Britische Methodisten akzeptieren nun offiziell alle sexuellen Orientierungen

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Unter die neuen Beschlüsse, welche die Methodisten im Vereinigten Königreich auf einer Konferenz gefasst haben, fällt nicht nur das Verbot von Konversionstherapien, sondern auch die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare. Eheschließungen zwischen ihnen sollen von der Religionsgemeinschaft vollständig anerkannt werden.

Es scheint eine wahrlich frohe Botschaft zu sein: Mit 254 Ja- zu 46 Nein-Stimmen wurde am 30. Juni auf der Methodistenkonferenz in Birmingham für die Glaubensmitglieder im Vereinten Königreich eine Öffnung der Ehe auch für gleichgeschlechtliche Paare beschlossen.

In der historischen Entscheidung sprachen sich außerdem 29 der 30 Synoden für eine neuerliche Definition der Ehe aus. Demnach kann "die Ehe zwischen zwei beliebigen Personen stattfinden". Um konservativere Kreise der Gemeinschaft nicht zu verschrecken, kann jedoch die alte Definition als "Bund zwischen Mann und Frau" weiterhin parallel genutzt werden. Zusätzlich darf jeder Priester aus Gewissensgründen, wenn er der neuen Entscheidung skeptisch gegenübersteht, einer gleichgeschlechtlichen Eheschließung seinen Segen verweigern.

Dennoch ist ein solcher Schritt gerade einer ursprünglich sehr schriftgetreuen christlichen Gemeinschaft eine überraschend progressive Entscheidung. Denn die Methodisten entstammen einer studentischen Gruppe um John und Charles Wesley, welche ursprünglich durch eine enger an die Bibel angelehnte Glaubensauslegung auffielen, als es in den studentischen Kreisen des 18. Jahrhunderts üblich war.

Ebenfalls bemerkenswert ist ein weiterer Beschluss der Methodist Church of Great Britain: Konversionstherapien werden im Vereinigten Königreich ausnahmslos verboten. Folgerichtig scheint die Glaubensgemeinschaft erkannt zu haben, dass eine Ehe für alle auch eine Akzeptanz aller sexuellen Orientierungen voraussetzt. Daher gehört zu der Entscheidung auch ein Verbot aller Arten von Versuchen, auf die sexuelle Orientierung eines Menschen Einfluss zu nehmen. Selbst Gebete in eine derartige Richtung sind daher nun untersagt. Das Verbot soll außerdem ein politisches Zeichen an Premierminister Boris Johnson sein, welcher, mutmaßlich aufgrund des Drucks konservativer Christen, im April angedeutet hatte, Gebete und pastorale Begleitungen als "Konversionshilfe" doch weiterhin nicht offiziell verbieten zu wollen.

Mit den neuerlichen Beschlüssen ist die methodistische Kirche in Großbritannien nun die größte konfessionelle Gemeinschaft, die die Ehe für alle erlaubt. Die Kirchengemeinschaft mit circa 164.00 Mitgliedern und etwa 4.000 Kirchen ist die viertgrößte auf den britischen Inseln.

Die ersten gleichgeschlechtlichen Trauungen sollen übrigens schon im Herbst stattfinden. Ob weitere christliche Kirchenvereinigungen dem Beispiel der Methodisten folgen werden, ist allerdings nicht abzusehen. Im Vatikan beispielsweise ticken die Uhren bekanntlich etwas langsamer.

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