Was Karnevals-Wagenbauer Jacques Tilly nach den tollen Tagen erlebte

Ein Satiriker, der austeilt, muss auch einstecken können

Alice Weidel als Knusperhexe

Mehrere Dutzend Hassmails, aber auch viel Lob gab es für die Mottowagen von Jacques Tilly im Düsseldorfer Rosenmontagszug. Vor allem an einem provokanten Wagen zur AfD entzündete sich die Kritik. Bis hin zu Vorwürfen, der Künstler habe sich durch eine Hakenkreuz-Darstellung strafbar gemacht.

Die von Jacques Tilly und seinem Team gebauten Mottowagen sind meist bitterböse Satire. Offensiv und durchaus aggressiv greifen sie tagesaktuelle politische Themen auf. Die Kritisierten werden vom Künstler nicht geschont (siehe dazu unsere Berichterstattung).

Von aggressiver und weit über das Ziel hinausschießender Kritik bleibt aber auch der Künstler selbst nicht verschont, wenn er in den auf den Rosenmontag folgenden Tagen sein E-Mail-Postfach öffnet. Da wird ihm gar der Tod gewünscht. Und er sieht sich mit Strafanzeigen konfrontiert. Es gibt aber auch sehr positive und aufmunternde Resonanz. Ein Blick in die "Korrespondenz", in die Tilly dem hpd einen Einblick gewährte:

Schmähkritik

Die Schreiberinnen und Schreiber finden die Kunstwerke wahlweise "ekelhaft", "dekadent", "abstoßend", "widerwärtig", "dümmlich" oder "geistlos". Tilly und sein Team werden als "Festwagenkonstrukteure der Schande" bezeichnet. Was wohl an eine Äußerung von AfD-Chefin Alice Weidel anknüpfte, die im Wahlkampf von Windrädern als "Windmühlen der Schande" gesprochen hatte. Der Wagenbauer wird als "Linksfaschist" und "Hetzer" bezeichnet. Ein Schreiber mit Professorentitel, der sich seiner eigenen Intelligenz sicher scheint, fragt Tilly, wie hoch sein IQ sei. Ein anderer schimpft: "Was bist Du nur für ein armes Würstchen? Versuch doch mal eine Islam-Satire, Hofnarr!" "Schande über Dich, Du Pseudokünstler", ruft ein anderer. Tilly möge "weggesperrt" werden, wird gehofft. Immerhin ist das noch eine rechtsstaatlich kompatible Verwünschung. Andere demaskieren ihren eigenen Charakter viel offener. Eine Dame holzt besonders derbe: "Der Blitz sollte solche Künstler beim Scheißen treffen." Richtig bösartig wird ein Mann, der ankündigt: "Sollte Ihnen jemand ein Loch in den Kopf schießen, zahle ich den Rechtsbeistand."

Die Reaktion von Jacques Tilly

Jacques Tilly als Schlangenbeschwörer. Foto: © Ricarda Hinz
Jacques Tilly war am Rosenmontag als Schlangenbeschwörer aus 1001 Nacht verkleidet. Foto: © Ricarda Hinz

Wie fühlt sich einer, der solche Mails erhält? Lässt sich solcherart Post so einfach geistig in den Papierkorb ablegen? Geht Tilly gar mit Strafanzeigen gegen die Schreiber vor, wenn es zu arg wird? Dazu sagt der Düsseldorfer: "Was die Ablehnung und den Hass angeht, da bin ich immer recht gelassen. Ich bin ja ein großer Anhänger der Streitkultur und nutze gerne auch mal derbe Schimpfwörter. Rosenmontag teile ich aus, da muss ich auch was einstecken können. Nur konkrete Gewaltandrohungen sind die rote Linie, die würde ich auch anzeigen. Da gibt es dann nichts mehr zu verharmlosen. Auch im Interesse all derer, die ebenfalls unter ähnlichen Gewaltandrohungen leiden. Aber für substantielle Kritik bin ich immer zu haben. Ich kann ja auch mal gewaltig daneben liegen, das gebe ich dann auch zu."

Lob für den Künstler

Tilly verweist darauf, dass er auch viele aufmunternde Worte und Unterstützung erhalten habe. Da heißt es etwa: "Drastische Ereignisse verlangen auch drastische Darstellungen. Wir hoffen sehr, dass Sie dem Düsseldorfer Karnevalsumzug noch etliche Jahre erhalten bleiben."

