Klimaschutz: Eine Frage der Weltanschauung
Das 1,5-Grad-Ziel droht zu scheitern. Mit diesem Fazit führt der jüngste Bericht des UN-Umweltprogramms abermals vor Augen, wie bedrohlich die Klimakrise für uns alle ist. Dennoch stoßen konkrete Maßnahmen in der Bevölkerung oft auf Widerstand. Eine neue Studie der Universitäten Bonn und Mannheim zeigt nun: Wer einer universalistischen Ethik folgt, ist eher bereit, persönliche Einschnitte für den Klimaschutz hinzunehmen.
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Eine Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau – dieses Ziel vereinbarten die Vereinten Nationen auf der Weltklimakonferenz 2015. Doch schon in den nächsten Jahren wird dieser Wert wohl überschritten. Davor warnt der aktuelle Bericht des UN-Umweltprogramms UNEP.
Die Prognosen zeichnen ein düsteres Bild: Bei einer Erwärmung von knapp unter 3 Grad könnte bis zum Jahr 2100 weltweit mehr als ein Viertel des Gletschereises abschmelzen, während der Meeresspiegel um 12,5 Zentimeter ansteigt. Die Vereinten Nationen warnen vor schweren Gesundheitsschäden sowie einer Verknappung von Lebensmitteln und Trinkwasser. Ohne wirksame Anpassungsmaßnahmen könnte die Weltproduktion von Lebensmitteln bis 2050 um 14 Prozent sinken. Mit jedem Zehntelgrad Erwärmung steigt zudem das Risiko von unumkehrbaren Kipppunkten. Und je höher der Anstieg und je länger er andauert, desto gravierender sind die Folgen.
Was noch zu retten ist
Dennoch ist es noch nicht zu spät, betonen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des UNEP. Ein Kurs von „Überschreitung, Höchststand und Rückgang“ der Temperaturen sei möglich, wenn die Welt rasche und nachhaltige Emissionssenkungen auf dem Weg zu Netto-Null umsetzt und zusätzlich Kohlendioxid aus der Atmosphäre entnimmt, etwa durch Aufforstung. Vor allem Länder mit einer größeren historischen Verantwortung seien nun gefordert. Sie sollten unverzüglich umfassende Maßnahmen ergreifen: „Diese Generation muss handeln, nicht erst die nächste“, heißt es in einer Kurzfassung des Papiers.
Der Bericht unterstreicht, wie schon frühere Warnungen von Klimaforschern, den Ernst und die Dringlichkeit der Lage für die gesamte Menschheit. Warum finden konkrete Maßnahmen wie eine CO2-Steuer so wenig Unterstützung in der Bevölkerung? Und weshalb fällt es vielen Menschen schwer, Einschnitte für den Klimaschutz hinzunehmen?
Ein bedeutender Faktor ist offenbar die moralische Überzeugung: Personen mit einer stärker universalistischen Ausrichtung – nach der moralische Verpflichtungen nicht nur gegenüber der eigenen Gruppe, sondern gegenüber allen Menschen gelten – sind eher bereit, ehrgeizige Klimaschutzmaßnahmen zu unterstützen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Untersuchung des EPoS Economic Research Centers der Universitäten Bonn und Mannheim. Die Forscher untersuchten darin, wie die moralische Ausrichtung von Menschen ihre Bereitschaft zu konkreten Klimamaßnahmen beeinflusst.
Entscheidend: die ethische Einstellung
In der Befragung unter rund 1.300 US-Amerikanern ordneten die Wissenschaftler die Teilnehmer auf einer Skala zwischen zwei moralischen Ausrichtungen ein: Universalismus und Partikularismus. „Für universalistisch denkende Menschen gelten moralische Pflichten für alle – nicht nur für diejenigen, die uns nahestehen, wie unsere Familie oder Nation. Am gegenüberliegenden Pol sind die sogenannten ‚Partikularisten‘. Sie geben der eigenen Gruppe moralisch eher den Vorrang“, erklärt Mitautor Prof. Florian Zimmermann.
Das Ergebnis – Universalisten neigen mit höherer Wahrscheinlichkeit dazu, ehrgeizige und einschneidende Klimamaßnahmen – wie eine CO2-Steuer oder Programme für grüne Infrastruktur – zu unterstützen. Es bleibt selbst dann bestehen, wenn man klassische Faktoren wie Einkommen, politische Einstellung und Sachwissen herausrechnet.
Partikularisten dagegen zeigen sich in der Umfrage erheblich weniger bereit, solche Maßnahmen mitzutragen. Als Begründung nennen sie überproportional häufig gruppen- oder ortsbezogene Argumente und priorisieren etwa Hilfen für das eigene Land gegenüber Menschen in anderen Regionen.
Zudem bestätigt die Untersuchung ein bereits bekanntes Muster, sagt Zimmermann weiter: Zwar gebe es eine hohe Zustimmung zum „Kampf gegen den Klimawandel“. Aber sie nehme ab, wenn es um konkrete Maßnahmen gehe. „Politische Entscheidungsträger sollten diese Kluft berücksichtigen“, betont der Forscher.
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