Kirchenaustritt für 40 Prozent der Katholiken denkbar

Im Kölner Dom
Im Kölner Dom

Weltweit laufen der katholischen Kirche die Gläubigen davon. Das liegt nicht nur daran, dass religiöse Lehren in unserer immer erklärbarer werdenden Welt weniger benötigt werden, sondern auch an den Missbrauchs-Skandalen, den Luxusdebatten und der Weltfremdheit von Papst und Co.

40 Prozent der katholischen Menschen hierzulande können sich den Kirchenaustritt vorstellen, hat jetzt eine Studie des Sinus-Instituts für das Erzbistum München und Freising ergeben. Wer sich den Austritt nicht vorstellen kann, ist nicht zwingend gläubig, möchte aber zum Beispiel bei der Hochzeit nicht auf eine kirchliche Trauung verzichten.

Bereits seit Jahren verzeichnen die katholischen Gemeinden eine hohe Fluktuation bei ihren Gläubigen. Nachdem schon im Jahre 2010 monatlich mehrere hundert Menschen die katholische Kirche in München verließen, ließ das Erzbistum München und Freising nun die Beweggründe und Austrittsgedanken durch das Sinus-Institut und die Beraterfirma MDG abfragen. Befragt wurden katholische Kirchenmitglieder in ganz Deutschland.

Dabei stellte sich heraus, dass im Schnitt 40 Prozent der KatholikInnen sich einen Kirchen-Austritt vorstellen können. Einige von ihnen planen bereits den Austritt. Während die über 65-Jährigen dazu tendieren in der Kirche zu verbleiben, können sich in den jüngeren Jahrgängen etwa die Hälfte der Menschen den Austritt vorstellen. Etwa zehn Prozent der 18- bis 29-Jährigen ist fest entschlossen, die Kirche demnächst zu verlassen.

Menschen, die in der Kirche verbleiben möchten, gaben als Grund nicht nur den Glauben an. Hinzu kam der Wunsch nach kirchlicher Trauung, Taufe oder Beerdigung. Als moralischer Kompass wird die Kirche jedoch von den wenigsten angesehen. Allein das soziale Engagement überzeugt, obwohl die kirchlichen Hilfswerke nicht allein von Kirche und Spenden finanziert, sondern äußerst großzügig vom Staat unterstützt werden.

Wer aus der Kirche austreten und Trau- und andere Rituale auch ohne katholischen Priester feiern will, kann das im zuständigen Standesamt machen (Infos hier: kirchenaustritt.de), die dadurch eingesparte Kirchensteuer lässt sich dann guten Gewissens spenden.

Kommentare (44)

Stefan Dewald (nicht überprüft)

Mi. 23 Jan 2019 - 13:29

Wer aus der Kirche austreten und Trau- und andere Rituale auch ohne katholischen Priester feiern will, kann auf viele freie Feiersprecher z.b. vom Humanistischen Verband Deutschlands zurück greifen. Aber auch jeder Bestattungsunternehme hat konfessionsneutrale Feiersprecher in seiner Kontakteliste.

Da diese keinen Verkündigungsauftrag haben, können sie sich voll und ganz auf die Menschen um die es geht konzentrieren. Es gibt also keine unliebsamen Inhalte, wo man weghören muss.

Ich habe die Grabrede für meinen liebevollen Vater selbst gesprochen, - es war nicht einfach - aber ich bin heute noch froh, dass ich diese Möglichkeit damals nutzen konnte.
Nichts anderes werde ich bei meiner Mutter machen.

Gerhard Baierlein (nicht überprüft)

Mi. 23 Jan 2019 - 14:09

Trauung: Auch eine Standesamtliche Trauung kann ergreifend sein, oder auch nach
jeweiligen Geschmack lustig.

Taufe: Damit machen Sie Ihre Kinder ohne deren Einwilligung zu Kirchensteuerzahlern
und zu einem Mitglied in einer rückständigen Gemeinschaft.

Beerdigung: Ein nichtkirchlicher Grabredner geht mehr auf die individuelle Vita des
Verstorbenen ein als ein salbadernder Pfarrer.

