Der US-Bundesstaat Texas treibt die religiöse Prägung seines Bildungssystems weiter voran. Neben der Präsenz der Zehn Gebote in den Klassenzimmern gehört künftig auch die Bibel zum Pflichtstoff an öffentlichen Schulen.
Texas ist auf dem besten Weg, Religion immer stärker im staatlichen Bildungswesen zu verankern. Nachdem bereits ein Berufungsgericht entschieden hatte, dass die Zehn Gebote in jedem Klassenzimmer aufgehängt werden müssen (der hpd berichtete), folgt nun der nächste Schritt: Wie der Houston Chronicle berichtet, wird die Lektüre der Bibel an öffentlichen Schulen verpflichtender Bestandteil des Unterrichts.
Der von den Republikanern dominierte Bildungsausschuss verabschiedete mit neun zu fünf Stimmen neue Bildungsstandards für alle 5,5 Millionen Schülerinnen und Schüler an öffentlichen Schulen in Texas. Damit ist Texas bislang der einzige US-Bundesstaat, der die Lektüre religiöser Texte verbindlich vorschreibt und zum Prüfungsstoff erklärt. Künftig müssen Kinder und Jugendliche im Unterricht zahlreiche Bibelstellen und -geschichten analysieren – von David und Goliath sowie Daniel in der Löwengrube in der zweiten Klasse bis zum Buch Hiob in der zehnten Klasse.
Christliche Werte statt religiöser Vielfalt
Die Republikaner feiern die neuen Vorgaben als Sieg für jüdisch-christliche Werte und klassische Ideale. Nach ihrer Auffassung dient der verpflichtende Unterricht zu Jesus, Abraham und Mose nicht der Evangelisierung, sondern soll Kindern helfen, einen moralischen Kompass zu entwickeln.
Kritiker, darunter Lehrerverbände, werfen dem Gremium hingegen vor, Geschichte und Literatur aus einer einseitig christlich geprägten Perspektive zu vermitteln und dabei die ethnische und religiöse Vielfalt der Gesellschaft zu vernachlässigen. So sei beispielsweise ein Kurs über Weltkulturen gestrichen und die Unterrichtsinhalte zur Geschichte von Schwarzen, Hispanics und anderen Minderheiten deutlich reduziert worden.
Auch die Freedom From Religion Foundation übt scharfe Kritik. Deren Präsidentin Annie Laurie Gaylor erklärte: "Texas vermittelt Millionen von Kindern, dass eine Religion das Gütesiegel der Regierung verdient, während alle anderen nur eine Nebensache sind."
Mit den neuen Bildungsstandards setzt sich eine Entwicklung fort, die weit über den Religionsunterricht hinausreicht. Während historische und kulturelle Vielfalt im Lehrplan zurückgedrängt wird, erhalten christliche Inhalte einen immer größeren Stellenwert im staatlichen Schulwesen. Für Kritiker ist dies ein weiterer Schritt weg vom Prinzip der weltanschaulichen Neutralität des Staates und hin zu einem Bildungssystem, das eine religiöse Überzeugung privilegiert.







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