Kommentar
Warum wir die Monogamie überdenken sollten
Foto: unsplash.com, gemeinfrei
Wer mehrere Menschen zugleich liebt oder sich die Promiskuität stolz auf die Fahne schreibt, gerät immer seltener unter Rechtfertigungsdruck und muss sich insbesondere der jüngeren Generation kaum noch erklären. Die Vielliebe ist aber nicht nur eine akzeptable Alternative. Sie ist die ethisch überlegene Konzeption von Romantik und Sexualität. Denn Monogamie beherbergt aus seiner Natur heraus moralische Missstände, meint Deniz Y. Dix.
Menschenbilder – zwischen Selbstüberschätzung und Überforderung
In der Monogamie ruht die Vorstellung, dass ein einzelner Mensch alle menschlichen, romantischen und sexuellen Bedürfnisse einer anderen Person befriedigen könnte. Das ist verklärte Utopie. Man trägt gegenseitig Anforderungen an sich heran, die nicht zu erfüllen sind. Monogamie ist daher zwingenderweise Verzicht auf diese Bedürfnisse.
Es folgt notwendig jene Patt-Stellung, in welcher man einander zunehmend an den Defiziten des anderen erkennt und in diesem wiederum die eigenen Unzulänglichkeiten gespiegelt sieht. In jeder monogamen Beziehung gibt es diese kleinen Konfliktpunkte, welche eigentlich so nebensächlich sein könnten, jedoch absurde Relevanz gewinnen, weil es eben nur die eine Person gibt, an der die Ansprüche haften bleiben. So stellt sich die Wahl: Beharrt man auf seinem utopischen Menschenbild, wodurch man sich und sein/e Partner/in mittels unerfüllbaren Anforderungen bodenloser Bringschuld aussetzt, oder akzeptiert man den systematischen Verzicht? Eine Lose-Lose-Situation.
Die Sache mit dem Vertrauen
Viele Menschen begeben sich aus dem Bedürfnis nach Vertrauen und Sicherheit in monogame Beziehungen und verkennen dabei die Ironie, dass dieses Beziehungsmodell die Mutter des Misstrauens ist. Wer die Treue des Partners aufgrund einer Vereinbarung – hier der vereinbarten Exklusivität – herbeiführt, wird nie unterscheiden können, ob die Verbundenheit in der Beziehung Resultat eines einst beschlossenen Regelwerks namens "Beziehung" ist, oder ob es sich aus tatsächlicher Zuneigung speist. Wer sich selbst den sozialen Druck aufbürdet, eine monogame Beziehung zu führen, verhält sich in seiner Beziehung gemäß der Erwartungen, und nicht gemäß seiner tatsächlichen Gefühlsverfassung – genau solange, bis man irgendwann überrascht feststellt, dass man jenseits des Beziehungsverhaltenskodexes kaum noch Gefühle hegt, nur wegen der Erwartungen treu lebte und sich gegenseitig etwas vorspielte. Aus latentem prophylaktischem Misstrauen einigt man sich auf monogame Beziehungen und landet in der Ungewissheit. Welches Vertrauen soll dadurch gewonnen sein?
Nur, wenn mein Partner die Möglichkeit hat, sich von mir zu entfernen, kann ich Gewissheit darüber erlangen, ob mein Partner das möchte. Ist dies verboten, wird es ein Ratespiel, ob sich mein Partner aus Zuneigung oder aus Pflichtgefühl mir gegenüber verbunden zeigt.
Das qualitative Gütesiegel
Für viele Menschen fühlt sich der Beginn einer monogamen Beziehung wie eine Zäsur an. Man lernt sich kennen und ab einem bestimmten Punkt sagt man: "Wir sind jetzt zusammen". Plötzlich sind andere Dinge erlaubt bzw. verboten als zuvor. In Beziehungsfragen determiniert das gewählte Wort die Dynamik, nicht die Dynamik die Bezeichnung. Auf diese Weise bringt das so gefühlte "Level up!" die Betroffenen dazu, sich jenseits ihres eigenen Taktes zueinander zu verhalten, der "Fluss" des tatsächlichen Zueinanders wird gewaltsam in die Bahnen des sozial Erwarteten gepresst – von einer Sekunde auf die andere.
Die Steigerung davon wäre die Eheschließung. Zu heiraten fühlt sich wie eine romantische Errungenschaft an, der Olymp des Liebens. Doch hier ist, was wirklich geschieht: "Ich liebe dich so sehr, ich will unbedingt, dass ab diesem willkürlich gewählten Moment die Erwartungen der Gesellschaft unsere intimsten Lebensbereiche bestimmen, außerdem sollten wir noch Bürokraten und die Kirche hinzuziehen, denn wenn Staat und Klerus nicht involviert sind, fühlt es sich für mich nicht vollständig an!" – das klingt gewiss nicht gesund, wenn man darüber nachdenkt. Explizit geschlossene Beziehungen sind keine hierarchische Errungenschaft, nur ein Label, um sich die Auseinandersetzung zu ersparen, wie man tatsächlich zueinander steht. In gewisser Weise ist es auch Resignation. Übernehme ich die soziale Kategorie einfach und ordne mich dieser unter, muss ich mir keine eigenen Gedanken mehr darum machen, wie meine Beziehung konkret auszusehen hat. Sapere aude!
Betrug und Selbstbetrug
Es gibt zahlreiche Untersuchungen, ob monogame Partner einander "betrügen". Die gängige Zahl lautet: In 60 Prozent der Fälle – aber ganz ehrlich, das sind ja nur die, welche es zugeben. Aber ein "Betrug" wird es eben nur, wenn man vorher eine Vereinbarung getroffen hat, und nur wenn es Betrug ist, ist es auch verletzend. Ohne eine solche Vereinbarung setzt man sich noch nicht einmal potenziell der Gefahr aus, verletzt zu werden.
In einer Beziehung zu "betrügen" ist heutzutage geächteter und verletzender, als so gut wie jedes andere Vergehen in einer Beziehung, weil sich niemand die "Ja, und?"-Frage stellt. Dieser Verletzbarkeit setzt man sich grundlos aus, indem man Besitzdenken praktiziert, Normen unreflektiert übernimmt und sich abgewertet fühlt, wo man sich aufgewertet fühlen könnte.
