Kanada: Asia Bibi veröffentlicht Buch im Exil

In Pakistan ist islamischer Fundamentalismus weit verbreitet

Von der Farmarbeiterin wurde Aasiya Noreen – auch bekannt als Asia Bibi – zum weltweiten Beispiel für die Gefahren, die von Anti-Blasphemie-Gesetzgebung ausgeht. Nach acht Jahren in der Todeszelle, einem Freispruch und einer spektakulären Flucht von Pakistan nach Kanada veröffentlichte die heute 49 jährige Asia Bibi nun ein Buch über ihre Geschichte.

Im Jahr 2010 wurde Asia Bibi wegen Blasphemie angezeigt, verhaftet und zur Todesstrafe verurteilt worden. Sie hatte bei der Obsternte als Christin aus einem Wassereimer getrunken, der für eine der muslimischen Arbeitskolleginnen daraufhin als verunreinigt galt. Im daraus entstehenden Streitgespräch soll sie sich blasphemisch geäussert haben. Das Gericht nahm die Aussagen der anderen Farmarbeiterinnen als Zeuginnen zunächst ernst und verurteilte Asia Bibi zur Todesstrafe. Acht Jahre verbrachte die Beschuldigte in Haft, bis 2018 schliesslich die Aussagen angezweifelt und sie freigesprochen wurde.

Cover

Nach der Freilassung jedoch nahm die Gefährung noch zu, forderte ein Mob religiöser Hardliner doch die Revision des Urteils oder gar direkt den Lynchmord an Asia Bibi. Sie konnte ausser Landes und schliesslich nach Kanada fliehen.

Dort hat sie nun nach Fotos von sich veröffentlich und ein Buch, welches sie mit der Journalistin Anne-Isabelle Tollet geschrieben hat, vorgestellt. Wie die BBC berichtet, beschreibt Asia Bibi in "Enfin Libre" (Endlich frei) ihre Verhaftung, die Bedingungen ihrer Haft, die Freilassung und ihren Start in ein neues Leben in Kanada. Die Bedingungen der Haft lesen sich so menschenunwürdig wie die ganze Anklage. So berichtet sie von einem metallenen Halsring, der durch Wärter verengt werden konnte und Todeswünschen vieler Mitgefangener für sie.

Menschenrechtsorganisationen, säkulare und gemässigt religiöse Menschen forderten die Freilassung, zwei Politiker, die den Einsatz für sie unterstützten und die drastische pakistanische Anti-Blasphemie-Gesetzgebung kritisierten, wurden ermordet. Die Flucht der gesamten Familie auf einen anderen Kontinent und ein Leben in der Anonymität sollen ein Überleben Asia Bibis und ihrer Angehörigen sichern.

Das nun im Exil veröffentlichte Buch ist zunächst in französisch erhältlich, soll bald aber ins Englische übersetzt werden. Geschrieben wurde es in Zusammenarbeit mit der Journalistin Anne-Isabelle Tollet, die viele Jahre in Pakistan gearbeitet und für die Freilassung Asia Bibis kampagnisiert hat.

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Kommentare (6)

Gerhard Baierlein (nicht überprüft)

Do. 6 Feb 2020 - 16:26

Das Ermorden Andersdenkender ist in Religionen weit verbreitet !

Existieren starke und schwache Morde?
Im Koran und in der Bibel gibt es keine solche Unterschiede.

David Z (nicht überprüft)

Mi. 19 Feb 2020 - 07:35

Antwort auf von E. Staub (nicht überprüft)

Wie wir wissen ist jeder Mordfall unterschiedlich und wird vor Gericht aus gutem Grund individuell und nicht pauschal bewertet.

Das ist aber nicht das, was ich meine. Die schlechten, mitunter gewalttätigen Ideen, die in Religiösen Quellen genannt und weitergegeben werden, sind im inter-religiösem Vergleich a) rein zahlmässig nicht identisch verteilt und b) auch nicht von der jeweiligen Schwere stets gleich.

Beispiel: die Idee, Dieben die Hände abzuhacken oder "widerspenstige" Frauen zu schlagen, finden wir in Bibel oder den Buddhistischen Quellen nicht.

Nicht die Qualität des Todes wird hier diskutiert, sondern die Qualität der schlechten Ideen. Es gibt in Religionen genug schlechte Ideen, die weniger mit dem Tod als vielmehr mit Leid, direkt oder indirekt, klein oder gross, verbunden sind.

Und diese schlechten Ideen treten in Religionen nunmal unterschiedlich häufig auf.

Hella Camargo

Jahrgang 1980, hat Germanistik und romanische Philologie studiert. Da sie in eine römisch-katholische Familie hineingeboren wurde und dreieinhalb Jahre auf einer katholischen Grundschule verbracht hat, war der Grundstein zum Atheismus früh gelegt. Heute baut sie lieber auf ihren Gerechtigkeitssinn als auf kirchliche Gebote.

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