Nigeria

Präsident der nigerianischen Humanisten wegen Blasphemie verhaftet

Am Dienstag wurde Mubarak Bala, Präsident der Humanistischen Vereinigung von Nigeria, aufgrund einer Anzeige wegen Blasphemie verhaftet. Im muslimischen Norden Nigerias kann Bala die Todesstrafe drohen, da dort islamisches Recht gilt.

Vor sechs Jahren wurde Mubarak Bala zwangsweise in eine psychiatrische Klinik eingewiesen, weil er sich als Atheist geoutet hatte. Die International Humanist and Ethical Union (IHEU), die eine Petition gegen Balas Zwangseinweisung ins Leben gerufen hatte, berichtete damals:

"Bala hatte in Gegenwart von Verwandten erklärt, er glaube nicht an Gott. Diese hätten daraufhin einen Arzt beauftragt, herauszufinden, ob Bala geisteskrank sei. Ein zweiter Mediziner stellte kurz darauf fest, Balas Atheismus sei nichts weiter als die Nebenwirkung einer Persönlichkeitsstörung."

Zahlreiche internationale Medienberichte führten damals dazu, dass Mubarak Bala die Psychiatrie wieder verlassen konnte. Heute ist er Präsident der Humanistischen Vereinigung von Nigeria und hat dort als bekannter Humanist in den vergangenen Jahren aktiv zum Wachstum der säkularen Bewegung beigetragen.

Sein Engagement hat unter Religiösen viel Hass hervorgerufen. In den vergangenen Wochen erhielt Bala verstärkt Morddrohungen und nun führte eine  Anzeige wegen Blasphemie gegen den Propheten Mohammed zu seiner Verhaftung, wie Leo Igwe, Menschenrechtsaktivist und Kuratoriumsmitglied der Humanistischen Vereinigung von Nigeria berichtet. Die von einer Anwaltskanzlei professionell gefertigte Anzeige lässt eine gezielte Kampagne religiös-muslimischer Kräfte gegen Bala vermuten, der nach seiner Verhaftung in Kaduna im Norden Nigerias am Dienstag heute an die Behörden des Bundesstaats Kano überstellt wurde, wo die Anzeige gegen ihn eingereicht wurde.

Nigeria ist das bevölkerungsreichste Land Afrikas und nicht nur religiös tief gespalten. Knapp über 50 Prozent der Nigerianer sind Muslime, knapp über 40 Prozent sind Christen, die meisten anderen bekennen sich zu traditionellen afrikanischen Religionen. Menschen, die sich öffentlich zum Atheismus bekennen, stellen eine kleine Minderheit dar. Im muslimischen Norden des Landes, in dem auch die islamistische Terrorgruppe Boko Haram ihr Unwesen treibt, gilt teilweise das islamische Recht, die Scharia. So auch in Kano. Nach islamischem Recht steht auf Blasphemie die Todesstrafe, die nun möglicherweise gegen Bala verhängt werden könnte.

Balas humanistische Mitstreiter drängen auf seine Freilassung und haben eine Spendenkampagne ins Leben gerufen, um für Mubarak Bala einen Anwalt engagieren zu können. Auch die International Association of Atheists hat unter dem Hashtag #FreeMubarakBala eine Petition zur Befreiung des Präsidenten der nigerianischen Humanisten-Vereinigung gestartet, die hier unterstützt werden kann.

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Kommentare (5)

A.S. (nicht überprüft)

Do. 30 Apr 2020 - 20:14

Das "Verbrechen" der Atheisten ist, die Autorität der religiösen Führer zu untergraben. Deswegen versuchen religiöse Führer immer wieder, Atheisten mund- oder ganz tot machen zu lassen.

Jetzt lässt aber nicht jeder religiöse Führer Atheisten töten. Mein Verdacht:
- die Führer, die wirklich an Gott glauben, stören sich an Atheisten, hassen sie aber nicht.
- die Führer, die wissen, dass sie mit "Gott" blos bluffen, wollen ihren Schwindel vor Enttarnung schützen. Hierzu sind ihnen alle Mittel recht.
- allgemein vermute ich, dass die Atheistenphobie umso größer wird, als es den religiösen Führern um Autorität und Macht für sich selber geht.

Frank Moritz (nicht überprüft)

So. 3 Mai 2020 - 00:26

Ich habe das jetzt mal unterstützt. Zum erstem Mal in meinem Leben gebe ich einem solchen Projekt eine Spende (10€). Ich hoffe, da kommt noch reichlich dazu. Ich sehe das Hauptproblem darin, einen Anwalt oder eine namhafte Kanzlei für den Auftrag zu gewinnen, die sich traut, in einem Staat wie Nigeria die Verteidigung zu übernehmen. Ich traue mich ja kaum, es zu denken oder zu schreiben - aber wenn der Fall aussichtslos wird, mag man das Geld vielleicht dafür einsetzen, jemanden (oder mehr) dafür zu engagieren, ihn aus dem Gefängnis mit nicht ganz feinen Mitteln herauszuholen. Vielleicht muss der Humanismus auch mal seine Zähne zeigen und seine Mitstreiter vor Schlimmem bewahren. Ích wünsche Mubarak Bala alles Gute, viel Glück und das der Humanismus auch in Ländern wie Nigeria Fuß fassen kann. Das wäre schön.

Rainer Marczinowski (nicht überprüft)

Mo. 4 Mai 2020 - 22:10

Wer den Anwaltsfond unterstützen will, muss dem ersten Link im letzten Artikelabsatz ("Spendenkampagne") folgen, nicht dem nächsten Link zur change.org-Kampagne ganz am Artikelende.

Daniela Wakonigg

Die Autorin ist studierte Philosophin, Theologin und Germanistin. Sie lebt in Münster (Westf.) und arbeitet als freie Autorin und Journalistin für Hörfunk- und Print-Medien. Sie ist u. a. Redakteurin der Zeitschrift MIZ und war von 2016 bis Anfang 2024 stellvertretende Chefredakteurin des hpd.

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