin sieht Hamed Abdel-Samad, der in Deutschland lebt, Parallelen zum Faschismus. In Ägypten hat ihm diese auch öffentlich geäusserte Meinung einen Mordaufruf eingebracht.
In "Sternstunde Religion" vertritt er seine Thesen im Streitgespräch mit Mouhanad Khorchide, Islamwissenschaftler und Leiter des Zentrums für islamische Theologie an der Universität Münster.
Kommentare (8)
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Tja, da saßen die beiden, die
Tja, da saßen die beiden, die zwar unterschiedliche Positionen vertreten, doch wäre die Welt voller solcher Menschen, gäbe es kein Problem mit dem Islam oder dem IS. Doch die Welt sieht anders aus. Prof. Khorchide selbst wendet eine aus meiner Sicht untaugliche Interpretation des Korans an, in dem er ihn interpretiert. Er spricht vom Kontext der damaligen Zeit, von der Welt des 7. Jh.s. Richtig, da hat er objektiv Recht, aber wenn der Koran nur zu den Menschen im damaligen Kontext spricht, dann ist er erstens für heute ungültig und zweitens kann es sich unmöglich um einen gotteswörtlichen Koran handeln. Aber das behaupten die Muslime: Der Koran ist eigentlich im Himmel und der Erzengel Gabriel hat ihn Mohammed nur verlesen. Das heißt, wenn dies stimmt, dann wurden die Texte Milliarden Jahre vorher in das Goldene Buch des Himmels geschrieben, eingebrannt, gültig für alle Ewigkeit. Welcher Imam in islamischen Ländern würde das bestreiten? Damit entfällt jede kontextuelle Relativierungsmöglichkeit und z.B. das Schlagen von Frauen ist erlaubt, auch wenn wir das heute anders sehen. Vor allem ist ja die gelebte Wirklichkeit auch der friedlichen Muslime so. Sie schweigen nicht nur, wie Hamed richtig ausführt, sondern sie sind durch und durch patriarchalisch und sogar - wie Prof. Khorchide selbst sagte - archaisch. Und ob es wirklich so gesund ist, die Existenz Gottes in z.B. Saudi-Arabien zu bezweifeln, wage ich zu bezweifeln. Auch den barmherzigen Gott, den Prof. Khorchide im Koran zu entdecken glaubt, gibt es bereits in der Bibel. Es ist der aaronitische Gott, der einen Gegensatz zum gerechten Gott Moses bildet. Beides sind völlig unterschiedliche theologische Positionen, die auch massive Auswirkungen auf den Religionsalltag haben. Der ältere, der gerechte Gott Moses verlangt keinerlei Gottesdienste, Opfergaben u.ä., sondern er entscheidet am Ende des Lebens, ob ein Menschen gottgefällig gelebt hat oder nicht. Der Gott Aarons ist ein modernerer Gott - im Sinne der Priesterschaft. Er verlangt Opfer, Priesterwesen und Gottesdienste, weil er barmherzig gestimmt werden kann (Natürlich nur von den Profis). Wäre die Barmherzigkeit Gottes - wie es Prof. Khorchide meiner Meinung nach missinterpretiert - absolut, dann könnte man sich jede Moschee sparen, weil Gott ja sowieso verzeiht. Nein, dieser barmherzige Gott erzeugt theologisch äußerst geschickt einen ständigen Geldstrom in Richtung der Priester oder Imame, legitimiert sie und erteilt ihnen Vollmachten. Ein gerechter Gott bräuchte überhaupt keinen klerikalen Apparat. Das sieht man sehr deutlich daran, dass der "Frieden" des Islam sofort bei "Ungläubigen" einkehrt, sobald sie ihre Kopfsteuer entrichten. Wieder ist Gott erst dann barmherzigen (oder lässt seine Anhänger barmherzig agieren), wenn sie ihren Tribut geleistet haben. Und bezüglich des "Diktator Gottes" hat Prof. Khorchide leider auch Unrecht: Das Beispiel mit Abraham zeigt überdeutlich, dass hier ein Mann bereit war, nach dem Befehl des Führers im Himmel seinen eigenen Sohn zu ermorden und erst nach dem zweiten Befehl, ihn am Leben zu lassen (Gott stellt Abraham ja nicht vor die freie Wahl), lässt Abraham von seinem herzlosen Tun ab. Dies mag historisierend betrachtet die Abwendung vom Menschenopfer symbolisieren, doch wiederum nur auf Befehl Gottes. Hätte ein Nazi-Scherge einem Soldaten zugerufen: "Ich befehle dir: Lass diesen Juden am Leben!", wäre dann plötzlich die Nazi-Ideologie gereinigt vom Bösen? Sicher nicht. Prof. Khorchides Meinung in allen Ehren, aber er ist zu blauäugig, was seine Glaubensbrüder betrifft. Und selbst wenn 99% seine persönliche Koraninterpretation gutheißen und leben würden, reicht 1% fanatisierter Muslime, um die Welt brennen zu lassen. Ich sehe diese Gefahr für Christentum und Judentum durchaus nicht für völlig gebannt an. Deshalb würde ich mich in einer Welt wohler fühlen, in der Religionen endlich in den Regalen der historischen Institute verschwinden würden. Denn alles, was Prof. Khorchide an Positivem bzgl. des Islams aufzählte, kann man auch ohne jede Religion leben - und sogar, um Hamed zu zitieren: "Wesentlich freier!"