"Ich möchte mich für Ihr mutiges Engagement ganz herzlich bedanken. Es scheint auf diesem Planeten also doch noch Menschen wie Sie zu geben, die aufstehen und Nein sagen zu Diktatoren, Faschisten, Größenwahn und dergleichen. Machen Sie bitte weiter so!"

"Die Botschaften der Wagen treffen ins Mark. Ich hoffe, sie bringen viele Menschen zum Nachdenken."

"Ich wünsche Ihnen Mut und Stärke für Ihre weitere Arbeit!"

Auch jenseits des Atlantiks werden die Botschaften aus Düsseldorf wahrgenommen. So berichtete die Onlineplattform watson.de in einem Posting, dass die Wagen auch in den USA viel Zuspruch fanden. So sei etwa auf X ein Video aus Düsseldorf von dem "Napo-Elon" mit 16,7 Millionen Views viral gegangen. Auf Reddit habe der Hitler-Stalin-Pakt 2.0 von Putin und Trump über 70.000 Upvotes erlangt. In den Kommentaren hinterfragten User das Klischee der unlustigen Deutschen und wünschten so etwas auch in den USA. Andere User seien beeindruckt von der Meinungsfreiheit in Deutschland.

Eine Verschwörungstheorie gibt es auch

Ein schräges Gerücht wird von Tilly-Gegnern gestreut – dass seine Karnevalskunst aus Steuergeldern oder "Zwangsgebühren" des öffentlich-rechtlichen Rundfunks bezahlt werde. Als Beleg dafür soll herhalten, dass der Westdeutsche Rundfunk die Karnevalsumzüge alljährlich im Fernsehen zeigt. Die Wahrheit ist eine andere: Nicht der WDR bezahlt die Arbeit des Tilly-Teams, sondern das Düsseldorfer Carnevals-Comitee. Dieses wiederum wird von den Düsseldorfer Karnevalsvereinen getragen.

Der Hakenkreuz-Wagen: Empörung, Lob und das Strafrecht

Ein Mottowagen des Düsseldorfer Rosenmontags erregte die Gemüter ganz besonders. Er zeigt AfD-Chefin Alice Weidel als alte Hexe, die aus einem Hexenhäuschen heraus Erstwählern einen Pfefferkuchen in Hakenkreuzform reicht. Die Süßigkeiten an der Wand des Hexenhauses tragen Aufschriften wie "Tiktok", "Instagram" oder "YouTube", was für einen rechtsradikalen Einfluss stehen soll, den die AfD über Soziale Medien auf junge Menschen hat. Das brachte besonders viele Leute in Rage. Einige Zitate aus Mails, mit denen sich Tilly konfrontiert sah: "Ihr solltet euch für eure Geschmacklosigkeit in Grund und Boden schämen. Ich hoffe, das Team Alice wird sich das für nach der Wahl 2029 merken und euch zur Rechenschaft ziehen."

"Eine absolute Frechheit – Unverschämtheit – man kann es nicht mehr anders ausdrücken, und es ist auch nicht mehr zu ertragen. Ich hoffe, dass die gestellten Strafanzeigen ihre Wirkung zeigen."

Gerade für den Hexenhaus-Wagen gibt es aber auch vielfaches Lob: "Lassen Sie sich durch die Pöbeleien der AfD-Nazis nicht beeindrucken. Es ist wichtig, mit unserer Mehrheit ein Gegengewicht zu Rassismus und Menschenverachtung zu setzen. Für Demokratie und Verfassung unserer Republik."

"Dieser Wagen gab mir unfassbar viel Hoffnung, dass wir als Gesellschaft die AfD immer noch gemeinsam abwehren können."

Doch was ist dran an dem strafrechtlichen Vorwurf – haben sich Tilly und sein Team strafbar gemacht, indem sie ein Hakenkreuz in Pfefferkuchenform durch Düsseldorfs Straßen rollen ließen? Das Verbreiten von nationalsozialistischen Parolen, Gesten und Codes ist nach den Paragrafen 86 und 86a Strafgesetzbuch strafbar – als Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Allerdings enthält der Paragraf 86 eine sogenannte Sozialadäquanzklausel. In Absatz 4 der Vorschrift heißt es, dass das strenge Verbot des Verwendens der Symbole dann nicht gilt, "wenn die Handlung der staatsbürgerlichen Aufklärung, der Abwehr verfassungswidriger Bestrebungen, der Kunst oder der Wissenschaft, der Forschung oder der Lehre, der Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens oder der Geschichte oder ähnlichen Zwecken dient."

