Passt nicht ins politisch korrekte Schema

Unerwünschter Protest

"Pegida" in Dresden
"Pegida" in Dresden

BERLIN. (hpd) Die Kanzlerin sprach von “Hetze und Verleumdung”, Fraktionsführer Oppermann von “Nationalisten und Rassisten”, die Innenminister-Konferenz von “Nazis in Nadelstreifen”. Wenn es sich bei den Demonstranten nur um Leute mit Vorurteilen und nur eingebildeten Ängsten handelt, dann sollten sich diese Einstellungen leicht widerlegen und ausräumen lassen.

Bei einem relevanten Teil der Politiker und auch der Medien scheint mir aber eher Geringschätzung, fast Verachtung im Spiel zu sein für jene Teile der Bevölkerung, die der planlos erscheinenden Zuwanderungspolitik der Regierenden einfach nicht mehr trauen. Dabei dürfte auch wahr sein, dass sich Ärger und Wut der Demonstranten oft in völligen Überzeichnungen und verbalen Entgleisungen äußern. In der Aufgeregtheit über Pegida, die bei manchem Politiker bis zur Diffamierung geht – übrigens auch eine Form von Volksverhetzung –, ist es wiederum wohltuend, die abgewogenen und empirisch fundierten Worte zweier Wissenschaftler, die vor Ort leben, zu vernehmen.

Der Kommunikationswissenschaftler Professor Wolfgang Donsbach, TU Dresden, sagt u.a. in einem Interview mit dem Berliner Tagesspiegel: “Nicht nur in Deutschland haben die Medien an Ansehen und Glaubwürdigkeit verloren. Wir haben inzwischen neben der Politikverdrossenheit auch eine Medienverdrossenheit. Deren Ursachen sind vielfältig, aber eine besteht sicherlich darin, dass es den Medien oft nicht gelingt und es auch nicht beabsichtigt ist, über die Themen zu berichten, die den Normalbürger interessieren. Der Normalbürger ist oft nicht so, wie ihn sich eine intellektuelle Elite wünscht. Ihn, seine Sorgen und Einstellungen dann aber aus der Berichterstattung auszugrenzen, ist auch kein Weg.”

Und an anderer Stelle des Interviews meint er: “Wir haben in Deutschland die Kultur einer verschärften Political Correctness, die es ungeheuer schwierig macht, Themen, die nicht dem Mainstream entsprechen, ergebnisoffen und ohne gleich die Keule einer illegitimen und unmoralischen Haltung zu diskutieren.”

Ein anderer anhörenswerter Vertreter, dessen Worte ebenfalls mehr wiegen als das – ja, auch populistische – Drauflosreden so mancher Politiker und Medienvertreter, ist der Politikwissenschaftler Professor Werner Patzelt, ebenfalls TU Dresden. In einem ARD-Interview sagte er u.a. Folgendes: “… die meisten (Teilnehmer) sind normale Leute, nicht mehr ganz jung, erwachsen, berufstätig, bis hin zu Rentnern. Unter diese mischen sich auch etliche stadtbekannte Neonazis, etliche Schläger eines ortsansässigen Fußballvereins. Aber nach polizeilichen Schätzungen sind das nicht mehr als vier bis fünf Hundert, das macht unter Tausenden wahrhaftig nur einen kleinen Teil aus. … Jene, die zu den Demonstrationen gehen, sind mit größter Wahrscheinlichkeit keine Anhänger der SPD, der GRÜNEN oder der LINKS-Partei. Es sind Leute, die politisch eher rechts von der Mitte stehen, bis zum rechten Rand hin, aber keine Rechtsradikale oder Rechtsextremisten sind, sondern enttäuscht davon sind, dass die politische Klasse sie nicht danach fragt, ob und wieweit sie Einwanderungsland sein wollen und welcher Art von Integrationspolitik vor Ort sinnvoll wäre. … Die Dresdner Pegida bemüht sich nach Kräften, sich von den ‘Hooligans-gegen-Salafismus’ abzugrenzen. Es gibt während der Demonstration auch immer wieder Aufrufe, besonnen zu sein, sich nicht provozieren zu lassen, kein schlechtes Bild abzugeben. Insofern will man etwas ganz Anderes sein, nämlich Ausdruck einer bürgerlichen Gesellschaft. … Was sich in Dresden abspielt, muss uns insofern beunruhigen, als wir hier die Spitze eines Eisbergs sehen. Es gibt eine große Lücke im öffentlichen Diskurs, nämlich darüber, wie weit wir eine Einwanderungsgesellschaft sein wollen, welche Art von Integrationspolitik nachhaltig funktionieren würde. Und in diese kommunikative Lücke hinein ist die Pegida-Bewegung gestoßen. Und weil sie eben nicht von rechtsradikalen Kräften wie die NPD geführt wird, hat sie auch ansehnlichen Zulauf gefunden.”

Die im Positionspapier von Pegida formulierten Grundsätze (siehe unter: www.pegida.de) würde wohl – von einigen wenigen Punkten abgesehen – fast jeder hier unterschreiben. Dort steht z.B. unter Punkt 1: “PEGIDA ist FÜR die Aufnahme von Kriegsflüchtlingen und politisch und religiös Verfolgten. Das ist Menschenpflicht!” An anderer Stelle heißt es “PEGIDA ist … nicht gegen hier lebende, sich integrierende Muslime!” Nun klaffen bekanntlich Wort und Tat mitunter weit auseinander. Dennoch ist schwer vorstellbar, dass NPD-Kader und Rechtsextreme, die immer wieder als Drahtzieher und Unterstützer dieser Protestbewegung angesehen werden, solche ausländerfreundlichen Positionen formulieren und sich dazu bekennen würden. Selbst Spiegel-Online kann seine These von der rechtsextremen Ausrichtung von Pegida nicht mehr aufrechterhalten. (Siehe den Artikel “Rechtsextremisten in Dresden: Das Pegida-Dilemma der NPD” vom 22.12.14)

Jene Politiker, die mit bloß verächtlich machenden Beschimpfungen reagieren und die Teile der Bevölkerung, die mit Sorge auf die nicht zu leugnenden Probleme mit vielen in Deutschland ankommenden Flüchtlingen verweisen, nur als rechtsradikalen Sumpf betrachten, sollten sich sachkundig machen und sich an den Beobachtungen und Analysen ausgewiesener Fachleute orientieren. Diesen besorgten Bürgern geht es u.a. um abgelehnte, aber hier in großer Zahl verbleibende Asylbewerber oder “bloße” Wirtschaftsflüchtlinge ohne eigene existenzsichernde berufliche Qualifikationen, aber auch um die mangels Polizeikräfte nicht wirksam bekämpften flächendeckenden Wohnungseinbrüche durch ost- und südeuropäische Banden. Auch fordern diese Bürger zur Kenntnis zu nehmen und daraus politische Konsequenzen zu ziehen, dass es ganz ohne Zweifel ernsthafteste Probleme mit einem politisch agierenden Islam in Deutschland und in Europa gibt. Die diesbezüglichen Beobachtungen und sehr kritischen Äußerungen z.B. des Neuköllner Bezirksbürgermeisters Heinz Buschkowsky, der sehr bemüht ist, Zuwanderer zu integrieren und dabei durchaus auch erfolgreich ist, einfach zu ignorieren, ist in ihren Augen politisch verantwortungslos. Die ernsthaft besorgten Bürger unter den Demonstranten wollen warnen vor Verhältnissen, wie sie in den großen Städten Südfrankreichs oder den Randbezirken von Paris herrschen, die nicht mehr lösbar erscheinen und zu einem gefährlichen Erstarken der Front Nationale geführt haben. In Großbritanniens Industriestädten und Teilen Londons haben sich ganz ähnliche Verhältnisse entwickelt.

Die meisten muslimischen Zuwanderer bringen eine Religion mit, die auf einem Gesellschaftsverständnis und einer Moral des 7. Jahrhunderts basiert und in der vorliegenden Form mit wesentlichen Elementen unserer Verfassung und unserer Vorstellung vom Leben in einer freien Gesellschaft nicht zusammenpasst. Ein sehr großer Teil der muslimischen Zuwanderer bleibt seinem Glauben verbunden. Er wird durch staatlich geförderten Islamunterricht und durch erzkonservative Prediger in ungezählten Moscheen weiter verbreitet und an deren Kinder weiter gegeben. Dabei soll ausdrücklich betont werden, dass in Deutschland selbstverständlich Glaubensfreiheit besteht. Das Problem besteht in einer Form der Religionsinterpretation und -ausübung, die mit unserer Verfassung kollidiert. Und das ist dann der Fall, wenn die Trennung Staat Religion abgelehnt wird und wesentliche Prinzipien wie unabhängige Justiz, Gleichheit der Geschlechter oder etwa Glaubensfreiheit(!) negiert werden. Das wohlwollende Hinwegsehen über diese Probleme durch die meisten unserer Politiker liegt in deren Hoffnung begründet, in dieser »befreundeten« Religion langfristig Unterstützung gegen Säkularisierung und Unglauben zu erhalten.

Besorgniserregend nicht nur in dieser Hinsicht ist die repräsentative Studie, die das Washingtoner Pew-Research-Center im April 2013 veröffentlichte. Danach wird in allen muslimisch geprägten Staaten mit Mehrheit u.a. die Scharia befürwortet (mit Steinigung z.B. bei Ehebruch; Auspeitschen z.B. bei Homosexualität; Amputation von Gliedmaßen bei Diebstahl), und auch das Entstehen eines Islamischen Staates wird grundsätzlich begrüßt.

Eine Beruhigung der politisch aufgewühlten Landschaft wird erst eintreten, wenn ein Einwanderungsgesetz in Kraft getreten ist, das die Kriterien für Asyl von Flüchtlingen und gewünschter Zuwanderung von Arbeitskräften eindeutig regelt und vorschreibt, wie mit abgelehnten Bewerbern zu verfahren ist. Dieses Einwanderungsgesetz sollte eindeutig festlegen, wie Integration zu fördern, was von Zuwanderern an Eigenleistung zu fordern und von ihnen an Bekenntnis zu unserer Grundordnung und Gesetzen definitiv zu verlangen ist. Um möglichen Missverständnissen und Vorwürfen vorzubeugen: Bürgerkriegsflüchtlinge und begründet hier Asylsuchende sollen hier Aufnahme finden. Ich bin persönlich bereit, dafür sogar höhere Steuern zu akzeptieren, das verlangt eine humanistische Einstellung zu Menschen in Not. Auch hier Arbeit suchende Zuwanderer sind willkommen, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen dafür gegeben sind. Ich verlange jedoch die vorbehaltlose Anerkennung wesentlicher Prinzipien unserer Verfassung und den grundsätzlichen Respekt vor unseren Gesetzen. Wer diese Forderungen nicht zu akzeptieren bereit ist, ist hier nicht willkommen und sollte sich ein anderes Land suchen.

