Michael Schmidt-Salomon in Hamburg
Mein Kopf gehört mir!
Foto: © Ingo Eitelbach
Was wissen wir heute über emotionale und kognitive Prozesse von Kindern, Heranwachsenden und Erwachsenen? Setzen wir das in KITA, Schule und weiterführenden Ausbildungs-Institutionen um? Der Philosoph Michael Schmidt-Salomon machte den Auftakt einer spannenden Vortragsreihe der Giordano-Bruno-Stiftung Hamburg zum Thema "Erziehung und lernen" und gleichzeitig einer Kampagne der Giordano-Bruno-Stiftung für die Rechte von Kindern.
"Mein Kopf gehört mir – Warum Kinder ein Recht auf vorurteilsfreie Bildung haben", so lautete der Titel des Vortrages, den Dr. Schmidt-Salomon mit einem knackigen Freud-Zitat einleitete, der vor 90 Jahren meinte: "Wer sich einmal dazu gebracht hat, all die Absurditäten, die die religiösen Lehren ihm zutragen, ohne Kritik hinzunehmen, dessen Denkschwäche braucht uns nicht arg zu wundern."
Von einer Erziehung zur Realität sind wir auch heute noch meilenweit entfernt.
Als Beleg für diese Aussage weist er beispielhaft auf die Auditkriterien der Kindertageseinrichtungen im Bistum Trier hin, wonach die Verantwortlichen aufgefordert sind, den Kindern die Botschaft Jesu erfahrbar zu machen, die heilige Schrift zu vermitteln, biblische Erzählungen mit Lebenssituationen der Kinder zu verknüpfen und Jesus sowie weitere vorbildhafte Figuren der Kirchengeschichte als Vorbild darzustellen.
Tatsächlich wird den Kindern die Schöpfungsgeschichte nähergebracht und diese kreationistischen Vorstellungen müssen später im Evolutionsunterricht mühevoll aufgebrochen werden.
Ist dies die Aufgabe von Bildungseinrichtungen? Warum wird dies öffentlich finanziert? Darf ein weltanschaulich neutraler Staat es zulassen, dass Bildungseinrichtungen, die öffentlich finanziert werden, Glaubensmissionierung durchführen und evidente Tatsachen leugnen?
Seine Antwort darauf lautet wenig überraschend nein!
Kinder haben ein Anrecht, vorurteilsfrei in die Welt eingeführt zu werden, die Tatsachen des Lebens zu erfahren und verschiedene Perspektiven kennenzulernen, mit deren Hilfe sie später ihre eigene Sicht der Dinge entwickeln können, ohne von vorneherein ideologisch in eine bestimmte Richtung gedrängt zu werden.
Warum ist das bisher so? Kinder werden offenbar nicht als eigenständige Individuen gesehen, sondern als Teil einer Familienidentität.
"Es gibt katholische, protestantische, sunnitische oder schiitische Kinder genauso wenig wie christdemokratische, liberale, sozialdemokratische oder grüne Kinder", so lautet eine mittlerweile sehr bekannte wie zutreffende Formulierung von Dr. Schmidt-Salomon.
Der Staat hat die Aufgabe, Kindern im Sinne der Chancengleichheit Zugang zu Wissensquellen zu verschaffen, die ihnen in ihrem Elternhaus verschlossen bleiben. Dies muss rational, evidenzbasiert und weltanschaulich neutral erfolgen.
In Deutschland liegt hier einiges im Argen. Am Beispiel des Evokids-Projektes macht Schmidt-Salomon deutlich, dass es dringend erforderlich ist, Kindern schon sehr früh zu vermitteln, woher der Mensch kommt und dass er mit allen anderen Lebewesen verwandt ist. Auch im Hinblick auf die Integration ist es vorteilhaft, Kenntnis darüber zu erlangen, dass uns Menschen untereinander sehr viel mehr verbindet als trennt. Die Evolutionstheorie ist für unser modernes Weltbild von größter Bedeutung. Die Verengung auf die eigene Gruppe ist eines der herausragenden Probleme in der heutigen Welt.
Die Evolutionstheorie stellt nicht notwendigerweise einen Widerspruch zur Religion dar. Ein Widerspruch besteht zu veralteten, ideologisierten Formen der Religion, die leider sehr verbreitet sind.
Auch im Religionsunterricht werden die Schüler in einer künstlichen Filterblase gehalten. Pädagogische Argumente für die Erteilung eines konfessionsgebundenen Religionsunterrichtes bestehen nicht. Das Argument dafür ist lediglich der Art. 7 des Grundgesetzes. Hier wird allerdings übersehen, dass dieser Artikel den Religionsunterricht in Bekenntnisschulen regelt. Für bekenntnisfreie Schulen gibt es keine Pflicht zur Erteilung von Religionsunterricht.
Erstaunlicherweise existieren in ganz Deutschland keine bekenntnisfreien Schulen, da die länderspezifischen Schulgesetze diese Schulform nicht kennen, sondern wie z. B. in Nordrhein-Westfalen die "Ehrfurcht vor Gott" sogar als Ziel für die Bildung im Schulgesetz vorsehen.
Gerade Schüler muslimischer Eltern sind geprägt durch patriarchalische Stereotypen oder Angst vor der Hölle.
Michael Schmidt-Salomon weist in diesem Zusammenhang auf das Buch von Susanne Wiesinger "Kulturkampf im Klassenzimmer" hin, die sagt: "Oft denke ich: Die haben gewonnen und wir haben verloren. In Wirklichkeit haben die Kinder verloren."
Hier kommt den Bildungseinrichtungen eine besondere Rolle bei der Förderung der offenen Gesellschaft zu. Eine Reform ist schwierig, aber nötig.
Es ist an der Zeit, die Rechte der Kinder zu stärken. Es ist Unrecht, Kinder weltanschaulich derart zu manipulieren.
