Ein Humanistenpreis an Islamisten?
Die geplante Verleihung des „Marburger Leuchtfeuers 2026“ an Bilal Farouk El-Zayat sorgt für Kontroversen. Im Zentrum der Debatte stehen seine dokumentierten Verbindungen zu islamistischen Milieus und der Umgang der Humanistischen Union Marburg mit der Kritik an ihrer Preisträgerwahl.
Foto: © PhilippN, Wikimedia CC BY-SA 2.0
Die Humanistische Union Marburg und die Universitätsstadt Marburg wollen am 30. Oktober das "Marburger Leuchtfeuer 2026" für den Einsatz für Geflüchtete verleihen. Im Vorfeld gibt es Diskussionen um einen der ausgewählten Preisträger, Bilal Farouk El-Zayat.
Die AfD-Fraktion Hessen veröffentlichte nach Bekanntwerden der Pläne für die Preisverleihung am 6. September einen Blog-Beitrag mit dem Untertitel: „Wird in Marburg ein Islamist mit einem Preis ausgezeichnet?“ In diesem wird auf die Vergangenheit El-Zayats und dessen Verbindungen zu islamistische Milieus verwiesen, die im Widerspruch zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung stehen und durch den Verfassungsschutz dokumentiert sind. Die Humanistische Union Marburg entgegnete dem hingegen, El-Zayat sei „über jeden Verdacht menschenfeindlicher oder undemokratischer Verhaltensweisen erhaben“. Es handele sich um „eine islamophobe Schmutzkampagne“. Von Selbstkritik findet sich in der Stellungnahme der Humanistischen Union Marburg keine Spur. Dabei sind die Vorwürfe gegenüber El-Zayat und seiner Gemeinde nicht neu und gut dokumentiert. Bereits 2017 und 2018 dokumentierte die Jungle World den Hintergrund El-Zayats und seine Verbindungen zur islamistischen Muslimbruderschaft ausführlich.
So war 2016 Sheikh Taha Amer als Redner von der Moscheegemeinde El-Zayats eingeladen worden. Amer war damals Mitglied im Rat der Imame und Gelehrten in Deutschland (RIGD). Der hessische Verfassungsschutz rechnet den RIGD der Muslimbruderschaft zu. Auch benennt der Verfassungsschutz Marburg als eines von sieben bundesweiten Zentren der Islamischen Gemeinschaft in Deutschland (IGD), die als wichtigste Organisation der Muslimbruderschaft in Deutschland gilt. Die formal unabhängige Jugendorganisation der IGD, die Muslimische Jugend in Deutschland (MJD), leitete El-Zayat von 2003 bis 2005 und auch den Vorsitzenden der IGD von 2002 bis 2010 kannte Bilal El-Zayat gut. Es handelt sich um Ibrahim El-Zayat, seinen Bruder.
2011 reiste Bilal El-Zayat gemeinsam mit Khaled Hanafy, dem Vorsitzenden des RIGD, zu Yusuf al-Qaradawi, einem der damals weltweit einflussreichsten Islamisten. Der 2022 verstorbene Al-Qaradawi leitete die Vereinigung Union of Good, die bereits seit 2008 – also drei Jahre vor El-Zayats Besuch – von den USA als Organisation zur Unterstützung des Terrorismus gelistet wird. Al-Qaradawi war für seinen Antisemitismus bekannt. Er hatte unter anderem Adolf Hitler und den Holocaust „eine gerechte Strafe Allahs für die Juden“ genannt – in Anlehnung an einen der Vordenker der Muslimbruderschaft, Sayyid Qutb. Auch sagte er, dass diese Strafe beim nächsten Mal „so Gott will durch die Hand der Gläubigen erfolgen“ werde. Fotos von dem Besuch finden sich noch immer in Sozialen Medien.
Es stellt sich die Frage, warum die Kritik an einem solchen Preisträger, auch wenn sie in diesem Fall von der AfD-Fraktion kommt, von der Humanistischen Union Marburg als „islamophob“ bezeichnet wird. Die Integrationsbeauftragt von Berlin-Neukölln, Güner Balcı, stellte in einem Welt-Artikel die Frage, ob man einem christlichen Prediger eine derartige Historie durchgehen lassen würde, und die Antwort ist hoffentlich: Nein! Ein Humanismus, der Vertreter frauenfeindlicher, reaktionärer religiöser Bewegungen auszeichnet, darf wohl kaum als ein solcher bezeichnet werden.
In Marburg täte man gut daran, sich zu erinnern, dass der Feind meines Feindes nicht notwendigerweise mein Freund ist. Nur weil die AfD gewisse Formen rückschrittlicher Religiosität kritisiert, macht das diese Formen der Religiosität nicht weniger ablehnenswürdig.
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