Kommentar
Die katholische Kirche und der Missbrauch
Foto: pixabay.com / CC0 Public Domain
Missbrauch bei den Regensburger Domspatzen, Missbrauch in der katholischen Kirche in Australien und nun Kinderpornografie auf einem Dienstrechner im Büro des Bistums Limburg. hpd-Redakteurin Daniela Wakonigg machen die aktuellen Enthüllungen wütend.
Es hört einfach nicht auf.
Als im vergangenen Jahr der Rechtsanwalt Ulrich Weber seine Recherchen zum bereits 2010 aufgedeckten Missbrauchsskandal bei den Regensburger Domspatzen vorstellte, war das Entsetzen groß. Weber sprach von einem "System der Angst", in dem Kinder und Jugendliche systematisch körperlicher und sexueller Gewalt ausgesetzt waren. Nach achtmonatiger Recherche ging er davon aus, dass etwa jedes dritte Mitglied der rund 2.100 Mitglieder des katholischen Knabenchors zwischen 1953 und 1992 Missbrauchserfahrungen machen musste. Wesentliche höhere Zahlen als jene, die das Bistum Regensburg aufgrund eigener Recherchen veröffentlicht hatte.
Vor wenigen Tagen dann der Bericht einer staatlichen Untersuchungskommission aus Australien: Sieben Prozent der katholischen Priester in Australien sollen sich danach zwischen 1950 und 2010 des Kindesmissbrauchs schuldig gemacht haben. Missbrauch fand laut der Untersuchungskommission zwar auch in anderen Institutionen statt – vor allem in religiösen – doch die katholische Kirche führt die Statistik an.
Kaum ist aufgrund dieser Missbrauchszahlen wieder mal die Diskussion über die Frage aufgeflammt, ob die katholische Kirche vielleicht ein strukturelles Problem haben könnte, da berichtet die Nassauische Neue Presse, dass der Büroleiter und Referent des amtierenden Bischofs von Limburg auf seinem Dienst-PC kinderpornografisches Material gespeichert habe. Und das ausgerechnet zu einer Zeit, da man sich im Bistum Limburg gerade ein wenig von der goldenen Badewanne und den sonstigen Prassereien des Vorgänger-Bischofs Tebartz-van-Elst zu erholen hoffte. Freilich gilt für den Büroleiter noch die Unschuldsvermutung – vielleicht ist ein Kollege für das Material verantwortlich oder möglicherweise ist der Theologe und Domdiakon nur mit der Maus ausgerutscht und hat so ungewollt einen Kinderporno-Download aus dem Darknet gestartet – jedoch scheinen sich insgesamt die Hinweise zu verdichten, dass eine berufliche Karriere in der katholischen Kirche für Menschen mit pädophilen Neigungen äußerst attraktiv ist.
Nun wird uns Ungläubigen oft unterstellt, dass wir solche Enthüllungen mit Schadenfreude betrachten. Weil sie dem Image der Kirche schaden und die Kirchenaustrittszahlen ankurbeln. Ich weiß nicht, ob ich nur für mich spreche, wenn ich sage, dass ich auch bei gründlichster Erforschung meines Gewissens nicht ein Quäntchen Schadenfreunde in mir finde. Nur Müdigkeit über die immer gleichen Enthüllungen, Traurigkeit für die Opfer, die ihr Leben lang durch solche Erfahrungen traumatisiert sind – und vor allem Wut.
Wut über die Heuchelei der Kirche. Ja, ich glaube, das ist es, was ich an der ganzen Sache am Schlimmsten finde. Immer wieder das offizielle Beteuern der Betroffenheit und der Scham über die Missbrauchsfälle durch Kirchenfunktionäre - denen ich übrigens eine persönliche Betroffenheit ebenso wenig per se absprechen möchte, wie vielen einfachen Katholiken, denen ich ihr Entsetzen über die Geschehnisse in der eigenen Kirche tatsächlich abnehme. Jedoch zeigte sich seit dem Aufdecken der ersten Missbrauchsskandale in der katholischen Kirche immer wieder, dass viele Fälle kirchenintern bekannt waren und dass man die Täter trotzdem mit Kindern weiterarbeiten ließ. Es zeigte sich ein jahrzehntelanges System der Vertuschung und des Kleinredens. Heute wird seitens der katholischen Kirche immer wieder der Wille zur umfassenden Aufklärung der Missbrauchsfälle bekundet. Aber angesichts der Untersuchung von Rechtsanwalt Weber in der Causa Domspatzen, der wesentlich höhere Missbrauchsraten ermittelte als das Bistum Regensburg, und angesichts der Aufkündigung der Zusammenarbeit mit dem Kriminologen Pfeiffer bei der Aufklärung des kirchlichen Missbrauchsskandals in ganz Deutschland, wirkt dieser Wille zur Aufklärung eher wie eine Scheinaufklärwilligkeit.
Es ist kein unbekanntes Phänomen. Die fulminante Diskrepanz von schönem Reden und weitaus weniger schönem Tun prägt auch meine – zum Glück missbrauchsfreien - persönlichen Erfahrungen mit der katholischen Kirche in vielfältiger Weise. Und ich scheine mit dieser Erfahrung nicht allein zu sein. Nicht zufällig dürfte Heinrich Heines Wort vom öffentlichen Wasser predigen, während heimlich Wein getrunken wird, Einzug in den allgemeinen Sprachschatz gefunden haben.
Dass es die Kirche dennoch schafft, ihr Image als moralische Instanz in Politik und Gesellschaft zu behaupten, ist immer wieder erstaunlich. Skandale wie die oben beschriebenen werden wahrscheinlich auf Dauer dazu beitragen, dieses Bild zu ändern. Aber trotzdem kann ich mich einfach nicht dazu durchringen, auf die Enthüllung des nächsten Missbrauchsskandals zu hoffen.
Kommentare (39)
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Sie sprechen mir aus dem
Sie sprechen mir aus dem Herzen!
Vor allem dieser Satz hier: "Dass es die Kirche dennoch schafft, ihr Image als moralische Instanz in Politik und Gesellschaft zu behaupten, ist immer wieder erstaunlich" zeigt, wie verlogen auch unsere Politiker sind, wenn sie (wie letztens auch leider Herr Gysi), dass Religion notwendig sei, um "Moral" in die Gesellschaft zu bekommen.
