Die vollmundigen Versprechen von Bundeswirtschaftsministerin Reiche bei der Publikation der Eckpunkte, auf die sich die Regierungskoalition im Februar einigte, stehen in krassem Widerspruch zur Realität des nun von ihr vorgestellten Gesetzentwurfes. Renate Bernhard stellt Kritiker vor und nimmt Reiches Versprechen unter die Lupe.
"Wir haben Wort gehalten, das Habecksche Heizungsgesetz wird abgeschafft. Für alle Eigentümer gilt künftig: freie Heizungswahl. (…) Wir setzen auf Vernunft, Freiheit und Tempo statt Verbote. Damit lösen wir den Investitionsstau auf und bringen die Modernisierung unserer Gebäude wieder in Gang. Das schafft Vertrauen und Sicherheit für die Menschen in Deutschland und stärkt unser Handwerk."
So feierte Katherina Reiche (CDU) am 24. Februar die "Einigung von CDU und SPD" auf Eckpunkte für ein neues "Gebäudemodernisierungsgesetz".
Tatsächlich gab es dann aber gleich von jedem der beiden Koalitionäre eine eigene Zusammenfassung dieser Einigung (SPD-Version/Unions-Version). Für eine wirkliche Einigung hätte wohl ein Papier gereicht.
Am 13. Mai stellte die Bundeswirtschaftsministerin dann den Entwurf ihres "Gebäudemodernisierungsgesetzes" (GModG) vor.
Wo hat sie da eigentlich wirklich Wort gehalten?
"Wir haben Wort gehalten, das Habecksche Heizungsgesetz wird abgeschafft."
Schon in diesem Satz steckt eine begriffliche Ungenauigkeit. Tatsächlich gibt es kein Gesetz dieses Namens. Gemeint sind die Paragrafen 71 und 72 des Gebäude-Energiegesetzes (GEG). Diese Novelle ihres grünen Vorgängers Robert Habeck will Reiche einstampfen und dazu noch einiges mehr – sofern das denn tatsächlich so durchkommt: Bekanntlich kommt kein Gesetzentwurf aus dem Bundestag so heraus, wie er hereingeht.
Die Schar der Kritiker ist immens. Und am Ende braucht es noch die Zustimmung vom Bundesrat. Dass Reiche darauf zählen kann, ist nach der Energieministerkonferenz vom 22. Mai nicht gesichert: Parteiübergreifend haben alle Energieminister der Bundesländer in seltener Einigkeit Nachbesserungen gefordert, etwa für ein "nachhaltiges Energiesystem", "Windenergie an Land als wichtiger Faktor", "Netzausbau, bedarfsgerecht und effizient", eine "bezahlbare Energiewende – sozial gerecht und fair für Mieter von Wohn- und Gewerberaum."
An all dem mangelt es, denn alle von der CDU-Bundeswirtschaftsministerin angestoßenen Gesetzesinitiativen bremsen den Ausbau der Erneuerbaren aus.
"Für alle Eigentümer gilt künftig: freie Heizungswahl"
"Freie Heizungswahl" galt bislang auch schon. Es gab nur eine Anforderung an die zu verfeuernden Energieträger. Ab Fertigstellung der kommunalen Wärmeplanungen, was bis Juni 2026 abgeschlossen sein sollte, war bestimmt: neu einzubauende Heizkessel sollten zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energieträgern betrieben werden. Ein Erneuerbaren-Gebot gibt es jetzt auch bei Reiche, also auch hier gibt es keine ganz "freie Heizungswahl": Ihre sogenannte "Biotreppe" soll allerdings erst 2029, also nach der aktuellen Legislatur, beginnen – mit 10 Prozent.
"Wir setzen auf Vernunft, Freiheit und Tempo statt Verbote."
Wer auf "Vernunft" setzt, wird im Angesicht von steigenden Gas-/Öl- und CO2-Preisen, im Wissen um begrenzte Ressourcen und massiv fortschreitenden Klimawandel sicherlich nicht weiter auf fossiles Heizen setzen.