Ebenso wichtig allerdings ist ein gründlicheres Nachdenken über die Ursachen der weltweiten Wanderungsbewegungen. Es dürfte einsichtig sein, dass die Probleme in erster Linie in den Herkunftsländern zu lösen sind, selbstverständlich auch mit unserer wirtschaftlichen Hilfe. Die Relation der Zahlen – allein eine Milliarde Menschen in Afrika (etwa 4 Mrd. in etwa 25 Jahren!) gegenüber 500 Millionen Europäern, von denen allenfalls die Hälfte der europäischen Länder in der Lage ist, Flüchtlinge in relevanten Größenordnungen aufzunehmen – macht deutlich, dass ein bloßes Weitermachen wie bisher gefährliche politische und soziale Verwerfungen auch in Europa zur Folge haben wird. Diese sollten nicht leichtfertig in Kauf genommen werden. Diese Befürchtungen sehe ich in der Mehrzahl der Pegida-Demonstranten als Motiv ihres Aufbegehrens, so einseitig, so unangemessen und so verquer so manche Äußerungen lauthals geäußert werden. Sich vor unerwünschten Schreihälsen und Trittbrettfahrern zu schützen, wird auf solchen Demonstrationen nie ganz gelingen.

Kommentare (58)

Rolf Schröder (nicht überprüft)

Di. 23 Dez 2014 - 12:13

Lieber Uwe,
danke für Deinen klare und ausführliche Beschreibung bzw. Analyse der durch die Pegida-Demonstrationen sichtbar gewordenen Probleme. Vielen Politikern und Ideologen wird das nicht gefallen, und es ist sogar zu befürchten, dass die weitgehend unaufgeklärten, nichtsäkularen Politiker der Parteien CDU/CSU, SPD, Grünen und Linken nicht in der Lage sein werden, Deine Darstellung zu verstehen geschweige denn ihr zu folgen.
Liebe Grüße, Rolf

Hans Trutnau (nicht überprüft)

Mi. 24 Dez 2014 - 03:05

Antwort auf von Rolf Schröder (nicht überprüft)

Rolf, es ist sicher ein Problem, dass viele Politiker nicht nur der Argumentation von Uwe Lehnert nicht folgen können/wollen, sondern der Problematik als solcher nicht; nicht ohne Grund gibt es bei uns keine wirksame und leicht verständliche Zuwanderungsregelung, die wir ob unseres demografischen Wandels bitter nötig haben. Ein viel größeres Problem hingegen ist für mich die Verharmlosung einer 'Bewegung' (die großenteils in übelster 'Ausländer raus'-Tradition steht) durch Teile der Politik; als noch Interviews der pegida-Leute genehm waren, fielen dort krakeelte Tiraden wie Ausländerschweine. Ich warte in der Tat nur noch darauf, dass Flüchtlingsheime abgefackelt werden und dazu geklatscht wird. Aber ich hoffe, dass dabei die 'Wir-sind-das-Volk'-Rufe verstummen. Dass die überhaupt wieder gerufen werden, empfinde ich als beängstigend und erschreckend. In unserem Land ist kein Platz für Fremdenfeindlichkeit. Und das sollte diesbzgl. allererster Konsens zwischen Humanisten sein.

Uwe Lehnert (nicht überprüft)

Mi. 24 Dez 2014 - 12:47

Antwort auf von Hans Trutnau (nicht überprüft)

Hans Deine Anmerkungen sind nicht von dem Wunsch gekennzeichnet, sich mit den Gründen dieser Demonstranten ernsthaft auseinanderzusetzen. Der Vorwurf der Ausländerfeindlichkeit ist mir zu plakativ und zu oberflächlich. Mir wird von Dir eigentlich unterstellt, dass ich mich zum Fürsprecher fremdenfeindlicher und menschenverachtender Parolen mache. Das empfinde ich als bösartige Unterstellung. Wer meinen Beitrag vorurteilslos liest, wird das Gegenteil feststellen, jedenfalls scheinen die hohe Zahl der Teilungen dieses Beitrags und die überwiegend zustimmenden Kommentare auf meiner Facebook-Seite mich in meiner Auffassung zu bestätigen. Wogegen ich mich entschieden wende, das ist die unüberlegte Gleichsetzung rechtsradikaler Schreihälse mit dem Anliegen der meisten Demonstranten, so diffus und auch unüberlegt deren Äußerungen oft daherkommen mögen. Es gilt vielmehr deren Motive und möglicherweise auch unbegründeten Einstellungen auf den Grund zu gehen und daraus politische Konsequenzen zu ziehen. Bloße Diffamierungen vertiefen nur die Spaltung unserer Gesellschaft.

Lieber Uwe Lehnert. Zustimmung bei Facebook bedeutet nicht zwangsläufig, dass Sie eine Mehrheitsmeinung vertreten. Wir leben alle in "Blasen" und da ist es logisch, dass Beifall von Gleichgesinnten kommt. Wie den Diskussionen hier zu entnehmen ist, gibt es in dieser Sache großen Bedarf an einer Auseinandersetzung - Schade nur, dass die hier so persönlich gefärbt geführt wird. Wäre es nicht sinnvoller, gemeinsam gegen Populismus vorzugehen und endlich mal nicht nur in schwarz oder weiß zu denken?

Uwe, ich habe Dich doch hier überhaupt nicht angegriffen, sondern lediglich Rolfs Meinung bekräftigt, dass bestimmte Politiker Deiner Meinung nicht folgen können/wollen... Andererseits denke ich, mich mit pegida&co ernsthaft auseinandergesetzt zu haben. Und "unüberlegte Gleichsetzung rechtsradikaler Schreihälse mit dem Anliegen der meisten Demonstranten, so diffus und auch unüberlegt deren Äußerungen oft daherkommen mögen"? Wo bitte habe ich das gemacht? Ich monierte die Verharmlosung der 'Bewegung' durch Teile der Politik. Also bitte genau lesen. Allerdings denke ich, dass viele (NICHT alle) der Demo-Teilnehmer rechtslastige Krakeeler sind, die in 'guter' (oder besser schlechtester) Tradition der 'Ausländer raus'-Brüller der letzten Jahrzehnte stehen, seitdem nichts dazugelernt haben und dumpf-diffuse (z.T. wohlüberlegte) Parolen skandieren. Mit denen hatte + habe ich nichts am Hut. Fremdenhass steht mir genauso wenig wie Dir.

dradmin

Di. 23 Dez 2014 - 14:34

Ein guter und überfälliger Kommentar von Uwe Lehnert! Wir Humanisten müssen aufpassen, das wir uns nicht vor den Karren einer autoritären politisch korrekten Konsensdemokratie spannen lassen. Und wie Henryk M. Broder in „Der Welt“ richtig schrieb: »Irgendwann ist die Bereitschaft, sich die Realität schön zu reden oder schön reden zu lassen, erschöpft. Die Menschen da draußen im Lande finden es auch nicht witzig, als "Rassisten" bezeichnet zu werden, während ein Gewalt verherrlichender Berliner Rapper für seine Verdienste um die Integration mit einem Preis geehrt wird.«

Wenn diese Leute dagegen auf die Straße gehen, dass ihre Nachbarn aus anderen Ländern stammen (oder auch nur stammen könnten), müssen sie sich den Vorwurf gefallen lassen, dass sie Rassisten sind.

Joshua Ebert (nicht überprüft)

Di. 23 Dez 2014 - 14:38

Es ist ohne Frage wichtig und richtig, Gründe und Ursprünge von Bewegungen wie "Pegida" differenziert zu analysieren. In Ihrem Artikel kann ich dies aber nicht erkennen. Im Wesentlichen beschränken Sie sich in dieser Hinsicht auf die (medial nun wirklich nicht zu kurz gekommene) Feststellung, dass die Teilnehmer der Demos mehrheitlich keine Neo-Nazis sind. Für jene, die sich mit der Thematik von Rassismus und Xenophobie beschäftigen, ist das kaum überraschend. Der Punkt ist ja gerade der, dass Chauvinismen bezüglich Nationalität, Herkunft, Religion etc. nicht auf klassisch "rechtsextremes" Klientel beschränken und das auch noch nie getan haben. Darauf hinzuweisen hat mit einer "Nazikeule" oder auch "political correctness" erstmal garnichts zu tun.

Eine persönliche Bemerkung am Rande, die mir vielleicht doch noch den Vorwurf der Nazikeule einbringt: Bei der Stilisierung eines mehrheitlich fremdenfeindlichen, wenn auch "gutbürgerlichen" Mobs zur "Vertreidigung des Abendlands" hin zu "besorgten Bürgern", die nur auf wirklich bestehende Probleme "hinweisen", erinnert mich unschön an den Diskurs der frühen 90er-Jahre. Allein schon der selbstgewählte Titel der Bürgerinitiative spricht nunmal Bände über Weltbild, Selbstbild, und Kulturbegriff der Teilnehmer und v.a. Initiatoren. Dass man in dieser Gesellschaft, trotz aller Abgrenzung zu "echten" Neo-Nazis waschechte Rassisten/Chauvinisten nicht mit der Lupe suchen muss, ist selbsterklärend. Diese sollte man dann nicht verniedlichend als "unerwünschte Schreihälse und Trittbrettfahrer" abtun.

Der aus dem letzten Abschnitt herauslesbare Hinweis, dass Europa die Probleme der Welt nunmal nicht allein lösen und die gesamte Weltbevölkerung aufnehmen könne, ist ein ziemlich bewährtes Strohmann-Argument gegen "unbegrenzte Migration". Mit den tatsächlichen Wanderungsbewegungen auf unserem Planeten hat das in Wirklichkeit zwar fast nichts zu tun, aber es klingt halt prima und motiviert zur Verteidigung der "Festung Europa". Wer wirklich an einer Lösung der großen Probleme der Menschheit interessiert ist, sollte das nicht nötig haben. Die weltweit forderen Ränge bei der Aufnahme von Flüchtlichen nehmen übrigens derzeit ein: 1. Pakistan 2. Iran 3. Libanon 4. Jordanien 5. Türkei (Quelle: UNHCR). Weder bei den Kriegsflüchtlingen noch bei Armutsmigration fängt Europa im Alleingang das Elend der Welt auf. Auch nur im Ansatz ein solches Bild zu zeichnen ("Weitermachen wie bisher"), trägt nicht zur Aufklärung bei. Gerade wenn man dabei unter den Tisch fallen lässt, dass Europääer ohne Zweifel bisher zu den großen Gewinnern der Globalisierung zählen, und das durchaus auch auf Kosten derer, vor deren Migration sich mancher fürchtet.