Beim Satirewagen dürfte diese Klausel mit Blick auf die Kunstfreiheit erfüllt sein. So berichtete denn auch die in Düsseldorf erscheinende Rheinische Post (RP), dass Staatsanwaltschaft und Polizei das Thema am Rosenmontag durchaus auf dem Schirm gehabt hätten. So hieß es in der RP: "Bei der Staatsanwaltschaft Düsseldorf sieht man jedenfalls keinen Anlass, einzugreifen, sagt eine Sprecherin, und verweist auf den entsprechenden Paragrafen 86 des Strafgesetzbuches. Davon dürfte das Lebkuchen-Hakenkreuz gedeckt sein, so die Sprecherin, man habe keine Bedenken."

Und Jacques Tilly sagte zu dem Thema auf Anfrage des hpd: "Wir haben uns vorher abgesichert und den Entwurf auch der Polizei gezeigt. Schließlich sollte der Wagen ja nicht Rosenmontag aus dem Zug gewunken werden. Aber da gab es keine Bedenken."

Dem Online-Rechtsportal Legal Tribune Online sagte der Strafrechtsprofessor Matthias Jahn von der Goethe-Universität Frankfurt: "Für mich ist das haarscharf noch straflos." Die Weidel-Karikatur sei gesellschaftliche Aufklärung in künstlerisch verfremdeter Form. Jahn weist darauf hin, dass die Rechtsprechung die Sozialadäquanzklausel sehr zurückhaltend anwende. "Die Norm will als abstraktes Gefährdungsdelikt verhindern, dass die Verwendung von Nazi-Symbolik, Nazi-Sprech und Nazi-Gesten wieder zu unserem Alltag gehören darf. Die Botschaft ist klar: Finger weg von Nazi-Gestik, -Rhetorik und allem, was damit assoziiert ist."

Für Jahn liegt hier aber eine "freie schöpferische Gestaltung vor." Diese Gestaltung werde mit der gesellschaftskritischen Warnung, dass die AfD Heranwachsende mit rechtsradikalen Inhalten vergifte, verbunden. Ob man die gewählte Formensprache mit dem Narrativ der bösen Hexe aus dem Volksmärchen für stilvoll oder auch nur gelungen hält, stehe auf einem anderen Blatt, betont Jahn. "Schließlich konterkariert es ein Stück weit den strengen Schutzzweck, NS-Symbole unbedingt aus dem öffentlichen Raum zu verbannen." Strafverfassungsrechtlich aber überwiege der Schutz der Meinungs- und Kunstfreiheit aus Artikel 5 Grundgesetz.

Das sagt die Staatsanwaltschaft

Der hpd fragte auch bei der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft nach. Eine Sprecherin bestätigte, "dass uns zahlreiche Strafanzeigen in diesem Zusammenhang vorliegen, die nun im Einzelnen geprüft werden." Die Staatsanwältin weist jedoch auch darauf hin: "Der betroffene Wagen wurde aber vorab bereits von Amts wegen geprüft. Nach dieser vorläufigen Prüfung wurde der Wagen als unbedenklich gewertet, da hier § 86 Absatz 4 StGB einschlägig sein dürfte. Anhaltspunkte für strafrechtlich relevantes Verhalten liegen nach dieser Prüfung nicht vor."„"

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Kommentare (25)

Gerhard Lein (nicht überprüft)

Mi. 12 Mär 2025 - 12:48

Bei solch politischen Darstellungen im Karneval könnte ich als nüchterner Hamburger fast noch zum Kaneval-Fan werden. Bravo Jaques Tilly!

Gerhard Baierlein (nicht überprüft)

Mi. 12 Mär 2025 - 13:13

Menschen die derartige Kritik an Tilly schreiben haben die selben Ansichten wie der Islam
zu Charly Hebdo.
Humorlose Radikalinskis gibt es leider überall, diese sollten einmal darüber nachdenken was sie da tun, bevor nicht rückgängig zu machende Taten geschehen.