Klaus Bernd (nicht überprüft)

Mi. 23 Jan 2019 - 14:42

da fehlen doch die Zahlen, wieviele nicht aus der Kirche austreten können, weil sie in kirchlichen Einrichtungen unter dem Sonderarbeitdrecht beschäftigt sind. Schließlich gilt für einige Berufe in vielen Regionen: katholisch oder arbeitslos

Emmerich Lakatha (nicht überprüft)

Mi. 23 Jan 2019 - 15:58

Meine Erfahrung zeigt, dass viele Menschen, die aus der Kirche ausgetreten sind, noch immer an Gott glauben und auf ihn vertrauen. Dieses Phänomen wäre wert, untersucht zu werden.

Thomas Göring (nicht überprüft)

Do. 24 Jan 2019 - 18:09

Antwort auf von Emmerich Lakatha (nicht überprüft)

Genau, das wäre einmal eingehender zu untersuchen. Zumal ein gewisser Anteil dieser Personen zwar aus einer "Großkirche" austritt, um sich dann aber sogleich einer anderen Kirche oder sogar einer Sekte anzuschließen.
Beispiel in meinem Bekanntenkreis: eine christliche Kleinfamilie (Mann, Frau, erwachsene Tochter) ist schon vor über 15 Jahren komplett aus der Evangelischen Kirche ausgetreten - und seither eifrig Mitglied der örtlichen Gemeinde einer evangelikalen Freikirche.

"Sekte" ist kein analytischer, sondern ein negativ besetzter ideologischer Kampfbegriff. So bezeichnet etwa die evangelische Kirche alle christlichen Strömungen, die sich weigern, sich ihr zu unterwerfen und anzugliedern, als "Sekten". Ziel ist die Marginalisierung, Entrechtlichung und letztlich Vernichtung der "Sekten", wozu die evangelische Staatskirche ganz offen auch mit den Nationalsozialisten und eingefleischten Antisemiten zusammenarbeitete. Beispiele für diese Zusammenarbeit von Brüdern im Geiste sind durch die damaligen offiziellen Kirchenpamphlete und die offizielle Kirchenpresse belegt und überliefert. Eine Auswahl sende ich gern auf Anfrage zu. Hierzu: [Anm. d. Mod.: Die Mailadresse wurde entfernt, da nicht feststellbar ist, dass es sich um Ihre eigene handelt.]
In unseren Tagen muss man sich etwas zurückhalten, unterhält aber immer noch sogenannte "Sektenbeauftragte", deren Aufgabe darin besteht, gezielt Halb-und Unwahrheiten über christliche Gruppen außerhalb der privilegierten christlichen Staatskirchen zu verbreiten.
Die "spirituellen" Unterschiede zwischen den privilegierten christlichen Haupt- und Staatskirchen und den von ihnen unabhängigen christlichen Strömungen sind allerdings mehr oder weniger marginal. Jedenfalls für jemanden, der sich nicht oder nicht mehr in diesem geistigen Ghetto bewegt. Darüber kann auch nicht hinwegtäuschen, dass irgendwelche Apologeten ein Berufsleben lang ganze Bibliotheken mit Endlos-Erörterungen kirchenoffiziell genehmigten Aberglaubens bestücken.
Insofern wäre es aus substantiellen Gründen durchaus gerechtfertigt, auch die privilegierten Haupt- und Staatskirchen als Sekten zu bezeichnen. Zur Unterscheidung im täglichen Gespräch empfehle ich, die privilegierten christlichen Haupt- und Staatskirchen als "Großsekten" zu bezeichnen, also als "evangelische Großsekte" bzw. "katholische Großsekte".

Danke für Ihre hilfreichen Ausführungen. Anstatt einer bloßen Behauptung, wird klar und deutlich begründet. Solche Darlegungen kann man problemlos nachvollziehen.

Thomas B. Reichert (nicht überprüft)

Mo. 28 Jan 2019 - 13:47

Antwort auf von Thomas Göring (nicht überprüft)

Ein Monogott ist eine fiktionale Figur - eine Personifikation der Lichtenergie. Der Mensch sucht nach seinem Eigenvorteil, deswegen schliessen wir uns Sozialstrukturen an. Die meisten Menschen sind Mitläufer und somit auch die besagte Familie - wahrscheinlich wollen diese soziale Kontakte, Feste feiern ... und sind einfach nur Mitläufer.

