In seiner ersten Enzyklika "Magnifica Humanitas" setzt sich Papst Leo XIV. unter anderem mit Künstlicher Intelligenz und den großen Tech-Konzernen auseinander. Differenziert und durchaus kenntnisreich kritisiert er die Konzentration von Macht und reflektiert mögliche Gefahren für unsere Gesellschaft. Doch auch er selbst – als Oberhaupt von 1,4 Milliarden katholischen Gläubigen – verfügt über enorme Macht. Im Folgenden sollen seine Argumente auf die absolutistische Theokratie der katholischen Kirche angewendet werden.
Leo XIV. und die Konzerne
Im Internet konzentriert sich Macht zunehmend auf wenige große Konzerne – ein Umstand, der auch Leo XIV. nicht entgangen ist:
"Im digitalen Bereich liegt die Kontrolle über Plattformen, Infrastrukturen, Daten und Rechenleistung in vielen Fällen nicht in der Hand der Staaten, sondern von großen wirtschaftlichen und technologischen Akteuren, die de facto die Zugangsbedingungen, die Regeln der Sichtbarkeit und die Möglichkeiten der Teilhabe selbst festlegen."
Ersetzt man in diesem Zitat "digitaler Bereich" durch "Weltanschauungen" und "technologische Akteure" durch "Religionsgemeinschaften" – etwa die katholische Kirche –, beschreibt Leo XIV. sehr anschaulich auch die Gefahren, die von organisierten Kirchen ausgehen können.
Sein Lösungsansatz lautet:
"Es bedarf angemessener rechtlicher Rahmenbedingungen, unabhängiger Aufsicht, Aufklärung der Nutzer und einer Politik, die sich nicht ihrer Aufgabe entzieht."
Dem kann man sowohl im Hinblick auf Soziale Medien als auch auf den Umgang mit sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche zustimmen.
Auch Leos Vorschläge zum Umgang mit Technologien klingen vernünftig:
"Es ist dringend erforderlich, einen Umgang mit Technologien zu fördern, der die innere Freiheit stärkt: Erziehung zu digitaler Zurückhaltung, Schutz von Minderjährigen und Bekämpfung von Modellen, die aus der Verletzlichkeit anderer Nutzen ziehen."
Aus humanistischer Sicht wären nur wenige Änderungen nötig, um diese Aussage auch auf Religionen anzuwenden:
Es ist dringend erforderlich, einen Umgang mit Religion zu fördern, der die innere Freiheit stärkt: Erziehung zu weltanschaulicher Neutralität, Schutz von Minderjährigen und Bekämpfung von Modellen, die aus der Verletzlichkeit anderer Nutzen ziehen.
Gerade bei Minderjährigen ist Schutz besonders wichtig. Während aktuell über ein Mindestalter für Soziale Medien diskutiert wird, bleibt der Schutz vor früher und intensiver religiöser Indoktrination – nicht nur in fundamentalistischen Gemeinschaften wie den Zeugen Jehovas – weitgehend unbeachtet.
Ein historisches "Erfolgsmodell" der katholischen Kirche bestand darin, Angst vor der Hölle zu erzeugen und darauf aufbauend Gehorsam gegenüber den Regeln der Kirche einzufordern. Auch wenn heute das mittelalterliche Bild der Hölle abgeschwächt wurde und stattdessen von "unüberbrückbarer Gottesferne" gesprochen wird, bleibt Angst ein wirksames Mittel, um Gläubige an die Institution zu binden.
Leo XIV. und die Moral
Leo XIV. warnt davor, dass wenige Akteure die Deutungshoheit über Moral gewinnen könnten:
"Andernfalls setzen diejenigen, die KI kontrollieren, ihre eigene moralische Auffassung durch, und diese wird zur unsichtbaren Infrastruktur der Systeme. Eine moralischere KI nützt nichts, wenn diese Moral von wenigen bestimmt wird."
Nun, da andere Akteure an gesellschaftlichem Einfluss gewinnen, erkennt er die Gefahr, wenn wenige Konzerne moralische Standards definieren und gesellschaftliche Normen prägen. Dass die katholische Kirche über Jahrhunderte hinweg ihre eigenen Moralvorstellungen – teilweise auch mit Gewalt – durchgesetzt hat, scheint dabei nicht reflektiert zu werden.
Leo XIV. und die Frauen
Dass Frauen weltweit noch immer nicht vollständig gleichgestellt sind, erkennt Leo XIV. ausdrücklich an:
"Dennoch ist es noch ein weiter Weg, bis die Rechte eines großen Teils, nämlich der Frauen, weltweit wirklich in gleicher Weise gewahrt sein werden."
Weiter schreibt er:
"Es reicht also nicht aus, mit Worten zu bekräftigen, dass Männer und Frauen die gleiche Würde und die gleichen Rechte haben; dies muss sich in konkreten Entscheidungen niederschlagen, in den Gesetzen, im Zugang zu Arbeit, Bildung, gesellschaftlichen und politischen Verantwortlichkeiten sowie in der Art, wie die Gesellschaft den Beitrag der Frauen wahrnimmt und wertschätzt." (Hervorhebungen durch den Autor)
Es wirkt befremdlich, dass hier ausdrücklich der Zugang zu Arbeit erwähnt wird, während das bestehende Berufsverbot für Frauen innerhalb der eigenen Kirche unerwähnt bleibt. In der katholischen Kirche haben Frauen weder die gleichen Rechte noch den gleichen Zugang zu kirchlichen Ämtern.
Man möchte ihm zurufen: Entscheiden Sie noch heute, dass Frauen Priesterinnen, Bischöfinnen oder sogar Päpstin werden können. Sie hätten die Macht dazu – und es wäre kein Machtmissbrauch, sondern längst überfälliger Machtgebrauch.
Von außen betrachtet wirkt es beinahe unverfroren, Missstände bei anderen Institutionen klar zu benennen, während vergleichbare Probleme innerhalb der eigenen Organisation ignoriert werden.







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