Debatte
Vom Sein der Geschlechter
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Konzepte wie "Geschlecht", "Mann/männlich" oder "Frau/weiblich" sind, auch wenn sie mit biologischen Merkmalen verknüpft werden, historische, kulturelle, politische und soziale Konstrukte und damit weder objektiv noch unveränderbar. Eine Betrachtung aus kulturwissenschaftlicher Perspektive.
Die Vorstellung von einem "biologischen Geschlecht" beinhaltet eine Reihe von Merkmalen, die zur Unterscheidung von "Frauen" und "Männern" herangezogen werden. So gilt etwa in der Genetik ein XX-Chromosomensatz als "weiblich" und ein XY-Chromosomensatz als "männlich". Es finden sich aber auch andere Chromosomenkombinationen (zum Beispiel X, XXY oder XYY1), was gegen die These, es gebe nur zwei Geschlechter, wie sie jüngst auch auf einem Banner der rechtsextremen Demonstration gegen den Bautzener CSD zu lesen war, spräche.
Wenn Ärzt*innen und Hebammen Neugeborenen ein Geschlecht zuweisen, untersuchen sie dafür in der Regel weder Chromosomen noch Hormonspiegel noch innere Organe, sondern treffen ihre Entscheidung auf der Basis des äußeren Erscheinungsbildes der Genitalien. Diese lassen sich zwar nach wissenschaftlichen Kriterien klassifizieren (zum Beispiel wird ein Schwellkörper, der kleiner als 9 mm ist, als "Klitoris" und ein Schwellkörper, der größer als 25 mm ist, als "Penis" bezeichnet2), aber ihre Verknüpfung mit einem "männlichen" oder "weiblichen" "Geschlecht" bleibt ein durch kulturelle Praktiken herausgebildetes soziales Konstrukt, wie Linus Giese, ein trans Mann, in seinem Beitrag zum unlängst erschienenen Sammelband "Unlearn Patriarchy" anschaulich darlegt:
"Doch warum heißt in der Vorstellung vieler Menschen ein Hautlappen in der Körpermitte Schamlippen, und weshalb bezeichnen viele Menschen Schamlippen auch noch als weiblich? Der Hautlappen ist zweifelsohne biologisch – er ist reale Materie, er hängt dort, darüber lässt sich nur schwer diskutieren. Aber diesen Hautlappen ‚Schamlippen‘ und ‚weiblich‘ zu nennen, ist nichts Biologisches, sondern eine kulturelle Übereinkunft. Dass wir bestimmten Körperteilen bestimmte Geschlechtsattribute zuweisen, liegt an der tief verwurzelten gesellschaftlichen Vorstellung von Zweigeschlechtlichkeit: Warum gibt es weibliche Brüste, aber keine weiblichen Nieren oder weibliche Ohren? Warum wird einer intimen Anatomie überhaupt ein Geschlecht zugewiesen? […] Wenn Menschen sagen, dass ich biologisch eine Frau sei, dann meinen sie eigentlich, dass ich an bestimmten Stellen einen Hautlappen und an anderen Stellen Brustgewebe besitze. Der Hautlappen und das Brustgewebe sind biologisch, aber beides als weiblich zu bezeichnen, ist gesellschaftlich und kulturell bedingt. Ich wünsche mir, dass wir damit beginnen, diese normierten Geschlechterzuschreibungen zu hinterfragen – und irgendwann lernen, über diese binäre Zweigeschlechtlichkeit hinaus zu denken."3
Allem ein Geschlecht zuordnen zu wollen, scheint einem allgemeinen menschlichen Bedürfnis zu entspringen und schließt auch die nichtmenschliche Welt ein. Der "Glaube an die Männlichkeit oder Weiblichkeit der Sonne" veranlasste Friedrich Nietzsche zu folgender spöttischer Bemerkung:
"Als der Mensch allen Dingen ein Geschlecht gab, meinte er nicht zu spielen, sondern eine tiefe Einsicht gewonnen zu haben: – den ungeheuren Umfang dieses Irrtums hat er sich sehr spät und jetzt vielleicht noch nicht ganz eingestanden."4
Doch zurück zu den Geschlechtszuteilungen für neugeborene Menschen, die weitreichende Folgen für das ganze Leben haben können. Menschen, denen bei der Geburt das weibliche Geschlecht zugewiesen wird, werden als Mädchen erzogen und als erwachsene Frauen werden von ihnen bestimmte als "weiblich" geltende Rollen und Verhaltensweisen erwartet. Demgegenüber werden Menschen, denen bei der Geburt das männliche Geschlecht zugeordnet wird, als Jungen erzogen und als erwachsene Männer werden von ihnen bestimmte als "männlich" geltende Rollen und Verhaltensweisen erwartet. Wie Geschlechternormen unser Verhalten beschränken können, beschreibt die Neurowissenschaftlerin Daphna Joel in ihrem vor wenigen Jahren erschienenen Buch "Das Gehirn hat kein Geschlecht. Wie die Neurowissenschaft die Genderdebatte revolutioniert":
"In vielen Ländern, darunter auch westlichen, erleben die Menschen, die sich als transgender oder genderqueer bezeichnen, regelmäßig Gewalt, bloß weil sie sich geschlechtsuntypisch verhalten. Doch selbst in der Sicherheit unseres Zuhauses, wenn niemand uns zusieht, vermeiden wir manchmal Tätigkeiten, die wir – häufig unbewusst – als ‚unpassend für mein Geschlecht‘ empfinden, wie ein Ikea-Bücherregal aufzubauen oder ein Kochbuch aufzuschlagen und Suppe zu kochen."5
Natürlich gab und gibt es immer Menschen, die aus dem starren System der Zweigeschlechtlichkeit mit seinen Rollenzuschreibungen, Schubladen und Stereotypen ausbrechen, wie zum Beispiel die 1877 in einem anarchistischen Haushalt nahe Genf geborene Isabelle Eberhardt, die schon als Kind keine "Mädchenkleider" und als erwachsene Frau "Männerklamotten" trug, mit einer "Hand voll Datteln, etwas Kaffee und Haschisch" als Aussteigerin in Nordafrika lebte und schließlich 1904 in ihrer kleinen Lehmhütte während eines Gewitters in der Wüste ertrank.6 Es gibt aber auch Menschen, die sich schwertun, die vorgegebenen Schubladen, in die sie einsortiert werden, zu verlassen, auch wenn sie sich in ihnen nicht wohl und ihnen nicht zugehörig fühlen. Für sie bedeuten diese Schubladen eine Begrenzung, die Giese mit folgenden Beispielen illustriert:
"Ich würde gern Basketball spielen, aber Mädchen können nicht werfen.’
'Ich würde mir gern die Nägel lackieren, aber Männer tun so etwas nicht.'