„dass Europääer ohne Zweifel bisher zu den großen Gewinnern der Globalisierung zählen“ Die Schwellenländer zählen (vielleicht) zu den Gewinnern der Globalisierung. In Europa gab es in den letzten Jahren einen massiven Sozialabbau und die soziale Kluft ist größer geworden. Haben Sie sich je mit der Jugendarbeitslosigkeit in EU Ländern außerhalb Deutschlands auseinandergesetzt? Das ist Ihnen offenbar total entgangen? Das Europa der Spekulanten und Vermögenden zählt sicher zu den Gewinnern. Ist aber nur eine sehr kleine Minderheit.

Die Jugendarbeitslosigkeit in manchen Staaten tut da kaum etwas zur Sache. Haben für Sie Globalisierungsprozesse mit der aktuellen Finanzkrise begonnen? Haben Sie schon einmal etwas vom Kolonialismus gehört? Oder aktueller: Woher kommt die Kleidung, die Sie gerade am Körper tragen? Woher Ihr Essen, das Essen der Tiere, die Sie möglicherweise essen, woher das Gerät mit dem Sie mit mir kommunizieren, woher der Brennstoff mit dem Sie vermutlich gerade Ihre Wohnung heizen? Natürlich profitieren Sie und ich von der Globalisierung. Das finden Sie vermutlich nur so selbstverständlich, dass Sie es gar nicht bemerken.

Jann Wübbenhorst (nicht überprüft)

Di. 23 Dez 2014 - 15:46

Lieber Herr Lehnert,

ich stimme Ihnen in vielen Punkten zu. Richtig ist zweifellos, dass die Schwierigkeiten, die durch eine Ausbreitung konservativer Auslegungen des Islam in unserer Gesellschaft entstehen, von Medien und Politikern weithin ignoriert werden, da man geneigt ist, Religiösität grundsätzlich als etwas Positives zu begreifen. Dass die "vorbehaltlose Anerkennung wesentlicher Prinzipien unserer Verfassung und [der grundsätzliche] Respekt vor unseren Gesetzen" von jedem, der nach Deutschland einwandern will, gefordert werden muss, sollte auch unstrittig sein.
Die Rede von einer drohenden "Islamisierung" in Deutschland, wie sie "Pegida" ja im Namen trägt, ist jedoch maßlos übertrieben. Angst vor Wohnungseinbrüchen und kriminellen Banden ist real, hat aber mit dem Islam nichts zu tun. Der Salafismus und islamische Extremismus wird als Gefahr von der Politik nicht verleugnet, sondern steht im Fokus der Sicherheitspolitik.
Mit den "in großer Zahl verbleibenden [abgelehnten] Asylbewerbern wird m.E. vor allem Stimmungsmache betrieben ("Asylmissbrauch"). Aktuell werden etwa zwei Drittel der Asylanträge bewilligt (die Quote war schon geringer). Viele der Ablehnungen erfolgen aufgrund von Art. 16a GG ("Asylkompromiss"), wonach Flüchtlinge, die über einen Staat der Europäischen Union oder einen sonstigen sicheren Drittstaat einreisen, kein Asylrecht genießen. In diesen Staaten herrschen jedoch oft unmenschliche Bedingungen für die Flüchtlinge (Griechenland, Bulgarien etc.).
Sie fordern, dass "die Kriterien für Asyl von Flüchtlingen und gewünschter Zuwanderung von Arbeitskräften eindeutig [geregelt werden] und [vorgeschrieben wird], wie mit abgelehnten Bewerbern zu verfahren ist". Entsprechende Regelungen und Vorschriften gibt es bereits. Und die aktuelle Abschiebepraxis führt immer wieder zu absurden Härtefällen, wenn z.B. gut integrierte Familien, die jahrelang in Deutschland waren, plötzlich in Länder abgeschoben werden, wo nur Elend und Diskriminierung auf sie warten. Die Zustände in vielen Flüchtlingsunterkünften auch in Deutschland sind (vor allem für Kinder) häufig verheerend, wie jüngst ein erschreckender Artikel in der "Zeit" deutlich machte. Vor diesem Hintergrund scheint mir die Rede vom "Asylmissbrauch" vor allem Zeichen von Ignoranz und mangelnder Empathie zu sein.
Pegida arbeitet mit vielen Vorurteilen und Falschdarstellungen und schürt bewusst Ressentiments. Eine aktuelle Studie des ZEW kommt zu dem Ergebnis, dass die zu uns kommenden Ausländer insgesamt deutlich mehr Steuern und Sozialabgaben zahlen, als sie den Staat kosten - mit steigender Tendenz. Die egozentrische Larmoyanz, mit der viele Pegida-Anhänger ständig betonen, den "Ausländern" werde alles geschenkt, während ihnen selber niemand helfe, ist für mich schwer zu ertragen. Und schließich: Kann eine Organisation, die sich grundsätzlich weigert, mit Medienvertretern und Politikern zu reden, ihre Anliegen deutlich zu machen und sich einer sachlichen Diskussion zu stellen, sich wirklich über "mangelndes Verständnis" beschweren?

Uwe Lehnert (nicht überprüft)

Di. 23 Dez 2014 - 19:43

Antwort auf von Jann Wübbenhorst (nicht überprüft)

Was die Islamisierung angeht, verweise ich nur beispielhaft auf einen Beitrag des heutigen Tagessspiegels, in dem Bürgermeister Buschkowsky u.a. resignierend feststellt: »Man habe es ›mit einer schleichenden Landnahme zu tun‹, schreibt der Rathauschef. Muslime trügen die Religion so weit in den Alltag hinein, dass eine Parallelgesellschaft entstehe und sich der Fundamentalismus ausbreite ›mit dem Ziel, eine andere Gesellschaftsordnung zu schaffen als die, die wir westliche Demokratie nennen‹. Während das mit viel Geld gebaute Elternzentrum leer stehe, sei das nah gelegene Pendant der salafistischen Al-Nur-Moschee täglich ›brechend voll‹ – ebenso die Koranschule mit 400 Plätzen. ›Das macht mir Sorgen‹, schreibt Buschkowsky [im o.g. Rundbrief, U.L.] und fordert: ›Wir dürfen nicht einfach zusehen, wie Kinder, junge Männer, ganze Familien, die unter uns leben, zu den islamistischen Rattenfängern gehen und nicht wiederkommen.‹« Ist Buschkowsky ein Hetzer, ein Rassist, ein ewig Gestriger? Die nicht ernsthaft bekämpften flächendeckenden Wohnungseinbrüche – mangels polizeilicher Kräfte – stellen sehr wohl ein weiteres Element des Unbehagens und der Wut der Demonstrationsteilnehmer dar. (Als ebenfalls in dieser Hinsicht sehr getroffener Berliner kann ich das sehr wohl nachempfinden.) Bei der Studie, die nachweist, dass Ausländer mehr Steuern einbrächten, sind Sie Opfer einer Manipulation geworden. In diese Studien sind alle Ausländer, also auch gut verdienende Amerikaner (z.B. Banker) und Europäer einbezogen worden, ohne dass explizit zu erwähnen. Würden man sich nur auf jene beziehen, die die klassischen Asylanten darstellen, wäre das Ergebnis ein ganz anderes. In einem Punkt haben Sie bestimmt Recht: Die Ängste der Demonstranten sind diffus, in manchen Punkten widerlegbar, auch deren Fähigkeit – es sind eben keine Medienprofis – sich auszudrücken, ist oft sehr mangelhaft. Das ist dennoch kein Grund, sie nicht ernst zu nehmen.

Simon Smitt (nicht überprüft)

Di. 23 Dez 2014 - 18:08

Die Gefahr einer größer werdenden rassistischen Bewegung, die hauptsächlich völlig vereinfachende Vorurteile als ihre ausgearbeitste Kritik formuliert, ist um weitaus größer als sich vor einen eingebildeten politisch-korrekten Karren spannen zu lassen. Gerade wenn Humanisten eine sachliche, seriöse Kritik des politischen Islam formulieren wollen, kann dies nur in ganz klarer Abgrenzung zu dieser protofaschistischen Bewegung geschehen!

Uwe Lehnert (nicht überprüft)

Di. 23 Dez 2014 - 19:47

Antwort auf von Simon Smitt (nicht überprüft)

Lieber Herr Smitt, finden Sie es nicht etwas zu viel verlangt, in einem textlich begrenzten Beitrag das abzuliefern, was man üblicherweise in einer Studie von mehreren hundert Seiten unterbringt?

„ganz klarer Abgrenzung zu dieser protofaschistischen Bewegung“ - Das Pegida eine „protofaschistischen Bewegung“ sei, halte ich für Hysterie bis hin zu Verleumdung. Für mich ist Pegida aus vielerlei Gründen inakzeptabel. Pegida lebt aber durch seinen Counterpart. Und hier bin ich voll bei Cora Stephan (freie Publizistin beim NDR): »Das ist autoritäre Konsensdemokratie, die zum Widerstand geradezu herausfordert. ... Der Trick hat sich verbraucht, alles unter Naziverdacht zu stellen, was vom Parteienkonsens abweicht.«

Wenn hier jemand Nazikeulen schwingt, bist es mit Verlaub du. Jemand als Protofaschisten zu bezeichnen ist was ganz was anderes, als ihn als Nazi zu bezeichnen. Jeder Nazi ist ein Faschist aber nicht jeder Faschist ist ein Nazi. Bei weitem nicht, übrigens. Und ein Protofaschist ist vereinfacht gesagt jemand, der jene Gefühlslagen und Überzeugungen repräsentiert und propagiert, die den Boden für eine Faschisierung liefern. Pegida befindet sich zumindest in der Nähe von oder auf dem Weg zu einer protofaschistischen Bewegung. Geeint im Hass gegen das Fremde an sich (was ja sogar Uwe Lehnert mit seinen hilflosen Rationalisierungsversuchen bestätigt), geeint im Hass gegen das Prinzip der liberalen Demokratie als solcher, geeint im Wunsch, der Mehrheitsgesellschaft ihren Willen aufzuzwingen, Entscheidungen per Akklamation zu erzwingen, geeint in ihrer Verachtung gegenüber den Entscheidungsmechanismen dieser demokratischen Gesellschaft, geeint weitgehend auch in ihrer sozialen Zusammensetzung - die übrigens weitgehend der der historischen faschistischen Bewegungen entspricht. Geeint unter rechtsradikaler Führung, derer sich freilich die meisten nicht bewusst sind. Und dass ihr Problem mit Neonazis, wenn überhaupt, bestenfalls ein rhetorisches ist, zeigt sich daran, dass dort wöchentlich hunderte davon mitmarschieren.

