Beschneidung im Fernsehsender arte

Als Anfang dieses Jahres der Kinderkanal eine Sendung zeigte, in der die Beschneidung eines Junge regelrecht gefeiert wurde, gab es dagegen Protest. Nun tritt der "Kultursender" arte​ in die gleichen Fußstapfen.

In der Kindersendung "karambolage" wurde völlig kritiklos über die Beschneidung des türkischen Jungen Tonguc Baykurt berichtet. Auf der Webseite ist das Statement des Minderjährigen nachzulesen. Dort heißt es unter anderem: "Obwohl die Beschneidung im Koran nicht ausdrücklich erwähnt wird, wird ein Junge erst dadurch ein vollwertiges Mitglied der muslimischen Gemeinde."

Weiter heißt es: "...für die Gäste gab’s 'Baklawa', 'Börek' und süße Getränke, für mich viele Geld- und Goldgeschenke. Es wurde bis in den späten Abend hinein getanzt. Ich lächelte trotz der Schmerzen, weil ich fürchterlich stolz auf mich war. Ich glaube, dies war einer der schönsten Tage meiner Kindheit."

Welch eine Macht die frühe Indoktrinierung eines Kindes ausüben kann, zeigt der letzte Satz. Eine körperliche Verstümmelung, die in der Zukunft Einschränkungen im Sexualleben zur Folge haben wird, als "schönsten Tag" der Kindheit zu feiern, ist kaum noch an Zynismus übertreffbar. 

Quelle

Kommentare (8)

Bernd Kammermeier (nicht überprüft)

Sa. 8 Nov 2014 - 12:08

Nachdem ich mich damals ausgiebig über Tahsins Beschneidungsfest beim Kika aufgeregt und Vorträge dazu gehalten habe, muss ich enttäuscht zur Kenntnis nehmen, dass das Fernsehen nichts dazulernen will. Und von verantwortlichen Redaktionen bekommt man auch keine Redaktionen, selbst wenn ich die Produzentin des Kika-Films persönlich kannte.

Dieser Satz bei arte: >Es kostet nur eine Kleinigkeit, nämlich die Vorhaut.< treibt mir die Zornesröte ins Gesicht - politisch völlig unkorrekt, weil ich wütend bin. Ich habe mir sofort zwei Monate arte-Verbot auferlegt!

Wie kann das heute noch sein, dass deutsche TV-Sender, die nicht zu knapp dotiert werden, noch immer derarte uninformiert sind? Nun, das sind sie natürlich nicht. Es steckt Methode hinter diesem Schwachsinn, der in religiösen Zeiten sicher himmelschreiend gewesen wäre. Man will sich tolerant präsentieren, integrierend, multikulti, rechtsfriedenliebend. Dass derarte Sendungen kontraproduktiv sind und eher Begründungen für das Entwickeln einer Parallelgesellschaft liefern (weil ja in der Umma alles gut geregelt ist) wird erfolgreich verdrängt. Wahrgenommen wird auch das sicher, denn inzwischen gibt es 1.000e von hervorragenden Kommentaren, die das aufzeigen. Das Blödestellen bei TV-Sendern funktioniert also nicht mehr. Ich bin jedoch optimistisch, auch angesichts der Diskussionen im dänischen Parlament jüngst, dass es eines Tages TV-Dokus gibt, in denen derarte Sendungen als Negativbeispiele der deutschen TV-Landschaft gebrandmarkt werden. Hoffentlich gefolgt von einer aufrichtigen Entschuldigung bei den Opfern der Verstümmelungspraxis, die man derarte verhöhnt hat.

Stefan Räbiger (nicht überprüft)

Sa. 8 Nov 2014 - 13:03

Habe an Karambolage nach der Sendung geschrieben
Liebe Freunde von der Karambolage Redaktion,
Letzten Sonntag war ich ehrlich gesagt erst enttäuscht und dann empört über denn Beitrag das Ritual. Da wird eine Körperverletzung, die auf Grund gesellschaftlichen Drucks oder Suggestion vollzogen wird, auch noch beschönigt. Dieses überkommene Ritual durch so einen Beitrag positiv darzustellen, hat mich sehr verärgert. Das hat auch nichts mit Religionsfreiheit zu tun, jeder soll nach seiner Vorstellung selig werden, sondern ist die Beschönigung einer Körperverletzung. Es wäre gut gewesen, wenn Ihr da nochmal nachgedacht hättet.
Auch die Behauptung dadurch wird man erst zum Mann, ist einfach nur abwegig.
Mit besten Grüssen
Stefan Räbiger

