Düsseldorfer Aufklärungsdienst feiert die Wiedereröffnung seines Evolutionsweges

Die spannendste Geschichte der Welt

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Rund 100 Menschen kamen zum Wiedereröffnungsfest des vom DA! betriebenen Evolutionswegs.
Erste Führung auf dem neuen Evolutionsweg in Düsseldorf

Der Düsseldorfer Aufklärungsdienst (DA!) hat seinen Evolutionsweg mit einem Fest wiedereröffnet. Neu gibt es jetzt einen jederzeit von überall abrufbaren Audioguide, der die 20 Schilder auf dem Weg der Geschichte der Erde und des Lebens besonders anschaulich und spannend erklärt. So spannend, dass ein Besucher am Sonntag sagte: Es wäre doch schön, wenn die Printversion dieser Schöpfungsgeschichte in den Nachtschränkchen von Hotelzimmern läge.

Ingo Orth ist Vorstandsmitglied im Düsseldorfer Aufklärungsdienst (DA!). Er bekundet: "Ich kenne tatsächlich keinen anderen Ort, an dem man die wichtigsten Ereignisse der Geschichte unserer Erde – und damit doch unser aller gemeinsamen Geschichte – einmal so kompakt, so anschaulich und gleichzeitig so korrekt erzählt bekommt. Eigentlich ist das ein Skandal, dass wir diese Geschichte nicht öfter zu hören bekommen. Denn sie ist doch die Grundlage dafür, das Leben und uns selbst überhaupt zu verstehen."

Orth sagt diese Worte am Startpunkt des Evolutionsweges im Düsseldorfer Nordpark. Dorthin hatte die Regionalgruppe der Giordano-Bruno-Stiftung (gbs) zu einem ganz besonderen Fest eingeladen, mit Fingerfood, Sekt und Gebäck. Und dem Versprechen einer ganz besonderen Führung. Wäre die Rheinische Post, der christliche Platzhirsch unter den lokalen Medien, an diesem Tag der Einladung gefolgt, so hätte deren Journalist vermutlich diese Überschrift getextet: "Petrus meinte es gut mit den Agnostikern, Atheisten und Freunden der Naturwissenschaft" – rund 100 Menschen kamen bei Sonnenschein zum Wiedereröffnungsfest des vom DA! betriebenen Evolutionswegs. Einer von insgesamt 13 in Deutschland und einem in Österreich.

Neues Schild am Beginn des Weges
Das neue Schild am Anfang des Weges. Foto: © Ricarda Hinz

Fürs Feiern hatte der DA! diverse Gründe: Die Mitglieder hatten den Weg neu mit einer 460 Meter langen Maßstabslinie versehen – und damit auch optisch einen neuen Maßstab gesetzt. Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di wurde als neue Patin für eines der 20 Schilder gewonnen. Die 150 Euro Jahresbeitrag pro Schild ermöglichen dem DA! die Pflege des Weges. Die monatlichen Führungen für Erwachsene und Kinder konnten im Frühling nach längerer Pause aufgrund einer Baustelle wieder aufgenommen werden. Es gibt ein besonders ansprechendes neues Schild am Anfang des Weges mit seinen insgesamt 20 Schildern. Und ganz wichtig: Ab sofort gibt es eine Audioversion der Führung. Der QR-Code für Besucher vor Ort befindet sich auf dem ersten Schild.

In dem neuen Audioguide, den Ingo Orth eingesprochen hat und den man auch jederzeit von überall bei gleichzeitiger Betrachtung der Schilder hören kann, wird auch gleich klar, warum diese Geschichte so enorm wichtig ist. Da heißt es:

"Der Evolutionsweg erzählt die Geschichte der Welt, und zwar aus der größtmöglichen Perspektive. Er beginnt mit der Entstehung der Erde und endet auf der Heute-Linie, also in der Gegenwart. Er umfasst damit also wirklich alles, was jemals auf der Erde passiert ist. Da ist es nicht ganz überraschend, dass wir gleich enorme Zeiträume zurücklegen werden. Das Besondere ist, dass der Weg und die Zeit in einem proportionalen Verhältnis zueinander stehen: Denn der Weg ist 460 Meter lang und umfasst 4.600 Millionen Jahre. Das bedeutet: Auf jedem einzelnen Meter, also jedem großen Schritt, vergehen 10 Millionen Jahre."

Noch plastischer als beim bloßen Abhören wird das Erlebnis freilich, wenn der Besucher vor Ort ist und die 460 Meter des Weges abschreitet. Ingo Orth erklärt das den Besucherinnen und Besuchern des Evolutions-Fests so:

"Wir alle kennen das, wenn so richtig große Zahlen genannt werden, dann schalten wir doch meist auf Durchzug. Weil uns eine Vorstellung von diesen Zahlen fehlt, denn unser Savannen-Gehirn ist dafür einfach nicht gemacht: Millionen oder Milliarden Euro – beides nehmen wir wahr: 'richtig viel Geld'! Und wenn wir hören, dass irgendwas älter als 5.000 Jahre sein soll, (älter als die ersten menschlichen Zivilisationen), dann denken wir doch einfach nur: 'verdammt lange her'! Hier aber nicht! Hier auf dem Weg kann man die Zeiträume, indem man sie abläuft, sinnlich wahrnehmen und so verinnerlichen und verstehen. Hier sehen wir: 5.000 Jahre, (also die Zeit, in der die ersten Hochkulturen entstanden sind und die Ägypter die ersten Pyramiden gebaut haben), vergehen auf jedem einzelnen halben Millimeter! Und auf jedem Meter vergehen 10 Millionen Jahre. Und wenn wir bis zur nächsten Ecke gehen, das sind rund 50 Meter, dann sind das 500 Millionen Jahre. So werden diese abstrakten Zahlen also plötzlich eine körperliche Erfahrung und lassen sich im wahrsten Sinne des Wortes begreifen."