O. (nicht überprüft)

Di. 23 Dez 2014 - 18:11

"Ebenso wichtig allerdings ist ein gründlicheres Nachdenken über die Ursachen der weltweiten Wanderungsbewegungen. Es dürfte einsichtig sein, dass die Probleme in erster Linie in den Herkunftsländern zu lösen sind, selbstverständlich auch mit unserer wirtschaftlichen Hilfe."

Nun, in einer vernetzen Welt, mit westlichen/nördlichen Konzernen und Staatenbünden, die in "den Herkunftsländern" Bodenschätze abzocken und mit den schlimmsten Diktatoren Geschäfte machen, bis sie in Ungnade fallen (und dann als böse deklariert mit Kriegen überzogen werden, an denen auch die Bevölkerungen dort stirbt) wird das mit der Problemlösung nur "in den Herkunftsländern" nichts.

Piraten vor Afrika, wie böse, man muß sie hier vor Gericht zerren. Daß die EU vor Afrikas Küsten die Meere leer fischt, und den Fischern die Lebensgrundlage entzogen wird, wie soll man das vor Ort lösen? Warum sind unsere Kriegsschiffe dort?
Oder Regenwaldabholzung, die bösen bösen in den "Herkunftsländern", und westliche Konzerne verdienen an der Abholzung mit.

Dann ist es einfach, mit dem Finger auf die Anderen zu zeigen, und hier die Grenzen dicht zu machen?

Wie wär's denn, das globale Aussaugen von Land und Leuten mal zu hinterfragen?
Aber das westliche Wachstumsmodell darf man ja nicht in Frage stellen.

Siehe auch: Max Weber => Calvinistische Arbeitsmoral und das lebt im Wachstumswahn des Neoliberalismus weiter.
Und da sind wir beim Zusammenhang von Religion und Wirtschaft als Ersatzreligion.
Und da beisst sich die "Wirtschaftshilfe des Westens/Nordens" in den Schwanz.

Und wo sind nochmal die Reichtümer der Welt vorhanden?
In wessen Händen? Eine kleine Elite.
Da muss man ansetzen. Viel Elend entsteht durch Konzentration von Macht und Reichtum in einigen wenigen Händen.

Daß Religion vs. Aufklärung hier auch thematisch dazu gehört, sollte offensichtlich sein.
Das geht aber Hand-in-Hand mit Ausbeutung von Land und Leuten.
Das ist nichts wirklich neues. Neu ist nur, daß auch die westliche/nördliche Welt mehr und mehr Trikontisiert wird, also daß das, was man über Jahrzehnte / Jahrhunderte mit der sog. Dritten Welt machte, nun mehr und mehr auch wieder in Europa und USA Einzug hält.
Insofern reimportieren "wir" die Probleme, die "wir" bisher in die sog. Dritte Welt exportiert haben.
Daß diese Länder auch einen Eigenanteil haben, und daß Religion einer Verbesserung der Lebensverhältnisse entgegensteht, das ist unbenommen.

Nur in einer vernetzten Welt zu sagen, die Probleme seien in erster Linie in den Herkunftsländern zu lösen stimmt so nicht.
Unsere Wirtschaftsbeziehungen und unser Wirtschaftsmodell, ja und auch Interventionskriege im Namen der Humanität (wegen Öl und Gas, Einflusssphärenerweiterung usw.) sind die Punkte, wo man sich mal an die eigene Nase fassen müsste.

Das Webinterface für die Kommentare scheint kaputt zu sein,
fehlen offensichtlich Teile der Kommentare.

Moderne Technik und ihre Tücken...

...tse

Lieber Herr O., was die eigentlichen Gründe der Fluchtbewegung angeht, da haben Sie ja völlig Recht. Ich habe das hier in einem anderen hpd-Beitrag - ganz in Ihrem Sinne - ausgeführt. Im vorliegenden Beitrag ging es aber schwerpunktmäßig um eine andere Thematik. Man kann doch in einem textlich begrenzten Artikel nicht alles ansprechen, was letztlich irgendwie auch dazu gehört. (Natürlich hatte Marx ja Recht, dass alles mit allem zusammenhängt.)

Joseph Wolsing (nicht überprüft)

Di. 23 Dez 2014 - 19:54

Die hier erfolgte Darstellung ist – bei allem gebührenden Respekt – meiner Ansicht nach einseitig und auf der politischen Ebene sowohl historisch, als auch mit Blick auf die Zukunft sehr verkürzt, wenn nicht sogar kurzsichtig, oder gar absichtlich auf einem bestimmten Auge blind.
Zu den besorgten Bürgern, die eher rechts von der Mitte stehen, bleibt zu sagen, dass sie wohl einen Teil der Bevölkerung verkörpern, welcher im oben angesprochenen Bereich sehr schlecht informiert ist. Und wenn Universitätsprofessoren als ausgewiesene Experten angeführt werden, weil sie zum einen Universitätsprofessoren, zum anderen aber „in der Mitte des Geschehens“ sind, dann aber zugleich die Tatsache unterschlagen wird, dass die Pediga Bewegung vor allem in Dresden Unterstützung findet, in den Teilen der Republik, die über wesentlich höhere Ausländeranteile verfügen aber eher die Gegenseite unterstützt wird, dann sehe hier eine argumentative Schieflage. Das diese Bürger nicht rechtsradikal sind, ist offensichtlich, dass sie aber eben solche Kräfte unterstützen ebenso.
Eine Entwicklung wie wir sie zur Zeit in Dresden und auch in anderen europäischen Ländern lokal sehen können sollte uns alle vor dem geschichtlichen Hintergrund als Deutsche und als Europäer sehr nachdenklich stimmen.
Es ist u. a. auch recht deutlich, dass Probleme, die nichts, oder nur ganz bedingt und am Rande etwas mit der Zuwanderung zu tun haben – vor allem materieller/monetärer Natur sind – von den „Machern“ dieser Bewegung instrumentalisiert werden und dabei die tatsächlichen Verursacher, bzw. verursachenden Mechanismen gänzlich ausgeblendet werden. Dies geschieht meiner Ansicht nach auch schlicht deshalb, weil eine reale Auseinandersetzung mit der Problematik auch eine tiefer gehende Innenschau des Einzelnen erfordern würde, zu der wohl nur ein sehr kleiner Teil der Menschen bereit sind.
Auch wenn parteiintern Uneinigkeit über die Unterstützung von Pediga durch die AfD zu herrschen scheint, sollte man sich doch als rationaler Mensch die Frage stellen, wie eine erklärt europafeindliche Partei für eine Bewegung eintreten kann, die den Begriff Europäer im Namen trägt!
Der letzte Abschnitt ruft nun meinen absoluten Widerwillen hervor. Es ist geradezu zynisch zu behaupten, dass die Zustände in den Ländern aus denen Kriegsflüchtlinge oder auch Wirtschaftsflüchtlinge (für die gilt das im Grunde noch viel mehr!) nur dort zu lösen sind. Dies stellt ein eklatantes Ignorieren globaler ökonomischer Prozesse dar. In den Ländern der dritten Welt – insbesondere auf dem afrikanischen Kontinent agieren die hier ansässigen Konzerne vollkommen skrupellos und die hiesigen Staaten unterstützen dies nach Kräften, weil es letztlich auch um steuerliche Einnahmen geht, die hier allen zugute kommen. Die ungleichen Marktzugänge zwischen Afrika, Südamerika, den asiatischen Schwellenländern und auf der anderen Seite uns hier in den Industrienationen erzeugt ein hochgradig ungesundes Ungleichgewicht. Zu glauben, dass es machbar ist auf dieser Basis ein immer weiter laufendes System einseitiger Ausbeutung (Rohstoffabbau, Nutzung küstennaher Gewässer durch gigantische Fangflotten Auslagerung ökologisch extrem schädlicher Prozesse etc.) aufrecht zu erhalten ist zutiefst Naiv.
Zu guter Letzt sollten wir uns alle schlicht die Frage der Menschlichkeit stellen, die hier leider immer wieder schlicht aus Angst und auf Vorurteilen basierendem Neid außen vor gelassen wird. Das halbherzige Betonen von Menschlichkeit – aber zu unseren Bedingungen – erzeugt bei mir tiefen Abscheu.
So wie die Pegida Teilnehmer verlangen wahrgenommen und gehört zu werden verlange ich und viele Menschen mit mir in unseren Bedenken und Sorgen um eine Haltung in der wir ganz klar Tendenzen erkennen, die von 70 Jahren zum Weltenbrand geführt haben wahrgenommen und ernst genommen zu werden.

Herr Wolsing, Sie haben ja völlig Recht, was die wahren Hintergründe des afrikanischen Elends angeht. Ich habe diese Problematik in einem anderen hpd-Artikel (http://hpd.de/artikel/10641) ausführlich zur Sprache gebracht, genauso wie Sie es andeuten. Aber mit Verlaub, man kann doch in einem vergleichsweise kurzen Text, der nun mal einen anderen Schwerpunkt hat, nicht alles unterbringen.

C.Scherg (nicht überprüft)

Di. 23 Dez 2014 - 21:01

In der Einleitung des Artikels steht: „Wenn es sich bei den Demonstranten nur um Leute mit Vorurteilen und nur eingebildeten Ängsten handelt, dann sollten sich diese Einstellungen leicht widerlegen und ausräumen lassen“.
So ist es, die Vorurteile der Demonstranten werden Punkt für Punkt widerlegt z.B. im Artikel „Wie gezielt Ängste geschürt werden“ von Michael Blume auf der gleichen hpd-Seite und die „eingebildeten Ängste“ widerlegen sich ganz von selbst, weil es solche Ängste gar nicht gibt: es gibt nur real erlebte Ängste, die entweder begründet oder unbegründet sind. Und die von den Demonstranten erlebten Ängste sind sehr real und sehr unbegründet, weil sie auf genau jenen Vorurteilen beruhen, die von Michael Blume in seinem Artikel Punkt für Punkt widerlegt werden. Unerwünschter Protest? Was wird hier von wem nicht erwünscht? Der Protest der Demonstranten von den Medien und den Politikern? Oder die „fremdländischen“ und also als gefährlich empfundenen Menschen in Deutschland von den PEGIDA-Demonstranten? Und was ist mit jenen Demagogen unter den Organisatoren der Demonstrationen, die es seit ISIS usw. leicht haben, genau die Stimmung anzuheizen, die sie für ihre schäbigen und gefährlichen politischen Absichten brauchen?

