"Maria 1.0"

Die Frauen von gestern melden sich zu Wort

Die "Gottesmutter" und "Jungfrau" Maria: Vorbild der Bewegung "Maria 1.0", die sich gegen Reformen in der katholischen Kirche einsetzt.

In Reaktion auf die Reformbewegung katholischer Frauen "Maria 2.0" bildete sich nur wenig später das regressive Bündnis "Maria 1.0", in dem Frauen dafür eintreten, wie gerne sie in der katholischen Kirche als Menschen zweiter Klasse behandelt werden. Mit einer fragwürdigen Äußerung meldete sich eine Vertreterin letzte Woche beim "Synodalen Weg" zu Wort.

Anfang 2019 bildete sich die Initiative "Maria 2.0" (der hpd berichtete), ein Zusammenschluss von Katholikinnen, die grundlegende Reformen ihrer Kirche fordern: Zugang zu allen Kirchenämtern für Frauen, Abschaffung des verpflichtenden Zölibats, Ausrichtung der Sexualmoral der Kirche an der Lebenswirklichkeit der Menschen, Amtsenthebung für Missbrauchstäter und –vertuscher sowie deren Überstellung an die Justiz und uneingeschränkte Kooperation mit Strafverfolgungsbehörden. So kurz, so revolutionär. Schnell entwickelte sich "Maria 2.0" zu einem Liebling der Medien bis auch die katholische Kirche in Deutschland die Bewegung nicht mehr ignorieren konnte.

Beim "Synodalen Weg" – ein in der absolutistisch organisierten Glaubensgemeinschaft unverbindliches Besänftigungsgremium, das im Rahmen der Schadensbegrenzung des kirchlichen Missbrauchsskandals ins Leben gerufen wurde und das keinerlei Wirkungsmacht besitzt – wurde im Rahmen einer Online-Tagung Ende vergangener Woche auch die Rolle von Frauen wieder thematisiert. Neben progressiven Stimmen wie Kardinal Reinhard Marx ("Ich kann mir nicht vorstellen, dass das (dass nur Männer die Kirche leiten könnten, Anm. d. Red.) für die Zukunft irgendeine Perspektive ist", Quelle: BR24) meldeten sich auch die üblichen Das-war-schon-immer-so-Hardliner zu Wort. Diese findet man jedoch nicht nur im männlichen Klerikerstand, denn es hat sich im Frühjahr 2019 auch eine gegenreformatorische Frauenbewegung in Reaktion auf "Maria 2.0." gebildet. Ihr Name: "Maria 1.0".

"Maria braucht kein Update" ist der Slogan, der einen auf der Startseite empfängt. Weiter unten stellen sich verschiedene Unterstützerinnen vor. Was man dort lesen kann, könnte gute Satire sein – wäre es nicht ernst gemeint. Eine 31-jährige pastorale Mitarbeiterin behauptet etwa: "Keine Institution hat je das Wesen der Frau so tief erkannt und Ihre Würde so schön zum Ausdruck gebracht wie die Katholische Kirche." Eine 23-jährige Frau aus Leverkusen lässt sich mit den Worten zitieren: "Als Frau in der Kirche fühle ich mich heute sehr privilegiert und würde nichts ändern wollen." Und eine 28-Jährige sagt: "Ich habe meinen Platz in der Kirche und meine Freude daran." Insgesamt 2.865 Personen haben sich laut Website in die Unterstützer-Liste von "Maria 1.0" eingetragen. Wer unterzeichnen will, muss origineller Weise das Wort "Gott" als Anti-Bot-Sicherheitscode eingeben. Auch ein Verweis auf das apostolische Schreiben von Johannes Paul II. darf natürlich nicht fehlen, der in seiner praktischen päpstlichen Unfehlbarkeit feststellte, "dass die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und dass sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben."

Die konservative Frauenriege begleitet laut eigenem Bekunden den "Synodalen Weg", der zum wiederholten Male versuche, "verstaubte Reformideen neu aufzuwärmen", "kritisch" und setze sich "für die Schönheit der katholischen Lehre ein". Und das sah dann so aus: Vergangenen Donnerstag war sich Dorothea Schmidt, eine von der Bischofskonferenz entsandte Teilnehmerin und Mitglied bei "Maria 1.0", nicht zu schade, die alte Mär der Kinder missbrauchenden Homosexuellen wieder hervorzukramen: Das Akzeptieren schwuler Priester würde Kindesmissbrauch noch mehr Tür und Tor öffnen, behauptete sie (Video ab 2:39:00). Da zwei Drittel aller Fälle männliche Opfer beträfen, wovon mehr als die Hälfte unter 13 Jahren seien, sei davon auszugehen, dass dies zumindest anteilig auf homosexuelles, hebiphiles (wenn sich Erwachsene zu Pubertierenden beider Geschlechter hingezogen fühlen) oder ephebophiles (Attraktion von Männern zu Jungen in der Pubertät) Begehren zurückzuführen sei. "Nur ein geringer Anteil ist pädophil." Daraus zu folgern, dass die Kirche die Ablehnung homosexueller Bewerber für das Priesteramt überdenken müsse, erscheine ihr "paradox".

