Interview

Nicht glauben gibt auch Sinn

Psychologie-Professorin Tatjana Schnell ist Sinnforscherin.

Welche Bedeutung hat die Frage nach dem Sinn des Lebens für religiöse und nichtreligiöse Menschen? Andreas Kyriacou hat sich darüber mit der Sinnforscherin Tatjana Schnell unterhalten.

Andreas Kyriacou: Du widmest dich der Sinnforschung. Was ist das genau?

Tatjana Schnell: Wir befragen Menschen, wie sie Sinn erleben, wie es ihnen damit geht, wenn sie keinen Sinn haben, wie Sinn überhaupt erfahren werden kann und aus welchen Quellen Menschen schöpfen, um diesen Sinn zu gewinnen. Uns interessiert, ob das in einem Zusammenhang mit der Art steht, wie Menschen miteinander umgehen, wie sie sich gesellschaftlich engagieren. Ein wichtiges Thema ist, wie das Erleben von Sinnhaftigkeit in Zusammenhang mit seelischer und körperlicher Gesundheit steht, auch in Bezug auf das Berufsleben. Es geht also stark um das Individuum, aber eben auch um das Umfeld, die Gesellschaft. Früher wurde Sinn primär mit Religion in Verbindung gebracht. Und diese Form können wir noch heute beobachten. Es gibt Menschen, die sagen: "Der Sinn des Lebens entsteht für mich durch die Gewissheit, dass es Gott gibt und er einen Plan für mich hat." Aber Menschen geben heutzutage auch ganz andere Antworten. Zum Beispiel, dass es ganz bestimmt keinen Sinn gibt, dass wir einfach aus Zufall hier sind. Wieder andere sagen, das Leben gebe einen evolutionären Sinn und wieder andere geben an, persönlich ganz gut einen Sinn zu finden, ohne das große Konzept des Sinns des Lebens zu bemühen.

"Früher wurde Sinn primär mit Religion in Verbindung gebracht."

Du bist Professorin an zwei Unis zugleich. In Innsbruck bist du Teil des Instituts für Psychologie. Die norwegische School of Theology, Religion and Society war mal eine Ausbildungsstätte für Geistliche. Unterscheidet sich da die Forschung?

Die Norweger beschäftigen sich mit diesen Fragen – im Gegensatz zu vielen Instituten im deutschsprachigen Raum, wo oft die Einschätzung vorherrscht, man könne oder solle solche Sinnfragen gar nicht erforschen. In Oslo bin ich bei den Sozialwissenschaften angegliedert. Für die Norweger ist es ganz klar, dass es eher existenzielle als religiöse Fragestellungen sind, und dass sie als säkulares Land dafür Forschung brauchen und etwas darüber wissen sollten, wie es säkularen Menschen geht. Das norwegische Ministerium für Gesundheit und Pflege hat schon 2012/13 festgehalten, dass das Gesundheitssystem den existenziellen Bedürfnissen von Patienten und Patientinnen mehr Aufmerksamkeit schenken muss. Davon ist der deutschsprachige Raum noch weit entfernt. 

Wie unterscheiden sich nichtreligiöse und religiöse Menschen in Bezug auf Sinnfragen?

Es gibt gar nicht viele systematische, eindeutige Unterschiede, aber es ist sehr wichtig, wie man hinschaut und wie man differenziert. In der Psychologie und der Soziologie hat man während vieler Jahrzehnte vor allem über religiöse Menschen geforscht. Inzwischen weiß man ganz gut, was die so glauben. In Umfragen wurde abgefragt, ob man Christ oder Jude oder Muslim etc. ist – oder "nichts". Und "nichts" ist ja nichts, was besonders interessant zu erforschen ist, also wusste man lange Zeit auch nichts über die, die "nichts" sind. Als wir anfingen, Säkularität zu erforschen, hatten wir also zu Beginn diese große Kategorie "nichts", was natürlich Quatsch ist. Also fingen wir an, genauer hinzusehen. Und wir sahen, dass beispielsweise innerhalb der Gruppe derjenigen, die sich dezidiert als Atheistin oder Atheist bezeichnen, sehr wohl Unterschiede existieren. Uns macht ja nicht primär das aus, woran wir nicht glauben, sondern das, woran wir glauben.