Solange Papst Franziskus zum
Solange Papst Franziskus zum Thema "Missbrauch" Sätze absondert wie "Es ist klar dass hier der Teufel präsent ist, der das Werk Jesu durch den, der es verkünden soll, zerstört", hat die katholische Kirche das Problem noch nicht begriffen.
Eventuell schon begriffen,
Eventuell schon begriffen, aber wer, wie die kath. Kirche, die ewige Wahrheit gepachtet hat, würde denn zugeben, dass es Fehler im System Gottes gibt, völlig ignorant gegenüber den "Bedürfnissen der Natur" oder wie es Ratzinger im Bundestag sagte, "Naturrechten" und mit geheuchelter Empathie gegenüber den Opfern dieser Politik.
Wenn immer nur der sog.
Wenn immer nur der sog. "Gegenspieler" schuld hat, dann ist man selber schuldlos - und steht über aller Kritik. So einfach ist das.
Der Missbrauch an
Der Missbrauch an Schutzbefohlenen ist das eine. Dass dieser in so großen Dimensionen (7% der Priester) geschehen ist und in dem System Kirche der Leitung nicht bekannt gewesen sein soll ist wenig glaubhaft. Das andere ist, dass der Aufklärungswille nicht allzu groß zu sein scheint. Wie aber mit den aufgedeckten Fällen umgegangen wird ist entlarvend für das System Kirche. Minimale Zahlung und allzu oft verbunden mit Schweigeverpflichtungen. Schadenersatzzahlungen, Schmerzensgeld und Entschädigungen nach amerikanischen Muster würde die Kirchen meines Erachtens dort treffen, wo es ihr wirklich wehtut. Am Geld. Obwohl sie sich angesichts ihres immensen Reichtums eigentlich leisten könnte, die Opfer angemessen zu entschädigen.
ich meine mal gelesen zu
ich meine mal gelesen zu haben bei drewermann das der mensch psychoanalytisch ->ein bewusstseins krankes tier ist. das problem mit dem schlechten ist, selbst wenn man einem menschen direkt damit konfrontiert, können sie es nicht kapieren-(Massentierhaltung, als einfaches beispiel). die emphatielosigkeit in der gesellschaft-> hä emphatie, was soll das sein, hab ich nicht, also mit mir ist alles in ordung. als die missbrauchsfälle in deutschland hochkamen habe ich meine stolze katholische schwimmtrainerin darauf angeschrieben, sie meine sei wäre geschockt gewesen, so wie es gibt keine milch zu meinem kaffee, ich bin geschockt
Ist da Verdrängung gemeint?
Ist da Verdrängung gemeint?
Seit 2000 Jahren immer wieder
Seit 2000 Jahren immer wieder neues Elend und Vertuschung, Intoleranz, Lügen und Betrug und bis heute greift kein Gott ein und tritt den Predigern in ihren seltsamen Gewändern in den Hintern. Aber sie wissen, da kommt keiner, denn es gibt keinen und so können sie weiter genüsslich ihr ausschweifendes Leben weiter genießen und die Menschen für dumm verkaufen. Sie sind ja auch staatlich geschützt und es findet sich immer ein Weg des Wunders aus Mist herauszukriechen, über das sich das Publikum immer wieder wundert.
Der Kindesmissbrauch beginnt schon in den ganz jungen Jahren, wenn einem unschuldigen Kind seine Sünden eingehämmert werden, die gar keine sind. Diese Sekten
sind und bleiben eine Schande für die Menschen.
Unter allen Geisteskrankheiten ist das Christentum die schlimmste. Johann Most
Wann werden die Gläubigen denn endlich einmal wach? Weihrauch ist tödlich!
Ja, die Vergewaltigung
Ja, die Vergewaltigung beginnt schon mit der Indoktrination. Aber die Priester wissen / glauben das nicht. Sie (als ebenso Indoktrinierte) glauben, sie täten Recht, denke ich manchmal. Bei dem fehlenden Unrechtsbewusstsein. Ein ziemlicher Teufelskreis, fürwahr!
Sehr schöner Beitrag -
Sehr schöner Beitrag - herzlichen Dank dafür.
Das Problem ist, dass Menschen im Allgemeinen so gestrickt sind sich zu bedienen, wenn das System es ermöglicht. Und das System katholische Kirche versteht es bestens, seinen über Jahrhunderte durch Lügen, Einschüchterung und Gewalt aufgebauten Machtapparat nach außen abzuschirmen zu schützen.
Mitverantwortlich sind m.E. all diejenigen braven Schäfchen, die zwar nie in die Kirche gehen, durch ihre Kirchensteuer aber diesen Machtapparat am Leben erhalten und stürzen.
Austritt jetzt!
Das habe ich auch noch nie
Das habe ich auch noch nie begriffen, weshalb ich schadenfroh sein sollte, wenn Erkenntnisse über diese Missbräuche an die Öffentlichkeit gelangen. Allein der Missbrauchten wegen kann ich als fühlender Mensch nicht so denken.
Aber nicht nur das. Auch die Täter tun mir leid. Irgendwie empfinde ich auch sie - ein Stück weit! - als Opfer. Opfer einer sehr merk- und fragwürdigen Regel, die sich Zölibat nennt. Opfer einer Gemeinschaft, in der offensichtliche Lügen genauso zum guten Ton zu gehören scheinen, wie unhinterfragte Werte und aus der Zeit gefallene Moralen.
Dennoch: Diese Männer sind für ihr Tun verantwortlich. Sie sind dafür verantwortlich, dass sie sich, meisten jedenfalls, freiwillig unter die Fitiche der Kirche begeben, sich deren Dogmen, Reglements und Bekenntnissen unterwerfen und den ganzen Quatsch auch noch mitmachten.
Aber am meisten sie sind als Mensch für jeden einzelnen Missbrauch verantwortlich und müssen dafür vor einem weltlichen Gericht bestraft werden.
Denn Gott gibt es nicht. Und auch keine Konsequenz für die Täter nach ihrem Tod.