Die Antwort:
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Bien à vous und beste Grüße,
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Karin Richter (nicht überprüft)

Mo. 10 Nov 2014 - 09:14

Das erinnert an diverse Dokumentationen von vor ca. zwei Jahrzehnten über FGC, die diese Menschenrechtsverletzung in gleicher Manier unvollständig behandelten und beschönigten.
Diese Art von Sendebeiträgen wären nicht so völlig am Eigentlichen vorbei, wenn gleichzeitig kritisches Filmmaterial wie z. B. "It´s a boy!" oder ähnliches geboten würde.

Stefan Wagner (nicht überprüft)

Mo. 10 Nov 2014 - 23:53

Hoppla - jetzt habe ich den Beitrag bei Arte kommentiert, und einen Blogartikel verfasst, und da auf arte im Internet eine unzensierte Version zu sehen war suchte ich nach der zensierten, und stolperte so nebenbei über das Datum der Sendung: November 2011.

Das macht die Sendung natürlich nicht weniger problematisch, aber der Produktionszeitpunkt macht natürlich einen gewaltigen Unterschied. Heute, nach der großen Bundestagsdebatte, gibt es viel Material, leicht zu finden im Internet. 2011 dürfte das noch recht schwierig gewesen sein.

Also das macht einen Unterschied, den ich gerne früher erkannt hätte, aber Ihren Formulierungen zu Folge sind Sie auch davon ausgegangen, dass der Artebeitrag frisch ist - "Nun tritt der 'Kultursender' arte​ in die gleichen Fußstapfen" - wurde er denn jetzt wiederholt?

Da dies nicht das erste Mal ist, dass auf hpd.de älteres Material exhumiert wird, frage ich mich wie es dazu kommt und ob Sie in ihren Abläufen eine Kontrolle einbauen könnten, um solchen Fehlern vorzubeugen. Ich gehe ja nicht davon aus, dass es Absicht sein könnte, und Sie nur das Thema nochmal aufkochen wollten.

Der Beitrag wurde in der vergangenen Woche bei arte gezeigt. Ich habe deshalb entsetzte Anrufe bekommen von Leuten, die das dort gesehen haben. Ich gehe davon aus, dass Ihre Recherche richtig ist - dann hat arte die Sendung von 2011 wiederholt. Und selbst wenn richtig ist, dass zum Zeitpunkt der Produktion von der Beschneidungsdebatte nicht die Rede war - eine Ausstrahlung zum derzeitigen Zeitpunkt ist dennoch kritikwürdig - eben WEIL sich die Sensibilität über dieses Thema verändert hat.

Stefan Wagner (nicht überprüft)

Di. 11 Nov 2014 - 10:49

Antwort auf von F. Nicolai (nicht überprüft)

@F. Nicolai: Wenn der Beitrag jetzt unverändert nach der Debatte wiederholt wird, dann ist es in der Tat sehr kritikwürdig und ich schließe mich an. In meinen Blogbeitrag http://demystifikation.wordpress.com/2014/11/11/folterpropaganda-auf-arte/ hatte ich auch schon zu viel Zeit investiert um ihn zurückzuziehen - nur den Aufhänger habe ich korrigiert und werde ihn nun eben ein zweites Mal korrigieren. :)

Stefan Wagner (nicht überprüft)

Di. 11 Nov 2014 - 00:25

Die Artesendung lief am 13.11.2011, also vor rd. 3 Jahren als die große Debatte noch nicht stattgefunden hatte.

Wie Ihnen das passieren konnte ("... nun tritt arte in die gl. Fußstapfen") aber es führt natürlich zu einem falschen Eindruck.

Off-topic: Ich weiß nicht, ob man nicht sieht, dass ein Kommentar noch nicht freigeschaltet wurde, oder ob ich meinen ersten nicht abgeschickt habe, aber wenn dies der zweite, fast identische Kommentar ist, dann löschen Sie ihn bitte unauffällig. :)

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