Wir stellten fest, dass sich mindestens drei Gruppen unterscheiden ließen. Es gab einerseits Atheisten und Atheistinnen, die in Bezug auf die Sinndimensionen, die wir in unserer Forschung erheben, relativ breit aufgestellt waren. Die haben sich damit auseinandergesetzt, sich selbst kennenzulernen und so zu wachsen; aber sie sind auch über sich selbst hinausgegangen. Wir nennen das Selbsttranszendenz. Im diesseitigen Kontext kann dies beispielsweise mit Naturverbundenheit oder sozialem Engagement einhergehen. Denen ist auch wichtig, das Wir-Gefühl zu pflegen. Diese Gruppe hat von den dreien den höchsten Grad an Sinnerfüllung berichtet, sie kamen auf ähnliche Werte wie die Gesamtbevölkerung. Dann gab es Atheisten und Atheistinnen, denen es ausschließlich um die Selbstverwirklichung ging. Bei ihnen war das Sinnerleben deutlich niedriger. Die dritte Gruppe hatte überhaupt keine Sinnquellen und die Befragten hatten große Sinnkrisen. Das waren wahrscheinlich Personen, die aus irgendeinem Grund vielleicht ihren Glauben verloren hatten und noch nicht wussten, wo sie sich verankern sollten und deshalb diese Instabilität erlebten. Wenn wir die drei Gruppen zusammennehmen, zeigen sie insgesamt eine niedrigere Sinnerfüllung als religiöse Personen. Dennoch hatten säkulare Personen insgesamt nicht mehr Sinnkrisen. Sie zeigen offenbar ein niedrigeres Bedürfnis, einen Sinn im Leben zu finden.

"Säkulare Personen haben insgesamt nicht mehr Sinnkrisen. Sie zeigen offenbar ein niedrigeres Bedürfnis, einen Sinn im Leben zu finden."

Innerhalb dieser religionsfreien Bevölkerung gibt es also beträchtliche Unterschiede. Wie sieht es bei denen aus, die sich einer Religion zugehörig fühlen? Gibt es da genauso viel innere Vielfalt?

Ja, es lassen sich unglaublich viele Unterschiede beobachten, deshalb existiert auch so viel Forschung dazu. Es gibt verschiedene Stile, zu glauben, verschiedene Gründe und Motivationen, zu glauben. 

Bei den Religionen hat man quasi eine Vorlage, woran man eigentlich glauben müsste. Ist dies von Bedeutung? Religionsfreie können sich ja nicht auf ein klares Glaubenskonstrukt abstützen. 

Es ist schon länger bekannt, dass vor allem in westlichen Ländern sehr viele Menschen nicht das glauben, was sie anhand des Credos ihrer Religion eigentlich glauben sollten. Sogar Pfarrer und Priester glauben einen Großteil dessen nicht, was das Glaubensbekenntnis besagt. Und natürlich ist auch der Alltag bei vielen, die einer Glaubensgemeinschaft angehören, nicht wirklich religiös geprägt. Der Glaube wirkt sich kaum auf das persönliche Erleben oder Verhalten aus. Was wir gleichzeitig sehen, ist eine Entwicklung dahin, dass immer mehr Menschen sagen: "Ich kann mit diesen Vorgaben, was geglaubt werden soll, und mit den Institutionen und ihren Hierarchien eigentlich nichts mehr anfangen. Es hat für mich keine Echtheit mehr." Deswegen gibt es vermehrt Menschen, die von sich sagen, sie seien zwar spirituell, aber nicht religiös. Viele fahren damit allerdings nicht besonders gut. Spiritualität ist offenbar eine starke Sinnquelle, aber Personen aus dieser Bevölkerungsgruppe berichten häufig über Ängste, teilweise auch über psychische Belastungen.