Es ist beruhigend, daß die Mehrheit der Bürger diesen Faschingszug als lustige Wahrheit
über die AfD erkannten und dieser auf diese Weise mitteilten, was sie von der AfD halten.
Deren Drohungen werden die Mehrheit nicht einschüchtern, sonder immer mehr Bürger erkennen wohin die AfD steuert.

Bernd Kammermeier (nicht überprüft)

Mi. 12 Mär 2025 - 13:19

Natürlich regen sich Nazi darüber auf, Nazis genannt zu werden samt ihrer "Verführungskünste", um -wie der Rattenfänger von Hameln- junge Leute für ihre menschenverachtenden Ziele einzufangen.

Und selbstverständlich muss diese Verführung die gewaltige, demokratische Mehrheit nicht widerspruchsfrei hinnehmen. Wir haben aus 1933 gelernt, als das Gift auf demokratischem Wege in die Gesellschaft einsickerte. Wehret den Anfängen!

Und dafür ist Karneval da: der Gesellschaft mit Militärparodien und entsprechend deftigen Büttenreden politische Missstände aufzuzeigen. Lachen befreit, solange wir noch lachen dürfen. Und das dürfen wir, nicht nur im Keller, weil unser fantastisches GG eine umfassende Meinungsfreiheit gewährt.

Jacques ist hierbei der Leuchtturm, der immer wieder treffsicher und pointiert gegen Extremisten ansatirisiert - und dadurch für eine freie, offene, tolerante und liebenswerte Gesellschaft kämpft. Mit Mitteln der Satire, nicht mit Beleidigungen, Schmähungen oder gar Drohungen wie dies die Arschlöcher für Deutschland gerne handhaben.

Niemand zwingt irgendjemanden in Deutschland, sich politisch zu radikalisieren und sich dabei rassistischer Parolen und offener Wissenschaftsfeindlichkeit zu bedienen. Im Gegenteil: Jeder ist aufgerufen, sich freundlich am Staatswesen zu beteiligen und mit seinem Tun und Handeln die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

Wer sich dem verweigert, darf sich über massiven Gegenwind nicht wundern - und muss einmal im Jahr Jacques Spiegel ertragen, der ihm schonungslos zeigt, dass er sich auf einem Irrweg befindet. Vielleicht findet derjenige dadurch die Kraft, wie Hänsel und Gretel, die böse Hexe der Vergangenheit zu verlassen - allerdings ohne sie in den Ofen zu stecken, denn so hat auch die Hexe eine Chance zur Abkehr von der Schändlichkeit ihres Tuns...

Gerhard Baierlein (nicht überprüft)

Do. 13 Mär 2025 - 10:15

Antwort auf von Bernd Kammermeier (nicht überprüft)

Besser kann man es nicht formulieren, Danke für diesen gelungenen Kommentar über die,
wie Sie die AfD umgedeutet haben ist genial, die Arschlöcher für Deutschland sollten sich was Schämen Satire derartig anzugreifen.

AW (nicht überprüft)

Mi. 12 Mär 2025 - 14:38

Ich bin wahrlich kein Freund des deutschen Karnevals. Aber die Wagen von Jacques Tilly schau ich mir nachher immer an und kann ihm zu so viel Kreativität nur gratulieren.
Kritik gehört dazu , Drohungen oder gar Morddrohungen sind ein absolutes Nogo und sollten strafrechtlich verfolgt werden.

Werner Helbling (nicht überprüft)

Mi. 12 Mär 2025 - 16:38

Aus Ihrem Text entnommen:
«Die Botschaften der Wagen treffen ins Mark. Ich hoffe, sie bringen viele Menschen zum Nachdenken."
Es gab einmal den Spruch: «Wenn man dem Hund auf den Schwanz tritt, bellt er!»
Leider ertragen sehr viele Leute die Wahrheit nicht. Zudem ist «Denken» Schwerstarbeit!

Bernie (nicht überprüft)

Mi. 12 Mär 2025 - 18:18

Danke für diesen Text, aber auch mir ist die Einseitigkeit bei Jaques Tilly bitter aufgestossen.

