Exorzismus-Kurs in Rom erneut verschoben

Wenn das nicht mit dem Teufel zugeht

Weltweit haben in den letzten Monaten bereits unzählige Gläubige die aktuelle Corona-Pandemie weggeleugnet, weggebetet und sogar weggepustet. Da muss es doch glatt mit dem Teufel zugehen, dass in Italien steigende Infektionszahlen einen höchst wissenschaftlich angekündigten Exorzismus-Kurs zum bereits zweiten Mal verschieben lassen.

Im Mai sollte in Rom ein Exorzismus-Kurs für 120 Priester und Laien in Rom stattfinden. Ziel sollte es sein, die anthropologischen, phänomenologischen, theologischen, liturgischen, kanonischen, spirituellen, medizinischen, neurowissenschaftlichen, pharmakologischen, kriminologischen und rechtlichen Facetten des Exorzismus zu beleuchten. Der Kurs sollte Ende Oktober – rechtzeitig zu Halloween – nachgeholt werden.

Angepriesen wurde er als höchst wissenschaftlich, indem man querbeet Wissenschaftsdisziplinen wie Pharmakologie oder Anthropologie in Verbindung mit der Austreibung böser Geister brachte und sogar Wissenschaftler*innen der Universität von Bologna mit ins Boot holte. Wobei womöglich tatsächlich die Pharmakologie die Antwort zur Herkunft von Geistersichtungen und Exorzismusbestrebungen liefern könnte.

Die rasant steigende Zahl mit Covid-19 Infizierter jedoch ließen die Zuständigen den Kurs wieder absagen. Als neuer Termin wurde das kommende Frühjahr angekündigt.

Angesichts der Bemühungen zahlreicher Kirchen- und Sektenoberhäupter, das Virus zu ignorieren, als Verschwörung gegen die eigene Gemeinde und den Glauben einzuordnen oder es einfach mit Mundgeruch und Spucketröpfchen hinfort zu pusten, eine seltsame Entwicklung.

Vielleicht waren die Anstrengungen ja gerade wegen mangelnder Ausbildung im Bereich des Exorzismus zum Scheitern verurteilt und ein Ende der Pandemie wäre erst absehbar, wenn 120 Menschen erfolgreich den 15. Exorzismus-Kurs hinter sich gebracht haben. Immerhin gibt es noch zahlreiche Statuen, Spukhäuser und Menschen im Angesicht von Covid-19 zu exorzieren.

Fast scheint es ja, als habe sich die komplette Gewerkschaft der Personen, Orte und Gegenstände besetzenden Dämonen zusammengetan, um den Exorzismus-Kurs – der die neusten Erkenntnisse in Bezug auf rechtliche, kriminologische, pharmakologische, neurowissenschaftliche, medizinische, kanonische, liturgische, theologische, phänomenologische und anthropologische Aspekte vermitteln sollte – zu verhindern. Womöglich mochten sie aber auch nur die Speiseauswahl des inkludierten Mittagessens nicht.

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Kommentare (3)

Gerhard Baierlein (nicht überprüft)

Fr. 30 Okt 2020 - 12:46

Jeder noch so unsinnige Hokuspokus wird verwendet um Menschen zu verdummen und
Geld zu generieren, da ist den Teufelsaustreibern nichts heilig, wenn es nur geglaubt wird und Einfältige Menschen gibt es ja genug mit denen man sowas machen kenn.
Es lebe der Aberglaube!

Assia Harwazinski (nicht überprüft)

Di. 3 Nov 2020 - 10:09

Wunderbar zu lesender, erfrischend-ironischer, kluger Beitrag! Und dann noch dieses knuddelige süße Teufelchen in Gestalt eines kleinen Menschenaffen... wenn das nicht aufschlussreich ist...

Manfred Schleyer (nicht überprüft)

So. 8 Nov 2020 - 10:25

Um den Teufel, Dämonen und böse Geister loszuwerden, muss man nur Gott und seine Kirchen verlassen, und damit seine Vormunde, die solche Erfindungen anbieten und anbeten - zu ihrem eigenen Nutzen.

Hella Camargo

Jahrgang 1980, hat Germanistik und romanische Philologie studiert. Da sie in eine römisch-katholische Familie hineingeboren wurde und dreieinhalb Jahre auf einer katholischen Grundschule verbracht hat, war der Grundstein zum Atheismus früh gelegt. Heute baut sie lieber auf ihren Gerechtigkeitssinn als auf kirchliche Gebote.

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