Extremisten im Parteiumfeld der Berliner Linken

Nach den jüngsten Skandalen im Wahlkampf rückt eine bisher kaum beachtete Personalie im Umfeld der Berliner Linken in den Fokus. Der propalästinensische Aktivist Ibrahim Ibrahim pflegt Verbindungen zur terroristischen PFLP und feierte öffentlich den verstorbenen Hamas-Führer Yahya Sinwar. Eine Rekonstruktion zeigt, wie extremistische Netzwerke gezielt im Umfeld der Partei mobilisieren.

rotes Rathaus

Nach den antisemitischen Ausfällen bei der Partei Die Linke in Berlin während des Wahlkampfes (der hpd berichtete) und Skandalen um die Teilnahme von Berliner Unterweltgrößen bei Wahlpartys der Partei gibt es eine Personalie, die bisher zu wenig beachtet wurde: der pro-palästinensische Aktivist und Unterstützer der PFLP (Volksfront zur Befreiung Palästinas), Ibrahim Ibrahim.

Der Unterstützer der PFLP, die von der EU und den USA als Terrororganisation gelistet wird, wurde nicht nur auf der Wahlparty der Linken gesichtet, sondern tauchte regelmäßig im Umfeld der Partei auf. Der Berliner Verfassungsschutz spricht im Zusammenhang mit der PFLP von „auslandsbezogenem Extremismus“. Ausdrücklich wird erwähnt, dass von der PFLP der Terror der Hamas begrüßt wird. Ibrahim ist nicht nur seit Jahren als Unterstützer der PFLP bekannt. Kontrovers ist auch eine von Medien dokumentierte Äußerung zu Yahya Sinwar, dem damaligen politischen und militärischen Führer der Hamas in Gaza: Ibrahim soll Sinwar nach dessen Tod im Oktober 2024 als „kämpfenden Märtyrerhelden“ gewürdigt haben.

Vermutlich, um einer Distanzierung durch die Partei zu entgehen – wie sie bei den Remmos versucht wurde – veröffentlichte Ibrahim nach der Wahl in Berlin auf Facebook eine „Dankes- und Glückwunschbotschaft“, in der die Rede davon ist, dass man stolz darauf sei, „bereits im vergangenen Jahr eine klare Entscheidung getroffen [zu] haben, Die Linke zu unterstützen. Wir haben daran gearbeitet, unsere Botschaft an die palästinensische und arabische Gemeinschaft sowie an unsere Freunde weiterzugeben.“ Für die geleistete Unterstützung scheint man nun eine Gegenleistung haben zu wollen und zeigt auch öffentlich, dass man sich nicht ohne wird abspeisen lassen. Die Geister, die sie rief, wird Die Linke in Berlin nun wohl nicht mehr so schnell los.

In einer weiteren auf Facebook veröffentlichten Erklärung im Namen des United Palestinian National Council in Berlin heißt es, „dass Mitglieder und Anhänger des United Palestinian National Council in Berlin ein aktiver Teil dieser Errungenschaft waren, indem sie an der Mobilisierung und Kommunikation mit den Wählern teilnahmen.“ In der Erklärung ist dabei mehrfach von den „fortschrittlichen Werten“ zu lesen, die man im Umfeld der Hamas jedoch eher nicht findet. Man erinnere sich: Die Hamas verbreitet in ihrer Charta die antisemitische Verschwörungserzählung von den „Protokollen der Weisen von Zion“ (Artikel 32) und ruft zur Gewalt gegen Juden auf (Artikel 7). Entgegen anderslautenden Behauptungen wurden diese Artikel auch nie widerrufen.

Immer wieder erleben wir im Umfeld der Partei Die Linke in Berlin eine Verquickung von extremistischen Akteuren aus dem Bereich des säkularen arabischen Nationalismus mit dem religiös-fundamentalistischen Nationalismus der Hamas. Auch kommt es immer wieder zu fragwürdigen Bündnissen und einer fehlenden klaren Abgrenzung. Die Causa Ibrahim Ibrahim veranschaulicht eindrücklich ein Muster: Während nach außen hin fortschrittliche Werte propagiert werden, duldet oder nutzt man im Wahlkampf Strömungen und Akteure, deren verfassungsfeindliche und antisemitische Positionen im tiefen Widerspruch zu jeglichem demokratischen Grundkonsens und linkem Selbstverständnis stehen. Solange die Berliner Linke hier eine lückenlose Selbstreinigung verweigert, setzt sie nicht nur ihre eigene Glaubwürdigkeit aufs Spiel, sondern riskiert, extremistische Netzwerke im politischen Raum salonfähig zu machen.