Er kann ja gerne Diktatoren, Autokraten, die AfD & andere karnevalistisch satirisch auf's Korn nehmen, aber dann wäre es nur fair von ihm er würde dasselbe auch mit der gescheiterten Ampel-Regierung machen.

Habeck z.B. bietet ja mehr als einen Anhaltspunkt für gute karnevalistische Satire, aber der, oder auch andere Mitglieder der abgewählten Ampelregierung wurden ebenso genschont wie Blackrock-Merz als nächster Kanzler Deutschlands - einseitig eben.

Apropo einseitig - bin absolut kein Fan der AfD, oder von Strafanzeigen gegen Künstler, aber da müssen sich die deutschen Staatsanwaltschaften wohl seit der Corona-Pandemie nicht zum ersten Mal fragen lassen, ob die nicht mit zweierlei Maß messen - mit Willkür - was jetzt an verfassungsfeindlichen Symbolen zeigen strafbar ist - oder nicht.

Wie war das mit dem Fall eines us-amerikanischen Buchautors der m.E. in Berlin bestraft wurde, weil er einen Buchdeckel mit einer Coronamaske zierte auf der ein Hackenkreuz abgebildet war?

Insofern ich mich erinnern kann kam der nicht so gimpflich davon wie Jaques Tilly - unsere Justiz muss sich da wirklich fragen lassen ob die nicht mit zweierlei Maß mißt - der eine vorbestraft weden des Aufzeigens verfassungswidriger Symbole auf einem coronakritischen Buch (übrigens ebenso satirisch gezeigt, da der Buchautor keinen Bezug zur rechten Szene hatte...) und der andere nein.....was ist das für eine Gerechtigkeit - entweder beide vorbestraft - oder beide freigesprochen, aber so? Wo bleibt da die Gerechtigkeit? Nur mal so als Frage in den Raum gestellt.

Nicht falsch verstehen, ich finde die Karnevalsmotive auch sehr zutreffend, aber mich nervt die Einseitigkeit, und der offensichtlich doppelmoralische Umgang der deutschen Justiz bei ein und demselben Vergehen - das ist ein Schandfleck für unsere Justiz.

Gruß
Bernie

> Danke für diesen Text, aber auch mir ist die Einseitigkeit bei Jaques Tilly bitter aufgestossen.

Wie kann es einem denn bitte bitter aufstoßen, dass jemand eine eigene Meinung hat und selbst entscheidet, was ihm wichtig ist? Woher kommt die Idee, dass jeder Mensch in seinen Äußerungen zu irgendeiner Form von Neutralität verpflichtet sein soll?!

> Insofern ich mich erinnern kann kam der nicht so gimpflich davon wie Jaques Tilly - unsere Justiz muss sich da wirklich fragen lassen ob die nicht mit zweierlei Maß mißt - der eine vorbestraft weden des Aufzeigens verfassungswidriger Symbole auf einem coronakritischen Buch

Nein, muss sie offensichtlich nicht, da das Gesetz offensichtlich keine Ausnahme für "Corona-Kritik" vorsieht. Ein Buch über Corona klärt offensichtlich nicht über Nationalsozialismus auf oder setzt sich mit diesem kritisch auseinander. Ein Wagen, der sich mit jemandem auseinandersetzt, der Hitler als Sozialisten verklärt, offensichtlich schon.

Ihre Meinung, aber vielleicht sollte ich zur Klarstellung mal einen Artikel der Taz verlinken warum ich dies Urteil für doppelmoralisch halte:

https://taz.de/US-Autor-CJ-Hopkins-schuldig/!6033085/

Pikant wird die Sache noch dadurch, dass ein US-Amerikaner, ein Satiriker, der in Deutschland lebt und arbeitet, deswegen verurteilt wurde, der nie als "Nazi" aufgefallen ist.

Ich bleibe dabei, auch ohne "Querdenker" zu sein, oder denen auch nur nahe zu stehen, vor Justiz hat nur derjenige Recht, der einen guten und teuren Anwalt hat - ergo ist man "Vor Gericht und auf See in Gottes Hand" (= alter Anwaltsspruch).