'Mir ist die Karriere wichtiger als ein Kind, aber von Frauen wird etwas anderes erwartet.'"7
Den beschränkenden und zugleich simplifizierenden Charakter unseres binären Geschlechtersystems beschreibt die Psychiaterin Dagmar Pauli in ihrem im vergangenen Jahr erschienenen Buch "Die anderen Geschlechter" folgendermaßen:
"Geschlecht wird als primär kategoriales Konstrukt beschrieben und von uns so wahrgenommen. Sämtliche das Geschlecht definierende äußere Merkmale, Eigenschaften oder Verhaltensweisen sind jedoch dimensional (d. h. zeigen unendlich viele Ausprägungen zwischen den Polen)."8
Dass in zweigeschlechtlich organisierten Gesellschaften, in denen davon ausgegangen wird, es gebe nur zwei, klar voneinander trennbare und unterschiedliche Rollen einzunehmen zu habende Geschlechter, zwangsläufig manche Menschen unter die Räder kommen, zeigt eindrücklich das Schicksal der Französin Adélaïde Herculine Barbin, die von ihrer Umgebung Alexina Barbin genannt wurde. 1838 in Saint-Jean-d’Angély in Armut geboren, wurde sie als Mädchen in einem fast ausschließlich weiblichen und religiösen Umfeld – in einem Hospital, im Ursulinenkloster von Chavagnes sowie in Mädchenpensionaten – aufgezogen. Später besuchte sie die vom Orden der Filles de la Sagesse geführte Ecole normale von Oléron, an der sie ein Diplom erwarb, mit dem sie anschließend als Lehrerin zu arbeiten begann. Doch als ein Priester und ein Arzt ihren ihnen unweiblich erscheinenden Körper bemerkten, brachten sie ein Verfahren in Gang, das über eine aufgezwungene ärztliche Begutachtung ihrer Anatomie zu einer gerichtlich angeordneten Änderung ihres Personenstandes und schließlich zu ihrem tragischen Tode im Alter von nur 29 Jahren führte.
Barbin hinterließ ein Manuskript mit Erinnerungen, das der Sexualpathologe Ambroise Tardieu 1874 veröffentlichte. Über ein Jahrhundert später wurde dieses Dokument von Michel Foucault neu herausgegeben und mit folgenden Worten eingeleitet:
"Brauchen wir wirklich ein wahres Geschlecht? Mit einer Beharrlichkeit, die an Starrsinn grenzt, haben die Gesellschaften des Abendlandes dies bejaht. Hartnäckig haben sie diese Frage nach dem 'wahren Geschlecht' in einer Ordnung der Dinge ins Spiel gebracht, in der – wie man sich vorstellen könnte – allein die Realität der Körper und die Intensität der Lüste zählen."9
Um die Genese dieser Ansprüche aufzuzeigen, unternimmt Foucault einen historischen Exkurs, beginnend mit dem Mittelalter. Damals hätten das kanonische und zivile Recht zwar vorgeschrieben, dass "Hermaphroditen" genannte Menschen, "in denen die beiden Geschlechter zu variablen Anteilen nebeneinanderlagen", zum Zeitpunkt ihrer Taufe von ihrem Vater oder Paten ein Geschlecht zugewiesen bekamen, aber bei Erreichen eines heiratsfähigen Alters habe es ihnen freigestanden, selbst zu entscheiden, zu welchem Geschlecht sie gehören wollten.10
"Biologische Sexualtheorien, juristische Bestimmungen des Individuums und Formen administrativer Kontrolle" hätten dann "seit dem 18. Jahrhundert in den modernen Staaten nach und nach dazu geführt, die Idee einer Vermischung der beiden Geschlechter in einem einzigen Körper abzulehnen und infolgedessen die freie Entscheidung der zweifelhaften Individuen zu beschränken". In der Folge durfte nicht mehr das Individuum über seine Geschlechtszugehörigkeit in rechtlicher und sozialer Hinsicht entscheiden, sondern ein "Experte" legte fest, "welches Geschlecht die Natur für es ausgewählt" habe "und an welches sich zu halten die Gesellschaft darum von ihm verlangen" müsse.11
Auch heutzutage sei "die Vorstellung, dass man am Ende doch ein wahres Geschlecht haben müsse, bei weitem nicht ausgeräumt". Zwar sei man toleranter geworden, aber in der öffentlichen Meinung finde sich noch immer die Vorstellung, dass von den Geschlechternormen abweichende Menschen, etwa eine "männliche" Frau, der Wahrheit hohnsprächen, da ihre Handlungsweise nicht der Wirklichkeit entspräche. Viele Menschen dächten: "Wacht auf, ihr jungen Leute, aus euren trügerischen Genüssen; legt eure Verkleidungen ab und erinnert euch daran, daß ihr ein Geschlecht habt, ein wahres."12
Dieses "grausame Spiel der Wahrheit"13, wie es Foucault nennt, hatte für Barbin und andere Opfer fatale Auswirkungen. Ihr Schicksal sollte uns zur Mahnung gereichen, dass das Geschlecht eines Menschen keine öffentlich zu verhandelnde Angelegenheit ist. Insbesondere humanistisch eingestellte Menschen sollten sich, vom Primat der Menschenwürde geleitet, solcher Debatten enthalten, auch wenn sie sich im Besitz einer "Wahrheit" wähnen mögen. Schließlich geht es um den "Respekt vor den Wünschen eines Menschen, vor dem Anderssein, vor der Einzigartigkeit von Identität und Geschlechtlichkeit"14, wie es Pauli auf den Punkt bringt.
Für eine Dekonstruktion unserer binären Vorstellungen von "Weiblich-/Männlichkeit" eröffnet das foucaultsche Werk "fruchtbare Forschungsperspektiven", wie Andrea D. Bührmann in ihrem Aufsatz "Geschlecht und Subjektivierung" herausarbeitet:
"Die […] Überlegungen Foucaults zur Formierung und Transformierung moderner Subjektivierungsweisen – insbesondere aber seine Annahme von der grundsätzlichen Kontingenz moderner Subjektivierungsweisen – öffnet den Blick für die Infragestellung eines mimetischen Zusammenhanges zwischen Geschlechtsidentität und Geschlechtskörper, die Dekonstruktion des Systems der biologischen Zweigeschlechtlichkeit sowie die damit verbundene diskursive und nicht-diskursive Formierung und Transformierung weiblicher und männlicher Subjektivierungsweisen."15
Schlussendlich geht es darum, Geschlecht weniger an körperlichen Aspekten, Chromosomen und Hormonspiegeln, sondern mehr am individuellen inneren Empfinden festzumachen. Wenn es uns gelänge, andere Menschen nicht mehr automatisch in eine "weibliche" oder "männliche" Kategorie einzuordnen, bestünde die Chance, dass das binäre Geschlechtersystem "in unserem Leben nicht mehr diese enorme, fast wahnhafte Wichtigkeit einnimmt"16, wie es Juli Faber unlängst ausdrückte. "Und wer weiß", schreibt Faber, "vielleicht kommen wir irgendwann mit viel reduzierteren Geschlechterkonzepten aus, die unseren Alltag weniger bestimmen"17. Es mag sein, dass durch eine Auflösung der Geschlechterbinarität, wie wir sie kennen, die Geschlechterordnung an Einfachheit und Übersichtlichkeit verlöre, aber dafür müssten Menschen nicht mehr unter einer bei ihrer Geburt erfolgten Geschlechtszuweisung, mit der die sich nicht identifizieren können, leiden und wir alle gewännen, wie es Lydia Meyer in ihrem im vergangenen Jahr erschienenen Buch "Die Zukunft ist nicht binär" formuliert, neue "Möglichkeiten – im Ausdruck, im Denken und in den Begegnungen mit anderen Menschen".18
Literatur
Barker/Scheele 2021: Meg-John Barker/Jules Scheele, Gender. Eine illustrierte Einführung. Aus dem Englischen übersetzt von Emilia Gagalski. Unrast, Münster 2021.
Bührmann 2001: Andrea D. Bührmann, Geschlecht und Subjektivierung. In: Marcus S. Kleiner, Michel Foucault. Eine Einführung in sein Denken. Campus, Frankfurt am Main/New York 2001, S. 123–136.
Demski 2022: Eva Demski, Mein anarchistisches Album. Insel, Berlin 2022.
