Italien

Wegen Weihnachtsmann-Blasphemie gekündigt

Einem italienischen Musikdirigenten wurde nach der Premiere einer Kinderaufführung gekündigt. Er hatte den Kindern gesagt, dass es keinen Weihnachtsmann gäbe.

Als mehrere Eltern mit ihren Kindern noch vor Ende des Weihnachtskonzerts den Saal verließen, rief er ihnen hinterher: "Jedenfalls existiert der Weihnachtsmann nicht." Daraufhin brachen etliche Kinder in Tränen aus, woraufhin die Eltern wütend reagierten.

Auch in den sozialen Netzwerken wurde gegen den Dirigenten protestiert. Es sei "eine Schande", schrieb ein Nutzer auf der Facebook-Seite der Veranstalter, "Ich hoffe, dass dieser 'Herr' gefeuert wird und ich bereue es, ihm applaudiert zu haben." Vom Veranstalter wurde eine Entschuldigung verlangt. Der reagierte prompt und entließ den Dirigenten Giacomo Loprieno.

Zudem veröffentlichte der Veranstalter Dimensione Eventi auf Facebook ein Foto des neuen Dirigenten neben einem Weihnachtsmann und schrieb dazu: "der Weihnachtsmann hat den neuen Dirigenten des Orchesters bereits getroffen". 

Man fragt sich beim Lesen einer solchen Nachricht, was wäre mit dem Dirigenten wohl geschehen, wenn er nach der Aufführung von Bach’s Weihnachtsoratorium die Wahrheit über den "Titelhelden" gesagt hätte.

Kommentare (16)

Wolfgang (nicht überprüft)

Di. 3 Jan 2017 - 12:05

Wahrheit kommt gegen Dummheit nicht an. In keinem Hundekuchen steckt kein Hund,
eine Schillerlocke hat mit Schiller nichts zu tun und Frau Merkel betet immer noch: "So wahr mir Gott helfe!" Die Welt bietet viele Irrtümer. Und im übrigen, "Weihnachtsmänner" haben wir doch das ganze Jahr, gelle?

annen nerede (nicht überprüft)

Di. 3 Jan 2017 - 12:19

Und, machen die Atheisten Italiens Front gegen diesen Wahnsinn? Mit Ironie und Sarkasmus? Hilft die GBS den italienischen Freunden? Mannomann.

David (nicht überprüft)

Di. 3 Jan 2017 - 12:23

Guten Tag, ich habe selber für Kinder den Weihnachtsmann schon gespielt und es gibt ihn wirklich. Die Kinder brauchen ihn, sie glauben ihm, sie vertrauen ihm. Ich erzählte das ich mit Rentieren und Schlitten vom Nordpol geflogen komme und die Rentiere stehen auf dem Dach weil sie so scheu sind und ich durch den Schornstein rutsche und wieder rauf klettere. Die Kinder glauben das und es tut ihnen gut. Es gibt niemand besseren al den Weihnachtsmann zu Wiehnachten, auch wenn ein Kind den Weihnachtsmann noch nie im Leben gesehen hat, wenn er da ist sind die Kinder glücklich. So ein Erfahrungsbericht.

Bernd Kammermeier (nicht überprüft)

Di. 3 Jan 2017 - 19:38

Antwort auf von David (nicht überprüft)

Ich denke, es geht im vorliegenden Fall weniger um Kindermythen, die von Erwachsenen erfunden wurden und aufrechterhalten werden, sondern mehr darum, dass jemand seinen Job verloren hat, weil er die Wahrheit gesagt hat.

Natürlich ist der entschärfte Weihnachtsmann - ich meine hier die Coca Cola-Version und nicht den Bischof von Myra - unschädlich, weil er im Idealfall ohne schwarze Pädagogik auskommt. Dann ist er aber auf dem Niveau aller anderen Mythengestalten der Kindheit, die auch ein seltsames Schattendasein zwischen bewusster Einbildung und tröstlicher Realität spielen. Wer hatte nicht Comichelden oder Romanfiguren zum Freund?

Doch irgendwann endet diese Kindheit. Und das kann schmerzlich sein, wenn bekannt wird, dass es die Fantasiefiguren nicht real gibt. Warum sollten sich Kinder nicht auch an dem Weihnachtsmann-Drumherum erfreuen, wenn sie wissen, dass dies (heute) zu ihrer Freude erfunden und von Eltern liebevoll gespielt und inszeniert wird?

Die künstliche Hinauszögerung des Erkenntnisprozesses verlängert die teleologische Sicht von Kindern auf die Welt. Und dies führt - in religiös indoktrinierenden Elternhäusern - u.U. zu starren Glaubensmustern, die dann alles für möglich halten. wenn sie nur fest genug daran glauben oder beten. Solche Menschen sind dann erfahrungsgemäß nicht mehr mit Sachargumenten zu erreichen.

Deshalb plädiere ich für eine Trennung von realer Welt und Fantasiewelt. Beides ist wichtig und gut. Doch in einer Fantasiewelt will ich niemanden schwelgen sehen, der diese für Realität hält. Sie ist Unterhaltung und Korrektiv unseres oft tristen Alltages. Eine Art Ausflucht, um dem Geist eine Ruhepause zu gönnen. Da stört die Erkenntnis, dass dieser geistige Pausenraum nur erfunden wurde, kein bisschen. Ich muss ja auch nicht an einen angeblich die Schönheit erfunden habenden Schöpfergott glauben, um einen Sonnenuntergang schön zu finden...