Betrachte das Thema eigentlich als beendet, aber sollte dennoch mal schreiben wen ich da eigentlich meine, wenn ich von einer deutschen "doppelmoralischen" Justiz schreibe ;-)

Gruß
Bernie

Bernie (nicht überprüft)

Mi. 12 Mär 2025 - 18:25

Sorry, da ich nicht weis wie ich hier etwas zufügen kann hier noch der Hinweis auf den Fall in Berlin:

https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2024/09/berlin-kammergericht-urteil-verwendung-hakenkreuz-kritik-corona-gesetze.html

Wie schon gesagt bin eigentlich ein "Fan" von Jaques Tilly, und finde den Wagen mit Weidel absolut gelungen, aber will nur mal darauf hinweisen, dass die deutsche Justiz sich kein Ruhmesblatt verdient, wenn die mit zweierlei Maß mißt, nicht erst seit Corona-Zeiten.

Gruß
Bernie

Ich würde ja eher sagen, da fehlts bei Ihnen einfach an der Feinmechanik sprich der Fähigkeit zu differenzieren - oder vielleicht auch am guten Willen!?.

Beide Texte sind dazu noch selbsterklärend. "Beim Satirewagen dürfte diese Klausel mit Blick auf die Kunstfreiheit erfüllt sein." Preisfrage: Um welche Klausel handelt es sich und warum greift diese im anderen Falle nicht erfüllt?

Auch im rbb-Text steht eigentlich alles drin, was wichtig ist. Hier das entscheidende Textfragment: "Ausnahmen sind laut Gerichtsurteil nur unter sehr strengen Bedingungen möglich, wenn für einen objektiven Betrachter eindeutig erkennbar ist, dass die Verwendung des Symbols nationalsozialistisches Gedankengut ablehnt.Das Gericht stellte allerdings fest, dass der Angeklagte weder objektiv über Zeitgeschehen berichtete noch staatsbürgerliche Aufklärung betrieb, sondern den Eindruck erweckte, die Verwendung des Hakenkreuzes sei akzeptabel. "

Lieber Herr Fischer, danke für Ihre Antwort. Eventuell haben Sie sogar recht, aber ich vermute einmal, dass der Mann, der zu Corona-Zeiten wegen seiner Satire - Hakenkreuz auf Coronamaske - angeklagt und verurteilt wurde eventuell das Pech hatte das in Berlin zu machen. Die Polizei und Justiz soll ja dort gnadenlos sein, und keine Sorge, ich habe schon die Fähigkeit zu differenzieren - meine Vermutung ist Jacques Tilly hat einfach Glück, dass seine satirische Provokation im rheinischen Düsseldorf stattfand, und nicht im gnaden- und humorlosen Berlin. Sonst wäre er auch verurteilt worden ;-)

Ich bleibe dabei, ganz ohne ein "Fan" von Frau Weidel zu sein, oder, ein uneingeschränkter Fan, von Jacques Tilly zu sein - irgendwie bleibt ein schaler Geschmack übrig, wenn die deutsche Justiz mit zweierlei Maß bei Satire mißt - sorry, nur meine neutrale Sicht.

Ich persönlich gehe davon aus, wie oben erwähnt, dass die Aktion des Herrn Tilly in Berlin auch vor Gericht, und mit einer Verurteilung wegen des mehrfachen Verwendens verfassungswidriger Symbole, wenn auch nur zu satirischen Zwecken, mit einer Verurteilung und einer Geldbuße geahndet worden wäre. Wie schon gesagt, er hat eben Glück gehabt in Düsseldorf zu leben und zu arbeiten, und nicht im (preußischen) und (absolut) humorlosen Berlin.

Nichts für ungut - nur meine Meinung ;-)

LG Bernie

Michael Fischer (nicht überprüft)

Fr. 14 Mär 2025 - 10:18

Antwort auf von Bernie (nicht überprüft)

Nichts für ungut, aber wir hatten das ja während der Pandemie öfter, dass irgendwelche fanatisierten Querdenker meinten, sich selbst auf eine Stufe mit Opfern des NS-Regimes stellen zu können. "Jana aus Kassel" fühlte sich wie Sophie Scholl, eine elfjährige verglich sich gar mit Anne Frank.

Ich glaube nicht, dass Tilly einfach nur Glück hatte. Ich glaube auch nicht, dass die Richter in Berlin besonders humorlos sind.

Von Satire erwarte ich mir doch so etwas wie geistreichen Witz. Der Typ aus Berlin sollte Satire vielleicht doch besser den Leuten überlassen, die darin geübt sind.

