Ein weiterer Erfolg für konservative Christen: Ein texanisches Berufungsgericht hat entschieden, dass in öffentlichen Schulen die Zehn Gebote in jedem Klassenzimmer aufgehängt werden müssen. Die Debatten um religiöse Einflüsse im Bildungssystem reißen nicht ab – im Gegenteil, sie spitzen sich weiter zu.
Amerikanische Schulen sind schon seit Langem nicht nur kulturell, sondern auch religiös umkämpfte Räume. Rechte Gruppierungen wie die Moms for Liberty fordern mit wachsendem Einfluss die Entfernung von Büchern, die nicht in ihr religiös-nationalistisches Weltbild passen (der hpd berichtete). Werke wie "A Clockwork Orange" von Anthony Burgess oder "The Handmaid's Tale" von Margaret Atwood zählen zu den prominenten Beispielen – insgesamt wurden bereits zehntausende Titel aus Schulbibliotheken entfernt. Parallel dazu gewinnen Lehrpläne an Boden, die biblische Inhalte betonen und teilweise sogar staatlich unterstützt werden.
Religiöse Symbolpolitik im Klassenzimmer
Um christliche Inhalte noch stärker im Schulalltag zu verankern, haben Bundesstaaten wie Texas, Louisiana, Arkansas und Alabama Gesetze verabschiedet, die das Anbringen der Zehn Gebote in allen Klassenzimmern vorschreiben. In Texas hatten fünfzehn Familien dagegen geklagt, da sie in dieser Regelung einen Eingriff in die Religionsfreiheit sehen. In erster Instanz bekamen sie Recht – doch ein Berufungsgericht in New Orleans hob diese Entscheidung nun auf.
Das ist bemerkenswert, denn selbst die texanische Verfassung garantiert die Trennung von Kirche und Staat sowie das Recht von Familien, über religiöse Erziehung eigenständig zu entscheiden. Dennoch argumentierte die Mehrheit der Richter, die bloße Präsenz der Zehn Gebote führe weder zur religiösen Indoktrination noch zur Bekehrung von Schülern oder Lehrern. Die Entscheidung fiel jedoch denkbar knapp aus: Acht der siebzehn Richter widersprachen und warnten davor, dass religiöse Mehrheiten ihre politische Macht nutzen würden, um ihre Überzeugungen anderen aufzuzwingen.
Für Greg Abbott, den republikanischen Gouverneur von Texas, ist das Urteil dennoch ein "riesiger Erfolg": Die Zehn Gebote seien Grundlage westlicher Moral und gehörten daher in die Klassenzimmer.
Kritiker sehen darin hingegen einen weiteren Schritt hin zu einer schleichenden Aushöhlung der Trennung von Staat und Religion. Die geplante Anrufung des Supreme Court of the United States zeigt, dass der Konflikt noch lange nicht entschieden ist. Schulen in den USA bleiben damit ein zentrales Schlachtfeld im Kulturkampf um Religion, Bildung und gesellschaftliche Werte.








14 Kommentare
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Kommentare
Gerhard am Permanenter Link
Es ist einfach widerlich, wie sich die Religionen in das Leben der Menschen einmischen und
unerträglicher Zustand.
Stefan Dewald am Permanenter Link
Da gebe ich doch gerne das Wort weiter an George Carlin: https://berufsbeleidigt.de/die-zehn-gebote/
Thomas Spickmann am Permanenter Link
War das Berufungsgericht wirklich in New Orleans? Das liegt doch nicht in Texas.
Roland Fakler am Permanenter Link
Tatsächlich sind die „Zehn Gebote“ angebliche Befehle Gottes, besser, der Priesterschaft, zur Errichtung einer hierarchischen Herrschaft, zur Beschränkung der individuellen Freiheit und auch zur Aufstellung ethischer
Die Menschenrechte hingegen sind Freiheitsrechte des Bürgers gegen die Zugriffe der Herrschenden. Sie mussten in einem zähen Ringen in der Zeit der Aufklärung, zwischen dem 17. und 20. Jh., gegen den heftigen Widerstand der Könige von Gottes Gnaden, gegen die Päpste und Kirchen, den Adel, die Diktatoren und den Staat erkämpft werden.
Gerhard am Permanenter Link
Lieber Roland, es ist noch immer so, dass wir gegen die selbsterfundene Macht der Kirchen
wird das endlich der gesamten Menschheit klar und handelt dementsprechend.