Michael Schmidt-Salomon stellte dann die Forderungen der Giordano-Bruno-Stiftung vor:
- Öffentliche Bildungsinstitutionen müssen die Grundprinzipien (Liberalität, Egalität, Säkularität, Individualität) der offenen Gesellschaft sehr viel entschiedener vermitteln und verteidigen.
- Das Bildungssystem muss rational, evidenzbasiert und weltanschaulich neutral ausgerichtet sein, "Fake News" und Glaubensmissionierung haben in öffentlich geförderten Bildungseinrichtungen nichts zu suchen.
- Kitas sind weder Kinderverwahrstationen noch Orte der Glaubensmission, sondern öffentlich geförderte Bildungsinstitutionen, die entsprechende Qualitätsanforderungen erfüllen müssen. (80 % der 18–34-jährigen Deutschen misstrauen religiösen Institutionen, aber mehr als die Hälfte der Kitas sind kirchlich!)
- Öffentliche Schulen sollten in "bekenntnisfreie Schulen" umgewandelt werden, die statt des Religionsunterrichtes einen für alle Schülerinnen und Schüler verbindlichen religions- und weltanschauungskundlichen Philosophie- und Ethikunterricht anbieten.
- Die öffentlichen Bildungssysteme (insbesondere Kitas und Schulen) müssen sehr viel besser ausgestattet werden, um ihre Aufgaben erfüllen zu können.
- Das Berliner Neutralitätsgesetz müsste auf das gesamte Bundesgebiet ausgedehnt werden, da sich die weltanschauliche Neutralität des Staates im Auftreten seiner Repräsentanten widerspiegeln sollte. (In erster Linie haben sich muslimische Organisationen dagegen gewehrt: Kopftücher sollten auch in Schulen getragen werden dürfen.)
- Als Gegenmaßnahme zur religiösen Indoktrinierung und patriarchalen Freiheitsberaubung in vielen Familien sollte in öffentlichen Bildungseinrichtungen ein Kopftuchverbot für Mädchen gelten. (Hinweis auf Petition von Terre des Femmes: Kopftuchverbot in öffentlichen Gebäuden und bei Kindern)
- Der Staat muss seine Rechtsnormen konsequent durchsetzen – auch dann, wenn er dabei auf religiöse oder kulturelle Widerstände stößt. (Ahmad Mansour: Jugendämter legen keine gleichen Maßstäbe bei muslimischen Familien an, auch bei regelmäßiger Gewalt gegenüber Kindern unterbleiben Konsequenzen!)
- Die Rechte der Kinder müssen ins Grundgesetz aufgenommen werden, damit sie als eigenständige Individuen anerkannt und ihre Interessen geschützt werden. (Die elterliche Sorge wird höher gewichtet als die Rechte der Kinder. Beispiel Beschneidungsgesetz: Archaische Glaubensvorschriften haben höheres Gewicht als das Recht auf körperliche Unversehrtheit der Kinder!)
Unterrichten wir unsere Kinder nicht evident und rational, dann profitieren davon religiöse Extremisten und nationale Chauvinisten, deren Geschäftsmodell auf kollektiver Denkschwäche gründet, frei nach dem Motto "Auf hohlen Köpfen ist gut trommeln!"
Abschließend stellte Michael Schmidt-Salomon klar, dass es zur Verteidigung der offenen Gesellschaft kaum bessere Optionen gibt als die Stärkung der Kinderrechte und die Verbesserung der Bildungssysteme.
In der anschließenden traditionellen Fragerunde vermochte Dr. Schmidt-Salomon der anwesenden säkularen "Gemeinde" einen eher optimistischen Blick in die Zukunft in das nicht vorhandene Gebetsbuch zu schreiben.
Er wies darauf hin, dass er im Zuge der Gründung des Deutschen Kitaverbandes mit allen familienpolitischen Sprechern der Bundestagsfraktionen gesprochen habe. Auch die Sprecher der SPD und CDU, die sich als kirchentreu geoutet hätten, sagten, dass die Kirchenprivilegien in absehbarer Zeit fallen müssen.
Er machte deutlich, dass es zukünftig nicht mehr möglich sein wird, gegen konfessionsfreie Menschen Politik zu machen.
Die Bewegung, die weltweit am stärksten wächst, ist die säkulare. Auch im Iran oder Saudi-Arabien ist dies zu beobachten. Die religiöse Gegenbewegung ist eine Reaktion darauf.
Wer letztlich die Oberhand behält, kann zum heutigen Zeitpunkt nicht gesagt werden.
"Wenn man das Immunsystem der Vernunft schon in der frühen Kindheitsphase lahmlegt und unempfindlich macht für logische und empirische Widersprüche, dann hat das fatale Konsequenzen", so der Vortragende.
Genau darauf bauen Populisten und höhlen den Wahrheitsbegriff zu einer Art Meinung aus, die unterschiedlich sein kann.
Auch die säkulare Szene sollte sich immer bewusst machen, dass ein alter, weißer Mann im Recht sein kann und eine schwarze, behinderte Lesbe im Unrecht. Die Güte eines Argumentes ist unabhängig davon, wer es äußert.
Mit einer kleinen Anekdote zur Jahresendfeier im Hause Schmidt-Salomon (nach demokratischer Wahl bringt das Mandarinenmännchen die Geschenke) endete die spannende Veranstaltung.
Die Vortragsreihe geht weiter, jeweils um 19 Uhr in den Räumlichkeiten der GLS-Bank in der Düsternstr. 10 in Hamburg mit folgenden Referenten:
25.10.2018 Prof. Dr. Mausfeld "Demokratie und Erziehung"
08.11.2018 Prof. Dr. Dipl.-Ing. Birgit Spies "Bildung zwischen Anspruch und Wirklichkeit"
06.12.2018 Heinz Becker "Fit fürs Leben?"
Mehr dazu auf der Website der gbs Hamburg.
