Iran

Fahrradfahren verboten – für Frauen

Unkeusch - Frauen auf Fahrrädern
Unkeusch - Frauen auf Fahrrädern

Laut Bericht des National Council of Resistance of Iran (NCRI) hat der oberste religiöse und politische Führer des Iran, Ali Chamenei, eine Fatwa gegen die Benutzung von Fahrrädern durch Frauen erlassen.

Eine Fatwa ist eine Art rechtlich-religiöse Einschätzung eines Alltagsproblems durch einen muslimischen Geistlichen. Die Fatwa ist für die Anhänger des jeweiligen Geistlichen bindend. Wird sie, wie im vorliegenden Fall, vom obersten religiösen und politischen Führer eines Landes ausgesprochen, so ist sie quasi Gesetz.

Laut NCRI, das sich als Exil-Parlament und Widerstandsbewegung gegen die derzeitige politische Situation im Iran versteht, sprach Chamenei seine Fatwa am 10. September im Staatsfernsehen aus, nachdem westliche Medien bereits im Juli von der Verhaftung weiblicher Fahrradfahrerinnen im Iran berichtet hatten. Das NCRI zitiert auf seiner Homepage Chameineis Begründung für seine Entscheidung hinsichtlich des weiblichen Fahrradfahrens wie folgt: "Das Fahrradfahren erweckt oft die Aufmerksamkeit von Männern und setzt die Gesellschaft dem Verderben aus, es verstößt gegen die Keuschheit von Frauen und muss abgeschafft werden."

Mit seiner Abneigung gegen weibliche Fahrradfahrer ist der konservative islamische Geistliche Chamenei nicht allein. Unterstützung findet er ausgerechnet in einem Land, mit dem ihn nicht gerade eine freundschaftliche Beziehung verbindet.

Im Juni berichteten die Medien weltweit von einem ultra-orthodoxen jüdischen Rabbi in Israel, dem Frauen auf Fahrrädern ebenfalls ein Graus sind. Rabbi Eliezer Moshe Fisher aus Jerusalem ging in seiner Forderung des weiblichen Fahrradverzichts jedoch noch über die Fatwa von Chamenei hinaus, indem er bereits Mädchen ab fünf Jahren das Fahrradfahren verbot. Laut Bericht des britischen Independent sagte er, dass Radfahren der Sittsamkeit von jungen Mädchen ernsthaften Schaden zufügen könne und dass die Form von Fahrradsätteln dazu führe, dass Mädchen in einer Weise darauf säßen, die Männer als provokant empfinden könnten. 

Glücklicherweise lassen sich nicht alle Frauen im Einzugsbereich der genannten geistlichen Herren von Verlautbarungen greiser Männer einschüchtern. Kurz nach der Fatwa im Iran tauchte im Internet das Video einer mutigen iranischen Mutter und ihrer Tochter auf, die sich selbst aus Protest gegen die Fatwa beim Fahrradfahren filmten.

Kommentare (12)

Noncredist (nicht überprüft)

Fr. 23 Sep 2016 - 13:17

Weil Männer ihren Kopf in Richtung Frauen drehen könnten, soll Frauen das Fahrradfahren verboten werden? Weil Männer möglicherweise beim Anblick von Kopfhaaren(!) einen steifen ... Nacken ... bekommen, verhüllt man die Frau von Kopf bis Fuß?

!!! Achtung: Zynismus !!!
Warum überhaupt "Frau" noch am Leben lassen? Sie sind doch anscheinend die Ursache für Verkehrsunfälle, Nackenprobleme, Viagraproduktion, Sauerstoffmangel und/oder schlechtem Wetter! ;)

Ich kann einfach nicht verstehen, wie man einen Mitmenschen so *unmenschlich* bedrängen und einengen kann! Es tut einem freiheitsliebenden Menschen im Herzen weh zu erleben, wie ein solch hässliches Menschenbild durch "Geistliche" am Leben erhalten wird.

Daumen hoch für die mutigen Frauen im Iran!

Sim (nicht überprüft)

Fr. 23 Sep 2016 - 13:42

Beachtlich wie, oftmals ultra-religiöse Personen, in alle möglichen Alltagstätigkeiten sexuelle Konotationen hineininterpretieren. Die scheinen da selbst eine Art Fetisch dafür zu besitzen und alles was sie selbst anmacht aus Selbstverachtung zu verbieten.

Es wäre ja zum schmunzeln wenns nicht so ernst wäre. Man kann nur hoffen, dass der Iran irgendwann mal von diesen lebensfeindlichen Gestalten, wie Ali Chamenei, in Ruhe gelassen wird.

