"Fragile Demokraten" und "rechte Patrioten"

Schloss Bellevue
Schloss Bellevue, Amtssitz des deutschen Bundespräsidenten

Begriffe wie "Volk, Volksgemeinschaft und Führer" finden wieder Verwendung – nicht nur im nationalgesinnten Gedankengebräu rechtsextremer "Patrioten". Helmut Ortner über Nationalismus, die Erinnerungstilgung der AfD - und warum Bundespräsident Steinmeier als Demokratie-Mahner nicht taugt.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, ein Mann, der nicht zur schrillen, griffigen Formulierung neigt und gerne im Ungefähren bleibt, sieht Gefahr im Vollzug: "Nie in der Geschichte unseres Landes waren Demokratie und Freiheit so angegriffen und bedroht", sagte er in einer Rede zur Feierstunde "35 Jahre Friedliche Revolution" am 9. November in seiner Residenz Schloss Bellevue.

An einem Tag, der gerade wegen seiner Widersprüchlichkeit eine zentrale Rolle in der deutschen Geschichte spielt (Novemberrevolution, Hitlerputsch, Reichspogromnacht und Mauerfall), warnte er vor rechten Extremisten, mit denen es keine politische Zusammenarbeit geben dürfe, "nicht in der Regierung, nicht in den Parlamenten." Steinmeier sprach sich für die sogenannte Brandmauer aus: "Der waghalsige Versuch, Antidemokraten zu zähmen, indem man ihnen Macht gewährt, ist nicht nur in Weimar gescheitert." Diese historische Lehre lasse sich seiner Meinung nach auf die Gegenwart übertragen. "Wenn dadurch ein Teil des demokratisch gewählten Parlaments von der Gestaltung ausgeschlossen wird, so ist dieser Ausschluss doch selbst gewählt", warnte er in seiner Berliner Rede. Steinmeiers Schlusssatz: "Zeit zu verlieren haben wir nicht. Wir müssen handeln. Wir können handeln! Unsere Demokratie ist nicht dazu verurteilt, sich auszuliefern!"

Zur Feierstunde hatte der Bundespräsident auch den Schriftsteller Marko Martin geladen. Der hatte 2019 ein Buch mit dem Titel "Dissidentisches Denken" veröffentlicht, in dem er weltweit verstreut lebende Intellektuelle porträtierte, die mit ihrer Meinung angeeckt sind. Mit seiner Rede löste er allerlei Aufregung aus – vor allem bei Steinmeier. In nur 15 Minuten rechnete Martin mit der deutschen Selbstbezogenheit, der Geringschätzung Mittel- und Osteuropas und der Naivität im Umgang mit Wladimir Putin ab. Dabei sparte Martin auch den Hausherrn und früheren SPD-Außenminister Frank-Walter Steinmeier nicht aus und rügte die SPD ob ihrer "fortgesetzten Verweigerung von Lernwilligkeit". Steinmeier, der Demokratie-Mahner, saß wie versteinert, rührte keine Hand zum Applaus – und beklagte sich hinterher sichtlich erregt beim Redner. "Er ist angerauscht gekommen, um mir qua seines Amtes die Leviten zu lesen", verriet Martin der Deutschen Presse-Agentur. Der Bundespräsident habe ihn gefragt, ob es "ihm Freude mache, Politiker zu diffamieren".

So viel zum Demokratie-Advokat Steinmeier. Sein Plädoyer für "Mut und Widerständigkeit" darf unter der Rubrik "anlassgerechte Politiker-Routine" archiviert werden. Nicht zuletzt deshalb zeigen Steinmeiers Warnrufe wenig Wirkung. Richtiger: überhaupt keine Wirkung.

Nicht aus Protest, sondern aus Überzeugung

Im Herbst, wenn in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern Landtagswahlen stattfinden, könnte erstmals die AfD regieren. Der 35-jährige Ulrich Sigmund, ein smarter Typ mit solider rechtsextremistischer Gesinnung, ist Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt. Er will der erste AfD-Ministerpräsident in Deutschland werden – und seine Chancen stehen gut. Bei der jüngsten Umfrage kam seine Partei in Sachsen-Anhalt auf 40 Prozent.