Emmerich Lakatha (nicht überprüft)

Sa. 26 Jan 2019 - 07:48

Antwort auf von Wolfgang Schaefer (nicht überprüft)

Ist Ihre Aussage das Ergebnis einer wissenschaftlichen Forschung oder Ihre persönliche Meinung?
Übrigens: Ihre Antwort will etwas feststellen, bietet aber keine Handhabe dafür, das Festgestellte zu verbessern. Wozu ist sie nützlich? Schlagworte alleine lösen keine Probleme.

Wolfgang Schaefer (nicht überprüft)

So. 27 Jan 2019 - 08:48

Antwort auf von Emmerich Lakatha (nicht überprüft)

Ich habe genügend "Schlag-Worte" im wahrsten Sinne des Wortes erlebt. Ich brauche keine wissenschaftlichen Thesen, um meine Meinung über den Christenirrtum zu bilden.
Unter ihren Schafspelzen sind sie reißende Wölfe. Johann Wolfgang von Goethe

Emmerich Lakatha (nicht überprüft)

So. 27 Jan 2019 - 16:53

Antwort auf von Wolfgang Schaefer (nicht überprüft)

Nur weil Sie meinen, dass alles Angst und nur Angst ist, hat es keine Allgemeingültigkeit. Außerdem: Was macht man gegen Angst? Machen Sie einen Vorschlag. Sie werden bestimmt bei allen Psychotherapeuten berühmt werden.

Emmerich Lakatha (nicht überprüft)

Mo. 28 Jan 2019 - 13:21

Antwort auf von Wolfgang Schaefer (nicht überprüft)

@Dieter Bauer
@Wolfgangf Schaefer
Persönliche Meinungen sollten m. E. als solche erkennbar sein. Diskussionen, die sich auf persönliche Meinungen stützen, aber ihrem Wortlaut nach eine Allgemeingültigkeit beanspruchen, behindern eine Sachdiskussion. Ein Hinweis, wie etwa "Meines Erachtens" oder "Meiner Meinung nach" tragen zur Klarheit bei.
Es keinerlei Problem, seine persönliche Meinung kundzutun und zu ihr zu stehen. Eine eigene Meinung zu haben, die keine berechtigten Interessen verletzt, ist doch das Recht von jedem Menschen.

Emmerich Lakatha (nicht überprüft)

Mi. 30 Jan 2019 - 00:45

Antwort auf von Hans Trutnau (nicht überprüft)

Dass diese Erklärung schlüssig ist, kann ich nicht bejahen. Es gibt zu viele religiöse und nichtreligiöse Menschen, die an Angstneurosen und Depressionen leiden. Sicher werden sich ängstliche Menschen an ihre neurotischen Symptome klammern, andere zählen auf der Straße die Fester der Häuser. Es gibt aber viele religiöse Menschen, die aus anderen Gründen religiös sind. Es kann auch jemand der die Musik oder Kunst liebt, das Naheverhältnis zur Religion haben. Freilich macht die Religion nur zu oft aus Gesunden Kranke. Umgekehrtes kommt aber auch vor. Aus den Naturwissenschaften kennst Du das Kausalitätsprinzip. Warum wenden wir es nicht auch hier an. Gute Pointen müssen nicht immer richtig sein.

Hans Trutnau (nicht überprüft)

Sa. 26 Jan 2019 - 02:56

Antwort auf von Emmerich Lakatha (nicht überprüft)

Emmerich, das Phänomen, dass viele Menschen, die *nicht* mehr an einen Gott glauben / auf ihn vertrauen, immer noch in einer Kirche sind, finde ich mindestens ebenso interessant.