Achim Horn (nicht überprüft)

Mi. 24 Dez 2014 - 00:02

Antwort auf von C.Scherg (nicht überprüft)

Lieber C. Scherg, ist es nicht doch so, dass ISIS der wahre Islam ist?
Zur Zeit erleben wir ihn, den wahren Islam, in Syrien/Irak mit brutalen Auswüchsen. In seiner "gemäßigten" und in eine staatliche Ordnung geformte Version - dem Wahabitentum - kennen wir ISIS schon lange. Im Saudi Arabien, dem Zentrum der islamischen Welt, herrschen ähnliche Verhältnisse wie im Nordirak. Wohlgemerkt, dort in eine staatliche Ordnung integriert, aber mit den selben Regeln und Konsequenzen, wie ISIS sie zeigt. Folter, Steinigung, Hinrichtungen und Zensur werden von staatlichen Gerichten ausgeübt und nicht vom Mob. Aber das ist dann auch schon der Unterschied. Die religiösen Grundlagen sind die gleichen. Die Konsequenzen für die Opfer auch...
In sofern finde ich nicht, dass ISIS von Demagogen genutzt wird. Vielmehr bekommen die Menschen hierzulande nur einmal mehr vorgeführt, um was es geht. Die ISIS setzt (genau wie Saudi Arabien und anderer Länder in denen die Scharia gilt) nur exakt das um, was der Koran und die sunnitischen Überlieferungen vorschreiben. Nicht mehr und nicht weniger.
Vielfach wird hierzulande auch vergessen, dass im Islam eine Trennung von Staat und Religion nicht vorgesehen ist. Und da die religiösen Gesetze von Gott stammen, stehen diese immer über den von Menschen gemachten Grundrechten.
Wie das im wirklichen Leben aussieht, erlebt man, wenn man islamische Länder bereist: Freiheitsrechte sind extrem eingeschränkt. Meinungs- und Informationsfreiheit gibt es nicht. Vermeintlich göttliche Gebote werden mit Macht durchgesetzt.
Die Muslime, die wir aus unserer Nachbarschaft in Deutschland kennen, leben NICHT den wahren sunnitischen Islam, sie halten sich ans Grundgesetz und sind gute Mitbürger. Aber aufgepasst: trotzdem halten über 60% dieser Menschen die göttlichen Gesetze für bedeutender als staatlichen Gesetzte (eine europaweite Umfrage). Das ist konsequent und logisch für religiöse Menschen. Die massiv erhobenen Forderungen nach Scharia-Gerichten und Sonderregeln (Kleidung, Befreiung von gewissen Schulfächern, Schulessen usw. usw.) sind Indiz dafür, das die 60% realistisch sind und sie eine Lobby haben. Und hier liegt die Gefahr. Eine Religion, die sich nicht staatlichen Gesetzen unterwirft, passt nicht mehr in unsere Zeit.
Im christlichen Abendland hat es das auch mal gegeben. Zeiten in denen der christliche Bischof auch Fürst war, waren fürchterlich für seine Untertanen. Das ist zum Glück lange vorbei. Unsere Vorfahren haben mit Erfolg unsere Freiheitsrechte gegen den erbitterten Widerstand der Kirche erkämpft.
Ich möchte diese Freiheit gerne behalten. Sie auch? In sofern sollte man schon schauen, was in der islamischen Welt passiert und wie man in einem islamischen Staat lebt. Macht es einem zum Demagogen, wenn man genauer hinschaut? Ob nach Saudi Arabien, nach Pakistan oder zur ISIS.

Christoph Baumgarten (nicht überprüft)

Mi. 24 Dez 2014 - 08:06

Antwort auf von C.Scherg (nicht überprüft)

Dass Lehnert und andere mit zweierlei Maßstäben messen, ist evident. Zu Recht wurden den Teilnehmern der Demos gegen den Gaza-Konflikt die antisemitischen Parolen, die IS- und Hamas-Flaggen um die Ohren gehauen. Zu Recht wurden die Teilnehmer, die trotzdem teilnahmen, die nichts unternahmen, um das zu verhindern, beschuldigt, sich instrumentalisieren zu lassen. Zu Recht wurden Teile der Friedensbewegung bezichtigt, Islamisten eine Bühne zu bieten.
Aber wenn Pegida unter nachweislich rechtsradikaler Führung steht und offen hunderte Neonazis mitmarschieren, ohne, dass sich jemand ernsthaft daran stößt, wenn die ganze Bewegung Parolen vor sich herträgt, die aus den Textbüchern der Neuen Rechten stammen, dann soll das auf einmal nicht gehen?

Uwe Lehnert (nicht überprüft)

Mi. 24 Dez 2014 - 11:59

Antwort auf von Christoph Baumgarten (nicht überprüft)

Lieber Herr Baumgarten, ist es wirklich so, wie Sie schreiben? Sie haben, wie ich, Ihre Informationen aus der Presse und dem Fernsehen. Es gibt genügend Anhaltspunkte, dass wir von diesen Medien oft einseitig informiert werden. Der RTL-Reporter, der übrigens laut den ersten Meldungen seine Aktion sogar mit der Redaktion abgesprochen hatte, ist da durchaus ein erwähnenswertes – entdecktes! – Beispiel. Deshalb erscheinen mir seriöse Beobachter wie die Professoren Donsbach und Patzelt, die vor Ort ihre Informationen gewinnen konnten, vertrauenswürdiger. Selbst wenn die Pegida-Demonstranten in allen Punkten Unrecht hätten, sie sind nun einmal vorhanden. Deren Befürchtungen – eingebildet oder begründet – einfach als fremdenfeindlich zu bezeichnen und zu ignorieren, wird die Verdrossenheit über die Politik und die zunehmende Ablehnung unseres politischen Systems nur schüren. Das kann doch verantwortlichen Politikern und besorgten Beobachtern nicht gleichgültig sein.

Die Befürchtungen der Demonstranten vor einer „Islamisierung des Abendlandes“ können also unbegründet („eingebildet“) sein, so habe ich Sie, Herr Lehnert, jetzt verstanden. Und selbstverständlich wäre es falsch, solche Befürchtungen zu ignorieren oder die Demonstranten deswegen zu beschimpfen. Bleibt also nur der Weg des Gesprächs.

Sascha Zirnstein (nicht überprüft)

Mi. 24 Dez 2014 - 14:07

Antwort auf von Uwe Lehnert (nicht überprüft)

Lieber Uwe Lehnert,

erstens gibt es keinerlei Hinweise darauf, dass zum Zeitpunkt der Veröffentlichung das WDR-Team irgendeine Ahnung hatte, dass sich ein Boulevard-RTL-Mann vors Mikro gestellt hat und zweitens: Was ist so bizarr daran, wenn man sich die Stimmen der Pegida-Demonstranten und der Pegida-Fans in den Foren anhört und daran TATSÄCHLICH frmdenfeindliche und von Ressentiments gegenüber Ausländern strotzende, von Falschinformation geprägte Grundtöne hört?
Ich habe die Vermutung, Sie wollen sie nicht wahrhaben.
Dann frage ich Sie aber auch mal: Was ist es, was uns vernünftigen Menschen dazu treibt, eben diese Grundhaltung in dieser Bewegung zu sehen? Ist es Wahn? Kalkül? Meinen Sie ernsthaft, wir, die Kritiker der Pegida, stehen unter dem Einfluß der #Lügenpresse, der #Systemmedien? Sind wir jetzt Lemminge oder was?
Ich für meinen Teil setze mich DIREKT mit dem Gesagten vor Ort und auf den Foren auseinander. Sie auch?

Christoph Baumgarten (nicht überprüft)

Mi. 24 Dez 2014 - 15:14

Antwort auf von Uwe Lehnert (nicht überprüft)

Lieber Uwe,
Nein, da geht's um ganz andere Dinge. Da geht's darum, dass der Hauptorganisator der Bewegung nachweislich im rechtsradikalen Sumpf der identitären Bewegung steckt. Die rechtsradikale Bewegung in Deutschland ist eben um vieles breiter als die NPD. Wer das nicht recherchiert, muss sich den Vorwurf gelassen lassen, entweder nicht genau nachzufragen oder über Dinge zu schreiben, von denen er offenbar wenig Ahnung hat.

Deer (nicht überprüft)

Di. 23 Dez 2014 - 22:08

Der Artikel ist ein ziemlicher Griff ins Klo.
Es gibt NEOCONS die einen Kulturkampf nach Huntingtons Vision wollen. Es gibt den Hassprediger Blog Pi-news die Seit Jahren hetzen und diePartein und MMedien die mit Terrorhysterie die Gesellschaft in Angst haben möchten. Für NPD, AFd oder CDU Wähler die sich scheinheilig bei Pegida trifft Nazi vollkommen zu oder habt ihr die "Deutschen Christen" den Katholiken Hitler usw. vergessen? Vielleicht erst mal Deschner lesen.

Sascha Zirnstein (nicht überprüft)

Mi. 24 Dez 2014 - 12:15

Schade, ich habe von Uwe Lehnert etwas mehr Weitsicht und Sensibilität, Realitätsnähe und auch historisches Bewußtsein erwartet.
Die tendenziöse Zusammenfassung der Forderungen, die nachweisbar auf völlig überzogenen und teilweise falschen populistischen Informationen beruht (ich zitiere mal: "70% sind gar keine Deutschen mehr", "Wir werden Weihnachten in Zukunft in Moscheen feiern", "In 20 Jahren wird der Anteil an Muslimen größer sein als der von Christen", "Die Ausländer liegen uns auf der Tasche", "Wer sein Land verläßt ist ein Verräter"...), verharmlost die Gefahr einer sich breit in die Gesellschaft fließenden Fremdenfeindlichkeit.
Einen Diskurs über eine vernünftige und humane Einwanderungspolitik zu führen ist das eine, sich von einem von Rechtspopulisten angestachelten und unterwanderten brüllenden Mobb treiben zu lassen, ist etwas anderes.
Es sind 15.000 - NUR 15.000!
Denen muss man nicht wie Kindern begegnen und interpretieren, was sie meinen, wenn "ihnen mal das Wort "Neger" rausrutscht. Das sind erwachsene Menschen - wenn man will, dass man sie ernst nimmt, dann müssen sie auch erdulden, dass man sie wörtlich nimmt.
http://youtu.be/zIywau6nLiI

PS Ich muss ja auch erdulden, dass ich solch ein Relativierungs- und Verharmlosungsmist auf dem hpd lesen muss.