Der Erfolg der AfD ist auch das Ergebnis permanenter Unterlassungen. Ob beim Thema Migration und Integration, Bildung und Bürokratie, Rente und Pflege, Klima oder Verkehr – zu viele Versäumnisse und Vertröstungen, zu wenig politischer Wille und verlässliche Klarheit. Selten hat die Politik dem Volk so wenig Ehrlichkeit zugemutet wie in diesen Zeiten. Die AfD wird nicht mehr aus Protest, sondern aus Überzeugung gewählt. Ein deutlicher Beleg dafür, dass viele Menschen den regierenden Parteien die Lösung dieser Problemfelder nicht mehr zutrauen – sich abwenden, weil sie ihnen nicht mehr vertrauen, deutlicher – ihnen misstrauen.

Eine Studie, die Anfang Dezember 2025 in Sachsen-Anhalt von der dortigen Landeszentrale für politische Bildung veröffentlicht wurde, spricht von einem hohen Anteil sogenannter "fragiler Demokraten". Damit gemeint sind Menschen, die zwar die Idee der Demokratie befürworten, sich aber auch ein Ein-Parteien-System oder einen "starken Führer" vorstellen könnten, immerhin 54 Prozent der Befragten zählten zu dieser Gruppe. Eine geschlossen rechtsextreme Einstellung liegt der Studie zufolge bei 8,6 Prozent der Bevölkerung in Sachsen-Anhalt vor.

NS-kontaminierte Begriffe finden wieder Verwendung

Begriffe wie "Volk, Volksgemeinschaft, Führer", allesamt NS-kontaminierte Begriffe, finden wieder Verwendung – nicht nur im nationalgesinnten Gedankengebräu rechtsextremer "Patrioten". Unübersehbar ist, dass eine "Veralltäglichung" von Symbolen und Begriffen der Nazi-Zeit toleriert wird. Es muss jedenfalls Gründe geben, sich wiederholt öffentlich mit NS-Parolen gemein zu machen und dann offenkundig der NS-Ideologie nahestehende Verwendung entweder glatt zu leugnen oder für gänzlich unbedeutend zu erklären. Dass dies keineswegs spontan und zufällig, sondern fortwährend rational und zielgerichtet geschieht, demonstrierte die AfD-Parteivorsitzende Alice Weidel in einem Welt-TV-Interview im Dezember 2025. Zum Kernsatz der Hitlerjugend "Alles für Deutschland", der auch von jungen Parteimitgliedern benutzt wurde, hatte sie allenfalls ein Schulterzucken übrig: "Na und?"… Der ehemalige deutsche Bundesverfassungsrichter Thomas Fischer konstatierte in seiner Spiegel-online-Kolumne treffend eine "Verschmelzung von 'Programm und Psychogramm'".

Nein, nicht alle, die die rechtsextreme AfD wählen, sind Nazis, aber sie müssen sich vorwerfen lassen, rechtsradikale und rechtsextremistische Politiker mit weitreichenden parlamentarischen Legitimationen und Eingriffsmöglichkeiten auszustatten, deren Ziel es ist, die Grundlagen unserer liberalen Demokratie radikal und strategisch zu bekämpfen – und abzuschaffen. Sie wollen ein anderes Land. Die Entsorgung der NS-Vergangenheit gehört dazu.

Vom Autor erscheint im Februar:

Gnadenlos deutsch, Täter, Helfer und Zuschauer – und die Entsorgung der NS-Zeit. Aktuelle Reportagen aus der Vergangenheit, Alibri Verlag, 320 Seiten, 24 Euro

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Kommentare (22)

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GeBa (nicht überprüft)

Mo. 26 Jan 2026 - 12:02

Kaum sind 80 Jahre seit dem 2. Weltkrieg vergangen, wird wieder nationalistisch gedacht
und gehandelt, nichts gelernt aus der Vergangenheit, wer nichts gelernt hat muß alle Fehler wiederholen, anscheinend eine Gesetzlichkeit!

