Am Montag richtete der AK Polis eine Präsentation des neuen Buches von Sascha Adamek "Unterwanderung. Der Politische Islam weiter auf dem Vormarsch" mit anschließender Podiumsdiskussion aus. Der investigative Journalist beschreibt darin wie sich Akteure des Politischen Islam über Organisationen, Lobbyarbeit, religiöse Infrastruktur und internationale Finanzgeber etabliert haben. Was Politik und Gesellschaft daraus lernen können und welche Handlungsstrategien verfolgt werden sollten, diskutierte ein kleines, aber aufmerksames Publikum.
Der Abend begann mit dem kurzen Impuls-Vortrag "Islamistisches Denken verstehen" von Thomas Haslböck (Referatsleiter Gesellschaftlicher Zusammenhalt und Interkultureller Dialog in der "Akademie für Politik und Zeitgeschehen" der Hanns-Seidel-Stiftung), in welchem er die drei Hauptmerkmale der Theorien von Sayyid Qutb umriss. Demnach fuße das islamistische Selbstverständnis auf drei Säulen: Erstens, einer scharfen Trennung der Gesellschaft in Freunde und Feinde – woraus sich ergibt, dass bereits die bloße Existenz von Nichtgläubigen eine Gefährdung des Islam darstelle. Zweitens, ein Programm der inneren Immunisierung gegen Kritik, welches sich unter anderem in der Herausbildung von Parallelgesellschaften äußere. Drittens, ein totaler Herrschaftsanspruch, der nicht zwingend mit Gewalt realisiert werden müsse, diese jedoch nicht ausschließe und oft zunächst nicht erkennbar sei.
Die folgende Präsentation seines neuen Buches leitete der Autor Sascha Adamek mit dem Hinweis ein, dass es ihm ausdrücklich nicht um die islamische Religion oder gar um einen Angriff auf Muslime ginge – Religion sei nicht sein Thema. Was er kritisiere sei vielmehr die – wie er es nannte – "Unterwerfung" von Politik und Gesellschaft unter eine unbedingte "Multi-Kulti-Toleranz", die schon länger zu beobachten sei. Er stellte fest, dass gerade im Journalismus durchgängig Abstand gehalten werde zu jeglichen extremistischen Auswüchsen, beim Islamismus fehle dies jedoch irritierenderweise.
Da die Muslimbruderschaft, um die es zu großen Teilen in seinem Buch geht, als Verein oder Organisation schwierig zu beschreiben ist, veranschaulichte er dies durch einen Vergleich mit der Organisationsstruktur des Opus Dei, ein Netzwerk, in welchem nur wenige Mitglieder offiziell als solche agieren. Von daher sei auch schwierig zu erkennen, wer der Bruderschaft angehöre und wo das Netzwerk überall bereits vertreten sei. Die "Mitglieder" kennten sich untereinander größtenteils gar nicht. Mit seinem Vortrag stellte Adamek einige Beobachtungen vor, die er im Rahmen seiner Recherche dokumentiert hatte. Eine Zusammenstellung von Fotomaterial deutscher Politiker*innen im Dialog mit Moschee-Betreibern und anderen islamistischen Funktionären, denen eine radikale Gesinnung teils mit sehr unaufwändiger Recherche attestiert werden konnte, ergänzte dabei die Vorstellung von verifizierten Plänen zur Unterwanderung beziehungsweise Übernahme unseres Staatssystems.
Auf dem anschließenden Podium diskutierte der Autor, moderiert von Joseph Röhmel (BR/ARD/Deutschlandfunk), mit Gülden Hennemann (Politikwissenschaftlerin und Muslimin, Mitglied des Beraterkreises für Islamismusprävention und Islamismusbekämpfung beim Bundesinnenministerium) und Prof. Winfried Bausback (MdL, CSU, Bayerischer Staatsminister a.D.).
Winfried Bausback sprach unter anderem über Maßnahmen, die in der Politik bereits seit längerem angelaufen seien. Die Einforderung von Transparenz der Auslandsfinanzierung von Moscheegemeinden etwa und der inhaltlichen Überprüfung von Buchspenden, wie sie in Bayern bereits praktiziert werde, seien erste Schritte für einen kritischen Umgang mit dem islamistischen Extremismus – welcher, wie Bausback immer wieder betonte, eine unter mehreren extremistischen Strömungen sei, die ebenso grundsätzlich unter kritischer Beobachtung stünden.
Gülden Hennemann brachte nicht nur die Sichtweise einer praktizierenden Muslimin ein, sondern hielt auch ein eindringliches Plädoyer dafür, Frauenrechte in dieser Frage immer mitzudenken: "Wenn sich ein Gesellschaftssystem ändert, trifft es als erstes nicht die Männer, sondern immer Frauen und Kinder." So wie die Politik sich derzeit verhalte (etwa mit Feierlichkeiten zum Fastenbrechen im Bundestag) werde Tür und Tor geöffnet für ein Islamverständnis, welches mit unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung nicht in Einklang zu bringen sei. Dazu machte sie den Vergleich auf, dass Abgeordnete auch nicht zum Weihnachtsessen von Der III. Weg gehen würden.
Und während Winfried Bausback auf dem Standpunkt beharrte, der säkulare Staat brauche auch die Kirchen, lehnte Gülden Hennemann den konservativen Katholizismus ebenso ab wie den Politischen Islam.
Zuletzt erging ein Rechercheauftrag aus dem Publikum an Sascha Adamek, sein nächstes Buch über das Thema Online-Radikalisierung zu schreiben. Ein Vorschlag aus dem Publikum, öffentliche Gelder in viel höherem Maße für sogenannte säkulare kultur-muslimische Projekte einzusetzen, fand allgemeinen Zuspruch – namentlich genannt wurde stellvertretend die liberale Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin.







Kommentar hinzufügen
Netiquette für Kommentare
Die Redaktion behält sich das Recht vor, Kommentare vor der Veröffentlichung zu prüfen und über die Freischaltung zu entscheiden.