Studie dokumentiert den privilegierten Zugang der Kirchen zur Politik

Die Lobbymacht der Kirchen

Pressekonferenz am 10.11.2015
Pressekonferenz am 10.11.2015
Dr. Carsten Frerk
Dr. Carsten Frerk
Ingrid Matthäus-Maier
Ingrid Matthäus-Maier
RA Jaqueline Neumann
RA Jaqueline Neumann
Daniela Wakonigg
Daniela Wakonigg

BERLIN. (hpd) Die Kirchen dürfen keine Sonderrolle einnehmen, wenn es um den Einfluss auf Gesetzgebungsverfahren geht. So könnte die zentrale Botschaft einer Pressekonferenz zusammengefasst werden, die am Dienstag in Berlin stattfand. Vorgestellt wurden die Ergebnisse einer Studie, welche die "Kirchenrepublik Deutschland" unter die Lupe genommen hat.

Die Idee, sich einmal genauer anzuschauen, wie die beiden großen christlichen Kirchen ihre Interessen gegenüber der Politik und konkret den Parlamenten in Bund und Ländern vertreten, wurde im Sommer 2011 auf einem Arbeitstreffen des Internationalen Bundes der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) geboren. Im Herbst 2013 wurde dann der Politikwissenschaftler Carsten Frerk mit der Durchführung der Untersuchung beauftragt. Die zentralen Ergebnisse seiner über 1.000-seitigen Studie wurden auf der Pressekonferenz präsentiert.

Neben ihm saßen auf dem Podium die langjährige Bundestagsabgeordnete Ingrid Matthäus-Maier und die Anwältin Jacqueline Neumann, die Frerks Ausführungen aus politischer und juristischer Perspektive ergänzten. Die Leitung der Pressekonferenz lag bei der Journalistin Daniela Wakonigg.

Fehlende Rechtsgrundlagen

Zunächst stellte Carsten Frerk heraus, dass es keinerlei Rechtsgrundlagen dafür gibt, die Kirchen zu einem so frühen Zeitpunkt in Gesetzgebungsverfahren einzubinden, wie dies derzeit regelmäßig geschieht. (Jacqueline Neumann zeigte später, dass ein hier immer wieder erwähnter "Erlass" aus den frühen 1970er Jahren tatsächlich gar nicht existiert – es handelt sich lediglich um einen Brief des damaligen Bundeskanzlers Willy Brandt an seine Minister mit der Bitte, die Kirchen über anstehende Reformvorhaben frühzeitig zu informieren.)

Eine zentrale Rolle für die Lobbyarbeit der Kirchen spielen die kirchlichen Büros, die es in Berlin sowie allen Landeshauptstädten gibt. Alleine hier arbeiten etwa 100 Personen daran, Einfluss auf die Politik zu nehmen. Die Büros sind eingebunden in ein Netz von Arbeitskreisen, Instituten und Kommissionen, deren Fachkompetenz hinzugezogen werden kann, was die Wirkungsmöglichkeiten noch erweitert. Dabei läuft der Kontakt häufig nicht in erster Linie über die Abgeordneten, sondern über die Ministerialbürokratie. Denn anders als die Parlamente werden die Ministerien zumindest auf der "Arbeitsebene" nach Wahlen nicht neu besetzt.

Beträchtliche Eigeninteressen

In den Kommunikationsstrategien sowohl der evangelischen als auch der katholischen Kirche wird die Advocacy Arbeit, also der selbstlose Einsatz für die Schwachen und Bedürftigen in der Gesellschaft, immer in den Vordergrund gestellt. Damit soll auch die Aufmerksamkeit davon abgelenkt werden, dass beide Kirchen massive ökonomische Eigeninteressen haben. Als größte private Arbeitgeber, Grund- und Immobilienbesitzer und Anbieter von Bildungs- und Erziehungseinrichtungen interessieren sich die Kirchen für die Arbeit von nahezu allen Ministerien. Es passt ins Bild, dass aus den Akten hervorgeht, dass besonders häufig Kontakt zum Bundesfinanzministerium gesucht wird, wie Ingrid Matthäus-Maier erwähnte.

Ein wichtiges Detail ist der Wechsel von Kirchenfunktionären in die Politik. Durch die in Staat-Kirche-Verträge und Konkordate aufgenommene Formel "Kirchlicher Dienst ist öffentlicher Dienst" ist dies problemlos möglich. Frerk zeigt dies am Beispiel von David Gill, der heute als Leiter des Bundespräsidialamtes fungiert. Nach einem Theologiestudium arbeitete er zunächst als Pressesprecher bei der Gauck-Behörde; nach dem anschließenden Jurastudium war er als Referent im Bundesinnenministerium und beim Berliner Datenschutzbeauftragten tätig, bevor er 2004 juristischer Stellvertreter des Bevollmächtigten des Rates der EKD wurde. 2012 folgte dann der erneute Wechsel in die Politik.

"Gottesfraktionen" in den Parlamenten

Ingrid Matthäus-Maier knüpfte in ihrem Beitrag zunächst an den von Carsten Frerk eingeführten Begriff der "Gottesfraktion" an. Damit ist gemeint, dass es in allen Fraktionen Abgeordnete gibt, die im Zweifel für die Interessen der Kirchen stimmen.