Die "Freiheit", die hier versprochen wird, ist tatsächlich die, in eine Kostenfalle laufen zu dürfen. In ihrem "Gebäudemodernisierungsgesetz" schreibt die Bundeswirtschaftsministerin vor, dass fossilem Öl und Gas künftig Biokraftstoffe beigemischt werden sollen – bei Gas auch Wasserstoff. All das ist aktuell kaum verfügbar. Zudem steht es in Konkurrenz zu Ernährung und Biodiversität – im Fall von Wasserstoff auch in Konkurrenz zur Industrie, die den Stoff dringend braucht. Und Rares ist bekanntlich teuer…
"Tempo" wird mit dieser Politik auch nicht erzeugt. Sie verunsichert unter anderem auch die Wärmeplanung von Städten, die diese zum Teil schon länger abgeschlossen haben. So steht etwa in der schon seit Frühjahr 2025 fertigen Wärmeplanung der Stadt Solingen, dass auf circa 80 Prozent der Fläche der bergischen Stadt, wo jetzt noch Gasheizungen die Häuser heizen, zukünftig Erd- und Luft-Wärmepumpen diese Aufgabe erledigen sollen. Gasleitungen werden also in all diesen Bereichen nach und nach obsolet. Mannheim, Augsburg, Hannover, Würzburg, München und Regensburg haben schon jetzt verkündet, bis 2045 ihre Gasnetze komplett stillzulegen. Wie sollen diese Städte jetzt mit Reiches Kehrtwende zurück zum Gas umgehen? Gaskessel halten schließlich oft mehr als 20 Jahre. Wie sollen die Netze instand gehalten werden, wenn Kunden schwinden, die Entgelte auf weniger Schultern verteilt werden. Ein Domino-Effekt ist hier vorprogrammiert. Und wie soll das Gas in die Kessel kommen, wenn das Netz abgebaut wird?
"Damit lösen wir den Investitionsstau auf und bringen die Modernisierung unserer Gebäude wieder in Gang"
Die "Modernisierung" ist schon im Gang. Einen "Investitionsstau" gab es nur kurzfristig. 2023, das Jahr, in dem die Ampel-Regierung am 23. September ihre Novelle des Gebäude-Energiegesetzes (GEG) verabschiedete, war bisheriges Rekordjahr mit 356.000 verkauften Heizungswärmepumpen, 51 Prozent Zuwachs gegenüber 2022.
2024, durch den von Bild, FDP und CDU – damals noch in der Opposition – angezettelten Heizungsstreit, gab es durch die damit einhergehende Verunsicherung einen kurzfristigen Rückgang: 193.000 Wärmepumpen wurden verkauft, minus 46 Prozent gegenüber 2023. 2025 hat sich der Wärmepumpenmarkt wieder erholt. Der Absatz stieg um 55 Prozent auf rund 299.000 Geräte, während der Absatz von Öl- und Gasheizungen um 74 Prozent und 36 Prozent zurückging und die Heizungsbranche im Januar 2026 an Reiche appellierte, klare Regeln zu erlassen und nicht erneut mit Verunsicherungen Chaos zu verursachen, was sie aber mit ihrem Gebäudemodernisierungsgesetz tatsächlich tut.1 2025 war Deutschland Europas drittgrößter Abnehmer für Wärmepumpen. Im 1. Quartal 2026 meldete der Bundesverband Wärmepumpe mit circa 575.000 verkauften Geräten in elf europäischen Ländern 17 Prozent Anstieg im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2025. Spitzenreiter Frankreich, Polen und Deutschland hatten sogar ein Wachstum von durchschnittlich 25 Prozent.
"Das schafft Vertrauen und Sicherheit für die Menschen in Deutschland und stärkt unser Handwerk."
So eine Politik stärkt weder die vielen hoch verschuldeten Kommunen, noch das "Vertrauen" der Bürger, noch das "Handwerk". Und welches Handwerk wird hier adressiert? Laut Bundesverband Wärmepumpe beschäftigt die Branche, die Reiche mit ihrer Reanimationspolitik für Gas- und Ölheizungen bedroht, 25.000 Personen, die 2025 einen Jahresumsatz von rund 2,5 Milliarden Euro erwirtschafteten.