Faber 2024: Juli Faber, Unerhört! Unschlagbare Argumente für gendergerechte Sprache. Edition Michael Fischer, Igling 2024.
Foucault 1998: Michel Foucault, Das wahre Geschlecht. In: Herculine Barbin/Michel Foucault, Über Hermaphrodismus. Herausgegeben von Wolfgang Schäffner und Joseph Vogl. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1998, S. 7–18.
Giese 2024: Linus Giese, Unlearn Gender. In: Lisa Jaspers/Naomi Ryland/Silvie Horch (Hrsg.), Unlearn Patriarchy. Ullstein Taschenbuch, Berlin 2024, S. 36–53.
Joel 2021: Daphna Joel, Das Gehirn hat kein Geschlecht. Wie die Neurowissenschaft die Genderdebatte revolutioniert. Aus dem Amerikanischen übersetzt von Johanna Wais. dtv, München 2021.
Meyer 2023: Lydia Meyer, Die Zukunft ist nicht binär. Rowohlt, Hamburg 2023.
Nietzsche 1954: Friedrich Nietzsche, Werke in drei Bänden. Erster Band. Herausgegeben von Karl Schlechta. Hanser, München 1954.
Pauli 2023: Dagmar Pauli, Die anderen Geschlechter. Nicht-Binarität und andere (ganz) trans* normale Sachen. C.H.Beck, München 2023.

- Barker/Scheele 2021, S. 36. ↩︎
- Barker/Scheele 2021, S. 34. ↩︎
- Giese 2024, S. 38 f. ↩︎
- Nietzsche 1954, S. 1017. ↩︎
- Joel 2021, S. 183. ↩︎
- Demski 2022, S. 145–147. ↩︎
- Giese 2024, S. 40 f. ↩︎
- Pauli 2023, S. 254. ↩︎
- Foucault 1998, S. 7. ↩︎
- Foucault 1998, S. 8. ↩︎
- Foucault 1998, S. 8 f. ↩︎
- Foucault 1998, S. 10 f. ↩︎
- Foucault 1998, S. 12. ↩︎
- Pauli 2023, S. 84. ↩︎
- Bührmann 2001, S. 136. ↩︎
- Faber 2024, S. 134. ↩︎
- Faber 2024, S. 93. ↩︎
- Meyer 2023, S. 154. ↩︎
Kommentare (62)
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Wow, so ein guter Artikel mit
Wow, so ein guter Artikel mit vielen Informationen, die ich noch nicht kannte, obwohl ich auch nicht cis bin. Möchte nur hinzufügen, daß nicht alle Menschen dieselben Geschlechtschromosomen für den gesamten Körper haben. Es gibt auch Mosaike, so kann ein Teil der Zellen z.B. XY, ein anderer Teil XX sein. Und noch "wilder". Hatte mal Kontakt zu einer Baptistenpastorin aus den USA, auf die das zutrifft. Bei einer Leisten-OP wurde bei ihr - sie hat sich als transgender identifiziert - verkümmertes Eierstockgewebe gefunden, und die Fachleute haben bei näherer Untersuchung so ein Mosaik gefunden. Jetzt hat sie die Diagnose "inter" erhalten, bezeichnet sich aber als "trans inter".
Vorher war mir das nur in der Veterinärmedizin aufgefallen, dort hatte ich vor Jahren mal einen wissenschaftlichen Bericht über einen Hund gefunden, der eine Chimäre war aus XX und XY.
Mir kommt es so vor als ob
Mir kommt es so vor als ob einige Menschen in der Welt vor 200-300 Jahren leben wollen und glauben gegen diese Kämpfen zu müssen. Ansonsten machen solche Diskussionen keinen Sinn. Jeder soll doch Bälle werfen und Finger lackieren soviel er möchte, wo ist denn das Problem?
Das das biologische Geschlecht in Zeiten, aber vor allem auch gesellschaftlichen Schichten, in denen die Nachkommen eine große Rolle für den Stand und Status spielten stellt doch niemand in Frage, hat aber zumindest für die breite Masse der Bevölkerung heute kaum eine Bedeutung. Das heute der Akademiker glaubt sich aus der Rolle, die eigentlich der Adel hatte, zu befreien versucht, ist zwar putzig aber für die Entwicklung des zusammenlebens nur am Rande relevant.
Insofern viel Glück bei der Suche nach neuen Geschlechtern. Trotzdem werden die meisten sich einen Partner des anderen Geschlecht suchen. Ich glaube da wird sich auch in Zukunft wenig dran ändern.
Glauben Sie, dass ein als
Glauben Sie, dass ein als „Mann“ gelesener Mensch, der sich die Nägel lackiert, in unserer gegenwärtigen Gesellschaft keinerlei Ablehnung oder Anfeindung zu befürchten hat? Ich wünschte, dem wäre so …
Das glaube ich nicht, das
Das glaube ich nicht, das weiß ich. Das haben wir schon in den 80er gemacht ohne das man Anfeindungen befürchten musste.
Das traurige Faktum, dass
Das traurige Faktum, dass genderqueere Menschen regelmäßig Gewalt erleben, widerspricht Ihnen leider.
Frauen erleben immer noch die
Frauen erleben immer noch die meiste Gewalt.
Das wiederrum halte ich für
Das wiederrum halte ich für ein Gerücht.
Von Wem erleben die Gewalt?
Von Wem erleben die Gewalt? und wo steht dieses "Faktum"?
In ihrem Buch „Das Gehirn hat
In ihrem Buch „Das Gehirn hat kein Geschlecht“ schreibt die Neurowissenschaftlerin Daphna Joel: „In vielen Ländern, darunter auch westlichen, erleben die Menschen, die sich als transgender oder genderqueer bezeichnen, regelmäßig Gewalt, bloß weil sie sich geschlechtsuntypisch verhalten.“ (Joel 2021: 183)
Von wem den genau?
Von wem den genau?
Das ist einfach eine pauschale Aussage ohne irgendeinen Kontext.
Witzig ist aber natürlich "geschlechtsuntypisch", was bedeutet das? und warum verhalten sich Menschen so?
Wie an anderer Stelle geschrieben, ich halte das Geschlecht nur für relevant bei der Vermehrung und da ist die Defintion der Vater- oder Mutterrolle durchaus ein wichtiges Thema.
Aber ansonsten werden Rollen und Sterotypen von was definiert?
Und warum gibt es diese?
Und wenn diese falsch sind, warum wollen Menschen die sich nicht als Geschlecht eingeordnet fühlen, die Klischees der anderen Seite erfüllen?
Aber wie gesagt, wer mit offenen Augen durch die Welt geht hat schon in den 80er androgyne Künstler gesehen und schon damals wurde das positiv von der Gesellschaft wahrgenommen. Das es immer Menschen gibt, die deine Lebensweise ablehnen ist völlig normal und sollte einen nicht davon abhalten. Das Gleiche gilt meiner Meinung nach auch für Menschen die lieber in Rollenbilder leben, weil es für sie vermutlich einfacher ist.
Das Leben zeichnet sich vor
Das Leben zeichnet sich vor allem durch seine Vielfalt aus, deswegen muss eine humane Gesellschaft Vielfalt ermöglichen, um Diskriminierungen zu vermeiden. Nach meinem laienhaften Verständnis gibt es zwei Geschlechter – eine Ansicht, die auch Richard Dawkis vertritt – aber es gibt unzählige Varianten der Verteilung von männlichen und weiblichen Anteilen an der Person. Das heißt, es gibt Männer mit weiblichen Anteilen und Frauen mit männlichen Anteilen, wobei männlich und weiblich wiederum kulturell bedingt sein kann.
