Brandenburg

Evolutionsweg mit Spaghettimonsters Segen

Bei der Einweihung des Evolutionswegs in Templin
Bruder Spaghettus alias Rüdiger Weida (links) und Bürgermeister Detlef Tabbert (rechts) bei der Einweihung des Evolutionswegs in Templin.

Im brandenburgischen Templin wurde am vergangenen Freitag ein Evolutionsweg eingeweiht. Geschenkt wurde er der Stadt Templin von der dort ansässigen Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters, die Templin mit ihren Nudelmessehinweisschildern vor einigen Jahren weltberühmt gemacht hat.  

Mit ihrem Nudelmessehinweisschilder-Streit sorgte die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland e.V. dafür, dass die brandenburgische Stadt Templin vor einigen Jahren weltbekannt wurde. Noch heute besuchen interessierte Touristen aus dem Ausland immer wieder die jeden Freitag stattfindenden Nudelmessen in der einzigen pastafarianischen Kirche Deutschlands.

Nachdem die erste Schilderaktion der Spaghettimonster-Anhänger in Templin so erfolgreich war, legte man nun mit weiteren Schildern nach. Allerdings zu einem anderen, wenn auch nicht minder wichtigen Thema: der Evolution. Im Rahmen der Eröffnung des neu gestalteten Templiner Bürgergartens schenkte die Kirche der Stadt Templin einen "Evolutionsweg", der am vergangenen Freitag unter Anwesenheit hochrangiger Repräsentanten von Stadt und Spaghettimonster-Kirche eingeweiht wurde. Auf dem rund einen Kilometer langen Lehrpfad wird mit Hilfe von 20 Schautafeln die evolutionäre Entwicklung des Lebens auf der Erde anschaulich dargestellt. 

Beispielbild
Die Spirelliform der DNA ist für gläubige Pastafari ein Hinweis auf das Fliegende Spaghettimonster. (© Foto-Collage Daniela Wakonigg unter Verwendung von Pixabay-Bildmaterial.)

Die Evolutionstheorie spielt in der Weltsicht gläubiger Spaghettimonster-Anhänger – die sich selbst Pastafari nennen – eine zentrale Rolle, da sie eng mit der Gründungsgeschichte ihres Kults verbunden ist. 2005 wollte die Schulkommission von Kansas neben der Lehre der Evolutionstheorie im naturwissenschaftlichen Unterricht gleichberechtigt die Lehre des Intelligent Design zulassen – eine christlich-kreationistische Vorstellung, nach der alles Leben auf der Erde von einem intelligenten göttlichen Designer erschaffen wurde. Just zu dieser Zeit offenbarte sich dem jungen Physikstudenten Bobby Henderson nach pastafarianischer Überzeugung das Fliegende Spaghettimonster. Henderson wandte sich darauf umgehend an die Schulkommission von Kansas und verlangte, dass neben der Evolutionstheorie und dem christlichen Intelligent Design auch die pastafarianische Auffassung von der Entstehung des Lebens gelehrt werden müsse. Wobei naturwissenschaftliche Erkenntnisse zu pastafarianischen Überzeugungen nicht im Widerspruch stehen, sondern im Pastafarianismus lediglich neu gedeutet werden. Beispielsweise wird von gläubigen Pastafari gern auf die spirelliartige Form der DNA verwiesen, die als deutlicher Hinweis darauf verstanden wird, dass kein christlicher Gott, sondern eine Nudelgottheit über die Welt wacht.

Die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland e.V., die sich als Weltanschauungsgemeinschaft versteht, fühlt sich laut ihrer Satzung überdies eng mit dem evolutionären Humanismus der Giordano-Bruno-Stiftung verbunden, welche die Aufklärung über evolutionäre Prozesse fördert und in Deutschland die Etablierung von Evolutionswegen initiiert hat. 

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Kommentare (4)

Stefan Dewald (nicht überprüft)

Mo. 8 Jun 2020 - 13:23

Mit dem Evolutionsweg ist es vielleicht wie mit dem Beginn des Lebens vor ca. 4,1 Mrd. Jahren. Erst eine Stelle im Verborgenen, ein Tümpel mit Ursuppe, ein schwarzer Raucher oder ein gasdurchströmter Bereich in porösem Gestein — wo auch immer es passierte.

Aber schon nach wenigen 100 Mio. Jahren dürfte das Leben auf der gesamten Erde unterwegs gewesen sein. Und wir sind gespannt, ob wir es auch schaffen Gegenden jenseits der Grenze oder sogar auf »der Insel« in UK zu befruchten.

Nach dem etwas hürdenreichen und zähen Anfang in Leimen-Gauangelloch hat es über ein Jahr gedauert, bis die Ableger in Kyritz an der Knatter, Templin und bald auch in Düsseldorf in die Öffentlichkeit erblühten.

Und wie es weitergeht? Nun, das ist vielleicht genauso rätselhaft wie die Wege des Lebens bei der Besiedelung diese Planeten.

Es bleibt spannend.

Gim jesch (nicht überprüft)

Mo. 8 Jun 2020 - 13:32

Hochachtungsvoll! Gratulation zu dieser guten Sache!

Tomato Soßus (nicht überprüft)

Mo. 8 Jun 2020 - 18:44

Es ist nicht so einfach, einen passenden Standort für einen solch bedeutenden Pfad zu finden. Wollen wir hoffen, dass er auch im Lehrprogramm der regionalen Schulen Berücksichtigung findet. Trotz der zentralen Bedeutung der Evolution wird sie in einigen Schulen nur in den speziellen Biokursen thematisiert.

Rene Goeckel (nicht überprüft)

Di. 9 Jun 2020 - 13:54

Aus dem Artikel Im Nordkurier:
"Einen Wermutstropfen gab es allerdings. Leider schätzen offenbar nicht alle Menschen das, was im Bürgergarten entstanden ist. Eines der Schilder ist bereits beschmiert und ein zweites verbogen worden. „Das ist bedauerlich”, so Rüdiger Weida."

Daniela Wakonigg

Die Autorin ist studierte Philosophin, Theologin und Germanistin. Sie lebt in Münster (Westf.) und arbeitet als freie Autorin und Journalistin für Hörfunk- und Print-Medien. Sie ist u. a. Redakteurin der Zeitschrift MIZ und war von 2016 bis Anfang 2024 stellvertretende Chefredakteurin des hpd.

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