Essay
Der Protest auf Kosten der Demokratie und die Suche nach Antworten
Sachsen-Anhalt hat gewählt und der Schock sitzt tief. Die AfD zu wählen wird zwar keine Probleme lösen, sondern neue entstehen lassen. Doch die Trotz-Wahl wirft auch Fragen nach den echten Alternativen auf, die unzufriedenen Bürgern bleiben.
Foto: Christian Alexander Tietgen via Wikimedia Commons CC BY 4.0
Am Montag trat ein zerknirschter Bundeskanzler vor die Presse. „Wir haben es in dieser Form so nicht erwartet“, sagte er über das Wahlergebnis. Andere hingegen haben es genau so erwartet. Der tatsächliche Stimmenanteil der AfD hatte sich im Vergleich zu den Umfragen noch einmal erhöht. Ob es einen direkten Zusammenhang mit der Berufung von Jens Spahn gibt, für den Transparency International einen Untersuchungsausschuss zu seiner Amtsführung fordert, ausgerechnet in der Woche vor der Wahl und ausgerechnet in den Haushaltsausschuss, ist zwar nicht belegt, wäre aber wenig überraschend.
Das Festhalten an dieser Personalie zeigt unter dem Brennglas die Verkennung der Wirklichkeit durch die aktuelle Bundesregierung. Wenn man den unbeliebtesten Politiker Deutschlands trotz zahlreicher Verfehlungen immer wieder neu mit Ämtern dekoriert, darf man sich nicht wundern, wenn die Menschen Wut entwickeln auf eine „Elite“, die scheinbar keine Konsequenzen fürchten muss, während sie selbst entlassen werden können, wenn sie Essensreste von der Arbeit mitnehmen.
Merz wisse, „dass wir alle zusammen besser werden müssen. Und ich suche nach Wegen, wie wir das hinbekommen.“ – Man darf gespannt sein. Denn er selbst will schon einmal keine Konsequenzen ziehen und bleibt im Amt. Stattdessen will er die geplanten unbeliebten Reformen besser erklären. Dass es am Verständnis dieser Reformen mangelt, ist aber vielleicht ja gar nicht das Problem. Vielleicht haben die Menschen sehr genau verstanden, was die Regierung vorhat, und lehnen es ganz bewusst ab. Die Überheblichkeit, die dieser Aussage einmal mehr innewohnt, zeigt, wie wenig Merz als Teil des Problems in der Lage sein wird, es zu lösen.
Viel wurde in den letzten Wochen über die Gründe für den Erfolg der AfD gerätselt. So viel, dass es mehr darum ging, Gründe aufzuzählen, warum die AfD nicht gewählt werden sollte, als darum, welche konstruktiven Gegenvorschläge es gibt. Nach ihrer Regierungsübernahme im Bund wollte die unionsgeführte Regierung der AfD durch kompromisslose Einschränkung der Zuwanderung den Wind aus den Segeln nehmen. Dabei verlor sie zwei Dinge aus dem Blick: Erstens, dass nicht jede Migration pauschal unterbunden werden muss (etwa um den Fachkräftemangel auszugleichen oder bei Menschen eine Zusage einzuhalten, die unter persönlichem Risiko bereits in Afghanistan ihre Loyalität zum hiesigen Staat bewiesen haben), sondern einfach besser hingeschaut werden sollte. Und dass das diskursbeherrschende Thema Migration sowieso nur ein Symptom einer viel tiefer liegenden Ursache sein könnte.
Einkommensungleichheit gefährdet die Demokratie
Fremdenfeindlichkeit entsteht häufig dann, wenn Sündenböcke für bereits bestehende Probleme gesucht werden. Diese Probleme bauen sich seit der Corona-Pandemie und dem Ukraine-Krieg immer weiter auf: die massive Inflation der letzten Jahre, die es heutigen Generationen nicht mehr ermöglicht, das Lebensversprechen der Bundesrepublik einzulösen. Nämlich, durch Arbeit seinen Lebensunterhalt verdienen und sich im Laufe der Zeit ein Vermögen aufbauen zu können, mit dem man eine Immobilie erwerben und einen schönen Lebensabend verbringen kann. Stattdessen leben immer mehr Menschen von der Hand in den Mund, während gleichzeitig die gesellschaftliche Ungleichheit explodiert. Und das meiste Geld verdienen dabei nicht diejenigen, die die systemrelevanten Berufe ausüben.