Dem kann ich nur zustimmen. Diese schmalköpfige Denkart scheint wieder und wieder Anknüpfungspunkte zu finden, was ich in Anbetracht der globalen Herausforderungen aber den Möglichkeiten zur Bewältigung und den riesigen Chancen für die Menschheit die in ihnen liegen ziemlich seltsam finde. Ich glaube wirklich, dass das damit zu tun hat, dass wir gerade im Internet zu schwach waren und nicht mehr ausreichend laut auftreten. Wir brauchen wieder starke öffentlichkeitswirksame Auftritte, die Hoffnung und Chancen aufzeigen. Es kann doch nicht sein, dass diese Denkart wirklich anspruchslosester Sorte sich darstellen kann während wir zu ruhig sind. Es braucht wieder mehr progressive Inhalte.

Thomas Weissenberg (nicht überprüft)

Mo. 26 Jan 2026 - 12:40

Der Autor beschwert sich über Bundespräsident Frank-Walter Steinmeiers Unklarheit der Aussagen - bleibt "gerne im Ungefähren" -, sagt aber selber - was? Kann mir jemand sagen, worauf Helmut Ortner hinaus will? Dass die AFD eine rechte Partei mit rechtem Programm ist, sollte doch bekannt sein, oder?

Bernie (nicht überprüft)

Mo. 26 Jan 2026 - 12:46

Bei aller Zu- sowie Übereinstimmung mit Herrn Ortners Artikel in einem Punkt irrt er - vielleicht aus Unkenntnis? Die NS-Kontaminierten Begriffe gibt es schon seit 1945. In meiner Jugend in den 90-er Jahren las ich mal ein Buch mit dem treffenden Titel "NS-Vokabular", und da wurden auch vermeintlich harmlose Begriffe wie "Betreuung" und "Sonderbehandlung" z.B. als NS-Vokabular - heute würde man dazu ns-kontaminierte Begriffe sagen - enttarnt. Eigentlich müßte es eine Ent-Nazifizierung der deutschen Sprache generell geben, aber was bliebe dann noch übrig von Begriffen, die so in den Alltag eingegangen sind, dass der unbedarfte Normalbürger diese nicht für NS-kontaminierte Begriffe hält. Übrigens auch vermeintlich linke Zeitgenossen benutzen Neo-Nazi-Sprache - wenn auch unbewußt, so las ich in einem dezidiert linken Buch den Begriff "Gutmensch" - der kam mir aber früher über einen entfernten Verwandten zum ersten Mal vor der den Begiff als Mitglied der damals rechtsextremen Republikaner benutzte. Wäre mal eine Aufgabe für einen Duden dies ns-kontaminierten Begriffe zu enttarnen, und zwar zugeschnitten auf 2026. Gruß
Bernie

Peter Blohm (nicht überprüft)

Mo. 26 Jan 2026 - 13:41

Moin,
nur ein Hinweis zur Richtigstellung:
Die Parole "Alles für Deutschland" war der Leitspruch der SA.
Die HJ benutzte "Blut und Ehre"
A

H. Lambert (nicht überprüft)

Mo. 26 Jan 2026 - 22:20

Ich stimme dem Artikel weitgehend zu, halte allerdings die Bezüge zum Nationalsozialismus teils für voreilig:
1. Volk und Einsatz für die Gemeinschaft entspricht dem Amtseid nach GG.
2. Es zeigt auch ein mangelndes Verständnis der Lehren aus Weimar, wenn die Gefahr von links verniedlicht wird. Die Kommunisten haben durch ihre Polarisierung durch Gewalt einen gehörigen Anteil an Hitler, und im Falle eines kommunistischen Erfolges hier der Stalinismus geherrscht hätte.
3. Da ist es ja eine Blindheit, dass die Linken, in verschiedenen Parteien, sich als Verteidiger der Demokratie aufspielen und sogar sich anmaßen, zu bestimmen, wer mit wem koalieren darf (Brandmauer).
4. Die Verweigerung der Parteien seit fast 20 Jahren Hauptziele der Mehrheit oder großer Teile der Bevölkerung zu berücksichtigen und das Auftreten ungebildeter aber ideologisch verengter Parteienvertreter ist eine unverantwortliche Infragestellung der Demokratie.