Bernd Kammermeier (nicht überprüft)

Fr. 23 Sep 2016 - 14:11

Ginge es um die Einführung von Bananensatteln bei Fahrradfahrerinnen hätte ich die Beweggründe der prüden Obrigkeit noch nachvollziehen können.

Vielleicht hätte aber die Einführung einer Helm-Burka (formschöner Fahrradhelm mit rundumlaufendem Stoff in den aparten Modefarben schwarz, schwarz und schwarz) die hohe Geistl(os)ichkeit davon überzeugen können, dass Frauen doch ihren Aktionsradius über die erlaubten 2,5 m von ihren Paschas hinaus erweitern dürfen.

Peter Friedrich (nicht überprüft)

Fr. 23 Sep 2016 - 14:15

Wer keinen Penis trägt, darf nicht auf´s Fahrrad. Wir schreiben das Jahr 12.000 vor unserer Zeitrechnung...

"...und dass die Form von Fahrradsätteln dazu führe, dass Mädchen in einer Weise darauf säßen, die Männer als provokant empfinden könnten. ..." -
Was für ein notgeiles AAA....loch, um das mal zurückhaltend zu formulieren.

Olaf Sander (nicht überprüft)

Fr. 23 Sep 2016 - 16:13

Das ist so unglaublich dumm, dass einem glatt die Worte fehlen. Oder, in diesem Falle, anders gesagt: Das Schwein sitzt vor den Augen derer, die solcherlei dämliche Verbote erlassen.

Diese Typen sind ein guter Beweis für die These, dass die Welt ohne Religionen weitaus besser dran wäre.

Aber vielleicht muss man an imaginäre Wesen und Märchebücher glauben, um bei Fahrrad fahrenden Frauen etwas Unsittliches erkennen zu können.

Ich als Gottloser habe noch nie solcherlei Gedanken gehabt, wenn ich Frauen radeln gesehen habe. Aber ich habe ja auch Sex, ganz im Gegenteil zu diesen ********.

Rainer Bolz (nicht überprüft)

Fr. 23 Sep 2016 - 20:59

Es gibt 100 000 von Kochtöpfen, warum müssen Mädchen und Frauen ausgerechnet Fahrradfahren???

Arzu Toker würde eine Augenbinde für die Armen Männer empfehlen, die beim Anblick provokant fahrender Weiblichkeit außer Kontrolle geraten.
Wie kann man in der heutigen Zeit noch sooooo weit hintenan sein, aber vielleicht gibt es ja die Hoffnung das sich das in 5000 Jahren ein wenig ändert.

David (nicht überprüft)

So. 25 Sep 2016 - 05:47

"...und dass die Form von Fahrradsätteln dazu führe, dass Mädchen in einer Weise darauf säßen, die Männer als provokant empfinden könnten. ..."

Auf einen solchen Gedanken muss man erstmal kommen. Sic!

Einmal mehr hatte Christopher Hitchens recht: Religion poisons everything.

Allerdings nicht jede in gleichem Ausmass.

Berlina (nicht überprüft)

Mo. 26 Sep 2016 - 08:07

Es gibt keinen besseren oder schlechteren Glauben/Religion. Deswegen ist es eben nicht verwunderlich, dass Rabbi und Chamenei gleich glauben.

Wieder das unsägliche Männerproblem. Sie können nicht denken. Bleibt zu hoffen, das die Frauen allmählich den Männern die Stirn bieten und sich durchsetzen. Vorsintflutliche Religionen haben keinen Bestand in der heutigen Zeit.

Kay Krause (nicht überprüft)

Di. 27 Sep 2016 - 07:09

Antwort auf von Wolfgang (nicht überprüft)

Frage an Wolfgang: Wird sich nicht letztlich JEDE neu zu schaffende Religion
(bei Abschaffung der vorhandenen vorsintflutlichen) innerhalb kürzester Zeit wiederum als vorsintflutlich erweisen?

Kay Krause (nicht überprüft)

Di. 27 Sep 2016 - 07:12

Diese Art von Frauen-Bevormundung kann meines Erachtens nur daher rühren, dass es diesen Machos von ihrem jeweiligen Gott verwehrt wurde,
als anschmiegsamer Sattel eines Damenfahrrades auf die Welt gekommen zu sein.

Martin (nicht überprüft)

Di. 27 Sep 2016 - 21:03

Ein Posting zu diesem Artikel auf Diaspora: https://framasphere.org/posts/2241613

Daniela Wakonigg

Die Autorin ist studierte Philosophin, Theologin und Germanistin. Sie lebt in Münster (Westf.) und arbeitet als freie Autorin und Journalistin für Hörfunk- und Print-Medien. Sie ist u. a. Redakteurin der Zeitschrift MIZ und war von 2016 bis Anfang 2024 stellvertretende Chefredakteurin des hpd.

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