Bernie, das Gericht hat klar begründet warum es in diesem Fall verurteilt hat. Die Begründung ist nachvollziehbar und in keiner Weise auf den Weidel-Hakenkreuz-Wagen anwendbar.

aus dem Artikel den Sie verlinkt haben
"
Weiter hieß es, der Vergleich von Corona-Maßnahmen mit dem durch das Hakenkreuz symbolisierten NS-Terrorregime stelle eine Verharmlosung des Nationalsozialismus und des Völkermordes an Millionen Juden dar, nicht aber eine Kritik daran.
"

So kann man nur argumentieren, wenn man den Nationalsozialismus auf den Holocaust reduziert und die sonstigen Verbrechen der Nazis unterschlägt.

Lachmann (nicht überprüft)

Do. 13 Mär 2025 - 09:05

"Ein Satiriker, der austeilt, muss auch einstecken können"
Ist die Überschrift auch ein wenig Provokation? Wie ist das mit "Verhältnismäßigkeit"?
Ich hab da so eine Karikatur im Kopf: Es zeichnet jemand mit Bleistift eine Karikatur und hinter ihm steht jemand mit Messer in der Hand und der Sprechblase "Ein Satiriker, der austeilt, muss auch einstecken können"
Im Artikel wird dann ja auch differenziert: " ... Ich bin ja ein großer Anhänger der Streitkultur ..." aber auch "Nur konkrete Gewaltandrohungen sind die rote Linie ...".

Thomas Spickmann (nicht überprüft)

Do. 13 Mär 2025 - 10:51

Als Jugendlicher war ich sehr prüde. Da wären manche Darstellungen von Jacques Tilly zu obszön und zu schockierend gewesen. Heute sind sie nur noch gewöhnungsbedürftig.

Real Human (nicht überprüft)

Do. 13 Mär 2025 - 13:35

„Je abstrakter die Wahrheit ist, die man lehren will, umso mehr muss man erst die Sinne zu ihr verführen.“ (Nietzsche)

Jacques Tilly hätte um den § 86a (Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen) zu umschiffen, das Swastika auch z.B. in einen Fensterrahmen einbetten können. Man könnte es dabei trotzdem erkennbar daraus hervorheben. Einen Fensterrahmen nebst sozialen Medien (als Echokammern interpretierbar) hat er aber doch treffend dargestellt.

„Des Pudels Kern“ (Goethe) liegt aber viel tiefer, nämlich in der völlig unzureichenden hinterfragenden Auseinandersetzung mit den INHALTEN der „heiligen Schriften“ – schon in den Schulen! Wodurch – meist unterbewusst! – die Erziehung autoritärer Untertanen-Persönlichkeiten vorbereitet wird. Bildlich: Es bedarf nicht viel, um aus einem Christus-Kreuz Häkchen hervorwachsen zu lassen.

Fazit: Mutig und klug gemacht Jacques Tilly!

Lieber Real Human, wie schon gesagt, Herr Tilly hat Glück, dass sein Karneval im entspannten rheinischen Düsseldorf stattfindet - es gibt Staatsanwaltschaften und Bundesländer, wo er nicht um eine Verurteilung herum käme....Berlin z.B. soll da bei Künstlern und Satirikern, nicht erst seit Corona, gnadenlos sein.....aber das ist ein anderes Thema, dass die (angebliche) Unabhängigkeit der deutschen Justiz Lüge straft.....

Wie schon oben angedeutet, gibt es da offenbar unterschiedliche Vorstellungen von "Satire" in Teilen der Bevölkerung.

Vermutlich liegt einfach da des Pudels Kern. Da muß man dann nicht gleich derartige Geschütze auffahren wie die Unabhängigkeit der deutschen Justiz anzuzweifeln.

Lachmann (nicht überprüft)

Fr. 14 Mär 2025 - 15:01

Antwort auf von Michael Fischer (nicht überprüft)

Unabhängigkeit der Justiz und Demokratie find ich ein spannendes Thema.
Zum Beispiel im Blick auf die Urteile zu § 218 oder anderen moralischen und kirchlichen Themen.
Vielleicht gibt es hier dazu mal einen guten Artikel eines Juristen und Demokraten.
Unter diesem Artikel kriegen wir damit villeicht ein "Thema verfehlt"

Ja, ich würde auch gerne so einen Artikel lesen ;-)

Sie haben übrigens Recht, lassen wir daher das Thema.