Uwe Lehnert (nicht überprüft)

Mi. 24 Dez 2014 - 13:37

Antwort auf von Sascha Zirnstein (nicht überprüft)

Sascha Zirnstein, »Weitsicht« zeigt sich darin, dass man drohende, auf sich zukommende Entwicklungen ernst- und dagegen rechtzeitig etwas unternimmt. Entwicklungen wie in Frankreich in Form einer sehr stark gewordenen Front Nationale – um nur ein europäisches Beispiel zu nennen – kamen zustande, weil man jahrelang Fehlentwicklungen negierte, vielmehr Kritiker an diesen Entwicklungen einfach als Ausländerfeinde diffamierte und meinte, damit könne es sein Bewenden haben. Wenn in weiten Teilen Deutschlands nur noch 50 Prozent der Wähler an Wahlen teilnehmen, deutet das daraufhin, dass viele Bürger sich von unserem politischen System keine Hilfe mehr erwarten. Die Gründe, die diese Menschen haben, mögen irrational sein, es sind dennoch Gründe, die einer verantwortungsvollen Politik nicht gleichgültig sein können. Für Pegida-Demonstranten partiell Verständnis aufzubringen, heißt doch noch lange nicht, sich mit deren Forderungen zu identifizieren. Aber ihre Motive sollte man ernstnehmen.

Niemand der Pegida-Kritiker streitet die Notwendigkeit a) einer klaren Einwanderungspolitik und b) eine notwendige Kritik an der einen und den Religionen ab.
Aber die von Ihnen angesprochenen Punkte sind so gut wie gar nicht Inhalte der Bewegung.
Und Sie wissen in der Tat, was ich mit Weitsicht meinte. Bitte spielen Sie keine rhetorischen Spielchen. Wir diskutieren hier und machen keinen Wahlkampf.

Rüdiger Weida (nicht überprüft)

Di. 30 Dez 2014 - 12:55

Antwort auf von Sascha Zirnstein (nicht überprüft)

Du diskutierst hier, Sascha?
Alles was ich von dir gelesen habe, ist ein persönlicher Angriff auf Uwe.

Du musst dich, Uwe, nicht verpflichtet fühlen, auf jeden Kommentar zu antworten.

Reiß dich mal zusammen, Rüdiger, du machst dich jetzt etwas lächerlich.

Ich habe Uwe Lehnert nicht persönlich angegriffen. Man man man, ist das deine Art, mit Protest gegen Äußerungen und Verharmlosungen umzugehen: Billige Verleumdung?

Rüdiger Weida (nicht überprüft)

Di. 30 Dez 2014 - 18:52

Antwort auf von Sascha Zirnstein (nicht überprüft)

"Schade, ich habe von Uwe Lehnert etwas mehr Weitsicht und Sensibilität, Realitätsnähe und auch historisches Bewußtsein erwartet. Die tendenziöse Zusammenfassung der Forderungen..."

Das ist ein klarer persönlicher Angriff, Sascha, genau wie der jetzt gegen mich.

Tschüß denn, auf solche Freunde, die mich völlig unbegründet öffentlich der Verleumdung bezichtigen, kann ich verzichten.

Sascha Zirnstein (nicht überprüft)

Do. 1 Jan 2015 - 16:39

Antwort auf von Rüdiger Weida (nicht überprüft)

Ebenso schade ist es, dass dieses Gespräch letztlich derart aus dem Ruder gelaufen ist, schade, dass du hier nicht unterscheiden kannst, wie sehr mich inhaltlich (!!!) die geäußerten Gedanken eines bisher geschätzten Uwe Lehnert enttäuschten, schade, dass aufgrund deiner völlig unangebrachten Intervention und des dabei geäußerten und dennoch unhaltbaren Vorwurfs des "persönlichen Angriffs" auf den Autor kein weiteres inhaltliches Gespräch zustande gekommen ist.
Ich bin aber auch ein wenig enttäuscht, dass mir in feinster Demagogenmanier nicht genehme Meinungen als "persönliche Angriffe" abgetan werden. Das hätte ich von dir, lieber Rüdiger, nicht erwartet. Erst Recht nicht den Vorwurf, ich sei (bezogen auf diese Äußerungen hier?) ein "Extremist und Blender" - klammheimlich via PN.

Vielleicht ist das ganze der doch recht hitzigen Debatte an sich oder der stressigen Jahresendzeitstimmung zuzuschreiben.
Wie auch immer: Auch dir wünsche ich ein friedliches und vor allem menschliches 2015!

Körrie Kantner (nicht überprüft)

Mo. 29 Dez 2014 - 11:13

Antwort auf von Sascha Zirnstein (nicht überprüft)

Danke, Sascha Zirnstein! Ich bin da voll bei dir.
Wer zu faul (bequem, angeekelt von Moslems...) ist, sich mit Moslems eingehend zu beschäftigen und diese folglich als "graue Masse" bezeichnet, auf der anderen Seite aber genau diese Haltung eingangs seines Artikel den Anhängern von Pegida gegenüber zu sehen glaubt, hat irgendwie einen entscheidenden Knick in der Optik.

"Humanistisch" habe ich anders verstanden.

Wolfgang Beranek (nicht überprüft)

Mi. 24 Dez 2014 - 13:44

Die weltweiten Bewegungen, dies betrifft auch deutsche Familien, werden nach meiner Meinung durch eine nur noch in mathematischen Kategorien denkenden und handelnde Finanzoligarchie hervorgerufen. Der orientalische Kulturkreis konnte sich seit mehr als einem Jahrhundert nicht wirklich entwickeln. Der hegemoniale Kampf um das Öl verhinderte eine demokratische Entwicklung, sicherte Despotien. Die Destabilisierung, durch die militärische Intervention der USA Regierung, im Sinne des Finanzkapitals, hat die Region destabilisiert. Jetzt kommen sie und sie fragen nicht danach ob wir ihre Werte und Weltsicht teilen. PEGIDA geht auf diesen Widerspruch genauso wenig ein, wie darauf das der reiche Norden über ein jahrhundert gut von dem Elend des Süden gelebt hat. PEGIDA fordert nicht eine andere Politik gegenüber dem Orient und dem Süden. Eine Politik, die auf humanistischen Grundlagen beruht, die Einfluss nimmt über Diskurs, und das Gegenüber als gleichberechtigt anerkennt, dem er ein allgemeines gutes Leben wünscht. Nein, hier beschwert sich der Homo Konsumentes über die Dreistigkeit der Waren, nicht mehr Waren sein zu wollen. Über die Opfer auf dem Altar des Geldes, die Nein sagen, unerhört. Erschreckt darüber, das ihm plötzlich Menschen gegenüber stehen. Das die Figuren aus dem Abendprogramm plötzlich aus dem Fernseher herausgekommen sind und in seiner Wohnstube stehen. Ja, da kommen sie nun, die Afrikaner aus dem Busch, die Orientalen mit ihren verschleierten Frauen, die Indigenen, die Millionen und Abermillionen, mit ihren diffusen Ansichten, dem Mittelalter nahe. Sie klopfen an die Türen des reichen Nordens. Und bei uns stehen sie wie der Ochs vor dem Berg davor.

Gerhard Engelmayer (nicht überprüft)

Sa. 27 Dez 2014 - 20:22

Lieber Uwe Lehnert, das ist einer der besten und ausgewogensten Kommentare, die ich zu der Sache je gelesen habe. Die teilweise stümperhaften Kommentare aus den typischen parade-linken Ecken, die in ihrer "Toleranzbesoffenheit" (Pirincci) echte Gefahren unserer westlich-aufgeklärten Gesellschaft nicht wahrnehmen oder wahrhaben wollen, das erinnert an unseren Franz Grillparzer, der schrieb: " Der Mensch an sich ist gut, doch wie er einzeln dies und das besorgt, entgeht ihm der Zusammenhang des Ganzen!"

Uwe Lehnert (nicht überprüft)

So. 28 Dez 2014 - 14:19

Antwort auf von Gerhard Engelmayer (nicht überprüft)

Danke, lieber Gerhard Engelmayer, solcher Zuspruch von kompetenter und erfahrener Seite tut gut inmitten solcher Anfeindungen. Diese Zustimmung ist umso gewichtiger als sie von einer Person kommt, die an führender Stelle aktiv und engagiert für eine Gesellschaft eintritt, die sich humanistischen Prinzipien verpflichtet fühlt.

Martin (nicht überprüft)

Mo. 29 Dez 2014 - 01:59

Eine ungewöhnliche, geradezu erstaunliche Einschätzung der PEGIDA durch den Autoren: Tausende Menschen, die sich ausgerechnet in Dresden, wo es kaum Muslime gibt, intensive Gedanken über Zuwanderung machen und leider von "unerwünschten Schreihälsen und Trittbrettfahrern" etwas ungünstig ins rechte Licht gerückt werden. Da ist die Theorie des Postillon, die Demonstranten seien allesamt RTL-Reporter doch etwas wahrscheinlicher...

Körrie Kantner (nicht überprüft)

Mo. 29 Dez 2014 - 11:08

Schade, dass hier eine so einseitige, unreflektierte und unpassende Darstellung über die Muslime getroffen wird.
"Die meisten muslimischen Zuwanderer bringen eine Religion mit, die auf einem Gesellschaftsverständnis und einer Moral des 7. Jahrhunderts basiert... " mag auf dem Papier ja richtig sein, hat aber mit der Lebenswirklichkeit der meisten hier lebenden Muslime wohl wenig zu tun.
Es klingt aber verdächtig nach "die Juden sind unser Unglück" in neuem Gewand. Denn die Muslime werden dabei als (mindestens) ebenso kritikunfähige Masse dargestellt und undifferenziert betrachtet, wie der Autor zuvor den Umgang mit Pegida-Anhängern und deren Gleichmachung kritisiert. Das ist polemisch, es ist die laut schreiende Aussage "ich will mich damit nicht detailliert auseinander setzen!", aber mehr auch nicht.
Es macht mir gehörig Bauchschmerzen, derlei auf hpd lesen zu müssen. Papiertigerei hilft uns nicht weiter, wenn es um den Umgang mit der Situation hier und jetzt geht, und es bleibt die befremdliche Tatsache, dass Pegida nur noch in Dresden eine Rolle zu spielen scheint - also in einem Teil Deutschlands, der so gut wie keine muslimisch geprägten Bevölkerungsteile zu verzeichnen hat.

