Kamerun: Vermeintlicher Prophet und Heiler von Covid-19 stirbt am Virus

Anschlag bei der „Freien Christengemeinde“ Pottershouse in Wiesbaden
Auch in Deutschland ignorieren Evangelikale die Coronakrise: Anschlag bei der "Freien Christengemeinde" Pottershouse in Wiesbaden

Statt mit Covid-19 diagnostizierte Personen zur Selbstquarantäne aufzurufen und die Gemeinde um Hilfen für die Erkrankten zu bitten, gab sich Pastor Franklin Ndifor als Prophet und Heiler aus, der Covid-19 mittels Handauflegen heilen könne. Nach dem Kontakt mit zahlreichen Infizierten, erkrankte Ndifor schwer und verstarb letzte Woche 39jährig in seinem Haus in Bonabéri, bei Douala am Virus.

Pastor Franklin Ndifor war Kopf der Kingship International Ministries Church. Bekannt wurde er auch durch seine Kandidatur für das Präsidentenamt im Jahre 2018. Er selbst sah sich als Prophet und Heiler an. Seinen Gläubigen hatte Ndifor erklärt, eine Infektion mit Covid-19 durch bloßes Handauflegen heilen zu können. Nach dem engen Kontakt mit zahlreichen bestätigt mit Covid-19

infizierten Personen, die sich von ihm Heilung erhofften, fühlte sich Ndifor selbst krank und entwickelte starke Atembeschwerden. Nachdem sich seine Situation verschlimmerte, ließ er einen Arzt vom örtlichen medizinischen Dienst kommen. Dieser jedoch fand den Pastor bereits in einem Koma vor, in welchem er auch kurz darauf mit nur 39 Jahren verstarb.

Nach dem Tod des vermeintlichen Propheten brach unter den Gläubigen Panik aus. Während einige den Tod ihres Pastors anzweifelten und ihn auf einem spirituellen Treffen mit Gott wähnten, aus welchem er zurückkehren werde, fürchteten andere nun um die Heilung der handaufgelegten Infizierten. Nachdem hunderte Menschen vor dem Haus Ndifors mit Gesängen und Gebeten, die auch von lokalen Radiostationen übertragen wurden, ausgeharrt hatten, musste sich die Polizei einen Weg durch die singende und den Zugang blockierende Menge bahnen, um den Leichnam des Priesters zu erreichen. Nachdem Franklin Ndifor 48 Stunden lang nicht auferstanden war, wurde sein Körper vor seinem Haus begraben.

Unterstützen Sie uns bei Steady!

Kommentare (6)

Roland Fakler (nicht überprüft)

Di. 26 Mai 2020 - 14:32

Aus diesem Vorfall die richtigen Schlüsse zu ziehen, kann von Gläubigen scheinbar nicht erwartet werden.

Bernd Fleißner (nicht überprüft)

Fr. 29 Mai 2020 - 14:10

Antwort auf von Roland Fakler (nicht überprüft)

Wie soll das gehen?
1. Das Bildungssystem in Kamerun ist wahrscheinlich nicht mit unserem Bildungssystem vergleichbar.
2. Kamerun hat wahrscheinlich auch nicht unsere geistesgeschichtliche Entwicklung durchlaufen (Humanismus, Renaissance, Aufklärung)
3. Ich blicke verschämt auf Verschwörungstheoretiker (evangelikal+säkular) in unseren Landen und frage mich, ob die aus einschlägigen Vorfällen (360.000 Corona-Tote weltweit)
nicht die richtigen Schlüsse ziehen können.

Karl-Heinz Büchner (nicht überprüft)

Di. 26 Mai 2020 - 22:43

Wir schreiben das Jahr 2020.
Wem fällt dazu noch was ein?
Mich würden die Erklärungen der Gläubigen interessieren, dass sich der gute Pastor seiner Auferstehung so energisch widersetzt hat. Dafür muss es doch Gründe geben ...

M. Landau (nicht überprüft)

Mi. 27 Mai 2020 - 05:03

Aber natürlich hat Jesus kein Covid-19, niemand wird das je bestreiten. Harry Potter, James Bond, Norman Bates, James T. Kirk, Lukas der Lokomotivführer u.v.a. haben schließlich auch kein Covid-19.

Und Pastor Franklin Ndifor hat es am Ende doch noch geschafft: »Willkommen in der Wirklichkeit!«

Kathi (nicht überprüft)

Mi. 27 Mai 2020 - 18:44

Dazu fällt mir persönlich nichts mehr ein.
Vielleicht ist der "liebe Gott", der ja angeblich auch Corona heilen kann, auch daran gestorben. Anscheinend ist er wohl doch nicht so "allmächtig" wie in den Fantasien der Anhänger. Ein Wunder, dass der Pastor noch einen Mediziner gerufen hat und nicht nur um Gebet gebeten hat. Ich frage mich, ob wir ausser an dem Impfstoff gegen das Coronavirus nicht auch an einem Impfstoff gegen Halluzinationen arbeiten sollten. Für solche Einsätze müssen auf Kosten der Bürger Einsatzkräfte abgezogen werden. Dieselbe Geldverschwendung wie hier. Denkt einmal darüber nach. Als wenn man in Kamerun das Geld nicht für andere Dinge dringender benötigt.

Charly Darwin (nicht überprüft)

Fr. 29 Mai 2020 - 10:49

Der Pastor hat jetzt eine längere Besprechung mit seinem Chef. SEHR lange.
In ein paar Monaten wird er sich über einen Darwin-Award freuen können!

Hella Camargo

Jahrgang 1980, hat Germanistik und romanische Philologie studiert. Da sie in eine römisch-katholische Familie hineingeboren wurde und dreieinhalb Jahre auf einer katholischen Grundschule verbracht hat, war der Grundstein zum Atheismus früh gelegt. Heute baut sie lieber auf ihren Gerechtigkeitssinn als auf kirchliche Gebote.

Weitere Artikel der Autorin
Unterstützen Sie uns auf Steady!

Mehr lesen über:

Verwandte Artikel