Pakistan: Wegen Blasphemie zu Todesstrafe verurteiltes Ehepaar beantragt Freilassung

Gefängnis
Weltweit sitzen Menschen in Gefängnissen; manche von ihnen wegen angeblicher Blasphemie.

Im Jahre 2014 wurde das Ehepaar Shagufta Kausar und Shafqat Emmanuel zur Todesstrafe wegen Blasphemie verurteilt, weil sie angeblich den Propheten Mohammed beleidigende Textnachrichten an den örtlichen Imam gesendet hatten. Nach sechs Jahren in Haft hat das Ehepaar einen Rechtsbehelf einreichen lassen, um seine Freilassung zu erwirken. Obwohl die Beweise für die Schuld des Paares gering sind, versucht das Gericht sich einer Entscheidung zu entziehen.

Pakistan hat, ähnlich wie Deutschland, ein Gesetz, welches Blasphemie unter Strafe stellt. Obwohl bisher nicht exekutiert, kann sogar die Todesstrafe verhängt werden. Der Fall des angeklagten christlichen Ehepaares Shagufta Kausar und Shafqat Emmanuel ähnelt dem berühmten Fall Asia Bibis. Auch Asia Bibi wurde wegen Blasphemie angezeigt, zum Tode verurteilt und verbrachte zahlreiche Jahre im Haft. Nachdem ihr Gericht schließlich ihre Freilassung anordnete, die sie nutzte um ins Ausland zu fliehen, kam es zu Aufständen religiöser Gruppen, die die Regierung zur erneuten Prüfung des Falles veranlassten.

Im Falle von Shagufta Kausar und Shafqat Emmanuel, die von Anwalt Saif ul Malook, der auch schon Asia Bibi unterstütze, vertreten werden, scheinen die Beweise für blasphemische Handlungen ebenso dünn zu sein, wie im Falle Asia Bibis. So steht zum Beispiel in Frage, ob zumindest eine der beiden beschuldigten Personen überhaupt ausreichend gebildet ist, um solche Nachrichten verfassen zu können. Das Paar lebt mit seinen vier Kindern in sehr einfachen Verhältnissen. Shafqat Emmanuel ist seit einem Unfall auf einen Rollstuhl angewiesen, seine Frau Shagufta Kausar, von deren Mobiltelefon die blasphemischen Nachrichten gesendet worden sein sollen, arbeitet als Hausmeisterin in einer Schule.

Im Gefängnis quält das Paar nicht nur die Sehnsucht nach ihren Kindern, sondern auch Gewalt. Shafqat berichtete von Schlägen bis hin zu Knochenbrüchen durch die Polizei, um ein Geständnis zu erwirken.

Nachdem am dritten Juni diesen Jahres über den Antrag auf Freilassung entschieden werden sollte, hat das Gericht die Entscheidung, wieder einmal, auf einen noch unbekannten Zeitpunkt verschoben. Wenig verwunderlich, dass das Gericht sich nicht traut über den Fall zu entscheiden. Gerät es doch selbst in die Schusslinie gewalttätiger religiöser Gruppen, wenn es das Paar wegen mangelnder Beweise freispricht.

Menschenrechtsgruppen beklagen nicht nur das Missbrauchspotential, welches Anti-Blasphemiegesetze denen in die Hand geben, die damit Konkurrenz loswerden oder verhasste Menschen abzustrafen suchen, sondern auch die Einschränkung der Meinungsfreiheit.

Irland, welches seine Anti-Blasphemiegesetzgebung aufgehoben hat, könnte als Vorbild für diejenigen Länder gelten, die noch immer an solchen Gesetzen festhalten.

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Kommentare (4)

Gerhard Baierlein (nicht überprüft)

Mi. 10 Jun 2020 - 10:45

Das in Deutschland noch immer ein Blasphemie § besteht ist eine Schande für ein Europäisches Land und nur dem Einfluß der Kirchen auf die Politik zu schulden.
Damit stellt sich Deutschland in eine Reihe mit Pakistan und anderen Muslimischen Ländern.

Werner Helbling (nicht überprüft)

Mi. 10 Jun 2020 - 15:21

Antwort auf von Gerhard Baierlein (nicht überprüft)

Da kann man nur beipflichten. Aber solange in der Politik und bei den einzelnen PolitikernInnen das C im Vordergrund steht, wird halt kaum etwas passieren. In einem westlich geprägten Land erst recht eine wirkliche Schande!

Roland Fakler (nicht überprüft)

Mi. 10 Jun 2020 - 14:55

Ganz richtig, lieber Gerhard: Jeder humane Fortschritt musste gegen die (abrahamitischen) Religionen erkämpft werden. Dank solcher Religionen bekommen wir im Diesseits immer wieder eine Vorstellung von der Hölle, die es im Jenseits nicht gibt.

Lieber Roland, dass es Menschen wie Dich gibt und viele im hpd, welche genau so denken wie wir, lässt hoffen, dass es immer mehr werden und dadurch die Verhältnisse im Lande und weltweit, zunehmend zum positiven verändern. Die Pandemie hat uns deutlich gezeigt, dass sich etwas ändern muß, so wie es ist, kann es nicht mehr weitergehen, in jeder Beziehung.

Hella Camargo

Jahrgang 1980, hat Germanistik und romanische Philologie studiert. Da sie in eine römisch-katholische Familie hineingeboren wurde und dreieinhalb Jahre auf einer katholischen Grundschule verbracht hat, war der Grundstein zum Atheismus früh gelegt. Heute baut sie lieber auf ihren Gerechtigkeitssinn als auf kirchliche Gebote.

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