Hallo Bernd Kammermeier, ihre
Hallo Bernd Kammermeier, ihre Beweisführung ist mehr als löchrig. Sie schreiben: "Prof. Khorchide selbst wendet eine aus meiner Sicht untaugliche Interpretation des Korans an, in dem er ihn interpretiert. ... dann ist er erstens für heute ungültig und zweitens kann es sich unmöglich um einen gotteswörtlichen Koran handeln. Aber das behaupten die Muslime..." Ich fasse zusammen: er interpretiert den Koran falsch, weil er ihn interpretiert. Er macht das, obwohl die Muslime behaupten, das darf nicht sein. Daraus läßt sich ableiten: Khorchide ist offenbar kein Muslim? - Mit dieser Herangehensweise und Logik hätte es nie eine Aufklärung in Mitteleuropa gegeben. "Weil nicht sein darf, was nicht sein kann" darf kein Gläubiger seinen Glauben gegenprüfen? Oder wenn er das tut, ist er kein Gläubiger mehr?
Selbstverständlich darf jeder
Selbstverständlich darf jeder Gläubige seinen Glauben gegenprüfen. Er sollte es sogar, um daraus seine hoffentlich logischen Schlüsse zu ziehen. Doch gerade der Islam verbietet dies ausdrücklich. Es ist - folge ich diesem Glaubenskonstrukt - auch völlig nachvollziehbar, dass man Gottes Wort nicht einfach nach Gutdünken interpretieren darf. Wir haben es schließlich mit dem aaronitischen, dem barmherzigen Gott zu tun. Der lässt sich nur über die "Profis" besänftigen. Herr Khorchide wäre in einem säkularen Land, indem Glauben Privatsache ist, völlig frei jede Art von Interpretation vorzunehmen. Das nützt nur nichts, wenn ihm nicht die anderen Muslime - z.B. die vom IS - nachfolgen. Fazit: Von mir aus darf Herr Khorchide mit dem Koran machen, was immer er will. Doch das wird die islamische Welt nicht tangieren - siehe den Kampf der deutschen Islamverbände gegen ihn.
Hamed Abdel-Samad sagt die
Hamed Abdel-Samad sagt die Wahrheit und Mouhanad Khorchide versucht in einem schlechten Buch etwas Gutes zu finden, weil er ein guter Mensch ist! Beide wissen: Die Menschen müssen friedlich zusammenleben, aber Hamed Abdel-Samad sieht klar: Ohne „Heilige Bücher“, die gegen Ungläubige hetzten, würde das sicher besser gelingen.
Mir reicht es zu erkennen,
Mir reicht es zu erkennen, dass monotheistische Religionen (wie Judentum, Christentum, Islam) ausgrenzend sind (Stichwort ingroup/outgroup). Wenn das faschistisch/faschistoid ist (was ich denke), bin ich bei Hamed Abdel-Samad. Wobei dies für alle 3 der o.g. abrahamitischen Buchreligionen gilt, also auch für das vermeintlich aufgeklärte Christentum. Da bräuchte es nur den Stein des Anstoßes, dass entsprechend ausgrenzende Formeln wieder reaktiviert werden würden.
Da hat wohl mal wieder der
Da hat wohl mal wieder der Sprecher der Abteilung "Einfache Weltbilder" gesprochen. Einfach toll, wenn man so deutlich zwischen schwarz und weiss unterscheiden kann. Ohne Differenzierungsfähigkeit leben manche Leute wohl ganz gut.
Passt auch eins zu eins zu fundamentalistischen Christen, die wissen immer genau, was richtig ist.
Fundamentalistische Christen und fundamentalistische Atheisten brauchen einander wie der Fisch das Wasser.
Erschließt sich mir nicht so
Erschließt sich mir nicht so ganz, was daran undifferenziert oder fundamentalistisch sein soll; das scheint mir ein typischer Strohmann zu sein, der hier als Nebelkerze gezündet wird.
Wenn man sich nur einmal den
Wenn man sich nur einmal den Inhalt der nachstehend aufgeführten beiden Links ansieht, müsste man zu der Auffassung gelangen, dass Hamed Abdel-Samad intellektuell redlicher als Mouhanad Khorchide argumentiert.
Muslimische Verbände wollen Theologen Khorchide absetzen :
http://www.zeit.de/studium/hochschule/2013-12/khorchide-muenster-universitaet-theologie
Rekrutierer des „Islamischen Staats“ im Interview: „Demokratie ist etwas für Ungläubige“: http://www.spiegel.de/politik/ausland/is-islamischer-staat-streitgespraech-mit-einem-islamisten-a-998720.html
Es grüßt
Klarsicht