Glosse
Das Kreuz auf dem Müll
Foto: Matteo Frigerio auf Pixabay Pixabay License
Es begab sich vor gut einem Monat: Da ward in Bayreuth ein Kruzifix in der Mülltonne entdeckt. Und weil nicht sein darf was nicht sein kann wird noch immer nach dem Eigentümer gesucht. Denn selbstverständlich muss das ein Versehen gewesen sein. Oder ein Verbrechen. Denn so ein heiliges Stück Holz kann doch niemand absichtlich weggeworfen haben.
Der öffentlich-rechtliche Bayerische Rundfunk kann es auch nicht fassen und bastelt eine kleine Kriminalstory daraus: "Sie sei gerade mit einer Freundin unterwegs gewesen, als ihr das Kreuz aufgefallen sei, so Gisela Mösch-Ahner im Gespräch mit BR24…" Was kann da wohl passiert sein? Ein Mord? Ein Totschlag? Irgendetwas Mysteriöses muss es gewesen sein. Denn welch normaler Bayer schmeißt die Insignien (s)einer heiligen Religion weg? Das ist ja blasphemischer als das Verbrennen eines Korans!
Nun; immerhin wurde die sofort gerufene Polizei nicht dazu aufgefordert, den vermuteten Häretiker direkt in Richtung Scheiterhaufen zu geleiten. Immerhin! Sondern nur, das Kruzifix sicher zu stellen.
Es handle sich um "ein sehr schönes und großes Kruzifix, keines aus dem Wohnzimmer – eher eines, wie man es aus Kapellen kennt." Und also kann hier nur ein Verbrechen wie Diebstahl oder gar Raub infrage kommen. Nun soll das Kreuz aufbewahrt werden und nach Ablauf eines Jahres zur Anbetung freigegeben werden. Vielleicht in einer öffentlichen Verwaltung?
Dass sich hier irgendwer nur seines – vielleicht ererbten – Mülls entledigt hat; das kommt weder den Findern noch dem Bayerische Rundfunk in den Sinn. Dabei hat das öffentliche Entsorgen von religiösen Devotionalien in Bayern bereits eine ganz eigene Tradition: Im vergangenen Jahr wurde zum Beispiel bereits eine Jesusfigur mitten auf eine Bundesstraße gestellt.

Kommentare (12)
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Bleibt die Frage offen: Wohin
Bleibt die Frage offen: Wohin muss man Glaubensabfall korrekt endsorgen?
Man muss ihn für einen neuen
Man muss ihn für einen neuen Glaube recyclen. Glauben kommen und gehen, keiner von denen ist ewig.
Dies habe ich zugegebener
Dies habe ich zugegebener Massen schon vor vielen Jahren gemacht als meine Mutter gestorben war und ich deren Nachlass aufräumen musste, da hatte sich einiges von Devotionalien angesammelt, welche ich einfach da entsorgt habe, wo Müll eben hingehört.
Lieber Herr G.B. Ich freue
Lieber Herr G.B. Ich freue mich immer über Ihre Kommentare,weil Sie genau so denken , wie auch ich.
Das habe ich auch gemacht mit
Das habe ich auch gemacht mit dem religiösen Klimbim, der beim Ausräumen des Elternhauses zutage trat. Offensichtlich hatte ich Glück, dass keine Frau Mösch-Ahner vorbei kam...
Ist es nicht Diebstahl, wenn
Ist es nicht Diebstahl, wenn man etwas (aus dem) Müll mitgehen lässt?
Hoffentlich macht das
Hoffentlich macht das Beispiel Schule.
Aber bitte mit Mülltrennung! Metall, Holz und Papier getrennt entsorgen!
Wie die beim Wertstoffhof
Wie die beim Wertstoffhof wohl reagieren, wenn man dort ein Kreuz abgeben will?
Ausprobieren!
Ausprobieren!
Hab mich mal schlau gemacht:
Hab mich mal schlau gemacht: es müsste erst von einer Fachkraft eine sog. Profanierung durchgeführt werden - also auf und zum nächsten Pfarrer, der dann aus seinem Buch die "Arbeitshilfe 175 der Deutschen Bischofskonferenz" (Quelle: Wikipedia) hierfür heranziehen wird. Ob das kostenlos ist?
In Frankreich werden
In Frankreich werden Kruzifixe und andere religiöse Gegenstände wie Heiligenbilder, Rosenkränze, etc. regelmäßig angeboten. Immer sehr preiswert. In Deutschland habe ich solche Angebote bisher kaum gesehen. Gibt es in Deutschland keinen Markt dafür oder wagt es in Deutschland niemand, religiöse Gegenstände (pietätlos?) auf dem Flohmarkt anzubieten und zu entsorgen?
Wenn es um mehr als eine
Wenn es um mehr als eine Glosse, sondern um Religionskritik gehen sollte:
Sollten Kritiker des Christentums nicht mal über eine – vielleicht öffentlichkeitswirksame – KREUZABNAHME des gequälten „Heilands“ nachdenken? Missionaren soll es im späteren „Lateinamerika“ passiert sein, dass sie beim Zeigen des Kruzifixes von unvoreingenommenen „Wilden“ gefragt wurden: „Warum hat ihm [Jesus] denn niemand geholfen?“
Das Kruzifix hat eine (beabsichtigte!?) subtile Nebenwirkung:
Lege dich nie mit den Mächtigen an! Sonst kann es dir passieren, dass es dir so geht wie dem da! Halt es lieber mit Paulus in Römer 13:
„Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit außer von Gott; wo aber Obrigkeit ist, ist sie von Gott angeordnet. Darum: Wer sich der Obrigkeit widersetzt, der widerstrebt Gottes Anordnung; die ihr aber widerstreben, werden ihr Urteil empfangen.“