Dipl. Phil. He… (nicht überprüft)

Di. 27 Jan 2026 - 14:05

Antwort auf von H. Lambert (nicht überprüft)

Absolut, H. Lambert, danke für Ihren treffenden Kommentar. Seit mindestens 2015 beobachten wir bei den etablierten Parteien ein Gebaren nach Kita-Sandkastenmanier "Nein, mit dem Klausi spiele ich nicht". Dabei haben dieses demokratischen Prinzipien und Usancen zu folgen. Dass natürlich viele Bürger durch die Umbrüche der letzten Jahre zutiefst verunsichert sind - Kriege, zunehmende Kriminalität, Terroranschläge, politischer Islam, Antisemitismus, Verarmung der Mittelschicht, Verlust von Identität , explosionsartige Zinahme bis dato unbekannter Delikte wie Gruppenvergewaltigungen, etc. - dazu muss die Politik endlich Antworten geben und Maßnahmen liefern. Verbote sind naiv, töricht und lächerlich und sind den Ostdeutschen noch aus jüngster Vergangenheit allzu gut bekannt. Daher reagieren diese reflexartig erst recht mit politischer Bockigkeit.

Dipl. Phil Helena P. (nicht überprüft)

Di. 27 Jan 2026 - 17:01

Antwort auf von H. Lambert (nicht überprüft)

Ihrer auch - ich freue mich auf weitere Kommentare von Ihnen. In der Hoffnung, die politischen Parteien steigen endlich in inhaltliche Diskurse zum Wohle unseres Landes ein.

Helmut Lambert (nicht überprüft)

Mi. 28 Jan 2026 - 10:25

Antwort auf von Dipl. Phil Helena P. (nicht überprüft)

Vielen Dank für Ihre Ermutigung. Hier noch etwas Grundsätzliches : Niklas Luhmann bezeichnet die alten Gesellschaftssysteme (Aristokratien, Monarchien, Tyranneien.., ) als statifizierte Gesellschaften, weil sie immer von einer kleinen Gruppe militärisch Bewaffneter geführt wurden und die Mehrheit (95%) unterdrückt haben. Dieses System wurden nur im Westen in der Neuzeit überwunden und es konnten sich hier liberale Demokratien etablieren, nach Luhmann funktional differenzierte Systeme. Zu den unterdrückerischen Systemen gehörte notwendig die Herausbildung eines bestimmten Menschentyps, des „Untertanen“, der nach Norbert Elias durch den militärischen Verhaltens- und Empfindungskanon geprägt ist: Gläubig, hierarchisch, engstirnig, fanatisch, intolerant, antiaufklärerisch, aggressiv. Dagegen ist der Habitustyp der Demokratien durch das Gegenteil, den zivilen Werte kanon geprägt: Aufgeklärt, tolerant, empathisch, friedlich. Die Gefahr besteht heute darin, dass wir vor lauter Aufgeklärtheit, Toleranz und Naivität die Gefahr der fanatischen Vertreter des militärischen Kanons völlig unterschätzen und glauben, die Anpassung an unsere Werte erfolgte automatisch. Das hat sich als schwerwiegender Fehler herausgestellt, wird aber nicht korrigiert. Die hier geschilderte gesellschaftliche Erklärungsbasis habe ich zur Erklärung des Antisemitsmus verwandt und bin zu ganz anderen Begründungen als den gängigen gekommen, mit ganz anderen Frontverläufen.

Dipl. Phil. He… (nicht überprüft)

Mi. 28 Jan 2026 - 17:56

Antwort auf von Helmut Lambert (nicht überprüft)

Da bin ich völlig bei Ihnen und habe es 20 Jahre in meiner beruflichen Laufbahn (Justiz) tagtäglich miterleben müssen. Gegen den zivilen, aufgeklärten Wertekanon der Demokratien ist auch nichts einzuwenden, solange diese an einer Stelle wachsam bleiben - bei der Aushebelung von verfassungsmäßig garantierten Grundrechten und -freiheiten, im weiteren Sinne den europäischen Verfassungen.
Insofern bin ich dann auch Verfechterin der aktiven, wehrhaften Demokratien, für die die einmal erreichten, verbindlichen Verfassungen nicht verhandelbar sind. Toleranz endet dort, wo in Grundrechte und -freiheiten eingegriffen wird. An dieser Stelle haben Demokratien deutlich für sich einzutreten und entsprechende Grenzen zu ziehen. In den letzten ca. 35 Jahren haben wir gerade in den westeuropäischen Gesellschaften so viel Toleranz und grenzenlose Naivität erlebt, die die Etablierung anderer, paralleler Rechtsordnungen inmitten Europas erst möglich gemacht haben. Automatische Anpassungen an Werteordnungen erfolgen in keiner Weise automatisch, was sich aus der Geschichte ableiten lässt. Die Anpassungen müssen selbstredend gesteuert, aktiv eingefordert und immer wieder nachjustiert werden.

