Innovatives Führungskonzept im 21. Jahrhundert

"Wir-Intelligenz"

Nicht wenige behaupten, dass zur Zeit enorm viele Umbrüche in wirtschaftlicher, politischer und sozio-kultureller Hinsicht zu verzeichnen sind. Phänomene wie Globalisierung, demographischer Wandel, technologische Innovationen und daraus resultierende Rationalisierungsprozesse charakterisieren die steigende Komplexität im 21. Jahrhundert. Mit ihrem Buch "We-Q" versucht die Autorin und erfolgreiche Unternehmerin, Nicole Brandes, die Dringlichkeit neuer, innovativer Führungskonzepte für Unternehmen zu unterstreichen. Um dabei der zu konstatierenden, multidimensionalen Komplexitätssteigerung entgegenzutreten, empfiehlt Brandes die Schaffung von Rahmenbedingungen, welche die Klugheit des Kollektivs, die sogenannte "Wir-Intelligenz", voll ausschöpfen.

Der Aufbau des Buches lässt dabei grundsätzlich einen roten Faden erkennen und unterstützt das inhaltliche Verständnis. Zunächst beschreibt die Autorin die derzeit stattfindenden Entwicklungen in ökonomischer, politischer und sozialer Dimension und die sich daraus ergebenden, neuen Anforderungen für eine erfolgreiche Unternehmensführung. Brandes macht dabei außerordentlich häufig Gebrauch von Metaphern und Beispielen, was den Sachverhalt komplexer Problemzusammenhänge deutlich vereinfacht. Allerdings ist die enorm hohe Anzahl an Anekdoten aus ihrem persönlichen Leben teilweise auch überflüssig und eher lästig.

Des Weiteren wird deutlich, dass das Festhalten an anachronistischen, hierarchischen Führungskonzepten weder gewinnbringend für einzelne Unternehmen, noch für gesamte Volkswirtschaften ist. Deshalb verliere Europa als Wirtschaftsraum ohne existenzielle Veränderungen zukünftig den Anschluss an Länder wie beispielsweise China. Die Autorin empfiehlt daher ein offenes Organisations- bzw. Unternehmensverständnis, welches die Organisationsumwelt zunehmend in den Fokus der Betrachtung rückt. Unternehmensentscheidungen sollten ihrer Ansicht nach nicht mehr nach dem "top-down Modell", sondern vielmehr nach dem "bottom-up Modell" getroffen werden, bei dem besonders Konsumenten und Mitarbeiter in den Entscheidungsprozess mit eingebunden werden. Diese kollektive Intelligenz garantiere Unternehmen auch zukünftig wirtschaftlichen Erfolg.

Neben diesen ökonomischen, effizienzorientierten Aspekten betont Brandes ebenfalls die Wichtigkeit von emotionalen und sozialen Kompetenzen. Demnach sollen passende Rahmenbedingen geschaffen werden, damit sich Mitarbeiter mit ihren Unternehmen besser identifizieren und damit auch eine persönliche Sinnstiftung für ihr eigenes Leben erfahren können. Das bedeutet allerdings nicht, dass die individuelle Identität lediglich durch die Berufsrolle konstituiert werden soll, sondern eher, dass eine gemeinsame, unternehmensinterne Wertebasis auch förderlich für das private Wohlbefinden der Individuen sein kann.

Insgesamt gelingt es Brandes also aktuelle Entwicklungen in den verschiedensten Bereichen der Gesellschaft des 21. Jahrhunderts zu erkennen und notwendige Änderungen in Führungskonzeptionen von Unternehmen zu verdeutlichen. Das Herunterbrechen von komplizierten Sachverhalten erleichtert zwar den Lesefluss und das Verständnis, allerdings werden an gewissen Stellen bestimmte Zusammenhänge zu vereinfacht dargestellt, gerade zum Ende des Buches hin, als Brandes versucht sich mit philosophischen Fragen und psychologischen Themen auseinanderzusetzen. Nichtsdestotrotz öffnen viele Beispiele und Graphiken das Buch für ein breites Leserpublikum, welches keinerlei ökonomische Vorkenntnisse mitbringen muss.

Nicole Brandes, WE-Q: Wir-Intelligenz - Warum wir ohne sie untergehen und mit ihr wirklich erfolgreich werden, Europa Verlag, 2016, 19,99 Euro