@Olaf Sander,
@Olaf Sander,
dass der Zölibat potentielle Täter geradezu anzieht, haben OpfervertreterInnen schon häufiger ausgeführt. Denn solche Pädosexuellen glauben, dass sie dort, wo Sexualität sowieso verboten ist, mit ihrer persönlichen Beschädigung, die sich auf einer sexuellen Ebene äußert, nicht so auffallen.
Beim Beschuldigten in Limburg handelt es sich aber um einen Diakon. Der muss nicht zölibatär leben und war, wie die meisten Konsumenten von entsprechendem Bildmaterial verheiratet. Zudem ist dieser Mann nicht "nur" Leiter des bischöflichen Büros, sondern auch Ausbilder von Diakonen, Verteidiger beim Kirchengericht und steht einer berufsständischen Vereinigung vor.
Was die Motivation betrifft,
Was die Motivation betrifft, Kinder zu missbrauchen oder sich anzusehen, wie sie sexualisiert misshandelt werden, sollte man die allgemeine Kolportage zum Thema sehr kritisch betrachten. Dieser Limburger Büroleiter, sollte sich der Verdacht gegen ihn erhärten, gäbe vermutlich einen geradezu lehrbuchhaften Fall ab. Nach außen hin eine scheinbar in ihrer Moral und Integrität besonders gefestigte Person, in Wirklichkeit ein Mann, dessen Sexualität sich an einer der wohl widerwärtigsten Erscheinungsformen der menschlichen Existenz orientiert. Was auf den ersten Blick grotesk erscheint, bekommt aber eine gewisse Logik, wenn man sich vor Augen hält, dass Kindesmissbrauch mitnichten Ausdruck überbordenden sexuellen Verlangens ist, sondern das ziemliche Gegenteil davon. Ein Teil der PsychoanalytikerInnen geht davon aus, dass echte, d.h. Pädophilie im klinischen Sinne das Ergebnis einer gestörten, weil von Übergriffigkeit geprägten Mutter-Sohn-Beziehung ist. Und PsychotraumatologInnen und ErfahrungsexpertInnen (Missbrauchspfer) beschreiben die nahezu unerträglichen inneren Konflikte und physischen Erscheinungen, die so genannte „Täterintrojekte“ und Flashbacks auslösen können. Feuer mit Feuer zu bekämpfen, also selbst an anderen zu wiederholen, was einem selbst einmal angetan worden ist, kann erstmal entlastend wirken. Aber beseitigt deren Ursache nicht. Der Limburger Kirchenfunktionäre hätte sich also rechtzeitig in qualifizierte psychotraumatologische Behandlung begeben sollten. Es ist jetzt an der Institution, der er angehört, zu klären, wie man fortan mit hilfebedürftigen, potentiellen StraftäterInnen in den eigenen Reihen verfahren sollte. Bevor Medien und Behörden einem die Entscheidung abnehmen.
"Denn Gott gibt es nicht. Und
"Denn Gott gibt es nicht. Und auch keine Konsequenz für die Täter nach ihrem Tod."
Und genau das wissen wahrscheinlich auch die Täter, .... insbesondere die strenggläubigen in verantwortungsvollen Positionen.
Selbstverständlich hat das
Selbstverständlich hat das Ganze System. Aber dessen Zweck geht weit über die Befriedigung perverser Interessen hinaus. Man muss sich vor Augen halten, was für ein hervorragender Apparatschick ein Mitarbeiter oder Untergebener ist, den man in der Hand hat, weil man weiß, dass er etwas Verbotenes tut, dessen Verbrechen und Vergehen man sogar deckt oder ihm erst ermöglicht. Er wird – fast – alles ausführen, was man von ihm verlangt. Nur so ist zu verstehen, warum die Katholische Kirche immer noch so viel politischen und gesellschaftlichen Einfluss hat und derart reich ist. An den Limburger Bauskandal erinnern sich noch viele. Er verdeutlichte, dass Kostenexplosionen durch Verschwendung für Kleriker vom Schlage eines Tebartz-van Elst und Franz Kasper überhaupt keine Rolle zu spielen scheinen. Überhaupt lohnt es sich, auf letzeren mal ein Schlaglicht zu werfen. Schon 1981 berichtete der Spiegel über seine Rolle bei der Vertuschung der systematischen Misshandlungen von Insassen der Kinderheime, die die Dernbacher Schwestern betreiben. Kaspar war damals dort Funktionär. Die schlimmsten Umtriebe geschahen zwar vor seiner Zeit, aber er ist ein Nachfahre der Ordensgründerin und diesem kirchlichen Sozialbetrieb seit Langem eng verbunden.
Die spirituelle Überformung der priesterlichen Missbrauchsvertuschung beschreibt Slavoj Zizek in seinem Essay „Vom geistigen Tierreich“, 2013 in der „Lettre“ erschienen. Solcherart Gehirnwäsche, wie sie an jungen Priestern vollzogen wird, nennt man „Ontologische Umgestaltung“.
Und dass ein Bischof Bätzing, immerhin vorher Generalvikar beim Missbrauchsbeauftragten der Deutschen Bischofskonferenz in Trier, von den „Neigungen“ des Mannes, der dann in Limburg sein Büro leitete, nichts gewusst haben will, ist ziemlich wenig glaubhaft. Tauschen möchte ich mit diesem Mann nicht. Im Grunde bringt es sein Amt schon mit sich, dass er die Hoffnungen der Menschen sehr tief enttäuschen wird.
In den Augen viel zu vieler Kleriker scheinen Kinder, insbesondere solche, die zu Opfern werden oder werden könnten, es nicht wert zu sein, sie zu schützen oder sich um sie zu kümmern. Und genau das ist der eigentliche Grund dafür, dass so viele Menschen sich von der Katholischen Kirche abwenden. Was für diese Leute spricht. Einige aufrechte, menschenfreundliche KatholikInnen glauben, man könne die Kirche zum Guten wenden. Ich bin da skeptisch. Denn danach wäre diese Kirche nicht mehr „die Kirche“.
