Diskussionen um Kopftuchverbot in Österreich
Foto: Screenshot eines Videos von "Zeit im Bild"
In Österreich wird derzeit heftig über ein Kopftuchverbot für Mitarbeiterinnen im öffentlichen Dienst gestritten. Der Integrationsexperte und Regierungsberater Heinz Faßmann sprach sich zuerst dafür aus. Der Vorschlag wurde dann vom Integrationsminister Sebastian Kurz aufgegriffen. Gegen diese Idee demonstrierten in Wien rund 2.000 Muslime.
Die Demonstration am vergangenen Wochenende wurde vom Netzwerk Muslimische Zivilgesellschaft, der Dokustelle Muslime sowie dem Jugendrat der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (JIGGiÖ) organisiert.
Hamed Abdel-Samad schrieb dazu bei Facebook: "Wann gingen muslimische Frauen in Europa je auf die Straße, um gegen Zwangsverheiratung, Ehrenmorde, genitale Verstümmelung von Mädchen oder die Geschlechter-Apartheid in der Moschee zu demonstrieren? Wann gingen sie auf die Straße um sich mit ihren Glaubensschwestern in Saudi Arabien und im Iran zu solidarisieren, die ausgepeitscht werden, weil ihnen das Kopftuch weggerutscht wurde?"
Bei der Demonstration am Samstag Nachmittag waren laut Polizei etwa 2.000 Muslime auf die Straße gegangen, um gegen ein – sich erst in der Diskussion befindliches – Verbot von Kopftüchern im öffentlichen Dienst auszusprechen. Die Regierung spricht von einem "Neutralitätsgebot": Es soll nur für religiöse Symbole an Personen gelten. (Hervorhebung durch die Redaktion) Das bedeutet, dass auch Mitarbeitern des öffentlichen Dienstes untersagt sein muss, ein Kruzifix öffentlich zu tragen.
Der Vorschlag der Regierung sieht zudem auch das Verbot der Vollverschleierung im öffentlichen Raum vor. Auch das blieb nicht unwidersprochen: "Das vorgeschlagene Verbot ist ein schwerer Rückschlag für die Demokratie, Vielfalt und Religionsfreiheit Österreichs und geht somit alle etwas an, nicht nur Frauen, die Kopftuch tragen", sagt Amani Abuzahra, Dozentin der interkulturellen Pädagogik und selbst Kopftuchträgerin, laut der Deutschen Welle.
Das kommentierte Abdel-Samad mit den Worten: "Muslime sind sauer, dass eine Frau mit Kopftuch in Österreich keine Richterin werden darf, aber sie sind nicht sauer, dass die Frau im Islam vor Gericht nicht als Zeugin zugelassen wird, es sei denn eine zweite Frau bestätigt ihre Aussage."
Muslimas versuchen seiner Ansicht nach das Kopftuch als Zeichen der Emanzipation und Selbstbestimmung zu verkaufen. Sie lassen dabei ein kleines Mädchen ein Kopftuch tragen (siehe Titelbild), das sich später gegen dieses ideologische, mentale und gesellschaftliche Korsett nicht wehren kann. "Sie wird irgendwann in einer Talkshow sitzen und der Welt mitteilen, sie trage das Kopftuch freiwillig!"
"Wer glaubt all diese Frauen sind freiwillig und spontan auf die Straße gegangen, und nicht vom politischen Islam und ausländischen Regierungen gelenkt werden, dem ist nicht mehr zu helfen. Wer glaubt hier kämpfen einzelne Frauen für ihre individuelle Freiheit, ist genauso gehirngewaschen oder politisch gelenkt wie sie!"
Das Kopftuch "ist eine Erniedrigung der Frau und des Mannes gleichzeitig!" Und ein Verbot des Kopftuches stellt nach Auffassung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EuGH) keinen Verstoß gegen die Europäische Menschenrechtskonvention dar. Bereits in einer Entscheidung vom 10. November 2005 stellte das Gericht fest, dass stelle keine Verletzung des Grundsatzes der Religionsfreiheit darstelle, wenn einer Studentin mit Kopftuch der Zugang zu einer öffentlichen Hochschule untersagt werde.
