Spaghettimonster zieht vor Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte

Das Spaghettimonster vor dem EGMR in Straßburg.

Deutsche Gerichte haben der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland e. V. die Anerkennung als Weltanschauungsgemeinschaft versagt. Nun hat der Verein Beschwerde beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg eingereicht – ebenso wie zwei weitere europäische Spaghettimonsterkirchen.

Die Geschichte begann 2014 mit einem harmlosen Schild. Einem "Nudelmessehinweisschild", das die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland e. V. (KdFSMD) an den Ortseingangsstraßen der Stadt Templin aufstellen wollte, um auf die freitäglichen Nudelmessen in ihrer dortigen Kirche hinzuweisen. Da andere religiöse bzw. weltanschauliche Gemeinschaften dort ihre Gottesdiensthinweistafeln aufstellen dürfen, beantragte die KdFSMD auch für ihr Schild eine entsprechende Genehmigung – und bekam sie zunächst auch. Doch nachdem die Nudelmessehinweisschilder montiert waren, hagelte es Beschwerden von christlichen Funktionären, die die Angelegenheit in die Politik trugen, welche wiederum Einfluss auf die genehmigende Behörde nahm. So wurde die Genehmigung widerrufen und eine neue, mündlich unter Zeugen vereinbarte, nie ausgestellt. Aus diesem Grund entschloss sich die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland e. V. vor Gericht zu ziehen.

Beispielbild
Nudelmessehinweisschild neben anderen Gottesdiensthinweisen. (© pastafari.eu)

In dem Gerichtsverfahren wies die KdFSMD darauf hin, dass sie sich – wie in der Vereinssatzung nachzulesen – als Weltanschauungsgemeinschaft versteht. Da Weltanschauungsgemeinschaften in Deutschland mit Religionsgemeinschaften gleich zu behandeln sind, pochte die KdFSMD auf ihr Recht, ebenso wie andere Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften Hinweisschilder für Messen an Ortseingangsstraßen aufstellen zu dürfen. Doch weder die erste noch die zweite Instanz würdigten die vorgetragenen Argumente der KdFSMD und vertraten die Auffassung, dass es sich bei der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland e. V. nicht um eine Weltanschauungsgemeinschaft handelt. Das angerufene Bundesverfassungsgericht weigerte sich – ohne Benennung von Gründen – sogar gänzlich, sich mit dem Fall zu befassen. So hat die KdFSMD nun den letzten möglichen juristischen Weg beschritten und Beschwerde beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg eingelegt.

Laut Aussage der KdFSMD ist sie damit die dritte europäische Spaghettimonsterkirche, die vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) zieht. Neben der deutschen Kirche haben auch die polnische sowie die niederländische Kirche Beschwerde beim EGMR eingelegt. Allerdings ist zu beachten, dass sich die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland e. V. grundlegend von anderen Spaghettimonsterkirchen weltweit unterscheidet und damit auch ihre Beschwerde beim EGMR eine andere Stoßrichtung hat als jene der anderen Kirchen.

Üblicherweise vertreten Anhänger des Fliegenden Spaghettimonsters die Auffassung, dass es sich bei der Verehrung des FSM um eine Religion handelt. Die meisten Spaghettimonsterkirchen stellen sich deshalb als Religionsgemeinschaften dar. Ein Status, der ihnen häufig mit dem Argument abgesprochen wird, dass es sich beim Fliegenden Spaghettimonster lediglich um eine Religionsparodie handle. Die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland e. V. hingegen erhebt nicht den Anspruch, eine Religionsgemeinschaft zu sein. Sie versteht sich als Weltanschauungsgemeinschaft und betrachtet als ihren Zweck die Förderung der Weltanschauung des evolutionären Humanismus. Das Fliegende Spaghettimonster dient hierbei lediglich als satirisches Mittel zum Erreichen ihres Zwecks, wird jedoch nicht – wie bei anderen Spaghettimonsterkirchen – als Religion betrachtet.

Dieser fundamentale Unterschied könnte dazu führen, dass die Beschwerde der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland e. V. vom EGMR letztlich anders beurteilt wird als die Beschwerden der anderen europäischen Spaghettimonsterkirchen. Doch bis es soweit ist, wird wahrscheinlich noch viel Wasser durch den Rhein bei Straßburg fließen. Verfahren vor dem EGMR dauern üblicherweise einige Jahre.

Kommentare (16)

Hans Trutnau (nicht überprüft)

Fr. 12 Apr 2019 - 12:34

RAmen!

annen anne Nerede (nicht überprüft)

Fr. 12 Apr 2019 - 13:22

Das Spaghettimonster zählt die Zeit nicht in Jahren sondern in Äonen.Das haben göttliche Wesen so an sich.

Andreas (nicht überprüft)

Fr. 12 Apr 2019 - 13:23

es gibt viele Wege, den Atheismus lächerlich zu machen ...