Ich verstehe ja, dass das ein
Ich verstehe ja, dass das ein Debattenbeitrag ist, dem eine Gegenposition gegenübergestellt ist. Aber es gibt auch so etwas wie False Balance. Die Behauptung, man könne aus ungewöhnlichen Chromosomenkombinationen auf die Existenz weiterer Geschlechter schließen, ist einfach nur peinlich und zeigt, dass der Autor sich überhaupt nicht mit den biologischen Grundlagen beschäftigt hat.
Noch schlimmer finde ich aber, wie hier mal eben so nebenbei der Bogen von der "These" der Zweigeschlechtlichkeit zu einer Nazi-Demonstration geschlagen wird. Das ist wirklich schäbig. Weiß der Autor überhaupt, wie er mit solchen Aussagen den Rechten in die Karten spielt? Philipp Hübl hat dazu einen sehr treffenden Abschnitt in seinem Buch "Moralspektakel" geschrieben. Mein Tipp: Das ist eine lohnendere Lektüre als Foucault.
Ich finde, in dieser Form sollte so ein Artikel hier nicht erscheinen.
Leider haben Sie meinen
Leider haben Sie meinen Beitrag nicht richtig gelesen, denn ich weise lediglich auf eine Inkonsistenz in der biologischen Argumentation hin: Wenn für Richard Dawkins der Nachweis eines XY-Chromosomensatzes genügt, um Imane Khalif als „genetisch männlichen Boxer“ zu bezeichnen, wie er es in einem mittlerweile gelöschten Post auf dem Kurznachrichtendienst X getan hat, dann müsste – dieser Logik folgend – die Existenz anderer Chromosomenkombinationen als XY oder XX für die Existenz anderer genetischer „Geschlechter“ als „männlich“ oder „weiblich“ sprechen. Da ich bereits die Klassifikation eines Menschen mit XY- oder XX-Chromosomensatz als genetisch „männlich“ oder „weiblich“ bzw. allgemein die Verknüpfung biologischer Merkmale mit der von uns Menschen konstruierten Kategorie „Geschlecht“ in Frage stelle, glaube ich folgerichtig auch nicht, dass aus „ungewöhnlichen Chromosomenkombinationen“, wie Sie schreiben, auf die Existenz weiterer „Geschlechter“ geschlossen werden könne. „Geschlecht“ ist ein nicht notwendiges kulturelles Konzept, denn auch nichtmenschlichen Spezies, bei denen nicht davon auszugehen ist, dass sie ein solches Konzept kennen, gelingt die Reproduktion.
Dass die These der biologischen Zweigeschlechtlichkeit zu einem Kernelement eines Kulturkampfes von rechts geworden ist, worauf ich in meinem Beitrag anekdotisch hinweise, darf m. E. bei der Diskussion nicht unterschlagen werden.
Nein, selbstverständlich ist
Nein, selbstverständlich ist das keine Inkontinenz in der Argumentation. Die Bezeichnung des Karyotyps XY als genetisch männlich schließt nicht aus, dass andere Chromosomensätze ebenfalls zur Ausprägung des männlichen Geschlechts führen können. Und genau das ist der Fall: Auch z.B. Menschen mit der Kombination XXY (Klinefelter-Syndrom) sind männlich.
Natürlich wird die biologische Zweigeschlechtigkeit von rechts als Kulturkampf-Thema genutzt. Aber warum? Weil Rechte gemerkt haben, dass sie hier eine „offene Flanke“ der Gegenseite wunderbar ausnutzen können. Denn natürlich ist die „These“ der Zweigeschlechtigkeit eine allgemein anerkannte Tatsache, die außerhalb einer kleinen Blase von niemandem in Frage gestellt wird. Die queertheoretische Verwirrung einiger Linker und Liberaler ist eine Steilvorlage für die Rechte, um rauszubrüllen: „Guckt mal, was das alles für Spinner sind!“ Und jedes Mal, wenn Sie die Anerkennung von Zweigeschlechtlichkeit implizit als „rechts“ oder sogar als rechtsextrem bezeichnen, spielen Sie damit den Rechten in die Hände.
Und Ihr Hinweis, dass Arten,
Und Ihr Hinweis, dass Arten, die das Konzept „Geschlecht“ nicht kennen, sich ja auch fortpflanzen, ist reine Realsatire. Natürlich haben Tiere keinen Begriff von Geschlecht, weil sie grundsätzlich gar keine Begriffe kennen. Genauso gut könnten Sie schreiben: „Nahrung ist ein unnötiges Konstrukt, denn auch Arten, die das Konzept nicht kennen, gelingt es, zu fressen“.
Die Tatsache, dass Tiere sich auch ohne einen Begriff von Geschlecht fortpflanzen, zeigt doch, dass es sich bei Geschlecht gerade NICHT um ein willkürliches Konstrukt handelt, denn Tiere müssen das jeweils andere Geschlecht erkennen können, sonst funktioniert Fortpflanzung nicht.
Wie kann es sein, dass der hpd jemandem mit derart wirren Ansichten ein Forum bietet? Hieß das Motto hier nicht mal: „Endlich vernünftige Nachrichten“?
Sich sexuell reproduzierende
Sich sexuell reproduzierende menschliche oder nichtmenschliche Lebewesen fühlen sich von bestimmten körperlichen Attributen angezogen oder nicht angezogen, wobei es hier ein breites Spektrum gibt. Die Evolution hat dafür gesorgt, dass sich besonders häufig Lebewesen, die zusammen zur sexuellen Reproduktion fähig sind, voneinander angezogen fühlen, aber dafür brauchen Sie nicht das menschliche Konzept „Geschlecht“.
Wenn Sie meinen, im Besitz einer absoluten, endgültigen, sich keiner kritischen Diskussion stellen müssenden Wahrheit zu sein, möchte ich mit Nietzsche antworten: „Wahrheit ist die Art von Irrtum, ohne welche eine bestimmte Art von lebendigen Wesen nicht leben könnte“.
Und Lebewesen, die „zusammen
Und Lebewesen, die „zusammen zur sexuellen Reproduktion fähig sind“, gehören eben laut Biologie unterschiedlichen Geschlechtern an. Sie haben gerade bestätigt, dass Geschlecht kein Konstrukt ist!
Sie „Inkontinenz“ geht übrigens auf die Kappe der Autokorrektur ;-)
Das ist ein klassischer
Das ist ein klassischer Zirkelschluss: Sie verwenden das von Menschen lange Zeit vor der Konstituierung der Biologie als moderner Wissenschaft und der Entwicklung der Evolutionstheorie konstruierte Konzept der Geschlechterbinarität mit seiner kulturell aufgeladenen Terminologie („Mann/männlich“ vs. „Frau/weiblich“) zur Klassifizierung von Menschen in zwei Gruppen, deren Mitglieder mit den Mitgliedern der jeweils anderen Gruppe zur sexuellen Reproduktion fähig sind, blenden dabei alle biologischen Differenzen innerhalb der von Ihnen definierten Gruppen aus, um dann das Phänomen der sexuellen Reproduktionsfähigkeit zwischen Mitgliedern der von Ihnen anhand dieses Kriteriums definierten Gruppen als Beweis für die Richtigkeit des apriorischen Konzeptes der Geschlechterbinarität anzuführen. Zu Ende gedacht würde dieses essentialistische Geschlechtsverständnis implizieren, dass eine „Frau“ durch eine medizinisch indizierte Hysterektomie ihr „Frausein“ und ein „Mann“ durch eine medizinisch indizierte bilaterale Orchiektomie sein „Mannsein“ verlöre.