Kommentare (14)
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Das Bild spricht Bände. Ein
Das Bild spricht Bände. Ein kleines Mädchen, das offensichtlich von den Erziehungsberechtigten (Eltern) mit einem religiösen Kopftuch ausgestattet wurde, trägt ein Plakat vor der Brust mit der Aufschrift:
"ICH WILL MEINE FREIHEIT" - eine Contradictio in adiecto. Wie soll man sich "die Freiheit" dieses kleinen Mädchens vorstellen, das von seinen Eltern dazu "benutzt" wird, dieses Plakat zu halten?
"Wann gingen muslimische Frauen in Europa je auf die Straße...?"
(Hamed Abdel-Samad).
Das Kopftuch (oder
Das Kopftuch (oder Verschleierung) ist für mich ein "Ich bin nicht wie du"-Signal. Ich weiß, viele Kopftuchträgerinnen wollen sich trotzdem, so gut wie möglich, in die westliche Gesellscahft integrieren. Für diese Frauen, Mädchen und deren Familie schlage ich einen "Tag der Inegration" vor, als ein Tag in dem kein Kopftuch getragen wird und männliche Angehörige das auch akzeptieren. Einmal im Jahr könnten sie dann zeigen, dass sie doch nicht so anders sind als die meisten im Land. Es wäre ein starkes Signal an die NachbarInnen, ArbeitskollegInnen, usw.
Ein gutes Buch zu dem Thema
Ein gutes Buch zu dem Thema ist natürlich auch "Die große Verschleierung" von Alice Schwarzer. Und was ehemalige Muslimas über ihre Religion denken, ist auf www.exmuslime.com nachzulesen ...
K. Bauer
"Wer glaubt all diese Frauen
"Wer glaubt all diese Frauen sind freiwillig und spontan auf die Straße gegangen, und nicht vom politischen Islam und ausländischen Regierungen gelenkt werden, dem ist nicht mehr zu helfen. Wer glaubt hier kämpfen einzelne Frauen für ihre individuelle Freiheit, ist genauso gehirngewaschen oder politisch gelenkt wie sie!"
Es ist sehr fragwürdig, jeden, der andere Vorstellungen hat als man selbst, von vornherein als gehirngewaschen, politisch gelenkt und "nicht mehr zu helfen" zu charakterisieren.
wie würden Sie selber dies
wie würden Sie selber dies denn auf eine nicht "fragwürdige" Weise darstellen? Wäre Ihnen dieses Thema überhaupt der Rede wert?
Wir brauchen mehr kluge Hamed
Wir brauchen mehr kluge Hamed Abdel - Samad's auf dieser Welt.......dann schaffen wir das auch.
Es wird leider eine Wunschvorstellung bleiben!!!
Das Kopftuch ist kein
Das Kopftuch ist kein religiöses Symbol. Es wird getragen, weil die Trägerinen damit zu Verstehen geben, das Zeigen ihres Haares könnte Männer dazu verleiten, sie sexuell anzumachen bis hin zur Vergewaltigung. Bestimmte Religiöse nutzen es sicherlich zusätzlich zur (nicht nur sexuellen) Kontrolle ihrer Schäfchen.
Nun, ohne Kopftuch rumlaufen, das mag in manchen Kulturkreisen (leider) gefährlich sein, aber nicht in den meisten Teilen Europas. Insofern ist das Tragen von Kopftüchern in dieser Region gleichbedeutend mit einer Beleidigung der hiesigen Verhaltenskultur im öffentlichen Raum und der hiesigen Bevölkerung, männlich wie weiblich.
Die meisten Europäer - gehirngewaschen durch die enstprechende Propaganda - glauben leider, es sei ein religiöses Symbol und sie wollen sich tolerant zeigen. Ich selbst kann mit der Kopftuchbeleidigung gelassen umgehen. Wenn einige auf der Straße hier so rumlaufen wollen (vielleicht auch gezwungen), dann sollen sie das tun, aber nicht erwarten, daß ich, damit konfrontiert, freundlich reagiere.
Schluß mit Toleranz aber ist, wenn sie für den Staat als Beamte, Angestellte etc. mit Kopftuch auftreten. Da lasse ich mir die Beleidigung nicht gefallen. Von mir aus können sich Beamte einen Halbmond, ein Kreuz, eine Kippa oder das Spaghettimonster um den Hals hängen. Ist mir egal. Wenigstens weiß ich dann, woran ich bin. Das ist vielleicht besser, als wenn ich es nicht weiß.