Religionsgemeinschaften sind historische entstandene menschliche Gemeinschaften. Ihre Anhänger werden durch einen gemeinsamen Glauben verbunden, der durch Riten gelebt und erlebt wird. Sie beeinflussen das zivile Leben durch das Brauchtum. Zwischen diesen Elementen bestehen unterschiedliche Wechselwirkungen. Somit ist der Verlust des gemeinsamen Glaubens nicht zwangsläufig mit dem Ausscheiden aus der Gemeinschaft verbunden. Deutlich erkennbar ist dies beim Brauchtum., aber auch bei verschiedenen Riten, wie etwa Taufe, Firmung, Erstkommunion, Hochzeit oder Begräbnis.
Im Gespräch mit alten Leuten bin ich widerholt auf Kirchenkritik und Ablehnung von kirchlichen Lehren gestoßen. Aber trotzdem halten selbst Religionsfreie am Gebet fest. Der Grund scheint darin zu liegen, dass sie alle im Laufe ihres Lebens schwere Zeiten erlebt haben, in denen ihnen das Gebet geholfen hat. Diese Krücke können und wollen sie nicht aufgeben, was auch in der Natur des Menschen seine Begründung hat. Das subjektive Erlebnis, Gott hat mir geholfen, wurde tief im Unterbewusstsein verankert. Nahezu reflektorisch kehre sie zu dieser Erfahrung zurück. Ein zweites Motiv zur religiöses Verhalten ist der Wunsch, mit den Ihren wieder vereint zu werden.
Außerdem sind Religionen gemeinschaftsbildend. Das Aufgeben seiner Religion ist oft mit dem Verlust wertvollen Freunde und Bekannten verbunden. Wir müssen warten können. Vieles ist nur ein Generationenproblem.
Ich meine, dass es sich lohnt, meinen Beitrag in https://clergyproject.de/ein-fallbeispiel/ zu lesen.
Sehr erfreut war ich, zu erfahren, dass die Internetseite anderen Verfassern von Internetseiten aufgefallen ist, was insbesondere auf meinen Beitrag zurückgeführt wurde.
Ich glaube darum, dass empathisches Verhalten, das die eigene Überzeugung nicht verleugnet, mitunter der bessere Weg ist, nachhaltig zu wirken.

Hans Trutnau (nicht überprüft)

So. 27 Jan 2019 - 23:40

Antwort auf von Emmerich Lakatha (nicht überprüft)

Oh, Emmerich, ich musste gar nicht lange warten, bis mich 'gute' Freunde aus ihrer Ingroup ausschlossen, nachdem ich meine eigene Überzeugung (konfessionsFREI zu sein) nicht nur nicht mehr verleugnet, sondern klar zum Ausdruck brachte. Was zeigt, dass Empathie wie Toleranz nicht eingleisig aufzufassen ist; ich jedenfalls hüte mich davor wie vor Religion.

Wichtiger noch - wer betet, ist nicht religionsFREI.

Emmerich Lakatha (nicht überprüft)

Mo. 28 Jan 2019 - 18:47

Antwort auf von Hans Trutnau (nicht überprüft)

Du wolltest konfessionsfrei sein. Ich will Monist sein. Nicht nur das: Es freut mich, wenn ich andere über das monistische Weltbild aufklären kann. Wir haben offenkundig verschiedene Zielgruppen und Zielsetzungen. In meinem Bereich habe ich beachtliche Erfolge. Da ich selbst religiös geprägt bin, kann ich mit religiösen Menschen über meinen eigenen Weg zum Atheismus sprechen. Ich muss nicht meine Herkunft verleugnen und ständig in mein eigenes Nest schei...
Es genügt, wenn ich mich zu meiner Überzeugung bekenne. Beispielhaft sind für mich Wissenschaftler, die ohne hasserfülltem Kritisieren, ihr monistisches Weltbild als Ausfluss der wissenschaftlichen Erkenntnis darlegen können. Sie brauchen nicht über Skandale in der Kirche zu sprechen: Ob sie Kirche und Religion hassen oder nicht, fließt in ihre unabhängige wissenschaftliche Tätigkeit nicht ein. Das sind zwei verschiedene Paare Schuhe.
Ich bin Katholik und trete unverhohlen gegen die Skandale in der Kirche usw. auf. Dabei erkenne ich die außerkirchlichen Bemühungen an und übernehme sie. Ich weiß um die Macht und die Menschenverachtung der Kirche und vieler ihrer Vertreter Bescheid. Darum bekenne ich mich nicht nur zum Atheismus, sondern verwende die von ihm gefundenen Argumentationen.
Ich bin mir voll bewusst, dass wir uns auf eine religionsfreie Zukunft hinbewegen. Ich weiß aber auch, dass ich das nicht mehr erleben werde. Soll ich bis ans Lebensende mit Mitbürgern, Verwandten und Bekannten in Unfrieden leben? Ich trete für klare Fronten ein, aber nicht für unnötigen Hass, der meine Mitmenschen mit mir in einer unnötigen Weise entzweit.
Ich weiß, dass Du nicht alle meine Einstellungen gutheißt und nicht alle verwirfst. In einem sind wir uns aber einig: In der kompromisslosen Überzeugung des Moismus, der uns automatisch zu Atheisten macht.
Nur am Rande angemerkt: Seit Jahren bete ich nicht mehr. Ich vergleiche mich eher mit einem atheistischen Trompeter, der bei einer konzertanten Messe mitwirkt. Er genießt und gestaltet ein musikalische Ereignis und gibt sich ohne zu beten an dieses hin.