Zur "Sicherheit", etwa die der Energie-Versorgung, reicht ein Blick auf die Straße von Hormus. Der Krieg dort macht die Importabhängigkeit von Gas- und Öllieferanten, also Potentaten in Russland, Dissidenten-Mördern in Saudi-Arabien oder Trumps Fracking-Gas mit dessen eratischer Zollpolitik, mehr als deutlich. Vom größten Sicherheitsrisiko – dem voranschreitenden Klimawandel, der nur noch schlimmer wird, je weniger wir gegensteuern – ganz zu schweigen.
Kritik an der Politik der CDU- Bundeswirtschaftsministerin
Entsprechend reißt die Kritik an der Politik dieser CDU- Bundeswirtschaftsministerin nicht ab: Am 9. Mai hatten bereits 80.000 Menschen in Köln, München, Berlin und Hamburg gegen Reiches Anti-Erneuerbaren-Politik demonstriert. In Hamm, wo sie mehrere ihrer insgesamt 40 geplanten Gaskraftwerke bauen will, gab es ein Klimacamp mit weiteren 5.000 Demonstranten. Die größte von diversen Online-Petitionen gegen diese Politik zählt inzwischen fast 700.000 Unterzeichner.
"Die Anstalt" hat Reiche gerade eine ganze Sendung gewidmet, inklusive ausführlicher begleitender Faktenchecks. Auch zum Heizungsstreit hatte sie die Hintergründe schon sehr genau beleuchtet.2
Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel mahnte zum 40-jährigen Jubiläum des Bundesumweltministeriums vor Rückschritten im Klimaschutz: "Klimawandel bleibt eine Überlebensfrage der Menschheit", sagte sie und räumte Versäumnisse ihrer eigenen Regierungszeit ein, in der Katherina Reiche zwischen 2009 und 2013 Staatssekretärin im Bundesumweltministerium war, federführend für die Energiewende zuständig. Hans-Josef Fell, Mitautor des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) sagt rückblickend, Reiche habe damals den Niedergang der deutschen Solarwirtschaft mitverantwortet.
Selbst die KlimaUnion hält Reiches Gebäude-Modernisierungsgesetz nach einem Gutachten für verfassungswidrig.
Der Protest ist nicht nur politisch, sondern mannigfaltig wissenschaftlich fundiert, unter anderem durch den Expertenrat für Klimafragen. Der hat am 18. Mai festgestellt: die angestrebten Klimaziele sind mit der aktuellen Politik der Bundesregierung nicht erreichbar. Bis 2030 klafft eine Klimaschutzlücke von 60 bis 100 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten. Das entspricht der Menge an CO2, die beim Heizen und Stromverbrauch aller Gebäude in Deutschland in einem Jahr entsteht. Das Klimaschutzprogramm müsse nachgebessert werden, verlangen die Experten. Größte Probleme: Gebäude und Verkehr.
Die Deutsche Umwelthilfe hat daher jetzt gerichtliche Zwangsmaßnahmen gegen die Regierung beantragt.
Und sogar die Bild-Zeitung stellte Reiche ein "mieses Zeugnis" aus. Sie zitierte am 14. Mai Lutz Göbel, den Chef des Normenkontrollrates: Reiches Entwurf sei "eins der handwerklich schwächsten und praxisfernsten Vorhaben, die dem Nationalen Normenkontrollrat in den vergangenen Jahren vorgelegt wurden".
1 Dieser Absatz wurde am 11.06.2026 um 14:00 Uhr erweitert.
2 Dieser Satz wurde am 11.06.2026 um 14:00 Uhr ergänzt.







12 Kommentare
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Kommentare
Petra Pausch am Permanenter Link
Das passiert, wenn man eine gnadenlose Lobbyistin, der das Volk egal und die Dividende der Gas- und Ölkonzerne wichtig sind, zur Ministerin macht.
W. v. Sulecki am Permanenter Link
Die Geschichte wird vom "Reiche-Effekt" sprechen wenn später einmal feststeht wodurch der deutsche Beitrag zur Reduzierung der Erd-Erwärmung verringert & dann verhindert wurde ....