Es wäre interessant zu erfahren, welche Medien Sie so konsumieren, dass Sie eine Zunahme von Kriminalität, explosionsartige Zunahme von Gruppenvergewaltigungen, Verlust von Identität etc. beklagen. Ich will nichts schönfärben – aber kann es sein, dass dies unbewusst Teil des teils abstrusen Schlechtredens ist, das wir in den letzten Jahren von der AfD erleben? Was schlimme Kriege und Islamismus angeht, so sind es ja genau die identitären bis offen faschistischen Ideologien, die uns diese bescheren – und die wir nun in Gestalt der AfD in Deutschland abwehren sollten. In einem Punkt gebe ich Ihnen Recht: Der Abstand zwischen den reichsten und den ärmsten ist in Deutschland größer geworden. Aber auch das zum einen Jammern auf höchstem Niveau. Und zum anderen ist es kein Grund, Adelsbeflissene rechtsextreme zu wählen, die sich bemühen mit Industriekontakten à la Müllermilch Hitlers Werdegang zu imitieren – denn die befördern ja genau diese Entwicklung. Zuletzt der Vorwurf mit der Brandmauer. Nun, Koalitionen sind eine strategische Entscheidung der Parteien, daran ist nicht undemokratisches. Nicht mal ein Verbot einer nachweislich undemokratischen Partei erschiene mir undemokratisch – im Gegenteil. Ob man der AfD dies nachweisen kann, ist eine Frage. Immerhin eifern sie Trump in vielem nach, bringen immer gern mal Wahlbetrug ins Spiel, wenn ihnen etwas nicht passt, stehen gewaltbereiten Putschisten nahe usw. Ja, dumm, dass in manchen Gegenden 40 % der Deutschen diesen Rattenfängern nachlaufen. Ich kann es mir nur mit medialer Verblendung erklären, die einen Großteil der Wirklichkeit ausblendet. Das ist mehr als beunruhigend, das muss uns hellwach machen für jeden Schritt in eine totalitäre Richtung. Ihren Hinweis auf einen damals denkbaren deutschen Stalinismus in Ehren und die akut auf den Nägeln brennende „linke Gefahr“ … Aber darf man das als Ablenken der absolut real mit Händen greifbaren rechten Gefahr bezeichnen?

Dipl. Phil. He… (nicht überprüft)

Do. 29 Jan 2026 - 11:28

Antwort auf von pi (nicht überprüft)

"Welche Medien Sie so konsumieren..." Schlichte BKA- und Polizeiliche Kriminalstatistiken. Fakten. Würde ich Ihnen auch einmal empfehlen wollen. So kommt man aus der eigenen Blase heraus.

pi (nicht überprüft)

Do. 29 Jan 2026 - 15:15

Antwort auf von Dipl. Phil. He… (nicht überprüft)

Dann können Sie dort ja sehen, dass es zzt. keinen Anstieg der Kriminalität und keinen „explosionsartigen Anstieg von Massenvergewaltigungen" gibt. Es gibt bei Gewaltkriminalität einen Anstieg (bei Anzeigen und Verurteilungen), es sind schlimme Delikte. Was wir parallel dazu erleben ist, dass rechtsextreme ihr Süppchen auf Pauschalisierungen mit Sündenböcken kochen, ohne Interesse an Fakten geschweige denn Lösungen zu haben. Der Grund für den Aufstieg der AfD ist m.M.n. nicht in irgendwelchen realen Verhältnissen zu suchen (in Sachsen gibt es keine Ausländer, junge urbane Frauen fühlen sich nicht verunsichert und wählen nicht die AfD), sondern zu 80% in einer polarisierenden medialen Blase, die nach Kräften von Gegnern der liberalen Demokratie gefördert wird (was seit der Corona-Zeit zunehmend nachweisbar ist).