Wenn man mit schlau
Wenn man mit schlau klingenden Begriffen wie „implizieren“ oder „Zirkelschluss“ um sich wirft, tut man gut daran, diese auch richtig zu verwenden. Denn natürlich hat die Definition „Geschlecht = entgegengesetzte Ausprägung der Gameten“ rein gar nichts mit einem Zirkelschluss zu tun, und Ihre angeblichen Implikationen zu Chromosomen und „Verlust des Mannseins“ sind pure Phantasie. Ein totes Tier kann sich auch nicht mehr fortpflanzen, trotzdem lässt sich an dem toten Körper das Geschlecht feststellen.
Auf mein eigentliches
Auf mein eigentliches Argument sind Sie übrigens überhaupt nicht eingegangen. Mit der Aussage, dass nicht alle Lebewesen „gemeinsam zur sexuellen Reproduktion fähig sind“ haben Sie anerkannt, dass es eine reale, objektiv feststellbare Eigenschaft gibt, die diese an der Reproduktion beteiligten Lebewesen unterscheidet und die unabhängig von der menschlichen Vorstellung existiert. Sie haben damit, ohne es zu wollen, akzeptiert, dass Geschlecht kein Konstrukt ist.
Wenn Sie eine reale, objektiv
Wenn Sie eine reale, objektiv feststellbare Eigenschaft mit dem seit Jahrtausenden kulturell konstruierten Konzept „Geschlecht“ verknüpfen, bleibt es ein Konstrukt.
Nein. Ich „verknüpfe“ diese
Nein. Ich „verknüpfe“ diese Eigenschaft nicht mit dem Konzept „Geschlecht“, dieses Konzept BERUHT auf den beschriebenen Eigenschaften.
Die Menschen haben ja nicht irgendwann aus Jux und Tollerei angefangen, willkürlich zwei Geschlechter zu „konstruieren“. Sie haben festgestellt, dass es Menschen gibt, die schwanger werden können und welche, die das nicht können, dafür aber Kinder zeugen können. Und dass es niemanden gibt, der beides kann. Und dass man schon sofort nach der Geburt erkennen kann, wer zu welcher Gruppe gehört. Und sie haben diese Gruppen „männlich“ und „weiblich“ genannt. Die „Verknüpfung“, von der Sie sprechen, habe nicht ich mir ausgedacht, es gibt sie auch nicht erst seit der Entstehung der modernen Wissenschaften - es gibt sie seit Jahrtausenden.
Das ist genau mein Punkt: Ihr
Das ist genau mein Punkt: Ihr binäres, auf dem Kriterium der sexuellen Reproduktion beruhendes Geschlechtsverständnis reproduziert eine jahrtausendealte, präwissenschaftliche Vorstellung und ignoriert, wie komplex die biologischen Differenzen sind. So kann beispielsweise eine „Frau“ einen höheren Testosteronspiegel als ein „Mann“ haben usw. Die Welt ist nicht binär, schwarz-weiß, gut-böse, Mann-Frau, sondern weist unendlich viele Graustufen auf. Dies haben uns die modernen Wissenschaften gezeigt und deshalb sollten wir m. E. aufhören, die komplexe Realität mit simplifizierenden, jahrtausendealten Konzepten zu beschreiben.
Ich weiß nicht, ob es Frauen
Ich weiß nicht, ob es Frauen gibt, die einen höheren Testosteronspiegel als Männer haben, möglicherweise gibt es solche Fälle vereinzelt. Für diese Diskussion wäre das irrelevant. Letztlich bedeutet das nur, dass nicht alle Frauen gleich sind, aber das ist eine Binsenweisheit. Und ja, es gibt auch Menschen, die sich nicht klar einem Geschlecht zuordnen lassen. Aber weder aus dem einen noch dem anderen kann man ableiten, dass Geschlecht ein Konstrukt ist.
Kennzeichen eines Konstruktes
Kennzeichen eines Konstruktes ist, dass alle nicht ins Bild passenden Fakten als „irrelevant“ abgetan werden müssen, um das Konstrukt aufrechterhalten zu können.
Quod erat demonstrandum.
Und ein typischer
Und ein typischer postmoderner Denkfehler ist es, die Binsenweisheit, dass es Grenzfälle und Uneindeutigkeiten gibt, für einen tiefsinnigen Gedanken zu halten, auf dessen Grundlage man dann glaubt, dies und jenes "dekonstruieren" zu können. Guillaume Paoli hat diese Denke in "Die lange Nacht der Metamorphose" sehr schön aufgespießt.
Ich zitiere hier mal einen Kommentar von der hpd-Facebookseite, weil ich den sehr treffend finde:
"Von "die Planeten sind gar keine Götter" und "es gibt in unserem Sonnensystem Körper, die nicht ins Schema Stern, Planet, Mond passen", sollte man nicht zu "Sonne, Mond, Sterne, Planeten sind mutwillige, sinnlose Konstruktion" gelangen."
Und inwiefern sollte der
Und inwiefern sollte der Testosteronspiegel hier relevant sein? Es gibt eben Frauen mit höherem Testosteronspiegel. So what? Sie suggerieren, Frauen mit mehr Testosteron würden irgendwie die Geschlechtergrenzen auflösen, wären also "weniger weiblich" als andere. So, wie die Machos früher maskulin wirkende Frauen als "Mannsweiber" beschimpft haben. Im Prinzip reproduzieren Sie hier ein frauenfeindliches Narrativ.
Meike Flick schreibt in ihrem
Meike Flick schreibt in ihrem vom hpd zeitgleich veröffentlichten Beitrag aus biologischer Perspektive: „Testosteron als Hormon führt im Körper u.a. vor allem zu Muskelzuwachs, weswegen Männer grundsätzlich viel stärker sind als Frauen.“ Die Verknüpfung eines hohen Testosteronspiegels mit dem Konstrukt „Männer“ stammt also nicht von mir, sondern von einer Biologin. Indes haben Untersuchungen gezeigt, dass „einige Frauen höhere Testosteronspiegel als so mancher Mann“ aufweisen (vgl. Barker/Scheele 2023: 35). Diese Tatsache fügt sich nicht in das von biologischer Seite gezeichnete Bild zweier klar voneinander trennbarer „Geschlechter“. Darauf wollte ich Sie aufmerksam machen, aber Sie haben es sofort als „irrelevant“ qualifiziert, ohne zu reflektieren, inwieweit es Ihre These von der biologischen Zweigeschlechtlichkeit unterminieren könnte. Für mich ist ein hoher Testosteronspiegel weder mit einem „männlichen“ noch mit einem „weiblichen“ „Geschlecht“ zu assoziieren, womit ich eine antithetische Position zu der von Meike Flick in ihrem Beitrag referierten biologischen Lehrmeinung einnehme.
Ich habe es als irrelevant
Ich habe es als irrelevant qualifiziert, weil es irrelevant ist. Männer sind im Allgemeinen größer als Frauen, trotzdem gibt es riesige Frauen und schmächtige Männer. Diese Tatsache führt aber nicht zu einer "Dekonstruktion" der Kategorie Geschlecht, weil nämlich weder die Körpergröße noch der Testosteronspiegel maßgeblich für die Geschlechtszugehörigkeit sind. Maßgeblich ist die Ausprägung der Gameten bzw. die damit zusammenhängende reproduktive Anatomie.