Sie haben richtig gewählt, denn Frau Reiche läßt sich weder von Fachorganisationen noch von Wissenschaftlern davon abbringen den Auftrag, die "Fossilen" um jeden Preis zu bewahren, und die "Eneuerbaren" auszubremsen, zu erfüllen.
Herr Merz hätte es besser wissen können, denn sie hat ja schon unter Altmeier geholfen die Solarindustrie - in der Deutschland einst führend war! - zu zerstören.
Das kommt davon wenn man unzureichend gebildete Personen mit komplexen Aufgaben betraut ... ich frage mich jedesmal WER hat diese Niete mit einem akademischen Titel ausgestattet?
Fslk am Permanenter Link
So etwas Tendenziöses und Voreingenommenes hätte ich beim hpd nicht erwartet.
Schaut man/frau sich die Ziele der Energiewende nüchtern an und bewertet sie äußerst optimistisch als erreichbar, dann darf man/frau als nächsten Schritt bei der Umsetzung die Zielpfade gerne auch begehen.
Wer das tut, stellt sehr schnell fest (sofern er/sie rechnen kann), dass der größte Engpass (unabhängig von den Kosten - den Punkt lassen wir mal ebenso optimistisch beiseite) die benötigten massiven Langzeitspeicher sein werden. Wir sprechen hier von über 100 TWh (!). Nach heutigem Wissensstand, kommen dafür hauptsächlich Wasserstoff und synthetische Gase in Frage. Die Autorin darf mir gerne erklären, wie sie diese Energie ohne Gaskraftwerke in Strom zurückwandeln will (allein mit Brennstoffzellen wird das jedenfalls nicht funktionieren).
Wenn man/frau also in der Analyse diese Pfade identifiziert, dann halte ich es für äußerst sinnvoll, sie so zu begehen, wie Frau Reiche es gerade tut.
Ich dachte, diese Plattform sei über bloße Sprechblasen und Populismus hinaus!
W. von Sulecki am Permanenter Link
Wenn Sie sich tatsächlich informiert hätten wüßten Sie von den Batterie- Speichern die seit mehr als 10 Jahren bereits mit großem Erfolg in Japan und Skandinavien betrieben werden.
Hier bei uns wurde zwar "Netzentgelt" eingetrieben jedoch für andere Zwecke - unter Vernachlässigung des vermeintlichen Zwecks - verbraten. Vorstandsbezüge?
Die Energie-Mafia (Beispiel EnBW) arbeitet selbst im Stillen bereits daran Batterie-Speicher-Kapazitäten zu schaffen - da entsteht der Verdacht, daß man Fakten bewirken will um die Netze zu ersetzen und sich weiter als Oligopol zu halten und die Kunden in gewohnter Weise zu schröpfen ....
Fslk am Permanenter Link
Vielen Dank für Ihre Antwort,
sie gibt mir Gelegenheit, das Batteriethema näher zu beleuchten:
In Deutschland sind bereits Batterien mit einer Kapazität von ca. 26GWh installiert. Wir werden große Anstrengungen unternehmen müssen, um hoffentlich auf die angestrebten 800 GWh bis 2045 zu kommen. Ich bin zuversichtlich, dass wir das schaffen - ein Ansatz könnte sein, dass man große Wind- und Solarparks verpflichtet gleichzeitig auch Batterien netzdienlich anzuschließen. Mit dieser dann installierten Kapazität könnten wir das Netz ungefähr 7 Stunden Speisen (vorausgesetzt, all diese kleinen Heimspeicher werden netzdienlich gemacht, also auch von den Netzbetreibern steuerbar). Nehmen wir an, dass immer ein bisschen Wind weht, schaffen wir vielleicht sogar 9 Stunden (und hier ist schon berücksichtigt, dass wir unseren Energiebedarf bis 2045 etwa halbieren).
Jedem, der sich mit der Materie befasst ist klar, dass Batterien lediglich als Kurzzeitspeicher in Frage kommen. Der größte geplante Batteriespeicher der Welt wird übrigens in Abu Dhabi realisiert und hat eine Kapazität von 19 GWh (0,019 TWh).