"Das Kopftuch ist kein
"Das Kopftuch ist kein religiöses Symbol."
Woher wissen Sie eigentlich, wie andere Menschen ihre Religion definieren?
Ich hoffe, es stresst Sie nicht zu sehr, dass Sie sich von Kleidung beleidigt fühlen.
Ich weiß nicht, wie andere
Ich weiß nicht, wie andere Menschen ihre Religion definieren. Das habe ich auch nicht behauptet. Bei geschätzt 5 Milliarden gläubigen Menschen gibt es wahrscheinlich geschätzt 5 Milliarden Definitionen. Mir ist bei Kontakt wichtiger, wie man mir begegnet.
Und nein, ich fühle mich nicht von Kleidung beleidigt. Das habe ich auch nicht geschrieben. Ich habe geschrieben: "Insofern ist das Tragen von Kopftüchern in dieser Region gleichbedeutend mit einer Beleidigung der hiesigen Verhaltenskultur..." und dann "Ich selbst kann mit der Kopftuchbeleidung gelassen umgehen"
Also danke für die Wünsche für weniger Stress, aber nicht nötig. Ich gehe mit unpassenden Kommentaren genauso gelassen um.
"Ich weiß nicht, wie andere
"Ich weiß nicht, wie andere Menschen ihre Religion definieren. Das habe ich auch nicht behauptet."
Sie schreiben direkt im ersten Satz: "Das Kopftuch ist kein religiöses Symbol."
Dass man mit einer vermeintlichen Beleidigung gelassen umzugehen angibt, heißt nicht, dass man sich nicht beleidigt fühlt. (Die Gelassenheit stellen Sie ja durch die gleich mitgeschickte Forderung in Frage, nicht zu erwarten, dass Sie damit "konfrontiert", freundlich reagieren würden) Zumal Sie ja die Beleidigung einer ganzen Kultur unterstellen - ich war davon ausgegangen, dass Sie sich zu dieser Kultur zählen. Aber wenn das nicht so ist, sorry für das Missverständnis!
Erst war und ist es noch ein
Erst war und ist es noch ein Kreuz mit dem Kreuz, jetzt muss das Kopftuch herhalten. Ich hasse Kopftücher und andere unwürdige Verkleidungen, außer im Karneval. Tragen Kühe Kopftücher? Na also.
Etwas einseitiger Artikel. Er
Etwas einseitiger Artikel. Er verschweigt, dass das ganze EINDEUTIG in einem rassistischen Klima bzw. Zusammenhang geschieht und es keinesfalls um die Trennung von Staat und Kirche geht. Im Gegenteil, im Integrationsgesetz werden explizit "private, humanitäre und kirchliche Einrichtungen sowie Einrichtungen der freien Wohlfahrt oder der Gemeinden" als Träger für die "Integrationsmassnahmen" genannt.
Und auch von den bis zu 9 Monate dauernden Gratisarbeit in Form von "Arbeitstrainings" dürfen neben Gemeinden auch die anerkannten Zivildienstträger profitieren, wozu im Katholischen Österreich natürlich auch wieder kirchliche Einrichtungen zählen!
Anti-Gesichtsverhüllungsgesetz https://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXV/ME/ME_00290/index.shtml
Arbeitsmarktsintegrationsgesetz https://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXV/ME/ME_00291/index.shtml
Die Sache mit dem Kopftuch
Die Sache mit dem Kopftuch ist - wie so manch anderes ebenfalls - nicht so ganz einfach.
In dörflichen Gegenden bewegt sich auch heute noch so manche Frau mit Kopftuch auf dem Acker, auf dem Hof oder in der Küche, geht damit auch mal schnell zur Nachbarin oder zum Dorfladen, ohne dass irgend jemand auf die Idee kommen würde, Ihr das zu untersagen. Nun wird ja auch lediglich darüber diskutiert, ob das Tragen eines Kopftuches "aus religiösen Gründen" verboten werden soll. Und die holsteinische Bauersfrau trägt das Kopftuch sicherlich nicht, weil sie allen Nachbarn beweisen möchte, dass sie Kirchensteuern zahlt, sondern weil es praktisch ist. Woran kann ich als deutscher Bürger, der sich von einer kopftuchtragenden Dame auf der Straße gestört fühlt, also erkennen, dass es sich dabei um Zurschaustellung einer religiösen Überzeugung handelt? Wenn überhaupt, doch wohl nur an der Gesichtsprägung (Form, Stil, Ausdruck), eventuell läßt noch eine dunklere Hauttönung darauf schließen. Rassismus läßt grüßen!