Kommentare (9)

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Klaus Wegener (nicht überprüft)

Fr. 2 Okt 2026 - 12:02

der hpd macht rechte Parteipolitik – klar, die Kampagne gegen die Linke ist ja auch noch nicht groß genug

Schon mal drüber nachgedacht, was passieren könnte, oder schon passiert ist: am Ende treffen sich beim hpd nur noch Rechte

Thomas Baader (nicht überprüft)

Fr. 2 Okt 2026 - 17:35

Antwort auf von Klaus Wegener (nicht überprüft)

Ach du lieber Gott! Jetzt ist die berechtige Warnung vor extremistischen Netzwerken in einer Partei also schon "rechts"!
Meinen Sie das ernst?

Jörn (nicht überprüft)

Fr. 2 Okt 2026 - 21:09

Antwort auf von Klaus Wegener (nicht überprüft)

Das ist diesmal leider keine "Kampagne". Antisemitismus macht sich schon seit längerem in der Linken breit, bisher eher hinter der Bühne, und das erfüllt mich mit Sorge, denn ich wähle immer links aber seit einiger Zeit fällt es mir immer schwerer, mich für diese Partei stark zu machen, da ich diesen judenfeindlichen (nein, das ist keine "Kritik an Israel" mehr, es geht nur zu oft weit darüber hinaus!) Kurs für verwerflich halte, grade für diese Partei. Ich muss gestehen, ich empfinde eine gewisse Befriedigung, wenn ich sehe, wie die Partei jetzt nach dem Wahlerfolg in Berlin mit diesem Dreck konfrontiert und in die Enge getrieben wird. Aber wahrscheinlich werde ich auch bei der nächsten Wahl trotzdem die Linke wählen. Es ist die einzige Partei, die an diesem System etwas ändern will, wärend der Rest weiter Kurs auf den Abgrund hält. Wäre allerdings schön, wenn sie sich den Umgang mit Antisemiten und Terroristenfreunden abgewöhnen würde.

Frank (nicht überprüft)

Fr. 2 Okt 2026 - 22:35

Antwort auf von Klaus Wegener (nicht überprüft)

Diese Kampagne hat das Ziel, eine progressive Alternative zum Rechtsdrift (siehe Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern) zu verhindern. Peinlich, dass der hpd sich an dieser Kampagne beteiligt. Dies hilt damit der AfD und einer sich nach rechtsaußen entwickelnden CDU.

Teile der Linken (besonders in Berlin und noch mehr in Neukölln) sind nicht progressiv. Sie sind zunehmend reaktionär und autoritär eingestellt und daher keine Alternative zu rechtsradikalen bis rechtsextremistischen AfD. Zur entsprechenden Aufklärung empfehle ich Ihnen Nicholas Potters Buch "Die neue autoritäre Linke: Eine akute Bedrohung für die demokratische Gesellschaft".

SG aus E (nicht überprüft)

Sa. 3 Okt 2026 - 08:50

Antwort auf von Klaus Wegener (nicht überprüft)

@ Klaus Wegener: Der 'hpd' beteiligt sich an der großangelegten Kampagne gegen die Berliner Linke? Ja, dem würde ich zustimmen. Aber ist das, weil der 'hpd' politisch rechts steht? Nicht unbedingt. Der 'hpd' kritisiert ja weniger die von der Linken beabsichtigte Regulierung des Immobilien- und Wohnungsmarktes (einschließlich Vergesellschaftung). Stein des Anstoßes ist m.E. neben der religionsfreundlichen Haltung des Wahlprogramms vor allem die palestinenserfreundliche Positionierung der Linken. Während alle anderen Parteien konsequent die deutsche Staatsräson der bedingungslosen Unterstützung der Sicherheitsinteressen Israels vertreten, betont die Berliner Linke die Gleichrangigkeit jüdischer und arabischer Interessen im Nahostkonflikt und gleichzeitig die Gleichwertigkeit jüdischen und arabischen Lebens in Berlin. Diese Gleichmacherei der Linken wiederum widerspricht dem Dogma der gelungenen Vergangenheitsbewältigung, das von allen anderen Parteien vertreten wird: nämlich, dass jüdisches Leben in Deutschland unter _besonderem_ Schutz stehen müsse.