Immerhin: Die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) kritisierte diese Äußerungen in einem Statement: "Die kfd widerspricht dieser Aussage entschieden. Homosexualität für Missbrauch und sexualisierte Gewalt verantwortlich zu machen, ist falsch und skandalös; dagegen wehren wir uns deutlich. Die Ursachen des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche liegen in klerikalen Machtstrukturen. Diese müssen aufgelöst werden. Hier eine offene Haltung in Teilen der katholischen Kirche gegenüber Homosexualität und lesbischen, schwulen, bisexuellen, transgender, intersexuellen und queeren Menschen (mit-)verantwortlich für den Missbrauch zu machen, lenkt vom Wesentlichen ab."

Die kfd war, entsandt vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), beim "Synodalen Weg" dabei; Schmidt wird auf der Teilnehmerliste offiziell als Vertreterin der Institution "Maria 1.0" gelistet. Sucht man jedoch eine offiziell so benannte Vertreterin von "Maria 2.0.", wird man nicht fündig.

Unterstützen Sie uns bei Steady!

Kommentare (11)

sputnic (nicht überprüft)

Fr. 12 Feb 2021 - 13:52

Austreten!

Giordano Bruno (nicht überprüft)

Fr. 12 Feb 2021 - 16:32

Frauen, die sich derartig selbst verleugnen und den Kirchen unterwerfen, sind m.E. bemitleidenswerte Geschöpfe ohne jegliches Selbstbewusstsein und ohne wirklich darüber nachzudenken was sie da tun. So bleiben diese immer im Mittelalter behaftet, obgleich sie
alle Technischen Erfindungen, von klugen Wissenschaftlern, in ihrem Alltag nutzen, was ihnen aber auch nicht zu denken gibt, dies nehmen sie einfach als gegeben hin und merken nicht, dass wir im 21. Jahrhundert angekommen sind und verteidigen noch immer vehement die Unterdrückungs-Strukturen der Kirchen, was fast schon an Masochismus grenzt.

Assia Harwazinski (nicht überprüft)

Di. 16 Feb 2021 - 13:02

Antwort auf von Giordano Bruno (nicht überprüft)

Die Kirche(n) war(en) später als Maria. Würde man auf kritisch und sauber arbeitende Theologen hören, wüsste man breiter, dass die Grundlage für die christliche Stilisierung der Maria als "Jungfrau" auf einem eklatanten (vermutlich beabsichtigten, zielgerichteten) Übersetzungsfehler beruht: "gyne" heißt "Frau", nicht "Jungfrau" (griechischer Originaltext). Maria war keine Jungfrau, sondern eine "junge Frau", war unehelich schwanger und wurde aufgrund des Eingreifens des "Heiligen Geistes", als dritter Kraft zwischen Himmel und Erde, beruhigt und für "ehewürdig" befunden, sodass der gute Handwerker Josef schließlich doch bei ihr blieb; es war eine gute Vermittlungsarbeit im Konflikt zwischen den harschen Gesetzen der alten Religion (Judentum) und der neuen (Christentum). Das kann man in der Deutschen Einheitsübersetzung der Bibel, Neues Testament, gleich am Anfang nachlesen; dazu muss man weder Revoluzzer noch sonstwas in dieser Richtung sein, sondern einfach nur die entsprechenden Stellen nachlesen (und vielleicht noch einen eigenen Gedanken dazu aufwenden)...Weshalb ursprünglich der Übersetzungsfehler geschah, darüber lässt sich spekulieren; vermutlich war dies mindestens ziel-(= herrschafts-)orientiert. Der christliche Mythos wurde auf den altorientalischen solchen der Verherrlichung der Jungfrau (Venus usw.) draufgesetzt - so, wie die Aqsa-Moschee auf den Resten von Salomons Tempel draufgesetzt wurde. So funktioniert "religiöse Konkurrenz", wenn sich keine plötzlich und unerwartet aufsprudelnde, bisher unbekannte Quelle aus dem Boden auftut. Fragen Sie gute, kritische, nicht lügende Theologen, die ihr Handwerker beherrschen und nicht missbrauchen und/oder entsprechende Religionswissenschaftler!