Genau, Herr/Frau PI. - alles nicht existent:

Kölner Domplatte, IS-Terrorangriffe in D wie Breitscheidplatz/Berlin, Solingen, Magdeburg, Duisburg, Mannheim, Sauerland, Frankfurt/Main, Bonn, Hannover, Würzburg, Ansbach, Hamburg...
https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/chronik-islamistischer-terror-deutschland-100.html

Ehrenmorde zur Wiederherstellung der Familienehre, Gruppenvergewaltigungen, stetig ansteigender Antisemitismus, Femizide, Notwendigkeit von Fussfesseln, etc.pp.

Zitat Homepage GdP:
https://www.gdp.de/bund/de/stories/2025/04/die-eskalation-des-islamischen-extremismus-und-terrorismus-in-deutschland-bedrohungen-fuer-die-westliche-demokratie

"Die Flüchtlingskrise von 2015, bei der über eine Million Asylsuchende nach Deutschland kamen, verschärfte gesellschaftliche Spannungen und schuf ein fruchtbares Rekrutierungsumfeld für Extremisten (Statista, 2023; State, 2024). Viele dieser Asylsuchenden kamen aus Konfliktgebieten wie Syrien, Irak und Afghanistan, wo Gruppen wie der Islamische Staat (IS) florierten (Project, Germany: Extremism and Terrorism, 2025).

Ich möchte die Argumentation mit Ihnen jetzt gern beenden.

Nachtrag:

Statista: "Im Jahr 2024 wurden in Deutschland rund 13.300 Vergewaltigungen, sexuelle Nötigungen und sexuelle Übergriffe im besonders schweren Fall polizeilich erfasst. Damit stieg ihre Zahl das sechste Jahr in Folge und auf einen erneuten Höchststand. Als möglichen Grund für diesen Anstieg nennt das Bundeskriminalamt (BKA) auch eine höhere Anzeigebereitschaft bei Sexualstraftaten. Da ein Fall bzw. eine Tat mehrere Opfer haben kann, gab es im selben Jahr insgesamt circa 13.500 Opfer solcher schweren Sexualdelikte."

Verdoppelung der Deliktszahl seit 2014.

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/200877/umfrage/vergewaltigung-und-sexuelle-noetigung/

pi (nicht überprüft)

Fr. 30 Jan 2026 - 10:29

Antwort auf von Dipl. Phil. He… (nicht überprüft)

Ich möchte das nicht beenden, weil Sie hier zentrale Narrative der Rechtsextremen wiedergeben, die man nicht so stehen lassen sollte.

• Islamistiche Angriffe: Ja, diese gibt es und sie sind ein Reisenproblem. Die 99,9 % der daran unschuldigen Migrant:innen dafür in Sippenhaft zu nehmen ist für diese Menschen und uns alle ebenfalls ein Riesenproblem und liegt exakt im Kaklkül der Terroristen. Die AfD hat nicht nur kein Rezept dagegen, sondern spielt das identitäre Spiel exakt mit und belohnt die terroristische Strategie damit. Kriminalistische Arbeit, gezielte Ausweisung von Radikalen und eine Integration, die diesen Namen verdient (Arbeit, Soziale Kontakte) könnten das Problem zumindest mildern, obwohl es immer bestehen wird, solange islamistische Ideologie bei uns gibt und diese geduldet wird.

• Sexuelle Übergriffe: Ja, diese gibt es und auch die sind ein Riesenproblem. Bei einer Zunahme Verdoppelung von Anzeigen in 12 Jahren (sichtbar in keiner Relation zu jeweiligen Migrantenzahlen), vor dem Hintergrund der Mee-too-Bewegung uvm. von einer Explosionsartigen Zunahme zu sprechen ist was? Genau: interessengesteuerte Proaganda. Es wird hier konkret und sichtbar eine postdemokratische Machtergreifung vorbereitet und später wird man sagen „Ja, das mit den vielen Vergewaltigungen war nicht mehr zu ertragen.“ In einer Gesellschaft wie sie der AfD vorschwebt würden Vergewaltigugen zunehmen und niemand würde mehr darüber reden. Vergewaltigung in der Ehe würde als Straftatbestand abgeschafft und Frauen würden gezwungen, Schwangerschaften aus Vergewaltigungen auszutragen. Wir sehen das alles in den Ländern, in denen derartige Regierungen an die Macht kommen.