Fehlgeleitete Eifersucht
Es ist zweifelsohne unangenehm, an Eifersucht zu leiden, doch dieses Gefühl schürt eine falsche Intuition dahingehend, wer sie verursacht. Wer sich eifersüchtig fühlt oder gar verhält, trägt die Verantwortung dafür selbst. Die Schuld ist nie bei einem/r Partner/in zu suchen. Wieso sollte jemand anderes für die eigenen Persönlichkeitsschwächen aufkommen?
Besagtes Gefühl ist letztlich eine Form von Wut, die aus dem Bewusstsein entsteht, ungerecht behandelt zu werden. Es wird einem ein Mensch – zumindest partiell – weggenommen. Beinahe könnte man sagen, man ist bestohlen worden. Doch dies setzt erst einmal voraus, die Person zuvor besessen zu haben. Dass einem ein solcher Zustand abhandengekommen ist, berechtigt nicht zur Beschwerde. Eifersucht zu überwinden ist ein Akt der Selbstaufklärung und der Charakterfestigung. Wer ein bisschen Vertrauen hat, ist auf Sklavenhaltergefühle nicht mehr angewiesen.
Kulturwillkür wider Natur
Tradition ist Gruppenzwang durch tote Leute. Es gibt objektiv keinen Grund, Monogamie zu erfinden. Im mitteleuropäischen Raum verdanken wir die näheren Spezifika dieses Kulturguts den christlichen Religionen, welche Familienbilder (und insbesondere die Ehe) als Kaufvertrag des Mannes über die Frau entwarfen. Würden wir diese Konzepte für einen Moment vergessen, käme wohl kein Mensch so bald erneut auf diesen kruden Gedanken. Biologistisch gesprochen ist Monogamie alles andere als ein evolutionärer Überlebenstrait, und auch wenn ich hier einen naturalistischen Fehlschluss riskiere: Ihr habt damit angefangen, liebe Christen!
Aktive Missgunst den Geliebten gegenüber
Monogamie einzufordern heißt, dem anderen aktiv verbieten zu wollen, bestimmte Dinge zu tun. Wenn die andere Person Sexualität mit dritten Personen wünscht, dann, weil sie sich davon irgendetwas erhofft – und sei es nur Spaß. Wenn ich mit meinem Wunsch nach Monogamie dem den Riegel vorschiebe, setze ich mich aktiv dafür ein, dass meine geliebte Person etwas nicht bekommt, was sie gerne hätte – und das wohl aufgrund niederer Motive meinerseits. Mit welchem Recht und aus welchem Grund sollte man sich dem Streben nach Glück einer Person in den Wege stellen, die man zu lieben behauptet?
Kommentare (56)
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"Für viele Menschen fühlt
"Für viele Menschen fühlt sich der Beginn einer monogamen Beziehung wie eine Zäsur an" - ist dem wirklich so? Oder nicht vielmehr so, dass die meisten Menschen überhaupt nicht gelernt haben, mit Polyamorie (geschweige denn, Polygamie) umzugehen? [Und (bevor die Rückfrage kommt), nein, Fremdgehen ist was Anderes; es geht ja um *erlaubtes* Ähnliches...].
Zumindest was die Aufzucht
Zumindest was die Aufzucht der Jungen angeht ist die Sache mit der Monogamie aber pragmatisch. Denn die dauert viele Jahre und erfordert eine Menge Ressourcen, die ein Elternteil alleine schwer sicherstellen kann. Den anderen ggf. aus Liebe gehen zu lassen bedeutet in dem Sinne, den eigenen Nachwuchs zu gefährden. Ebenso, den anderen aus Liebe "Spaß haben zu lassen", auch wenn er nicht geht, weil er dann Ressourcen auf noch mehr Personen verteilen muss. Eine Beziehung bedeutet ja letztlich auch, Verantwortung füreinander zu übernehmen; auch da zu sein, wenn es mal nicht um die eigenen Bedürfnisse geht, sondern ausschließlich um den anderen. Die einfachste Form einer Sozialversicherung: ich helfe dir, wenn es dir schlecht geht, und du hilfst mir.
"Aufzucht der Jungen" - das
"Aufzucht der Jungen" - das Problem habe ich nicht (es gibt eh schon zu viele Menschen auf unserem Raumschiff Erde).
Und bzgl. "Ressourcen, die ein Elternteil alleine schwer sicherstellen kann" - in einer polyamoren Gemeinschaft sind mehr als nur 1 'Eltern'teil vorstellbar.
Es könnte sich aber auch ein
Es könnte sich aber auch ein "Team" im Sinne von "toll, ein anderer macht's" entwickeln. Scheinbar liegt es in der Natur des Menschen, sich zu verkrümeln, wenn man die Verantwortung ohne schlechtes Gewissen jemand anderem überlassen kann. Zu beobachten z.B. bei Unfällen, an denen viele Autos vorbeifahren. Wer vor und hinter sich kein anderes Auto hat, der hält eher an um zu helfen. Denn es ist ja kein anderer da, der es tun könnte. Dazu wurden Versuche angestellt mit gestellten Unfallsituationen. Für das Im-Stich-lassen von Kindern gilt das meiner Erfahrung nach ebenfalls. Im Notfall kommt ja der Staat auf, passt schon...
Ich finde Polyamorie auch
Ich finde Polyamorie auch interessant. Ein Zweifel für mich besteht darin, was passiert, wenn meine "Hauptbeziehungspartnerin" von einem "Nebenpartner" schwanger wird. Verändert die Dynamik wohl ziemlich...
Ich denke, wenn Kinder im
Ich denke, wenn Kinder im Spiel sind, sieht die Sache anders aus. Kinder brauchen meiner Meinung nach schon feste Strukturen.