..... und es gibt ihn wirklich?.... Stimmt, so man diesem Märchen und seinen Darstellern Glauben schenkt. Der Realität entspricht es allerdings nicht. Schon den Kleinsten mit Lügen zu begegnen, ist kein erstrebenswertes Verhalten, das sich im weiteren Verlauf des Lebens bitter rächen wird. Nichts gegen Märchendarstellungen und ihren Akteuren, sofern sie als das behandelt werden, was sie sind. Die Kasperlestheater haben durchaus ihre Berechtigung in der bei Kindern Freude auslösenden Form. Doch den Kindern ist die Wirklichkeit spätestens nach Vorstellungsende wieder bewusst.

Moin lieber David! mir geht's wie Ihnen: viele Male war ich der "Weihnachtsmann", und dieses Theater (nichts anderes ist es doch) war immer erfolgreich, hat den Kindern und auch mir viel Spaß gemacht. Für nachdenkenswert halte ich allerdings Ihre Begründung: "Die Kinder brauchen ihn, sie glauben ihm, sie vertrauen ihm". Mit genau denselben Worten argumentieren Menschen (z.B. Pfaffen), welche die Sinnhaftigkeit von Gott, Religion und Kirche verteidigen müssen, ohne selbst daran zu glauben.

"Die Kinder glauben das und es tut ihnen gut. "

Der erste Teil des Satzes stimmt - offensichtlich. Der zweite ist eine unbewiesene Behauptung, die angesichts von Kindern, die bei der Konfrontation mit simplen Fakten in Tränen ausbrechen, stark bezweifelt werden kann.

Bernd Kammermeier (nicht überprüft)

Di. 3 Jan 2017 - 13:59

Wenigstens wurde dem wahrheitsliebenden Italiener nur gekündigt.
Giordano Bruno wurde gefeuert...

Daniel E. (nicht überprüft)

Di. 3 Jan 2017 - 18:28

Leider erfährt man von deutschen Medien an keine Stelle was genau an dem Abend abgelaufen ist. Italienische Zeitungen kann ich leider nicht lesen.

Ich denke mal dass da mehr gelaufen sein muss als in einem kurzen Satz den Weihnachtsmann als Fiktion darzustellen. Zumindest stellt sich für mich die Frage wie er es gemacht hat. Brüllte er es in die Menge? Benahm er sich flegelhaft oder anständig nach Art des Hauses?

Solange ich nichts darüber weiß, bin ich mir unsicher ob zumindest eine Abmahnung nicht doch gerechtfertigt sein könnte. Wahrheit hin oder her.

Atheist Steinbrenner (nicht überprüft)

Di. 3 Jan 2017 - 19:19

Dabei ist der Weihnachtsmann doch nur ein Produkt des amerkanischen Kulturimperialismus und das Christkind hat traditionell das Gebietsmonopol als Geschenke bringendes mythisches Wesen. Wenn sich die religiösen Traditionalisten schon echauffieren dann doch bitte wegen der Leugung des traditionellen Mythos.

Udo Endruscheit (nicht überprüft)

Di. 3 Jan 2017 - 20:43

Keine übertriebene Aufregung bitte. Im gegebenen Kontext darf man die Äußerung des Dirigenten schon als Fehlleistung bewerten. Immerhin handelte es sich um ein Weihnachtskonzert (hinsichtlich dessen Leistung er wohl keine Probleme hatte) für Kinder, bei dem keine Veranlassung bestand, derartige Statements abzugeben. Ich würde das auch nicht unter atheistischer Aufrichtigkeit verbuchen - erstens wegen des Kontextes, zweitens aber auch, weil die Weihnachtsmanngeschichte ja nicht etwa christliches Traditionsgut ist... Er hat sich in Anbetracht der Situation schlicht daneben benommen. Mehr nicht, weniger auch nicht.

Christian Schubert (nicht überprüft)

Mi. 4 Jan 2017 - 10:05

Ich kann mich entsinnen, dass hier letztens ein US-amerikanischer Pastor stark kritisiert wurde, weil er Kindern, die in einem Einkaufszentrum beim Weihnachtsmann waren, zugerufen hatte, dass es keinen Weihnachtsmann gibt. Damals: absolute Empörung. Jetzt: absolute Solidarisierung.

Ob man die "Enttarnung" der Nicht-Existenz des Weihnachtsmannes für gut findet oder nicht, ist mir eigentlich schnuppe. Dazu habe ich keine Meinung. Aber Sie legen doch immer solchen Wert auf die rationale Konsistenz Ihres logischen Denkens. Nun, da sehe ich jetzt einen logischen Widerspruch. Etwas wetterwendisch?

Es muss durchaus nicht die schlechteste Erfahrung sein, von den älteren Schülern oder Spielkameraden dafür ausgelacht zu werden, an etwas falsches geglaubt zu haben.

Helene (nicht überprüft)

Mo. 9 Jan 2017 - 13:46

In Italien bringt doch traditionell nicht der Weihnachtsmann, sondern Befana die Weihnachtsgeschenke...Weshalb dann die Aufregung?

Gudrun Staffler (nicht überprüft)

Fr. 13 Jan 2017 - 13:00

In den italienischen Medien liest sich das etwas anders. Erstens war das Konzert, das ein Kinderkonzert war, schon zu Ende, und einige Eltern verließen das Konzert, währen andere noch heftig klatschten, es gab also von Seiten des Dirigenten keinen Grund, diesen Satz zu sagen. Zweitens war das Konzert, wie gesagt, für Kinder, mit Ausschnitten aus Zeichentrickfilmen und verkleideten Bühnenfiguren usw. Da verstehe ich die Veranstalter sehr gut. Ich würde auch niemanden mehr als Weihnachtsmann e baggerten, der während der Bescherung den Bart runter nimmt und "Reingelegt" ruft.

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