Die frühere Bundestagsabgeordnete führte als Beispiel die Abstimmung über das Verbot "geschäftsmäßiger" Sterbehilfe an. Hier hatte es eine fraktionsübergreifende Mehrheit für einen Gesetzentwurf gegeben, der von den Kirchen großen Beifall erhielt, während mehr als drei Viertel der Bevölkerung ihn ablehnen. Im Vorfeld hatten die drei Fraktionsvorsitzenden von CDU/CSU, SPD und Grünen ein gemeinsames Schreiben veröffentlicht, das große Übereinstimmungen mit dem Brief aufwies, den die Kirchen an alle Parlamentarier verschickten. Matthäus-Maier führte hierzu ein atmosphärisch interessantes Details an. Als 2013 ein Antrag der Fraktion der Linken über die Umsetzung des Verfassungsauftrages, die sogenannten Staatsleistungen abzulösen, im Bundestag debattiert wurde, waren acht Redebeiträge vorgesehen. Vier davon jedoch wurden nicht im Plenum gehalten, sondern zu Protokoll gegeben – denn die betreffenden Abgeordneten hatten zum selben Zeitpunkt einen wichtigeren Termin: Sie befanden sich anlässlich des Papstbesuches in der St. Hedwigskirche. (Selbstverständlich waren sie für die verfassungswidrige Fortsetzung der Staatsleistungen.)

Formale Gleichbehandlung ist geboten

Jacqueline Neumann bewertete das zuvor gehörte nun juristisch und machte einige Handlungsvorschläge. Von zentraler Wichtigkeit sei die formale Gleichbehandlung aller Beteiligten. Diese gelte im Bereich der Lobbyarbeit wie im Bereich der Journalismus: Wenn ein externer Akteur (also ein Verband oder eine Reporterin) Informationen erhält, müssen diese allen zur Verfügung stehen. Im Hinblick auf die Einbindung der Kirchen in die Gesetzgebung sei dies derzeit ganz offensichtlich nicht der Fall. Neumann sprach von einem "exklusiven, intransparenten Verfahren".

Als problematisch sah sie auch die Doppelrolle kirchlicher Lobbyisten als Vertreter der Interessen einer Religionsgesellschaft und Seelsorger von Abgeordneten. Hier stelle sich die Frage, ob "mit Hilfe religiöser Dogmen … eine Nötigungs- und Erpressungssituation" entstehen könne, wenn gläubige Abgeordnete oder Beamte in ihrer Tätigkeit gegen religiöse Normen verstoßen. Hier müsse das "öffentliche Risikomanagement" verbessert werden. Dabei könne an die Lernerfahrungen aus der Bekämpfung der Organisierten Kriminalität angeknüpft werden.

Als weitere, einfach umzusetzende Handlungsmöglichkeit nannte Neumann die Aufstellung von Befangenheitsregeln für den Bundestag, wie sie im Bereich der Kommunalpolitik längst existieren.

Nach den Vorträgen schloss Daniela Wakonigg die Pressekonferenz, denn es gab keine weiteren Fragen. Offenbar war das Thema erschöpfend dargestellt. Oder die anwesenden Journalistinnen und Journalisten waren sprachlos angesichts einer Lobbymacht, die kaum jemand auf dem Schirm hat und deren Vertreter doch von sich selbst ganz offen und selbstbewusst sagen, dass sie erfolgreicher seien als die Atom- oder Bankenlobby.

Weitere Informationen zum Thema finden sich auf der Webseite kirchenrepublik.de. Eine gekürzte Fassung der Studie ist als Buch erhältlich.

Kommentare (29)

Bernd Kammermeier (nicht überprüft)

Mi. 11 Nov 2015 - 14:22

Was ich mich immer wieder frage: Was haben Kirchen von ihrer Lobbyarbeit?
Ich erinnere mich an das Hasenfest 2013 in Frankfurt am Main. Wir (Pastafari, gbs Rhein Main und DIE PARTEI) hatten einen Stand und boten Passanten an, die Kosten für einen Kirchenaustritt zu übernehmen.

Der unvermeidbare Herr Paulus (der seltsamerweise stets behauptet der Bruder von jedem zu sein) erschien in Mönchskutte (wir hatten ja auch eine Mitwirkende im Hasenkostüm, ich selbst trat als Pirat auf) und beging den Fehler, mit uns zu diskutieren.

Nach seinen allseits bekannten Worthülsen meinte er plötzlich in die kurzfristige Stille auf der Frankfurter Zeil: "Kirchen haben keine Macht!" Dann platzte es aus allen anwesenden Mündern: schallendes Gelächter. Da sage noch einer, Kleriker hätten keinen Humor!

Ist das wirklich die Selbstwahrnehmung? Kirchen hätten keine Macht? Dabei graben und puhlen sie bei jeder unpassenden Gelegenheit nach politischer Macht, nach Einflussnahme und "Teilhabe". Aber warum? Gott gibt es (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) nicht, auf den Jüngsten Tag werden wir noch länger als die vergangenen 700.000 Tage warten müssen und der Messias wird definitiv nie mehr erscheinen. Also von daher ist diese Einflussnahme doch völlig zweckfrei.

Oder?

"Theologisch zweckfrei" müsste man ergänzen. Wirtschaftlich gesehen ist es durchaus ratsam, sich mit den Steuergeldverteilern gutzustellen. Man behauptet unentwegt unentbehrlich zu sein, für "Werte" und "Barmherzigkeit" zuständig zu sein (obwohl man sie im eigenen Laden nicht praktiziert - siehe den 3. Weg im Arbeitsrecht). Dann schwenkt man noch ein bisschen Weihrauch, verspritzt den einen oder anderen Quast voll Weihwasser, sondert ein paar pseudoschlaue Sprüche ab, ruft die Verantwortung für Gottes Schöpfung ins Gewissen und dann hat man offenbar ausreichend viele Volksvertreter derart erfolgreich eingelullt, dass sie das eben Zelebrierte wirklich für wichtig erachten - und freudig, quasi himmelhochjauchzend, die Steuerschatulle öffnen.