Schon 2023 hat eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung ergeben, dass diese Einkommensungleichheit die Demokratie gefährdet. Einzelne Gruppen entfernten sich demnach vom demokratischen System, und diese Menschen haben jetzt gewählt. Wirtschaftliche Gründe werden also dem freiheitlichen Zusammenleben zum Verhängnis, da es im Vergleich nicht genug wertgeschätzt wird. Da schocken die überall hörbaren Warnungen nicht, wenn man für sich keinen Vorteil in der Demokratie sieht. „Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral“, heißt es in der „Dreigroschenoper“, geschrieben 1928, als schon einmal ein demokratisches System nicht dauerhaft von sich überzeugen konnte. Was folgte, wissen wir alle und das möchte niemand mehr, auch nicht die Wähler der AfD: Denn sie wollen gar nicht, dass die AfD regiert. Sie wollen damit hauptsächlich ihren Protest gegenüber der aktuellen Politik zum Ausdruck bringen: 87 Prozent der Wähler in Sachsen-Anhalt sind unzufrieden mit der Bundesregierung.
Die Wahl einer autoritären Partei ist eine gefährliche und kurzsichtige Methode des Widerstands. Doch erscheint sie den Menschen wirkungsvoller als vieles andere: Auch wenn es durch Petitionsplattformen und Soziale Medien niedrigschwelliger geworden ist, sich Gehör zu verschaffen, ist gleichzeitig die Bereitschaft der Adressaten, dies wahr- und ernstzunehmen, gesunken, vielleicht auch, weil es in dieser Flut schwierig geworden ist, sie noch zu überblicken. Ein Offener Brief in einer Tageszeitung hatte vor dem Internetzeitalter noch ein ganz anderes Gewicht. Wie soll man also denen, von denen man regiert wird, mitteilen, wenn man unzufrieden ist? Eine Möglichkeit wäre die Schaffung von Elementen direkter Demokratie, etwa über Bürgerräte und bundesweite Volksentscheide. Doch vor einem Dreivierteljahr hat die amtierende Bundesregierung die Stabsstelle für Bürgerräte im Bundestag aufgelöst. Ein Schritt in die entgegengesetzte Richtung.
Dass das Land einer Generalüberholung bedarf, steht außer Frage, schließlich hat sich viel geändert, seit in der Nachkriegszeit viele heute noch bestehende Strukturen festgelegt wurden. Der Altersaufbau hat sich beispielsweise verändert und die absolute Mehrheit der Konfessionsfreien in der Bevölkerung steht unmittelbar bevor. Dem muss Rechnung getragen werden, nur in welcher Form? Es hilft sicher nicht, wenn die schweigende Mehrheit von ihren gewählten Vertretern gemobbt wird, während sie das Land am Laufen hält: Sie arbeite nicht genug. Sie gehe zu oft zum Arzt. Sie bekomme zu wenige Kinder. Und während sie in der kalten Progression feststeckt und zivilisatorische Selbstverständlichkeiten (wie Wohnen) unbezahlbar werden, soll die Lösung dafür sein, dass man noch mehr für seine Medikamente zuzahlen soll (von denen viele sowieso gar nicht übernommen werden).
Die Bundesregierung meint jetzt, man müsse die Reformen nur entschlossener durchpeitschen. Ob es aber die falschen sein könnten, diese Frage möchte sich zumindest die Union jetzt offenbar nicht stellen, schließlich hat man ja schon Arbeit in die aktuellen Vorhaben gesteckt (Detailkritik zu einzelnen geplanten Maßnahmen lesen Sie hier). Eine Soforthilfe könnte eine Vermögenssteuer für Milliardäre sein, die im Vergleich zu Normalverdienern viel zu wenig Steuern bezahlen, da sie sie besser kleinrechnen können. Dass Menschen mit exorbitant zu viel Geld auf seltsame Machtfantasien kommen, sehen wir gerade in den USA. Es wäre also sowohl eine Schutzmaßnahme für die Demokratie als auch die Lösung vieler Finanzierungsprobleme. Man könnte sich wieder zukunftsweisenden Aufgaben zuwenden (wie der Anpassung an den Klimawandel). Zusätzlich könnte man verkrustete Verwaltungsstrukturen unter die Lupe nehmen, damit Vorhaben schneller umgesetzt werden können. Auch durch eine Abschaffung des Beamtenstandes und eine Zusammenführung der Krankenkassen stünden vorhandene Gelder der Allgemeinheit zur Verfügung, würden Doppelstrukturen abgebaut. Doch ob die Union imstande oder willens ist, ihre Klientelpolitik zugunsten echter Verbesserung und nicht zuletzt der Bewahrung der Demokratie aufzugeben, darf bezweifelt werden.