800 GWh sind im übrigen 0,8 TWh. Die Hochrechnungen (und rechnen kann man auch unabhängig von den großen "bösen" Konzernen) deuten auf einen Bedarf an Langzeitspeicher von über 100 TWh hin.
Ich wünsche mir sehr, dass die Energiewende gelingt. Dafür müssen wir die Realitäten im Blick behalten. Ihr Vorschlag, Batterien als Langzeitspeicher im nötigen Ausmaß einzusetzen scheint dafür nicht geeignet.
Haben wir bis hier Konsens oder habe ich irgendwo einen Fehler in meiner Betrachtung? Sind meine Zahlen von der Größenordnung richtig? Habe ich eine technologische Entwicklung übersehen?
W. von Sulecki am Permanenter Link
Sie übersehen dabei die Tatsache, daß es nicht um eine General-Versorgung [oder Vollversorgung] mittels Batterien gehen soll, sondern die Versorgung zu Zeiten in denen wenig bis kein Strom aus Erneuerbaren fließen wir
Große Batterie-Speicheranlagen könnten also anstatt der geplanten zusätzlichen Kraftwerke liefern was fehlt und bei mehr Zubau schließlich in der Zukunft diese komplett ersetzen.
Das kann man ohne komplexe Berechnungen mit 'gesundem Menschenverstand' aus den bereits laufenden Versorgungen in einigen unserer EU-Nachbarländer erkennen.
Weiter zur Batteriearchitektur:
In den vergangenen Jahren ist die Speicherkapazität stetig gewachsen und es sind erfolgreich alternative Chemikalien probiert und für nützlich gefunden worden.
Diese Forschung kann allerdings nicht erweitert werden wenn stattdessen Geld in fossile Kraftwerke gesteckt wird von denen man heute schon weiß, daß sie die Preise für Industrie und Haushalte nach oben treiben (siehe aktuelle Preise für Fossile und enorme Netzkosten für den Fall von neuen Kraftwerken anstatt dezentralen Batteriespeichern - wobei die Frau Minister ja diese Netzkosten den Erneurbaren zurechnet damit diese schlechter aussehen).
Ergänzt man dann noch zu allen Fehldarstellungen die Tatsache, daß eine Juristin, Staatssekretärin Connemann, die Wasserstofftechnik propagiert und keinerlei Verständnis von Physik & Chemie, aber enorm viel Selbstvertrauen als Grundlage hat, dann wird klar:
Der Kurs wird von der Frau Minister im Sinne der Lobby gesetzt, weitere befaßte Personen sind *schmückendes Beiwerk* ohne wirkliche Gestaltungsmacht. Nach Frau Connemanns eigener Aussage "kümmert" sie sich, dafür braucht man je kein Spezialwissen - und übernimmt die *talking points* der Frau Chef ....
/Off topic an die Redaktion:
Ich fände die Möglichkeit hier Link-Adressen/faktische Belege einzusetzen sehr wünschenswert.
Fslk am Permanenter Link
Erlauben Sie mir, dass ich Ihre Argumentation kurz wiederhole, um sicher zu gehen, dass ich Sie richtig verstanden habe:
1.Sie halten meine Zahlen für falsch, da keine "General-Versorgung" mittels Batterien stattfinden soll, sondern lediglich zu den Dunkelflauten.
2. Große Batteriespeicher könnten diese Aufgabe in geraumer Zukunft vollständig übernehmen und Kraftwerke überflüssig machen und verweisen auf den gesunden Menschenverstand und "einige unserer EU-Nachbarländer".
3. Die Forschung in Batterietechnologien verlangsamt sich, weil nicht genügend Fördergelder vorhanden sind.
4. Frau Conemann hat keinerlei Verständnis von Chemie und Physik und Frau Reiche ist eine reine Lobbyistin.
In der Hoffnung, Ihre Argumente korrekt wiedergegeben zu haben, möchte ich zu den einzelnen Punkten antworten:
zu 1)
Meine Zahl von "über 100 TWh" Speicherbedarf in den Langzeitspeichern bezieht sich keineswegs auf eine "General-Versorgung".