Die Total-Versackung einer Dame in der Öffentlichkeit einer offenen Gesellschaft halte ich für absolut nicht angebracht. Mir sind solche Figuren mit Sehschlitz (ich kann ja gar nicht beurteilen, ob ein Herr oder eine Dame in dem Sack steckt!) selbst schon begegnet, und ich gebe zu, dass ich bei solchen Begegnungen kein gutes Gefühl hatte. Objekte mit dieser Tarnkleidung tauchen allerdings so selten auf, dass es sich fast nicht lohnt, darüber zu diskutieren.
Ich möchte versuchen, das Thema von einer anderen Seite zu beleuchten:
Wenn wir West-Europäer - sei es als Touristen oder Mitarbeiter einer Firma - uns in einem arabischen oder anderweitigen islamischen Land aufhalten, dann wird von uns als Selbstverständlichkeit erwartet, dass wir uns den dortigen Gepflogenheiten anpassen. Und nicht nur das, in manchen Ländern werde ich (z.B. von einer Religionspolizei!) bestraft, wenn ich nicht bereit bin, mich zumindest nach außen hin angepaßt zu zeigen, also nicht aufzufallen. Wenn ich damit nicht einverstanden bin, sollte ich von vornherein den Besuch in diesem Land meiden.
So wird mir der Zugang zu einer Moschee nicht verwehrt, wenn ich 1.) ein Mann bin und 2.) meine Schuhe an der Pforte ausziehe. So ist es mir auch als Christ oder glaubensfreier Mensch gestattet eine jüdische Synagoge zu besuchen, wenn ich mich dort entsprechend angepaßt verhalte und den Gottesdienst nicht störe. Meiner Frau wurde z.B. vor dem Betreten der Synagoge in Krakau von einem freundlichen Herrn ein Kopftuch überreicht, damit sie traditionsgemäß damit ihre Haare bedecken konnte.
So plädiere ich dafür, dass es für Menschen aus Ländern unterschiedlicher Tradition und Religion ebenso selbstverständlich ist, sich den hiesigen westeuropäischen Gepflogenheiten zumindest nach außen hin ebenso anzupassen, wie sie es von uns in ihrer Heimat erwarten. Niemand macht ihnen hier ihren religiösen Glauben - egal welcher Coleur - strittig. Das öffentliche Zurschautragen des religiösen Glaubens durch Verhüllung von Körperteilen ist in unserer Gesellschaft allerdings nicht üblich und nicht erforderlich. Muslimische Mitbürger, die sich - aus welchen Gründen auch immer - entschlossen haben, hier und mit uns zu leben, müssen auch akzeptieren, dass hier morgens um 6:00 Uhr die Kirchenglocken läuten (was mir auch nicht gefällt, speziell wenn ich von der Nachtschicht komme!), sie gehen auch nicht auf die Straße, um dagegen zu demonstrieren, dass auch mit Hilfe ihrer Lohnsteuern den Kirchen jährlich mehrere Milliarden Euro in den stets weit offenen Rachen gestopft werden.
Und so wäre es einfach schön, wenn wir nicht ständig alles mit Gesetzen und Vorschriften regeln müßten, wenn Ihr, liebe religiös gläubige Mitbürger, Eure religiösen Symbole einfach zu Hause lassen würdet. Dazu gehört das Kreuz im Klassenzimmer ebenso wie das Kopftuch bis hin zum Burka-Tarnsack. Damit wäre uns allen geholfen und niemand müßte sich provoziert fühlen!
Wenn Gänse für ihr Recht
Wenn Gänse für ihr Recht demonstrieren, in einen Sack gesteckt und geschlachtet werden zu dürfen, muss man dahinter einen schlauen Bauern vermuten.