Kommentare (11)
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Eine treffende…
Eine treffende Zusammenfassung der momentanen politischen Lage in Deutschland.
Hoffen wir alle, dass es bald wieder bergauf geht.
Das Märchen von der " Trotz…
Das Märchen von der " Trotz-Wahl oder Protest-Wahl" wurde schon längst durch etliche Umfragen widerlegt.
Die Wähler der AfD stimmen mit den antidemokratischen und faschistischen Ansichten überein.
Besonders bei den männlichen Jungwähler kommt noch die Angst vor Feminismus dazu.
Können Sie vielleicht eine…
Können Sie vielleicht eine dieser Umfragen verlinken? Dass wirklich den antidemokratischen Ansichten zugestimmt wird, habe ich bisher nicht gesehen. Man sieht, dass Zuwanderung und innere Sicherheit von AfD-Wählern als wichtigste Themen angegeben werden. Aber per se ist das ja noch nicht antidemokratisch oder faschistisch.
Dann würden ich mich freuen,…
Dann würden ich mich freuen, wenn Sie ein paar dieser genannten Umfragen hier enstellen würden.
Ganz besonders würden mich aber die Belege interessieren, die nachweisen, dass die Wähler der AfD antidemokratische Faschisten wären.
Hpd vom 11.9.2026 Ja, der…
Hpd vom 11.9.2026
Ja, der Artikel beschreibt ausführlich die gegenwärtige Bedrohung, massive Bedrohung, des bisherigen friedlichen und zukunftsfrohen Lebens, hauptsächlich durch eine verfassungsfeindliche Partei, die wegen einer schwachen, nur an den Interessen der Vermögenden orientierten Regierung ein leichtes Spiel hat, Wahlen mit nahe an die absolute Mehrheit heranreichenden Ergebnissen zu gewinnen und bald die Macht zu übernehmen. Für viele Menschen stellt die gegenwärtige Politik mehr eine Bedrohung denn eine Beruhigung dar. Viele Menschen sehen kaum Hinweise auf eine Verbesserung der Lage, weder der persönlichen noch der gesamtpolitischen und –wirtschaftlichen Situation. Merz und Co sind unfähig, den Ernst der Lage zu erkennen, können noch nicht einmal die auffälligen Signale deuten, die aus einer deprimierten Bevölkerung an die Regierung via Wahlen geschickt werden. Ja, interessanterweise sind die meisten Abgeordneten sogar nicht in der Lage, ihre eigenen Interessen (z. B. ihren Landtags- / Bundestags-Abgeordneten-Sitz) zu verteidigen, geschweige denn, die Interessen der Wähler wahrzunehmen.
Ich bin kein Politprofi, aber warum stellen die nicht-faschistoiden, also die Parteien der Mitte, nicht Konzepte zur z.B. Behebung der Wohnungsnot, vor? Stattdessen lassen sie sich die Themen von den Rechten aufdrücken, anstatt eigene wichtige Themen zu propagieren und zum Erfolg zu führen!
In Berlin hat die Volt-Partei eine lange Mängelliste der Regierung als Plakat ausgehängt, die bräuchte man nur nach Prioritäten sortieren und abzuarbeiten, ohne auch nur eine Sekunde auf die Programme der faschistoiden Parteien zu schielen!
"Wir müssen ... besser…
"Wir müssen ... besser erklären!" heißt doch:
1. Wir machen weiter wie gehabt.
2. Wir erfinden neue Lügen, warum es notwendig sein soll, so weiter zu machen wie gehabt.
Höhere Steuern für wen auch immer lösen unsere Probleme nicht, wenn die Politiker munter die Steuergelder verplempern.
Die Migrationspolitik ist fehlgeleitet. Ein Blick in die Geschichte zeigt: Ob Hugenotten in Preussen, ob Wolgadeutsche in Russland oder Schwaben in Siebenbürgen: Immer haben die lokalen Herrscher auf die Zuwanderung gut gebildeter, arbeitswilliger Menschen gesetzt, die in eine schwach besiedelte Region geschickt wurden. Deswegen gab es nur wenige Konflikte mit den Einheimischen.
Deutschland setzt auf die Zuwanderung von Leuten, die im Vergleich zur hiesigen Bevölkerung unterdurchschnittlich gebildet sind. Schwach besiedelte Regionen gibt es heutzutage in Deutschland nicht mehr.
Besser gebildete Menschen (im Mittel) als bei uns findet man in Asien, Nordeuropa und Israel, aber nicht in muslimisch geprägten Ländern.