Alles was in der Bibel oder der Tora oder dem Koran steht ist von Machtgierigen und Geldgierigen Menschen geschrieben, NUR zu dem Zweck, uns zu Untertanen und zahlende Mitglieder zu machen. Nichts davon ist Fakten basiere Wahrheit und wird uns noch heute als
Tatsache verkauft. Jeder der diese Bücher aufmerksam gelesen hat, muss zu diesem Schluß kommen, auch ein " heiliger Geist " ist nur eine Erfindung dieser Leute.
Des Weiteren; es gibt keine kritische, nicht lügende Theologen, die ihr Handwerk nicht missbrauchen und ein ehrlicher Religionswissenschaftler wird genau diese Meinung vertreten.
Siehe Karl-Heinz Deschner, Johann Most, Richard Dawkins u.s.w.

Thomas B. Reichert (nicht überprüft)

Mi. 17 Feb 2021 - 12:34

Antwort auf von Assia Harwazinski (nicht überprüft)

Adam, Eva, Moses, Maria, Jesus ... sind fiktive Figuren, es sind Personifikationen von Dinge bzw. Menschengruppen.
Adam ist eine Personifikation der Menschheit, Eva eine Personifikation des Lebens, Moses eine Personifikation des religiösen Führers, Maria eine Personifikation der Erde, Jesus eine Personifikation der Natur, des Lebens, der Menschheit ...

Aus drei Gründen hat man diese mehrdeutigen Geschichten geschrieben.
1. Menschen desinformieren, desorientieren, manipulieren ... Gaslighting - Menschen geisteskrank zu machen. Durch Gaslighting kann man Menschen das Selbstbewusstsein zerstören.
2. Menschen mit mehrdeutigen Märchen programmieren.
3. Verdeckt Wissen weiter zu geben. Wissen wie man Menschen ködern, führen, formen, trösten (damit diese nicht gegen die aktuelle Herrschaft aufbegehren) ...

Mit der fiktiven Mariafigur hat man speziell Mütter programmiert, sie sollten zuhause bleiben, unterwürfig sein, schweigen und tun was der Mann bzw. Machthaber bzw. dessen Knechte (Theologe) wollten.

Tora, Bibel, Koran ... sind ausgedachte Texte, welche man abstrakt, symbolisch, allegorisch ... auslegen muss, wie die griechisch, ägyptische oder sumerische Mythologie.

Übrigens: Ein Alleingott (JHWH, Gott, Allah ...) ist eine fiktive Figur, eine Personifikation der Lichtenergie, ähnlich wie Ahura Mazda oder Aton. Millionen von Menschen sind durch diesen induzierten kollektiven Wahn "abrahamitische Religion" umgekommen und noch heute wird Geschichte gefälscht, Wissen zensiert und Menschen zum Mitläufertum erzogen. Traurig!

Was noch zu sagen wäre: Die Lichtstrahlen (Heiliger Geist) befruchten Mutter Erde (Maria), daraus wird das Leben, die Natur, die Menschheit, der Sohn (Jesus). Der Ziehvater der Menschheit ist die Information (Josef), welche uns prägt.

Giordano Bruno (nicht überprüft)

Do. 18 Feb 2021 - 10:44

Antwort auf von Thomas B. Reichert (nicht überprüft)

Ja Thomas, genau so funktionieren Religionen und dies allein ist der Zweck der Erfindung von Religionen und wenn die gesamte Menschheit diese Tatsachen nicht endlich durchschaut und dementsprechend handelt, sehe ich schwarz für die Zukunft der Erde.

Rüdiger Kramer (nicht überprüft)

Fr. 12 Feb 2021 - 17:34

Wenn man denkt der reale Schwachsinn, ist nicht mehr zu überbieten, reicht ein Blick in diese Webseite. Ich finde es schon eine Zumutung, dass die Anbetung, da Maria ja angeblich hilft, es nicht geschafft hat Corona zu vertreiben. Aufklärung bedeutet, dass auch wissen sollte was die Katholische Kirche im laufe der Jahrhunderte den Frauen angetan hat. Nur wer über kein Wissen verfügt, kann Maria 1.0 erfinden.