Kommentare (50)
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Spontan aus meiner Sicht:
Spontan aus meiner Sicht: Gegen die Punkte 1, 2, 3, 5, 8, 9 ist wohl generell nichts einzuwenden. Bei 4 und 7 sieht das anders aus.
Und weshalb bitte? Da fehlt
Und weshalb bitte? Da fehlt mir die Begründung.
Hallo, muss ich das begründen
Hallo, muss ich das begründen? Mein Kommentar kam spontan. Ich meine, dass bei 4 und 7 im Lande am ehesten Widerspruch zu erwarten wäre, bspw. als Ergebnis einer Umfrage, die aber nicht machbar sein dürfte.
Der erste erforderliche
Der erste erforderliche Schritt - lieber Dr. Schmidt-Salomon - zur vorurteilslosen Erziehung von jungen Menschen wäre doch wohl die sofortige Abschaffung der Zwangstaufe von unmündigen Kleinstkindern!
Genau! Die Abschaffung der
Genau! Die Abschaffung der Zwangstaufe religionsunmünder Minderjähriger. Nichteinwilligungsfähiger Babys. Dieser frühkindliche religiöse Übergriff hat nämlich einige Folgen: 1. Zwangskonfessionalisierung, 2. Zwangskirchensteuerpflicht und 3. Zwang zur Teilnahme am bekenntnisorientierten, konfessionellen Religionsunterricht in jeder staatlichen Schule ab Schulkasse 1. Und ein Abmelden ist in den Bundesländern unterschiedlich geregelt, es gibt Länder, da ist die Zustimmung der Eltern bis zur Vollendung des 18. Lebensjahr erforderlich! Die von Kay Krause erwähnte Zwangstaufe, da geht es nicht nur um einen Ritus, an dem sich nicht nur die Hardcore-Christen erfreuen, sondern auch die Folklore-Christen.
Für die Abschaffung der Taufe
Für die Abschaffung der Taufe sind die Eltern zuständig, es handelt sich nämlich NICHT um eine Zwangstaufe. Kinder einfach nicht taufen lassen - Problem gelöst, denn damit entfällt auch der Religionsunterricht.
"3. Zwang zur Teilnahme am bekenntnisorientierten, konfessionellen Religionsunterricht in jeder staatlichen Schule ab Schulkasse 1". Das ist der einzige Punkt, den die Politik von heute auf morgen lösen könnte, nämlich durch Umwandlung aller staatlichen Schulen in bekenntnisfreie Schulen, denn die sind in Art. 7, GG explizit von der Pflicht zur Anbietung eines Religionsunterrichtes ausgenommen.
Schön geschrieben, Ingo!
Schön geschrieben, Ingo!
Aber zumindest die abrahamitischen Religionen sehen ich von ihrem Grundverständnis in krassem Gegensatz zur Evolutionstheorie.
Und die bekenntnisfreien Schulen wären mal eine Hebel, an dem angesetzt werden könnte. Wann vertritt das mal endlich jemand, z.B. eine Partei?
Ich war auch etwas überrascht
Ich war auch etwas überrascht, als Michael das sagte (ET zu Religionen). Die heiligen Schriften haben mit Evolution sicher nichts am Hut.
Nun ja,
Nun ja,
zumindest die RKK hat sich jetzt ja zur ET bekannt, denn da geht es ja nicht um die ENTSTEHUNG des Lebens, sondern nur um seine Entwicklung (Evolution). Im Augenblick ist nur noch die Entstehung dem lieben Gott vorbehalten, bis die Erzeugung lebender Zellen aus unbelebter Materie gelingen wird - und ich bin sicher, das erleben die meisten von uns noch.
Nu ja, Karl-Heinz, erzähl das
Nu ja, Karl-Heinz, erzähl das mit Entwicklung (aka: Abstammung) mal einem Fundi der abrahamitischen Religionen (egal, welcher); da kommt dann (weil es Grundfesten erschüttert!) schnell eine Abwehrreaktion wie: "Affe!?? Nach SEINEM Antlitz!"
Kennst du sicher...
Hallo Hans,
Hallo Hans,
alle Fundis haben eigene Religionen. Die offiziellen Vertreter der RKK und EKD haben keine Einwände gegen die ET - und nur das habe ich behauptet.
Ich denke, Karl-Heinz, auch
Ich denke, Karl-Heinz, auch die "offiziellen Vertreter der RKK und EKD" werden, wenn es darauf ankommt, die Genesis ihrer sog. 'heiligen' Bücher verteidigen bzw. sich ob der offenkundigen Diskrepanzen irgendwie rausreden. Aber egal.
Hans,
Hans,
in Genesis steht nichts von Evolution, sondern nur von Schöpfung. Und an der hält die RKK natürlich fest, aber die ET handelt überhaupt nicht von der Schöpfung. Die können wir ihnen erst mit der künstlichen de novo-Erzeugung von physiologischen Einheiten wegnehmen, die die Kriterien für Leben erfüllen: Vermehrung, Stoffwechsel und Kommunikation.
Um es klarer zu machen:
Um es klarer zu machen: Kommunikation ist ein Synonym für Stoff- und Energieaustausch mit der Umgebung.
Die PdH (Partei der
Die PdH (Partei der Humanisten) tut das - ist aber bisher noch nicht in den Parlamenten vertreten. Was im Bundestag sitzt, können wir vergessen.
Ja, Karl-Heinz, die "PdH
Ja, Karl-Heinz, die "PdH (Partei der Humanisten)" vertritt das - nun schaun mer mal, wie die sich bei der kommenden Hessenwahl schlägt.
Toller Artikel von Ingo! Es
Toller Artikel von Ingo! Es geht um die Rechte der Kinder. Bei der Verteidigung dieser Rechte erfahre ich jeden Tag Phänomene. Eines der denkwürdigsten ist, ich würde atheistisch indoktrinieren.