Vielen Dank,Herr Dix, dafür,
Vielen Dank,Herr Dix, dafür, dass Sie dieses Thema einmal öffentlich ansprechen! Am Ende eines langen Lebens mit 52 Jahren monogamer Partnerschaft habe ich viel darüber nachgedacht und würde diese Gedanken gern mit anderen teilen. Hier will ich nur klarstellen, dass die Christen Monogamie zwar als Forderung aufgestellt, immer aber auch Ausnahmen nicht nur toleriert, sondern auch ausdrücklich gebilligt haben. Das in christlicher Zählung 6. Gebot war im Judentum reine Besitzstand-wahrung. Ehebruch begehen konnte im alten Israel nur ein Mann mit einer verheirateten Frau, da nur die zu Treue verpflichtet war. Jedem Mann standen selbstverständlich alle Frauen seines Haushaltes (Ehefrauen, Konkubinen, Gesinde) sexuell zur Verfügung. Jesus wird zwar zugeschrieben, er habe schon "unkeusche" Blicke als Ehebruch verurteilt, und der Autor des 1. Briefes an Timotheus verlangt wenigstens vom Bewerber um ein Bischofsamt, dass er nur "eines Weibes Mann" sei, Ausnahmen haben aber immer die Regel bestätigt. Luther schreibt (Weimarer Gesamtausgabe; Schriften Bd.X, 2290): "Will die Frau nicht, so komm die Magd", konzediert Philipp von Hessen 1539 ausdrücklich die Eheschließung mit einer minderjährigen Mätresse als Nebenfrau, und schickt Melanchthon als Trauzeugen. Auch im 20. Jh. hat es der Reputation höchst angesehener Theologen (wie etwa Karl Barth und Paul Tillich) nicht im Geringsten geschadet, dass sie über Jahrzehnte hinweg außereheliche Beziehungen gehabt haben. Und wenn eine Zeitung über einen US-amerikanischen evangelikalen Pastor berichtet, der 34 mal geheiratet hat und sich 33 mal hat scheiden lassen, so ist das schlicht serielle Promiskuität.
Richtig, Johannes; Monogamie
Richtig, Johannes; Monogamie als Forderung ausgerechnet der bigotten Christismus-Ideologie.
Ich gehe einmal davon aus,
Ich gehe einmal davon aus, das die Redaktion diesen Dix'schen Beitrag nicht als verfrühten Aprilscherz verstanden wissen will - eine gewisse Tendenz dazu steckt darin
".. Tradition ist Gruppenzwang durch tote Leute .." - sowas schreibt Herr Dix und sagt damit viel über sich selbst aus:
Kein Rückhalt in Tradition, Beliebigkeit in Denken und Verhalten, wie ein Baum ohne Wurzel. Was für ein armseliges Dasein.
".. Biologistisch gesprochen ist Monogamie alles andere als ein evolutionärer Überlebenstrait, und auch wenn ich hier einen naturalistischen Fehlschluss riskiere: Ihr habt damit angefangen, liebe Christen .."
So gern ich den Christen etwas 'anhängen' würde:
Das ist der total falsche Ansatz, hier sind sie lediglich ihren angeborenen Instinkten gefolgt und haben sich wie 'normale' Säugetiere verhalten.
Immer wenn Geisteswissenschaftler sich der Terminologie und Beispielen aus den Naturwissenschaften bedienen wird es obskur - so wie hier.
Monogamie ist nämlich - und da präsentiert sich Herr Dix völlig unbeleckt von grundsätzlichem naturwissenschaftlichem Wissen - ein evolutionärer Vorteil, der tief in unseren Genen verankert ist. Allem Wunschdenken der Gesellschaftsveränderer a la Dix zum Trotz wird das nochmal Jahrtausende erfordern, um aus dem Genpool zu verschwinden.
Das auch nur, wenn es tatsächlich von überlebensnotwendiger Bedeutung für Homo sapiens würde - was ich bezweifle. Für meine Sicht spricht, um nur einen Grund zu nennen, dass die Monogamie die Menschheit nicht hat aussterben lassen. So verkehrt scheint dieses evolutionäre Modell daher nicht zu sein.
Was Herr Dix hier darstellt ist sein Wunsch sich polygam zu verhalten und dafür eine Begründung zu finden, sie öffentlich zu machen und und sich damit zu exculpieren. Möglicherweise zugleich eine Erklärung zu liefern, warum jeder Muselmann sich das Privileg herausnimmt Frauen für minderwertig gegenüber Männern zu halten und damit wie sonstigen Sachbesitz behandeln zu können.
Lieber Herr Dix, weiß ihr/-e Lebensgefährtin/-te von ihrer stillen Sehnsucht nach mehreren Partnern?
Ja, weiß sie, aber danke für
Ja, weiß sie, aber danke für Ihre Besorgnis!
Hallo Frau Luisa,
Hallo Frau Luisa,
ich habe die Zeit um und nach '68 sehr bewusst (selbst Jahrgang '45) erlebt und aus der Erfahrung heraus kann ich Ihnen versichern:
Alle alternativen Partnerschaftsmodelle sind gescheitert - übrig blieb die Zweierbeziehung als häufigste Variante, und das nicht unbedingt wegen einer christlichen Grundhaltung der Beteiligten.
Was Ihnen / Herrn Dix jetzt noch wünschens- und erstrebenswert scheint ändert sich spätestens dann, wenn Sie die erste Zurückweisung auf Grund der physischen Veränderungen erfahren die sich zwangsläufig mit dem Altern einstellen .... ich weiß, das können Sie nicht komplett nachvollziehen, so wie Menschen ihren Alters nicht die Notwendigkeit finanzieller Sicherheit im Alter begreifen (Ausnahmen ausgenommen, wie stets bei solchen pauschalen Aussagen) .
Unter dem Strich bleibt folgendes:
Solange sie knackig attraktiv für Männer vom Schlage des Herrn Dix sind sind Sie interessant und begehrenswert - danach kommen die Jüngeren dran - und bis dahin ist Herr Dix hoffentlich reich genug um sich die noch jüngeren, knackigen Mädels zu kaufen, weil sie ohne diesen Anreiz an seinem alternden Körper kein Interesse mehr haben werden.
Und Sie? Wie sehen Sie die Zukunft?
PS
Fragen Sie doch bitte den Herrn Dix noch, ob er sich herablassen wird mir auf das "biologistische" Argument zu antworten und ob er noch die Quelle seiner Aussage nennen wird bzw. die Statistik, auf der diese beruht.
Lieber Wolfgang!
Lieber Wolfgang!
Verfrühter Aprilscherz? Wir haben Anfang Mai! ;)
Ich bin ein wenig irritiert ob Ihres Interesses an meinem Liebesleben, aber gern beantworte ich ihnen die Frage: Meine LebensgefährtInnen wissen stets voneinander und haben teilweise auch mehrere Partner. Und wie kommen Sie auf die Idee, es sei eine "stille" Sehnsucht? Ich habe gerade buchstäblich einen HPD-Artikel darüber geschrieben, das ist wohl das ziemliche Gegenteil von "still".