Angelika Oetken, Berlin-Köpenick, eine von 9 Millionen Erwachsenen in Deutschland, die in ihrer Kindheit und/oder Jugend Opfer schweren sexuellen Missbrauchs wurden
Danke für Ihre offenen Worte,
Danke für Ihre offenen Worte, Angelika Oetken, dazu gehört Mut!
Ja, das hat System. Und so ein System ist schwer zu knacken.
Was also tun?
1. Austreten, sofort.*
2. Streichung der Milliarden Euro staatlicher Subventionen jährlich.**
In summa, das Pfaffia-System aushungern.
*Das geht am schnellsten, wirkt umgehend und wird durch jeden weiteren Skandal beschleunigt.
**Das wird am längsten dauern, wird aber der Systemtod sein.
Doch, das geht.
Die Zahl an Kirchenaustritten
Die Zahl an Kirchenaustritten seit 2010 sprechen ja eine deutliche Sprache. Grundsätzlich achte ich religiöse Bedürfnisse und ich habe gerade unter gläubigen Menschen viele kennen gelernt, die sich sehr für den Schutz von Kindern und die Rechte von Missbrauchsopfern engagieren. Auch sie werden massiv vom Kirchenapparat behindert. Ein Faktor ist sicherlich die große politische und wirtschaftliche Bedeutung der beiden Amtskirchen. Es gibt einfach zu viele Leute, die davon profitieren. Guckt man sich allein mal an, welche Rolle kirchliche Betriebe für den Sozialmarkt spielen.
VG
Angelika Oetken
Von dem religiösen 'Fußvolk',
Von dem religiösen 'Fußvolk', Frau Oetken, kenne ich auch viele aus meiner unmittelbaren Dorf-'Idylle'; die sind (bezogen auf die theoretische Anzahl von Göttern) fast so atheistisch und humanistisch wie ich. Und sie sind nicht das Problem. Das Problem besteht aus dem System, dessen ideologischem Überbau und dessen Repräsentation oberhalb etwa von Priestern und Pfarrern - kurz, aus der Pfaffia (vgl. "wirtschaftliche Bedeutung").
Solche mafiösen Strukturen verstehen nur eine einzige Sprache fehlerfrei - das Geld.
Dies (in Form z.B. der genannten Staatssubventionen) gehört der Pfaffia entzogen!
Ich verweise gerne wieder auf "Kirchenrepublik Deutschland" von Carsten Frerk.
Was den Mut, sich als
Was den Mut, sich als Missbrauchsopfer zu outen angeht Herr Trutnau: da reicht ganz gewöhnlicher. Nur die Bedingungen müssen stimmen. Wenn Betroffene sich dazu entschließen, dann meistens erst jenseits ihrer Lebensmitte. Der Grund dafür ist ganz pragmatisch: erst dann, wenn man die Partnerwahl, ggf. die Planung einer Familie und die Verortung im Berufsleben absolviert hat, kann man das Risiko eingehen, die üblichen Opfermythen übergestülpt zu bekommen. Das ist meistens von den Mitmenschen gar nicht persönlich, geschweige denn böse gemeint, sondern den kollektiven Abgrenzungs- und Selbstschutzstrategien geschuldet. Negative, darunter auch traumatische Erfahrungen in der Konfrontation mit der Sexualität anderer Menschen sind so weit verbreitet, dass man sie in den Bereich der sexuellen Initiation packen kann. Die meisten Menschen arrangieren sich irgendwie damit und wollen nicht mehr daran erinnert werden. "Wir sind Störenfriede" brachte es eine Mitstreiterin auf den Punkt. Es ist nicht immer leicht, bei diesem sehr irritierenden, Abwehr, Angst und Abscheu auslösenden Thema eine positive, konstruktive, auf Lösungen abzielende Haltung einzunehmen. Deshalb wählen die meisten Opfer einen anderen Weg und vertrauen sich, wenn überhaupt, nur ihren engsten Bezugspersonen und bzw. HelferInnen an. Dabei ist gerade in sozialen und medizinisch-therapeutischen Berufen die Rate an Missbrauchsopfern hoch.
VG
Angelika Oetken
Hallo Herr Trutnau , es
Hallo Herr Trutnau , es müssten sich Bundesweit regionale Gruppen bilden und
mit Flugblatt Aktionen die Bevölkerung in regelmässigen abständen aufklären , anders geht das nicht . Die Mitgliedzahlen werden ja auch die Säuglingstaufe erschlichen .
Und später sind die meisten zu bequem an der situation etwas zu verändern. Die
Kirche ist die schlimmste Verbrecherorganisation , seit die Welt besteht. Es ist kaum zu glauben , dass das kaum jemand kapiert .
Hartmut Alt
Limburgerhof
"regionale Gruppen" - wovon?
"regionale Gruppen" - wovon? Von der gbs? Die gibt es; nützt alles nicht genug.
Der Pfaffia muss der Geldhahn zugedreht werden.
@Hans Trutnau
@Hans Trutnau
"Der Pfaffia muss der Geldhahn zugedreht werden."
Wo? In der "Kirchenrepublik Deutschland"* wird dieser berechtigte Wunsch leider nur ein frommer W. bleiben.
*Buchtitel, erschienen 2015, Autor Carsten Frerk
http://www.kirchenrepublik.de
WO oder WIE?
WO oder WIE?
Immerhin ein GUTER Anfang, das Buch; nicht wahr?
Ja, solche Bücher oder
Ja, solche Bücher oder kritische Studien sind sehr wichtig. Sie bewirken aber wenig, wenn dem erworbenen Wissen kein weiteres Handeln folgt. Insofern können auch die darin kritisierten (Kirchen, Bundesländer, Schulen, ....) ganz gelassen bleiben und mit ihrem Tun fortfahren.
Als Beispiel möchte ich die 2016 WZB-Studie, „Das missachtete Verfassungsgebot ...“ nennen, über die seit November 2016 in den Medien „informiert“ wird.*
Und obwohl ALLE Bürger betroffen sind, wenn die Bundesländer das GG (Art. 7 IV 3) missachten oder nicht ernst nehmen, und/oder mehr Finanzhilfen zahlen, als mit dem Allgemeinwohl zu vereinbaren wäre, oder lt. Rechtsprechung notwendig wäre, erfolgen seitens der verantwortlichen Staatsdiener keine angemessenen Reaktionen.