Hans Trutnau (nicht überprüft)

Di. 29 Jan 2019 - 20:25

Antwort auf von Emmerich Lakatha (nicht überprüft)

"Du wolltest konfessionsfrei sein" - ich wollte?
Ich *bin* konfessionsfrei. Genauer, ein Naturalist, in dessen Kopf keine übernatürlichen Fabelwesen herumspuken.

Und du bist Atheist und Monist. Und Katholik.

Emmerich Lakatha (nicht überprüft)

Mi. 30 Jan 2019 - 00:12

Antwort auf von Hans Trutnau (nicht überprüft)

Auch in meinem Kopf spuken keine übernatürlichen Fabelwesen herum. Außerdem kenne ich viele Konfessionsfreie, die zu Gott und sogar zu Maria beten. Atheistsein ist eine Überzeugung, Konfessionslosigkeit ein juristischer Sachverhalt. Beim Ersteren ist kein Kompromiss möglich, beim Letzteren schon.

Emmerich Lakatha (nicht überprüft)

Di. 29 Jan 2019 - 09:14

Antwort auf von Hans Trutnau (nicht überprüft)

Ergänzend merke ich an, das mich Carl Rogers mit seiner nichtdirektiven Gesprächstherapie stark beeinflusst hat. https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Rogers
Dadurch ist mein Vorgehen auf das Wellbeing meines Gesprächspartners ausgerichtet. Ich sehe mich nicht als Verkünder des Atheismus sondern als Hilfe, jemandem auf der Suche nach seinem Weltbild zu helfen. Da ich mich eindeutig als überzeugter Monist deklariere, bin ich für viele ein gesuchter Gesprächspartner.
Ich glaube, darin liegt der große Unterschied zwischen vielen Atheisten und mir: Sie bekämpfen die Institution, ich möchte primär Menschen zu einem ihnen entsprechenden modernen Weltbild verhelfen, habe aber als Zielsetzung das Wellbeing und nicht die Bekehrung meines Gesprächspartners vor Augen. Diese Einstellung ist die Grundlage für mein Tun und Lassen. Dafür nehme ich gerne die Schelte andersdenkender religiös oder atheistisch orientierter Andersdenkender in Kauf.

Carsten Ramsel (nicht überprüft)

Mi. 30 Jan 2019 - 17:39

Antwort auf von Emmerich Lakatha (nicht überprüft)

Herr Lakatha,
Ihre Behauptung höre ich als Religionswissenschaftler – meist von überzeugt religiösen Personen – regelmässig. Das von Ihnen beschriebene Phänomen ist hinreichend untersucht. Die Befunde entsprechen nicht Ihrer Erfahrung. Nehmen Sie eine beliebige Datenerhebung aus den letzten Jahren (z.B. ALLBUS, EVS, WVS, ISSP, ESS) kreuzen Sie Gottesgläubigkeit mit Religionszugehörigkeit, und sie werden feststellen, dass die Wenigsten (>10%), die sich keiner Religionsgemeinschaft zugehörig fühlen oder angehören, an Gott glauben.

Religionssoziologisch lässt sich dies vereinfacht so erklären, mit sinkender religiöser Erziehung seit den 1970er und 1980er Jahren (die sinkende Bedeutung der religiösen Erziehung begann vermutlich schon eine Generation zuvor), nimmt auch der Gottesglaube ab, eine inhaltliche und ethische Distanzierung von den Kirchen führt dann zum Austritt.

