Rezensionen

"Die Grenzen der Toleranz" – der neue Michael Schmidt-Salomon

Der Philosoph und Publizist Michael Schmidt-Salomon legt mit "Die Grenzen der Toleranz. Warum wir die offene Gesellschaft verteidigen müssen" einen Kommentar zur aktuellen Islam-Debatte vor, welcher aber auch Grundsatzfragen für eine offene Gesellschaft erörtert. Der Autor nimmt dabei eine differenzierte Position ein und plädiert für eine rational entwickelte Auffassung von Toleranz, womit man es zwar nicht mit einem hochphilosophischen Buch, aber einem beachtenswerten Debattenbeitrag zu tun hat.

Ein Pfarrer verbrennt sich

Ein ungewöhnliches Buch über den "Fall Brüsewitz" liegt vor. Es ist mit fast 700 Seiten trotz leserunfreundlicher kleiner Schrift auch außerordentlich dick, geschrieben mit einer eigenwilligen Sicht auf die DDR und ihre Kirchengeschichte, entwickelt aus der Mehrseitenbetrachtung der historischen Realität, die akribisch erkundet wird.

Die Logik terroristischer Anschläge

Die beiden Sozialwissenschaftler Michael Fischer und Robert Pelzer legen mit "Die Logik des Anschlags. Zur Zielwahl dschihadistischer Terroristen in Europa" auf Basis von Fallstudien und einem Planspielverfahren eine Analyse zum Thema vor. Dabei nehmen sie auch eine für die Präventionsarbeit bedeutsame Perspektive ein, die nicht mehr nach den Gründen für den Gewaltakt an sich, sondern nach dessen konkreter Umsetzung fragt.

Pegida als Spiegel und Projektionsfläche – ein Sammelband

Der von dem Soziologen Tino Heim herausgegebene Sammelband "Pegida als Spiegel und Projektionsfläche" enthält Beiträge, die Relationen und Wechselwirkungen von Pegida zu anderen Akteuren und Institutionen untersuchen wollen. Die dabei genutzten Analyseansätze machen den Erkenntniswert des Bandes aus, können sie doch auch auf andere Phänomen wie die AfD angewandt werden; kritikwürdig wird es immer dann, wenn weniger analysiert und mehr ideologisiert wird.

"Die Grenzen der Toleranz"

"Verhindere, was nicht zu tolerieren ist; schwäche, was nur zu tolerieren ist und stärke, was zu akzeptieren ist!" Michael Schmidt-Salomon beschreibt – wie immer tiefgründig, knapp und klar -, worauf es im Zeitalter des "Empörialismus", des "Sich-Verschließens", des Neokonservativismus und Neonationalismus ankommt: Auf das Verstehen des Begriffes Toleranz in seinen verschiedenen Aspekten und auf den daraus abzuleitenden Umgang mit Konflikten in sozialen Systemen sowie auch auf die Verteidigung einer - nicht zuletzt auf Toleranz und Akzeptanz beruhenden - offenen Gesellschaft durch Rationalität hin zu Freiheit, Gleichheit, Individualität und Säkularität!

"Das möchte ich niemals erleben"

Ein Buch, welches auf seinem Einband auf ein Vorwort von Karl Lauterbach verweist, macht neugierig: Professor Lauterbach, Arzt und Krebsspezialist und Gesundheitsexperte der SPD im Bundestag. Das Buch "Patient ohne Verfügung" des Palliativmediziners Matthias Thöns enttäuscht dann auch nicht, nein es nimmt einen sofort gefangen. Man liest es wie im Rausch.

Die Hälfte des Planeten als Naturschutzgebiet

Der berühmte Biologe Edward O Wilson legt in seinem Buch "Die Hälfte der Erde. Ein Planet kämpft um sein Leben" eine Problemskizze zum Aussterben der Arten vor und leitet daraus ein Plädoyer für die Hälfte des Planeten als Naturschutzgebiet ab. Das Alterswerk macht berechtigt auf Gefahren für die Biosphäre des Menschen aufmerksam, was allerdings ein wenig sprunghaft und unsystematisch geschieht.

Fragmentarische Darstellung zum NS-Chefideologen

Der Journalist und Publizist Volker Koop legt mit "Alfred Rosenberg. Der Wegbereiter des Holocaust. Eine Biographie" eine Darstellung zu dem früheren NS-Chefideologen vor. Er liefert einige neuere Erkenntnis auch auf Basis der Tagebücher, gleichwohl wirkt sein Buch etwas fragmentarisch und bezogen auf die Bedeutung Rosenbergs für Ideologie und Politik auch ein wenig widersprüchlich.

Die Stadt - Neue Heimat für Dachs und Igel

Hyänen streunen neuerdings öfter durch die Straßen von Addis Abeba. Pumas wurden in den Vorgärten von Los Angeles gesichtet. Leoparden sehen sich in Mumbay um. Wir sind längst nicht mehr unter uns in den Städten. Die "Landflucht der Wildtiere" beschäftigt Sebastian Lotzkat. In seinem jüngsten Buch macht er klar: Ausgelöst haben wir sie selbst.