Die Vermischung von Asyl, Flucht vor Krieg und Arbeitsmigration ist kontraproduktiv. Dazu kommt, dass wir die Braven, Fleißigen wieder heim schicken und die Kriminellen und Faulen hier behalten. Wir betreiben bei der bestehenden Gesetzeslage eine Negativauslese unter den Zugewanderten.
Katrin Göring-Eckardt hat 2015 gesagt, sie freue sich darauf, dass Deutschland religiöser werden würde.
Da müssen doch bei Humanisten und Atheisten die Alarmglocken läuten! Wir wissen doch, dass die Kirchen stets eigennützig handeln. Aller Altruismus ist vorgetäuscht!
Es läuft ein weltweiter Krieg gegen die Aufklärung, gegen die Moderne, bei dem die ansonsten verfeindeten Religionsführer zusammenarbeiten. Der Schlachtruf dieser Anti-Aufklärungs-Krieger lautet:
"Religiöse Vielfalt bereichert uns!"
Im Saarland haben diese vereinten Anti-Aufklärungs-Krieger gerade einen großen Sieg errungen: Die Aufnahme eines Gottesbezuges in die Landesverfassung.
Ich denke an dem Artikel ist…
Ich denke an dem Artikel ist viel Wahres dran, aber gerade bei den Motiven der AfD-Wähler geht die Analyse zu kurz
- "sie (die AfD-Wähler) wollen wollen gar nicht, dass die AfD regiert": Der Fokus-Artikel spricht von 40% AfD-Wähler und "zwei Drittel der Deutschen", also 67%, die keine AfD-Regierung wollen.
Wenn 40% der Deutschen AfD wählen und 33% eine AfD-Regierung wollen, dann wollen also über 80% der AfD-Wähler eine AfD-Regierung. "nicht wollen" sieht für mich anders aus.
- "Fremdenfeindlichkeit entsteht häufig dann, wenn Sündenböcke ... gesucht werden": Ja, generelle Fremdenfeindlichkeit hat damit sicher auch zu tun. Aber wir reden dennoch von einer Einwanderung von 1 Million (!) Syrern, also Personen, die ich durchaus als "kulturfremd" bezeichnen würde. Unter anderem wegen der Sprache, anderer Religion/Religiosität, Kleidungsregeln und Essensregeln (die auch wieder mit der Religion zu tun haben),...
Und sie kamen nicht kontrolliert und nach Kompetenz als Arbeitskräfte ausgewählt, sondern unkontrolliert, ohne Filterung. Das ist also nicht nur "Sündenbock", sondern tatsächliche Angst vor unkontrollierter Veränderung. Die aber gleichzeitig nicht eine "Naturkatastrophe" war, bei der man nichts machen konnte.
Die Ironie dabei: Das Thema Einwanderung und deren Begrenzung war in Deutschland traditionell immer bei CDU/CSU angesiedelt. Also bei einer demokratischen Partei, egal wie man jetzt persönlich zu Einwanderung stand. In diesem Fall haben CDU/CSU das Thema aber der AfD überlassen, was meiner Meinung nach einer der Hauptgründe für das Erstarken der AfD war.
Ich denke also, dass die AfD selbst mit dem restlichen Versagen der meisten Parteien (Wohnungsbau, Demographie und damit einhergehend das Rentensystem wären da als erstes zu nennen) durchaus zu verhindern gewesen wäre. Zumindest in der aktuellen Stärke.
"Wenn 40% der Deutschen AfD…
"Wenn 40% der Deutschen AfD wählen und 33% eine
AfD-Regierung wollen, dann wollen also über 80% der
AfD-Wähler eine AfD-Regierung. 'nicht wollen' sieht
für mich anders aus."
Hier liegt ein Denk- und Rechenfehler vor: Es sind
nicht 33 von 40 (33 / 40 = 82,5 %), sondern 33 % von
40 % ([33/100] * [40/100] = 0,33 * 0,40 = 13,2 %).
Nein, der Denkfehler liegt…
Nein, der Denkfehler liegt bei Ihnen (Rechenfehler liegt bei uns beiden keiner vor): Im verlinkten Artikel von Fokus steht explizit "zwei Drittel der Deutschen lehnen eine von der AfD geführte Landesregierung ab". Also "der Deutschen", nicht "der AfD-Wähler". Von den CDU/SPD/Grünen usw -Wählern unter den Deutschen sind wahrscheinlich knapp über 0% für eine AfD-Landesregierung. Also rekrutieren sich die Befürworter einer AfD-Landesregierung fast nur aus AfD-Wählern. Damit ist mein Ansatz 33/40 = 82,5% korrekt.