Erste Führung auf dem neuen Evolutionsweg in Düsseldorf
Ingo Orth während der Führung, flankiert von "Dinosauriern". Foto: © Lennart Neuhaus

Doch an diesem Sonntag ist alles etwas anders. Der DA! hat nämlich Stefan Lobas von der gbs-Regionalgruppe Braunschweig eingeladen. Der Luft- und Raumfahrttechniker arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Technischen Universität Berlin für ein Projekt zu Robotik für eine nachhaltige Raumfahrt. Und er führt die Besuchergruppe an eine Stelle im Düsseldorfer Nordpark, die genau 920 Meter vom Start des Evolutionswegs entfernt ist. Lobas startet seinen Vortrag nämlich 9,2 Milliarden Jahre vor der Entstehung unseres Sonnensystems. So erklärt es DA!-Vorstand Ricarda Hinz, die von Anfang an treibende Kraft hinter dem Düsseldorfer Evolutionsweg. "Wir gehen jetzt im Maßstab unseres Evolutionswegs diese seit dem Urknall vor 13,8 Milliarden Jahren abgelaufenen 9,2 Milliarden Jahre, also 920 Meter."

Lobas beginnt seine Ausführungen mit Fragen: "Wo kommt all das Zeug her, aus dem unser Planet und wir bestehen? Wie sind all die chemischen Elemente entstanden? Da wo wir jetzt stehen, in der Zeit eines winzig kleinen Bruchteils einer Sekunde nach dem Urknall vor 13,8 Milliarden Jahren, gibt es gar nichts." Und schon eine Sekunde nach dem Urknall, so sagt er weiter, habe sich das Universum bereits auf einige Lichtjahre ausgedehnt1. Und das ist viel. Verdammt viel, denn ein Lichtjahr ist die Strecke, die das Licht in einem Jahr zurücklegt. Das Licht schafft unglaubliche 300.000 Kilometer in der Sekunde. "Und es war warm, sehr warm", sagt Lobas, "einige Milliarden Grad Celsius, erst dann begann die langsame Abkühlung, Teilchen verloren Energie, konnten miteinander verklumpen, erste Atomkerne entstanden, der Wasserstoff."

Erste Führung auf dem neuen Evolutionsweg in Düsseldorf
Zeitstrahl entlang des Weges, Foto: © Peter Kurz

An einigen Stopps auf den 920 Metern respektive 9,2 Milliarden Jahren erklärt Lobas die weiteren Entwicklungen im Weltall, bis die Gruppe schließlich am Start des Evolutionsweges angelangt ist – an dem neuen ersten Schild. Ab hier übernimmt Roland Kuprat die weitere Führung, erklärt Schild für Schild die Schritte der Evolution. Kuprat ist übrigens auch für die Soundeffekte in dem neuen Audio verantwortlich: das Plätschern der Wellen, als die Fische an Land "gingen", das Brüllen eines Säbelzahntigers, das Knurren von Dinosauriern oder den Aufschlag des Meteoriten, der die Dinosaurier ausgelöscht hat.

Der Evolutionsweg in Düsseldorf hätte theoretisch noch etwas Platz, sich über die parallel zum Rhein verlaufende Straße ans Flussufer auszudehnen. Dazu sagt Ingo Orth nachdenklich am Ende des Audioguides:

"Die Erde könnte noch für eine weitere Milliarde Jahre Leben beherbergen. Spätestens dann wird die Sonne sich so aufgebläht haben, dass es für jegliches Leben auf der Erde zu heiß sein wird. Aber das sind ja immerhin noch 100 Meter in Richtung Rhein. Bemühen wir uns doch, unseren Planeten und das Leben auf ihm in all seiner Vielfalt und Schönheit so lange wie möglich zu bewahren. Denn auch wir Menschen sind nur ein kleiner Teil in dieser langen, ununterbrochenen Kette von Leben."

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1 Lobas sagt zu dem Einwand, dass das dann ja wesentlich schneller als die Lichtgeschwindigkeit sei: "Bei Lichtgeschwindigkeit reden wir davon, wie schnell sich das Licht im Raum ausdehnen kann. Aber der Raum entsteht ja gerade erst und damit auch die Zeit. Und das darf sich auch schneller ausdehnen als die Lichtgeschwindigkeit, das ist konform mit unseren physikalischen Vorstellungen."

(Hinweis der Redaktion: Diese Fußnote wurde am 30.03.2026 um 14 Uhr ergänzt)