Möglicherweise fehlt ihnen der Halt, den die starreren religiösen Angebote bieten. Eigentlich wird diese Vielfalt und Offenheit in unserer Gesellschaft ja sehr wertgeschätzt, trotzdem sehen wir, dass Menschen damit Probleme haben, wenn sie allein der Maßstab dafür sind, was sie jetzt eigentlich glauben sollen. Das sind Fragen, die wir noch vertiefen wollen. Auch bei säkularen Menschen sehen wir spannende Unterschiede zwischen verschiedenen Selbstidentifikationen. In unserer aktuellen Studie konnten wir zeigen, dass Menschen, die von sich sagen, sie seien Atheisten oder Atheistinnen, übernatürlichen Annahmen eine klare Absage erteilen. Es zeigt sich eine starke Überzeugtheit und somit auch Sicherheit. Menschen, die sich eher als Agnostiker respektive Agnostikerinnen oder Humanisten und Humanistinnen bezeichnen, fragen eher, was man überhaupt wissen kann; sie treffen deshalb nicht so starke Aussagen. Und wir finden bei ihnen häufiger auch solche, die sagen: "Vielleicht gibt es doch etwas nach dem Tod" oder "Ich bin mir nicht ganz so sicher, ob sich nur naturalistisch erklären lässt, was auf dieser Welt geschieht."

"Spiritualität ist offenbar eine starke Sinnquelle, aber Personen aus dieser Bevölkerungsgruppe berichten häufig über Ängste, teilweise auch über psychische Belastungen."

Du hast zusammen mit anderen Forschenden auch untersucht, wie es Menschen jetzt in dieser Pandemie-Zeit geht, und was stabilisierende oder belastende Momente sind. Macht da die Weltanschauung einen Unterschied?

Wir sahen, dass Menschen, die sich als religiös verstehen, gegenüber Nicht-Gläubigen keinen Vorteil hatten, wenn es darum geht, wie gut sie durch die Pandemie kommen. Bei denjenigen, die sich als spirituell verstehen, zeigte sich auch hier, dass sie eher Probleme hatten, und zwar umso eher, je ausgeprägter diese spirituelle Dimension war. Ausgeprägte Spiritualität scheint eher verletzlich zu machen. Studien aus den USA zeigen, dass religiöse Menschen eher daran glauben, dass Corona nur eine Verschwörung ist. Dies konnten wir in unserer europäischen Studie nicht replizieren. Allerdings erleben Personen, die sich als spirituell bezeichnen, die pandemiebezogenen Maßnahmen eher als unzulässig und übertrieben.

Mein Doktorand Daniel Spitzenstätter hat in einer weiteren Studie untersucht, wie es Menschen während der Pandemie mit dem Erleben von Angst vor dem Tod geht. Wir bekommen aktuell ja deutlich mit, dass Menschen sterben, vermehrt auch im eigenen Umkreis. Was wir gefunden haben, bestätigt, was sich in früheren Forschungsergebnissen schon angedeutet hatte: Es ist nicht so sehr der Inhalt dessen, woran wir glauben, der hilft, mit Krisen oder der eigenen Sterblichkeit umzugehen, sondern wie gefestigt die eigene Weltanschauung ist. So berichteten überzeugte Atheisten und Atheistinnen ebenso wie überzeugte Religiöse weniger Todesangst und Todesvermeidung. Wer sich seiner Überzeugung sicher ist, kann offenbar auch kritische Situationen gut bewältigen, egal ob diese einen Transzendenzbezug beinhaltet oder nicht.

"Wir sahen, dass Menschen, die sich als religiös verstehen, gegenüber Nicht-Gläubigen keinen Vorteil hatten, wenn es darum geht, wie gut sie durch die Pandemie kommen."

Lässt sich aus diesen Befunden ein Tipp ableiten, was für Krisenbewältigungen hilft?

Am relevantesten ist es, sich dessen bewusst zu sein, was man eigentlich glaubt, darüber nachgedacht zu haben und zu wissen, warum man die eigene Position vertritt. So lässt sich besser mit schmerzhaften Erlebnissen umgehen. Für die einen bedeutet dies, überzeugt zu sein, dass es einen Gott gibt, der es gut mit einem meint, oder dass es zumindest einen Plan für die Welt gibt. Für nicht-religiöse Personen ist es eher die Haltung, dass die Welt chaotisch ist und dass Dinge aus Zufall geschehen, die Welt aber dennoch ein guter Platz für mich ist und ich gerne lebe.

