Aktuelle Untersuchung
Deutschland wird zunehmend säkular
Foto: © Frank Nicolai
Der Glaube verliert in Deutschland zusehends an Bedeutung. Immer mehr Menschen – jünger und ältere – gestalten ihr Leben unabhängig von religiösen Vorstellungen. Diese Entwicklung bestätigt erneut die aktuelle, repräsentative Trendstudie "Jugend in Deutschland". Ihre Ergebnisse bestätigen die Tendenz, die sich bereits bei ähnlich gelagerten Untersuchungen zeigte.
Für die Untersuchung wurden 2027 Personen im Alter von 14 bis 29 Jahren befragt. Ergänzend dazu flossen die Einschätzungen von 4.007 Personen der Altersgruppen 30 – 34 Jahre und 50 – 69 Jahre in die Analyse ein. Ein bedeutendes Ergebnis: Nur gut die Hälfte der befragten jungen Menschen, 55 Prozent, betrachten sich als religiös gläubig, davon die Mehrheit (41 Prozent) als Christen. Zehn Prozent zählen sich zum Islam, andere Glaubensgemeinschaften spielen in der Altersgruppe nur eine untergeordnete Rolle.
Noch klarer zeigt sich die Abkehr von der Religion bei der Frage nach dem Glauben an einen persönlichen Gott. Fast 57 Prozent der 14- bis 29-Jährigen verneinen dies. Der Anteil ist seit der letzten derartigen Befragung 2022 gestiegen; damals waren es nur 51 Prozent. In den höheren Altersgruppen ist die Abkehr vom Gottesglauben noch ausgeprägter: 65 Prozent der 30- bis 49-Jährigen und 63 Prozent der 50- bis 69-Jährigen glauben nicht an einen persönlichen Gott.
Auch der Glaube an eine unbestimmte "überirdische Macht" verliert an Einfluss: Nur 37 Prozent der Jüngeren stimmen dieser Vorstellung zu, während 47 Prozent sie ablehnen. Bei den Älteren fällt die Ablehnung mit durchschnittlich 52 Prozent noch deutlicher aus. Nur etwa 33 Prozent bekennen sich zu solch einem Glauben.
In Anbetracht dieser Zahlen überrascht es kaum, dass Religion nur für eine Minderheit in Deutschland als sinnstiftend gilt. Von den Jüngeren nennen lediglich 12 Prozent den Glauben unter den drei bedeutendsten Aspekten, die ihnen Sinn im Leben geben. Bei den Älteren liegt dieser Wert sogar noch niedriger – bei 8 Prozent (30-49 Jahre) beziehungsweise 7 Prozent (50-69 Jahre). Stattdessen stehen andere Lebensbereiche im Vordergrund: Familie (durchschnittlich 62 Prozent in allen Altersgruppen), Partnerschaft (durchschnittlich 41 Prozent) und Freundschaften (durchschnittlich 31 Prozent) werden über alle Altersgruppen hinweg als wichtigste Quellen für Lebenssinn genannt.
Die Studienautoren kommen zu dem Schluss, dass die Bevölkerung in Deutschland insgesamt "sachlich und säkular ausgerichtet" sei. Religionsgemeinschaften hätten es entsprechend schwer, die Mehrheit der Bevölkerung zu erreichen. Allerdings sei bei den Musliminnen und Muslimen der Glaube noch deutlich stärker ausgeprägt, heißt es weiter.
Neben religiösen Einstellungen untersucht die Studie auch Aspekte wie den Umgang mit Krisen, psychische Belastungen und Zukunftsplanung. Autoren der Untersuchung sind der Jugendforscher Simon Schnetzer, der Sozialforscher Dr. Kilian Hampel und der Sozialwissenschaftler Prof. Dr. Klaus Hurrelmann.

Kommentare (4)
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Frage mich, wie es kommt,
Frage mich, wie es kommt, dass bei den sonntäglichen TV-Gottesdiensten die Kirchen immer voll sind. Gibts da Freibier ?
Oder einen kostenlosen vollständigen Ablass ?
Oder stehen da vor der Kirche ein paar Busse aus der ganzen Gegend ?
Das beste für die Zukunft der
Das beste für die Zukunft der Menschheit wäre, wenn dieser Trent weltweit zunehmen würde und die Menschheit aus dem Alptraum Religion aufwachte in Richtung Realität,
damit würden auch die zahlreichen religiös verursachten Morde ein Ende haben und die Menschheit könnte sich um die wirklichen Probleme der Erde kümmern, von welchen es genügend gibt.
Nicht säkularer - normaler!
Nicht säkularer - normaler! Wir gesunden von diesem Mist.
Es könnte sich derzeit auch
Es könnte sich derzeit auch bewahrheiten, was Ronald Inglehart in seinem Buch "Religion's sudden decline" behauptete: dass es in sicheren und wohlhabenden Gesellschaften nicht mehr notwendig ist, sich diese Umstände von einem Gott zu erbitten. Und es könnte an aktiverer Vaterschaft (bei vielen Männern, nicht allen) liegen, dass man in Gott nicht mehr die liebevolle Vaterfigur sucht, die man selbst nicht hatte (behaupten z.B. Victoria Rationi und Pehr Granqvist, aber eigentlich auch schon Sigmund Freud).