Durchwachsenes Gottvertrauen bei den Katholiken im Angesicht der Coronapandemie

Wenn es nach Weihbischof Marian Eleganti gehen würde, könnten wir alle Schutzmaßnahmen beenden.

Der notwendige Shutdown des öffentlichen Lebens zur Eindämmung des Coronavirus macht auch nicht vor der katholischen Kirche halt. Viele Kirchen haben geschlossen oder zumindest ihre Gottesdienste ausgesetzt, um allzu große Menschenansammlungen zu vermeiden. Gerade die Vergabe der heiligen Kommunion, das Händeschütteln und die Weihwasserspender hätten ohnehin eine schnelle Verbreitung des Virus gewährleisten können. Da in der letzten Woche allerdings noch Sonntagsmessen vereinzelt stattfanden, haben Bund und Länder jegliche religiösen Zusammenkünfte derzeit verboten.

Sogar in Rom bleiben der Petersdom und die Papstbasiliken für alle Besucher geschlossen. Allerdings tut es der Vatikan vielen Museen gleich und bietet auf seiner Website einen virtuellen Rundgang durch seine Prunkbauten an. Immerhin in diesem Punkt ist die katholische Kirche auf der Höhe der Zeit.

Papst Franziskus hat Gott bereits gebeten, die Coronavirus-Epidemie zu stoppen und den Menschen in Quarantäne mit auf den Weg gegeben, sich in den Familien wieder näher zu kommen.

Auch viele Gottesdienste in Deutschland werden in den letzten Tagen per Livestream im Netz übertragen oder sogar zum Download angeboten. Dies würde eigentlich Probleme mit der Gema verursachen, die pauschal die Komponisten der Kirchenlieder auszahlt. Jedoch zeigt diese sich in Zeiten des Coronavirus kulant und sieht von einer Klage beim Messe-Livestream ab, obwohl dies bisher eigentlich nicht vertraglich in diesem Umfang erlaubt gewesen wäre.

Selbst das erzkatholische Polen erlaubt mittlerweile keine Gottesdienste mit mehr als 50 Personen. Der Vorsitzende der katholischen Polnischen Bischofskonferenz, Erzbischof Stanislaw Gadecki, verkündete sogar, dass die Teilnahme an der heiligen Messe zur Zeit nicht mehr zu der Pflicht eines gläubigen Christen zählt: "Ich ermuntere, die Entbindung von der Pflicht, an Sonn- und Feiertagen an der Heiligen Messe teilzunehmen, zu nutzen", schrieb der Geistliche über die Plattform Twitter.

Auch der ehemalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Münchens Kardinal Reinhard Marx, entband die Gläubigen von dem Besuch der heiligen Sonntagsmesse. In diesen Tagen sei für ihn die alte Tradition der "Geistlichen Kommunion" ein adäquater Ersatz. Außerdem entstehe Gemeinschaft auch durch das innere Verlangen nach Jesus Christus im Gebet, ließ der Geistliche verlauten. In Anbetracht einer Epidemie scheinen Glaubensdogmen also durchaus situativ anpassbar zu sein.

Der Jurist und Staatsrechtler Christian Hillgruber warnt jedoch bereits davor, dass es zu Untergrund-Messen kommen könnte, wenn bei einigen Gläubigen der Drang, die Sonntagsmesse zu besuchen, zu groß werden würde. Für ihn solle die Verhältnismäßigkeit gewahrt bleiben und man sollte "bei aller Anerkennung der Notwendigkeit von Maßnahmen zur Eindämmung der Verbreitung des Coronavirus noch hinreichenden Raum für die Entfaltung der Religionsfreiheit belassen". Weshalb in Anbetracht der Aussetzung aller Versammlungen und dem schweren Einschnitt in die freie Entfaltung der Bürger an vielen Ecken und Enden ausgerechnet bei der positiven Religionsfreiheit ein Auge zugedrückt werden soll, verschweigt der Staatsrechtler.