Letztlich werden immer mehr religiöse oder spirutuell-esoterisch orientierte Privatschulen, die mehr oder weniger säkularen staatlichen Schulen ersetzen.
Da die Schulaufsicht wie bisher hauptsächlich anlassbezogen erfolgt, reduziert das weder finanzielle noch sexuelle Rechtsverstöße.
Zwar besucht die Mehrheit der Schüler die immer maroder werdenden staatliche Schulen, doch deren Interessen scheint niemand zu vertreten.
Den 90 % der ca. 7 Millionen Schüler wird das kaum bewusst sein, weil deren Vertreter schweigen.
Stattdessen werden nur Forderungen einer ohnehin bevorzugten Minderheit laut und wahrscheinlich auch gehört werden.*
(Auch hier, auf den Seiten des hpd wurde der Sachverhalt noch nicht thematisiert.)
Dabei könnte man deren Forderungen widerlegen. Denn schon früher haben ähnlich begründete Forderungen nicht zu niedrigeren Schulgeldern geführt und lt. Rechtsprechung (BverfGE 75, 40 u. 90, 107) ist der Staat gar nicht zur Zahlung solch hoher Finanzhilfen verpflichtet. Insbesondere nicht, da er die Interessen des Allgemeinwohls zu berücksichtigen hat. *
Im Übrigen unterläuft die Verwaltungspraxis der Bundesländer nicht nur das GG Art. 7 IV 3, sondern auch die Ziele der unterzeichneten Behindertenkonvention zur Inklusion*.
Seit deren Unterzeichnung in 2009 ist die Anzahl und Nachfrage nach Privatschulen gestiegen. U.a. wohl auch deswegen, weil dort nicht nur eine verbotene „Sonderung der Schüler nach den Besitzverhältnissen der Eltern“ gefördert wird, sondern mit dem „Recht auf freie Schülerwahl“ nach Geschlecht, Herkunft, Rasse, Sprache, Glauben, Weltanschauung u.s.w. selektiert werden kann und die Herausforderungen an Inklusion und Integration überschaubar sind.
Da das Bundesland Hessen die Anfrage der Wissenschaftler Wrase u. Helbig nicht beantwortet hat, verweise ich auf die Presseerklärung des HKM vom 12.4.2013 und die Drs. 19/1632 v. 23.2.2015, der man die Höhe der staatlichen Finanzhilfen und verlangten Schulgelder entnehmen kann. Angaben über die Höhe der geleisteten oder berücksichtigten Eigenleistungen, die der Staat vom Schulträger (außer Schulgeld) erwarten kann, fehlen allerdings.
https://www.wzb.eu/sites/default/files/u6/uebersicht_sonderungsverbot_0.pdf
18.11.2016 https://www.wzb.eu/de/pressemitteilung/genehmigung-von-privatschulen-bundeslaender-missachten-grundgesetz
12.4.2013 http://www.agfs-hessen.de/resources/PM_Ersatzschulfinanzierung.pdf
23.2.2015 http://starweb.hessen.de/cache/DRS/19/2/01632.pdf
* Rechtsprechung: „Mit seiner Privatschulfinanzierung hat der Gesetzgeber das Existenzminimum nicht allein sicherzustellen; er leistet nur einen Beitrag hierzu, der zudem nicht auf die Existenz der einzelnen Schule, sondern der Institution Privatschule abzustellen ist.“ BVerwG, Urteil vom 14.12.2011 – 6 C 18.10 Rn. 26, [ECLI:DE:BverwG:2011:141211U6C18.10.0] . http://www.bverwg.de/141211U6C18.10.0
z.B. 27.1.2017 https://kleineanfragen.de/hamburg/21/7629-beachtet-hamburg-das-sonderungsverbot-nach-artikel-7-iv-3-gg-bei-privatschulen ,
23.12.2016 http://dipbt.bundestag.de/extrakt/ba/WP18/789/78986.html ,
*22.11.2016 http://www.tagesspiegel.de/wissen/reaktionen-auf-wzb-studie-berlin-will-vorwuerfe-gegen-privatschulen-pruefen/14878612.html
Ergebnisse sind bisher nicht bekannt oder veröffentlicht worden.
* 4.2.2017 http://www.morgenpost.de/berlin/article209495643/SPD-Bildungspolitiker-streiten-sich-ueber-Privatschulen.html
http://www.sueddeutsche.de/bildung/schule-bei-der-kontrolle-von-privatschulen-missachten-die-bundeslaender-das-grundgesetz-1.3254758-2
* 12.3.2015 https://hpd.de/artikel/11399 Zitat: „...staatlich anerkannte private Realschulen und Gymnasien ( dazu zählen auch kirchliche Schulen ) bekommen rund doppelt so viel Zuschuss vom Bayerischen Staat wie entsprechende kommunale Schulen….“
*Zitat: „Das allgemeine Bildungssystem soll jedem zugänglich sein. Ziel ist also der gemeinsame Schulbesuch von behinderten und nicht behinderten Kindern in einer Regelschule als „Normalfall“ – es soll keine Ausnahme sein. Gerade diese Zielsetzung ist sehr umstritten und geht einigen Kritikern zu weit.“ Zitat: https://www.behindertenrechtskonvention.info/inklusion-3693/ )
*https://www.openpetition.de/petition/online/eine-faire-finanzierung-fuer-niedersachsens-waldorfschulen bis 23.5.2017
22.11.2016 http://www.verbaende.com/news.php/Bundeslaender-missachten-Grundgesetz--Freie-Waldorfschulen-fordern-eine-deutliche-Verbesserung-der-oeffentliche-Finanzierung-fuer-Ersatzschulen?m=112929
23.11.2016 VdP http://www.private-schulen.de/pm-wzb-studie-privatschulen-werden-nicht-ausreichend-finanziert/
Von deren evtl. erfolgreichen Bemühungen werden auch alle anderen Privatschule profitieren, z.B. die in „Mindeltal-Schulen“ umbenannten ehemaligen Vision Privatschulen, an denen lt. Artikel v. 22.1.2017 http://www.taz.de/!5371937/ , jedoch keine Beeinflussung des Lehrplans durch die GÜLEN-Bewegung erfolgt.