Dieses Interview erschien zuerst in der Frühjahrsausgabe des Magazins frei denken der Freidenker-Vereinigung der Schweiz.
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Kommentare (34)

Roland Fakler (nicht überprüft)

Di. 16 Mär 2021 - 13:30

Als säkularer Humanist glaube ich nicht an „nichts“, sondern ich glaube an meinen gesunden Menschenverstand und an vernünftige Werte, die zum Wohle der ganzen Menschheit durchgesetzt werden sollten. (Demokratie und Menschenrechte). Vor allem möchte ich mein Leben nicht auf Illusionen, sondern auf wissenschaftliche Erkenntnisse und auf ein realistisches Weltbild stellen.
http://rolandfakler.de/was-humanisten-glauben/

Lieber Roland, Du sprichst mir aus der " Seele" ( was immer das ist ) genau so ist es und sollte es für alle Menschen sein. Nur ein illusionsfreies, realistisches, wissenschaftsbasiertes
Leben und Weltbild kann diesen sinnlosen Spuk: Religion beenden, der soviel Leid über die Menschheit gebracht hat und dies noch immer tut, ( siehe z.B. Islamismus ).

Lieber Roland, es wird dich nicht wundern, wenn ich dir abermals zustimme. Zusatzüberlegung: Das Nichts hat wie das All, wie v.a. Vaihinger gezeigt hat, in der Welt der Fakten, um es paradox auszudrücken nichts, was in der Wissenschaft eine Entsprechung haben kann. Es ist eine Fiktion ohne Bezug auf Fakten. Ich spreche in meiner Bedeutungslehre (die Grundidee entstand in den 60er Jahren, seit den 90er Jahren findet sie sich, immer wieder verändert, auf meiner Homepage, jetzt auf der neuen Homepage unter http://www.gerd-simon.de/bedeutungen1.htm ) nur gelegentlich von Sinn, sondern von Bedeutung. Sinn ist mir zu zukunftsorientiert. Mein Aphorismus ist so gemeint, wie ich ihn zuletzt in meinem Nischenbuch unter dem Pseudonym Gérard Simenon verbreitet habe: "Die Welt hat keinen Sinn, es sei denn man schafft ihn." Andere Frage: Warum spielt meine Bedeutungsforschung in der Sinnforschung keine Rolle?

Roland Fakler (nicht überprüft)

Do. 18 Mär 2021 - 13:18

Antwort auf von Gerd SIMON (nicht überprüft)

Lieber Gerd, der Satz: „Die Welt hat keinen Sinn, es sei denn man
schafft ihn", dürfte bei den Humanisten – und bei mir – auf breite Zustimmung stoßen. Die zweite Frage: „Warum spielt meine Bedeutungsforschung in der Sinnforschung keine Rolle?“ musst du eher an deine Akademikerkollegen stellen. Ich forsche ja nicht, ich denke nur...und wenn' s zu akademisch wird, verlier ich leicht die Lust am Denken.

Arno Gebauer (nicht überprüft)

Di. 16 Mär 2021 - 15:39

Moin,

der Sinn allen Lebens besteht in der Weitergabe von Informationen in Form von
Wissen und Genen!

Denken ist existenzielle Tätigkeit, die unser Überleben sichert. Dogmen führen in die Irre!
Religionen sind logisch konstruierte Irrlehren!