Offenbar sind Sie ein wenig engstirnig, weil sie - obwohl sie den Artikel wohl gelesen haben - sich nicht vorstellen können, dass jemand nicht nur eine/n Partner/in hat und das alles nicht im Heimlichen praktiziert. So viel amoralische Energie habe ich nicht und brauche sie auch nicht. Über Sie wiederum sagt diese Annahme einiges aus.
Bleiben wir doch bitte
Bleiben wir doch bitte förmlich, Herr Dix, es gibt auf der Welt nur ganz wenige Menschen mit denen ich mich duze - und das möchte ich gern weiter so halten. Danke.
Sie dürfen es gern offen aussprechen, lieber Herr Dix, dass Sie mich für einen engstirnigen alten Kniesel halten, der mit einer so modernen Haltung wie der von ihnen geschilderten nichts anzufangen weiß.
Legen Sie doch bitte nicht die Formulierung auf die Goldwaage, ich meinte mit "still" nicht den ursprünglichen Wortsinn sondern eine Neigung, die man nicht auf einem Schuld vor sich her trägt - oder machen Sie potentielle Partnerinnen darauf mit dem ersten Satz beim Kennenlernen aufmerksam?
Vorstellen kann ich mir wohl mehr als Sie, denn mit den Jahren kommen Erfahrungen - und viele davon müssen Sie erst noch machen. Aber bleiben Sie ruhig, viele Leute in ihrem Alter glauben die Welt schon zu verstehen und das werden Sie später noch besser begreifen als jetzt.
Ansonsten verweise ich auf die Antwort an die eine ihrer Partnerinnen (Luisa) die hier geantwortet hat und da sind noch ein paar Fragen offen, deren Beantwortung mehr als ein paar flapsige Abwertungen für mich erfordern .... Sie haben doch sicher statistische Daten für ihre kühnen Behauptungen - oder ist etwa "der Wunsch Vater des Gedankens"? Sie wollen doch nicht Gefahr laufen dass ich am Ende damit Recht behalte, dass Geisteswissenschaftler in die Luft greifen und etwas behaupten ohne dafür die geringsten Beweise zu haben?
PS
PS
Es muss natürlich "Schild" statt "Schuld" heißen.
Ich bin auch für einen
Ich bin auch für einen sachlichen Argumentationswechsel. In der Du-Anrede sehe ich allerdings keinen wirklichen Übertritt oder Respektlosigkeit. Im Gegenteil. Die Notwendigkeit, in unserer Sprache immer wieder auf diese Unterscheidung sensiblel zu sein, weil man sonst jemandem "zu nahe treten" könnte, finde ich überaus lästig.
Seit Anbeginn des Internets gehört es in deutschsprachigen Foren und Chats zur Nettiquette, diese Unterscheidung zu unterlassen und allgemein die Du-Anrede zu nutzen. Leider wird seit einigen Jahren diese Übereinkunft immer wieder (von Nachzüglern?) in Frage gestellt. Ich wünsche mir, dass das Geplänkel rund um Sie-Anrede und Du-Anrede endlich aus unserer Sprache verschwindet.
Lieber Wolfgang von Sulecki, Sie dürfen natürlich selbstverständlich um die Sie-Anrede bitten, wenn Sie Sich auf diese Weise distanzieren möchten. Aber es sollte Ihnen dann auch bewusst sein, wie lästig das auf viele wirkt, und dass es unnötige Nebenkonflikte ein eine sachliche Diskussion einfügt.
Teil 1 / ihr erster Kommentar
Teil 1 / ihr erster Kommentar
"Seit Anbeginn des Internets" - wie alt sind Sie denn und wann waren Sie zuerst im Internet?
Ich habe seit 1988 mit Computern gearbeitet (ja, so richtig, um Geld zu verdienen). Seit 2003 habe ich ein Weblog und davor hatte ich zwischen 1996 und 2002 eine selbst gestaltete Webseite, da steckten Blogs und Foren noch in den Kinderschuhen - und Sie wollen mir etwas über die Gepflogenheiten im Internet erklären?
Teil 2 / ihr nächster Kommentar
".. Ich bin auch für einen sachlichen Argumentationswechsel .." um dann eine 'Anrede' zum zentralen Thema ihres Kommentares zu machen?
Wo ist es denn lästiger anstatt "Lieber Wolfgang!" zu schreiben "Herr v. Sulecki"?
Ihre Frage, wo so etwas üblich ist, zeigt, dass offenbar schon bei ihrer Erziehung bestimmte Defizite bestanden - oder machen Sie das nur deswegen anders, weil Sie sich von ihren Eltern distanzieren wollen?
Wenn ich von "Frau Luisa" einen Nachnamen gehabt hätte, dann hätte meine Anrede "Frau *Nachname*" gelautet, denn ich habe mit ihr weder im Sandkasten gesessen noch hat sie mir das Du angeboten - sowas nennt man 'Stil' oder 'Kinderstube' oder 'gute Erziehung' - da haben Sie ganz offensichtlich ein Defizit. Lesen Sie mal bei Knigge nach, da steht drin wie man sich gesellschaftlich angemessen bewegt.
Sich an meinem Wunsch nach einer anderen Anrede fest zu beißen passt zum Gesamtbild, das aus ihren Kommentaren spricht:
Haben Sie denn ein Argument gegen das, was ich an sachlichen Einwänden schreibe?
Kennen Sie eine Erhebung zu der Einstellung junger Leute zur Polyamorie?
Was sagen Sie zum Argument hinsichtlich der genetischen Fixierung der Monogamie?
Können Sie etwas anderes als "Meinung" vortragen?
Wie wäre es mit "Fakten"?
Oha, da geht aber jemand
Oha, da geht aber jemand schnell auf die persönlich beleidigende Ebene, zudem jemand, der Sachlichkeit und Distanz einfordert. Darauf gehe ich gar nicht ein.
Ihr Verweis auf Adolf Freiherr Knigge (der übrigens im 18. Jahrhundert schrieb!) ist wirklich richtig albern. Erstens brauche ich keine historische Figur, um zu wissen, wie ich mich anständig und fair zu verhalten habe, zweitens ist der Herr Knigge dazu schon mal gar nicht geeignet. Weder verfasste er all die "Benimmregeln", die ihm heute irrtümlich zugeschrieben werden, noch war er mit seinen Thesen vom Umgang mit Menschen (vor allem mit Frauen) sonderlich fortschrittlich oder schätzenswert. Über weitere Grundhaltungen, die er propagierte möchte ich mich hier nicht auslassen. Er ist auf jeden Fall kein sinnvoller Verhaltensmaßstab.