Zur Einordnung: Aktuell liegt der Gesamtenergiebedarf in Deutschland bei grob 2 PWh (das sind 2000 TWh). Nach vollzogener Energiewende können wir diesen Bedarf hoffentlich durch die weitestgehende Elekrtifizierung auf ca. 1,2 PWh (1200 TWh) senken. Das Wort "Dunkelflaute" habe ich bewusst nicht verwendet. Unter einer Dunkelflaute versteht man gemeinhin den Zeitraum, in dem weniger als 10% der Nennleistung von Wind und Solar erbracht wird. Dieser Zeitraum trifft aber den Kern der Problematik nicht, denn die Langzeitspeicher müssen nicht nur dort substituieren, sondern immer dann, wenn die produzierte Energie über längere Phasen geringer ist, als die Nachfrage. Seriöse Schätzungen kommen da in einem Minimalszenario auf über 100 TWh (und auch das ist mit gesundem Menschenverstand nachvollziehbar, stellen Sie sich nur vor, wie in den drei Monaten mit den kürzesten Sonnenstunden jeweils lediglich 2/3 der Nennleistung produziert werden und schon sind wir bei den genannten 100TWh).
zu 2)
Wir würden also 100 TWh Batteriespeicher benötigen, um Ihr Argument #2 valide zu machen. Auch das möchte ich erneut in Relation setzen:
Derzeitige Batteriespeicher in Deutschland: 0,025 TWh
Derzeitige Batteriespeicher weltweit: 0,5 TWh
Zubau 2025 in Deutschland: 0,006 TWh
Zubau 2025 weltweit: 0,3 TWh
Bis 2045 sind es noch 19 Jahre. Die Bauzeit der derzeit größten Projekte liegt deutlich über 3 Jahre. Wir bräuchten ab sofort einen jährlichen Zubau i.H.v. 4 TWh!
Ich überlasse es Ihnen, den gesunden Menschenverstand erneut einzusetzen und entsprechende Schlussfolgerungen zu ziehen.
zu 3)
Dass die Fördergelder in Batterietechnologie nicht ausreichen, sehe ich genau so. Da haben wir Konsens. Allerdings ist das nach Erörterung der Punkte 1 und 2 für das Thema Langzeitspeicher aus meiner Sicht nicht relevant.
zu 4)
Hier erlaube ich es mir, keine Meinung zu haben!
W. von Sulecki am Permanenter Link
Da ich kein Fachmann bin sondern auf Quellen angewiesen - die ich auf Plausibilität und Seriosität abschätze - möchte ich hier keinen weiteren Zahlenmarathon hinschreiben.
- RWE kombiniert 100-MW-Solarprojekt mit 75-MW-Batteriespeicher [https://www.solarserver.de/2026/06/19/rwe-erweitert-solarprojekt-a44n-auf-ueber-100-mw-75-mw-batteriespeicher-geplant/]
- Europas Energiesystem am Scheidepunkt – eine grüne Energieversorgung ist möglich und nötig [https://www.ingenieur.de/advertorial/europas-energiesystem-am-scheidepunkt-eine-gruene-energieversorgung-ist-moeglich-und-noetig/]
- Natriumbasierter Hochvolt-Heimspeicher: Revolta stellt neuen PV-Speicher zur Intersolar 2026 vor [https://www.solarserver.de/2026/06/19/natrium-statt-lithium-frankfurter-startup-praesentiert-pv-heimspeicher/]
- Wie sicher sind Batteriespeichersysteme? [https://www.ingenieur.de/fachmedien/hlh/wie-sicher-sind-batteriespeichersysteme/]
Große & kleine Speicheranlagen in Planung und/oder Betrieb, sogar Oligopol-Unternehmen setzen darauf dezentral anstatt über Netze zu versorgen; viele kleine Haus- und Betriebsanlagen versorgen bereits jetzt den Eigenbedarf und speichern ins Netz ein .... die Entwicklung überrollt die Bremstätigkeit der Frau Reiche, es werden Fakten geschaffen bevor diese Bremsen wirken und selbst dann werden die Klein-und Groß-Investoren weiter investieren ....