Ich bin noch getauft worden
Ich bin noch getauft worden.Von heute an gesehen gegen meinen Willen.Die Christenlehre habe ich damals schon verweigert.Solche Märchen waren für mich nicht akzeptabel. Ein Wolf, der junge Tiere frißt ja, aber ein Mensch, der über Wasser geht nicht.Meine Eltern waren mir zugetan, nicht der Kirche. Zur DDR-Zeit gab es keinerlei Probleme. Freiwillig und interessiert habe ich an der Jugendweihe teilgenommen.Nach der Wende wurde mir vom Arbeitslosengeld Kirchensteuer abgezogen.Zu einem gesetzten Stichtag bin ich automatisch aus der Kirche ausgetreten. Durch viele Veröffentlichungen und Lesen von das Thema Kirche betrffende Bücher, habe ich die schändliche Machart der Kirche, still und heimlich unterstützt vom Staat, erkannt. Ein Buch besonders hat mir das Treiben dieser Sekten aufgezeigt. Es war "Der Pfaffenspiegel" von Otto von Corvin. Ich habe davon zwei Exemplare.Eines Druck und Verlag: E. Bartels, Berlin-Weißensee und das zweite vom Transit-Verlag Stuttgart. Beide sind in Leinen gebunden und das zweite ist in der heutigen Druckschrift gut zu lesen. Im Buch wird berichtet, dass diese Missbräuche schon vor langer Zeit begannen. Ursächlich dafür ist vermutlich das Zölibat, erzwungen vom Papst Gregor VII. Im Kapitel "Sodom und Gamorrha" ist zu lesen, das die Pfaffen danach nach Clemens VI. "wie eine Herde Stiere gegn die Kühe des Volkes wüten". Das sagt eigentlich schon genug. Es geht nahtlos über von damals, über die Schweinereien der Trappisten "zu Bieren und Walda im Paderbornischen" bis heute. Das Schlimme daran ist die Tatenlosigkeit des Staates, der leider durchsetzt und teilweise gelenkt von Unterstützern solcher Machenschaften wird.
Ganz herzlichen Dank für
Ganz herzlichen Dank für Ihren Beitrag.
Ich bin selbst katholisch -
Ich bin selbst katholisch - mit guten Erfahrungen - aber bin ebenso erschütternd, entsetzt und wütend. Und es kommt die Frage auf: Warum? Natürlich gibt es auch Missbrauch ausserhalb der Kirche - in Familien, Organisationen - aber besonders erschütternd ist der Kontrast zur "sittenstrengen" Lehre. Ein Grund mag das Zölibat sein, geeignet, sexuelle Neigungen gesellschaftskonform zu verstecken.
Dass wie in Limburg heute aber nicht mehr geschwiegen wird ist - ohne den Fall zu beschönigen - ein großer Fortschritt, Missbrauch einzudämmen.
Gute Frage. Und ich möchte
Gute Frage. Und ich möchte eine anschließen. In Deutschland gibt es gut 40 000 katholische Priester. Und nur ein einziger davon, Bruno Ix, der in der Eifel lebt, hat sich öffentlich als Missbrauchsopfer zu erkennen gegeben. Das war schon im Jahre 2000, gegenüber dem Spiegel und in seinen Büchern. 2010, als der Missbrauchstsunami Deutschland überspülte, hätten Ixens Mitbrüder doch eine ideale Gelegenheit gehabt, ihre Solidarität mit den Kirchenopfern auszudrücken, indem sich zu mindestens ein paar der von Missbrauch betroffenen unter ihnen outen. Nichts dergleichen geschah. Dabei müssten sich rein rechnerisch unter den 40 000 mindestens 400 Opfern von Kindesmissbrauch befinden. Wenn man nur die niedrigsten in seriösen Studien erhobenen Werte anlegt.
All zu große Schamhaftigkeit kann nicht der Grund sein, wenn ich dem traue, was Opfer und Männer, die Datingportale für Schwule nutzen, mir berichtet haben. Vielleicht hat es eher was mit der typischen Sozialisation von Männern zu tun, die sich entscheiden, katholischer Priester zu werden. Ungeliebtes Kind oder Mamas Liebling, früh in geschlechtshomogene kirchliche Gruppen integriert, die ersten sexuellen Experimente mit Peers des gleichen Geschlechts gemacht? Förderung durch Priester, die "väterlicher Freund" anders interpretierten, als diese Rolle gemeint sein sollte? Gleichzeitig eine Emotionen und Werte abstrahierenden und traditionelle Geschlechtsrollen idealisierende Prägung erhalten? Und damit im sexuellen Doppeldenk landen? Ich glaube, hier gibt es noch viel aufzuarbeiten.
VG
Angelika Oetken
Ueber die RKK fällt
Ueber die RKK fällt mittlerweile jeder her wegen dieser Sache - verständlich, nicht zuletzt wegen ihrer moralischen Position. Aber es gibt auch einen anderen Sektor der Gesellschaft, der bisweilen einige moralische Autorität für sich beansprucht, und gerne behauptet, er würde die Jugend zu sinnvollem Tun anleiten, und gute Vorbilder anbieten:
>>Sexualisierte Gewalt im SPORT bleibt ein drängendes Thema. Nicht zuletzt wegen des Missbrauchsskandals im englischen Fußball. Auch in Deutschland gibt es viele Opfer. Das belegt eine Studie des Forschungsprojektes "Safe Sport" zu Kindern und Jugendlichen im Wettkampf- und Leistungssport. Danach sind ein großer Teil der 1800 befragten Kaderathleten in Deutschland betroffen oder betroffen gewesen. Die Mehrheit dieser Athletinnen und Athleten war bei der ersten Erfahrung sexualisierter Gewalt im Sport unter 18 Jahre alt. Dieses Resultat ergab eine Online-Befragung im vergangenen November. Neben sexualisierten Gewalthandlungen mit Körperkontakt wurden in die Studie auch solche ohne Körperkontakt oder grenzverletzendes Verhalten mit einbezogen. Per Definition gehören dazu auch, angestarrt zu werden, blöde Sprüche ertragen zu müssen oder anderen beim Sex zuschauen zu müssen.