Was ich ansonsten vom Thema halte, habe ich in anderen Kommentaren geschrieben. Eine komische Abwehrtaktik ist das. Sie echauffieren sich über meinen Kritikpunkt, reagieren mit Beleidigung und mokieren sich darüber, dass ich "sonst nichts" zu sagen hätte.
Knigge ist - mit
Knigge ist - mit Modifikationen - immer noch ein guter Anhalt und für jemanden der ein Defizit beim guten Benehmen hat und bestimmt ein sinnvoller Einstieg. Nicht Alles, was älter ist ist automatisch obsolet, unsere Gesellschaft lebt auch von Traditionen (die selbstverständlich hinterfragt werden dürfen, aber nicht ohne Ersatz über Bord geworfen werden sollten).
Es geht nicht darum sich lediglich '..anständig und fair..' sondern darum sich "angemessen und rücksichtsvoll" zu benehmen. Erkennen Sie den Unterschied?
Wo habe ich Sie denn 'beleidigt'?
Ist es für Sie schon eine Beleidigung wenn man Ihnen nicht zustimmt?
Oder Sie um Fakten statt Meinung bittet?
Oder auf Tatsachen wie Erfahrung und Kenntnisse hinweist?
Entgegen ihrer Aussage haben Sie die von mir gestellten Fragen vorher/in anderen Kommentaren noch nicht beantwortet, ich wiederhole sie daher nochmal:
1. Haben Sie denn ein Argument gegen das, was ich an sachlichen Einwänden schreibe?
2. Kennen Sie eine Erhebung zu der Einstellung junger Leute zur Polyamorie?
3. Was sagen Sie zum Argument hinsichtlich der genetischen Fixierung der Monogamie?
Nachtrag zu meiner letzten
Nachtrag zu meiner letzten Antwort: Im Übrigen, Wolfgang von Sulecki, sind Sie von Deniz Y. Dix überhaupt nicht geduzt worden. Was Sie hingegen für ein Problem bei der Sie-Anrede mit Vornamen haben, erschließt sich mir gar nicht. Ich finde es eher befremdlich, wenn Sie hier Personen, die nur unter Vornamen posten, zum Beispiel mit "Frau Luisa" anreden. Wo ist denn sowas üblich?
PS
PS
Das Eingangsstatement
".. Wer mehrere Menschen zugleich liebt oder sich die Promiskuität stolz auf die Fahne schreibt, gerät immer seltener unter Rechtfertigungsdruck und muss sich insbesondere der jüngeren Generation kaum noch erklären .."
ist eine ungewöhnliche und kühne Behauptung, zu der allerdings keine Quellenangabe geliefert wird. Auf welcher wissenschaftlichen Erhebung basiert diese Aussage - oder ist es einfach nur eine Annahme von Herrn Dix die er als Tatsachenbehauptung darstellt?
Hallo Herr Dix, lassen Sie uns doch bitte teilhaben: Worauf basiert ihre Feststellung?
Einigem, vielleicht Vielem in
Einigem, vielleicht Vielem in diesem Artikel würde ich zustimmen, aber: Dass Monogamie letztendlich auf das Christentum zurückgeht, ist Quatsch. Einige spezifische Spielarten möglicherweise. Aber Monogamie als solche hat sich evolutionär bei homo sapiens schon sehr viel früher manifestiert, auch wenn es Hinweise gibt, dass er ursprünglich nicht immer monogam gelebt hat. Es stimmt natürlich, dass sich umwelt-bedingte Verstärker herausgebildet haben – aber auch biologische Erklärungen existieren schon eine ganze Weile.
„Es ist zweifelsohne
„Es ist zweifelsohne unangenehm, an Eifersucht zu leiden, doch dieses Gefühl schürt eine falsche Intuition dahingehend, wer sie verursacht. Wer sich eifersüchtig fühlt oder gar verhält, trägt die Verantwortung dafür selbst. Die Schuld ist nie bei einem/r Partner/in zu suchen. Wieso sollte jemand anderes für die eigenen Persönlichkeitsschwächen aufkommen?“
Wer sich verletzt fühlt, soll die Schuld dafür gefälligst bei sich selbst suchen? Interessant! Dürfen wir dieses Muster demnächst auch bei anderen „Verletzungsgefühlen“ anwenden. Das Privatleben anderer geht mich eigentlich nichts an, aber die Behauptung, die hier vorgestellte Beziehungsgeflecht sei „ethisch überlegen“, mobilisiert denn doch meinen Widerspruchsgeist. Mich würde die „Laufzeit“ solcher „Lebensformen“ interessieren, wenn es denn überhaupt eine ist, und nicht nur ein anspruchsvoll klingendes Fremdwort für sexuelle Egozentrik.
Man hat keineswegs
Man hat keineswegs automatisch recht, weil man sich verletzt fühlt. Ich verletze jeden Tag religiöse Gefühle. Und wer sich durch mich in seinen religiösen Gefühlen verletzt fühlt, hat die Pechkarte auf der eigenen Hand. In diesem Sinne: Ja, Sie dürfen (und sollen!) das Muster auch bei anderen Situationen anwenden. Ethische Fragen sind nicht daran zu entscheiden, wer am lautesten "aua!" schreit.
Wird denn Beziehung lediglich
Wird denn Beziehung lediglich als Sexgemeinschaft gesehen, die in erster Linie der persönlichen Triebbefriedigung dient?
Was ist mit selbst gewählten gemeinsamen Aufgaben und Zielen?
Was ist mit gegenseitiger Verantwortung und für gemeinsame Kinder?
Was ist mit dem sicheren Nest für gemeinsame Kinder in dem sie sich unbeschwert entwickeln können?
Bei einer Scheidungsrate von
Bei einer Scheidungsrate von 30-50% gibt es aber auch bei vielen monogamen Eltern kein besonders sicheres Nest. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass die Polyamorie bessere Bedingungen für die Geborgenheit der Kinder bietet.
Genau, bei monogam mit
Genau, bei monogam mit Scheidung sehe ich die gleiche Problemlage.
Bei aller (verständlichen und
Bei aller (verständlichen und nachvollziehbaren) Richtigkeit der hier vorgebrachten Argumente gegen die Monogamie haben wir Individualisten, die wir vielleicht gern anders unser Leben gestalten würden, in dieser Gesellschaft (und wir haben nun mal keine andere), ein Riesen-Problem, nämlich: dass unsere gesamte Rechtssprechung sowie auch die gesellschaftliche Akzeptanz in Bezug auf Partnerschaft und Familie auf diese Monogamie ausgerichtet sind und darauf basieren! Um diesem System zu entkommen, flüchtet man sich (als Mann) am besten mit ein paar bereitwilligen Damen auf eine einsame Insel!