Hirnwäsche im Schonwaschgang, mit Weichspüler und sanftem Schleudern! Ach, ist das schön für Politiker - und schön ertragreich für die Kleriker. Oder sieht jemand noch einen Grund, warum Politiker ausgerechnet mit Menschen, die an einen Geist im Weltraum glauben, derart gegen Bürgerinteressen paktieren?

Brunhilde Schatz (nicht überprüft)

Do. 12 Nov 2015 - 16:04

Antwort auf von Bernd Kammermeier (nicht überprüft)

Ein Beispiel ist die Einflussnahme zum Zweck der Behinderung wissenschaftlicher Fortschritte - vor allem in Humangenetik - und allen Bereichen, die das Leben erleichtern. Leidende Menschen sind leicht in Hoffnung und Abhängigkeit zu halten.

Heide (nicht überprüft)

Do. 12 Nov 2015 - 09:29

Wir dürfen nicht vergessen, dass es sich hierbei um gewählte Volksvertreter handelt und nicht um Personen, die von den Kirchen eingesetzt wurden. Die Mehrheit der Bevölkerung nimmt die Kirchen immer noch als wichtige Einrichtungen wahr und solange wird sich daran nichts ändern. Warum auch, wenn es einen nicht stört...

Welche Alternative hätte ich denn als Wähler? CDU/CSU, SPD und GRÜNE sind inzwischen flächendeckend religionsdurchsetzt. Die FDP ist teils, teils, wie auch die LINKE. Eine eindeutig religionsferne Partei - außer den Neulingen "Partei der HUMANISTEN" sehe ich keine Partei, die ich wählen könnte, ohne dass die Gefahr besteht, ein Volksvertreter könnte mit kirchlichen Lobbyisten paktieren.

Deshalb ist noch mehr Aufklärung von Carsten und anderen nötig, um zu zeigen, was der Steuerzahler da an seinem Busen nährt.

Natürlich könnten sich Religionsgemeinschaft positiv einbringen. Z.B. bei unserer aktuell größten Herausforderung, den Flüchtlingen. Was hört man aus allen Medien?: Wir müssen sie schnellstmöglich integrieren und dazu müssen diese Menschen Deutsch lernen. Woran scheitert das bisher? Kein Geld! Und wenn Geld da ist, dann sind es zu kleine Summen. Daher haben Flüchtlinge oft monatelange Wartezeiten, bis sie in einen Deutschkurs können.

Wie könnten Kirchen dabei helfen? Recht einfach: Pro Jahr gibt der Steuerzahler für völlig sinnlosen Religionsunterricht ca. 1,6 Mrd. Euro aus - die Aus- und Fortbildung der Religionslehrer nicht mitgerechnet. Hier gibt es ein ungeheures Potential an Lehrer- und Schulraumkapazität, die bisher dazu aufgewendet werden, um Schülern Märchen mit sprechenden Schlangen beizubringen. Die Muslime haben inzwischen auch Bekenntnisunterricht, in dem sie lernen, dass Menschen auf Pferden fliegen können.

Wäre dies nicht eine Geste der Menschlichkeit, wenn alle Religionsgemeinschaften erklären würden, für eine gewisse Zeit auf ihr grundgesetzlich verbrieftes Recht, Religionsunterricht geben zu dürfen, zu verzichteten, um die freigewordenen Kapazitäten für Deutschkurse für Flüchtlinge zu nutzen? Dann könnte man die bisherigen Religionsstunden an den Rand legen, so dass die Schüler früher heimgehen könnten oder später zur Schule müssten und Flüchtlinge könnten an ihrer Stelle mit den Religionslehrern (anfangs unter Zuhilfenahme von Dolmetschern) Deutsch lernen.

Was ist denn momentan wichtiger? Integrierte Flüchtlinge, die auf den Arbeitsmarkt vorbereitet werden oder Schüler, die gelernt haben, dass ein einziger Gott dreifaltig sein kann?

Solange ich aber nur kirchliche Selbstbedienungsmentalität und Bischöfe und Kardinäle mit bis zu 12.000,00 Euro Monatseinkommen sehe, halte ich Kirchen und alle staatlich alimentierten Religionsgemeinschaften für einen unnötigen und schädlichen Klotz am Bein der Gesellschaft, den wir so rasch es geht abschütteln sollten.

@ B.K. zu sienem Vorschlag:
"....und Flüchtlinge könnten an ihrer Stelle mit den Religionslehrern (anfangs unter Zuhilfenahme von Dolmetschern) Deutsch lernen...."

Aber, aber B.K. , was soll das denn! Ich befürchte. die Religionslehrer würden liebend gerne unaufgeklärte Heiden missionieren, insbesondere weil sie bei ihrer eigenen jugendlichen Klientel wegen derer faktischen Ungläubigkeit diesbezüglich eh kaum mehr Chancen sehen.

Zünden Sie uns nicht das Haus an.

Bernd Kammermeier (nicht überprüft)

Fr. 13 Nov 2015 - 15:30

Antwort auf von Little Louis (nicht überprüft)

"Zünden Sie uns nicht das Haus an."

Das habe ich gewiss nicht vor. Zum einen dachte ich, es wäre kostenmäßig keine Ersparnis, wenn alle Religionslehrer freigestellt würden (da sie in der Regel verbeamtet sind). Und wo kämen nun Tausende von "neutralen" Deutschlehrern her, die ja auch wieder besoldet werden müssten?