Heute sah ich mich genötigt, an die Kita zu schreiben: "... mein Sohn **** wird an dem Fest des Kindergartens, bei dem Laternen zum Einsatz kommen, nicht teilnehmen. Aus Gründen der Transparenz teile ich Ihnen die Gründe mit:
Zwei Liedtexte transportieren christliche, insbesondere römisch-katholische Mythen. Es geht dabei um einen so genannten Heiligen. Das Herrschafts-Konzept heilig lehne ich ideologisch ab, aber auch wegen der Fiktion. Möglicherweise wird auch eine verkleidete Person mit einem Pferd den Heiligen-Kult vergegenwärtigen...."
Welchem Vorwurf ich mich damit aussetze, das kann sich jeder an 5 Fingern abzählen.
Leserbrief: St. Martin
Leserbrief: St. Martin
Der Heilige Martin, bekannt für seine Vollhilfe mit Halbtextilien – wer wüsste es nicht?! -, feierte ein seliges Doppelleben. Wer wüsste es?
Seine christliche Karriere begann als begnadeter Exorzist, leider bei sich selbst erfolglos. Denn ihn besuchten immer die Falschen: die Jungfrau Maria, die Apostel Petrus und Paulus u.a.. Schade!
Halbe Sachen wie beim Mantel machte er nie wieder. Nach mehreren geglückten und bezeugten Totenerweckungen war er reif – für ein Bischofsamt. Und da hält er sich nicht etwa ein paar Zierfische, sondern gleich 20 Tausend Sklaven. Dafür kommt ihm aber bei der Missionierung der Gallier regelmäßig die Galle hoch (Nomen est omen!).
Fanatisch kämpft er gegen keltische Heiligtümer bis zu ihrer Zerstörung. Kaum ein heiliger Ort, wo er nicht Götterbilder, Altäre, Säulen zertrümmert, Tempel niederbrennt, bitter verteidigte heilige Eichen fällt. Oder er bricht mit seiner Mönchhorde den heftigen Widerstand der Bauern, um Druidensteine zu stürzen. Sein Biograph, Rechtsanwalt und Mönch Sulpicius Severus: “Mit den Füßen zertrat er die Altäre und die Götterbilder.“ Dagegen kirchlich genehmigt im 20. Jahrhundert:“...ein Mann von bewundernswürdiger Sanftheit und Geduld..., unwandelbarer Friede leuchtete aus seinen Augen.“ Das fürs gläubige Volk – und nicht nur für das.
425 Dörfer Frankreichs tragen heute den Namen eines Brandstifters, Zerstörers und Diebes, der auf den Trümmern der heidnischen Kultstätten sogleich chr. Kirchen errichten ließ.
Wir können nicht sicher wissen, ob der Bettler die Kälte der ersten Nacht mit dem halben Mantel überlebt hat. Aber getrost dürfen wir darauf bauen, dass der Martin, würde er heute weiter östlich ausgesetzt, den Einheimischen dort nachstellte und – Ohren zuhalten! – Buddha – Statuen in die Luft jagte, etwa die von Bamiyan.
Albert Voß, Lüdinghausen
Diesen Leserbrief lege ich seit 2013 der Lokalredaktion Lüdinghausen, Westfälische Nachrichten, vor. Jahr für Jahr. Er wird Jahr für Jahr nicht gedruckt. Inzwischen habe ich ihn in vielfacher Kopie an das Lehrerkollegium einer hiesigen Grundschule verteilen können. Im letzten Jahr fand ich in der Zeitung keinen Artikel über die traditionelle Martinsfeier an dieser Schule mehr.
Albert Voß, vielen Dank. Das
Albert Voß, vielen Dank. Das tut ja richtig gut!
Rational, evidenzbasiert und
Rational, evidenzbasiert und weltanschaulich neutral, in gefühlt jedem von Schmidt-Salomons Vorträgen der letzten Zeit, zumindest denen, über die der hpd berichtet, tauchen diese Stichworte auf, und ich muß zugeben, ich habe meine Probleme mit ihnen, auch oder gerade weil ich die Zielrichtung, die er verfolgt, durchaus mit Sympathie sehe.
Das beginnt schon mit der Ratio, die jeder für seine Position in Anspruch nimmt, als wenn es dafür eine einvernehmliche Definition gäbe. Evidenzbasiert ist erst einmal nur ein falscher Freund, eine schlechte Übersetzung aus dem englischen ‚evidence based‘, was eigentlich nichts anderes heißt als ‚auf empirische Belege gestützt‘ und schon etwas bescheidener und damit ehrlicher daherkommt.
Das eigentliche Problem scheint mir aber der Anspruch der weltanschaulichen Neutralität zu sein. Gibt es das in dieser absoluten und abstrakten Form überhaupt? Bzw. meint Schmidt-Salomon wirklich, daß seine Position weltanschaulich neutral ist? Wenn er es meint, ist er naiv. Wenn er es nicht meint, und trotzdem behauptet, ist er manipulativ.
Oder (und hier gibt es ausnahmsweise mal ein Drittes) er ist der Ansicht, seine Weltanschauung sei „weltanschaulich neutral“, weil „evidenzbasiert“. Dann ist es eine Ideologie, die behauptet, keine zu sein. Und das wäre allerdings ein wirkliches Übel. Ist es ein Zufall, daß Schmidt-Salomon unter den „abzulehnenden Familienidentitäten“ den Humanismus nicht erwähnt? Ist es Zufall, daß er gleichzeitig das Eintreten öffentlicher Institutionen für Werte wie „Liberalität, Säkularität, Individualität“ fordert, und gleichzeitig deren „weltanschauliche Neutralität“?