Viele Grüße
Arno Gebauer

Mad Scientist (nicht überprüft)

Mi. 17 Mär 2021 - 09:51

Wieso muss das Leben einen Sinn haben? Das Leben ist (der Satz endet hier)! Ich lebe, was ich daraus mache, ist mein Problem (oder eben auch kein Problem). Da muss kein tieferer Sinn dahinter sein, ich bin eine Weile, dann irgendwann nicht mehr, warum auch immer. Ob ich bei der Geburt sterbe, als Kind, später im Leben, hochbetagt, das ist so, warum muss das mit einem esoterischen "Sinn" hinterlegt sein? Ich kann versuchen, auf mein biologisches Leben irgendwie einzuwirken, kann mich "gesund" verhalten oder auch ungesund, trotzdem kann ich vom Bus überfahren werden, weil ich zur falschen Zeit am falschen Ort bin. Oder länger leben als der Durchschnitt, in einigen Fällen viel länger, aber muss das einen anderen Grund haben als meine biologische Grundausstattung? Eine zufällige Mutation, etliche vermiedene Begegnungen mit z.B. kanzerogenen Stoffen oder biologischen Agenzien? Ich meine nein. Das Leben ist einfach. Ich bin. Und ich brauche keinen Sinn. Ich bin da, schon eine ganze Weile, noch, aber ich habe keine "Aufgabe".
Gestern habe ich Saatkartoffeln ausgepflanzt. Aus einer Kartoffel können wenige oder viele werden, man kann ein wenig nachhelfen, aber hat die Kartoffel einen Sinn? Sie ernährt mich, aber ist das ihr Sinn? Ich projiziere das hinein, aber wenn ich mich nicht darum kümmere, lebt die Kartoffel auch so weiter, Jahr für Jahr, Generation für Generation, sie tut dies, weil sie eine Kartoffel ist, mit oder auch ohne Sinn. Der Kartoffel ist dies wahrscheinlich egal, so wie sie ist, empfindungsfähig, aber ohne Bewusstsein. Sinnlos, aber trotzdem da.

Lieber Hans, weshalb immer wieder die immer gleichen Versuche der Provokation? In dem Falle zudem völlig sinnfrei, weil es keine Klerikal:innen gibt/geben kann. Das Gendern muss Dir ja nicht gefallen; allein: Es ist die Entscheidung der Autoren und der Redaktion gewesen, dass wir das beim hpd so handhaben. https://hpd.de/redaktion (unten)

Mad Scientist (nicht überprüft)

Mi. 17 Mär 2021 - 12:51

Antwort auf von Frank Nicolai (nicht überprüft)

Gendern ist dogmatisch, ideologisch und undemokratisch. Und auf gar keinen Fall humanistisch. Aber auf alle Fälle falsch! Und es beleidigt mein Sprachempfinden und meine Intelligenz. Dies ist keine Provokation, sondern eine Meinungsäußerung, gestützt auf Aufsätze und Artikel von Sprachwissenschaftlern, die alle nicht dem Zeitgeist atem- und gedankenlos hinterherhecheln. Jeder kann natürlich gendern, aber wer Genus von Sexus nicht unterscheiden kann, sollte sich nicht wundern, wenn er belächelt wird...

Hans Trutnau (nicht überprüft)

Mi. 17 Mär 2021 - 16:58

Antwort auf von Frank Nicolai (nicht überprüft)

Lieber Frank,
der Klerikale - wie heißt die weibliche Form dazu; müsste es doch geben, auch im Plural?
Wenn nicht, nimm meinethalben Kleriker und Klerikerin, zusammen im Plural gegendert* Kleriker:innen - oder so.

Wenn du das als Provokation empfindest, liegt das vllt auch an dir; ich meine das eher spöttisch (weil ich diese trendige Mode für überflüssig halte) und habe das oben nur angefügt, weil es mir gerade in den Kram passte - einfach so! Ich gebe aber freimütig zu, dass Spott (sei Dank!) auch provozieren kann, oft sogar soll.

Im Übrigen habe ich mich da weder auf die Redaktion bezogen noch auf den Artikel, der ja, noch übriger, komplett ungegendert ist.
*Wie du weißt, schreibe ich da ja zwecks Aussprache (ich wurde sogar mal gefragt, ob gendern was mit Gentechnik zu tun hat...) gerne auch hier so: dschändern - aber das wurde von euch gelöscht. Kann ich mit leben; habe eine hohe A.-Toleranz.
Alles wieder gut?