Emmerich Lakatha (nicht überprüft)

Do. 31 Jan 2019 - 04:37

Antwort auf von Carsten Ramsel (nicht überprüft)

Der Umgang mit den von Ihnen genannten Statistiken ist mir zu kompliziert. Meine Frage ist, welche meiner "Behauptungen" meinen Sie konkret? In welcher Statistik, die mitteleuropäische Umfrageergebnisse betreffen, finde ich die Ergebnisse für die Gegenüberstellung "Gottesgläubigkeit mit Religionszugehörigkeit"? Ich würde mir gerne die Details ansehen. Ihre Angabe, dass weniger als 10% der Religionsfreien an Gott glauben, kann so nicht stimmen. Werden Menschen, die sagen, irgendetwas muss es geben, zu jenen gerechnet, die an Gott glauben? Gibt es Statistiken, die aufzeigen, wie viele Religionsfreie jedenfalls in Notsituationen beten?
Welche Personen sind jene, die sich keiner Religionsgemeinschaft zugehörig fühlen, aber noch immer einer angehören? Wie scheinen die Agnostiker in der Statistik auf? Ich gestehe offen, dass die von Ihnen genannten Werte mit meinen reichlichen Erfahrungen in keiner Weise übereinstimmen. Im Ergebnis sind sie für mich persönlich ohne genaueren Differenzierungen und Ergänzungen unglaubwürdig.

Carsten Ramsel (nicht überprüft)

Fr. 1 Feb 2019 - 16:26

Antwort auf von Emmerich Lakatha (nicht überprüft)

Herr Lakatha, vielen Dank für Ihre vielen interessanten Fragen; es würde wohl diesen Rahmen sprengen, wenn ich versuchte, sie alle zu beantworten. Ich gewinne außerdem zunehmend den Eindruck, dass alles, was Ihrer persönlichen Erfahrung widerspricht, so nicht stimmen kann oder für Sie unglaubwürdig ist. Deswegen werde ich gar nicht erst den Versuch unternehmen auf Ihre Fragen einzugehen. Ich bitte hierfür um Verständnis.

Ich gewinne außerdem zunehmend den Eindruck, dass alles, was Ihrer persönlichen Erfahrung widerspricht, so nicht stimmen kann oder für Sie unglaubwürdig ist. Deswegen werde ich gar nicht erst den Versuch unternehmen auf Ihre Fragen einzugehen. Ich bitte hierfür um Verständnis.
Nein: Ich habe dafür kein Verständnis. Sie sind nicht imstande oder gewillt, das Thema auszudiskutieren und ziehen sich dadurch aus der Affäre, dass Sie nicht einmal auf eine einzige meiner Behauptungen eingehen. Sie sind Wissenschaftler und können nicht eine Diskussion vom Zaun brechen und mich dann abwimmeln. Ich bestehe darauf, dass die Diskussion fortgesetzt wird.

Hans Trutnau (nicht überprüft)

Mi. 23 Jan 2019 - 16:39

Die Trennung von Staat und Religion rückt näher.

Kay Krause (nicht überprüft)

Mi. 23 Jan 2019 - 17:05

Liebe katholische, austrittswillige Mitbürger! Der Mensch wird nicht nach seinem Denken oder Glauben beurteilt, sondern nach seinen Taten!
In diesem Zusammenhang darf ich nochmals auf das Kirchen-Austritts-Büro meines Freundes Wolfgang Sellinger in Eichstätt/ Bayern hinweisen, der im Bedarfsfall auch die Kosten für den amtlichen Vorgang übernimmt: < Galerie der Kirchenkritik>.de

Emmerich Lakatha (nicht überprüft)

Mi. 23 Jan 2019 - 17:47

In letzter Zeit nahm ich in Wien an drei Begräbnissen teil. Zwei von ihnen wurde von einem Zeremonienmeister gehalten, eines von einem Priester. Kein Vergleich: Beide religionsfreie Beerdigungen waren würdevoll, taktvoll und der Trauergemeinde gegenüber angemessen. Das Katholische war zum Wegrennen.

Erwin Schmid (nicht überprüft)

Mi. 23 Jan 2019 - 18:03

Beim Bund für Geistesfreiheit gibt es auch viele Angebot. z.B. Hochzeit,
2 glückliche Menschen durfte ich in Schloss Nymphenburg trauen.

Mit freigeistigen Grüßen
Erwin Schmid

vorsitzender@bfg-bayern.de
Bund für Geistesfreiheit (bfg) Bayern K.d.ö.R.
Hemauerstr. 15 93047 Regensburg

Rainer (nicht überprüft)

Do. 24 Jan 2019 - 05:43

Als Ex-Katholik (Seit den frühen 90-ern) werde ich die katholische Kirche durchaus vermissen. Nicht aus religiösen Gründen, denn auch die etablierten Sekten haben in der Praxis herzlich wenig mit Religion zu tun. Sondern aus spirituell-ästhetischen.