Ich habe selbst 15 kWp Solar und ca. 42 kW Speicher (ohne eine Firma zu beauftragen!) in Teilen eingekauft und mit Helfern errichtet, versorge uns selbst zwischen Anfang März und Mitte Oktober komplett, in der restlichen Zeit derzeit noch durch Netzbezug als Ergänzung zur Lücke in der Einstrahlung. Eine (bereits geplante) weitere Ostwand-Panel-Fläche wird diese Lücke schließen und völlige Unabhängigkeit herstellen. Durch Eigenarbeit bei der Batteriefertigung spare ich 30% der üblichen Kosten und erhöhe so die Geschwindigkeit der Rückgewinnung des Kapitsleinsatzes.
Zwar werde ich (80+) möglicherweise nicht erleben daß sich das ergibt.
Jedoch trage ich so schon jetzt dazu bei einen kleinen Schritt in Richtung Klimarettung zu gehen.
Was uns voranbringt ist doch offen für Veränderungen zu sein und zuerst die Chancen zu sehen die die Zukunft bringt (schon immer gebracht hat, gerade in Zeiten der allgemeinen Verunsicherung) anstatt stets Bedenken zu jonglieren und dadurch Handeln zu verzögern oder völlig zu unterlassen.
{Die deutschen Autokonzerne sind da ein klassisches Beispiel, obwohl da natürlich Überheblichkeit gegenüber Konkurrenten im Markt mit verantwortlich für das Versagen ist}
Noch zu No.4:
Da gibt es nichts zu *glauben*, es liegen genügend *Fakten* als Beweise vor ....
Fslk am Permanenter Link
Es freut mich, dass Sie so engagiert sind, was die Energiewende angeht.
Auch ich bin in einer ähnlich privilegierten Situation wie Sie und habe kräftig investiert und mit 20kWp Solar, 23 kWh Speicher, Wärmepumpe und EAuto mein Setup gefunden.
Ich zähle also gewiss nicht zu den Zauderern und Zögerern.
Und gerade deshalb halte ich es für wichtig, die Strategie wenigstens einigermaßen zusammenzustellen.
Ihre Links sind spannend und wenn Sie diese Quellen genau lesen, werden Sie auch dort feststellen, dass niemand die Batterien als Langzeitspeicher einstuft. Da wird eher von Regelenergie und Netzentlastung gesprochen.
Als Beispiel: der RWE Link feiert eine 150MWh Batterie. Das sind 0,00015 TWh (nochmal: es werden 100TWh benötigt - wieder ein Beleg, dass Batterien nicht langzeitspeichertauglich sind und der Artikel behauptet dies auch mit keinem Wort)!
Es tut mir leid, dass ich immer wieder auf die Zahlen zurück komme, aber sie zu ignorieren, halte ich für eine dürftige Strategie.
Gerne sende ich Ihnen auch noch ein paar Quellen die belegen, dass Batterien keine Langzeitspeicherstrategie sein können:
BMWK (noch von 2024, also zu Zeiten der Ampel):
https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Artikel/Energie/Energiespeicher/speicher-fuer-die-energiewende.html
VDE:
https://www.vde.com/resource/blob/2292764/d7f15a898af4e16bc3abb1e640607ba7/vde-hintergrund-energiespeicher-vde-etg-v1-freigabe-final2-221221-data.pdf
Fraunhofer:
https://www.ise.fraunhofer.de/content/dam/ise/de/documents/publications/studies/Fraunhofer-ISE-Batteriespeicher-an-ehemaligen-Kraftwerkstandorten.pdf
Die bevorstehenden Aufgaben sind zu groß und zu wichtig, um einfach ins blaue hinein zu bauen. Wir brauchen einen echten Plan. Soweit ich das mit meinem jetzigen Wissen beurteilen kann, ist der Ausbau von Gaskraftwerken (und damit komme ich zurück auf meine ursprüngliche Kritik zum Artikel) durchaus sinnvoll, um in der Zukunft die grünen Energieträger unserer Langzeitspeicher wieder zu Strom zurück zu verwandeln.
Den Einwand der Batterien als Langzeitspeicher habe ich (so denke ich) nun ausführlich erörtert.