M. Landau (nicht überprüft)

Fr. 12 Feb 2021 - 19:58

Meist sind es ja die alten weißen Männer in den bunten Nachthemden, die ich im Visier habe. Manchmal so heftig, dass der HPD meine Kommentare dazu öffentlich gar nicht freigeben mag, da die lodernden Flammen des Fegefeuers aus ihnen herausschlagen. Jetzt sind es die Frauen dieses 'Kreises'. Wie die drauf sind, ist so entsetzlich: »Als Frau in der Kirche fühle ich mich heute sehr privilegiert und würde nichts ändern wollen« - bloß keinen Fortschritt! Alles muss so bleibe wie es eins war. OK, wenn die sich selbst abhängen wollen, ist das deren Sache, aber dann bitte nicht zu Lasten und auf Kosten des zivilisierten Teils der Gesellschaft. Das wird dann durch diese Phrase nochmals verschlimmert: »Ich habe meinen Platz in der Kirche und meine Freude daran.« Das erinnert doch sehr an die Ständegesellschaft des Mittelalters. Und das sagt eine 28-Jährige... Vermutlich bin ich zu alt, um das noch zu verstehen...

Hans Trutnau (nicht überprüft)

Sa. 13 Feb 2021 - 00:42

S/"...Bündnis "Maria 1.0", in dem Frauen dafür eintreten, wie gerne sie in der katholischen Kirche als Menschen zweiter Klasse behandelt werden."\S
Lass' sie doch machen; ist ein Austrittskatalysator... ;-)

Die Mariafigur ist selbstverständlich eine literarische Figur. Die Mariafigur ist eine Allegorie auf "Mutter Erde", aber eigentlich ging und geht es darum Mütter zu programmieren: mütterlich, häuslich, schweigsam, die Frauen sollten sich unterordnen und tun was der "Herr", also der Mann wollte.
In dem Bündnis "Maria 1.0" gibt es selbstverständlich verschiedene Wissens- und Interessensstufen: Einige Frauen hat man eine Gehirnwäsche verpasst und deswegen glauben sie alles mögliche. Dann gibt es in einer sozialen Gruppe natürlich auch Mitläufer, sie suchen Gemeinschaft. Dann haben wir noch die Möchtegern-Schlaumeier, sie verstehen einige Texte ... und wollen natürlich auch von dem Reichtum des Sozialkonstrukts profitieren. Und dann haben wir noch die Oberschlaumeier, welche sich als Hirten verstehen, sie möchten Menschen ködern, führen, formen, programmieren ... sie möchten andere Menschen geistig beherrschen.
Die Philosophie dahinter: Solange sich die Menschen belügen lassen, ja solange werden sie belogen. Und selbstverständlich möchten alle Menschen in diesem Sozialkonstrukt von dem ergaunerten Reichtum unserer Ahnen profitieren. Eigentlich ziemlich traurig ... und dann erschafft man noch ein Tabu, eine Schweigespirale ...

M. Landau (nicht überprüft)

Di. 16 Feb 2021 - 22:40

Antwort auf von Thomas B. Reichert (nicht überprüft)

»» Die Philosophie dahinter: Solange sich die Menschen belügen lassen, ja solange werden sie belogen««

Da bin ich mir nicht so sicher. Kann es nicht auch etwas mit dem Empfingen einer vermeintlichen 'Sicherheit' zu tun haben? Da ist u.a. die Rede vom Platz, den man dort gerne hat. Da werden Lügen zum Albi der eignen Realität. Versuchen Sie mal das solchen Menschen streitig zu machen, die werden zum Stahl greifen wenn es sein muss. So traurig das auch ist, einige von denen habe nichts anderes und nimmt man es ihnen weg, stehen sie vor dem Nichts.

IMHO sollte da bereits im Kindesalter vorgebeugt werden und auf diese vermeintlich 'christliche Sozialisierung' im Sinne der Nibelungentreue zu Kirche / Religionsgemeinschaft verzichtet werden bzw. Kindern Werte vermittelt werden, die frei entscheiden lassen und das fängt sehr früh an und die Kirchen wissen das nur zu genau.

Gisa Bodenstein

Die Autorin studierte Kulturgeographie mit den Wahlfächern Politische Wissenschaft, English and American Studies und Physische Geographie in Erlangen. Danach war sie für die Erlanger Nachrichten und die Berliner Morgenpost tätig. Seit 2017 arbeitet sie für den hpd und hat im April 2025 den Posten der Chefredakteurin übernommen.

Weitere Artikel der Autorin
Unterstützen Sie uns auf Steady!

Mehr lesen über:

Verwandte Artikel