Grob fahrlässig hingegen sind die Äußerungen des Churer Bischofs in der Schweiz in einem Video bei kath.net: Weihbischof Marian Eleganti kritisierte die Maßnahmen der Schweizer Bischofskonferenz zur Eindämmung des Coronavirus. Die Leerung der Weihwasserbecken und besonders das Verbot der Mundkommunion stießen bei dem schweizer Bischof auf Unverständnis.

"Wie kann ich von der Kommunion Unheil und Ansteckung erwarten?", protestierte Eleganti. Jeder Gläubige müsse selbst entscheiden dürfen, wie er den Leib Christi empfange. In dem Videobeitrag sagte der Weihbischof: "Ja, ich erwarte Wunder und rechne mit der Kraft und dem Schutz Gottes."

Außerdem bringt der Bischof die Plagen des Alten Testaments ins Spiel, die das Volk Israel immer dann heimsuchten, wenn sie sich nicht ganz auf Gott verließen und deutet weiter an, dass die jetzige Pandemie durch zu wenig Gottvertrauen hervorgerufen wurde und auch durch eine erneute Festigung dieses Vertrauens überwunden werden könne. "Ohne den Willen des Vaters wird mir kein Haar gekrümmt", glaubt Eleganti.

Der Interimsverwalter des schweizerischen Bistums Chur, Bischof Pierre Bürcher, hat dem Bischof nach der Veröffentlichung des Videos allerdings weitere Äußerungen ohne Rücksprache erst einmal verboten.

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Kommentare (6)

Epikur (nicht überprüft)

Fr. 20 Mär 2020 - 10:50

Nach der Krise wird es zu einem kurzen Comeback des Religiösen kommen, da man ihr Ende auf Gebete zurückführt, ähnlich wie in den 50er-Jahren. Danach wird die Religion umso schneller abstürzen.

Hans Trutnau (nicht überprüft)

Fr. 20 Mär 2020 - 13:48

Ich sag's ja immer wieder - da ist viel "zu wenig Gottvertrauen" in der Welt; wenn das nur irgendwann und endlich überwunden werden könnte... \S

Manfred Schleyer (nicht überprüft)

Sa. 21 Mär 2020 - 12:21

Wenn ihre Gottesdienste ihren Gott nicht dazu bringt, ihnen zu Dienst zu sein - was sollen dann alle diese Rituale und Zeremonien? Diese Glockenschlägereien, dieses Weihwässern, dieses Orgelgebrause, dieses Weihgeräuchere etc. pp.

Gerhard Baierlein (nicht überprüft)

So. 22 Mär 2020 - 17:00

Egal was auch immer passiert, es ist immer Gottes Wille, er bestraft die Ungläubigen und belohnt die Gläubigen. So wird von den Kirchen alles benutzt für ihre Zwecke, mit Drohungen und leeren Versprechen, aber jeder Mensch mit etwas Verstand muss diese
Scharlatanerie durchschauen.

Wunschdenken, Dummheit ist nicht heilbar und die Kirchen haben noch etwas im Gepäck:
Die entsetzliche Angst.

Und gelegentlich "prüft" er die Gläubigen, indem er ihnen Krankheiten oder andere Schicksalsschläge sendet. Wenn die "Prüflinge" daraufhin mit Gott zu "hadern" anfangen, haben sie laut Kirche schlechte Karten, denn das ist nicht erlaubt. Alles was Gott sich ausdenkt, muss als Geschenk akzeptiert werden, auch wenn es existenzgefährdend ist.

Und ein solches Scheusal soll man verehren?

Joscha Wölbert

Der Autor hat einen Bachelorabschluss in Politikwissenschaft mit Medien-Kommunikation-Gesellschaft im Nebenfach. Aktuell studiert er im Master Erziehungswissenschaft an der Universität Trier. Nebenbei arbeitet er als Zooführer bei der pädogogischen Zooschule.

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