Die dort möglicherweise gefundene Glückseligkeit wird aber nicht lange anhalten, da die missionierenden religiösen Fanatiker letztlich auch dieses kleine Paradies aufstöbern und hier IHRE "Ordnung" schaffen werden!
Was heißt hier "wir
Was heißt hier "wir Individualisten"? Du und Herr Dix oder du und Humanisten? Fast jeder gebildete Mensch meint, er/sie wäre ein Individualist und bei den ganz schlimmen, ist es aus meiner Sicht so, dass sie vor übertriebenem Individualismus glauben, der Mittelpunkt des Universums zu sein. Wenn jeder so denken würde, wäre vermutlich eine humanistische Gesellschaft nicht möglich.
Sehr geehrter Herr Kloos!
Sehr geehrter Herr Kloos! Gern will ich mich auf diese und zukünftig auch andere Ihrer weltbewegenden Fragen einlassen, sofern sie bereit sind, mir auf kultureller Basis zu begegnen, Vielleicht ergibt sich mal die Gelegenheit, auf das "DU" mit einem guten polnischen Wodka anzustoßen?!
Bis dahin hochachtungsvoll!
Kay Krause
Also mit mir kann gerne in
Also mit mir kann gerne in Berlin Bier oder Wodka trinken.
MfG Karl
Zustimmung auf ganzer Linie!
Zustimmung auf ganzer Linie! Etwas anderes als eine offene Beziehung wäre für mich ohnehin nie in Frage gekommen, denn ich habe den traditionellen "Treue"wahn schon immer als psychisch krank und unkontrollierte Eifersucht als Symptom charakterlicher Unreife betrachtet. Wie viel Leid würde Menschen erspart bleiben, wenn sie sich und ihre PartnerInnen endlich von dieser Form der Sklaverei befreiten!?
Polyamorie passt zur
Polyamorie passt zur neoliberalen Gesellschaft. Die Schönen, Jungen, Reichen und die emotional Stabilsten können auf viele Partner hoffen; andere, die der Konkurrenz nicht so gewachsen sind, gehen leicht leer aus. Kann aber bei Monogamie mit Untreue und häufigen Trennungen auch so gesehen werden.
Schwierig wird außer der Kinderfrage aber auch, wie gegenseitige finanzielle Unterstützung geregelt wird.
Polyamorie ist für mich nicht
Polyamorie ist für mich nicht etwas der Starken, sondern der Schwachen, die nicht fähig sind, stabile Beziehungen aufzubauen und wahres Vertrauen in einen Menschen zu haben. Wenn wir ehrlich sind, dann ist doch Polyamorie von Angst und Unsicherheit geprägt, also von Stärke oder Selbstbewusstsein.
So gesehen hätte ich statt
So gesehen hätte ich statt `emotional stark´ besser `forsch oder durchsetzungsfähig´ gegenüber `schüchtern oder zurückhaltend` schreiben sollen.
Das `also´ in Ihrem Text müsste aber `als´ heißen, oder?
Herr Kloos entscheidet
Herr Kloos entscheidet zukünftig, wer stark, und wer schwach ist, sowie wer aufgrund seiner Geistes-und Körperkräfte welche Art von Beziehzung aufbauen darf?!
AfD-Geist läßt grüßen!
Die Ehe ist aber wohl weit
Die Ehe ist aber wohl weit älter als das Christentum. Sie diente in erster Linie der ökonomischen Absicherung der Kinder, später der Sicherung der patriarchalen Erbfolge durch verlässliche Vaterschaft. Dazu musste(n) die Frau(en) dem Mann treu sein, er selbst konnte mehrere Partnerinnen haben.
Freiere Sexualität gab es für Frauen eigentlich nur in matriarchalen Gesellschaften, in denen die Abstammung der weiblichen Linie folgte.
Wieso es bei der Vielliebe weniger zu Eifersucht kommen soll, müsste der Autor mir noch erklären, bleibt doch oft ein ständiger Konkurrenzdruck für alle Beteiligten.
Etwas überdenken ist immer
Etwas überdenken ist immer sinnvoll.
Es ist aber nicht garantiert, dass dabei auch etwas Sinnvolles herauskommt.
Nun, was lese ich? Deniz Y.
Nun, was lese ich? Deniz Y. Dix wäre gerne promiskuitiv(er), sein Lebenspartner, sofern vorhanden, anscheinend aber nicht. Dann musst Du wohl andere Menschen finden, die Deine Bedürfnisse teilen, Deniz. Ich kann das Gefühl, mehrere Menschen zu lieben und keinen davon verlieren zu wollen sogar durchaus nachvollziehen. (Falls es das bei Dir ist.) Trotzdem...
Ich für meinen Teil empfinde fast alles, was Du geschrieben hast ziemlich konträr und fühle mich dabei überhaupt nicht wie in einem Käfig, schon gar nicht einem Käfig christlicher Tradition. Meine monogame Beziehung und mein Bedürfnis zur monogamen Beziehung halte ich nicht im geringsten für gestrig. Aus ihr entspringen Qualitäten, die ich gegen Qualitäten potenzieller Polyamorie durchaus abzuwägen in der Lage bin. Für mich gewinnt die Monogamie/Monoamorie dabei deutlich. Für uns, sollte ich sagen, denn diese Entscheidung beruht selbstverständlich auf gemeinsamen Bedürfnissen und gemeinsamer Beziehungsentwicklung.
Auch die Ehe halten wir für sowohl pragmatisch vorteilhaft, als auch emotional für einen großartigen Teil unseres Lebensgefühls. Ich wüsste nicht, wieso man explizit dazu aufrufen sollte, diese zu meiden. Ich glaube, auch in diesem Punkt verallgemeinerst Du zu sehr Dein eigenes Empfinden.
"Nun, was lese ich? Deniz Y.
"Nun, was lese ich? Deniz Y. Dix wäre gerne promiskuitiv(er), sein Lebenspartner, sofern vorhanden, anscheinend aber nicht."
Woher kommt diese Information? Meine Lebenspartnerinnen leben ihrerseits auch promiskuitiv. Wo habe ich etwas anderes angedeutet?