Der Glockenschlag aus einem (Kirch-)turm hat etwas unübertrefflich Schönes. Klar gemahnt das auch an die Endlichkeit des individuellen Seins, keine Frage. Da gliedert sich die Zeit, ohne Blick auf die Armbanduhr.

Rainer (nicht überprüft)

Do. 24 Jan 2019 - 05:51

PS:
Die Gewehre, deren Läufe da rechts aus der Trierer römischen Basilika in den Innenraum rausgucken, sind m.W. übrigens "Spanische Trompeten", horizontal angeordnete Pfeifenregister einer Orgel. Zwar der Nachteil: mehr Staub wedeln müssen.

Irgendwie fällt mir dazu Michael Schmidt-Salomon ein und sein damaliges "Maria-Syndrom" (Hieß das Buch so?) Ich fand das prima. Wenn meine Erinnerung mich nicht trügt, steckte sich Maria darin an einer mit Ejakulat verunreinigten Toilettenschüsselbrille mit einem Kinde an. - Es geht ja beim Jesus-Kult um nichts Geringeres als ein parthenogenetisch erzeugtes Kind. So was findet man sonst eher bei Blattläusen.

Karl-Heinz Büchner (nicht überprüft)

Mo. 28 Jan 2019 - 19:15

Antwort auf von Rainer (nicht überprüft)

"Es geht ja beim Jesus-Kult um nichts Geringeres als ein parthenogenetisch erzeugtes Kind."
ja, soll das was Besonderes sein?
Jeder Altertumsgott, der nur ein bisschen was auf sich hielt, war eine Jungfrauengeburt. Wirklich göttlich wäre die Geburt durch den Vater gewesen. Das wäre ein Alleinstellungsmerkmal erster Güte gewesen, aber auf die tolle Idee kam keiner der Dödel.

Edgar Schwer (nicht überprüft)

Do. 24 Jan 2019 - 06:02

Setzt man sich ernsthaft mit der Existenz eines höheren Wesens auseinander, stellt sich unwillkürlich die Kernfrage: Warum lässt ein Gott so viel Leid an Kindern und unschuldigen Menschen zu? Wo war ein Gott in den Vernichtungslagern der Nazis oder in den fürchterlichen Schlachten des Ersten Weltkriegs? Warum ist er nicht eingeschritten als seine christlichen Kinder sich in Europa mit dem Segen seiner Stellvertreter zu hunderttausenden abschlachteten? Die Antwort lautet schlicht: Es gibt ihn nicht! Die Menschen im ländlichen Bereich fürchten sich heute immer noch, ohne geistliche Hilfe unter die Erde zu kommen, leider. Auf ein katholisches Beerdigungsritual kann man gut verzichten, da die Kultbeamten lediglich von „Schuld und Sünde“ des Verstorbenen fabulieren. Welche Schuld hat eine Mutter auf sich geladen, die jung Jahren verstirbt und ihre Kinder allein lassen muss? Aus persönlicher Erfahrung hat mich diese Frage ein Leben lang umgetrieben. Daher habe diesen Verein im reifen Alter mit meiner gesamten Familie verlassen.

Wolfgang Schaefer (nicht überprüft)

Do. 24 Jan 2019 - 10:53

Eine kirchliche Trauung und eine kirchliche Beerdigung sind auch kein Garant für eine sichere Ehe und eine gute Abfahrt in den Himmel.

Thomas B. Reichert (nicht überprüft)

Do. 24 Jan 2019 - 12:54

ABER ... bitte nicht nur aus der Kirche austreten - auch das Blutgeld seiner Ahnen zurückfordern: Entschädigung, Schadenersatz, Schmerzensgeld ... Täter-Opfer-Ausgleich!

Jürgen Heinrich (nicht überprüft)

So. 24 Mär 2019 - 09:27

Die kath. "Kirche" als System ist keine christliche Einrichtung und steht der Bibel genau entgegen. Ich würde daher sofort austreten.

Hella Camargo

Jahrgang 1980, hat Germanistik und romanische Philologie studiert. Da sie in eine römisch-katholische Familie hineingeboren wurde und dreieinhalb Jahre auf einer katholischen Grundschule verbracht hat, war der Grundstein zum Atheismus früh gelegt. Heute baut sie lieber auf ihren Gerechtigkeitssinn als auf kirchliche Gebote.

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