Ein weiterer Einwand, der immer wieder genannt wird, wäre der Import von grüner Energie in Form von Gasen (z.B. H2, synthetische Gas). Wenngleich ich diese Strategie für fragwürdig oder zumindest diskussionswürdig halte, so wäre auch hier die Verstromung in Deutschland notwendig und dazu dann eben auch wieder Kraftwerke (und nüchtern betrachtet dürften Brennstoffzellen für diesen Anwendungsfall nicht die überlegene Technologie sein).
W. von Sulecki am Permanenter Link
".. dass Batterien keine Langzeitspeicherstrategie sein können .." schreiben Sie zu Recht, das habe ich aber an keiner Stelle behauptet.
Die vorhandenen fossilen Kraftwerke sollten für den Industrieverbrauch genügen, da kann im Verlauf der Zeit alternative Versorgung aufgebaut werden. Die Entwicklung zeigt doch, daß gerade die industrielle Nutzung Erneuerbarer schon von den Unternehmen selbst vorangetrieben wird - ohne ministeriellen Eingriff.
Ich danke Ihnen für die Quellen & die sachliche Diskussion.
PS
Meine Anlage liefert zwischen Anfang März und Mitte/Ende Oktober allen Strom den wird verbrauchen. Um das noch zu erweitern bin ich dabei eine ostwärstgerichtete Panelfläche zu ergänzen.
Unser Gasverbrauch umfaßt derzeit nur die Warmwasserbereitung, das sind ca. 12% von dem, was wir hier nach Kauf des Hauses vor vier Jahren jährlich an Gas benötigten.
Fslk am Permanenter Link
Selbstverständlich hatten Sie das behauptet. Ich hatte zur Klarstellung sogar extra nochmal nachgefragt und keinen Widerspruch erhalten (Punkt 2).
Sei es drum, mir geht es hier auch nicht darum, Recht zu behalten, sondern auf die Langzeitspeicherproblematik aufmerksam zu machen. Ich befürchte allerdings, wir beenden diese Diskussion mit einem guten Gefühl, ohne die tatsächliche Problematik beleuchtet zu haben. Grünes Gas ist momentan die einzig denkbare Variante und diese ist, wie zurecht von allen (auch von diesem Artikel) angemerkt wird, der Kaviar (zumindest was den Preis angeht) der Energiewende. Wenn wir so weiter machen wie bisher, wird uns das auf die Füße fallen, und keiner will Schuld gewesen sein,
*Ironie On*
weil es ja alle so gut gemeint haben. Und alle haben ja so gut mitgemacht (wie wir zwei), das Netz zur falschen Zeit mit massig Strom überlastet und dafür auch noch garantierte Vergütung kassiert. Dann haben wir noch einen Aufschrei losgelassen, weil diese nicht eben zielgerichtete Subvention abgeschafft werden soll und wir doch finden, dass unbegrenztes Solarwachstum die einzig richtige Strategie sein kann, denn hier in Deutschland können wir der Welt zeigen, wie man das Klima rettet! (Langzeitspeicher? Das klappt schon irgendwie! Netzkosten? Sei's drum! Wettbewerbsfähigkeit? Die großen Konzerne schaffen das schon!)
*Ironie off*
Könnten wir in Zukunft, bevor wir alle anderen als Nieten, Lobbyisten und inkompetent bezeichnen vielleicht kurz mal inne halten und die Komplexität der Situation anerkennen? Könnten wir mal versuchen, uns in die Positionen der "Gegenmeinung" hineinzuversetzen und auch dort valide Argumente identifizieren?
Ich bedanke mich für den Austausch und hoffe, dem ein oder anderen Mitleser einen kleinen Denkanstoß mit auf den Weg gegeben zu haben.
Fslk am Permanenter Link
Im Artikel wird Wasserstoff als zukünftiger Langzeitspeicher implizit ausgeschlossen ("im Fall von Wasserstoff auch in Konkurrenz zur Industrie, die den Stoff dringend braucht.
Könnte mir jemand bitte erklären, wie wir die Langzeitspeicher für die energiedefizitären Zeiten (wie in einem früheren Kommentar geschrieben mehr als 100 TWh) ohne Wasserstoff realisieren können?