Karl-Heinz Büchner (nicht überprüft)

Fr. 12 Apr 2019 - 18:09

Antwort auf von Andreas (nicht überprüft)

Mag sein, aber es gibt keinen Weg, der nicht die Lächerlichkeit der Religionen aufzeigt.
Und dabei ist es völlig egal, welche Variante der Geisterbeschwörungen man gerade im Fokus hat. Die einzigen, die das nicht bemerken, sind die Geisterbeschwörer selbst. Aber sie geraten immer weiter ins Hintertreffen - zumindest im aufgeklärten Teil der Erde.

Bernd Kammermeier (nicht überprüft)

Sa. 13 Apr 2019 - 09:53

Antwort auf von Andreas (nicht überprüft)

Lachen ist halt gesund. Warum kriegen das Geistergläubige eigentlich nicht hin? Das führt doch auf die Dauer nur zu geistiger Verstopfung und Denkblockaden. Mal richtig durchgelacht und der moralinsaure Rotz geht ab...

Tobias Stel. (nicht überprüft)

Sa. 13 Apr 2019 - 16:17

Antwort auf von Andreas (nicht überprüft)

@Andreas
Haben Sie also die Metaebene die entscheiden kann, wer das nun wirklich glaubt oder nicht?

Andreas (nicht überprüft)

Mo. 15 Apr 2019 - 10:04

Antwort auf von Tobias Stel. (nicht überprüft)

@ alle Kommentatoren Der Atheismus wird immer noch lächerlich gemacht – da helfen auch die Kommentare nichts ... ich persönlich denke ja, den Atheismus sollte man schon ernst nehmen

Bernd Kammermeier (nicht überprüft)

Mi. 17 Apr 2019 - 08:12

Antwort auf von Andreas (nicht überprüft)

Am Atheismus ist nichts, was man ernst nehmen muss. Er sagt ja nur aus, dass die atheistische Person nicht an Übernatürliches oder Geister im Weltraum glaubt. Das ist keine besondere Leistung. Schließlich gibt es das alles ja wirklich nicht. Wenn ich nicht an UFOs glaube, muss man das auch nicht ernst nehmen. Ich glaube halt nicht dran und fertig...

@ Bernd Kammermeier Wollen Sie den Humanistischen Pressedienst einstellen? Wenn da nichts ist, was man ernst nehmen kann ...

Karl-Heinz Büchner (nicht überprüft)

Mi. 17 Apr 2019 - 22:06

Antwort auf von Andreas (nicht überprüft)

Andreas,
Du begreifst es einfach nicht. Sei brav und füg Dich in Dein Schicksal.
Das wird nichts mehr mit Dir in dieser Welt und eine andere gibt es ja nun mal nicht.

Kay Krause (nicht überprüft)

Mi. 17 Apr 2019 - 17:27

Antwort auf von Andreas (nicht überprüft)

Herr Andreas, da sind wir aber froh!
Und vielleicht, ohne überheblich sein zu wollen, kleine Aufklärung: Wenn jemand behauptet, es gäbe einen Gott, so ist das eine zum Beweis anstehende These. Wenn jedoch ein anderer NICHT an diesen Gott glaubt, so ist das keine These und somit auch nicht beweispflichtig, und somit ist Atheismus auch keine Weltanschauung oder Glaubensrichtung, und schon gar keine Religion, wie sogar von manchen merkwürdigen Zeitgenossen behauptet wird Atheismus ist einfach das NICHT-Glauben an eine von Menschen kreierte Phantasiefigur. Ich verstehe nicht, was daran ernst oder nicht ernst zu nehmen ist?

Bernhard Kletz… (nicht überprüft)

Fr. 12 Apr 2019 - 18:35

Am liebsten wär mirs wenn die KdFSMD endlich die Anerkennung bekommt, die ihr zusteht.

Leif (nicht überprüft)

Sa. 13 Apr 2019 - 10:49

Wo liegt eigentlich das Problem? Bisher hat kein Mitglied der KdFSM sich und seine Mitmenschen per Dynamitgürtel in die Luft gesprengt, niemand von ihnen hat versucht, Jerusalem zu erobern und dabei 50.000 Menschen enthauptet und über Fälle sexuellen Missbrauchs innerhalb der Kirche gibt es auch keine Beschwerden. Nicht mal mit zornigem Universalanspruch kommt die KdFMS daher. Und solange sie nicht anfangen auf Kaperfahrt zu gehen, sollen sie doch gerne Nudelsiebe tragen. Und damit Pasta!

Daniela Wakonigg

Die Autorin ist studierte Philosophin, Theologin und Germanistin. Sie lebt in Münster (Westf.) und arbeitet als freie Autorin und Journalistin für Hörfunk- und Print-Medien. Sie ist u. a. Redakteurin der Zeitschrift MIZ und war von 2016 bis Anfang 2024 stellvertretende Chefredakteurin des hpd.

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