An Herrn Dix und alle, z.T.
An Herrn Dix und alle, z.T. recht heftigen Kommentatoren:
Es wundert mich, dass keiner auf meinen Wunsch nach einem Gedankenaustausch über dieses außerordentlich komplexe Thema reagiert hat. Ein so existenzielles Thema, das das ganze Lebens-konzept in Frage stellt, kann man nicht in kurzen Kommentaren erörtern. Im ZEGG (Zentrum für experimentelle Gesellschaftsgestaltung) in Belzig bei Berlin und an anderen Orten bilden seit Jahrzehnten Hunderte Lebensgemeinschaften, in denen sie sowohl wunderbare wie auch überaus schmerzvolle offene Beziehungen er-leben und erleiden. Dafür bin ich zu alt. Umso mehr habe ich mich darüber gefreut, den Beitrag von Herrn Dix zu lesen und rege noch einmal an, in der GBS ernsthaft und ausführlich darüber zu sprechen. Das stellt nämlich auch die Glaubwürdigkeit der Kirchen sehr in Frage, wie ich in meinem Kommentar angedeutet habe. "Bis dass der Tod euch scheide" habe ich jedenfalls als Zwangsjacke und Heuchelei erlebt, die das Zusammenleben regelrecht vergiften. [Mailadresse des Autors von der Redaktion gelöscht]
Ich habe bewusst entgegen
Ich habe bewusst entgegen allgemeinem Brauch meine mail-Adresse angeboten, die Redaktion hat sie - gewiss in bester Absicht - gelöscht. Viele der Kommentare wirken auf mich wie Gezänk - und das entspricht in keiner Weise der Würde des Gegenstandes. Ich lade noch einmal alle ernsthaft Interessierten zu gründlichem Gespräch ein und bitte die Redaktion um einen Vorschlag, wie Inter-essenten miteinander in Kontakt treten können. Mindestens Herr Dix muss doch auf eine solche Einladung reagieren. Wozu hat er sonst den Beitrag geschrieben. Ebenso aber eigentlich alle, die auf die gegenseitige Verantwortung von Partnern und die gemeinsame Verantwortung für Kinder hinweisen.
Zugegeben war das nur ein
Zugegeben war das nur ein interpretativer Schnellschuss. Aus anderen Kommentaren entnehme ich, dass ich mich vermutlich geirrt habe. Was mich an Deinem Artikel stört ist die scheinbare Verächtlichmachung einer monogamen, monoamoren Partnerschaft, die ich als Lebensentwurf bewusst bevorzuge, und woran ich nichts Verknöchertes und durch (christliche?!) Traditionen Oktroyiertes sehe. Ich begrüße es absolut, wenn Du/Ihr Euer Liebesleben so gestaltet, wie Du es oben propagierst. Dennoch sehe ich keinen fairen, venünftigen Grund, meinen Lebensstil für überholt und unsinnig zu halten. Den Eindruck erweckst Du aber leider.
Mir fällt besonders auf, dass
Mir fällt besonders auf, dass sich bei dem Thema hier scheinbar keiner für die Gefühle und das Sicherheitsbedürfnis der Kinder verantwortlich fühlen würde oder fühlt.
Ich denke Eltern, die sich - wenn auch nur zeitweise - anderen Partnern zuwenden, scheiden damit als wichtigste Vertrauensperson der Kinder aus. Sie beschädigen damit das sichere Nest, aus dem heraus die Kinder sich unbeschwert entwickeln können.
Gibt es das nicht sowieso nur
Gibt es das nicht sowieso nur in der Theorie?
Ich kannte es ganz praktisch.
Ich kannte es ganz praktisch. Und ich denke, in den meisten Familien gibt es das auch heute noch.
Lieber Herr Dix, ihren Satz
Lieber Herr Dix, ihren Satz "Tradition ist Gruppenzwang durch tote Leute" würde ich mir am liebsten tätowieren lassen! Wunderbar!
Ich selbst lebe seit kurzem polyamor. Mit meinem Mann bin ich seit 16 Jahren zusammen und seit 8 Jahren verpartnert. Als sich mit meiner Bettgeschichte, von der ich meinem Mann selbstverständlich erzählt habe, irgendwann mehr Gefühle ergaben, als Freundschaft und Geilheit, habe ich mich gefragt, warum zum Teufel eine liebevolle gut funktionierende Beziehungen wegwerfen, nur weil sich eine neue ergibt? Plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Scheiß auf bürgerliche Konventionen, warum nicht zwei Beziehungen führen?
Also habe ich beide gefragt, ob sie sich das vorstellen können. Und siehe da, sie sind beide einverstanden. Das ganze scheint für alle Beteiligten zu funktionieren, also warum nicht?
Tradition? Biologie? Drauf geschissen! Mir doch Schnuppe!
Verantwortung für einander? Man Stelle sich vor, ich kann für mehr als eine Person Verantwortung übernehmen!
Und was die Reaktionen meines jüngeren Umfeldes anlangt, kann ich Herrn Dix nur Recht geben. Alle unter 40 haben, als ich es erzählt habe, gesagt: Wenn alle Beteiligten einverstanden sind, klar, warum nicht?
Nebenbei, fast alle über 40 haben genauso positiv reagiert.
Die Gesellschaft ist viel weiter, als viele meinen.
Diejenigen, die hier vehement ihre eigene Monogamie verteidigen, zeigen dadurch doch nur, wie unsicher sie sind.
Ihr könnt doch zu zweit so glücklich oder unglücklich sein, wie Ihr wollt!
Niemand nimmt Euch etwas weg, weil er polyamor lebt. Nur mit Eurem heimlichen Neid müsst Ihr leben. ;-)
".. Niemand nimmt Euch etwas
".. Niemand nimmt Euch etwas weg, weil er polyamor lebt .."
Da haben Sie wohl Recht, aber wie ist es denn umgekehrt?
Sie sehen doch ganz offensichtlich auf die Dummköpfe herab die ihren Sexualtrieb nicht mit mehreren Personen gleichzeitig ausleben, oder?
Merken Sie denn nicht, dass Sie die Sexualität zum zentralen Lebenszweck erheben - und haben Sie irgendeine andere Errungenschaft auf die Sie verweisen können?
Da sagen Sie wesentlich mehr
Da sagen Sie wesentlich mehr über sich selbst, als über mich:
Für Sie ist es offenbar selbstverständlich, auf andere herab zu sehen. Ich habe nichts dergleichen auch nur angedeutet.