"Ein Drittel der Kaderathleten und -athletinnen, die wir befragt haben, haben eine Form sexualisierter Gewalt erlebt", sagte Bettina Rulofs vom Institut für Soziologie und Genderforschung an der Deutschen Sporthochschule Köln in der ARD. "Und eine von neun Personen, die wir im Bereich des Wettkampf- und Leistungssports befragt haben, hat auch schwere oder länger andauernde sexualisierte Gewalt erlebt." Rulofs und ihr Team von der Deutschen Sporthochschule haben die Studie gemeinsam mit der Abteilung Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universitätsklinik Ulm durchgeführt. Der Ulmer Projektleiter, Kinder- und Jugendpsychiater Marc Allroggen, differenzierte weiter: "Schauen wir uns nur den Bereich von sexueller Gewalt mit Körperkontakt an, so kann man sagen, dass etwa fünf Prozent der Sportlerinnen und etwa ein Prozent der Sportler betroffen gewesen sind." Damit bewegen sich die Zahlen bei jugendlichen Sportlern in dem Rahmen, der vergleichbar ist mit Betroffenen in der allgemeinen Bevölkerung.<<
http://www.dw.com/de/klima-des-hinschauens/a-37473836
Die Parallelen zwischen den
Die Parallelen zwischen den Tatorten "Sport" und "Kirche(n)" sind tatsächlich frappierend Herr Hugentobler. Der Fokus auf Körperlichkeit, ein idealisierendes Menschenbild, Einbezug von sehr jungen Menschen, starker Korpsgeist, Abhängigkeiten, die oft alle Bereiche des Lebens betreffen und lebenslang anhalten, starke ökonomische und politische Verflechtungen. Genauso wie die Kirchen, wird der Sport mit öffentlichen Geldern gefördert. Und deshalb ist es eigentlich verwunderlich, dass der (Leistungs-)Sport bisher kaum in den Fokus geraten ist, was seinen Umgang mit Missbrauchskriminalität betrifft. Aber das war ja bei den Kirchen bis 2010, als deren Opfer ganz plötzlich beachtet wurden auch so. Über Missbrauch im Sport wird seit Jahrzehnten berichtet, genauso wie das bei kirchlichem Missbrauch war. Trotzdem ist der große Aufschrei bisher ausgeblieben. Dabei wäre es recht einfach, etwas zu tun. Das Bundesinnenministerium fördert den Leistungssport. Wegen seiner gesellschaftlichen Bedeutung. Warum geht das BMI nicht dazu über, die Präventions- und Interventionsbemühungen der Verbände zu honorieren? Immerhin bietet gerade der Sport Opfern familiären Missbrauchs, und die bilden das Gros der Betroffenen, geradezu ideale Möglichkeiten, dem Tatort „Familie“ zu entkommen und sich außerhalb von ihm ein souveränes und würdiges Leben zu schaffen. „Sport“ ist eine regelrechte Fluchtmöglichkeit für familäre Missbrauchsopfer.
Das sollte die Politik in Vertretung der Gesellschaft würdigen und anerkennen. Aber der Sport muss im Gegenzug demonstrieren, dass er das auch verdient hat, indem er Missbrauch keinen Raum gibt. Die Kirchen sind diesen Beweis bisher schuldig geblieben. Alle kämpfen um Nachwuchs. Das könnte man doch sportlich nehmen.
Danke für ihren kompetenten
Danke für ihren kompetenten Kommentar. Vor allem mit den Parallelen zwischen Kirche und Sport, die sie aufzeigen, bin ich sehr einverstanden, insbes. was das Verhältnis zum Körper und was die Stellung dieser gesellschaftlichen Teilsysteme innerhalb der Gesamtgesellschaft betrifft. Was das Problembewusstsein bei den offiziellen Sportverbänden anbelangt, sowie auch die Haltung von Bundesstellen diesen gegenüber, möchte ich den Akzent etwas anders setzen. Ich glaube doch, dass es dank dem sehr aktiven Bundesbeauftragten für Fragen des sexuellen Missbrauchs und dem Runden Tisch - beides Folgen des erschreckenden Aha-Erlebnisses um 2010 herum - gelungen ist, die Spitzenverbände des Sports für Sensibilisierungskampagnen und präventive Vorkehrungen zu gewinnen. Der Anfang ist damit gemacht, und die Zeit des "Bei uns gibt es das Problem nicht" ist allmählich vorbei. In ihrer historischen Situation driften allerdings die beiden Sektoren "Kirche" und "Sport" auseinander. Erstere gleitet allmählich aus der Mitte der Gesellschaft weg an den Rand, was vom Sport nicht gesagt werden kann (und wofür ich natürlich auch nicht plädiere - nicht dass das jetzt so aussieht). Aber der gewaltige Positionsverlust der Kirche erleichtert inzwischen doch die Gewinnung von Transparenz dieser "mystischen" Sexualität gegenüber.
Es geht mir nicht viel anders
Es geht mir nicht viel anders , die ohnmächtige Wut , dass man diesem Treiben
einfach so zuschauen muss , ohne dagegen viel machen zu können .Und für was das alles ? die dogmen der Kirche sind so absurd , dass man einen IQ von null respektive
unter null haben muss , um sich mit so einem quatsch zu beschäftigen . Da die
Dunkelziffer bei Missbrauchfällen enorm hoch sind ist nach meiner Meinung gibt es zum für das Kirchenpersonal zum Schutz unserer Kinder nur drei Orte , das sind
die Irrenanstalt , das Gefängniss oder die Hölle , dort gibt es keine Kinder . Jetzt
weiss ich auch warum sie so gerne singen , Ihr Kinderlein kommet , kommet zu Hauf.
Hartmut Alt
Limburgerhof
PS , in dem kleinen Ort gab es übrigens auch eine vergewaltung duch Kirchenpersonal . Quelle Wikipeda.