Uwe Lehnert (nicht überprüft)

Di. 30 Dez 2014 - 22:11

Antwort auf von Körrie Kantner (nicht überprüft)

Eigentlich wollte ich nicht mehr hier antworten. Aber vielleicht doch so viel zur Richtigstellung, jedenfalls ein Versuch dazu:

Ich habe an so vielen anderen Stellen meine Meinung zu »den« Muslimen geäußert und habe mich sehr wohl bemüht zu differenzieren. Ich habe immer wieder betont, dass ein großer Teil der hier zugewanderten sog. Muslime unsere Gesellschaftsordnung und unsere Gesetze akzeptiert, die deutsche Sprache gelernt hat, einkommenssichernder Arbeit nachgeht, zum Teil hier sogar Arbeitsplätze geschaffen hat und und und. Mit anderen Worten: Problemlos hier unter uns lebt und geradezu selbstverständlich dazugehört. Aber ein relevanter Teil der muslimischen Zuwanderer stellt aus den verschiedensten Gründen sehr wohl ein gravierendes Problem dar. Ihr mir unterstellter Vergleich mit den Juden ist fast schon infam zu nennen. Man kann doch nicht in jedem textlich begrenzten Artikel die ganze Bandbreite der Aspekte zur Sprache bringen, um jedem möglichen Gegenargument von vornherein den Wind aus den Segeln zu nehmen. Und »die befremdliche Tatsache, dass Pegida nur noch in Dresden eine Rolle zu spielen scheint«, wie Sie behaupten, ist ebenso falsch, wenn man die neueste repräsentative bundesweite Umfrage der Wochenzeitung »Die Zeit« (vom 15.12.14) sich anschaut, wonach auf die Frage »Haben Sie Verständnis für Demonstrationen … (wie Pegida)?« 49%(!) der Befragten antworteten mit »Ja, voll und ganz« und »Eher ja«. Also bitte mal an den Fakten orientieren und nicht nur an der eigenen unreflektierten Empörung. Ist Ihnen übrigens aufgefallen, dass mein Beitrag 480 mal »geteilt« wurde. Ein für hpd-Beiträge, soweit ich sehen kann, einmalige Zustimmungsquote. Denn in der Regel – Ausnahmen gibt es immer – jedenfalls »teilt« man einen Beitrag nur, wenn man dessen Verbreitung wünscht.

Bernd Kammermeier (nicht überprüft)

Di. 30 Dez 2014 - 19:54

Hier ist ja was los! Ich habe jetzt die Beiträge und die meisten Kommentare gelesen. Und ich wage mich auch auf dieses Tretminenfeld. Uwe Lehnert schreibt ausgewogen und sachlich nachvollziehbar. Auch ich beobachte die Pegida-Demonstrationen, ohne teilzunehmen oder auch nur vollumfänglich zu sympathisieren. Ich sehe dort aber die "Lücke der Gesellschaft" auf der Straße. Das Thema Islam polarisiert zurzeit ungemein. Man siehe nur Veranstaltungen zum Thema - rappelvoll! Es ist eine heiße Diskussion: Folge ich Hameds Analyse des "islamischen Faschismus" oder folge ich Lamya Kaddors "Heile-Welt-Islam"? Ich höre immer wieder Aiman Mazyek mit seiner Lieblingssure "Die Kuh" (Sura 2): "Es sei kein Zwang im Glauben!" Das klingt doch prima, das ist doch demokratisch, modern, was will man mehr? Was ich mehr will, ist, dass Herr Mazyek endlich mal den Rest dieses Verses vorträgt: "Klar ist nunmehr unterschieden das Rechte vom Irrtum; und wer den Taghut (ein Götze) verleugnet und an Allah glaubt, der hält sich an der stärksten Handhabe, in der kein Spalt ist; und Allah ist hörend und wissend. Allah ist der Schützer der Gläubigen; er führt sie aus den Finsternissen zum Licht. Die Ungläubigen aber - ihre Schützer sind die Taghut; sie führen sie aus dem Licht in die Finsternisse; jene sind des Feuers Gefährten und verweilen ewig in ihm." Im juristischen Sprachgebrauch nennt man das eine Nötigung. Wird das Feuer direkt von den Gläubigen angedroht, ist es sogar Erpressung mit zumindest versuchter gefährlicher Körperverletzung. Das ist die gesamte "Toleranzsure" des Koran. Ich will hier nicht darauf abheben, dass alle "Heiligen" Schriften furchtbare Passagen kennen, sondern auf den verharmlosenden Umgang damit, gerade von Seiten derer, die es besser wissen müssten, wie eben Frau Kaddor oder Herr Mazyek. Und da die politisch korrekte Politik gerne diesen Interpretationen folgt (sie klingen so schön nach Friede, Freude, Eierkuchen) folgt auch die Presse in weiten Teilen dieser Sicht und GENAU an dieser Stelle fühlen sich viele Bürger, meine Person eingeschlossen, nicht mehr verstanden und ernstgenommen. Wenn "kein Zwang im Glauben sei", warum MÜSSEN sich dann muslimische Knaben einer Körperverletzung unterziehen? Warum MÜSSEN dann Frauen in der Regel ein Kopftuch tragen? Warum MÜSSEN dann muslimische Mädchen auf deutsche Freunde oder gar vorehelichen Sex mit ihnen verzichten? Jeder kann diese Fragen gerne weiterführen... Die Antwort ist ganz einfach: Herr Mazyek und Konsorten verharmlosen auf eine geradezu lächerliche Weise den Islam, heben in ihrer Argumentation ab auf angepasste Muslime, die sich längst aus ihren Communities gelöst haben. Der "Durchschnittschrist" ist inzwischen auch harmlos geworden. Doch das ist nicht das Kriterium. Genauso wenig, wie für mich ein Kriterium ist, ob der Prozentsatz x oder y an Rechtsradikalen bei Pegida mitmarschiert. Auch ist für mich bei der Beurteilung der meisten Demonstranten die kriminelle Vergangenheit des Initiators irrelevant. Dessen Ziele sind sicher rechtsradikal und rassistisch. Doch wo ist die Organisation, die den ernsthaft besorgten Bürgern (egal, ob dies sachlich begründet ist), ein Sprachrohr bietet? Dies müssten eigentlich unsere Politiker und/oder die großen Medien sein. Aber dazu müsste man dort erst einmal die Problematik richtig verstehen. Die besteht in der Tat nicht aus einer Überfremdung oder gar einer demoskopischen Unterwanderung. Davor muss niemand Angst haben. Auch die Zuwanderung ist kein objektiver Grund für Besorgnis, im Gegenteil, diese ist notwendig! Auch Asylbewerber können wir uns bis zu einem gewissen Grad leisten und sollten das auch tun. Das ist eine Menschenpflicht! Allerdings gehört dazu Transparenz und die Ehrlichkeit, den Islam als undemokratisches und nicht demokratisierbares Kunstprodukt aus dem arabischen Mittelalter anzusehen. Kinder sollten vor dessen Einflüssen geschützt werden, um sie fit für die Zukunft zu machen. Dass sich islamische Gesellschaft selbst im Wege stehen und nichts auf die Reihe, kriegen sieht man mit einem Blick in die meisten islamischen Länder. Wir können ja zusehen, wie lange sich der Wohlstand der Türkei noch hält, wenn Erdogan mit seinem Islamisierungskurs weitermacht. Dies so zu sehen ist aber nicht fremdenfeindlich oder rassistisch, sondern eine notwendig Kritik an der inneren Struktur des Islams selbst. Das Christentum, wie es sich noch vor 200 Jahren zeigte, würde heute sicher auch von aufrechten Demokraten bekämpft werden. Also: Lasst uns einen vernünftigen Pool bilden, der die irritierten, besorgten Bürger sachlich aufklärt und gleichzeitig ernstnimmt und nicht beschwichtigt. Dann wurde sich schnell die Spreu von Weizen trennen und die Nazis könnten wieder Hassclubs betreiben. Die aktuelle Massenwirksamkeit bekamen und bekommen sie nur, weil das Thema Einwanderung und Islam nicht ernsthaft angegangen wird. Zumindest stimmt die Kommunikation nicht. So - wo ist denn jetzt der Ausgang von diesem Fettnapf?

"So - wo ist denn jetzt der Ausgang von diesem Fettnapf?"

"»Von mir willst du den Weg erfahren?« »Ja«, sagte ich, »da ich ihn selbst nicht finden kann.« »Gibs auf, gibs auf«, sagte er und wandte sich mit einem großen Schwunge ab, so wie Leute, die mit ihrem. Lachen allein sein wollen." (F.Kafka, Gibs auf!)

Danke, lieber Herr Kammermeier, für Ihre sachliche und auf die Kernaussagen meines Beitrags eingehenden Kommentar. Sie thematisieren die Befürchtungen, die zu Recht sehr viele Bürger, vor allem in Großstädten mit einem hohen prozentualen Anteil gläubiger muslimischer Zuwanderer, empfinden. Sie beziehen sich vor allem auf meinen hier veröffentlichten Beitrag. Und nur der sollte doch im Mittelpunkt der Kritik oder Zustimmung stehen. Kopfschüttelnd kann ich nur registrieren, was mir von einigen Mitdiskutanten durch freie Assoziation zu einzelnen Passagen meines Textes alles unterstellt wird. Was da an nur behaupteten politischen Auffassungen mir in den Mund gelegt wird, kann ich vielfach nur als böswillige Unterstellung empfinden. Als ob man in einem textlich begrenzten Beitrag alle denkbaren Aspekte behandeln könnte, um damit allen möglichen Gegenargumenten von vornherein den Wind aus den Segeln zu nehmen. Ein Gipfelpunkt an Diffamierung ist der nur der ungezügelten Phantasie entsprungene Hinweis von Herrn H. Schulze, dass ich wohl auch »Auschwitz« abstreiten würde.