A.S. am Permanenter Link
Wenn Religion den Kindern nicht aufgezwungen wird, glauben sie nicht.
Die Maske fällt. Es gibt keine Freiwilligkeit in der Religion.
Inseljunge am Permanenter Link
Das scheint mir doch ein wenig zu apodiktisch.
Ich kann mir gut vorstellen, dass religionsmündige
und erst recht erwachsene Personen eine Religion
durchaus freiwillig annehmen.
A.S. am Permanenter Link
Ich habe so meine Zweifel hinsichtlich des "freien Willens", den die Menschen angeblich haben.
Aktuell läuft die Masche mit "Da ist jemand, der dich unendlich liebt."
Wenn man sich die Methoden der Gläubigmacher aus kritischer Distanz anschaut, dann sind da keine Unterschiede zu den sogenannten "Rattenfängern".
Meine These: "Menschenfischer" und "Rattenfänger" arbeiten mit den selben Methoden. Von Lovebombing bis zur Höllen-Angstmacherei ist alles dabei.
Religiöse "Führer" sind Verführer.
Wie freiwillig handeln Verführte, zumal wenn sie Kinder sind?
Inseljunge am Permanenter Link
Offenbar übersehen Sie, dass man sich auch freiwillig verführen lassen kann;
manche schätzen eben die Abgabe von Entscheidungen und Verantwortung
mehr als Willensfreiheit.
A.S. am Permanenter Link
Wer sich vor Entscheidungen und Verantwortlichkeiten drückt, wird deswegen nicht unkritisch.
Inseljunge am Permanenter Link
Sicher, so allgemein formuliert, trifft das zu, aber in Bezug auf Religionen
muss man doch ziemlich unkritisch sein, um nicht zu sehen, dass durch
Buchreligion sowie an deren professionelle Deuter und Vermittler nichts
gewonnen wird. Ein Text kann unmöglich alle Wechselfälle eines Lebens
berücksichtigen und erst recht nicht stets zum Wohle des Betroffenenen
lösen. Da könnte man diese Entscheidungen mit dem gleichen Erfolg auch
selbst treffen, wenn, ja wenn da nicht das verlockende Gefühl der Entlastung
wäre, das die Illusion bietet, von verschiedenen Vaterfiguren an die Hand
genommen zu werden.
Mark am Permanenter Link
Außer das Gebot, man solle keinen Meineid über einen anderen schwören, stehlen und morden, sind die anderen Gebote nicht zeitgemäß. Selbst die US Verfassung garantiert Religionsfreiheit.
Gerhard am Permanenter Link
Noch, wenn man Trump so als Heiligen sieht kann man schon zweifeln an dessen säkularer
Amtsführung!
adam sedgwick am Permanenter Link
Die Zehn Gebote sind ja eine Richtschnur für viele Menschen, wobei die Gebote 1-3 das Verhalten des Menschen zu Gott beschreiben während die Gebote 5-10 sich um das ethische Verhalten der Menschen untereinander empfeh
Das vierte Gebot ist die einzige religiöse Vorschrift, aber sie ist äußerst zeitgemäß: Du sollst den Feiertag heiligen-und NICHTS! tun, das heißt, sollst keinen Eingriff in die Natur vornehmen, die Natur unberührt lassen. Bei dieser Empfehlung schlägt doch des Ökologen-Herz gleich viel höher. Was hinter den Zehn Geboten alles steckt, hat der Sozialpsychologe Erich Fromm in seinem Buch "Ihr werdet sein wie Gott" beschrieben. Ein durchaus nachdenkenswerter Text. Zum Beispiel das Erste Gebot, "Du sollst nur den einen Gott lieben", im Klartext, man kann all die esoterischen Götzen und den Aberglauben, wie z.B. dass die Zahl 13 Unglück bringt, ersatzlos "in die Tonne schmeißen". Manch ein Mensch ist froh, wenn er sich vom Aberglauben befreit fühlen kann oder gleich fühlt.
Was mich allerdings bei den christlichen Kirchen immer noch wundert, ist das Fehlen der Zehn Gebote in den Kirchen-Gebäuden. Die Zehn Gebote sind nie aus- oder dargestellt, ich habe sie z.B. nicht im Kölner Dom und in vielen anderen Domen auch nicht gefunden. In den USA scheint man die Vermittlung der Gebote als verbindlichen Auftrag aufzufassen. Wobei ich die US-amerikanische Art und Weise im Umgang mit der christlichen Lehre nun gar nicht gutheiße.