Falls Sie mit der AfD nichtas am Hut haben sollten, würde mich das freuen und ich bin absolut gegen eine Tabuisierung der Debatte. Einer populistischen, sensationsgetriebenen Aufbauschung sollten wir widerstehen. Multiresistente Krankenhauskeime wären objektiv betrachtet ein sehr viel wichtigeres Thema als islamistische Anschläge – aber Terror funtioniert nun mal durch psychologie. „Keep calm and carry on“ ist ein Teil der Lösung, ergebnisorientierte Fahndung und Prävantion ein anderer Teil. Islam- und Patriarchatskritik ist notwendig. Rechtspopulisten wählen oder ihren Positionen nachlaufen, verschärft unsere Probleme, statt irgendwas zu lösen.

"Zentrale Narrative der Rechtsextremen"...
Ich hatte Ihnen ein/en Zitat bzw. Auszug der Homepage der GdP Gewerkschaft der Polizei und von Statista, der Statistik-Plattform in den Kommentar gestellt - auch zentrale Narrative der Rechtsextremen?
Ihre Argumentation wirkt auf mich höchst tendenziös und unsachlich. Daher beende ich hiermit den Diskurs und wünsche Ihnen noch einen schönen Tag.

pi (nicht überprüft)

Fr. 30 Jan 2026 - 12:24

Antwort auf von Dipl. Phil. He… (nicht überprüft)

Der GdP ist hier nichts vorzuwerfen, die Frage ist was man daraus macht. Ich sehe einfach nicht, dass „die Politik“ (auch gern: „die Altparteien“) keine Antworten gäbe auf „Kriege, zunehmende Kriminalität, Terroranschläge, politischer Islam, Antisemitismus, Verarmung der Mittelschicht, Verlust von Identität, explosionsartige Zunahme bis dato unbekannter Delikte wie Gruppenvergewaltigungen, etc.“ und man also Verständnis haben müsse, dass irgendwer Rechtspopulisten wählt. All diese Felder sind Gegenstand politischen Handelns im demokratischen Spektrum – mit mehr oder weniger Erfolg. Entschuldigen Sie meine Hartleibigkeit, ich wollte das einfach nicht unkommentiert in einem humanistischen Forum stehen lassen. Auch Ihnen einen schönen Tag!

Dipl. Phil. He… (nicht überprüft)

Fr. 30 Jan 2026 - 13:22

Antwort auf von pi (nicht überprüft)

Da Sie hier den Kontext des "humanistischen Forums" anführen: Dann bitte auch einmal diesen "humanistischen Kontext" für die unzähligen Opfer von Terror- und Sexualstraftaten öffnen. Mit diesen haben wir bei BKA und LKA tagtäglich (!) - und als betroffene Vernehmungsbeamte überwiegend hilflos - zu tun.
Die Berliner Opfer vom Breitscheidplatz (2016) kämpfen z.B. bis heute - zirka 10 Jahre danach- vor den Versorgungsverwaltungen erfolglos um staatliche Entschädigungsleistungen, die Mehrheit davon mittlerweile über Klageverfahren. Moralische Vorträge können Sie diesen schwerst gesundheitlich Betroffen ersparen.
Wo bleibt denn hier Ihr wohlmeinender "humanistischer Ansatz"? Oder wird auch diese Argumentation Ihrerseits als "rechtsextreme Narrative" gewertet?

Ich weiß nicht, warum Sie mir hier alles mögliche unterstellen. Natürlich muss so sinnvoll und effizient wie möglich gegen Straftaten vorgegangen und den Opfern geholfen werden. Was in ihrem düsteren Gemälde von Deutschland untergeht ist, dass wir in einem vergleichsweise äußert sicheren Land leben. Dass wir Opfer normalerweise sehen und uns bemühen zu helfen – auch wenn das manchmal wohl schlecht gelingt. Was mir bei Ihrer Argumentation komplett fehlt, ist, worauf Sie hinaus wollen. Ich lese zwischen den Zeilen, dass Sie Ihre Hoffnung auf die AfD oder andere rechte „Patrioten“ setzen. Wenn ich da falsch liege, dann nennen Sie doch gern Ihre Rezeptur für eine friedlichere Gesellschaft.