Jetzt impliziert die Aussage "der Deutschen" aber natürlich auch, dass diese Zahl aus einer Umfrage in ganz Deutschland stammt, nicht nur aus Sachsen-Anhalt. Das führt natürlich auch zu Verzerrungen. Ist aber gar nicht so wichtig, weil wir das ganze auch abkürzen können: Bei der tagesschau findet man eine Umfrage vom Wahltag, wer die nächste Landesregierung führen soll. Und siehe da, von den AfD-Wählern sind 98% (!!!) für die AfD an Führung der Regierung. Anschauen kann man sich das zB hier: https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/analyse-landtagswahl-sachsen-anhalt-100.html
Damit sollte ja wohl endgültig klar sein, dass die These "AfD-Wähler wollen keine AfD-Regierung" vollkommen unhaltbar ist! Es sind keine Protestwähler, sie wollen die AfD an der Macht! Den Focus-Artikel hat laut Focus ein Experte (Meinungsforscher, Demoskopie-Experte) geschrieben´. Aber in dem Artikel hat er leider einen schlimmen, schlimmen Fehler gemacht. Und dieser Fehler sollte hier bei hpd nicht übernommen werden.
Wir können also feststellen:…
Wir können also feststellen:
Mit Schaum vorm Mund kann man zwar vom Blatt ablesen, aber nicht mehr richtig rechnen.
Wir haben bundesweit nicht 40% AfD-Wähler:innen, sondern ca. 28%.
Wenn sich die 40% auf Sachsen-Anhalt beziehen, könnte man die Zahlen überhaupt nicht in einen Topf werfen.
Es dürfte wohl gemeint gewesen sein, dass 40% der AfD-Wähler:innen keine AfD-Regierung wollen. Also 67% aller Deutschen nicht und selbst von den AfD-Wähler:innen 40 % nicht.
Nur so würde die ganze Rechnerei überhaupt Sinn ergeben.
Diese Zahlen vorausgesetzt, würden die 60 Prozent der derzeit ca. 28 Prozent gesamtdeutschen AfD-Wähler:innen, die eine solche Regierung befürworten, einen Anteil von 16,8 Prozent am bundesdeutschen Wahlvolk ausmachen.
33% Zustimmung von allen Deutschen zu einer AfD-geführten Landesregierung sind ja der maximal mögliche Wert.
Wobei hier korrekt nicht von Zustimmung, sondern von Nichtablehnung zu sprechen ist.
Inwieweit die 33% der Deutschen, die eine solche Landesregierung nicht ablehnen, sich nochmals in "Zustimmung", "unentschieden" und "Weiß nicht/keine Angabe" unterteilen, wurde oben nicht aufgeführt.
Fraglich ist hier einzig nur noch, wie sich die übrigen 16,2 der AfD-Nichtwähler:innen, die eine AfD-Regierung nicht ablehnen, auf die genannten Gruppen "Zustimmung", "unentschieden" und "Weiß nicht/keine Angabe" verteilen.
Zieht man wiederum die 98 Prozent Zustimmung der AfD-Wähler:innen vom Tagesschau-Diagramm zur Berechnung heran, käme eine AfD-Regierung (aus ihrer eigenen Wählerschaft heraus) auf einen Anteil von 27,44 Prozent Zustimmung in der Gesamtbevölkerung.
Ich kann Ihnen nicht ganz…
Ich kann Ihnen nicht ganz folgen, worauf Sie hinauswollen. Ja, ich hätte bei meiner Erklärung statt "AfD-Regierung zustimmen" lieber "AfD-Regierung nicht ablehnen" sagen sollen. Und ja, die 67% Ablehnung bei der der Bundes-Umfrage kann man nicht einfach auf nur Sachsan-Anhalt anwenden. Dass da eine Einschränkung existiert, hatte ich angemerkt.
Letztendlich entscheidend ist aber, dass die Hypothese des Focus-Artikels (AfD-Wähler wollen mehrheitlich keine AfD-Landesregierung), die auch hier in dem hpd-Artikel übernommen wurde, falsch ist. Spätestens die im Tagesschau-Artikel gezeigten 98% Befürwortung durch die AfD-Wähler belegen das. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass es da regionale Unterschiede gibt, also dass es in Westdeutschland mehr Protestwähler gibt, die also AfD wählen, aber keine Regierung mit ihnen haben wollen.
Aber zumindest in Sachsen-Anhalt handelt es sich um überzeugte Wähler, die eine AfD-Regierung wirklich wollen. Und damit muss man eben anders umgehen.