Sternchenskept… (nicht überprüft)

Do. 18 Mär 2021 - 17:05

Antwort auf von Hans Trutnau (nicht überprüft)

Die Klerikale, der Klerikale, alles gleich. Sie hätten 'die Klerikalen' schreiben können, alles wäre gut gewesen. Dass Sie sich aber demonstrativ einen abbrechen und das Einfachste nicht erkennen können, zeigt, wie sehr Sie sich im Trotz verbunkert haben.

Oh, werte Sternchenskeptiker:in (nicht von mir gedschändert; wurde mir per Email über Ihre Antwort so mitgeteilt) - da hat die Provokation doch wieder gesessen, oder?
Bzgl. 'Klerikale' besteht Ihre Kritik zu Recht, aber da haben Sie meinen Spott bzw. meine Ironie (mit Verweis auf Kleriker) nicht bemerkt; werde ich demnächst dann extra für Sie mit I/ (Anfang) und \I (Ende) kennzeichnen.
Aber das wird jetzt vllt. doch etwas OT.
Im Übrigen fällt mir auf, dass Sie seit einiger Zeit Ihren Senf zu diversen Kommentaren hier abgeben; das macht echt gute Laune und belebt die Kommentarspalte!
Und jetzt nur keinen abbrechen und nicht zu sehr verbunkern... (die letzten beiden Verben gefallen mir besonders gut!).

Marianne Schweizer (nicht überprüft)

Fr. 19 Mär 2021 - 15:39

Antwort auf von Hans Trutnau (nicht überprüft)

Ich will mich ja nicht in das Geplänkel zwischen Ihnen und Frank Nicolai einmischen, möchte aber doch darauf hinweisen, dass der Artikel durchaus gegendert ist: Wenn immer von Atheisten und Atheistinnen, Agnostikern und Agnostikerinnen, Humanisten und Humanistinnen die Rede ist, setzt sich mit der Zeit die Auffassung durch, mit Atheisten etc. seien nur die Männner gemeint, und man muss dann dauernd die ermüdenden und sinnlosen Verdoppelungen lesen, oder halt Sternchen, die mehr bedeuten sollen, oder ....

Hans Trutnau (nicht überprüft)

Di. 23 Mär 2021 - 00:33

Antwort auf von Marianne Schweizer (nicht überprüft)

Mischen Sie sich ruhig in dieses Geplänkel ein, Marianne Schweizer; die Kritik besteht ja wohl zu Recht (fiel mir inzwischen auch auf). Aber:
Ich empfinde nur "Atheisten und Atheistinnen, Agnostikern und Agnostikerinnen, Humanisten und Humanistinnen" nicht so schlimm den Lesefluss unterbrechend wie Binnen-Majuskeln, *, : oder sonstige 'Schöpfungen' - am schlimmsten ist mir die inzwischen grassierende Seuche der Sprechpause vor dem 'innen'; speziell, wenn z.B. von Politikerinnen plakativ und nach Aufmerksamkeit heischend im TV praktiziert.
Und bei Bischöf*innen fühlte ich mich irritiert, ob da der männliche Bischof immer inkludiert ist; also auch dann, wenn von nur zweien (einer männnlich, eine weiblich) die Rede ist.

Aber ich sehe das gelassen (spöttisch); mache mir z.B. seit mind. 25 Jahren (als das Dschändern noch gar nicht so _en vogue_ war) einen Jux daraus, danach zu fragen, wie die maskuline Form von 'Spurrinnen' lautet... ;-) Spurr?

Doch, wirklich! Ich warte darauf, dass mal jemand in den Nachrichten verliest:
>Unfall auf der A 45 durch Aquaplaning in Spurr [Pause] innen.<

Marianne Schweizer (nicht überprüft)

Mi. 24 Mär 2021 - 17:46

Antwort auf von Hans Trutnau (nicht überprüft)

Ja, über vieles in diesem Zusammenhang kann man spöttisch lächeln, aber wenn dann halt das Verspottete sich durchsetzt, finde ich das nicht mehr so lustig.

Hans Trutnau (nicht überprüft)

Do. 25 Mär 2021 - 15:06

Antwort auf von Marianne Schweizer (nicht überprüft)

Oh, bin ich da tatsächlich einen Tick optimistischer? Das hält sich ein paar Jahre, setzt sich aber nie & nimmer in der Breite durch...