Ich stimme dem Einwand zu,
Ich stimme dem Einwand zu, dass das Konstrukt "weltanschauliche Neutralität" fragwürdig ist. Die korrekte Darstellung wäre m.E., eine religiöse und weltsanschauliche Neutralität zu fordern. Wie aber ist das zu lösen? Es gibt dann auch Folgefehler: Es gibt in den meisten Bundensländern die Pflicht am ordentlichen Schulfach Religion (seiner Konfession) teilzunehmen. Andernfalls, bei Abmeldung oder Konfessionsfreiheit oder anderer Konfession die Pflicht, am Fach Ethik teilzunehmen. Der Fehler liegt darin, dass eine Abmeldung von beiden Fächern möglich sein müsste, da beide Fächer zu weltanchaulichen Gewissensproblemen führen können, und letztendlich Indoktrination darstellen. Denn die Ethik ist mit Sicherheit auch nicht weltanschaulich neutral. In einigen Ländern ist diese zumindest als christlich geprägt vorgegeben. Man kann sich auch trefflich darüber streiten, ob die Menschenrechte universal gelten. Für viele, auch mich, sind diese regelrecht "heilig". Anderen nicht, dem Vatikan beispielsweise nicht, der hat nicht nur eine andere "heilige" Schrift, sondern lebt diese mit Diskriminierung, Diffamierung und Enwürdigung noch heute offen aus.
"Es gibt in den meisten
"Es gibt in den meisten Bundensländern die Pflicht am ordentlichen Schulfach Religion (seiner Konfession) teilzunehmen."
Das ist aber nur dem Umstand geschuldet, dass es so gut wie keine bekenntnisfreien Schulen gibt. Das könnten unsere Länderparlamente von heute auf morgen ändern - wenn sie denn wollten.
"... da beide Fächer zu weltanchaulichen Gewissensproblemen führen können ..."
Das gilt genauso für Geschichte, Geografie, Sozialkunde, Musik, Kunst und, und, und, eigentlich für alle Fächer außer der Mathematik.
Ethik und Religionsunterricht in einen Topf zu werfen ist schon starker Tobak. Schließlich macht die Ethik keine Zielvorgabe wie die Religion (Gott existiert!). Wenn es also zu einem weltanschaulichen Gewissensproblem kommt, dann hat das der Lehrer erzeugt und nicht das Fach.
Karl-Heinz,
Karl-Heinz,
ich beziehe mich bei meinen folgenden Ausführungen auf das Bundesland Hessen. Eine vergleichende Abeit kann ich nicht leisten. Gem. Artikel 7 Abs. 3 Grundgesetz ist der Religionsunterricht in den öffentlichen Schulen mit Ausnahme der bekenntnisfreien Schulen ordentliches Lehrfach. Der Religionsunterricht wird in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaft erteilt. Diesem Grundsatz von Verfassungsrang entspricht Artikel 57 Abs. 1 der Verfassung des Landes Hessen sowie § 8 HSchG. Die Einzelheiten sind darüber hinaus im Erlass des Hessischen Kultusministeriums über den Religionsunterricht an öffentlichen Schulen geregelt. Der Religionsunterricht ist demnach ohne Einschränkung ordentliches Lehrfach im Bundesland Hessen! Der Lehrer ist an die Lehren und die Ordnungen seiner Kirche oder Religionsgemeinschaft gebunden. Wer vom Religionsunterricht abgemeldet ist, muss das Zwangsersatzfach Ethik besuchen. Das in der Grundschule gar nicht angeboten wird, und Verzweifelte schicken ihre konfessionsfreien Kinder dann trotzdem in den Religionsunterricht. Der Gedanke des Zwangsersatzunterrichtes ist von der Anlage der, dass man ohne Religon kein anständiger Mensch werden kann, und daher ehtischer Zwangserziehung bedarf. Daher lehne ich diesen Zwangsersatzunterricht, wie der IBKA, ab, und befürworte einen Unterricht über Werte und Normen für ausnahmslos alle Schüler gemeinsam, und die Abschaffung von Glaubensunterweisungen und Beten im Religonunstericht an Schulen.
Und Du scheintst Dich daran zu stören, dass ich Ethik und Religion in einen Topf werfe. Vielleicht damit Ethik und Moral. Mich würde das auch ärgern. Aber so töricht bin ich selbstvertändlich nicht. Was ich tatsächlich mache, das ist die Praxis des Schulfachs Ethikunterricht an staatlichen Schulformen in einen Topf mit Religionsunterricht an staatlichen Schulformen zu werfen. Ich reiße den Problemkreis wirklich nur an: Zum einen gibt es definitiv Äußerungen aus berufenem Munde, dass die dort gelehrte Ethik eine christliche zu sein habe. Aber haben die Ethik? Und zum anderen ist es eine Tatsache, dass die Befähigung zum Erteilen dieses Ethik-Unterrichtes i.d.R. die ist, dass ein Religionslehrer das macht. Ist das nicht ein Problem? Besser wird es auch dadurch nicht, dass im Prinzip ausnahmslos jeder Lehrer in der Praxis dazu verdonnert werden kann, Ethik-Unterricht zu erteilen. Ich habe insofern zwei Probleme der schulischen Praxis anderissen: Neutralität und Qualifikation.
Es sprechen daher Gründe dafür, dass nicht nur das Recht besteht, sich vom Religionsunerricht abzumelden. sondern das ebenfalls das Recht geschaffen wird, sich vom Zwangsersatzfach Ethikunterricht abzumelden.
"Es sprechen daher Gründe
"Es sprechen daher Gründe dafür, dass nicht nur das Recht besteht, sich vom Religionsunerricht abzumelden. sondern das ebenfalls das Recht geschaffen wird, sich vom Zwangsersatzfach Ethikunterricht abzumelden."