Außerdem haben Religionslehrer oft noch weitere Fächer, in denen sie auch "neutral" unterrichten müssen. Und noch wichtiger: Es gibt Lehrpläne! Und man kann den Unterricht stichprobenartig überprüfen. Anfangs durch die oft nicht christlichen Dolmetscher. Außerdem könnte ein gewisses Gefährdungspotential von dem einen oder anderen Flüchtling ausgehen, wenn er sich plötzlich christlicher Missionierung ausgesetzt sieht. Da sollte man die Bibel besser zuhause lassen.

Aber im Ernst. Ich halte diesen Vorschlag für praktikabel, weil er viele Fliegen mit einer Klappe schlägt. Und falls doch ein Lehrer missionieren sollte und es kommt raus, wäre das wieder ein gefundenes Medienfressen, das eine 7,8 auf der nach oben offenen Tebartz-Skala erreichen könnte...

Little Louis (nicht überprüft)

Sa. 14 Nov 2015 - 11:29

Antwort auf von Bernd Kammermeier (nicht überprüft)

@ B.K. zu :"...Es gibt Lehrpläne! Und man kann den Unterricht stichprobenartig überprüfen. Anfangs durch die oft nicht..."(Zitatende)

Die Aufsicht über die Inhalte des christl. Unterr. obliegt den Kirchen, welche auch die Lehrpläne erstellen. Dass soll jetzt das Konklomerat von Islamverbänden leisten. Hat deren Mitglieder irgendjemand gewählt? Als Vereine müssten sie eigentlich dem Vereinsgesetz unterliegen und demokratische Satzungen haben.Ist darüber irgendetwas bekannt?
Bekanntlich gibt es keinen staatlichen Bekenntnisunterricht. Und beim Islamunterricht geht ja wohl nicht um allgemeine Religionsstudien sondern gerade um einen Beinflussungsversuch hin zu einer irgendwie (?) moderateren und irgendwie staatlich kontrollierten Art. Wie soll die Kontrolle bei Bekenntnisunterricht erfolgen? Der Staat muss hier Religionsfreiheit garantieren! Eingreifen darf er nur bei eundeutig verfassungsfeindlichen Inhalten.

Bernd Kammermeier (nicht überprüft)

So. 15 Nov 2015 - 15:26

Antwort auf von Little Louis (nicht überprüft)

Ich habe offenbar eine gewisse Neigung, mich Ihnen gegenüber falsch auszudrücken:

"Die Aufsicht über die Inhalte des christl. Unterr. obliegt den Kirchen, welche auch die Lehrpläne erstellen."

Genau das habe ich nicht gemeint. Der Religionsunterricht sollte in meiner realpolitischen Fantasie abgeschafft und ersatzlos gestrichen werden. Stattdessen sollte Deutschunterricht für Flüchtlinge nach den Lehrplänen für Deutschunterricht an öffentlich-rechtlichen Schulen stattfinden. Und da kommt eine Missionierung nicht vor.

Little Louis (nicht überprüft)

So. 15 Nov 2015 - 19:09

Antwort auf von Bernd Kammermeier (nicht überprüft)

@ B.K. um 16:24
Alles klar. Sorry, wenn ich Sie irgendwie falsch verstanden habe.

@ heide am 12.11. um 9.29

Es "stört" die Menschen aber durchaus. Nämlich in ihrer geistigen und politischen Souveränität als Staatsbürger.Und damit stört es auch das demokratische System.
Allerdings wissen sie dank geschickter medialer Beeinflussung halt nichts davon.

Heide (nicht überprüft)

Sa. 14 Nov 2015 - 09:09

Antwort auf von little Louis (nicht überprüft)

„Allerdings wissen sie dank geschickter medialer Beeinflussung halt nichts davon.“
Verschwörungstheorie, ick hör dir trappsen?
Wir kennen hier doch die Probleme. Man kann sich im Internet ausreichend informieren und die Skandale sind durchaus medial und kirchenkritisch bekannt breit getreten worden. Und auch die Bankenbenachrichtigung haben sich nicht wenige durchgelesen – eigentlich erstaunlich.

Und trotzdem liegt die Austrittsquote für letztes Jahr bei 0,6% zur Gesamtbevölkerung.
Den Leuten ist es schlichtweg egal.

@ heide am 14.11.um 9:09
Ich befürchte, sie wittern zwar Theorien aber sehen leider nicht die ganze Realität. Wie weit die Macht der Kirchen immer noch reicht, haben wir doch gerade bei der Sterbehilfe knallhart demonstriert bekommen. Und wer dominiert gerade das mediale Bild bezüglich der Flüchtlingssituation? Machen sie die Augen auf. Oder wollen Sie mich veralbern. Im politischen Propagandakampf sind V-Theorien immer nur die Theorien der Anderen.
Und die Propagandaschlacht wird sich ab heute wieder aufs Höchstniveau steigern. Übrigens: Der Staatsanwalt ermittelt auch schon aufgrund begründeter Vermutungen und niemand hält ihn für einen V-Theoretiker. Lassen Sie soche Polemik einfach. Ich könnte Sie ja auch "Lieschen Naivmüller" nennen.

Heide (nicht überprüft)

Do. 12 Nov 2015 - 21:36

Natürlich ist Aufklärung von Nöten.
Nur kann man nicht sagen, dass die Volksvertreter mit Kirchenvertretern paktieren oder die Kirchen flächendeckend die Parteien durchsetzt haben. Früher waren die Parteien wahrscheinlich sogar zu 100% mit mehr oder weniger kirchennahen Politikern besetzt (ich blende jetzt mal die Geschichte der SPD vor dem ersten Weltkrieg aus).