@Skydaddy: Passt doch, dass
@Skydaddy: Passt doch, dass Papst Franziskus vom Teufel spricht, der hier tätig sein soll. In einer anderen Ansprache äußerte er sogar, dass der Teufel im Vatikan präsent sein soll, was seine obige Aussage wiederum nur bekräftigen kann. ;-)
Scherz beiseite: Es macht wirklich müde, immer wieder diese Dinge hören zu müssen. Wer aber nach Regensburg, in die dortige Diözese blickt, der wird erkennen, dass hier bewußt nicht aufgeklärt werden soll, weil scheinbar dort der Grund für eine Vielzahl von Mißbrauchsfällen im Umfeld des früheren Papstes Benedikt XVI. zu finden sein könnte, denn Joseph Ratziger wohnte bis zur "Papstwerdung" in Pentling bei Regensburg, und dessen Bruder wurde nur deshalb Domspatzenleiter, weil zuvor weitere Mißbrauchsfälle eines längst als pädofil bekannten Diözesan-Kirchenmusikdirektors Georg Friedrich Zimmermann (+1984) verschwiegen, als G. Ratzinger übergangen werden sollte, plötzlich offenkundig geworden waren.
Bzgl. GF. Zimmermann läßt sich von einer gewissen Systematik ausgehen, was auf pädokriminelle Kreise hinweisen dürfte.
Natürlich gilt es für die RKK genau dies zu verschweigen!
Sehr geehrte Frau Wakonigg,
Sehr geehrte Frau Wakonigg,
man braucht zu diesem Thema nur das Buch "Der Pfaffenspiegel" von Otto von Corvin zu lesen. Danach weis man, warum es solche Vorkommnisse in diesen Sekten (Kirchen) gibt.
Es ist leider festzustellen, dass der Staat auch jetzt noch dagegen nichts unternimmt.
Dies ist nicht verwunderlich, da staatliche Lenker und Politiker in diese Sekten ganz offen involviert sind. Ich bemerke auch eine schleichende Umkehrung der Säkularisation in diesem Staat, seitdem ich hier Bürger bin. Hoffentlich kommt bald eine Zeit in der dagegengesteuert wird.
Mit freundlichen Grüßen
Ich weiß nicht, ob ich nur
Ich weiß nicht, ob ich nur für mich spreche, ...“
Sie sprechen auch für mich und für viele andere wie man aus den Kommentaren sieht.
Folgendes möchte ich noch ergänzen:
1. Was da gemeinhin Vertuschung genannt wird erfüllt für mich Straftatbestände: Behinderung der Justiz, Begünstigung von Straftaten,Strafvereitelung ..- gelernte Juristen mögen diese Liste ergänzen. Oder um es drastisch zu sagen: Vertuschung bedeutete, dass den Tätern immer wieder „Frischfleich“ zugeführt wurde.
2. Wenn die Strafverfolgungsbehörden mal wirklich ernsthaft ermitteln wie in Australien, bleibt ja immer noch die Rattenlinie in den Vatikan, von wo aus man gnädigerweise mal für eine Befragung über Telefon zur Verfügung steht; jedenfalls dann, wenn man „in der Weihe das Charisma der Wahrheit“ empfangen hat (Ratzinger über Bischöfe) wie Kardinal Pell.
3. Die Kommission, die, nach Pfeiffers Rückzug, 2013 eingesetzt wurde, will jetzt, 2017, „so richtig die Arbeit aufnehmen“ aber selbstverständlich keine Straftatbestände aufdecken. Das spricht für sich.
4. Großinquisitor Müller, der in Regensburg „regierte“ und angeblich nichts von allem mitbekommen hat, hat ja auch alles versucht, die Aufdeckung des Limburger Skandals zu verhindern. Er bestimmt, was der „wahre Glaube“ ist. Und davon dass sich der neue Fürstbischof von Limburg bei den Aufdeckern des Skandals bedankt hätte, habe ich auch nichts gehört.
Hallo Bernd , wenn man die
Hallo Bernd , wenn man die üblichen Masstäbe anlegt , müsste man das Treiben
in der RKK eigentlich als Bandenmässig betriebene fortgesetzte Unzucht mit Kindern
beschreiben . Nach meinem Rechtsverständiniss , nennt man so etwas eine kriminelle
Vereinung . Das heist , dass das Personal der Kirche Mitglieder einer kriminellen
Vereinigung ist . Oder sehe ich das falsch , vielleicht kann da ja mal ein Jurist antworten .
Hartmut Alt
Mein Rechtsverständnis sagt
Mein Rechtsverständnis sagt mir das Gleiche. Ich bin zwar kein Anwalt, aber wenn man die unzäligen Missbrauchsfälle allesamt als leichten Missbrauch einstuft, um eine Anzeige zu umgehen, ist das für sich gesehen kriminell.
In Deutschland muss nämlich nur schwerer Missbrauch angezeigt werden. Diese Lücke im Gesetz haben die Geistlichen konsequent ausgenutzt, um die Taten systematisch vertuschen zu können. Das ist bekannt. Trotzdem unternimmt die Legislative nichts.
Man gibt sich stattdessen mit Beteuerungen zufrieden, die längst wieder gebrochen sind. Die wollen weder haltlos aufklären, noch wollen sie die Ursachen bekämpfen. Sie kennen die Wahrheit bereits. Für sie ist der Mensch verderblich und das haben das akzeptiert. Das Fleisch ist schwach.
Für mich ist das ein enttäuschendes Signal von unserer Regierung. Jede andere Sekte hätte man umgehend verboten und bestraft.
Die RKK fingert noch heute
Die RKK fingert noch heute überall herum.
"Die Schweine werden ausgetauscht, der Saustall bleibt der Gleiche."
Kurt Tucholsky
Ein großartiger Artikel, der
Ein großartiger Artikel, der auf den Punkt bringt, was ich selbst empfinde. Im Gegensatz zur Autorin habe ich keine Hoffnung mehr auf Besserung. Die Kirche kennt solche Situationen seit tausenden Jahren und hat Strategien entwickelt, um sich echten Reformen zu entziehen. Sie sitzen die Skandale einfach aus, geloben öffentlich Reue und machen dann so weiter wie bisher. Die besitzen keinen Anstand. Sonst würden sie auch die eigene Lehre nicht verraten. Sie retten nurmehr "ihre eigenen Seelen", indem sie für volle Konten sorgen. Die Hure Babylon hat mehr Charakter.