Nein, Alexander,
das Problem ist nicht das Fach Ethik, sondern der Ethiklehrer. Du kannst das gleiche mit Erdkunde durchexerzieren. Ich hatte in den 60ern einen Erdkundelehrer, für den existierte Deutschland weiter in den Grenzen von 1937. War deshalb die Abmeldung vom Geografieunterricht eine Option? Nein, natürlich nicht. Eine Maßregelung des Erdkundelehrers war angezeigt und ist auch erfolgt. Wenn Ethik als "christliche" Ethik gelehrt wird, muss man sich dagegen wehren.
"Der Religionsunterricht ist demnach ohne Einschränkung ordentliches Lehrfach im Bundesland Hessen!" Nein, ist er nicht. An bekenntnisfreien Schulen muss kein Religionsunterricht angeboten werden. Da es tatsächlich nur wenige bekenntnisfreie Schulen in Hessen gibt, muss das Problem dort angegangen werden. Das könnte der hessische Landtag ohne Zustimmung irgendwelcher anderer Gremien tun. Dann kann immer noch Religionsunterricht angeboten werden - muss aber nicht.
Wie gesagt, Freistellung vom Religionsunterricht für Religionsfreie ist selbstverständlich, vom Ethikunterricht ginge nur, wenn auch Freistellung vom Physik-, Biologie-, Chemie- oder Geschichtsunterricht möglich wäre, sobald der vermittelte Stoff den Eltern nicht passt. Das ist keine Option, stattdessen muss der Ethikunterricht verbessert werden.
Karl-Heinz,
Karl-Heinz,
ich integriere Deine Argumentation zum Ethikunterricht. Ich lehne ihn weiter in der Form des getrennt unterrichtenden Zwangsersatzunterricht ab.
Zum Rechtlichen hast Du mich jetzt verunsichert. Das hatte durch einen vorangegangenen Artikel bereits Ingo geschafft. Denn ich war froh, was im GG steht, aber die genannten Länderregularien hebeln das aus - dachte ich. Magst Du es noch mal versuchen? Meine intellektuelle Reise steckt hier fest:
In Hessen ist an staatlichen Schulen Religionsunterricht ordentliches Schulfach. Staatliche Schulen sind bekenntnisfrei. An diesen bekenntnisfreien staatlichen Schulen is der Religionsunterricht ordentliches Schulfach.
?
Noch zur Ergänzung die
Noch zur Ergänzung die Ausführungen des IfW zur weltanschaulichen Neutralität:
https://weltanschauungsrecht.de/weltanschauliche-neutralit%C3%A4t
@ Junius Ist mir auch
@ Junius Ist mir auch aufgefallen: "Rational, evidenzbasiert und weltanschaulich neutral" als "Claim" ... das ist "leer", wie Sie ausführen.
Aber wenn wir mal so tun, als ob es etwas bedeutete: wollen wir wirklich "rational und evidenzbasiert" leben? Weg mit der Musik, der Kunst, der Freude und all dem anderen, das sich erst gar nicht benennen läßt?
Hallo Andreas,
Hallo Andreas,
bitte erst lesen, ehe Du moserst. Es geht um rationale, evidenzbasierte und weltanschaulich neutrale Wissensvermittlung nicht Leben - und da ist MSS unbedingt zuzustimmen.
Musik und Kunst erfüllen unser Leben, aber sie bereichern nicht unser Wissen. Das tun vielleicht Musik- und Kunstgeschichte, aber darum ging es nicht.
@ Karl-Heinz Büchner "Wissen"
@ Karl-Heinz Büchner "Wissen" gehört für Dich nicht zum "Leben"? Interessant ...
"Musik und Kunst erfüllen
"Musik und Kunst erfüllen unser Leben, aber sie bereichern nicht unser Wissen".
Lern lesen, Andreas! Oder lass Dir den Satz von jemandem erklären.
[Anm. d. Mod.: Bitte achten Sie auf ein respektvolles Diskussionsklima.]
@ Karl-Heinz Büchner Nimm
@ Karl-Heinz Büchner Nimm Musik-Unterricht – oder hör auf, über Dinge zu schreiben, von denen Du keine Ahnung hast ...
[Anm. d. Mod.: Bitte beachten Sie ein respektvolles Diskussionsklima.]
Wenn ich bitte die Herren bei
Wenn ich bitte die Herren bei ihrem Disput mal kurz unterbrechen darf:
1.) ist ein Leben ohne Musik für mich unvorstellbar! Ohne Religion dagegen schon!
2.) ist es wohl müßig, darüber zu streiten, ob Musik nun wissenschaftlich betrieben werden kann oder nicht. Musik hat eine jahrtausende alte menschliche Tradition! und wenn wir dann eben Musik-Geschichte wissenschaftlich betrachten, so ist das Ergebnis dieser Betrachtungen letztlich auch sehr wichtig für unser Musikverständnis und somit auch für die heutige Ausübung musikalischer Tätigkeiten! Selbstverständlich kann man durch den Wald laufen und singen, ohne Musik-Historie oder gar Gesang studiert zu haben. Auch für den Gebrauch in der Badewanne ist beides nicht erforderlich. Die Menschen gehen ja auch (noch, einige wenige!) in die Kirche und beten, ohne Theologie oder Religions-Wissenschaften studiert zu haben. Wobei ich -diese Schlußbemerkung sei mir erlaubt: beiden Fakultäten die Wissenschaftlichkeit abspreche!
@ Kay Krause "Ein Leben ohne
@ Kay Krause "Ein Leben ohne Musik ist unvorstellbar", weil es ein Leben ohne Freude wäre – hier wirkt Musik unmittelbar, "Ratio" braucht es dazu nicht.
Aber man kann auch mit Wissenschaft Musik machen, es heißt ja nicht ganz zufällig "Musikwissenschaft" ... für ganz harte "Rationalisten" gibt es auch noch so etwas: https://www.thieme.de/viamedici/klinik-faecher-neurologie-1538/a/musik-und-gehirn-der-einfluss-von-musik-auf-unsere-nervenzellen-23961.htm
Musik hat beide Seiten, eine Trennung vorzunehmen, ist sinnlos.