Peter Ofenbäck (nicht überprüft)

Di. 30 Dez 2014 - 23:46

Uwe Lehnert,
Sie haben da ein sehr komplexes Thema angefasst. Pegida und Co. sind nur Indikatoren für eine viel tiefer gehende Fragestellung. Ist es vom humanistischen Standpunkt aus vertretbar, dass sich Staaten gegen Zuwanderung aus anderen Ländern abschotten? Ist der Versuch, seine wirtschaftliche Lage durch Umzug in ein anderes Land zu verbessern, unmoralisch? Geht von 5% islamischen Mitbürgern wirklich eine Gefahr für westlich - säkulare Gesellschaften aus?
Gibt es eingebildete Angst? Nein, denn Angst ist subjektiv. Man hat sie oder auch nicht.
Wovor fürchtet sich der Deutsche? Vielleicht davor, im humanistischen Sinne für gleiche Lebensqualität überall auf der Welt Verzicht üben zu müssen? Diese Furcht ist berechtigt, solange wir Lebensqualität an wirtschaftlichen Kriterien messen und uns wundern, warum wir dennoch so unzufrieden sind. Wir brauchen einen Paradigmenwechsel, insbesondere was unsere Auffassung von einem gelungenen Leben betrifft, dann könnte es vielleicht gelingen, ein gelingendes Leben für alle zu erreichen.

Hans Schulze (nicht überprüft)

Mi. 31 Dez 2014 - 15:53

Antwort auf von Peter Ofenbäck (nicht überprüft)

Ihre Ausführungen, Herr Ofenbäck, legen den Finger an genau der richtigen Stelle in die Wunde. Was kann eine humanistische Position zur Zuwanderung nach Deutschland sein? Dazu ist in manchen Artikeln einiges erwähnt worden, in den Ausführungen von Uwe Lehnert aber nichts. Das scheint auch nicht sein Interesse zu sein, ebenso wenig wie eine nüchterne Analyse der Pegida-Erscheinung von ihm beabsichtigt ist. Nur eine nahezu hysterische "Warnung" vor einer völlig aufgeblasenen Gefahr des Islam, ist das, was er produziert. Dass er dabei vor der Verbreitung von Unrichtigkeiten nicht zurückscheut, hat Christoph Baumgarten schon erläutert. Im hpd verbreitet Lehnert zudem nur eine weichgespülte Version seiner Auffassungen, weiss er doch, dass er sonst im hpd nicht veröffentlichen dürfte. Lesen Sie mal seine Ausführungen bei Wissenbloggt. Da wird er dann ganz deutlich. Den Kampf gegen den Islam hält er schon für verloren (!): „Wir (!) werden die Auseinandersetzung mit dem Islam wahrscheinlich verlieren.“, Deutschland hält er gefährdet „durch eine zugewanderte Kultur, die den ehrlichen Dialog und den fairen Kompromiss mit Andersdenkenden und -gläubigen nicht kennt.“ Globale Auseinandersetzung mit dem Islam, eine zugewanderten Kultur usw. – das zeigt doch überdeutlich, wes Geistes Kind Uwe Lehnert ist. Der Generalverdacht gegen Muslime wird von ihm ins Unendliche verlängert:
„Wir hören immer wieder, dass das Gros der Muslime friedlich sei und unsere Verfassung respektiere. Mir scheint, dass dieser Anteil viel zu hoch eingeschätzt wird. Die i.d.Z. übliche Unterscheidung zwischen Islam und Islamismus scheint mir eher zur Beruhigung der Öffentlichkeit gedacht zu sein. Die Grenzen sind mehr als fließend. Muslime, die nur ruhig sind und friedlich scheinen, müssen deshalb noch lange nicht verfassungstreu und in unserer Gesellschaft angekommen sein.“ So oder ähnlich wird es an manch islamophoben Stammtisch auch heißen.
Der hpd sollte vor Veröffentlichungen einmal genauer überprüfen, was seine Autoren sonst noch so absondern, und wo sie dies tun. Immerhin nennt sich der hpd „humanistisch“. Die Thesen von Uwe Lehnert sind dies wohl kaum.
Welche Positionen vertritt er eigentlich zum Holocaust und zur Strafverfolgung rechtsextremer Hetze, zur „Auschwitz-Lüge“? Zu weit hergeholt? Nein, bei Wissenbloggt schreibt er zur Strafbarkeit aufhetzender Reden: „Diese Straftatsmerkmale existieren seltsamer Weise bei Verbreitung rechtsextremen Gedankenguts sehr wohl“. Warum „seltsamer Weise“, Uwe Lehnert? Hört man da nicht allzu deutlich den Ton eines Unverständnisses aus dieser Formulierung heraus? Da stellt sich die Frage, welche Positionen eigentlich jemand sonst noch so vertritt, wenn er muslimische Menschen auf „den Muslim“ reduziert.

Paul Koop (nicht überprüft)

Mi. 31 Dez 2014 - 19:08

Antwort auf von Hans Schulze (nicht überprüft)

Die Thesen von Herrn Prof. Lehnert sind atheistisch/agnostisch. Aufgabe einer atheistischen/agnostischen Plattform ist Religionskritik, nicht kritische Religiosität. Atheistische/Agnostische Religionskritik kann nur dem Erkenntnisgewinn dienen, wenn sie nicht politisch korrekt ist. Politische Korrektheit dagegen dient nur der Macht und dem Machterhalt, nie dem Erkenntnisgewinn. Wer den Eindruck erweckt, dass Islamkritik nicht erlaubt ist, der schadet der Demokratie. Wenn jede Meinungsäußerung, die sich nicht mit der herrschenden Politik deckt, heutzutage aus der Hüfte heraus mit den Attributen rassistisch, rechtsextrem, nationalsozialistisch, ausländerfeindlich etc. etikettiert wird, dann müssen sich die, die diese Etiketten vergeben, den Vorwurf der Hetze selbst zueigen machen lassen. Und diese Hetze ist eine ungeheuerliche Entgleisung.

Adam Weishaupt (nicht überprüft)

Mi. 7 Jan 2015 - 17:35

Antwort auf von Paul Koop (nicht überprüft)

Wenn es sich um eine nicht gerechtfertigte Islamkritik (Islamisierungsängste schüren), dann kann man schon direkt den Autoren oder Kommentatoren ein rechtsextremes Gedankengut vorwerfen. Der weitaus größte Teil der hier lebenden Muslime sind in keiner Weise gefährlicher oder radikaler als Mitglieder anderer reloigiöser Bevölkerungsgruppen. Wenn Humanisten, Agnostiker oder Atheisten von muslimischen Mitmenschen fordern, sich anzupassen, dann klingt dass ziemlich lächerlich. Kann die religiöse Mehrheit in diesem Land nicht das gleiche von uns einfordern?

MK (nicht überprüft)

Do. 1 Jan 2015 - 22:04

Antwort auf von Hans Schulze (nicht überprüft)

"...bei Wissenbloggt schreibt er zur Strafbarkeit aufhetzender Reden: „Diese Straftatsmerkmale existieren seltsamer Weise bei Verbreitung rechtsextremen Gedankenguts sehr wohl“. Warum „seltsamer Weise“, Uwe Lehnert?" Sagen Sie mal, haben Sie den Text von Lehnert eigentlich gelesen? Sie zitieren selektiv. Es geht darum, dass es bei einer rechtsextremen Hetze, völlig zurecht (das muss man hier in dieser unsäglichen Diskussion offensichtlich immer noch dazuschreiben, obwohl eigentlich selbstverständlich) ein Straftatbestand vorliegt, der entsprechend geahndet wird, bei islamistischen Hasspredigern aber allzuoft eine Strafverfolgung ausbleibt (so Lehnert). Ein Wunsch nach einer Straffreiheit für rechtsextreme Hetze oder gar für Auschwitz-Leugnung ist daraus nicht abzuleiten, und eine solch geartete Interpretation erscheint mir, mit Verlaub, pathologisch - in Jedem, dessen Meinung nicht mit meinem Weltbild in Übereinstimmung zu bringen ist, als rechtsextremen Agitator zu sehen. Die rein rhetorische und höchst tendenziöse Frage nach Lehnerts Position zum Holocaust ist so ungeheuerlich und geschmacklos, dass ich mich langsam frage, was für Leser der hpd eigentlich hat.

Sebastian Bartoschek (nicht überprüft)

Sa. 3 Jan 2015 - 18:08

Ich erlaube mir darauf hinzuweisen, dass ich diesen Kommentar und einiges andere im Blog Ruhrbarone.de verarbeitet habe!

Hier ist´s: http://www.ruhrbarone.de/humanisten-fuer-pegida/97985

Adam Weishaupt (nicht überprüft)

Mi. 7 Jan 2015 - 17:31

Ich bin schon erstaunt, dass dieser Artikel noch immer auf der HPD Seite steht. Eine so vereinfachende, verharmlosende Behandlung des Themas ist für Humanisten wohl kaum zu vertreten.

Erst der Versuch die Initiatoren und Mitläufer dieser Veranstaltungen aus der rechtsextremen Ecke herauszuziehen und dann das leidige Thema Asylrechtsverschärfung, Islamophobie und Migration aus einer sehr konservativen Ecke zu betrachten, lässt mich beim Autoren nur auf eine nicht sehr humanistische Gesinnung schließen.

Die Gesetze zum Asyl und zur Integration beinhaltet schon vieles, was hier gefordert wird und was der Autor und auch Rechtsextreme aus Leibzig fordern, ist die Abkehr von unserem Grundgesetz.

Hier scheint kein Atheisat oder Humanist geschrieben zu haben, sondern ein islamophoberund vermutlich auch fremdenfeinldicher Deutscher.

Der HPD setzt sich dem Verdacht aus, rechtsextreme und identitäre Forderungen im Denkmantel des Humanismus zu teilen.

Ich bin ebenfalls erstaunt, wie lange sich Kommentare verleumderischen Inhaltes halten:

Da ich Uwe Lehnert als sachlich und bedacht schreibenden Buchautoren kennengelernt habe, frage ich:

Wie lange bleibt eigentlich eine Unterstellung wie die folgende noch unkommentiert?

"Welche Positionen vertritt er eigentlich zum Holocaust und zur Strafverfolgung rechtsextremer Hetze, zur 'Auschwitz-Lüge'? Zu weit hergeholt?"

Auch wenn inzwischen richtig gestellt und aufgezeigt worden ist, wie verkürzend, entstellend und diffamierend Prof. Lehnert hier von Herrn "Schulze" "zitiert" worden ist - eine redaktionelle Anmerkung müsste schon lange her zu dem garstigen Kommentar.

Unterstützen Sie uns auf Steady!

Mehr lesen über:

Verwandte Artikel