Offener Brief
Weiß Söder, dass die Wittelsbacher Bayern nicht mehr regieren?
Foto: © Henning Schlottmann, Wikimedia CC BY-SA 3.0 DE
Der Bund für Geistesfreiheit München kritisiert den bayerischen Ministerpräsidenten wegen seiner Rede beim Staatsakt zum 100. Geburtstag des Freistaats. Darin begrüßte er einen Nachkommen der abgesetzten Wittelsbacher als "Eure königliche Hoheit" und vergaß den Begründer des Freistaats, Kurt Eisner, zu erwähnen.
Beim Staatsakt zum 100. Geburtstag des Freistaats Bayern am 7. November schaffte es der Ministerpräsident, den Begründer des Freistaats, Kurt Eisner, unerwähnt zu lassen und einen Nachkommen der abgesetzten Wittelsbacher als "Eure königliche Hoheit" zu titulieren.
Der Bund für Geistesfreiheit München hat aus diesem Grunde einen offenen Brief an den bayerischen Ministerpräsidenten Söder geschickt.
Wolfram Kastner, Michael Wladarsch und Assunta Tammelleo vom Vorstand des Bundes für Geistesfreiheit möchten das nicht unwidersprochen hinnehmen und haben dem Ministerpräsidenten einen Brief geschrieben:
Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,
wir hoffen sehr, dass es Ihnen nicht entgangen ist, dass Bayern seit dem 8. November 1918 keine Monarchie mehr und das "Haus Wittelsbach" seither abgesetzt ist und nicht mehr regiert.
Der Begründer des Freistaats Bayern war Kurt Eisner. Ihre Partei hat den Freistaat sicherlich ebenso wenig erfunden, wie den Starnberger See, den Ammersee oder die Zugspitze. Auch die Herrscher der Familie Wittelsbach wollten weder eine Demokratie noch den Freistaat. Es ist deshalb sehr verwunderlich, dass Sie den Familienältesten des abgesetzten und abgedankten Wittelsbach-Clans beim Staatsakt für den demokratischen Freistaat als "Eure königliche Hoheit" titulieren. Dies widerspricht sowohl der Ihnen sicher bekannten Verfassung des Freistaats Bayern als auch dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, denen zufolge der einzige Souverän das Volk im staatsrechtlichen Sinne ist.
Es wäre schön, wenn Sie es über sich brächten, diese zu respektieren und nicht mehr Hoheiten benennen, für die es keine Rechtsgrundlage gibt und die einer vordemokratischen Vergangenheit zugehören.
Gegenwärtig fungieren Sie als Chef des Dienstleistungspersonals für die Demokratie im Freistaat Bayern und Sie sollten endlich und eiligst in dieser demokratischen Gegenwart ankommen – geistig, sprachlich und politisch und nicht an irgendeinem undemokratischen Regime hängen bleiben.
Wir wünschen Ihnen und uns umgehenden besten Erfolg dabei.
Mit freundlichen Grüßen
Wolfram Kastner, Michael Wladarsch, Assunta Tammelleo
Kommentare (11)
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Tja, der Herr Söder ist halt
Tja, der Herr Söder ist halt auch ein ganz besonderer Mensch mit ganz besonderen "geistigen Fähigkeiten".
Das ist ein sehr moderater
Das ist ein sehr moderater Brief. Müsste der nicht viel harscher ausfallen und dabei insbesondere das Wort "Hochverrat" enthalten? Wenn Politiker anderer Länder mit deren Altmonarchen hofieren, dann rollen schon mal die sprichwörtlichen Köpfe!
Wenn Söder den Freistaat(!), also die Republik, Bayern nicht als solche regieren, sondern lieber zurück in die Monarchie will, dann sollte er umgehend zurücktreten!
Was ist das nur für eine
Was ist das nur für eine unglaubliche Arroganz dieses Polit-Emporkömmlings!
Diesen Brief hätte ich gern mit unterzeichnet!
Seine Herrlichkeit Söder,
Seine Herrlichkeit Söder, sieht sich doch selbst als den neuen ernannten König von Bayern, und das mit Gottes Gnaden - Amen. So war es, so ist es, und so bleibt es für den Herren der Bayuwaren. Und wer hat es ihm vorgemacht, auch nach der Absetzung der Wittelsbacher - der Strauß, der Franz , der Josef, jedoch nicht der Franz, ... der Kaiser Franz.
Wunderbar! Ich kann darunter
Wunderbar! Ich kann darunter mit Vergnügen meine Unterschrift setzen.
Ob sich das "Dienstleistungspersonal für die Demokratie" den Brief zu Herzen und Verstand nimmt?
Nein, Wolfgang Singer,
Nein, Wolfgang Singer, sicherlich nicht! An Holzköpfen kann man sich zwar bildhauerisch betätigen, den Inhalt (sofern vorhanden) kann man dadurch nicht verändern!
Eine sehr gute Replik an
Eine sehr gute Replik an einen möchtegern Monarchen, der in einem "göttlichen Zeitalter" hängen geblieben ist und von seinem "Königreich" als Raumfahrtnation träumt.
Sehr klare, berechtigte und
Sehr klare, berechtigte und sachliche Zurechtweisung.
Das Erschreckende ist, dass
Das Erschreckende ist, dass unsere christlichen Volksvertreter oft keine Verfechter der freiheitlichen Demokratie sind. Das kommt von ihrer christlichen Erziehung her. Das Christentum und erst recht der Katholizismus haben keine demokratische, sondern eine monarchische Tradition. Alle Obrigkeit kommt nach Paulus von Gott und so halten sie die von Gott gegebene Adels- und Königsherrschaft „von Gottes Gnaden“ für immer noch legitim. Das päpstliche Rom gibt das Vorbild ab. Gerade jetzt im Advent singen sie wieder: Wir warten auf den König, Heiland und Erlöser. Aus königlichem Geschlecht sollte er sein und aus dem Hause David. Frühkindliche Prägung lässt sich nicht einfach abschütteln, deswegen wäre es wichtig, darauf zu achten, wie man zukünftige Staatsbürger und Ministerpräsidenten frühkindlich prägt.
Aber, aber, versteht denn
Aber, aber, versteht denn niemand die feinsinnige Ironie des Markus Söder ? Hört denn keiner das höhnische Lachen unter dem „Eure königliche Hoheit“ ? Das unausgesprochene „das ist vielleicht dein Titel aus vergangenen Jahren, aber hier und jetzt bin ich der King in Bayern.“ ?
Das fiel mir schon bei seiner Kreuz-Aktion auf. Keiner – außer vielleicht Reinhard Kardinal Marx - hat das unterschwellige „seht her ihr christlichen Kirchen, euer Heilgstes Symbol ist nur noch ein Wandschmuck für meine Amtsstuben“ verstanden.
Ja,ja...
Ja,ja...
und auch der jetzige "King of Bavaria" wird demnächst nur ein kleiner menschlicher"Pubs" der menschlich-irdischen Historie sein.
Na dann...