Aber da gibt es die sogenannten "Humanisten", die nur dem "Rationalen" – dem "Wissen" – Bedeutung beimessen, der Rest ist dann, siehe "Karl-Heinz Büchner", "Leben" ...
das ist nicht nur falsch, sondern auch nicht wünschenswert, wer soll das wollen? Siehe auch den Ausgangskommentar: https://hpd.de/comment/39498#comment-39498
Bitte begreifen Sie doch, daß
Bitte begreifen Sie doch, daß Rationalismus und Freude einander nicht ausschließen (soweit ich mich erinnere, habe ich vor längerer Zeit schon einmal versucht, Ihnen den Unterschied zwischen "irrational" und "nicht-rational" nahezubringen). Das einzige, was Rationalisten von anderen Menschen unterscheidet, ist ihr Bemühen um logisch konsistentes und empirisch gut untermauertes Denken sowie um eine ethisch gesteuerte Lebensführung. Das hat absolut nichts mit Freudlosigkeit oder gar Lustfeindlichkeit zu tun - im Gegenteil. Rationales Denken und systemisches Verstehen kann sogar seinerseits Quelle großer emotionaler Erfüllung sein. Jedenfalls bleiben die nicht-rationalen Aspekte des Menschseins davon weitestgehend unberührt.
@ Thomas Also sind
@ Thomas Also sind "Rationalisten" einfach die besseren Menschen? Dann doch lieber:
"When I’m good, I’m very good. When I’m bad, I’m better."
Sorry, just a little comic relief ...
"Also sind "Rationalisten"
"Also sind "Rationalisten" einfach die besseren Menschen?"
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Insofern, als sie ihr Denken logisch konsistent und in Einklang mit dem aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand halten, während sie sich nach Kräften um leidvermeidendes Verhalten bemühen, sind sie das tatsächlich. Sogar Ihnen sollte das einleuchten, wenn Sie sich vor Augen führen, welche Schäden intellektuell disziplinlose und/oder ethisch gleichgültige Menschen anrichten. Immerhin haben sie die Erde zu dem in vollkommen unnötigem Ausmaß leiderfüllten Ort gemacht, der sie ist.
@ Thomas Sie sprechen über
@ Thomas Sie sprechen über sich selbst, Ihr Eigenlob kennt keine Grenzen. So "retten wir die Welt" sicher nicht.
Er hat sich ein ethisches
Er hat sich ein ethisches Prinzip zurechtgelegt, daß er für rational und „im Einklang mit dem aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand“ hält, ein Anspruch, den kaum ein Wissenschaftler auch nur für sein eigenes Fach in Anspruch nehmen würde, von allen Wissenschaften ganz zu schweigen. Dabei ist seine Ethik einfach ein subjektives Gefühl, daß er für einen Gedanken hält, noch dazu für einen, der keiner Begründung bedürftig sein, dabei ist dieses Gefühl einfach keiner Begründung zugänglich. Damit wird das Gefühl zu seiner eigenen Begründung, seine eigene Evidenz, „rational und evidenzbasiert“, womit wir wieder beim ursprünglichen Thema wären, daß Weltanschauungen niemals bloß auf Tatsachen beruhen können, also weder vollkommen rational sind noch rein „evidenzbasiert“ (nebenbei, was für ein Wort!).
Alles Quatsch, lieber Junius.
Alles Quatsch, lieber Junius. Extra für Sie zum soundsovielten Mal: Wer nicht vermeidbarerweise leiden und berechtigt sein möchte, eigene und fremde Interessenverletzungen zu beanstanden, muß sich auch seinerseits leidvermeidend nach dem Grundsatz der gleichen Berücksichtigung gleicher Interessen verhalten. Um dabei möglichst effizient zu sein, greift man auf das am besten belegte Wissen zurück, das jeweils gegenwärtig zur Verfügung steht, und das sind die aktuellen Kenntnisse der Wissenschaft.
Ja, noch einmal kurz:
Ja, noch einmal kurz: „Leidvermeidung“ ist durchaus nicht ein so unbestreitbares moralisches Prinzip, wie Sie zu glauben scheinen, und persönliche Moral nicht in allen Fällen menschlicher Entscheidungsfindung ein geeigneter Maßstab.
"„Leidvermeidung“ ist
"„Leidvermeidung“ ist durchaus nicht ein so unbestreitbares moralisches Prinzip"
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In der Ethik geht es doch nicht um irgendwelche "Prinzipien", sondern um das zentrale Interesse empfindungsfähiger Wesen, nicht vermeidbarerweise zu leiden. Dieses Interesse kann nur Erfüllung finden, wenn sich möglichst alle moralisch handlungsfähigen Wesen leidvermeidend verhalten. Sollte Ihnen allerdings egal sein, ob und wie man Ihre Leidensfähigkeiten und Interessen berücksichtigt, geben Sie das nur überall bekannt. Sie werden schon sehen, was Sie davon haben.
Doch, genau so kann jeder
Doch, genau so kann jeder Einzelne den ihm möglichen Beitrag zur "Rettung der Welt" leisten! Und je mehr Menschen daran mitwirken, umso weniger vermeidbares Leid quält die empfindungsfähigen Wesen der Erde. Diesen logischen Gedanken können nur Leute von der Hand weisen, die sich zwar gern mit Kritik hervortun, aber zu bequem sind, die Mühen rationalen Denkens und möglichst konsequenten moralischen Verhaltens auf sich zu nehmen.
@ Thomas, Zitat: "... zu
@ Thomas, Zitat: "... zu bequem sind, die Mühen rationalen Denkens und möglichst konsequenten moralischen Verhaltens auf sich zu nehmen."
Eine Beleidigung. Gratuliere. Damit haben Sie sicher das Publikum von der Richtigkeit Ihrer "Argumentation" überzeugt ... natürlich ganz "rational".
