Saudi-Arabien

Imam will stellvertretend für Religionskritiker bestraft werden

Mohammad Tawhidi, ein bekannter Imam aus Australien, setzt sich für den saudischen Blogger Raif Badawi ein, der wegen religionskritischen Veröffentlichungen zu 1.000 Peitschenhieben verurteilt wurde. 

Vergangenen Mittwoch wandte sich der australisch-iranische Imam Mohammad Tawhidi in einer Nachricht bei Twitter an das saudische Justizministerium. Darin erklärte er, dass er stellvertretend für den inhaftierten Blogger Raif Badawi 200 Peitschenhiebe erhalten will. Der Tweet des selbsternannten "Imam des Friedens" wurde hundertfach auf Twitter geteilt – unter anderem von Badawis Frau Ensaf Haidar. Viele erklärten sich danach ebenfalls bereit, stellvertetend für den saudischen Blogger bestraft zu werden.

Raif Badawi wurde im Juni 2012 aufgrund von regime- und religionskritischen Äußerungen in Saudi-Arabien festgenommen und verurteilt. Im Januar 2015 erhielt er auf dem Vorplatz der Al-Dschafali-Moschee in der Hafenstadt Dschidda die ersten 50 von 1.000 auferlegten Peitschenhieben. Nachdem weitere körperliche Bestrafungen bislang aus medizinischen Gründen ausgesetzt werden mussten, hatte das höchste saudische Gericht das Urteil gegen Badawi zwischenzeitlich bestätigt. 

Dass die saudische Regierung auf das Angebot von Mohammad Tawhidi eingeht, ist unwahrscheinlich. Denn die saudische Justiz sieht keine Möglichkeit einer stellvertretenden Bestrafung vor. 

Kommentare (5)

Karl-Heinz Büchner (nicht überprüft)

Mo. 25 Sep 2017 - 20:53

Das wäre doch eine einmalige Gelegenheit für Muslime in Deutschland, Flagge zu zeigen. Jeder übernimmt einen Peitschenhieb, die Spuren kann man dann hinterher dokumentieren und auf einer Internetseite präsentieren. Falls das möglich ist, können natürlich auch Gläubige anderer Religionen einen Schlag übernehmen.

Bernd Kammermeier (nicht überprüft)

Mi. 27 Sep 2017 - 10:15

Antwort auf von Karl-Heinz Büchner (nicht überprüft)

Das wäre dann mal die klassische Selbstgeißelung Gläubiger (Flagellanten) aller Religionen auf andere Art, mit einem wohltätigen Zweck verbunden. Vor allem würde man dann durch die schier endlos erscheinende Kette von 950 Geißelempfängern erkennen, wie abartig und pervers religiöse Bestrafungsriten sind...

Lutz Wiesendt (nicht überprüft)

Di. 26 Sep 2017 - 14:43

Die Aktion des Immans ist begrüßenswert, machte sie doch einmal mehr weltweit auf das Schicksal Badawis aufmerksam. Der Vorschlag mag nicht umzusetzen sein, da 1. stellvertretende Bestrafung in Saudi-Arabien nicht vorgesehen sei (obwohl: in dem Land ist sehr viel an Seltsamen vorstellbar), 2. im Falle Badawis Saudi-Arabien wohl unbarmherzig auf der Bestrafung Badawis besteht, also neben der körperlichen Bestrafung auch auf eine 10jährige Gefängnisstrafe. Warum: Badawi hat in seinen Schriften sich auf Freiheits- und Menschenrechte berufen, etwas, was in diesem Land als Menetekel kommenden Unheils gefürchtet wird, nämlich der Öffnung des Landes und damit des Verlusts der Macht der derzeitigen Herrschenden, weltlichen wie religiösen. Das Ölzeitalter geht zu Ende und Saudi-Arabien will den Sprung ins moderne Zeitalter wagen, alte Denkmuster aber nicht aufgeben. Wie dies vor sich gehen soll, bleibt das Geheimnis der die Zukunft Planenden.

Übrigens: für Raïf Badawi setzen sich weltweit Unterstützer ein. Hier in Deutschland gibt es diverse Unterstützergruppen, in Tübingen z.B. findet jeden Samstag seit Januar 2015, der ersten Auspeitschung Badawis, eine Mahnwache statt. Die Idee der Verteilung der Peitschenhiebe auf eine Vielzahl von Leuten ist nicht neu: unter "wir.statt.raif@gmail.com" kann nach Informationen gefragt werden oder aber auch die Solidarität mit Badawi bekundet werden.

Lutz Wiesendt

Kay Krause (nicht überprüft)

Di. 26 Sep 2017 - 17:50

Da Christen bereits im Alten Testament gelernt haben, dass sie die andere Backe auch noch hinhalten sollen, wenn sie auf die eine geschlagen worden sind, kann ich nur jedem bereitwilligen Christen empfehlen, eben nicht nur einen, sondern zwei Schläge der islamischen Religionspolizei für Raif Badawi zu übernehmen, dann dürfte diese religiös begründete Tortur für den bedauenswerten Menschen schnell vorbei sein.
Sie - lieber Leser - meinen, ich mache mich lustig über dieses Thema? Frage: wie anders als mit Sarkasmus soll man diesem religiösen Irrsinn begegnen???

Manfred Schleyer (nicht überprüft)

So. 8 Okt 2017 - 07:44

Ausnahmsweise ist der saudischen Justiz zuzustimmen, aber nur im letzterwähnten Punkt. Das Angebot des Imam ist ein Beispiel religiöser Schein-Gerechtigkeit: denn jemand kann zwar die Schulden eines anderen bezahlen, aber doch nicht die Schuld eines anderen büßen. Früher erlitten Prügelknaben solche Strafen, wenn ein Prinz zu bestrafen gewesen wäre. Solch eine Bestrafung hat Jesus angeblich für unsere Erbsünde erlitten, die wir angeblich alle durch den Sündenfall eines erfundenen Paares geerbt haben. Was für eine perverse Schein-Gerechtigkeit! Welche Verwirrung klarer Begriffe durch die "Hirten" mit ihrem "Wort des lebendigen Gottes"!

Florian Chefai

Hier sollte eine kurze Beschreibung des Autors bzw. der Autorin stehen. Die Autoren sind noch nicht angelegt, weil im Rahmen der Migration diese Daten nicht zuverlässig aus dem Freitext-Inhalt zu extrahieren sind.

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