Die Eingrenzung auf Sexualität ist auch Ihre Hinzufügung. Dass man mehr als einen Menschen lieben kann, kommt Ihnen offenbar gar nicht in den Sinn.
"Wenn alle Beteiligten
"Wenn alle Beteiligten einverstanden sind, klar, warum nicht?"
- Na selbstverständlich! Ich begrüße das ausdrücklich. Und ich liebe es, zu erfahren, wenn Menschen mit ihrem Lebensstil glücklich sind.
"Diejenigen, die hier vehement ihre eigene Monogamie verteidigen, zeigen dadurch doch nur, wie unsicher sie sind."
- Es mag solche geben. Aber auch Du machst den Fehler, das zu verallgemeinern. Vielleicht lehnen viele davon nur die generelle Verächtlichmachung des von ihnen bevorzugten Lebensstils ab. Deniz Y. Dix hat, was das angeht, meines Erachtens das Plädoyer sehr unglücklich (fast "anklagend") formuliert.
"Ihr könnt doch zu zweit so glücklich oder unglücklich sein, wie Ihr wollt!"
- Genau das trifft auf polyamore Lebensgestaltung gleichermaßen zu. Ist also nichtssagend.
"Niemand nimmt Euch etwas weg, weil er polyamor lebt."
- Dagegen würde ich mich auch wehren. Wer mir durch seinen Lebensentwurf etwas wegnimmt, wird nicht toleriert.
"Nur mit Eurem heimlichen Neid müsst Ihr leben."
- Ist klar. ツ
Ich verallgemeinere gar
Ich verallgemeinere gar nichts. Für mich und viele andere passt der polyamore Lebensstil, für andere eben nicht. Nur sollen die Monoamoren sich nicht künstlich angegriffen fühlen. Das ist wie bei diesen Heteromännern, die, in Bezug auf die Ehe für alle, Sachen sagen wie "Man muss sich ja schon entschuldigen, wenn man nicht schwul ist."
Zu dem Kommentar kann ich
Zu dem Kommentar kann ich leider nur sagen, dass Du Dir bedauerlicherweise selber Ressentiments aufbaust. Das tut mir Leid für Dich. Übrigens geht es hier gar nicht um Homo- oder Heterosexualität. Es geht um Mono- oder Polyamorie. Ich empfehle Dir selber, Dich nicht künstlich angegriffen zu fühlen für etwas, was hier gar nicht Gegenstand der Debatte sein sollte.
Billiger Whataboutism. Es war
Billiger Whataboutism. Es war noch für den Blödesten offensichtlich, dass das mit den Heteromännern ein Beispiel war. Wer sich hier unnötig angegriffen fühlt, sind die Monogamen.
Ich glaube, Du verstehst das
Ich glaube, Du verstehst das Wort "Whataboutism" nicht.
Sie haben jetzt also 2
Sie haben jetzt also 2 Partner. Und Ihre Partner? Und was passiert, wenn Ihre Partner sich mit Menschen zusammentun, die Sie nicht leiden können?
Mir klingt das immer alles zu einfach, so nach Friede, Freude,...
Jeder hat zum Glück die Freiheit, sein Modell zu leben, aber hier werden den schlechten Erfahrungen mit der Monogamie zu oft nur die guten mit anderen Modellen entgegengestellt.
Wenn einer meiner Partner
Wenn einer meiner Partner einen weiteren Partner haben wollte, hätte ich nichts dagegen, solange zwischen uns alles passt. Und ich muss den anderen nicht mögen, ich muss ja nicht mit ihm zusammen sein. Der andere ist dann nur insofern relevant, wie er meinen Partner glücklich oder unglaublich macht.
Natürlich kann eine polyamore Konstellation auch schwierig werden, wie jede Beziehung. Aber wenn ich mit einem Partner Schwierigkeiten habe, kann mich der andere Partner unterstützen.
Lose-lose-Situation nennt
Lose-lose-Situation nennt Autor/In (?) Deniz Y. Diz das Monogamie-Ideal von Paaren, die ein Versprechen zueinander zu stehen abgegeben haben. Interessant, welches hedonistische Menschenbild hinter dieser betont christenfeindlich formulierten Aussage steht: Die legitime Erwartung von "Pflichterfüllung" bei hoch und heilig erklärten Versprechungen und das persönlichkeitsbildende Ankämpfen gegen Neigungen, hier als vermeintlich unstreitbar natürliche Bedürfnisse getarnt, sprich die Würde, die darin liegt, sich selbst beherrschen zu können, wird also als Ausdruck von schändlicher Eifersucht gewertet. Als ob Eifersucht das moralisch Verwerfliche wäre. Hier freilich liest man:"Die Schuld ist nie bei einem/r Partner/in zu suchen. Wieso sollte jemand anderes für die eigenen Persönlichkeitsschwächen aufkommen?" - Nein, diese Verfechter eines Bediene-Dich-selbst-ohne-Reue-Bedürfnisbefriedigungsmodells wissen gar nicht mehr, was es heißt, zugunsten Anderer, im Speziellen des angeblich wertvollsten Menschen, den man sich zum Partner auserwählt hat, Verzicht zu üben. Genauso wie eine ganze Generation verlernt hat, welche segensreichen Werte im Dienen und der Demut (Unterordnung egoistischer Interessen unter das Allgemeinwohl) liegen, genauso zynisch wird hier ein Freibrief für ein erschwindeltes Recht auf Beziehungsbruch eingefordert und ideologisch unterfüttert. Denn was ist ein Bekenntnis füreinander auf Lebenszeit wert, wenn beim Auftreten erstbester Spannungen oder gar von gravierenden Nachteilen wie etwa Pflegebedürftigkeit der Partnerin/des Partners das lustvoll auszulebende eigene Glück in Form von unverbindlichem Spaß mit Dritten bei reinstem Gewissen wieder in Schwung gebracht werden kann?
Die "Wut, die aus dem Bewusstsein entsteht, ungerecht behandelt zu werden" mag dann bei persönlichkeitsgestörten Partner ausbrechen, der eben nicht Täter, sondern Opfer ist. Selber blöd, selber schuld. Das ist die feine Art, christliche Werte (meist von moslemischer Seite aus) zynisch als Verlierermoral hinzustellen: "Du Opfer!" - bestmögliche Christusverleumdung. Merkt ihr was, Ihr dummen Leid-Kulturhoheiten?