Marianne Schweizer (nicht überprüft)

Fr. 26 Mär 2021 - 17:46

Antwort auf von Hans Trutnau (nicht überprüft)

Ich hätte vor vielen Jahren auch nicht gedacht, dass z.B. das Wort "Studierendenschaft" sich in der Breite durchsetzt bzw. durchgesetzt wird ...

Hans Trutnau (nicht überprüft)

Mo. 29 Mär 2021 - 22:49

Antwort auf von Marianne Schweizer (nicht überprüft)

Also, "Studierendenschaft" habe ich praktisch noch nie gehört / gelesen, oder doch?
Reichte nicht Studierende?

Marianne Schweizer (nicht überprüft)

Di. 30 Mär 2021 - 11:41

Antwort auf von Hans Trutnau (nicht überprüft)

Ich weiß ja nicht, wie lange das noch so weitergehen kann mit den Antworten. Die Passage wird immer enger ...
Also, die "Studierendenschaft" ist die gewählte Vertretung der "Studierenden", es gibt auch ein "Studierendenwerk" für die sozialen Belange der Studenten, "Studierendengemeinden" in den Kirchen etc.

Marianne Schweizer (nicht überprüft)

Do. 1 Apr 2021 - 09:27

Antwort auf von Marianne Schweizer (nicht überprüft)

Es enteresssiert an dieser Stelle vermutlich niemanden, aber ich möchte mich trotzdem noch korrigieren: "Studierendenschaft" oder "Studentenschaft" ist die Bezeichnung für die Gesamtheit der Studenten einer Hochschule. Vertreten werden die Studenten durch den "Allgemeinen Studierendenausschuss", abgekürzt "Asta".

Marianne Schweizer (nicht überprüft)

Mi. 17 Mär 2021 - 18:49

Antwort auf von Frank Nicolai (nicht überprüft)

Ist die Entscheidung der Redaktion zum Gendern nicht diskutierbar? Ich bin auch der Meinung von "Mad Scientist", dass Gendern u.a. nicht humanistisch ist. Das könnte doch auch mal zum Thema gemacht werden! In einem Aufruf des "Verein Deutsche Sprache" wird u.a. auf die "zerstörerischen Eingriffe in die deutsche Sprache" hingewiesen: https://vds-ev.de/gegenwartsdeutsch/gendersprache/gendersprache-unterschriften/schluss-mit-dem-gender-unfug/
Die Sprache ist für das Menschsein ganz wesentlich. Humanisten sollten sich m.E. dafür einsetzen, dass sie nicht aus ideologischen Gründen verunstaltet wird.

Roland Fakler (nicht überprüft)

Do. 18 Mär 2021 - 13:05

Antwort auf von Marianne Schweizer (nicht überprüft)

Dem kann ich nur zustimmen, liebe Marianne. Natürlich prägt die Sprache das Denken und natürlich bin ich für die Gleichwertigkeit der Geschlechter, als Schriftsteller empfinde ich das Gendern aber als extrem hinderlich und zerstörerisch für den Sprachfluss. Es ist, als ob man ständig über Stolpersteine hoppelt…und letztlich kann man dem Anspruch alles gendern zu wollen, gar nicht gerecht werden. Darüber gab es in der Tübinger Zeitung eine lange, lustige und erkenntnisreiche Debatte in den Leserbriefen.

Sternchenskept… (nicht überprüft)

Do. 18 Mär 2021 - 17:06

Antwort auf von Marianne Schweizer (nicht überprüft)

'Die Sprache ist für das Menschsein ganz wesentlich.'
Richtig. und deshalb möchte ich auch drin vorkommen.

Marianne Schweizer (nicht überprüft)

Fr. 19 Mär 2021 - 15:43

Antwort auf von Sternchenskept… (nicht überprüft)

Also, ich komme in der nicht gegenderten Sprache vor, und Sie natürlich auch - Sie müssen es nur wahrhaben wollen.