Positiv hervorzuheben ist, dass der 'hpd' die Diskussion der Thematik im Kommentarbereich zulässt. Ist nicht selbstverständlich.

Sebastian Wolfertz (nicht überprüft)

So. 4 Okt 2026 - 10:07

Ja, es gibt Antisemiten im Umfeld der Linken.

Und es sind weniger als in einer CDU, in der der Kanzler Antisemitismus zu einer Form von Ausländerhass und damit Juden zu Nicht-Deutschen erklärt und niemand blinzelt. Die Linke setzt sich wenigstens aktiv mit dem Antisemitismus in den eigenen Reihen auseinander.

Das allein sollte schon klar machen dass die aktuellen Vorwürfe rein politisch motiviert sind. Ein in Deutschland leider weit verbreiteter und in allen Parteien vorhandener Antisemitismus wird zum großen Problem der Partei erklärt mit der man sich dank unseres Raubtier-Kapitalismus inhaltlich nicht erfolgreich auseinandersetzen kann. Stattdessen versucht man die AfD, die das Raubtier vollkommen entfesseln will, inhaltlich zu stellen. Söder schwafelt davon Berlin den Länderfinanzausgleich zu streichen, verliert aber kein Wort über Sachsen-Anhalt.

Und der Humanistische Pressedienst, in seiner verständlichen und wichtigen Vorsicht gegen Antisemitismus, stellt sich mit so einem Artikel auf die Seite jener die uns den arabische/muslimischen Antisemitismus als wichtigste Quelle eines leider viel weiter verbreiteten und leider noch immer sehr deutschen Judenhasses verkaufen wollen.

"Die Linke setzt sich wenigstens aktiv mit dem Antisemitismus in den eigenen Reihen auseinander."

Sie SETZTE sich bis zum Oktober 2023 gegen Antisemitismus ein, als Persönlichkeiten wie Gysi, Pau oder Ramelow den Diskurs bestimmten. Das hat sich seitdem gedreht, weil in Folge des Gazakrieges viele junge identitäspolitische Aktivisten sowie Unterstützer der Pälestinenser in die Partei eingetreten sind, die ihre Abneigung gegen Israel oder Juden kaum verbergen. Deswegen sind ja auch Klaus Lederer und der Antisemitismusbeauftragte des Landes Brandenburg Andreas Büttner aus der Partei ausgetreten.

Reichinnek, Pellmann, Schwerdtner und Pantisano verhalten sich sehr gehemmt, insbesondere wenn es um den zunehmenden Antisemitismus in der Jugendverband Linksjugend solid oder dem Berliner Landesverband geht. Sie wiegeln ab und kneifen vor einer Auseinandersetzung mit den radikalisierten Mitgliedern, weil sie fürchten, dass die Partei (und somit auch sie selber) wieder in der politischen Versenkung verschwinden könnten, in der sich die Partei in 2023 befand. Stattdessen lassen sie aktivistischen Schreihälsen und Bundestags-Schwänzern wie Cansın Köktürk den Diskurs bestimmen.

RPGNo1 (nicht überprüft)

Mo. 5 Okt 2026 - 19:15

Lesenswert!

"Fatale Geschichtsvergessenheit – Die Linke und der Antisemitismus

Klaus Lederer, ehemaliger Politiker der Partei »Die Linke« und aktuell Co-Sprecher der »Progressiven Linken e.V.«, zum dritten Jahrestag des Hamas-Massakers vom 7. Oktober 2023"

https://www.juedische-allgemeine.de/meinung/fatale-geschichtsvergessenheit-die-linke-und-der-antisemitismus/

Sebastian Schnelle

Der Autor ist promovierter Philosoph und betreibt den Podcast "vorpolitisch", in dem er sich mit gesellschaftspolitischen Fragen der Gegenwart beschäftigt und mit Gästen v.a. aus Wissenschaft und Forschung spricht. Er hat zum Islamismus geforscht und publiziert und arbeitet aktuell an einem Buch über die Neue Rechte in Deutschland und ihre Ideengeschichte.

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