Da die Kategorie „Geschlecht“
Da die Kategorie „Geschlecht“ ein menschliches Konstrukt ist, steht es Ihnen frei, welche Klassifikationsmerkmale Sie als „maßgeblich“ oder nicht erachten. Das ist jedoch für die Frage der Konstruiertheit völlig irrelevant, denn die Evolution hat ja die verschiedenen Ausprägungen menschlicher reproduktiver Anatomie nicht etikettiert (was allein schon daran scheitern würde, dass Sprache ein – Sie werden es ahnen – menschliches Konstrukt ist). Insofern können Sie eine bestimmte Ausprägung menschlicher reproduktiver Anatomie gerne mit einem Konstrukt Ihrer Wahl verknüpfen (ob „Mann“ oder „Frau“ oder „Fliegendes Spaghettimonster“ – Ihrer Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt), aber es wird dadurch nicht weniger ein Konstrukt.
Generell würde ich Ihnen empfehlen, einmal die epistemologischen Grundlagen Ihres biologischen ‚Faktenwissens‘ zu reflektieren.
Ja, WENN die Kategorie
Ja, WENN die Kategorie Geschlecht ein Konstrukt WÄRE, dann stände es mir frei, es zu definieren, wie ich wollte. Dann könnte ich die Geschlechter auch anhand der Schuhgröße oder der Form des Ohrläppchens unterscheiden. Sie setzen bereits voraus, dass es ein Konstrukt IST, anstatt sich zu fragen, ob das der Fall ist und die heilige Judith da evenuell falsch liegen könnte. Die Unterscheidung anhand der Keimzellen ist ja keinesfalls willkürlich. Geschlechter sind funktionelle Einheiten und nicht, wie das von der Queer Theory dargestellt wird, willkürlich definierte Kombinationen von Merkmalen, und daher sind Geschlechter ganz eindeutig keine Konstrukte. Sie schwingen sich hier zu einer "Kritik der Biologie" auf, ohne sich wirklich mit dem Gegenstand Ihrer Kritik auseinandergesetzt zu haben, das merkt man immer wieder.
Ihr Hinweis, dass die Evolution diese funktionellen Einheiten ja nicht etikettiert habe, ist schon wieder so eine realsatirische Aussage. Natürlich hat die Evolution das nicht getan. Die Evolution hat weder "Geschlechter" noch "Arten", "Ökosysteme" oder "Organe" etikettiert. Mit dem selben Argument, mit dem Sie hier Geschlechter zum "Konstrukt" erklären, könnten Sie ausnahmslos ALLES "dekonstruieren". Kathleen Stock schreibt: "Anscheinend nimmt [Judith Butler] an, dass sie besonders die Konzepte der Geschlechtsbinarität entlarvt habe. Und dennoch beruht dies auf einer dermaßen allgemeinen Begründung, welche diese Skepsis folgerichtig auf jedwede wissenschaftliche Eingruppierung ausweiten würde - was absolut unsinnig wäre." (Kathleen Stock: Material Girls, S. 83)
A propos Judith Butler: Es ist schon auffällig, dass in Ihrem Text, der Butler aus jeder Pore schwitzt, ihr Name nicht ein einziges Mal erwähnt wird. Gibt es dafür einen Grund?
Im Gegensatz zu Ihnen halte
Im Gegensatz zu Ihnen halte ich biologische Lehrbücher nicht für Offenbarungsschriften und finde, dass die Zeiten, in denen irgendeine Autorität ex cathedra absolute, endgültige, unumstößliche Wahrheiten verkündet, vorbei sein sollten. Stattdessen sollte ausnahmslos alles, inklusive biologischer Lehrmeinungen, zum Objekt von Kritik werden können. Und ja, Sie haben völlig recht, alles, was wir Menschen konstruiert haben, können wir auch dekonstruieren.
Ja, alles kann Gegenstand der
Ja, alles kann Gegenstand der Kritik werden, auch eine biologische Lehrmeinung. Aber für eine Kritik braucht man gute Argumente, und die kann ich hier wirklich nicht erkennen.
Ob Ihre Argumentation à la
Ob Ihre Argumentation à la „Das haben wir schon immer so gemacht“ (Zitat von ihnen: „Die ‚Verknüpfung‘, von der Sie sprechen, habe nicht ich mir ausgedacht, es gibt sie auch nicht erst seit der Entstehung der modernen Wissenschaften - es gibt sie seit Jahrtausenden“) stichhaltiger ist, mögen andere beurteilen. Ich zumindest kann hier kein überzeugendes Argument für eine ontologische Eigenständigkeit der Geschlechterbinarität erkennen.
Nun, das war nicht mein
Nun, das war nicht mein Argument, und das wissen Sie auch. Mein Argument war: "Mit der Aussage, dass nicht alle Lebewesen „gemeinsam zur sexuellen Reproduktion fähig sind“ haben Sie anerkannt, dass es eine reale, objektiv feststellbare Eigenschaft gibt, die diese an der Reproduktion beteiligten Lebewesen unterscheidet und die unabhängig von der menschlichen Vorstellung existiert." Dagegen haben Sie keine überzeugenden Argumente vorgebracht. Ihre "Argumente" waren:
1. "Geschlecht ist ein vorwissenschaftlicher Begriff"
2. "Die Natur benennt diese Eigenschaften nicht, das tut der Mensch"
Zu 1.: Es spricht überhaupt nichts dagegen, vorwissenschaftliche Begriffe weiterhin zu verwenden, sofern sie einer wissenschaftlichen Überprüfung standhalten, das tun wir andauernd. Die Menschen haben schon von "Gold" gesprochen, lange bevor das Periodensystem der Elemente entwickelt war, oder von "Bären", ohne dass sie einen Schimmer von phylogenetischer Systematik gehabt hätten. (Andere Konzepte wie "Äther" oder "Hundertfüßer" haben sich dagegen als nicht nur vor- sondern unwissenschaftlich erwiesen und wurden daher verworfen)
Zu 2.: Diese Aussage läuft letztlich auf die Vorstellung hinaus, durch die Benennung eines Sachverhaltes werde dieser überhaupt erst "konstruiert". Die Denkmöglichkeit, dass bestimmte Strukturen und Gesetzmäßigkeiten in der Natur schlicht vorgefunden und von der Wissenschaft untersucht und beschrieben werden können, ziehen Sie gar nicht in Betracht. Letzteres ist aber Voraussetzung, um Wissenschaft überhaupt sinnvoll betreiben zu können. Ihre Argumentation wendet sich daher nicht lediglich gegen die Kategorie "Geschlecht", sondern gegen die wissenschaftliche Methode an sich. Was mich wieder zurück zu meinem ursprünglichen Komentar bringt: Solche Ansichten sollten hier kein Forum bekommen.
Es steht Ihnen frei,
Es steht Ihnen frei, gemeinsam mit Religionsvertreter*innen am Dogma der Zweigeschlechtlichkeit festzuhalten. Schließlich heißt es in Genesis 1,27: „Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau.“ Dass Sie diese präwissenschaftliche Auffassung nach Verknüpfung mit biologischen Merkmalen für eine große wissenschaftliche Erkenntnis halten und meine divergente Sichtweise canceln wollen („Solche Ansichten sollten hier kein Forum bekommen“) sagt viel über Ihr Wissenschaftsverständnis aus.
Danke für die Antwort - damit
Danke für die Antwort - damit zeigen Sie deutlich, dass Ihnen die Argumente ausgegangen sind. Ich verabschiede mich hier.