Marianne Schweizer (nicht überprüft)

Mi. 24 Mär 2021 - 18:02

Antwort auf von Sternchenskept… (nicht überprüft)

Ich habe gerade noch einen interessanten Artikel gelesen, in dem dargelegt wird, dass Gendern die Diskriminierung verschlimmere: "Wer will, dass Männer und Frauen gleich behandelt werden, der muss sie gleich behandeln und das heißt, sie gleich zu benennen." Der Artikel von Nele Pollatschek ist zu finden unter https://www.tagesspiegel.de/kultur/deutschland-ist-besessen-von-genitalien-gendern-macht-die-diskriminierung-nur-noch-schlimmer/26140402.html

Roland Fakler (nicht überprüft)

Do. 25 Mär 2021 - 16:50

Antwort auf von Marianne Schweizer (nicht überprüft)

Danke, Marianne, das ist wirklich ein sehr interessanter, kreativer und für mich überzeugender Beitrag zum Thema.

Hans Trutnau (nicht überprüft)

Fr. 26 Mär 2021 - 01:01

Antwort auf von Marianne Schweizer (nicht überprüft)

Den Artikel kannte ich schon; bingo!
Und selbst bei Scobel an diesem Do. wurde mit der Pause-vor-dem-innen gedschändert.
So etwas wie die Maurer innen. Wo bleiben da die Maurer außen?
Eine einzige Pestilenz.
Es ist zum Verzweifeln.

Zu meinem Umfeld gehören keine Klerikal, Bindestriche oder Doppelpunkte noch Innen :-). Dafür kenne ich Männer und Frauen, die wissen was sie sind und die sich auch ohne Scheu so verhalten. Und alle komme prima miteinander aus.

no scientist (nicht überprüft)

Mi. 17 Mär 2021 - 16:40

Antwort auf von Mad Scientist (nicht überprüft)

"Le Néant c'est un trou avec rien autour." Du lässt den Spruch Wirklichkeit werden, da ist wirklich "Nichts" in dem, was du schreibst. Und du bist wahrscheinlich auch noch stolz darauf ...

Marianne Schweizer (nicht überprüft)

Fr. 19 Mär 2021 - 15:52

Antwort auf von Mad Scientist (nicht überprüft)

... oder, um es mit dem christlichen Mystiker Angelus Silesius zu sagen:
Die Ros ist ohn Warum;
sie blühet, weil sie blühet,
sie acht nicht ihrer selbst,
fragt nicht, ob man sie siehet.

Martine Landau (nicht überprüft)

Fr. 26 Mär 2021 - 03:08

Antwort auf von Mad Scientist (nicht überprüft)

Die Frage nach dem Sinn des Lebens ist ein rhetorischer Trick. WER stellt die Frage? Das ist essenziell, denn sie löst diesen Unsinn auf: QUI BONO? (Dank an Marcus Tullius Cicero)

Manfred Schleyer (nicht überprüft)

Do. 18 Mär 2021 - 19:53

Der Sinn des Lebens - in dieser allgemeinen Form - ist das Überleben und das Weiterleben in der nächsten Generation. Das aber ist bei dieser Frage natürlich nie gemeint, sondern: Was ist der Sinn meines eigenen Lebens? Antwort: Den, genauer, die Sinne kannst du dir selbst geben. Als Sohn oder Tochter, als Partner, als Elternteil, als Arbeitnehmer/-geber, als Mitmensch, als Gemeinde- und Staatsbürger ...
Absolut keinen Sinn kann ich darin sehen, einen allmächtigen Gott anzubeten und ihm Verbesserungsvorschläge zu machen. Oder seine "Hirten" zu bezahlen und ihre Zeremonien mitzumachen, damit er mich nicht in sein ewiges Höllenfeuer wirft.

Andreas Kyriacou

Der Autor ist Gründer des "Humanistischen Salons" in Bern und Gastgeber des englischsprachigen Podcasts secular matters. Von 2013 bis 2024 war er Präsident der Freidenker-Vereinigung der Schweiz. Er vertrat zudem von 2019 bis 2024 die humanistisch-säkulare NGO Center For Inquiry im Menschenrechtsrat der UNO.

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