Die heutigen Politiker sind wahrscheinlich kirchennäher als der Bevölkerungsdurchschnitt – das hat aber mit dem Werdegang und der Überzeugung dieses Personenkreises zu tun. Viele sind davon überzeugt, das richtige zu tun und dazu gehört auch Kirchenzugehörigkeit und die Förderung von Kirchenbelangen. Sie paktieren nicht sondern handeln nach ihrem besten Gewissen und machen es aus eigenem Antrieb. Doppelfunktionen als Politiker und als Kirchenfunktionär ist aus ihrer Sicht nicht ein Pakt sondern das Maximum an „Gutes tun“. Und sie werden daher auch nicht von den Kirchen platziert. Die Kirchen nutzen natürlich die gut gemeinten Ambitionen aus.

Das Wahlvolk hat daher kaum Möglichkeiten, andere zu wählen, weil aufgrund dieser Tatsache Politiker nicht den religiösen Durchschnitt abbilden. Nur - das ist das große Problem - dem Wahlvolk ist es schlichtweg egal. Mal ehrlich, wie viele kommen zum Austritthappening Hasenfest? Nicht viele. Wer es wagt, St Martin in Sonne, Mond- und Sternefest umzubenennen riskiert einen Shitstorm auch von Muslimen und sonstigen kirchenfernen. Tebartz war ein Problem, aber der Pastor vor Ort ist ein ganz lieber...
Wo sind sie denn, die in allen möglichen Studien aufgeführten austrittswilligen? Da wird doch immer von einem Potential von mind. 20% gesprochen. Und Gründe genug hat es in der jüngsten Vergangenheit zur genüge gegeben, wobei sich gezeigt hat, dass nicht Moral, sondern der schnöde Mammon der eigentliche Austrittsgrund ist. Und selbst der schafft gerade mal 1%/Jahr. Dafür erreichen die C-Parteien regelmäßig Werte deutlich über 35%.

Dass Religionsunterricht sinnlos ist, ist Ihre Meinung (im übrigen auch meine). Aber für viele eben nicht. Noch sind knapp 60% einer Religionsgemeinschaft zuzuordnen. Und bei den jetzigen „hohen“ Austrittszahlen werden die prognostizierten 20% erst in knapp 20 Jahren erreicht sein. Mit einer Bedeutungslosigkeit kann man solche Verhältnisse erklären.

@ heide am 12.11. um 21:36
Der Grund für den Nichtaustritt der Mehrheit trotz fast völliger Ignorierung aller Gebote und Verbote liegt einerseites in einer psychischen Abhängigkeit mangels Emanzipation von tief eingeprägten vorrationalen Vorstellungen.

Vor allem über das " was danach kommt" usw. Sehr viele können sich auch kaum von einer Art Kinderglauben lösen und schämen sich sogar manchmal dafür.(Mein Herz ist klein....) Das ist wegen der Funktion als "Seelentröster" leicht verständlich. Nicht umsonst sind die Kirchen in diesen "Psycho- Bereichen äußerst umtriebig. Man denke nur an die Sofortpräsenz bei belastenden Schickslsschlägen. Kaum hat der Allllmächtige etwas unmenschliches verbrochen, erschallt die die Aufforderung zum Massengebet durch die Welt. Das soll natürlich von der gefährlichsten aller Fragen ablenken (Die Theodizee- Frage). Denn die Vernunft fragt ja sofort, ob der da oben ein Sadist ist. Doch dann : Du sollst nicht zweifeln, denn der Zweifel ist des Teufels. Und jetzt sagen Sie nicht,dass niemand an den Teufel glaubt.

Überdies verfängt die Rede von den Kirchen als einzigen und alternativlos- selbstlosen Garanten von Mildtätigkeit und Humanität im Staate bei den meisten infolge mangender Aufklärung bezüglich der reale Verhältnisse immer noch.

Der andere Grund ist der weitverbreitete Konformismus durch den "sanften Druck " aus sehr vielen Bereichen des gesellschaftlichen Umfelds.

Und damit wären wir wieder bei der von Ihnen etwas verharmlosten Medienalpräsenz und der immer noch gewaltigen Lobbymacht der Kirchen. Un vermutlich bald auch der weiterer "Verbände".

itna (nicht überprüft)

Fr. 13 Nov 2015 - 00:15

Tolle Journalisten haben wir hier, die trauen sich nicht mal, Fragen zu stellen. Sprachlos waren die ganz gewiss nicht.
Haben wahrscheinlich Angst, in die Hölle zu kommen.

Ulrike Ludy (nicht überprüft)

So. 15 Nov 2015 - 01:04

Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die säkularen Humanisten christlichen Abgeordneten gerne das Stimmrecht entziehen würde. Christen waren und sind immer irgendwie oder irgendwem im Wege gewesen. Sie haben viel Erfahrung mit Kräften, die sie gerne verdrängen wollen.
Ich habe es schon einmal geschrieben, die Abgeordneten sind nur ihrem Gewissen verpflichtet. Das christliche Abgeordnete im Namen der Kirchen abgestimmt haben ist vollkommener Unsinn. Hätten sie das getan so hätten sie für ein Verbot des ärztlichen begleiteten Suizid gestimmt.
Der Einfluss der Kirche auf die Politik ist leider nicht so stark wie säkulare Humanisten glauben siehe Pränatale Diagnostik. Da haben sich selbst christliche Abgeordnete gegen den Willen der Kirchen gestellt.

Bernd Kammermeier (nicht überprüft)

So. 15 Nov 2015 - 15:52

Antwort auf von Ulrike Ludy (nicht überprüft)

"Christen waren und sind immer irgendwie oder irgendwem im Wege gewesen."