Ist müßig sich darüber zu streiten, wer recht hat, aber wer noch nie mit Anwälten zu tun hatte, dem empfehle ich mal einens schönen Spruch den mir ein Anwalt vor ca. 2 Wochen mal sagte "Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand"

Lohnt sich darüber nachzudenken, auch als Nicht-Anwalt bzw. Nicht-Jurist:

https://www.swr.de/wissen/1000-antworten/woher-kommt-vor-gericht-und-auf-hoher-see-ist-man-in-gottes-hand-102.html

Gruß
Bernie

Bernie (nicht überprüft)

Fr. 14 Mär 2025 - 16:28

Antwort auf von Michael Fischer (nicht überprüft)

Lieber Herr Fischer, Sie hatten wohl nie mit der deutschen Justiz zu tun? Oder?

Seit CUM-Ex weis jeder, dass die deutsche Justiz nicht staatlich unabhängig agiert, ja sogar Staatsanwältinnen feuert wenn die zu forsch recherchieren - gegen Promis und Politiker.

Gibt doch einen alten Spruch, den mir mal ein Anwalt sagte, der sinngemäß so geht wenn Sie vor Gericht Gerechtigkeit suchen liegen sie absolut falsch.....:-(

Und das es in Deutschland absolut zu "Fehlurteilen" kommt kann Ihnen jeder Buchautor bestätigen, der sich mit der Ungerechtigkeit in der deutschen Justiz beschäftigt hat, aber es ist müßig weiter darüber zu diskutieren.....lassen wir es eben, und ich hoffe, dass Sie nicht mit einem Gerichtsprozeß oder einem Anwalt konfrontiert werden....dann lernen Sie schnell, dass hier hier nichts Unqualifiziertes über die deutsche Justiz schreibe.....manch Anwaltsspruch bestätigt sogar, dass ich richtig liege, und nicht Sie, wenn ich die Ungerechtigkeit bei der deutschen Justiz anprangere - sie können ja gerne mal danach googeln....LG Bernie

Michael Fischer (nicht überprüft)

Sa. 15 Mär 2025 - 11:32

Antwort auf von Bernie (nicht überprüft)

Natürlich ist das System mängelbehaftet. So wie alles im Leben. Sollen wir jetzt über Binsenwahrheiten diskutieren?

Die Frage ist doch eher, ob man tatsächlich ernsthaft die Unabhängigkeit der Justiz in Frage stellen muß, weil ein Gericht zu dem Schluss kommt, dass Maske mit aufgemaltem Hakenkreuz nicht lustig ist.

Wesentlich wahrscheinlicher erscheint mir, dass Sie persönlich einfach zu den Leuten gehörten, die sich maßlos darüber geärgert haben, dass sie im öffentlichen Raum eine Maske aufsetzen sollten. Und deshalb finden Sie alles gut, was den Unmut darüber zum Ausdruck bringt. Da sind Sie auch nicht allein, könnte gut sein, dass Ihre Ansicht von ca. 20% der Bevölkerung geteilt wird.

Bleiben 80%, die das wohl eher nicht als Satire sehen. Die Richter sind also nicht allein.

Michael Fischer (nicht überprüft)

Sa. 15 Mär 2025 - 11:49

Antwort auf von Bernie (nicht überprüft)

Schauen Sie, das habe ich zufällig gefunden: "Das Urteil des Kammergerichts Berlin zur strafbaren Verwendung des Hakenkreuz-Symbols auf einer Corona-Schutzmaske ist ein wichtiger Schritt zur Wahrung der demokratischen Grundwerte in Deutschland. Es unterstreicht die Notwendigkeit, verfassungswidrige Symbole aus dem öffentlichen Raum fernzuhalten und zeigt, dass die Meinungsfreiheit dort ihre Grenzen hat, wo sie die Grundwerte der Gesellschaft gefährdet." (https://rechtecheck.de/bedeutung-des-urteils-zur-verwendung-des-hakenkreuz-symbols-auf-einer-corona-schutzmaske/)

Eine durch und durch nachvollziehbare Auffassung, würde ich sagen.

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