Falls ich doch richtig liegen sollte, dann sei Ihnen gesagt: Wenn die AfD Deutschland regiert, dann werden diese Verhältnisse nicht besser, sondern schlechter. Propagandistisch wird man Sie in MAGA-Manier glauben lassen, Sie seien sicherer, es werde abgeschoben, dass es nur so kracht, alles gehe bergauf usw. Während gleichzeitig die Vergewaltigung in der Ehe straflos gemacht wird, die Abtreibung nach Vergewaltigung unmöglich gemacht wird, Sexualaufklärung und Ethikunterricht abgeschafft, der Klerus heilig gesprochen, die Statistik gefälscht und kritische Pressestimmen mundtot gemacht werden. Dazu ein gerüttelt Maß an Adelsprivilegien, klandestine Bruderschaften und Korruption, die dann natürlich auch nicht aufgeklärt werden. Wir haben es in Ungarn erlebt, in Polen, in den USA – wir wollen es nicht in Deutschland. Auch weil uns an der inneren Sicherheit (die immer relativ ist) gelegen ist. Ganz im Sinne der Opfer und des Humanismus.

Auch hier wieder einmal eine völlig faktenfreie Argumentation fernab jeglicher Realitäten von Ihnen - in jedem ordentlichen Gerichtsverfahren würden Sie krachend scheitern.

Bitte recherchieren Sie doch einmal - D gehört schon lange nicht mehr zu den sichersten Ländern der Welt. Es sind dies: Island, Schweiz, Norwegen, Finnland, Dänemark, Singapur.,Neuseeland, Japan, Luxemburg,
Kanada.
https://www.travelnews.ch/here-and-there/31321-das-sind-2026-die-sichersten-laender-der-welt.html

Auch über die dramatisch schlechte Entschädigung der Opfer von Kriminalität und Terror haben Opferhilfsorganisationen wie der Weisse Ring bereits vollumfänglich berichtet. Terroropfer wie die vom Breitscheidplatz/2016 Berlin werden seit 10 Jahren nicht entschädigt. Jeder 2. Antrag auf Opferentschädigung wird abgelehnt. Die niedrigsten Anerkennungsquoten hatten wir 2023:
https://wr-magazin.de/opferentschaedigung-jeder-zweite-antrag-wird-abgelehnt/

Offensichtlich wird zudem jeder Angehöriger der rechtsberatenden und rechtsvertretenden Berufe reflexartig im "rechten" politischen Milieu verortet. Dies gilt dann wohl geichermaßen für rechtskonform, Rechtssystem, rechtsgültiges Urteil, Rechtsanwalt, etc.pp.

Und gleichermaßen für eine Vielzahl von EU-Mitgliedstaaten mit rechtskonservativen Regierungen/sbeteiligungen - Polen, Ungarn, Schweden, Italien, Niederlande, Österreich, Finnland, etc.pp.. Das "rechte" Polen ist die am stärksten wachsende Volkswirtschaft der EU mit der schlagkräftigsten Nato-Armee:
https://www.polskieradio.pl/400/7764/Artykul/3647405,finanzminister-domanski-h%C3%B6chstes-polnisches-bip%E2%80%91wachstum-seit-drei-jahren

"Bei der Europawahl 2024 gaben rund 360 Millionen Wahlberechtigte in 27 EU-Ländern ihre Stimme ab. Konservative und Rechtsaußen-Parteien erzielten dabei massive Gewinne und gehörten damit zu den Wahlsiegern."
https://www.deutschlandfunk.de/rechtspopulismus-rechtsextremismus-europa-rechtsruck-100.html

Wollen Sie all diese EU-Bürgerinnen und EU-Bürger nun als AfD-nah, postfaschistisch, als Neonazis oder Nazis verorten?

Was ist für Sie denn eigentlich "rechts" - Rechtsprechung?

Ihre Argumentation ist doch einfach nur noch lächerlich und führt sich selbst ad absurdum.

Helmut Ortner

Der Autor (1950) ist Beiratsmitglied der Giordano-Bruno-Stiftung. Er hat zahlreiche Bücher veröffentlicht, die in über 14 Sprachen erschienen sind. Zuletzt: "EXIT. Warum wir weniger Religion brauchen – Eine Abrechnung", mit Beiträgen von namhaften Köpfen der säkularen Szene. Nomen Verlag, Frankfurt 2019.

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