Viele Jahrhunderte lang waren sie das gewiss. Heute sind ihnen weitestgehend die Flügel gestutzt, so dass sie nicht mehr ganz in himmlischen Höhen schwirren können. Gegen die theokratischen Interessen von Christen wurden Demokratie und Menschenrechte durchgesetzt. Der Staat hat sich folglich zunehmend säkularisiert. Dass auch die rapide Abnahme konfessionell gebundener Bürger seine Wirkung auf Politiker (die ja genau von diesem zunehmend konfessionsfreier werdenden Volk gewählt wollen und müssen, um Macht zu erlangen) entfaltet, ist nachvollziehbar. Dies bricht auch zunehmend die politische Macht der Kirchen.

Endgültig kippen wird es, wenn wir unter 50% Konfessioneller in Deutschland sind. Dann werden Säkulare wichtiger und die Parteien werden einen Wettstreit um deren Gunst starten. Nach dem Motto: Wer ist als erster gottlos?

Dann wird auch so eine Katastrophe, wie der §1631d BGB (Beschneidungserlaubnisgesetz), wieder rückgängig gemacht, dann wird endlich der seit 1919 bestehende Verfassungsauftrag zur Ablösung der Dotationen an die Kirchen (ca. 500 Mio. Euro/Jahr) erfüllt, dann werden Zuschüsse zu Kirchentagen nicht mehr ohne weiteres durchgewunken und ob ein mehrheitlich konfessionsfreier Staat dann noch immer über sein Finanzamt die Vereinsbeiträge für immer unbedeutender werdende Vereine eintreibt, wage ich auch zu bezweifeln. Von Sonderbehandlungen, wie dem 3. Weg im Arbeitsrecht oder §166 StGB (Blasphemie-Paragraph) ganz zu schweigen.

Ich denke, Gesetzgebung wird dann generell in Deutschland einfacher, weil die altertümliche "Moral" der christlichen Kirchen dann nicht mehr die große Rolle spielen wird. Dann wird vieles gerechter, wenn Ethik an Stelle der Moral gesetzt wird, wenn Vernunft an Stelle von Glauben rücken und bessere Hilfen bei Katastrophen geleistet werden, als zu beten und zu segnen.

Momentan befinden wir uns etwa auf der Hälfe des Weges. Ich bin verhalten optimistisch, dass wir den Rest des Geisterglaubens auch noch in die Geschichtsbücher und Privatclubs verfrachten können. Es wäre peinlich, wenn das nicht gelänge. Die Menschheit ist inzwischen alt genug, um erwachsen zu werden...

Ulrike Ludy (nicht überprüft)

So. 15 Nov 2015 - 22:58

Antwort auf von Bernd Kammermeier (nicht überprüft)

Herr Kammermeier nicht erst seit ein paar Jahrhunderten sind Christen im Weg, sondern schon im alten Rom hat man sie verfolgt und umgebracht. Die radikale Botschaft Jesu von der Nächsten- und Feindesliebe und von dem himmlischen Vater, der alle Menschen bedingungslos liebt war den Mächtigen unheimlich.
Wir Christen sind heute auch im Weg, wenn es darum geht das bedingungslose Lebensrecht zu schützen und zu verteidigen. Ethik statt Moral? Was ist das für eine Ethik, die es zulässt, dass behinderte Kinder abgetrieben werden und Schwerkranke nur noch einen Ausweg sehen sich umbringen zu lassen, weil sie sich als Belastung für die Gemeinschaft sehen.
Gläubige Menschen als unmündige dumme Menschen zu sehen und sich selbst als freien denkenden zeigt mir nur mal wieder die Arroganz der Vollblutatheisten.
Ja Sie und ihresgleichen wollen alles christliche aus der Öffentlichkeit verschwinden lassen. Keine Wegkreuze mehr, keine öffentlichen Gottesdienste und schon gar keine Fronleichnamsprozession. Weg mit diesem alten Kram, braucht keiner mehr, Wissenschaft ist unsre neue Religion. Im Namen der Wissenschaft erschaffen sie neue Menschen, töten Kranke, Behinderte und Alte.
Es geht ihnen nicht allein um die paar Privilegien der Kirchen, sondern sie wollen die Religionsfreiheit einschränken. Der Hass auf die katholische Kirche ist jedes Jahr beim Marsch für das Leben spürbar und sichtbar. Ist das der Humanismus den sie predigen?

Juliana Bernholt (nicht überprüft)

Mo. 16 Nov 2015 - 12:18

Antwort auf von Ulrike Ludy (nicht überprüft)