Mir sind keineswegs die
Mir sind keineswegs die Argumente ausgegangen, nur sind Sie leider unempfänglich für sie. Andernfalls hätten Sie nicht wiederholt gefordert, meine Perspektive zu canceln („Ich finde, in dieser Form sollte so ein Artikel hier nicht erscheinen. […] Wie kann es sein, dass der hpd jemandem mit derart wirren Ansichten ein Forum bietet? […] Solche Ansichten sollten hier kein Forum bekommen.“). Cancel Culture ist der Antipode eines offenen Austausches von Argumenten.
Ich halte es auch für
Ich halte es auch für bedenklich, wenn Kulturwissenschaftler jetzt Biologiebücher umschreiben wollen.
Ich kann ja verstehen, wenn man Begriffe je nach Bereich unterschiedlich definiert und sich dann innerhalb dieser Grenzen bewegt.
Aber einem Begriff einfach so seine Berechtigung ganz abzusprechen, finde ich schon schwer übergriffig.
Sind Sie dann etwa auch der
Sind Sie dann etwa auch der Meinung, dass Jürgen Habermas als Nicht-Historiker nicht am ‚Historikerstreit‘ hätte teilnehmen dürfen?
Mehr „Fachidiotismus“ statt Multiperspektivität halte ich für einen äußerst bedenklichen Weg.
Er durfte teilnehmen, weil er
Er durfte teilnehmen, weil er prominent war. Aber mußte wohl auch ziemlich Kritik einstecken.
Ich halte eher die Tendenz, jede Meinung als gleichwertig zu betrachten, für bedenklich.
Erachten Sie es dann auch für
Erachten Sie es dann auch für bedenklich, wenn der Evolutionsbiologe Richard Dawkins zum Thema Religion publiziert, obwohl er kein Religionswissenschaftler ist?
Bezüglich des ‚Historikerstreites‘ wäre meine Analyse der Rezeptionsgeschichte, dass sich der Nicht-Historiker Habermas als einer der Hauptprotagonisten mit seiner Position weitgehend durchgesetzt hat.
Dawkins lässt sich m.E.
Dawkins lässt sich m.E. überhaupt nicht auf theologische Diskussionen ein. Er greift Glaubensvorstellungen an, die den naturwissenschaftlichen Erkenntnissen widersprechen.
Dass sich Habermas Position durchgesetzt habe, kann man so sehen, wenngleich ich behaupten würde, er vertrat eine reine Anti-Postion, bei der ihm dann Historiker beisprangen. Es formulierte eine reine Negativkritik der Art "Mir gefällt das nicht" auf moralisierender Basis. Mehr konnte er wegen fehlenden Fachwissens auch gar nicht beitragen.
Es freut mich aber sehr, dass
Es freut mich aber sehr, dass auch Sie beginnen, die Konsistenz und Validität der biologischen Lehrmeinung in Frage zu stellen. Sie sind herzlich eingeladen, gemeinsam mit mir das Konstrukt der biologischen Zweigeschlechtlichkeit zu dekonstruieren!
Eben und Relevant ist in dem
Eben und Relevant ist in dem Fall das es kein Konstrukt ist, sondern eine biologische Grundlage für die menschliche Existenz. Es gibt zwei Geschlechter die sich vermehren können. Welche Rolle sich dadurch ergibt sind soziale Definition. Aber sowohl die Mutter- als auch die Vaterrolle wurde und wird in vielen Gesellschaften sehr unterschiedlich gesehen.
Das alles. was auf diesen Grundlagen basiert, also gesellschaftliche Stellungen oder Ansehen oder welche Funktionen man dem einen oder anderen Geschlecht zuschreibt, immer schon im Fluß ist, ist keine sonderliche erstaunliche Erkenntnis. Warum man diesen aber dazu benutzt die Grundlage zu ignorieren und damit einer sozialen Definition des Zusammenlebens zu widersprechen, erschliesst sich mir nicht.
Wir leben in einem Zeitalter, wo keiner eine Rolle erfüllen muss. Zumindest in Mitteleuropa kann jeder sich entscheiden keine Kinder zu wollen und auch Kleidung, Friseur oder Verhalten muss nicht mehr irgendwelchen Normen entsprechen. Das ist eine Entwicklung die seit 50 Jahren ohne Unterbrechung anhält. Warum jetzt noch so tun, als ob es diese nicht gibt? Oder was bringt es irgendwelchen Menschen wenn es "mehrere Geschelchter" gibt? wäre es nicht besser, wenn es gar keine gibt, ausser du willst Kinder? Und da reichen zwei.
Danke!
Danke!
Auch dazu mein Kommentar; es
Auch dazu mein Kommentar; es gibt nur Menschen, ohne jegliche Geschlechtszuweisung.
Dies gilt im Prinzip auch für Tiere, auch da ist eine speziefische Zuweisung nicht nötig.
Es genügt die Spezies zu benennen.
Ja, so was darf man in einem
Ja, so was darf man in einem weltoffen Forum zur Diskussion stellen.
Oder als Büttenrede beim Karneval vortragen und sich wundern, warum niemand lacht.
Sorry, aber das ist Realsatire. Bitte lasst es Satire sein, bitte! Nein? Nun, der Artikel weiter oben hat mich wieder beruhigt.
Man kann ja gerne andere Meinungen vertreten. Vielleicht schreib ich mal einen Bericht über Marsmenschen, die drei Geschlechter haben, nachdem 25 Geschlechter vorher abgewählt wurden. Aber die vermehren sich auch, indem sie andere Lebewesen in Schoten verwandeln und darin den Nachwuchs entstehen lassen. Doch, ehrlich, daran glaube ich fest. Gaaaanz ehrlich...
Ich verstehe das Bedürfnis
Ich verstehe das Bedürfnis von Leuten, die von Biologie keine Ahnung haben, sich zu diesem Thema zu äußern, und ich verstehe auch das Bedürfnis, solche Äußerungen zu veröffentlichen. Aber auch ein solcher Text sollte mehr als nur marginalinformiert sein und sich bei wichtigen Punkten nicht auf Quellen beschränken, die nur sozialwissenchaftliche und pseudophilosophische Gedankenspiele beitragen statt faktenbasierte Erkenntnisse auf dem Niveau des gegenwärtigen Wissens. Dieser Text taugt vor allem, um zu zeigen, was meinem Eindruck nach viel zu häufig auf den geisteswissenschaftlichen Bereich zutrifft: Viele "Fachleute" geben sich zu wenig Mühe, die Grundlagen der Evolution zu verstehen - das geht schon in Richtung Ignoranz. Das belegt schon der Einstieg mit den Chromosomenkombinationen, die auf mehr als zwei Geschlechter hinweisen sollen. Das behauptet nur, wer die Grundlagen nicht kennt. Oder wir nehmen die Formulierung, das biologische Geschlecht würde bei der Geburt "zugewiesen" und nicht anhand von biol. Geschlechtsmerkmalen in etwa 99% der Fälle richtig identifiziert. (Bei den übrigen handelt es sich um intersexuelle Menschen.) Foucault (und seine Anhänger) bei einem biologischen oder historischen Thema als Quelle von Erkenntnissen anzubringen, ist so, als würden L. Ron Hubbard für Texte über Neurowissenschaften und Erich von Däniken als Quelle für archäologische Texte herangezogen.