Die Wahrheit ist nun mal
Die Wahrheit ist nun mal nicht immer schmeichelhaft - eine der ersten Lektionen, die man als angehender Rationalist lernen muß.
@ Thomas Die Wahrheit ist,
@ Thomas Die Wahrheit ist, dass Sie anfangen sollten, ÜBER SICH nachzudenken.
Als moralischer Mensch tue
Als moralischer Mensch tue ich das unentwegt, denn immerhin muß ich mir ständig Klarheit über meine Interessen und ihre Gewichte verschaffen, um sie mit den Interessen all der empfindungsfähigen Wesen in ethische Abwägung bringen zu können, die von meinem Verhalten direkt oder indirekt betroffen sind.
Welchen Teil des Satzes:
Welchen Teil des Satzes: "Musik und Kunst erfüllen unser Leben, aber sie bereichern nicht unser Wissen" hast Du nicht verstanden?
Thema "rational und
Thema "rational und evidenzbasiert"...:
In allen Weltanschauungen tendieren die Positionen zu "Festlegungen", die dann ebenso autoritär über jedes Leben auferlegt werden.
Dsa heisst dann, dass da nichts mehr neutral ist, sondern immer eine vorgegebene Antwort auf Fragen besteht.
Und ein Weltbild, das vermeindlich rational und sogenannt "evidenzbasiert" erklärt wird, reduziert eben dieses Weltbild auf das, was man meint, wissenschaftlich als Wahrheit herrausgefunden zu haben.
Nur das kann eben auch alles nicht vollständig sein, woraufhin sich ergibt, dass die "Antworten" zu diesem "rationalem" Weltbild eben leider aller Rationalität entbehren, weil es nicht vollständig ist.
Herraus kommt ein Weltbild, das darauf zielt, die Funktionalität der einzelnen Menschen für die Gesellschaft möglichst hoch zu halten, damit durch gewssen Einschränkungen sogenannt "ideologischer" Natur eben die Gesellschaftsorganisation nicht behindert wird und eine maximale "Integration" ermöglicht wird.
Das rationale Weltbild ist ein "funktionales" Weltbild.
Würde man alle Menschen derart "bilden", ignorierte man damit die individuelle spirituelle Ebene des Menschen. Und ohne diese ist kein lebenswürdiges Leben möglich.
Man könnte einwenden, ein solch rationales Weltbild zu lehren würde den Rest der intrinsischen Geistessphäre nicht betreffen.
Aber das stimmt nicht, wenn, wie auch in Reaktionen auf solche Szenerien, Menschen davon ausgehen, dass sie das Recht hätten, anderen Menschen ausnahmslos jederzeit ausschliesslich rationale Gedankeninhalte abzufordern.
Aus einem Recht wird so in der Umsetzung eine Pflicht.
Und besonders in der Abgrenzung zwischen theologisch und weltlich rational positioniertem Weltbild entstehen dann die Probleme.
Das neutrale Weltbild dürfte gar nicht davon ausgehen, dass es keinen Gott gäbe. Es dürfte auch nicht erklären, dass das Leben im "Hier und Jetzt" alternativlos sei, weil die intrinsische Welt eine Scheinwelt sei.
Ein neutrales Weltbild müsste also jede Antwort auf solche Fragen verweigern und es dem Menschen selbst überlassen, wie er das für sich erkennen und halten will.
Aber das tut man darin eher selten. Und besonders in Abgrenzung zu anderen Weltbildern entstehen dann deutlichst zu autoritäre Anforderungen an seine Mitmenschen.
WAS/WER ist GENAU gemeint mit
WAS/WER ist GENAU gemeint mit "der Staat"???
handelt es sich um ein -irgendwie - rein physisch gesehen männliches, einzelnes, me(ä)nschliches/me(ä)schenähnliches lebewesen auf diesem planeten?
Ich persönlich sehe das
Ich persönlich sehe das Problem nicht zwangsläufig in einer religiösen Anschauung an sich, weil Religion an sich ein relativ naives Glaubenssystem ist in dem die Menschen durchaus glücklich sein können (zumindest schien mir das so als ich vor kurzem einer Frau geredet habe). Voraussetzung dafür ist natürlich man schafft es Machwahn und Geldgier auszuschalten.
In dem Sinne sehe ich das Religionsgeschäft als eine Variation des Kapitalismus mit all seinen negativen Ausprägungen. Außerdem denke ich das logischen Denken nicht jedem Menschen liegt. Wenn man sich mit verschiedenen Ausformungen des "Atheismus" auseinandersetzt scheint es mir so zu sein als ob die Grundprinzipien der Religion (z. B. Realitätsverleugnung bzw. Realitätsausblendung) auch bei einigen Gruppen innerhalb dieser Strömung stattfindet.
Ich ziehe daraus die Schlussfolgerung das der Mensch ein Bedürfnis hat eine Blase um sich zu bilden. Die letzlich entscheidende Frage lautet also nicht, wie zerschlagen wir eine Blase sondern wie verändern wir sie. Wenn wir sie zerschlagen - vorausgesetzt wir hätten damit Erfolg - riskieren wir nur dass eine noch schrecklichere Blase entsteht.
Man braucht seinen Blick bloß mal in den nahen Osten zu wenden um zu sehen was für schreckliche Blasen in Deutschland entstehen könnten wenn Herr Schmidt-Salomon sich mit seinen Vorschlägen durchsetzen könnte.
In den Vorschlägen ist sehr viel von öffentlichen Einrichtungen die Rede. Kein Wort wird über die nicht-öffentlichen Einrichtungen verloren. Ich bin davon überzeugt, dass die Vorschläge zur Schaffung dieser nicht-öffentlichen Einrichtungen führen werden.
Und damit hat man jede Kontrolle oder Einfluss auf die Inhalte verloren, die dort verbreitet werden.
Seine Absichten in allen Ehren, aber so geht das nicht.