Hass auf die Kirche?
Ich hasse die Kirche nicht. Den „wirtschaftlichen Konzern Kirche“ finde ich sogar bemerkenswert.
Eine Frage, liebe Frau Ulrike Ludy . Was halten sie vom folgenden Bericht aus dem Leben:
Meine Mutter ist strengst gläubig erzogen worden. Sie hat vieles, auch schlechtes erlebt, hat oft mit Gott gehadert, sich jedoch nie so richtig von ihm abgewandt (trotz der Einsicht, dass es zumindest den Gott aus der Bibel gar nicht geben kann). Sie hat immer wieder zur Kirche zurückgefunden.
Vor ca. 10 Jahren fing sie an, sich, obwohl sie noch körperlich wie auch geistig fit wie ein Turnschuh war, Gedanken über das Sterben zu machen. Selbstmord ist ein Tabu in der katholischen Kirche. Doch der Gedanke, dass es auch mal schlechter werden kann, ängstigte sie. Ihr Nachbar, um den sie sich aufopferungsvoll kümmerte, erhielt im Krankenhaus nicht seinen letzen Willen, von den Schläuchen, an denen er lag, befreit zu werden - trotz vorheriger, auch schriftlicher Absprache mit dem Krankenhaus. Ich persönlich habe ihm einen Tag vor seinem traurigen Tod noch in seine verzweifelten Augen geschaut.
Meine Mutter will so nicht sterben! Bevor es einmal soweit kommen könnte, wünscht sie sich einen tödlichen Unfall. Und ich bin mir sicher, dass irgendwann einmal das Telefon klingelt und die Polizei mit einer Todesnachricht anruft. Meine Mutter ist mittlerweile 86 Jahre alt und geistig immer noch total fit. Sonntags besucht sie die Kirche. Nicht weil sie zu Gott beten will, auch nicht weil sie den Konzern Kirche toll findet. Nein, weil sie es so gewohnt ist, weil sie so erzogen wurde, weil sie dort ihre ebenso überwiegend alleinlebenden Freundinnen trifft, mit denen sie dann nach der Messe Essen geht.
Körperlich geht es meiner Mutter nicht mehr so gut wie vor 10 Jahren, das belastet sie sehr. Sie sieht immer schlechter (Makula fortgeschritten). Ihr Lebenswille schwindet und sie fährt halbblind jeden Tag im Weinberg Fahrrad, auch in der Hoffnung, dass sie einen tödlichen Unfall haben könnte.
Lieber wäre es ihr, meine Schwester und ich würden am Tag ihres Todes neben ihr am Bett sitzen, ihre Hand halten und dafür sorgen, dass sie auch nicht einen Tag gezwungen wird, an irgendwelchen lebensverlängernden Schläuchen zu liegen.
Begleitetes Sterben zum Beispiel in der Schweiz kommt für sie nicht in Frage. Trotz besseren Wissens hätte sie Angst, etwas Schlimmes zu tun, so hat man es ihr doch in der Kirche beigebracht.
Kurz: Meine Mutter hat wegen eines nicht existenten Gottes und der Kirche Angst vor dem Sterben. Nicht vor dem Tod an sich, sondern vor dem „Wie sterbe ich?!“

Ulrike Ludy (nicht überprüft)

Mo. 16 Nov 2015 - 20:44

Antwort auf von Juliana Bernholt (nicht überprüft)

Schön, dass Sie die Kirche nicht hassen. Aber glauben sie mir wir werden gehasst.
Es ist traurig, dass ihre Mutter keinen Halt im Glauben findet.
Die Kirche lehrt zwar das Selbstmord für einen Christen nicht angebracht ist, aber sie verurteilt niemanden der Selbstmord begangen hat. Selbstmord darf niemals zu einer Normalität in unserer Gesellschaft werden und daher bin ich auch gegen den ärztlichen begleiteten Suizid.
Ich kann ihre Mutter gut verstehen. Kein Mensch will so sterben und keiner sollte so sterben. Die Kirche hat aber nichts damit zu tun, dass ihre Mutter Angst vor dem Sterben hat. Jeder Mensch hat Angst vor dem Sterben und wer das leugnet, der belügt sich selbst. Auch gläubige Menschen haben Angst vor dem Sterben, Angst vor Schmerzen und Angst davor lange leiden zu müssen. Eine Patientenverfügung, die mittlerweile für Ärzte bindend ist kann dem vorbeugen. Ich möchte auch keine unnötigen lebensverlängernden Maßnahmen und das werde ich auch so festlegen. Vielleicht sollte sich ihre Mutter aber auch mal über die Möglichkeiten der Palliativmedizin informieren. Es ist eine Erfahrung, dass dies oft Ängste nehmen kann.
Sagen Sie ihrer Mutter, dass es keine Garantie gibt bei einem Unfall gleich zu sterben. Das kann ganz anders ausgehen und Sie verbringt den Rest ihres Lebens im Rollstuhl. Es ist doch besser Sie genießt die Zeit, die ihr bleibt und ist dankbar für jeden Tag.
Richten Sie ihrer Mutter schöne Grüße aus und ein Christ kann im Leiden Christi Trost finden. Jesus ist auch für ihre Mutter gestorben und er ist auferstanden für sie, damit sie nicht verzweifeln muss. Es steht ihr frei ihre Klagen vor Gott zu bringen und um Beistand zu bitten. Das haben gläubige Menschen schon in der Bibel getan. Viele Psalmen sprechen davon. Sagen Sie ihrer Mutter, dass ich für Sie beten werde.

Juliana Bernholt (nicht überprüft)

Di. 17 Nov 2015 - 13:22

Antwort auf von Ulrike Ludy (nicht überprüft)

Liebe Frau Ulrike Ludy,
ich möchte Ihnen nicht zu nahe treten, doch Ihre Einstellung finde ich menschenverachtend und grausam. Ich dachte, Christen stehen für Nächstenliebe.

Bernd Kammermeier (nicht überprüft)

Mo. 16 Nov 2015 - 12:48

Antwort auf von Ulrike Ludy (nicht überprüft)

"Im Namen der Wissenschaft erschaffen sie neue Menschen, töten Kranke, Behinderte und Alte."

Ich bin jedes Mal fassungslos angesichts derartig hassgetriebener Aussagen von Gläubigen. Sie werden vergeblich solche Aussagen bei Humanisten suchen, auch nicht mit umgekehrten Vorzeichen.

Oder was hielten Sie von dieser Botschaft an Gläubige? "Im Namen der Religion erschaffen sie eine neue Gesellschaft, töten lebenslustige Menschen, Andersdenkende und Ungläubige." Würde Ihnen da nicht auch der Draht aus der Mütze springen?