Leider haben Sie meinen
Leider haben Sie meinen Beitrag nicht richtig gelesen, denn ich weise lediglich auf eine Inkonsistenz in der biologischen Argumentation hin: Wenn für Richard Dawkins der Nachweis eines XY-Chromosomensatzes genügt, um Imane Khalif als „genetisch männlichen Boxer“ zu bezeichnen, wie er es in einem mittlerweile gelöschten Post auf dem Kurznachrichtendienst X getan hat, dann müsste – dieser Logik folgend – die Existenz anderer Chromosomenkombinationen als XY oder XX für die Existenz anderer genetischer „Geschlechter“ als „männlich“ oder „weiblich“ sprechen. Da ich bereits die Klassifikation eines Menschen mit XY- oder XX-Chromosomensatz als genetisch „männlich“ oder „weiblich“ bzw. allgemein die Verknüpfung biologischer Merkmale mit der von uns Menschen konstruierten Kategorie „Geschlecht“ in Frage stelle, glaube ich folgerichtig auch nicht, dass aus „ungewöhnlichen Chromosomenkombinationen“, wie Sie schreiben, auf die Existenz weiterer „Geschlechter“ geschlossen werden könne. „Geschlecht“ ist ein nicht notwendiges kulturelles Konzept, denn auch nichtmenschlichen Spezies, bei denen nicht davon auszugehen ist, dass sie ein solches Konzept kennen, gelingt die Reproduktion.
"dann müsste – dieser Logik
"dann müsste – dieser Logik folgend – die Existenz anderer Chromosomenkombinationen als XY oder XX für die Existenz anderer genetischer „Geschlechter“ als „männlich“ oder „weiblich“ sprechen."
Ist das wirklich "logisch" zwingend?
Meike Flick schreibt in ihrem
Meike Flick schreibt in ihrem vom hpd zeitgleich veröffentlichten Beitrag aus biologischer Perspektive: „Beim Menschen wird das Geschlecht über die Geschlechtschromosomen festgelegt (XX = weiblich, XY = männlich)“. Unter dieser, von mir nicht geteilten, Prämisse könnte beispielsweise eine XYY-Chromosomenkombination per se weder als „weiblich“ noch als „männlich“ klassifiziert werden.
Ach so, wegen dem "Ist
Ach so, wegen dem "Ist-Zeichen"!? (Gut, eine Folgepfeil wäre vielleicht korrekter gewesen).
Interessant finde ich so gesehen ja vor allem das Turner-Syndrom.
Nein, ist es nicht - siehe
Nein, ist es nicht - siehe meinen Kommentar weiter oben.
Danke - knapp, deutlich, klar
Danke - knapp, deutlich, klar! Im Übrigen muss man den CSD (Christopher Street Day) nicht mögen, um ihn auszuhalten; man wird nicht gezwungen, teilzunehmen.
"Es mag sein, dass durch eine
"Es mag sein, dass durch eine Auflösung der Geschlechterbinarität, wie wir sie kennen, die Geschlechterordnung an Einfachheit und Übersichtlichkeit verlöre."
Das fürchte ich ja auch - vor allem in Bekleidungsgeschäften wäre ich z.B. ohne klare Zurordnung teilweise glatt verloren.
Irgendwie kommen wir über die
Irgendwie kommen wir über die „sex“ und „gender“ Debatte nicht hinaus. Wenn wir sprechen wollen, müssen wir Worte verwenden. Worte grenzen Begriffe ab. Diese Grenzen sind mehr oder weniger scharf und decken sich mehr oder weniger mit den Phänomenen. Es ist also keine Frage der Wahrheit sondern eine der Zweckmäßigkeit, welche Worte wir verwenden. Es kann doch zweckmäßig sein zu sagen, ein Mensch sei biologisch eine Frau und seinem Verhalten nach ein Mann. Was dann an Konsequenzen daraus folgt (Diskriminierung, Schutz, Aufwertung, Verpflichtung…) ist eine Frage der sozialen Organisation und darüber wird gestritten und die verändert sich und dabei kann es auch zweckmäßig sein, in sozialen Kontexten auf Geschlechtszuschreibungen zu verzichten oder weitere Geschlechtsbezeichnungen zu verwenden. Darum kann es aber trotzdem zweckmäßig sein, biologisch von nur zwei Geschlechtern zu sprechen. Wir teilen Menschen ständig in Gruppen ein um über sie sprechen zu können (Kinder/Erwachsene, Gesunde/Kranke, Manager/Arbeiter…). Und diese Einteilungen schaffen unterschiedliche Perspektiven auf immer wieder dieselben Personen. Warum gelingt uns das bei „sex“ und „gender“ nicht? Liegt es nur daran, dass wir sowohl in biologischen wie in sozialen Kontexten die Worte „Frau“ und „Mann“ verwenden? Vielleicht sollten wir dafür ein paar neue erfinden, freie Buchstabenkombinationen gibt’s noch genug. Dann könnten wir über den Sinn und Unsinn von Diskriminierungen streiten und nicht über Wörter.
"Warum gelingt uns das bei
"Warum gelingt uns das bei „sex“ und „gender“ nicht?"
Ich denke, einer der Gründe dafür ist, dass der Begriff "Gender" viel zu schwammig (geworden) ist. Kathleen Stock hat herausgearbeitet, dass der Begriff in vier verschiedenen Bedeutungen gebraucht wird. Ich würde dazu noch ergänzen: Er wird oft auch von ein und derselben Person in diesen verschiedenen Bedeutungen gebraucht, es wird permanent zwischen den Bedeutungen hin- und hergesprungen, je nachdem, wie es gerade am besten in die Argumentation passt.
Zu sagen, ein Mensch sei biologisch eine Frau und dem Verhalten nach ein Mann, finde ich problematisch, weil man bei der Definition von "männlichem Verhalten" unweigerlich in den Bereich von Klischees abrutscht. Eher sollte man sagen: Ein Mensch ist biologisch eine Frau, aber wir behandeln ihn gesellschaftlich so, als sei er ein Mann. Weil wir Rücksicht nehmen und anerkennen, dass dieser Mensch aufgrund seiner Geschlechtsdysphorie nur so ein glückliches Leben führen kann.
Ob "gender" schwammig, ist
Ob "gender" schwammig, ist spielt doch keine Rolle. Wenn wir ihn von "sex" unterscheiden können ist das eine eben eine biologische Diskussion (es gibt nur zwei Geschlechter) und das andere seine soziologische (es gibt diverse Geschlechter). Über beides kann man sich streiten, aber das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Mein Eindruck ist: Man will sich aber streiten und darum ist diese Differenzierung zu langweilig, dann könnte man sich damit ja nicht profilieren. Darum werden dann diese Probleme erfunden, die keine sind.
Es ist nur leider so, dass
Es ist nur leider so, dass "gender" in einer der vier Bedeutungen einfach als Euphemismus für "sex" verwendet wird. Und die dekonstruktivistische Sichtweise lehnt die Trennung von sex und gender ja gänzlich ab.
An der Aussage "Es gibt diverse soziale Geschlechter" finde ich auch problematisch, dass sie soziale Geschlechterrollen implizit als gegeben hinnimmt. Sollte es nicht eher das Ziel sein, diese Rollen zu überwinden, anstatt sie durch weitere zu ergänzen?
Männer vergewaltigen Frauen.
Männer vergewaltigen Frauen. Auch wenn sie sich als irgendwas anderes identifizieren. Die Biologie spielt DIE Rolle, weswegen es CEDAW oder Istanbul Konvention gibt.
Ist es nicht so, dass Freuen
Ist es nicht so, dass Freuen Kinder bekommen können und dafür einen Mann brauchen?
Oder gibt es Menschen, die nur ein bisschen Kinder kriegen können und dafür auch Spermien produzieren?