Ulrike Ludy (nicht überprüft)

Mo. 16 Nov 2015 - 20:22

Antwort auf von Bernd Kammermeier (nicht überprüft)

Sie haben mich nicht richtig verstanden. Säkulare Humanisten sind für die aktive Sterbehilfe, für den ärztlichen begleiteten Suizid und für die PND, oder sind Sie da eine Ausnahme? Für die aktive Sterbehilfe und den ärztlichen begleiteten Suizid braucht es Medikamente, die schnell zum Tode führen. Diese wurden von Wissenschaftlern entwickelt und bei der PND, die jetzt ganz leicht mit einem Bluttest die Diagnose bringt haben doch auch Wissenschaftler dran gearbeitet. Also dient die Wissenschaft doch ganz im Sinne der säkularen Humanisten. Wissen eigentlich das Spätabtreibungen mit dem gleichen Mittel durchgeführt werden das zum Herztod von Maximilian Kolbe geführt hat?

Sehr geehrte Frau Ludy,

können Sie mir bitte einen einzigen Nachweis für diese Behauptung bringen: "Säkulare Humanisten sind für die aktive Sterbehilfe..." Denn das ist diffamierend falsch.

Wissenschaft dient auch Ihnen, die Sie eindeutig gläubig sind: oder gehen Sie nie zum Arzt? Nehmen Sie nie Medikamente?
Fahren Sie mit Auto oder Bus? Fliegen Sie gar? All das ist Wissenschaft.

Aber in Einem haben Sie Recht: Wissenschaft dient der Aufklärung. Ansonsten hätten alle Menschen ein seltsam altmodisches Weltbild.

Sehr geehrte Frau Ludy, sind Sie zufällig bei den Zeugen Jehovas? In punkto Missionierungseifer stehen Sie ihnen jedenfalls in nichts nach. Ich weiß nicht, was Sie sich davon versprechen. Mit derart unreflektierten Aussagen legen Sie lediglich Ihren egozentrischen Charakter bloß.

Desweiteren haben Sie eigentlich nur zu erkennen gegeben, daß Sie die wissenschaftlich-ethische Diskussion um Themen wie PND, Sterbehilfe u.ä. intellektuell überfordert. Trotzdem scheint es in Ihnen ein zwanghaftes Mitteilungsbedürfnis diesbezüglich zu geben.

Falls Sie tatsächlich ein aufrichtiges Interesse an derartigen Themen haben, empfehle ich Ihnen die Lektüre von Michael Gazzanigas "Wann ist der Mensch ein Mensch. Antworten der Neurowissenschaft auf ethische Fragen." (hier: http://www.cicero.de/salon/michael-gazzaniga-wann-ist-der-mensch-ein-mensch/44271 gibt es dazu eine Rezension).

Denn, wie es im letzten Satz der Rezension treffend heißt: "Gazzanigas Ringen um Konsistenz ist eine gute Anregung zum Selberdenken."

Little Louis (nicht überprüft)

Mo. 16 Nov 2015 - 16:37

Antwort auf von Bernd Kammermeier (nicht überprüft)

@ B.K bezüglich seines Optimismus:
Ich bin da (wie schonmal kundgetan) noch etwas skeptischer, denn die Hoheit über Bildungspläne und Massenmedien haben immer noch die Kirchen.
Schon jetzt glaubt kaum mehr einer wirklich an die Worte des oder der Herrn, und doch wagen nur relativ wenige den Ausritt. Doch auf die Mitgliederzahlen berufen sich die Kirchen bezüglich der Rechtfertigung ihres Einflusses.
(Wohl zu recht!?). Und je krisenhafter die Weltläufte sich gestalten, destoweniger wird sich daran ändern.

Heide (nicht überprüft)

Mi. 18 Nov 2015 - 10:05

Antwort auf von Little Louis (nicht überprüft)

"Schon jetzt glaubt kaum mehr einer wirklich an die Worte des oder der Herrn, und doch wagen nur relativ wenige den Ausritt."
Untersuchungen sprechen von 20% kirchendistanzierten und Austrittswilligen. Der große Rest wird wohl dann eher freiwillig in den Kirchen verbleiben. Es wird niemand ausser den bei kirchlichen Einrichtungen angestellten ( was aber auch verständlich ist) gezwungen in den Kirchen zu verbleiben.
und die Kirchen haben in der Bevölkerung immer noch einen guten Ruf.

" Doch auf die Mitgliederzahlen berufen sich die Kirchen bezüglich der Rechtfertigung ihres Einflusses.
(Wohl zu recht!?)."
Genau, das ist nämlich in unserem Staat so üblich, dass sich ausser-/überparteiliche Interessensverbände bilden, auf die die von uns gewählten Politiker auch hören. Das ist Teil der Demokratie. Und die Kirchen decken nun mal knapp 60% der Bevölkerung ab. Wir dürfen den Politikern nicht allein die Schuld in die Schuhe schieben - das Volk trägt daran eine nicht unerhebliche "Mitschuld".

Klarsicht (nicht überprüft)

Mo. 23 Nov 2015 - 14:01

„So mächtig sind Kirchen“:
http://www.zeit.de/politik/2013-11/kirche-staat-kirchensteuer-bistum-landeskirche

Gunnar Schedel

geboren 1964. Dipl. Germanist, Verleger und Buchverkäufer. Gründete 1994 den Alibri Verlag und initiierte im gleichen Jahr die Assoziation Linker Verlage (aLiVe). Politisch aktiv seit Anfang der 1980er Jahre, zu­nächst vor allem in der Friedens­bewegung (DFG-VK), später zu­nehmend im Bereich Kirchen-, Religions- und Esoterik­kritik (IBKA).

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